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Montag, 21. Februar 2022

Ritter an der Ruhr

Für die katholische Wochenzeitung Neues Ruhrwort konnte ich jetzt eine bemerkenswerte Ausstellung des Sozialanthropologen Dennis Beckmann im Stadt- und Kulturhistorischen Museum Duisburg besuchen.

Das Museum findet man im Innenhafen, gleich gegenüber dem Landesarchiv. Es ist mit der Straßenbahnlinie 901 gut erreichbar. Es lohnt sich. 

Bis zum 27. März kann man dort die anschaulich aufgearbeitete und in Wort und Bild aufgearbeitete Geschichte der christlichen Ritter und ihres Einflusses auf Duisburg betrachten. 

Die Johanniter und den Deutschen Orden bringt man vor allem mit den Kreuzzügen und ostpreußischen Marienburg in Verbindung. Letztere steht für die nicht nur im Ostseeraum relevante staatliche Macht des Deutschen Ritterordens.

Die Johanniter, die mit der Reformation des 16. Jahrhunderts evangelisch wurden, verbindet man heute vor allem mit der Johanniter Unfallhilfe.

Weniger bekannt ist ihr Duisburger Wirken als Kirchenbaumeister (Marienkirche), als Seelsorger (Salvatorkirche) und als Träger eines Hospitals an der Marienkirche, in dem nicht nur Kranke gepflegt, sondern auch Arme und Pilger ein Obdach fanden.

Die Duisburger Ausstellung beleuchtet auch den Widerspruch zwischen dem christlichen Ethos der Ritterorden und ihrer blutigen Kreuzfahrergeschichte.


Zum Neuen Ruhrwort

Mittwoch, 28. Juli 2021

Singen macht Freu(n)de

 Ein Konzertmotto des Männergesangvereins Heißen lautete: „Lieder sind die besten Freunde“. Tatsächlich ziehen sich Freundschaften und Geselligkeit wie ein roter Faden durch die 100-jährige Geschichte des Heißener Männergesangvereins.

Dafür, dass sich zunächst 13 Chorbrüder fanden, die einen Männergesangverein gründeten, sorgte 1921 die Gastwirtin Maria Heckmann, genannt Mariechen. Sie brachte die männlichen Stammgäste ihrer Gaststätte „Hingberg Höhe“ an der Ecke Hingbergstraße/Ottostraße zum Singen. Auch vor 100 Jahren war „Mann“ gut beraten dem Rat einer klugen Frau zu folgen. Das taten die Sänger des zunächst von Friedrich Volkenborn geleiteten MGV Heißen auch 2017, als sie sich von ihren Frauen, die sich regelmäßig zum Stammtisch treffen, dazu bringen ließen, eine Chorfassung von Helene Fischers Schlager: „Atemlos durch die Nacht“ auf die Bühne zu bringen. Nicht nur das weibliche Publikum war begeistert.

Mehrsprachig und vielseitig

Obwohl der inzwischen von Klauspeter Rechenbach geleitete Chor ein modernes, mehrsprachiges und vielseitiges Repertoire singt, zu dem Shantys, Gospels, Schlager und Operetten-Ohrwürmer gehören, macht das mit 74 Jahren, 5. jüngste Chormitglied Jochen Jeske, keinen Hehl daraus, dass er den klassischen Männerchor als ein Auslaufmodell betrachtet. „Wir bekommen einfach keinen Nachwuchs, weil sich die Interessen der jüngeren Generation verändert haben. Heute beschäftigen sich die jungen Leute lieber mit ihrem Smartphone als mit gemeinsamen Gesang“, bedauert Jeske.


Er selbst entdeckte bereits in den 1960er Jahren als Mitglied des Essen Mülheimer Jugendchores die Freude am gemeinsamen Gesang. Unsere Konzertreise in die USA, die mir meine Eltern 1963 ermöglichten, bleibt mir ein prägendes Erlebnis“, sagt Jeske. Deshalb ließ er sich vor 50 Jahren auch gerne für den Männergesangverein Heißen gewinnen. „Damals probten wir noch in der Gaststätte Ternieden an der Ecke Hingbergstraße/Wiescher Weg. Und jeder Mann, der neu nach Heißen kam und bei Ternieden einkehrte, bekam mit der Speisekarte ein Aufnahmeformular für den MGV Heißen“, erinnert sich Jeske.

Gemeinsamkeit ist schön

Wie seine Sangesbrüder, die dem Chor über Jahrzehnte treu geblieben sind, hat er den Beitritt nie bereut. 2021 werden es 50 Jahre. Die gemeinsamen Proben, die gemeinsamen Konzerte, die gemeinsamen Sängerreisen und die Chorfeste gehören zu den schönsten Erlebnissen und Erinnerungen seines Lebens. Im MGV Heißen fand Jeske Freunde fürs Leben. „Wir haben Glück, dass uns unser Vorsitzender Gerd Hermann Mombour auf seinem Grundstück an der Heinrichstraße 14 Räumlichkeiten für unsere Proben zur Verfügung stellen kann. Denn Chöre, die darauf angewiesen sind, in einer Gaststätte zu proben, haben oft Schwierigkeiten ein Probenlokal zu finden und bezahlen zu können“, beschreibt der Chorbruder die Lage der Liederfreunde. Corona hat auch das Jubiläum des MGV Heißen durcheinandergebracht. Jubiläumskonzert, Sängerfest Sängerfahrt und die Vereinsfahrt nach Hamburg mussten auf 2022 verschoben werden.

Ab 10. August wird wieder geprobt

Immerhin können sich die 24 aktiven Sänger des MGV Heißen, denen eine sangesfreudige Verstärkung immer willkommen ist, am Dienstag, den 10. August um 18:30 Uhr zu ihrer ersten Probe nach den Sommerferien auf dem Grundstück ihres Vorsitzenden an der Heinrichstraße 14 treffen.
Nach dem Konzert im Theatersaal der Freien Waldorfschule an der Blumendeller Straße traten der MGV 1921 in den folgen Jahren mit dem Chorfreunden vom Oberhausener Chor MGV Cäcilia 1885 dann im Caritas-Zentrum St Raphael am Hingberg, in der evangelischen Gnadenkirche am Heißener Markt, , auf dem Heißener Bauernhof der Familie Steineshoff und beim Sängerfrühschoppen im Kloster Saarn auf und sind dankbar dafür, dass sie den 100. Geburtstag ihres Gesangvereins noch feiern können. Viele Traditionschöre, zuletzt der 1878 als Thyssen-Chor gegründete Mannesmannchor haben sich in den letzten Jahren, mangels Masse und Klang, auflösen müssen. Den demografischen Wandel sorgt für einen anhaltenden Mitgliederschwund der Männerchöre.
Schaut man auf die Internetseite des Chorverbandes Nordrhein-Westfalen, entdeckt man heute dort noch die Mülheimer Chöre der Friedrich-Wilhelms- Hütte von 1929, den Mülheimer Frauenchor 1995, die 1860 gegründeten Männergesangvereine Saarn und Broich, die Liederfreunde von 1921, den Ruhrschrei, den jungen Chor Charisma und den Mülheimer Jazz- und Popchor.

Ein Stück Stadtgeschichte

Vor 100 Jahren, als es in Mülheim noch mehr als 250 Gaststätten gab, waren Chöre als Orte der kreativen Freizeitgestaltung, der sozialen Geselligkeit und der Nachbarschaftshilfe angesagt. Wie der Vater, so ging auch der Sohn in den Männerchor, der in der Eckkneipe ein nahes, schönes und preiswertes Freizeitvergnügen war. Die meisten Menschen arbeiteten 48 Stunden pro Woche. Die knappe Freizeit verbrachte man am besten vor der Haustür. Radio, Fernsehen und Internet gab es nicht. Die meisten Menschen fuhren weder in Urlaub noch mit dem Auto, sondern bestenfalls mit der Straßenbahn. In der Regel gingen sie aber zu Fuß und investierten das gesparte Geld in das Bierchen nach der Chorprobe.

In den bis 1945 reichlich vorhandenen Krisen- und Kriegszeiten, aber auch im Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg waren Chöre und andere Vereine soziale Netzwerke nachbarschaftlicher Lebenshilfe und gelebter Lebensfreude. Diese chorale Lebensfreude wollen sich die insgesamt rund 100 aktiven und passiven Mitglieder des Männergesangvereins Heißen so lange erhalten wie möglich.


MW/LK, 27.07.2021

Samstag, 20. Februar 2016

Mölmscher „Gemischtwarenladen“ statt Leerstand In einer alten Bäckerei an der Oberstraße sind jetzt Kunst und Geschichte im Angebot

Bernd Simmerock, Gerd Kampf und Dirk von Eicken (v.l.)
gewähren in ihrem Kunst- und Geschichtsladen interessante
 Einblicke in das alte Mülheim. 
Dirk von Eicken, Bernd Simmerock und Gerd Kampf sind drei kreative Köpfe. Sie interessieren sich als gebürtige und bekennende Mülheimer für alles, was mit der Geschichte ihrer Heimatstadt zu tun hat.

Deshalb haben sie ein leerstehende Ladenlokal an der Oberstraße 27 zunächst für drei Jahre angemietet, um anderen interessierten Mitbürgern zu zeigen, was sie für sehenswert halten. Derzeit präsentieren sie noch bis zum Ende der Woche eine Postkartenausstellung, die uns das Mülheim um 1900 vor Augen führt. Das Hotel Victoria am späteren Kaisereck oder der Kirchholtesche Saal, Mülheims Sinfoniescheune, an der Charlottenstraße sind ebenso zu betrachten wie die 1943 durch Bomben zerstörten Gaststätten Mausefalle und Ührchen an der Bogenstraße.

Vor den Postkarten konnte man in dem ehemaligen Bäcker-, Crêpe- und Schneiderladen Fundstücke aus der Firmengesichte Wissolls in Augenschein nehmen. Ein altes Telefon aus der Tengelmann-Zentrale und ein Adressbuch aus dem Jahr 1941 zeugen davon. Außerdem grüßen Winnetou und Old Shatterhand plakativ und erinnern an eine Ausstellung über Karl-May-Fest-Spiele, die die Mülheimer 1971 tausendfach an die Freilichtbühne an der Dimbeck zog. Demnächst wollen die kreativen Drei in ihrem Kunst-, Kultur- und Geschichtsladen an der Oberstraße 27 alte Büromaschinen ausstellen. Neben Ausstellungen gibt es hier auch historische Vorträge und Malereiworkshops zu erleben. Für letzteres steht Gerd Kampf, der hier auch seine Gemälde ausstellt.

Öffnungszeiten: dienstags bis donnerstags von 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr. Weitere Informationen gibt Dirk von Eicken: MH-Malocher@web.de, unter der Rufnummer: 0162/2843183.

Dieser Text erschien am 16. Februar 2016 in NRZ und WAZ

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...