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Es werden Posts vom Juli, 2021 angezeigt.

Der Lotse

Damit Integration gelingt: der Diplom Pädagoge Andreas Herget berät im Auftrag des DRK-Kreisverbandes Zuwanderer und Flüchtlinge Eineinhalb Jahre, nachdem sich Matthias Langer In den Ruhestand verabschiedet hat, ist der Kreisverband nun wieder mit einem Migrationsberater am Start. Langers Aufgabe übernimmt der 59-jährige Diplom Pädagoge Andreas Herget. Der Mann, der eine langjährige Beratererfahrung in den Bereichen Jugendhelfer, Behindertenarbeit und Sozialrechtes mitbringt, kommt ursprünglich aus Essen, lebt heute aber mit Frau & Kindern? in Dinslaken. „Das Einpendeln nach Mühlheim klappt problemlos. In einer halben Stunde bin ich an meinem Schreibtisch im Hilfezentrum an der Aktienstraße“ betont Herget. Bevor er zum Roten Kreuz kam, die Stelle fand er im Internet, waren die Caritas, die Evangelische Kirche und die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung seine langjährigen Arbeitgeber. „In die Migrationsberatung und deren rechtlichen Hintergründe arbeite ich mich zurze

Singen macht Freu(n)de

  Ein Konzertmotto des Männergesangvereins Heißen lautete: „Lieder sind die besten Freunde“. Tatsächlich ziehen sich Freundschaften und Geselligkeit wie ein roter Faden durch die 100-jährige Geschichte des Heißener Männergesangvereins. Dafür, dass sich zunächst 13 Chorbrüder fanden, die einen Männergesangverein gründeten, sorgte 1921 die Gastwirtin Maria Heckmann, genannt Mariechen. Sie brachte die männlichen Stammgäste ihrer Gaststätte „Hingberg Höhe“ an der Ecke Hingbergstraße/Ottostraße zum Singen. Auch vor 100 Jahren war „Mann“ gut beraten dem Rat einer klugen Frau zu folgen. Das taten die Sänger des zunächst von Friedrich Volkenborn geleiteten MGV Heißen auch 2017, als sie sich von ihren Frauen, die sich regelmäßig zum Stammtisch treffen, dazu bringen ließen, eine Chorfassung von Helene Fischers Schlager: „Atemlos durch die Nacht“ auf die Bühne zu bringen. Nicht nur das weibliche Publikum war begeistert. Mehrsprachig und vielseitig Obwohl der inzwischen von Klauspeter Rechenbach g

Harte Fahrschule

  An dieser Stelle werbe ich aus eigener Erfahrung und aus eigenem Miterleben oft und zurecht um mehr Rücksichtnahme auf Fußgänger. Rasender Radfahrer und zugeparkte Gehwege machen dies immer wieder nötig. Aber leider sind auch Fußgänger keine grundsätzlich besseren Verkehrsteilnehmer. Dies musste ich jetzt miterleben, als ein älterer Mann am Gehstock unmittelbar vor einer einfahrenden Straßenbahn glaubte, die Straßenseiten an der zentralen Haltestelle in der Friedrich-Ebert-Straße mit dem Ziel der Wegverkürzung und der Zeitersparnis wechseln zu müssen. Und dies tat er nicht regelkonform an dem nur wenige Schritte entfernten beampelten Übergang, sondern auf dem kürzesten Weg unmittelbar vor der einfahrenden Straßenbahn. Besagter Fußgänger machte sich nicht mal die Mühe, mit dem Blick nach links die Geschwindigkeit der ankommenden Straßenbahn einzuschätzen. Sonst hätte er gemerkt, dass sein Vorgehen im Zweifel der kürzeste Weg zum Friedhof hätte werden können. Doch der waghalsige Fußgän

Nur Bares ist Wahres

Die Europäische Zentralbank denkt über die Einführung einer digitalen Währung nach. Das macht mich angesichts der Negativzinsen, die die EZB bereits eingeführt hat, skeptisch. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie die örtliche Bank Ihres Vertrauens. Zugegeben. Das bargeldlose Bezahlen hat seine Vorteile. Doch ich frage mich, ob die Banker und die hinter ihnen stehenden Finanzminister unser Bestes oder doch nur unser Geld wollen, wenn sie uns zu einem Volk der bequemen Kartenschieber, Display-Gucker und Tastendrücker machen und uns damit digital dermaßen einlullen und degenerieren, dass wir am Ende den Überblick über unsere hart verdienten Münzen und Scheine angesichts der digitalen Zahlenkolonnen verlieren und deshalb desorientiert mit unserer gegenstandslos gewordenen Barschaft ausgerechnet die Kassen jener Nullen klingeln lassen, die es am wenigsten verdient haben, weil sie sich auf Kosten der Allgemeinheit als finanzpolitisch große Nummern gerieren, tatsächlich aber nur nach mögl

Ruhr-Hochwasser 2021

 Das Ruhr-Hochwasser, dass Mülheim am 14. und 15. Juli 2021 mit einer Fließgeschwindigkeit von 1410 Kubikmetern Wasser pro Sekunde heimsuchte, wird als eines der schwersten in die Stadtgeschichte eingehen. Der Ruhrpegel lag nach Angaben des Ruhrverbandes bei bis zu 7 Metern, Bei einem mittleren Hochwasser liegt der Ruhrpegel bei 5,20 Metern. Bei normaler Wasserlage schwankt der Ruhrpegel zwischen 1 Meter und 1,95 Metern.  Bei dem aktuellen Hochwasser handelte es sich um das schwerste Hochwasser, das der Ruhrverband seit dem Beginn seiner Aufzeichnungen im Jahr 1968 registriert hat. Stadtweit mussten rund 40 Straßen und Plätze ganz oder teilweise wegen des Hochwassers gesperrt werden. Die normale Fließgeschwindigkeit der Ruhr liegt bei 10 Kubikmetern pro Sekunde.  Der Mintarder Ruhrdeich weichte auf, konnte aber mithilfe einer Stabilisierung standhalten. Auch Teil der Altstadt und die Schleuseninsel standen unter Wasser. Dort fiel zwischenzeitlich der Strom aus. Allein am 16. Juli wurde

Mülheims Hochwasser-Historie

  Auch in früheren Jahrzehnten hat es in der Stadt am Fluss extreme Hochwasser gegeben. Das zeigt ein Blick in die Mülheimer Lokalpresse. Im Februar 1926 lässt die Mülheimer Zeitung „den denkwürdigen Jahreswechsel“ Revue passieren, als die Ruhr auch die gerade erst am Broicher neuerrichtete Stadthalle geflutet hat. Die Zeitung erinnert daran, dass an die Ruhr bereits nach dem-November-Hochwasser des Jahres 1890 vertieft und erweitert worden sei, um die Wassermassen besser abfließen zu lassen. Dennoch sieht man auf den Bildern der damaligen Zeit vom Wasser geflutete Ruheanlagen und Straßen in der Mülheimer Innenstadt, auf denen Menschen versuchen, in Booten voranzukommen. 13 Jahre später titelt die Mülheimer Zeitung am 31. August 1938: „Wolkenbruch über Mülheim: Überschwemmungen wie sie in den letzten Jahrzehnten nicht mehr da gewesen sind: Unermessliche Schäden angerichtet. Dass Rumbachtal verwandelt sich in eine in einen See und der Dickswall in einem großen Bach.“ Doch noch katastrop

Die Zeitung der frühen Jahre

13. Juli 1946: In Mülheim erscheint die erste Lokalausgabe der NRZ. Ihre Lizenzierung durch die britische Militärregierung ist Teil der von den Alliierten angestrebten Demokratisierung der über zwölf Jahre vom Nationalsozialismus geprägten deutschen Gesellschaft. Es gehe darum, wie es ein britischer Offizier in der NRZ vom 13. Juli 1946 schreibt, „das Vertrauen in die Menschlichkeit zu stärken“.  Die erste Lokalausgabe der Mülheimer NRZ besteht aus einer Seite. Berichtet wird unter anderem über die Lebensmittelhilfen des Schwedischen Roten Kreuzes, über den Rehabilitationssport für Kriegsbeschädigte in der heutigen Martin-von-Tours-Grundschule, über den Diebstahl von Lebensmittelkarten, über den Mangel an politisch unbelasteten Lehrern und intakten Schulen und über verschlepptes Schulmobiliar. Im Kleinanzeigenteil finden sich Tauschangebote, wie: „Biete gut erhaltenen Damenmantel (Größe 42). Suche Herrenanzug.“ Gut ein Jahr nach Kriegsende herrschen in der Trümmerstadt an der Ruhr Hung

Im Dienst der Menschen

  Rund 14.000 Menschen finden jährlich bei der Diakonie Rat und Hilfe, die für 250 Menschen Arbeitgeber ist. Seit genau 100 Jahren gibt es in Mülheim den bundesweit aktiven Sozialverband der Evangelischen Kirche auch in unserer Stadt, in der aktuell 42.700 der 172.000 Einwohner der Evangelischen Kirche angehören. Was fällt der Geschäftsführerin der Diakonie,  Birgit Hirsch-Palepu  zum runden Geburtstag der Mülheimer Diakonie ein? Ein Gespräch.   Was ist für Sie der rote Faden, der sich durch 100 Jahre Diakonie zieht? Die gelebte Nächstenliebe. In all unserem Wirken als Wohlfahrtsverband der Evangelischen Kirche in Mülheim steht stets das Wohl der von uns begleiteten und betreuten Menschen im Mittelpunkt – und das stets angepasst an ihre Bedürfnisse und Lebenssituation. So wie sich die Gesellschaft, der Alltag seit 1921  geändert hat, hat sich auch das Diakonische Werk gewandelt. Angebote wurden entwickelt und ausdifferenziert. Im Kern geblieben ist der diakonische Anspruch, Menschen au

Im Dienst der Sicherheit

 Den Mitarbeitern der Vollmergruppe kann man an vielen Stellen im Stadtgebiet begegnen. Sie patroullieren zum Beispiel durch Einkaufszentren, sind als Geldkurier unterwegs oder haben, als das noch möglich war, auch den Rosenmontagszug begleitet. Vor 75 Jahren begann die Erfolgsgeschichte der Vollmergruppe mit Wilhelm Vollmer, der damals den Westdeutschen Wachdienst gründete. Heute ist die Vollmergruppe, die vom Gesellschafter Christian Vollmer und den Geschäftsführern Andreas Brink und Daniel Vollmer geleitet wird, nicht mehr nur ein Sicherheitsdienst. Auch Parkraumbewirtschaftung, Personaldienstleistungen, Notrufservice, eine Sicherheitsakademie   und Reinigungsdienste gehören zu ihrem Dienstleistungsangebot. Vollmer findet seine privaten und gewerblichen Auftraggeber vor allem in Nordrhein-Westfalen, inzwischen aber auch bundesweit. An einer 2016 gegründeten Sicherheitsakademie werden Fachkräfte für Schutz- und Sicherheitsdienstleistungen ausgebildet. Warum brauchen wir private

Wahl zu Kaisers Zeiten

Am 26. September haben wählen auch die Mülheimer den Deutschen Bundestag und seine Abgeordneten. Vor 150 Jahren wählten die Mülheimer (am 3. März 1871) den ersten Deutschen Reichstag des neu gegründeten Kaiserreiches. Auf einer Woge des nationalen Hochgefühls stimmte Mülheim, wie im reichsweiten Trend mehrheitlich für die Nationalliberalen und ihren damals 38-jährigen Kandidaten Richard Dove. Die entschiedensten Anhänger des neuen Kaiserreiches unter preußischer Führung und seines ersten Kanzlers Otto von Bismarck, sammelten sich in der 1867 gegründeten Nationalliberalen Partei. Sie nannte sich in den Anzeigen der Rhein-Ruhr-Zeitung „die Nationale Partei“ und: „die Verfassungspartei“. Einer der 382 Abgeordneten des ersten Deutschen Reichstags wurde der für Mülheim, Duisburg, Oberhausen und Dinslaken gewählte Göttinger Kirchenrechtsprofessor Richard Wilhelm Dove. Obwohl er nicht aus dem Reichstagswahlkreis kam, hatte ihn das lokale Wahlkomitee der Nationalliberalen Partei als Kandid

Kirche als Politikum

27. Juni 1971: Vor 50 Jahren wird eine Kirche zum Politikum. An diesem Tag beschließt das Presbyterium der Evangelischen Altstadtgemeinde, die um 1880 an der Delle errichtete Pauli Kirche abzureißen. Schon 1683 war an gleicher Stelle eine Vorgänger-Kirche eingeweiht worden. Für viele Mülheimer ist die (zweite) Paulikirche, ursprünglich die Gemeindekirche der Lutheraner, mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. Die Kirche ist als Hochzeitskirche beliebt und lädt täglich zu ökumenischen Andachten ein. Doch am 27. Juni 1971 wird der letzte Gottesdienst gefeiert. Pastor Walter Hufschmidt erinnert an diesem Tag in seiner Predigt daran, „dass in der Vergangenheit in dieser Kirche und von dieser Kanzel aus immer wieder Mahnungen des Friedens und des Verstehens anderer ausgegangen sind.“ Sein Appell an Verständnis und Versöhnung kommt nicht von ungefähr. Viele Gemeindemitglieder tun sich mit dem Abriss der Paulikirche schwer. Doch die auf 193.000 Einwohner angewachsenen Stadt braucht ne

Kirche unter Druck

Wie geht es mit der katholischen Kirche in Mülheim weiter? Damit haben sich mehrere 100 Katholiken seit 2015 im Pfarreientwicklungsprozesses (PEP) befasst, in Gemeindeversammlungen, Sachausschüssen, Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen. Zurzeit sind Steuerungsgruppen der drei Pfarreigemeinden St. Mariä Himmelfahrt, St. Mariae Geburt und St. Barbara dabei, die Ergebnisse des Pfarreientwicklungsprozesses, die 2018 in Gemeindevoten dokumentiert und vom Bischof abgesegnet worden sind, in die Tat umzusetzen. Doch es gibt Kritik von der Basis, formuliert zum Beispiel vom Saarner Katholiken Hubert Kauker. Er hat den Initiativkreis Unsere Kirche 2030 und die namensgleiche Internet-Diskussions-Plattform ins Leben gerufen.   Die Gemeindemitglieder, so Kauker, seien   im Reformprozess nicht ausreichend mitgenommen worden. Er fordert: „Strukturentscheidungen für die Zukunft der katholischen Stadtkirche nicht nur von den Gremien wie Pfarrgemeinderäten und Kirchenvorständen getroffen werden.

Den Menschen zugewandt

Fünf Monate nach seinem COVID-Tod sind die sterblichen Überreste Wilhelm Knabes am 26. Juni auf dem Hauptfriedhof in einem Urnenfriedhof beigesetzt worden. Rund 40 Angehörige, Freunde und Wegbegleiter nahmen in der Trauerhalle Abschied vom Mitgründer und ersten Bundessprecher der Grünen, der auch dem Deutschen Bundestag angehört hatte und als Bürgermeister in den 1990er Jahren das erste schwarzgrüne Bündnis in Mülheim mit angeführt hatte. Knabes Tochter Ricarda, Pfarrer Wolfgang Sickinger, Bürgermeister Markus Püll und der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, warfen aus ihrer persönlichen Perspektive Schlaglichter auf das 97-jährige Leben des Wilhelm Knabe. Naturfreund, Pfarrersohn, Forstwissenschaften, vierfacher Familienvater, Ehemann, pflegender Angehöriger, Christ, Gemeinde- und Kantorei-Mitglied, Politiker. Das Leben Knabes hatte viele Facetten. Doch allen Würdigungen gemein war die Erinnerung „an einen liebevollen und zugewandten Menschen, der bis ins hohe Alter an

TEAM MÜLHEIM

Ein alter Mann geht mit seinem Stock über die Schloßstraße. Plötzlich kommt ihm ein Fußball in die Quere, Komma den ein Junge in die Tiefe des Raumes der Fußgängerzone geflankt hat. Spontan stützt sich der alte Herr auf seinen Gehstock und spielt den Ball gekonnt mit seinem rechten Fuß zurück. Die Szene wirkt skurril. Interessant, wie ein Ball die Phantasie der Menschen beflügeln kann und selbst aus reifen Herren mit Handicap im Geiste wieder kleine Jungs werden lassen kann, die sich an den Straßenkick ihrer Kindheit erinnert fühlen. Wenig später sehe ich auf der gleichen Straße einen jungen Mann, der mit seinem E-Scooter wie ein Rennfahrer auf dem Nürburgring fühlt und frech einen Rollatorfahrer beiseite hupt. Das nennt man wohl ein grobes Foul, um in der Sprache des Fußballs zu bleiben. Leider ist auf dem Spielfeld des Lebens nicht immer ein Schiedsrichter zur Stelle, wenn er vonnöten wäre, um solche Regelverstöße zu ahnden und dafür zu sorgen, dass sich alle Spieler auf dem Spielfel