Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen. Anlass für diese Ausstellung ist das Ende des Mülheimer Bergbaus, das am 29. Juli 1966 mit der Stilllegung der letzten Zeche Rosenblumendelle kam.
Es war die letzte von sieben Zechen, in denen um 1900 insgesamt rund 3000 Kumpel das schwarze Gold zutage förderten. Damals waren sie Teil des Mülheimer Bergwerksvereines, den die Industriellen August Thyssen und Hugo Stinnes und der Bankier Leo Hanau 1898 mit dem Ziel der Rationalisierung gegründet hatten.
Anders, als ihr Förderturm, haben einige Werksgebäude der Rosenblumendelle ihr Ende überstanden. Doch weit anschaulicher erinnert uns die ab 1899 an der heutigen Mausegattstraße errichtete Colonie Wiesche mit ihren mehr als 100 Bergmannshäusern an die Geschichte des Mülheimer Bergbaus. In den Häusern an der Mausegatt- und an der Kreftenscheerstraße leben heute nur noch wenige ehemalige Bergleute leben. Inzwischen sind dort deren Erben oder auch Menschen zuhause, die die Häuser von diesen erworben haben. Eine Siedlervereinigung, die unter anderem ein jährliches Sommerfest organisiert, pflegt den solidarischen Geist der Kumpel.
Auch In Straßennamen, wie Sellerbeckstraße, Wiescher Weg, Humboldtring und Humboldthain leben die Namen der alten Zechen in Mülheimer Straßenbild weiterleben. Seit 1973 steht am Humboldtring, auf dem ehemaligen Zechengelände des 1929 stillgelegten Bergwerks Humboldt das Rhein-Ruhr-Zentrum. Mit dem Einkaufszentrum, das bei seiner Eröffnung von der Illustrierten BUNTE als "Superding des Reviers" gelobt wurde, beschritt man 1973 den Weg des wirtschaftlichen Strukturwandels.
Bergmann Willi Bruckhoff, der als 13-Jähriger 1948 erstmals auf Rosenblumendelle eingefahren war und bis 1984 Kohle zu Tage gefördert hat, bestätigt im Gespräch: "Unter Tage galt immer: Einer für alle und alle für einen."
In diese Solidarität wurden seit Anfang der 1960er auch die türkischen Kumpel einbezogen, um deren Integration sich Bruckhoff damals persönlich bemüht hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt auch für Mülheim, was Herbert Grönemeyer über seine Heimatstadt Bochum gesungen hat: "Dein Grubengold hat uns wiedergeholt." In den ersten Nachkriegsjahren mussten die Kumpel auch sonntags einfahren. Belohnt wurde ihre harte und gefährliche Arbeit unter Tage mit Sonderrationen und Care-Paketen, die in den Hungerjahren des frühen Wiederaufbaus Gold Wert waren.
Die vom Bergbau-Kenner und den Mitarbeitenden des Mülheimer Stadtarchivs kreierte Ausstellung führt ihren Besucherinnen und Besuchern auch die weniger bekannte Geschichte des Selbecker Erzbergbaus, die aus dem landwirtschaftlich geprägten Selbeck in den Jahren 1844 bis 1907 zu einem Bergmannsdorf machte. Der Erzweg und die nach dem Bergwerksdirektor Karl Forst erinnern im Ortsbild an dieses Kapitel Selbecks, das seit 1929 ein Stadtteil Mülheims ist.