Samstag, 21. März 2026

Denk(m)al Kirche

 Die Zeiten ändern sich. Als St. Theresia 1892 für die katholischen Bergleute in Selbeck und 1901 die Evangelische Kirche an der Wilhelminenstraße in Broich eingeweiht wurden, waren die christlichen Kirchen Volkskirchen. Vergangenheit. 

Heute wird der 125. Kirchengeburtstag an der Wilhelminenstraße in der zum Jahresbeginn neugegründeten Brückengemeinde gefeiert. Und in der Linksruhrpfarrei St. Mariä Himmelfahrt macht sich ein von Michael Gatz-Kippert geleitetes Team Theresia darüber Gedanken, wie die baufällige, aber denkmalgeschützte Kirche an der Karl-Forst-Straße auch ohne Kirchensteuermittel erhalten und auch außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste für die Bürgerschaft nutzbar gemacht werden kann.

Im neugotischen Stil errichtet, wirkt die Kirche an der Wilhelminenstraße, wie eine Zeugin aus Kaisers Zeiten, als Kaiserin Auguste Viktoria deren Altarbibel stiftete und ihr kaiserlicher Gatte Wilhelm II. im Kriegsjahr 1917 die drei Kirchenglocken für seine Rüstung einschmelzen ließ.

Wie durch ein Wunder hat die Kirche an der Wilhelminenstraße, die bei ihrer Einweihung im März 1901 noch in einer Landbürgermeisterei Broich stand, zwei Weltkriege fast unbeschadet überstanden. Nur die Kirchenfenster gingen während des Luftkriegs zu Bruch, um dann in den Jahren 1948 bis 1953 wiederhergestellt zu werden. Auch die vor 125 Jahren vom preußischen Hoforgelbauer Wilhelm Sauer montierte Orgel erklingt bis heute im spätromantischen Musikstil ihrer Zeit. Und die vor 100 Jahren installierten Art-Deko-Lampen beleuchten immer noch, zeitlos schön, das gottesdienstliche und Gemeindeleben im altehrwürdigen Gotteshaus.

Man könnte meinen, die seit 1892 so benannte Wilhelminenstraße, an der die evangelische Kirche steht, sei dem Geist ihrer Zeit entsprechend, nach der Schwester Friedrich II., Wilhelmine, benannt. Doch weit gefehlt. Ihre Namensgeberin war die frühverstorbene Frau des Gemeindemitglieds Ferdinand Roßkothen, der im Andenken an seine Frau, seiner Gemeinde, die ursprünglich mit ihrer  Nachbargemeinde in Speldorf fusionieren sollte, im Drei-Kaiser-Jahr 1888 den Baugrund stiftete, auf dem später ein Pfarr- und ein Gemeindehaus sowie ein Teil der Kirche errichtet werden sollte. 


Dienstag, 17. März 2026

Legendäre Luise

Lange bevor von Diana Spencer die Rede war, war Luise hierzulande die Königin der Herzen und das weit über ihren frühen Tod hinaus.

Als preußische Madonna wurde sie von ihren Landesleuten verehrt und verklärt. Vor 250 Jahren wurde Luise am 10. März 1776 als Prinzessin von Mecklenburg Strelitz geboren. Elf Jahre später besuchte sie zusammen mit ihrer Schwester Friederike und mit ihrer Großmutter Marie-Luise-Albertine von Hessen-Darmstadt und Leiningen-Dagsburg das Schloss Broich. Dort, wo ihre Großmutter als regierende Landgräfin nach dem Rechten schaute, verbrachte sie nach 1787 auch noch einmal 1789 und 1791 ihre Sommerfrische. 

Damals soll sich die junge Prinzessin die Herzen des Broicher Volkes erobert haben, in dem sie Kindern vorlas, ihnen ihr Spielzeug schenkte und den Bürgersleuten mit kindlicher Neugier in die Kochtöpfe schaute.
Damals war noch nicht absehbar, dass sie 1793 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm heiraten würde, mit dem sie 1797 den preußischen Thron besteigen sollte.

Luise war nicht nur Landesmutter, sondern auch siebenfache Mutter. Mit ihrem Ehemann und ihren Kindern lebte sie ein liebevolles Familienleben. Gemäßigt gebildet, war Luise als Mit-Regentin des aufgeklärten Absolutismus nur insofern politisch wirksam, als das sie die Reformen ihrer Minister vom Stein und von Hardenberg befürwortete und Napoleon 1807 bei einem Treffen in Tilsit vergeblich um einen milden Frieden für Preußen bat. Preußen verlor seine westelbischen Gebiete.

Der Kaiser der Franzosen verspottete sie erst, war aber nach der Begegnung von ihr beeindruckt. In ihre Regentschaft fallen der Beginn der Kommunalen Selbstverwaltung und das Ende der Leibeigenschaft auf dem Lande.

Ihre Regentschaft endete mit ihrem Tod am 19 Juli 1810 auf ihrem elterlichen Schloss in Mecklenburg. Wie wir heute wissen, starb sie an den Folgen eines Lungentumors, der auf ihren Herzmuskel übergegriffen hatte.

Postum entfaltete Luise als preußische Nationalheilige und als Ikone der deutschen Nationalbewegung ihre größte Wirkung. Die 1838 gegründete Freimaurerloge zur verkehrten Luise, die 1892 sogenannte Luisenschule, das Luisental und die 1914 sogenannte Prinzess-Luise-Straße erinnern uns bis heute an den Luisenkult, der auch in einer Büste zum Ausdruck kommt, die bis 1922 in den Ruhranlagen stand und heute im Schloss Broich steht, wo die kleine Luise einst herumgetollt ist. Selbst als nach 1918 die Monarchie in Deutschland untergegangen war, wurde die preußische Königin Luise von der antirepublikanischen deutschen nationalen Volkspartei (DNVP) als politisches Covergirl instrumentalisiert.

Sonntag, 15. März 2026

Bühnenreife Schule

Mit ihrer Musicalklasse hat die Gesamtschule Saarn ein echtes Alleinstellungsmerkmal. 110 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren haben jetzt ihre inzwischen 19. Musicalproduktion auf die Bühne gebracht und ihre neue Schulaula in einen kleinen Broadway verwandelt.

Nach der "School of Rock" haben die beiden Lehrer Stephanie von der Marwitz und Sebastian Klein mit ihren Nachwuchsstars "Anastasia" die Geschichte der jüngsten Zarentochter, auf die Bühne gebracht.

Wer die Generalprobe gesehen hat, staunt über die enorme Professionalität von Jugendlichen, die ihre Bühnenarbeit, inklusive des Textlernens und der Gesangsproben, neben ihrem Schulalltag bewältigen. Für die jungen Damen und Herren aus der Musicalklasse ist jeder Samstag ein Probetag. Und nach der Premiere ist vor der Premiere. Die Castings für die 20. Musicalproduktion laufen bereits.

Wer in einer Pause mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern ins Gespräch kommt, spürt schnell ihren Enthusiasmus und ihre Energie, mit der sie alle Zeit und Arbeit vergessen lassen, die sie in das Projekt investieren. Einige der Schülerinnen und Schüler haben sich zuvor mit der Geschichte der letzten Zarenfamilie auseinandergesetzt, um ihre Rolle besser spielen zu können. Andere zeigen sich als kreative Schauspieltalente, die von einer zur nächsten Probe immer besser und intensiver in ihre Rolle hineinschlüpfen.

Einig sind sich die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Gemeinschaftsarbeit an dem Projekt Musical, für Sie eine seelische Vitaminspritze par excellence ist, die ihrem Selbstwertgefühl und ihrem Selbstbewusstsein gut tun. Und sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie sich anstrengen müssen und wollen, um das Eintrittsgeld ihres Publikums wert zu sein. Dieser gemeinsame Ehrgeiz lässt Lehrende und Lernende ihre Inszenierung immer wieder optimieren.

Dahinter steht aber nicht nur Ehrgeiz, sondern auch die materielle Notwendigkeit, die Produktionskosten von rund 30.000 Euro einspielen zu müssen, nicht nur durch den Verkauf von Eintrittskarten, sondern auch durch Catering und das Einwerben von Spenden und Sponsoring.

Denn bezahlt werden müssen die Aufführungsrechte und die via Internet gekauften Kostüme sowie  die Licht- Ton- und Bühnentechnik Allerdings kann das Musicalensemble der Gesamtschule Saarn bei ihren Requisiten auf die Marke Eigenbau zurückgreifen. Dem 3-D-Drucker von Sebastian Klein sei Dank. Klein, der als Musiklehrer auch den Schulchor leitet, ist unter anderem für das Gesangstraining des Ensembles sowie für die Ton- und Lichttechnik verantwortlich. Viel Geld wurde, dem Förderverein und den Sponsoren sei Dank, auch in eine moderne Videowand investiert. Mit ihrer Hilfe kann man die unterschiedlichsten Kulissenauf die Bühnenwand projizieren, was sich auf mehrere Produktionen hochgerechnet, schnell auszahlt und darüber hinaus ein sehr professionelles Theatererlebnis kreiert.

Am Ende bleibt bei dem begeisterten Zuschauer der Eindruck, dass man die eine oder andere Schülerin und den ein oder anderen Schüler später noch einmal auf der einen oder anderen Profibühne wiedersehen und wieder hören wird, dass aber auch die anderen Ensemblemitglieder, die nach ihrer Schulzeit einen anderen beruflichen Weg einschlagen werden, in der Musicalklasse ihrer Schule viel für die Rolle ihres Lebens gelernt haben. Denn hier werden ganz neben bei Sozialverhalten, Kreativität und Teamfähigkeit geschult. 

Mehr über die Gesamtschule Saarn erfährt man unter anderem hier. 

Sonntag, 8. März 2026

Warum sich der Sozialstaat auszahlt

Wer Helga Albrecht-Faßbender begegnet, trifft eine starke, ausgeglichene und lebensbejahende Frau.

Wenn sie es nicht selbst erzählen würde, käme man nicht darauf, dass sie eine familiäre und eine eigene Alkohol- und Drogengeschichte hinter sich hat.

Heute kann die 67-Jährige EDV-Dozentin von sich sagen: "Ich bin  seit 25 Jahren trocken und rauchfrei." Ihre Lebenserfahrung gibt sie heute als ehrenamtliche Vorsitzende des Mülheimer Kreuzbundes an Menschen weiter, die eine vergleichbare Suchtgschichte mit ihr teilen.

Aufgewachsen ist Helga Albrecht-Faßbender mit drei Geschwistern in einem Elternhaus, das von der Alkoholsucht ihres vom Zweiten Weltkrieg traumatisierten Vaters geprägt war. "Die Generation meiner Eltern hätte nach dem Krieg komplett auf die Couch gehört. Aber damals hat sich niemand um die seelische Gesundheit der Menschen gekümmert, die im Krieg traumatisiert worden waren", erinnert sich Albrecht-Faßbender an ihre Kindheit und Jugend.

Mit 16 hielt sie es zu Hause nicht mehr aus und kam mit Hilfe des Jugendamtes in einem Mädchenwohnheim unter. Von da an schien es, auch mit Hilfe engagierter Erzieherinnen und Erzieher, für Sie bergauf zu gehen. Sie besuchte die Berufsschule und machte das Fachabitur nach. Aber dann kam sie mit falschen Männern und mit falschen Menschen zusammen und lebte ein Leben zwischen Cannabis und Alkohol. "Ich wundere mich noch heute, dass mich die Erfahrung meiner Kindheit nicht so weit sensibilisiert hat, um nicht in die Sucht abzugleiten!" Das sagt Albrecht-Faßbender im Rückblick auf ihre nassen und durchrauchten Jahre.

Doch dann, vor etwa 27 Jahren, traf sie einen Schicksalsgenossen, mit dem Sie den Mut und die Kraft zum Neuanfang hatte. Rat und Hilfe fanden sie bei der Caritas, die zusammen mit der Diakonie in Mülheim seit Jahrzehnten eine professionelle Suchtberatung betreibt.

"Ich habe hier Menschen getroffen, die mich so genommen haben wie ich bin und mir keine Vorwürfe gemacht haben. Gemeinsam haben wir überlegt, wie unser Leben ohne Alkohol und Cannabis aussehen könnte. Eine Alternative, die wir gefunden haben war das Fahrradfahren."

Trocken und rauchfrei fand Albrecht-Faßbender auch die Kraft zum beruflichen Durchstarten. Sie machte ihr Abitur nach und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur technischen Redakteurin.

Ihre wichtigsten Lebenserfahrung lautet: "Ich hatte das Glück im Unglück, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der der Sozialstaat ausgebaut und nicht, wie heute, zusammengeschrumpft wurde. Ohne diesen Sozialstaat hätte ich nicht die professionelle Hilfe bekommen, die es mir erlaubt hat, aus meiner Lebenskrise gestärkt hervorzugehen und auch als berufstätige Frau wieder in die Sozialsysteme unserer Gesellschaft einzahlen zu können. Schicksalsgenossen rät sie, "sich den eigenen Hilfebedarf einzugestehen und sich die professionelle Hilfe zu holen, die es Gott sei Dank immer noch in unserem Land gibt. Ohne die professionelle Beratung durch die Caritas hätte mein Leben einen ganz anderen Verlauf genommen", ist sich Albrecht- Faßbender sicher.

Weitere Informationen über die Suchtberatung in Mülheim finden Sie hier und hier.

Mittwoch, 25. Februar 2026

Ein Hauch von Venedig

 Als die Stadthalle vor 100 Jahren eröffnet wurde, ließen die "Bunten Blätter" auf ihrem Titel eine Gondel an dem neuen Bauwerk vorbeifahren. Der Altbau der Stadthalle erinnert an einen venezianischen Palazzo und brachte Mülheim 1926 den Ruf eines "Ruhrvenedigs" ein.

Den Plänen der Architekten Hans Grossmann und Artur Pfeifer sei Dank. Großmann und Pfeifer hatte auch das im Ersten Weltkrieg fertiggestellte Rathaus geplant. Doch der Erste Weltkrieg ließ keine Zeit und kein Geld mehr übrig für den schon lange geplanten Stadthallenbau am Broicher Ruhrufer.

Gebaut wurde dann von 1923 bis 1925 auf dem ehemaligen Grundstück der Mülheimer Papierfabrikanten Vorster, aus deren Familie auch Mülheims erster Bürgermeister Hermann Vorster hervorgegangen war.

Mitten in der Hyperinflation begann der Stadthallenbau als Notstandsmaßnahme, finanziert mit Notgeld, dass sich die damals vom Oberbürgermeister Paul Lembke geführte Stadt selbst gedruckt hatte.

Das erste Konzertpublikum, das im Dezember 1925 in der neuen Stadthalle Platz nahm, bestand nicht aus den Mülheimer Honoratioren, sondern aus den Arbeitern, die den Bau bewerkstelligt hatten. Die Lokalpresse sprach damals vom "demokratischsten Konzert der Stadtgeschichte."

Bei der Eröffnung der Stadthalle am 5. Januar 1926 nahmen dann aber doch die üblichen Honoratioren im Theatersaal der Stadthalle Platz. Die Duisburger Sinfoniker spielten zur Feier des Tages Werke von Brahms und Wagner.

Gustaf Gründgens, Sven Hedin, Max Planck, Wilhelm Furtwängler und die Berliner Philhamoniker waren nur einige Prominente, die auf der Stadthallenbühne gastierten, ehe "Mülheims gute Stube" 1943 ein Opfer des Luftkriegs wurde.

Der Wiederaufbau der Stadthalle, der unter anderem mit einer Lotterie finanziert wurde, sollte sich bis ins Jahr 1957 hinziehen und vom Hannoveraner Architekten Hermann Graubner geplant. Der moderne Westflügel der Stadthalle atmet den Zeitgeist der 1950er Jahre. Der Theodor-Heuss-Platz vor der Stadthalle erinnert daran, dass sie am 11. Oktober 1957 im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit Werken Beethovens und Goethes Egmont wiedereröffnet wurde. In der Hauptrolle war damals Klausjürgen Wussow zu sehen, der auch später mehrfach in der Stadthalle gastierte und als "Professor Brinkmann aus der Schwarzwalklinik" einem Millionenpublikum bekannt werden sollte.

Götz George, Horst Tappert, OW Fischer, Joachim Kuhlenkampf, Joachim Fuchsberger, Hedi Kabel, Willi Millowitsch, Dieter Hildebrand, Juliette Greco, Thomas Gottschalk, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder waren nur einige von vielen Prominenten, die nach 1957 als Schauspieler, Sängern, Kabarettisten und Politiker auf den Bühnen der Stadthalle ihr Publikum fanden.

Sei 2001 wird die Stadthalle von der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST als Veranstaltungsort vermarktet. Zur Geschichte der Stadthalle gehört auch, dass sich viele gemeinnützige Organisationen, trotz eines Saalmietenrabatts, aus finanziellen Gründen die Stadthalle heute meiden und auf andere Veranstaltungsorte ausweichen, die für sie bezahlbarer sind als die Stadthalle.

Mehr über die Mülheimer Stadthalle erfahren Sie unter anderem hier.

Samstag, 21. Februar 2026

Für Umsicht, Rücksicht und Vorsicht

Mit Vorsicht, Umsicht und Rücksicht kommen wir auch im Straßenverkehr gemeinsam besser ans Ziel. Für die Verbreitung dieser Einsicht arbeitet die Verkehrswacht in Mülheim an der Ruhr seit 100 Jahren. Seit ihrer Gründung am 12 Februar 1926 hat sich die Zahl der in Mülheim an der Ruhr registrierten Fahrzeuge von rund 500 auf mehr als 90.000 erhöht. Nach Solingen ist sie die an Rhein und Ruhr älteste Verkehrswacht Deutschlands.

Das feierten ihre derzeit 100 Mitglieder mit ihren Gästen jetzt im Casino an der Delle. Neben Oberbürgermeister Marc Buchholz gehörten auch Nordrhein-Westfalens Vrkehrsminister Oliver Krischer und die Bundespräsidentin der Verkehrswacht Kerstin Lühmann zu den Gratulanten, die der Vorsitzende der Ortsvereinigung Prof Dr Gunter Zimmermeyer zur Jubiläumsfeier willkommen heißen konnte.
Altersgerechte Verkehrserziehung in Kindertagesstätten und Grundschulen, Fahrtraining für Fahranfänger, Elektrofahrrad- und Rollator-Training für Senioren und leuchtende Rucksäcke und Westen, die auch bei Dunkelheit dafür sorgen, dass man als Verkehrsteilnehmer unübersehbar ist. Mit Blick auf all diese ehrenamtlichen Aktivitäten der Verkehrswacht sagte NRW-Verkehrsminister Krischer: "Ihre Arbeit hat viele Leben gerettet. Er betonte aber auch angesichts von bundesweit rund  2800  Verkehrstoten im Jahr 2025: "Wir sind noch weit von der Vision Zero entfernt". Und die Präsidentin der Verkehrswacht Deutschland machte mit Blick auf den Anstieg der Verkehrsunfälle auf dem Schulweg, zuletzt um rund 5%, deutlich, dass die Verkehrswacht und ihre ehrenamtliche Aktiven weiterhin gebraucht werden.

Schon vor dem Festakt hatte der Vorsitzende der Verkehrswacht Mülheim Professor Dr. Gunter Zimmermeyer im Gespräch mit der Mülheimer Lokalredaktion auf wesentliche Baustellen der Verkehrswacht hingewiesen. Mit Sorge betrachtet er die dramatisch zunehmenden Unfälle, in die E-Scooter verwickelt sind, die mit bis zu 25 km/h über Gehwege fahren dürfen. Ebenso kritisch betrachtet er das Phänomen der Elterntaxis. "Kinder müssen frühzeitig lernen, selbstständig ihren Schulweg zurückzulegen, um damit ihre Bewegungsfähigkeit zu trainieren und gleichzeitig auf dem Schulweg soziale Kontakte zu Altersgenossen knüpfen zu können."  Positiv bewertet Zimmermeyer, dass die Fahrzeugsicherheit sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verbessert habe. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren kamen fast 15.000 Menschen allein in der damals westlichen Bundesrepublik Deutschland im Straßenverkehr ums Leben, obwohl damals nur ein Viertel der heutigen Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs war.

Zimmermeyer nutzte den Festakt im Casino auch dafür, darauf hinzuweisen dass die Verkehrswacht nicht nur auf Spenden, sondern auch auf ehrenamtlich Aktive angewiesen sei um ihre Arbeit effektiv fortsetzen zu können.

Weitere Informationen über die Arbeit der Mülheimer Verkehrswacht finden Sie unter anderem hier,

Freitag, 20. Februar 2026

Närrische Nachlese

 Auch in der jetzt abgelaufenen Session hat der aktuell in 11 Gesellschaften und im Hauptausschuss Groß-Mülheimer-Karneval organisierte Frohsinn unter dem Vorzeichen von Lebensfreude und Gemeinschaft Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen und Generationen miteinander vereint. 

Mit einem aus Uruguay stammenden Stadtprinzen (Lucas Leonard Lungo-Laporta) und einem aus der Türkei stammenden Hofmarschall (Hakan Zileli) spiegelte sich im Tollitätenteam der demografische Wandel einer zunehmend multikulturellen Stadtgesellschaft, in der heute Menschen aus 145 Nationen zusammenleben.

Das die Karnevalsjugend des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval in dieser Session mit einem neuen Social-Media-Auftritt, inklusive ihres Podcast "Kappes und Kokolores" an der Start gegangen ist, um mehr Menschen aus der Generation U30 für die Fünfte Jahreszeit zu gewinnen spiegelt die Digitalisierung unserer Gesellschaft ebenso wider, wie die Tatsache, dass die Mülheimer Lokalredaktion den diesmal leider arg verregneten Rosenmontagszug, via Livestream ins Internet übertragen hat und damit rund 1900 Online-Zuschauer gefunden hat. 

Sowohl zum Beginn, wie zum Ende der Session stieg der Ex-Stadtprinz Jürgen Wisniewski als Hoppeditz der KG Blau Weiß dankenswerterweise in die Bütt und zeigte damit, dass der Karneval seine politischen Spitzen noch nicht verloren hat und eben mehr ist als nur Party.

Sowohl bei der Mädchensitzung der Roten Funken als auch beim Kostümball des Mülheimer Carnevalsclubs und beim Gemeindekarneval, made by St. Mariae Rosenkranz und MüKaGe zeigten sich sonst auch schon mal kostümmuffeligen mölmschen Jecken kostümtechnisch von ihrer buntesten und besten Seite.

Alle drei Saalveranstaltungen gingen im Dümptener Autohaus der Ruhrdeichgruppe über die Bühne. Sie zeigten, ebenso, wie der zweite Karnevalsempfang mit den kleinen und großen mölmschen Tollitäten, dass auch im mölmschen Karneval ohne Moos, sprich Sponsoren, nichts los ist, auch wenn das ehrenamtliche Engagement der mehr als 1000 aktiven Karnevalisten und Karnevalistinnen, etwa in den Musikzügen und Tanzgarden oder beim Wagenbau für den Rosenmontagszug Geld und Gold wert und gar nicht zu überschätzen ist. 

Aus gutem Grund wurden in der Session 2025/26 mit dem Prinzenführer Detlef Michael Klapper ein seit Jahrzehnten ehrenamtlicher Karnevalist zum Ritter vom Schiefen Turm und die Sparkassenstiftung als Karnevalssponsor mit dem Mölmschen Narr ausgezeichnet.

Und weil der Karneval auch ohne Musik undenkbar wäre, wurde mit Horst Herrmann ein Ein-Mann-Orchester mit dem Ehrenzeichen des Bundes Deutscher Karneval ausgezeichnet, der den Mülheimer Saalkarneval seit 1974 begleitet.

Undenkbar wäre der organisierte Frohsinn in Mülheim natürlich auch ohne die Mutter aller Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die MüKaGe, die mit einem weiblichen Führungsquartett in seine 88. Session ging, während die ebenfalls von einer starken Frau (Gisela Claus) angeführte Ruhrgarde aus gutem Grund feiern durfte, dass sie seit inzwischen 50 Jahren, nicht nur auf Mülheims Bühnen, mit glamourösen Showtanz für Furore sorgt, der an den Broadway, das Moulin Rouge und das Crazy Horse erinnert. 

Mehr über den Mülheimer Karneval erfahren Sie unter anderem hier

Denk(m)al Kirche

  Die Zeiten ändern sich. Als St. Theresia 1892 für die katholischen Bergleute in Selbeck und 1901 die Evangelische Kirche an der Wilhelmine...