Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174.000 Einwohnern, in der es rund 100.000 Kraftfahrzeuge gibt und die damit eine der deutschen Städte mit der höchsten Kraftfahrzeugdichte ist.
Immerhin strahlt noch das Café in dem 1899 errichteten Haus, dass viele alte Mülheimer noch als Rosenhof kennen, etwas majestätisches aus. Auch einige Häuser vis-a-vis an der Althofstraße können und wollen ihre architektonische Herkunft aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches nicht verleugnen. Alte Postkarten, die in der kaiserzeit das waren, was heute E-Mails und WhatsApp Nachrichten sind, zeigen den Kaiserplatz in der ganzen Stattlichkeit seines Namens, den er mit seiner Schaffung 1875 erhalten hat. Damals wurde dort der Teich der alten Altenhofmühle, um einen repräsentativen Platz mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Von motorisierter Massenmobilität und der Notwendigkeit von Parkplätzen war damals noch keine Rede. Und Kaiser Wilhelm II. konnte sich der Illusion hingeben, dass sich das Auto langfristig nicht gegen das Pferd und die von ihm gezogene Kutsche durchsetzen werde.Mülheimer Lesezeichen
Texte aus der Feder von Dr. Thomas Emons
Samstag, 6. Juni 2026
Ein Platz für den Kaiser
Sonntag, 31. Mai 2026
Otto Pankok kehrt zurück ins Kloster Saarn
Otto Pankok wurde 1893 im ehemaligen Äbtissinnenhaus des Klosters Saarn geboren. Im Kloster Saarn hat er später auch seine ersten Zeichnungen angefertigt. Sie zeigen ihn selbst, die dörfliche Landschaft Saarns, seine Schwester Hedwig und seine Mutter, die selbst auch malte, an einer Staffellage. Mit einer Ausstellung, die noch bis zum 12. Juli im oberen Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters zu sehen ist, kehrt der vor 60 Jahren verstorbene Pankok jetzt mit seinem Jugendwerk an den Ort seiner Geburt und einer Kindheit zurück.
Möglich gemacht hat diese Ausstellung, in der 50 Arbeiten des großen Meisters der Schwarz-Weiß-Zeichnungen, zu sehen sind das ehrenamtliche Team der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, unterstützt von der Leiterin des Pankok-Museums in Hünxe, Dr. Dagmar Schmengler, und Pankoks Großneffen, dem Künstler Moritz Pankok.
Moritz Pankok, Dr. Dagmar Schmengler und Pfarrer Christian Böckmann sind sich einig, "dass es keinen besseren Ort als diesen gibt", um vor allem Pankonks Frühwerk einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, weil: "sich hier Kirche und Kultur mit den Werten verbinden", für die der Künstler und Mensch Otto Pankok, dessen vom christlichen Humanismus geprägten Arbeiten von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" diffamiert und mit einem Ausstellungverbot belegt wurden, zeitlebens eigestanden sei. Diese Grundhaltung Pankoks, die für seinen Großneffen Moritz, angesichts der heutigen "sozialen und politischen Härten, aktueller denn je sind", kommen zum Beispiel in seinem Passionszyklus aus den 1930er Jahren und seiner Zeichnung "Christus zerbricht das Gewehr" zum Ausdruck. Letztere wurde in den 1950er Jahren, als Pankok als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf lehrte, zu einer Ikone der internationalen Friedensbewegung, vergleichbar der Friedenstaube Picassos.
In der klösterlichen Pankok-Ausstellung begegnen wir auch den berührenden Portraits des Sinti-Mädchens Eher wieder, die als "Mädchen-mit-Ball-Skulptur" seit 1983 am Wegesrand der Düsseldorfer Straße, mitten im Saarner Dorf steht.
Die Otto-Pankok-Werkschau im Kloster Saarn ist in ein eintrittsfreies Rahmenprogramm mit Führungen, Exkursionen, Publikumsgesprächen und Lesungen eingebettet. Der Eintritt kostet sieben Euro und berechtigt zugleich zum Besuch des historischen Klostermuseums. Die Ausstellung ist donnerstags und freitags (16-20 Uhr) sowie samstags, sonntags und feiertags (10-18 Uhr) im Kloster Saarn zu sehen. Die für sieben Euro zu erwerbende Eintrittskarte berechtigt auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums der Saarner Klosterfreunde. Der Eintritt in die Pankok-Ausstellung, der auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums berechtigt, kostet sieben Euro.
Mittwoch, 13. Mai 2026
Mülheim im Jahr 1946
Zahlen, Daten und Fakten aus den Bekanntmachungen der Stadtverwaltung der und seit dem Juni 1945 für Mülheim an der Ruhr zuständigen britischen Militärregierung werfen ein bezeichnendes Licht auf den Nachkriegsalltag in unserer Stadt.
Folgt man dieser im Stadtarchiv an der Von-Graefe-Straße einzusehenden Quelle, dann lebten vor 80 Jahren 132.000 Menschen in unserer Stadt, davon 3800 sogenannte Ostflüchtlinge aus Ost- und Mitteldeutschland.
Das Gesundheitsamt gab die Zahl der "schwer unterernährten" Personen mit 3800 an. Mit Blick auf das örtliche Schulwesen erfahren wir, dass damals 1/3 der Schulgebäude infolge des Krieges zerstört und 83 Lehrkräfte aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Lehramt entlassen worden sind.
1946 besuchen 14.000 Kinder und Jugendliche eine von 24 Volksschulen. 1600 Jungen und 250 Mädchen besuchen ein Gymnasium, 780 Jungen und Mädchen lernen an den städtischen Mittelschulen und 3500 Jugendliche an den berufsbildenden Schulen der Stadt. 15.000 Schulkinder erhalten eine tägliche Schulspeisung durch das Schwedische Rote Kreuz. Dafür zahlen ihre Eltern eine Reichsmark pro Woche.
Die Stadtverwaltung meldet im Rahmen der Entnazifizierung 119 Beamte, 95 Angestellte und 62 Arbeiter, die ihre Stelle aufgrund ihrer NS-Vergangenheit verloren haben. Aus der freien Wirtschaft werden 2000 NS-bedingte Amtsenthebungen gemeldet.
Der Wiederaufbau des kriegszerstörten und beschädigten Wohnraums nimmt sich zwei Jahre vor der westdeutschen Währungsreform mit 445 neugebauten Wohnungen und rund 5400 winterfest gemachten Wohnungen noch sehr bescheiden aus.
Donnerstag, 30. April 2026
Ausflug in die Außenpolitik
„Wir stehen für politische Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter in ihrem Grußwort an die zahlreichen Gäste des Frühlingsempfangs, zu dem die Mülheimer CDU in die Stadthalle eingeladen hatte. „Wir nehmen unsere politische Verantwortung als Volkspartei auch auf der kommunalen Ebene wahr, indem wir politische Befindlichkeiten zurückstellen und als Parteien der demokratischen Mitte zusammenarbeiten“, ergänzte die Vorsitzende der Ratsfraktion, Christina Küsters mit Blick auf den Kooperationsvertrag, den CDU und SPD für ihre Kooperation im Rat der Stadt ausgehandelt haben.
Inhaltlich lud die Mülheimer CDU ihre Gäste zum Ausflug in
die Außenpolitik ein. „Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen wir aktuell
konfrontiert werden, dürfen wir unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen
verlieren, unsere Gesellschaft durch unsere Arbeit besser zu machen“, schlug
der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert
Röttgen, als Gastredner den Bogen von
der hauptamtlichen Bundespolitik zur ehrenamtlichen Kommunalpolitik. Mit seiner
Fraktionskollegin Astrid Timmermann-Fechter war sich Röttgen einig, „dass
Veranstaltungen, wie der Frühlingsempfang der CDU, eine wichtige Basis des
gesellschaftlichen Dialogs schaffen, der am Anfang aller demokratischen Politik
steht“. In seinem außenpolitischen Referat machte Röttgen deutlich, dass eine
Volkspartei, wie die Union in der Verantwortung stehe, lokal, regional,
national und global Menschen zusammenzubringen und mitzunehmen. Röttgen sieht
Deutschland innerhalb der Europäischen Union „in einer Führungsverantwortung,
nachdem die im Kalten Krieg gewachsene Interessengemeinschaft zwischen den USA
und der EU von der Trump-Administration einseitig aufgekündigt worden“ sei.
Der CDU-Außenpolitiker ließ keinen Zweifel daran, „dass die
27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nur gemeinsam weltpolitisch
handlungsfähig sind“. Mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine gegen den
russischen Angriffskrieg betonte er: „Die Ukraine verfügt heute über die größte
und kampffähigste Armee in Europa. Sie verteidigt auch unsere Sicherheit. Und
indem wir sie dabei unterstützen, sorgen wir zusammen mit unseren Partnern
dafür, dass das Konzept Krieg in Europa scheitert." Für diese Aussage
erhielt Röttgen den spontanen Applaus seines Publikums in der Stadthalle.
Dienstag, 28. April 2026
Mahnung zur Menschlichkeit
Die Lebensgeschichte der jüdischen Autorin und Schauspielerin Bela Winkens, die am 1. April in Düsseldorf verstorben ist, führt uns den ganzen Wahnsinn des Holocaust vor Augen und mahnt uns zur Menschlichkeit.
Ihr Leben, das 1941 in Berlin unter lebensgefährlichen Bedingungen begann, führte sie im Kriegsjahr 1943 und im Nachkriegsjahr 1945/46 auch nach Mülheim an der Ruhr. Hier fand das Kind Zuflucht bei der Halbschwester ihres Vaters Walter, Sophie Kukla, die mit ihrem nicht-jüdischen Ehemann in Saarn lebte.
Das hat Stadtarchivarin Annett Fercho bei ihren Recherchen herausgefunden, die in Bela Winkens, literarische Autobiografie "Brief an die Mutter" eingeflossen sind, die Bela Winkens 2025 im Berliner Verbrecherverlag veröffentlicht hat.
Anders, als ihre Eltern und Großeltern, die 1943 in Auschwitz ermordet wurden, überlebte Bela den Holocaust und die NS-Diktatur. Sie überlebte, obwohl ihre Identität und ihr Versteck verraten wurde und sie 1944/45 im Konzentrationslager Theresienstadt interniert war und erst nach einem Erholungsaufenthalt in Lüneburg zu ihrer Tante nach Mülheim zurückkehren konnte.
1951 wurde aus Bela Heymann Bela Winkens, nach dem sie von dem in Düsseldorf lebenden christlich-jüdischen Ehepaar, Elsa und Theodor Winkens, adoptiert worden war. Nach ihrem Abitur ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Berlin zur Schauspielerin ausbilden und verkörperte später unter anderem Anne Frank.
Zur Tragik ihrer Lebensgeschichte gehört, dass sie immer wieder von Neo-Nazis angegriffen und angefeindet wurde, weil sie als Schauspielerin und Autorin ihr Schicksal, das ein Schicksal von Millionen war, thematisierte.
Sonntag, 19. April 2026
Gelebte Nächstenliebe
Gelebte Nächstenliebe. Mit diesen Worten wurde das ehrenamtliche Engagement der aktuell 60 Grünen Damen und Herren im Evangelischen Krankenhaus mehr als einmal gewürdigt, als die Gruppe um Krankenhausseelsorgerin Lisa Schönrock mit einem Festgottesdienst in der Petrikirche und einem anschließenden Jubiläumsempfang in Petrikirchenhaus ihrem 50 Geburtstag feiern konnte.
1976 von der damaligen Klinikseelsorgerin Margarete Harbecke ins Leben gerufen, gehört die Evangelische Krankenhaushilfe im Evangelischen Krankenhaus Mülheim zu den ältesten und größten Gruppen der Evangelischen Krankenhaushilfe, die 1969 von Brigitte Schröder in Düsseldorf ins Leben gerufen wurde. Die Ehegatten des damaligen Bundesaußenminister Gerhard Schröder hatte bei einem Besuch in den USA die Pink Ladies kennengelernt, die in Kliniken ehrenamtlich für Patienten und Patientinnen sowie deren Angehörige im Einsatz waren. Weil sie die Farbe pink nicht mochte, die Idee der Pink Ladies aber unbedingt nachahmenswert fand, machte sie aus dem Pink Ladies die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe.In Anspielung darauf, das Grün im Volksmund als Farbe der Hoffnung gilt, bezeichnete Superintendent Michael Manz die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe "als eine grüne Kraft der Hoffnung, die Menschen durch ihre Zeit und ihre Zuwendung in existenziell schwierigen Lebenssituationen Mut Hoffnung und Trost" spendeten. Viele der Grünen Damen und Herren, die Patienten zuhören, sie im Rollstuhl durch die Klinik oder deren Park schieben, ihnen mit kleinen Handreichungen assistieren oder für sie Besorgungen machen, haben selbst als Patienten oder Angehörige den segensreichen Beistand der Grünen Damen und Herren erlebt und sich so zu ihrem Ehrenamt motivieren lassen.
Dienstag, 14. April 2026
Denk ich an Thyssen
Der vor 100 Jahren gestorben August Thyssen ist zurecht als Großindustrieller in die Geschichte eingegangen. In seinem Todesjahr arbeiteten rund 65.000 Menschen für sein Unternehmen, das er 55 Jahre zuvor mit einem Stahlwerk und 70 Arbeitern auf einem ehemaligen Bauernhof in Styrum gegründet hatte.
Aus gutem Grund hatte ihn der Stadtrat, dem er damals selbst angehörte, 1912, zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt. Denn in diesem Jahr hatten August Thyssen und sein Bruder Josef mit ihrer Stiftung die Eröffnung des Stadtbades an der Ruhr ermöglicht.Auch die 1894 eingeweihte Marienkirche in Styrum und das 1927 im Luisental eröffnete Franziskushauses gehen auf seine Stiftung zurück. Mit seiner Initiative verbunden sind auch die Gründungen des Rheinischen Westfalen Elektrizitätswerkes und des Rheinischen Westfälische Wasserwerkes (RWW) sowie der Bau der heutigen Mausegattsiedlung, in der früher Bergarbeiter und ihre Familien lebten sowie der Bau von 128 Werkswohnungen an der Moritzstraße und des Styrumer Wasserturms, den wir seit der Landesgartenschau Müga 1992 als Wassermuseum Aquarius kennen.
1922 dankte August Thyssen in einem Beitrag für die Jubiläumsausgabe der Mülheimer Zeitung vor allem seinem Arbeitern und seiner Familie für deren Unterstützung, die seinem Erfolg als Unternehmer erst möglich gemacht hätten.
Seine ehemalige Firmenzentrale an der Wiesenstraße kennen wir seit 2005 als Haus der Mülheimer Wirtschaft und seit 2008 als Mülheim Unternehmer Museum kennen, Auch eine Straße, die durch Mintard zu seinem letzten Wohnsitz Schloß Landsberg führt, wurde bereits zu seinem 80. Geburtstag nach ihm benannt.
Ein Platz für den Kaiser
Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...
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Der 30. und 31. Januar ist in meinem Kalender rot angestrichen", erzählt Familienforscherin Bärbel Essers. Dass das so ist, hat mit der...
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Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...
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„Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt.” Auch dieses Volkslied dürfte die Schildberger Sing- und Spielschar ...