Als die Stadthalle vor 100 Jahren eröffnet wurde, ließen die "Bunten Blätter" auf ihrem Titel eine Gondel an dem neuen Bauwerk vorbeifahren. Der Altbau der Stadthalle erinnert an einen venezianischen Palazzo und brachte Mülheim 1926 den Ruf eines "Ruhrvenedigs" ein.
Den Plänen der Architekten Hans Grossmann und Artur Pfeifer sei Dank. Großmann und Pfeifer hatte auch das im Ersten Weltkrieg fertiggestellte Rathaus geplant. Doch der Erste Weltkrieg ließ keine Zeit und kein Geld mehr übrig für den schon lange geplanten Stadthallenbau am Broicher Ruhrufer.
Gebaut wurde dann von 1923 bis 1925 auf dem ehemaligen Grundstück der Mülheimer Papierfabrikanten Vorster, aus deren Familie auch Mülheims erster Bürgermeister Hermann Vorster hervorgegangen war.
Mitten in der Hyperinflation begann der Stadthallenbau als Notstandsmaßnahme, finanziert mit Notgeld, dass sich die damals vom Oberbürgermeister Paul Lembke geführte Stadt selbst gedruckt hatte.
Das erste Konzertpublikum, das im Dezember 1925 in der neuen Stadthalle Platz nahm, bestand nicht aus den Mülheimer Honoratioren, sondern aus den Arbeitern, die den Bau bewerkstelligt hatten. Die Lokalpresse sprach damals vom "demokratischsten Konzert der Stadtgeschichte."
Bei der Eröffnung der Stadthalle am 5. Januar 1926 nahmen dann aber doch die üblichen Honoratioren im Theatersaal der Stadthalle Platz. Die Duisburger Sinfoniker spielten zur Feier des Tages Werke von Brahms und Wagner.
Gustaf Gründgens, Sven Hedin, Max Planck, Wilhelm Furtwängler und die Berliner Philhamoniker waren nur einige Prominente, die auf der Stadthallenbühne gastierten, ehe "Mülheims gute Stube" 1943 ein Opfer des Luftkriegs wurde.
Der Wiederaufbau der Stadthalle, der unter anderem mit einer Lotterie finanziert wurde, sollte sich bis ins Jahr 1957 hinziehen und vom Hannoveraner Architekten Hermann Graubner geplant. Der moderne Westflügel der Stadthalle atmet den Zeitgeist der 1950er Jahre. Der Theodor-Heuss-Platz vor der Stadthalle erinnert daran, dass sie am 11. Oktober 1957 im Beisein des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss mit Werken Beethovens und Goethes Egmont wiedereröffnet wurde. In der Hauptrolle war damals Klausjürgen Wussow zu sehen, der auch später mehrfach in der Stadthalle gastierte und als "Professor Brinkmann aus der Schwarzwalklinik" einem Millionenpublikum bekannt werden sollte.
Götz George, Horst Tappert, OW Fischer, Joachim Kuhlenkampf, Joachim Fuchsberger, Hedi Kabel, Willi Millowitsch, Dieter Hildebrand, Juliette Greco, Thomas Gottschalk, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl und Gerhard Schröder waren nur einige von vielen Prominenten, die nach 1957 als Schauspieler, Sängern, Kabarettisten und Politiker auf den Bühnen der Stadthalle ihr Publikum fanden.
Sei 2001 wir die Stadthalle von der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST als Veranstaltungsort vermarktet. Zur Geschichte der Stadthalle gehört auch, dass sich viele gemeinnützige Organisationen, trotz eines Saalmietenrabatts, aus finanziellen Gründen die Stadthalle heute meiden und auf andere Veranstaltungsorte ausweichen, die für sie bezahlbarer sind als die Stadthalle.
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