Donnerstag, 30. April 2026

Ausflug in die Außenpolitik

„Wir stehen für politische Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter in ihrem Grußwort an die zahlreichen Gäste des Frühlingsempfangs, zu dem die  Mülheimer CDU in die Stadthalle eingeladen hatte. „Wir nehmen unsere politische Verantwortung als Volkspartei auch auf der kommunalen Ebene wahr, indem wir politische Befindlichkeiten zurückstellen und als Parteien der demokratischen Mitte zusammenarbeiten“, ergänzte die Vorsitzende der Ratsfraktion, Christina Küsters mit Blick auf den Kooperationsvertrag, den CDU und SPD für ihre Kooperation im Rat der Stadt ausgehandelt haben.

Inhaltlich lud die Mülheimer CDU ihre Gäste zum Ausflug in die Außenpolitik ein. „Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen wir aktuell konfrontiert werden, dürfen wir unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen verlieren, unsere Gesellschaft durch unsere Arbeit besser zu machen“, schlug der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, als Gastredner  den Bogen von der hauptamtlichen Bundespolitik zur ehrenamtlichen Kommunalpolitik. Mit seiner Fraktionskollegin Astrid Timmermann-Fechter war sich Röttgen einig, „dass Veranstaltungen, wie der Frühlingsempfang der CDU, eine wichtige Basis des gesellschaftlichen Dialogs schaffen, der am Anfang aller demokratischen Politik steht“. In seinem außenpolitischen Referat machte Röttgen deutlich, dass eine Volkspartei, wie die Union in der Verantwortung stehe, lokal, regional, national und global Menschen zusammenzubringen und mitzunehmen. Röttgen sieht Deutschland innerhalb der Europäischen Union „in einer Führungsverantwortung, nachdem die im Kalten Krieg gewachsene Interessengemeinschaft zwischen den USA und der EU von der Trump-Administration einseitig aufgekündigt worden“ sei.

Der CDU-Außenpolitiker ließ keinen Zweifel daran, „dass die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nur gemeinsam weltpolitisch handlungsfähig sind“. Mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg betonte er: „Die Ukraine verfügt heute über die größte und kampffähigste Armee in Europa. Sie verteidigt auch unsere Sicherheit. Und indem wir sie dabei unterstützen, sorgen wir zusammen mit unseren Partnern dafür, dass das Konzept Krieg in Europa scheitert." Für diese Aussage erhielt Röttgen den spontanen Applaus seines Publikums in der Stadthalle.

Dienstag, 28. April 2026

Mahnung zur Menschlichkeit

Die Lebensgeschichte der jüdischen Autorin und Schauspielerin Bela Winkens, die am 1. April in Düsseldorf verstorben ist, führt uns den ganzen Wahnsinn des Holocaust vor Augen und mahnt uns zur Menschlichkeit.

Ihr Leben, das 1941 in Berlin unter lebensgefährlichen Bedingungen begann, führte sie im Kriegsjahr 1943 und im Nachkriegsjahr 1945/46 auch nach Mülheim an der Ruhr. Hier fand das Kind Zuflucht bei der Halbschwester ihres Vaters Walter, Sophie Kukla, die mit ihrem nicht-jüdischen Ehemann in Saarn lebte.

Das hat Stadtarchivarin Annett Fercho bei ihren Recherchen herausgefunden, die in Bela Winkens, literarische Autobiografie "Brief an die Mutter" eingeflossen sind, die Bela Winkens 2025 im Berliner Verbrecherverlag veröffentlicht hat.

Anders, als ihre Eltern und Großeltern, die 1943 in Auschwitz ermordet wurden, überlebte Bela den Holocaust und die NS-Diktatur. Sie überlebte, obwohl ihre Identität und ihr Versteck verraten wurde und sie 1944/45 im Konzentrationslager Theresienstadt interniert war und erst nach einem Erholungsaufenthalt in Lüneburg zu ihrer Tante nach Mülheim zurückkehren konnte.

1951 wurde aus Bela Heymann Bela Winkens, nach dem sie von dem in Düsseldorf lebenden christlich-jüdischen Ehepaar, Elsa und Theodor Winkens, adoptiert worden war. Nach ihrem Abitur ließ sie sich in ihrer Heimatstadt Berlin zur Schauspielerin ausbilden und verkörperte später unter anderem Anne Frank.

Zur Tragik ihrer Lebensgeschichte gehört, dass sie immer wieder von Neo-Nazis angegriffen und angefeindet wurde, weil sie als Schauspielerin und Autorin ihr Schicksal, das ein Schicksal von Millionen war, thematisierte. 

Sonntag, 19. April 2026

Gelebte Nächstenliebe

Gelebte Nächstenliebe. Mit diesen Worten wurde das ehrenamtliche Engagement der aktuell 60 Grünen Damen und Herren im Evangelischen Krankenhaus mehr als einmal gewürdigt, als die Gruppe um Krankenhausseelsorgerin Lisa Schönrock mit einem Festgottesdienst in der Petrikirche und einem anschließenden Jubiläumsempfang in Petrikirchenhaus ihrem 50 Geburtstag feiern konnte.

1976 von der damaligen Klinikseelsorgerin Margarete Harbecke ins Leben gerufen, gehört die Evangelische Krankenhaushilfe im Evangelischen Krankenhaus Mülheim zu den ältesten und größten Gruppen der Evangelischen Krankenhaushilfe, die 1969 von Brigitte Schröder in Düsseldorf ins Leben gerufen wurde. Die Ehegatten des damaligen Bundesaußenminister Gerhard Schröder hatte bei einem Besuch in den USA die Pink Ladies kennengelernt, die in Kliniken ehrenamtlich für Patienten und Patientinnen sowie deren Angehörige im Einsatz waren. Weil sie die Farbe pink nicht mochte, die Idee der Pink Ladies aber unbedingt nachahmenswert fand, machte sie aus dem Pink Ladies die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe.

Wer mit den Grünen Damen und Herren ins Gespräch kommt und sie nach ihrer Motivation fragt, hört immer wieder den Satz: "Wir bekommen mehr zurück als wir geben!" Von einem sinnvollen Ehrenamt, das menschlich bereichert, ist immer wieder die Rede. Die meisten der Menschen, die als Grüne Damen und Herren einen Vormittag oder einen Nachmittag pro Woche in ihr Ehrenamt investieren, haben bereits einen reifes Lebensalter erreicht. Doch im Kreis der Grünen Damen und Herren des Evangelischen Krankenhauses gibt es auch einige Grüne Damen, die ihr Ehrenamt ganz bewusst als eine persönliche Herausforderung ausbildungsbegleitend ausüben.

In Anspielung darauf, das Grün im Volksmund als Farbe der Hoffnung gilt, bezeichnete Superintendent Michael Manz die Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe "als eine grüne Kraft der Hoffnung, die Menschen durch ihre Zeit und ihre Zuwendung in existenziell schwierigen Lebenssituationen Mut Hoffnung und Trost" spendeten. Viele der Grünen Damen und Herren, die Patienten zuhören, sie im Rollstuhl durch die Klinik oder deren Park schieben, ihnen mit kleinen Handreichungen assistieren oder für sie Besorgungen machen, haben selbst als Patienten oder Angehörige den segensreichen Beistand der Grünen Damen und Herren erlebt und sich so zu ihrem Ehrenamt motivieren lassen.

Hartmut Mäurer und Juliane van de Kemp, die zu den dienstälteren Ehrenamtlern der Evangelischen Krankenhaushilfe gehören, sehen vor allem Zeit, Zuwendung, Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit menschliches Leid aushalten zu können als die wichtigsten Voraussetzungen für ihr Ehrenamt von Mensch zu Mensch mitbringen Sie haben aus ihrer eigenen Erfahrung heraus auch hohen Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen, die sich entschließen, aus dem Dienst auszuschreiben, weil sie spüren, dass sie nicht mehr die Kraft haben, um ihr Ehrenamt sinnvoll ausüben zu können. Und so ist das Leben auch bei den Grünen Damen und Herren der Evangelischen Krankenhaushilfe dem Evangelischen Krankenhaus ein ständiges Kommen und Gehen und ein permanenter Wandel sind, ist es erforderlich, dass sich immer wieder neue Männer und Frauen zum Ehrenamt in den Reihen der Evangelischen Krankenhaushilfe berufen fühlen. 

Wer sich einen solchen Dienst vorstellen kann, erreicht die Seelsorgerin des Evangelischen Krankenhauses Müllheim Lisa Schönrock per E-Mail an: lisa. schoenrock@evkmh.de sowie unter der Rufnummer soll 0208-3092640. 

Dienstag, 14. April 2026

Denk ich an Thyssen

Der vor 100 Jahren gestorben August Thyssen ist zurecht als Großindustrieller in die Geschichte eingegangen. In seinem Todesjahr arbeiteten rund 65.000 Menschen für sein Unternehmen, das er 55 Jahre zuvor mit einem Stahlwerk und 70 Arbeitern auf einem ehemaligen Bauernhof in Styrum gegründet hatte.

Aus gutem Grund hatte ihn der Stadtrat, dem er damals selbst angehörte, 1912, zum Mülheimer Ehrenbürger ernannt. Denn in diesem Jahr hatten August Thyssen und sein Bruder Josef mit ihrer Stiftung die Eröffnung des Stadtbades an der Ruhr ermöglicht.

Auch die 1894 eingeweihte Marienkirche in Styrum und das 1927 im Luisental eröffnete Franziskushauses gehen auf seine Stiftung zurück. Mit seiner Initiative verbunden sind auch die Gründungen des Rheinischen Westfalen Elektrizitätswerkes und des Rheinischen Westfälische Wasserwerkes (RWW) sowie der Bau der heutigen Mausegattsiedlung, in der früher Bergarbeiter und ihre Familien lebten sowie der Bau von 128 Werkswohnungen an der Moritzstraße und des Styrumer Wasserturms, den wir seit der Landesgartenschau Müga 1992 als Wassermuseum Aquarius kennen.

1922 dankte August Thyssen in einem Beitrag für die Jubiläumsausgabe der Mülheimer Zeitung vor allem seinem Arbeitern und seiner Familie für deren Unterstützung, die seinem Erfolg als Unternehmer erst möglich gemacht hätten.
Seine ehemalige Firmenzentrale an der Wiesenstraße kennen wir seit 2005 als Haus der Mülheimer Wirtschaft und seit 2008 als Mülheim Unternehmer Museum kennen, Auch eine Straße, die durch Mintard zu seinem letzten Wohnsitz Schloß Landsberg führt, wurde bereits zu seinem 80. Geburtstag nach ihm benannt.

Noch bevor er selbst 1903 auf Landsberg, das heute als Tagungsstätte genutzt wird, zu Schlossherrn wurde, hatte August Thyssen 1890 das Schloss Styrum als Wohnsitz für seine Generaldirektor erworben. Nachdem 1958 der letzte Thyssen General auf Schloss Styrum verstorben war, wurde aus dem Schloss in Styrum Mülheims erste Seniorentagestädter und ein Ausstellungsraum für die Kunstsammlung der Stadt. Diese Tradition wird heute mit den städtischen Künstlerateliers im Schloss Styrum fortgesetzt. Fortgesetzt wird bis heute auch das unternehmerische Lebenswerk des vor 100 Jahren verstorben August Thyssen, mit der Firma Thyssen Schachtbau, die mit ihrer Firmenzentrale an der Sandstraße residiert und heute 1700 Menschen in 51 Ländern beschäftigt.

Mittwoch, 8. April 2026

Kunst bildet

Die Mülheimer Künstlerin Ronja Nekes hat das ehemalige Naturfreundehaus nicht nur zu ihrem Lebens- und Arbeitsplatz, sondern auch zu einem Centrum für Freiraum umgebaut. Zuletzt war sie dort Gastgeberin eines Art-Xplore-Workshops den die Malerinnen Claudia Desgranges und Lara Kaiserfür sieben junge und kreative Künstlerinnen zwischen 14 und 17 Jahren gaben. Möglich gemacht hatten den Workshop der Ruhepreisträger Dirk Salz und seine Frau Inge mit ihrer Kulturstiftung. "Es geht uns nicht nur um Malen und Zeichnen, sondern um kulturelle Bildung und den Mut, auch mal einen anderen Blick auf die Welt zu werfen, der das Leben nicht nur nach Geld und Zahlen bewertet", erklärt der im Uhlenhorst wohnende und an der Aktienstraße arbeitende Maler Dirk Salz die Motivation seiner Stiftung. 

Deshalb soll der von Mal-Profis geleitete Workshop in Rona Nekes Centrum für Freiraum im Juli und Oktober 2026 mit Alexander und Maja Voß sowie mit Frauke Wilken und Marie Spellenberg eine Fortsetzung erfahren.

Nach ihrem persönlichen Mehrwert befragt, sprechen die Teilnehmerinnen von der inspirieren Arbeit mit professionellen Malerinnen und gleichgesinnten Gleichaltrigen, die Ihnen neue Perspektiven und den Mut zur künstlerischen Improvisation, Spontanität und Experimentierfreude vermittelt hätten. Keine Frage, dass am Ende des dreitägigen Workshops am Böllrodt in Raadt Rufnummern ausgetauscht und neue Netzwerke gebildet wurden.


Mittwoch, 1. April 2026

Die Stadthalle heute

 Die Mülheimer Stadthalle am Broicher Ruhrufer wird seit 2001 von der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft MST gemanagt. Deren Geschäfte werden aktuell von Michael Birr geführt. Er muss damit auch die Millionen-Investitionen verantworten, die notwendig sind um das 100 Jahre alte Gebäude instand zuhalten, in dem Theateraufführungen, Konzerte, Kongresse, Empfänge und andere Veranstaltungen über die Bühne gehen. 

Im Gespräch, das ich für die Lokalredaktion führen konnte, verwies er auf steigende Personal- und Energiekosten, aber auch auf die finanzielle Förderung, die der Stadthallenbetrieb durch das Land Nordrhein-Westfalen und seinen Partner Westenergie erhält, aber auch auf einen 40-prozentigen Mietrabatt, den die MST gemeinnützigen Organisationen für Ihre Veranstaltungen in der Stadthalle gewährt.

Die Restaurierung der Stadthallenarkaden, eine neue Verglasung, eine neue Tonanlage und eine neue LED-Beleuchtung für den 1073 Gästen Platz bietenden Theatersaal, der über eine 14 Meter breite Bühne verfügt, den Anschluss an das Glasfasernetz und das mit verbundene digitale Contentmanagement der Stadthalle und eine moderne Klima- und Energietechnik sind die aktuellen Baustellen des Stadthallenmanagements. 

Auf der Haben-Seite der Stadthalle hält Michael Birr die Tatsache fest, "dass die Stadthalle mit ihrer Lage an der Ruhr als Veranstaltungsort einen besonderen Charme hat und dass wir die Folgen der Corona-Pandemie heute nicht mehr spüren, weil die Menschen Kultur wieder live erleben wollen!" 

Samstag, 21. März 2026

Denk(m)al Kirche

 Die Zeiten ändern sich. Als St. Theresia 1892 für die katholischen Bergleute in Selbeck und 1901 die Evangelische Kirche an der Wilhelminenstraße in Broich eingeweiht wurden, waren die christlichen Kirchen Volkskirchen. Vergangenheit. 

Heute wird der 125. Kirchengeburtstag an der Wilhelminenstraße in der zum Jahresbeginn neugegründeten Brückengemeinde gefeiert. Und in der Linksruhrpfarrei St. Mariä Himmelfahrt macht sich ein von Michael Gatz-Kippert geleitetes Team Theresia darüber Gedanken, wie die baufällige, aber denkmalgeschützte Kirche an der Karl-Forst-Straße auch ohne Kirchensteuermittel erhalten und auch außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste für die Bürgerschaft nutzbar gemacht werden kann.

Im neugotischen Stil errichtet, wirkt die Kirche an der Wilhelminenstraße, wie eine Zeugin aus Kaisers Zeiten, als Kaiserin Auguste Viktoria deren Altarbibel stiftete und ihr kaiserlicher Gatte Wilhelm II. im Kriegsjahr 1917 die drei Kirchenglocken für seine Rüstung einschmelzen ließ.

Wie durch ein Wunder hat die Kirche an der Wilhelminenstraße, die bei ihrer Einweihung im März 1901 noch in einer Landbürgermeisterei Broich stand, zwei Weltkriege fast unbeschadet überstanden. Nur die Kirchenfenster gingen während des Luftkriegs zu Bruch, um dann in den Jahren 1948 bis 1953 wiederhergestellt zu werden. Auch die vor 125 Jahren vom preußischen Hoforgelbauer Wilhelm Sauer montierte Orgel erklingt bis heute im spätromantischen Musikstil ihrer Zeit. Und die vor 100 Jahren installierten Art-Deko-Lampen beleuchten immer noch, zeitlos schön, das gottesdienstliche und Gemeindeleben im altehrwürdigen Gotteshaus.

Man könnte meinen, die seit 1892 so benannte Wilhelminenstraße, an der die evangelische Kirche steht, sei dem Geist ihrer Zeit entsprechend, nach der Schwester Friedrich II., Wilhelmine, benannt. Doch weit gefehlt. Ihre Namensgeberin war die frühverstorbene Frau des Gemeindemitglieds Ferdinand Roßkothen, der im Andenken an seine Frau, seiner Gemeinde, die ursprünglich mit ihrer  Nachbargemeinde in Speldorf fusionieren sollte, im Drei-Kaiser-Jahr 1888 den Baugrund stiftete, auf dem später ein Pfarr- und ein Gemeindehaus sowie ein Teil der Kirche errichtet werden sollte. 


Ausflug in die Außenpolitik

„Wir stehen für politische Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Kreisvorsi...