Donnerstag, 10. September 2026

Leder, made in Mülheim

 Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu Ende, die 1639 mit der Gründung der Broicher Geber- und Schuhmacherzunft begonnen hatte und mit mehr als 50 Lederfabriken vor dem Zweiten Weltkrieg ihren Höhepunkt erreichte. Damals verdienten mehr als 2000 Menschen in der Mülheimer Lederindustrie, die mit Namen wie Lindgens, Abel, Rühl, Feldmann, Coupienne, Möhlenbeck und Hammann verbunden war, den Lebensunterhalt. 

In seiner Denkschrift zum 100. Geburtstag der Stadt Mülheim an der Ruhr stellte der Geschichtsverein 1908 selbstbewusst fest, dass die in Mülheim hergestellten Lederwaren schon seit einem halben Jahrhundert von so konkurrenzlos hoher Qualität seien, dass die Kunden der Mülheimer Lederindustrie jeden geforderten Preis "anstandslos" zu zahlen bereit seien. 

Leder, made in Mülheim, wurde überall gebraucht, ob im Bergbau, bei der Armee, in der Mode-Branche und in der Automobilinsdustrie.

1921 war Mülheim, neben Offenbach, die Lederhauptstadt Deutschlands und deshalb auch als Standort für das Kaiser-Wilhelm-Institut, für Lederforschung im Gespräch. Dass am Ende Dresden statt Mülheim den Zuschlag bekam, hatte damit zu tun, dass die Sachsen bereit waren, kräftig in ihre Staatskasse zu greifen, um das Institut in ihre Landeshauptstadt zu holen.

Weil die Mülheimer Lederindustrie, deren Geschichte seit 2003 in der ehemaligen Lederfabrik Abel an der Düsseldorfer Straße, im Rahmen eines Leder- und Gerbermuseums vor Augen geführt wird, viele ihrer Rohstoffe importieren und ihre Endprodukte exportieren musste, geriet sie seit den 1960er Jahren im internationalen Wettbewerb unter Druck.

1994 übernahm der US-Konkurrent die Lederfabrik deren Areal in Saarn jetzt zum Wohnquartier umgebaut wird. Und die 2008 stillgelegte Lederfabrik Hammann dient seit 2013 an der Hansastraße in Speldorf als Seniorenresidenz.  

Mittwoch, 9. September 2026

Jung und stark

Sie sind jung und stark. Sie sind echte Hoffnungsträgerinnen, die uns Mut machen und jedem Pisa-Schock trotzen. Die Rede ist von den Schülerinnen, die die Mülheimer Bürgerstiftung aus gutem Grund mit ihrem Förderpreis ausgezeichnet hat. Dank der finanziellen Unterstützung aus der Mülheimer Wirtschaft dürfen sich die Preisträgerinnen auch über ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro freuen.

Die 15-jährige Karl-Ziegler-Schülerin Lea Marie Röhrig hat sich nicht nur im Unterricht mit dem Thema Armut beschäftigt. Sie hat als Ergebnis ihrer Recherchen für ein entsprechendes Referat zusammen mit dem Diakoniewerk Arbeit und Kultur an ihrer Schule ein sogenanntes Zieglerfrühstück organisiert, das Schülerinnen kostenlos Brötchen, Obst und Joghurt anbietet. Röhrig orientiert sich am Beispiel des Diakoniewerks: "Bedürftig ist, wer sich für bedürftig hält." Die ehemalige Schülersprecherin weiß: "Auch an unserer Schule gibt es Schülerinnen und Schülern, die ohne Frühstück zur Schule kommen, weil ihren arbeitslosen oder alleinerziehenden Eltern das Geld dafür fehlt." Mit ihrem Förderpreis für soziales Engagement zeichnete die Mülheimer Bürgerstiftung Lea Marie Röhrig auch deshalb aus, weil die 15-Jährige unter dem Eindruck eines Besuches im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz eine Ausstellung zum Thema Holocaust erstellt hat, die unter anderem an ihrer Schule und bei Instagram zu sehen war bzw. zu sehen ist. "Das Wissen darüber, was in Auschwitz und anderswo passiert ist, darf auch in den  kommenden Generationen nicht verloren gehen. Und wir dürfen als Gesellschaft nicht in Handlungsmuster von Ausgrenzung und Diskriminierung zurückfallen, aus denen wir uns als Gesellschaft nach dem Zweiten Weltkrieg herausgekämpft haben", sagt die ausgezeichnete Schülerin.
Ihr 16-jährige Preisträger-Kollegin Rania Ahmad vom Gymnasium Broich wurde in der Kategorie Geisteswissenschaften für ihre literarische Arbeit ausgezeichnet, die ihr auch schon den Europäischen Literaturpreis des Literaturhauses Graz eingebracht hat. Die junge Autorin liebt Fantasy-Literatur, schreibt aber auch Kurzgeschichten aus dem Alltag und philosophische Essays. Literatur und Sprache sieht die junge Autorin als ein gesellschaftlich relevantes Medium, „um in andere Welten und Leben einzutauchen und damit auch andere Menschen kennenzulernen und zu verstehen, ohne dass man ihre Weltsicht akzeptieren muss.“ Ein so in Gang gesetzter Dialog, davon ist Rania Ahmad überzeugt, „kann Gewalt verhindern und Kriege beenden“.

Chemie-Olympiaden, Mathematik-Wettbewerben und MINT-EC-Camps. Das ist die Welt der 18-jährigen Mila Talisa Drießen, die im MINT-Bereich ausgezeichnet worden ist. MINT steht für Mathemathik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Warum es ihr die Naturwissenschaften angetan haben, erklärt sie so: „Hier geht es um logisches und strukturiertes Denken, das zu klaren Ergebnissen führt und einem damit auch eindeutige Erfolgserlebnisse verschafft.“ Das MINT-Know-How zieht Drießen als Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstandes. Engagierte Fachlehrer, die ihre Schülerinnen und Schüler fördern und ihnen auch die berufspraktischen Perspektiven der Naturwissenschaften aufzeigen können, sind für Mila Drießen die Voraussetzung dafür, Jugendliche für die MINT-Fächer zu begeistern.

Mit den Otto-Pankok-Schülerinnen Valentina Krebs und Paula Schulz genannt Menningmann wurden in der Kategorie Zivilcourage gleich zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet. Denn die beiden Schulsanitäterinnen, die sich auch ein medizinisches Berufsleben vorstellen können, standen einer Mitschülerin bei, die einen allergischen Schock erlitten hatte. Mit ihrer menschlichen Umsicht und ihrem gerade erst erworbenen Erste-Hilfe-Wissen taten sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort genau das, was zu tun war, um größeren Schaden von ihrer Mitschülerin abzuwenden. 

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“, sind sich die beiden ausgezeichneten Schülerinnen einig, die sich ihr Preisgeld geteilt haben. Und sie finden: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Mitschülerinnen und Mitschülern im Notfall helfen und mehr tun kann, als nur dabei zu stehen und den Krankenwagen zu alarmieren“!


Montag, 31. August 2026

Geschichte auf vier Rädern

Am letzten Augustwochenende verwandelte sich das Dorf Saarn zu einem automobilen Freiluftmuseum. 80 alte Autos mit dem Kennzeichen "H" für "historisch" waren beim 13. Oldtimer Cup der Werbegemeinschaft Saarn am Start. 

Warum fährt man heute in Zeiten von Hightech Automobilen mit Fahrzeugen aus Großvaters und Großmutters Zeiten, die weder einen Sicherheitsgurt, noch eine Servolenkung, geschweige denn einen Airbag oder einen Bordcomputer kennen, bis zu 15 Liter auf 100 Kilometern schlucken und am liebsten nicht schneller als 70 oder 80 Kilometer pro Stunde fahren? Wer mit den Oldtimerpiloten und Pilotinnen ins Gespräch kommt, hört sie immer wieder von der "Low Tech", die den Autofahrer oder Autofahrerin "nicht entmündigt" und von "der Seele" der alten Fahrzeuge schwärmen. Ob Scheinwerfer Kühlerhaubenfigur, Lenkrad oder Sitzpolster. Die Automobile von Annodazumal erscheinen auf den ersten Blick wie ein individueller Kontrapunkt zu den hochgezüchteten und windschnittigen Fahrzeugen heutiger Tage.


Eines der ältesten Fahrzeuge, das beim 13 seiner Oldtimer Cup mit von der Partie war, war der einem Mülleimer Unternehmer gehörende Adler Favorit aus dem Baujahr 1930. Mit einem vergleichbaren Fahrzeug, einem Adler Standard 6, war die Mülheimer Industriellentochter Clärenore Stinnes zwischen 1927 und 1929 um die Erde gefahren. Damals war das Autofahren noch der pure Luxus und ein Abenteuer.


Um 1930 gab es in Mülheim an der Ruhr gerade einmal rund 1750 Kraftfahrzeuge. Heute sind es rund 105.000. Das sagt alles über die Massenmotorisierung, die hierzulande mit dem westdeutschen Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren ins Rollen kam. Mülheim an der Ruhr gehört heute zu den Städten mit der größten Autodichte in Deutschland. Heute erscheint uns ein Leben ohne Automobilität unvorstellbar, obwohl das Inkrafttreten der ersten deutschen Straßenverkehrsordnung und die Einführung einer Führerscheinpflicht gerade einmal 120 Jahre zurückliegen. Genauso lange ist es auch her, dass sich die Industriellen Emil Kirdorf und Hugo Stinnes als erste Mülheimer ein Automobil anschafften, wie wir seit Marco Moliks jüngstem Vortrag über die Geschichte der Broich-Speldorfer Wald- und Gartenstadt wissen.

Zu diesem Zeitpunkt lag die erste Autofahrt der Weltgeschichte gerade mal 20 Jahre zurück. Damals, anno 1886, hatte Carl Benz, seinen Patent-Motorwagen, zur ersten offiziellen Probefahrt auf die Reise geschickt. Dass sich das Auto langfristig nicht gegen die Pferdroschke durchsetzen werde, war nur einer von vielen Irrtümern des letzte deutsche Kaiser Wilhelm II.

Aus heutiger Sicht bemerkenswert ist, dass sich auch schon unter den ersten Automobilen solche mit Elektromotoren befanden, die sich aber aufgrund ihres begrenzten Radius nicht gegen die Öl- und Benzinmotoren durchsetzen konnten.


Samstag, 6. Juni 2026

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174.000 Einwohnern, in der es rund 100.000 Kraftfahrzeuge gibt und die damit eine der deutschen Städte mit der höchsten Kraftfahrzeugdichte ist.

Immerhin strahlt noch das Café in dem 1899 errichteten Haus, dass viele alte Mülheimer noch als Rosenhof kennen, etwas majestätisches aus. Auch einige Häuser vis-a-vis an der Althofstraße können und wollen ihre architektonische Herkunft aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches nicht verleugnen. Alte Postkarten, die in der kaiserzeit das waren, was heute E-Mails und WhatsApp Nachrichten sind, zeigen den Kaiserplatz in der ganzen Stattlichkeit seines Namens, den er mit seiner Schaffung 1875 erhalten hat. Damals wurde dort der Teich der alten Altenhofmühle, um einen repräsentativen Platz mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Von motorisierter Massenmobilität und der Notwendigkeit von Parkplätzen war damals noch keine Rede. Und Kaiser Wilhelm II. konnte sich der Illusion hingeben, dass sich das Auto langfristig nicht gegen das Pferd und die von ihm gezogene Kutsche durchsetzen werde.

Als es mit dem Kaiser und seinem Reich 1918 zu Ende ging, und aus dem Kaiserreich die Weimarer Republik wurde, wurde der Kaiserplatz zu einem zentralen Platz für politische Kundgebungen. Letztere arteten vor allem unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 bis 1932 immer öfter in Gewalt aus, wenn sich die Kampfverbände der Kommunisten und der Nationalsozialisten, der Rotfrontkämpferbund und die SA, ihre Weltanschauung um die Ohren hauten.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde aus dem Kaiserplatz 1937 der Platz der SA, der seinen alten Namen aber zurückerhielt, als das tausendjährige Reich der Nationalsozialisten nach 12 Jahren 1945 vorbei war und seine materiellen und moralischen Trümmer hinterlassen hatte.

Mit dem Wiederaufbau der stark kriegszerstörten und kriegsbeschädigten Innenstadt kam in den 1950er Jahren das westdeutsche Wirtschaftswunder, das die Autodichte in unserer Stadt massiv ansteigen und die Anlage von Parkplätzen notwendig erscheinen ließ. So kam der Kaiserplatz zu seiner heutigen profanen Funktion.

Sonntag, 31. Mai 2026

Otto Pankok kehrt zurück ins Kloster Saarn

Otto Pankok wurde 1893 im ehemaligen Äbtissinnenhaus des Klosters Saarn geboren. Im Kloster Saarn hat er später auch seine ersten Zeichnungen angefertigt. Sie zeigen ihn selbst, die dörfliche Landschaft Saarns, seine Schwester Hedwig und seine Mutter, die selbst auch malte, an einer Staffellage. Mit einer Ausstellung, die noch bis zum 12. Juli im oberen Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters zu sehen ist, kehrt der vor 60 Jahren verstorbene Pankok jetzt mit seinem Jugendwerk an den Ort seiner Geburt und einer Kindheit zurück. 

Möglich gemacht hat diese Ausstellung, in der 50 Arbeiten des großen Meisters der Schwarz-Weiß-Zeichnungen, zu sehen sind das ehrenamtliche Team der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, unterstützt von der Leiterin des Pankok-Museums in Hünxe, Dr. Dagmar Schmengler, und Pankoks Großneffen, dem Künstler Moritz Pankok.

Moritz Pankok, Dr. Dagmar Schmengler und Pfarrer Christian Böckmann sind sich einig, "dass es keinen besseren Ort als diesen gibt", um vor allem Pankonks Frühwerk einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, weil: "sich hier Kirche und Kultur mit den Werten verbinden", für die der Künstler und Mensch Otto Pankok, dessen vom christlichen Humanismus geprägten Arbeiten von den Nationalsozialisten als "entartete Kunst" diffamiert und mit einem Ausstellungverbot belegt wurden, zeitlebens eigestanden sei. Diese Grundhaltung Pankoks, die für seinen Großneffen Moritz, angesichts der heutigen "sozialen und politischen Härten, aktueller denn je sind", kommen zum Beispiel in seinem Passionszyklus aus den 1930er Jahren und seiner Zeichnung "Christus zerbricht das Gewehr" zum Ausdruck. Letztere wurde in den 1950er Jahren, als Pankok als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf lehrte, zu einer Ikone der internationalen Friedensbewegung, vergleichbar der Friedenstaube Picassos.

In der klösterlichen Pankok-Ausstellung begegnen wir auch den berührenden Portraits des Sinti-Mädchens Eher wieder, die als "Mädchen-mit-Ball-Skulptur" seit 1983 am Wegesrand der Düsseldorfer Straße, mitten im Saarner Dorf steht.

Die Otto-Pankok-Werkschau im Kloster Saarn ist in ein eintrittsfreies Rahmenprogramm mit Führungen, Exkursionen, Publikumsgesprächen und Lesungen eingebettet. Der Eintritt kostet sieben Euro und berechtigt zugleich zum Besuch des historischen Klostermuseums. Die Ausstellung ist donnerstags und freitags (16-20 Uhr) sowie samstags, sonntags und feiertags (10-18 Uhr) im Kloster Saarn zu sehen. Die für sieben Euro zu erwerbende  Eintrittskarte berechtigt auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums der Saarner Klosterfreunde. Der Eintritt in die Pankok-Ausstellung, der auch zur Besichtigung des Historischen Klostermuseums berechtigt, kostet sieben Euro.

Mittwoch, 13. Mai 2026

Mülheim im Jahr 1946

 Zahlen, Daten und Fakten aus den Bekanntmachungen der Stadtverwaltung der und seit dem Juni 1945 für Mülheim an der Ruhr zuständigen britischen Militärregierung werfen ein bezeichnendes Licht auf den Nachkriegsalltag in unserer Stadt.

Folgt man dieser im Stadtarchiv an der Von-Graefe-Straße einzusehenden Quelle, dann lebten vor 80 Jahren 132.000 Menschen in unserer Stadt, davon 3800 sogenannte Ostflüchtlinge aus Ost- und Mitteldeutschland.

Das Gesundheitsamt gab die Zahl der "schwer unterernährten" Personen mit 3800 an. Mit Blick auf das örtliche Schulwesen erfahren wir, dass damals 1/3 der Schulgebäude infolge des Krieges zerstört und 83 Lehrkräfte aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der NSDAP aus dem Lehramt entlassen worden sind.

1946 besuchen 14.000 Kinder und Jugendliche eine von 24 Volksschulen. 1600 Jungen und 250 Mädchen besuchen ein Gymnasium, 780 Jungen und Mädchen lernen an den städtischen Mittelschulen und 3500 Jugendliche an den berufsbildenden Schulen der Stadt. 15.000 Schulkinder erhalten eine tägliche Schulspeisung durch das Schwedische Rote Kreuz. Dafür zahlen ihre Eltern eine Reichsmark pro Woche.

Die Stadtverwaltung meldet im Rahmen der Entnazifizierung 119 Beamte, 95 Angestellte und 62 Arbeiter, die ihre Stelle aufgrund ihrer NS-Vergangenheit verloren haben. Aus der freien Wirtschaft werden 2000 NS-bedingte Amtsenthebungen gemeldet.

Der Wiederaufbau des kriegszerstörten und beschädigten Wohnraums nimmt sich zwei Jahre vor der westdeutschen Währungsreform mit 445 neugebauten Wohnungen und rund 5400 winterfest gemachten Wohnungen noch sehr bescheiden aus.

Donnerstag, 30. April 2026

Ausflug in die Außenpolitik

„Wir stehen für politische Zuverlässigkeit, Verlässlichkeit, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betonte Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter in ihrem Grußwort an die zahlreichen Gäste des Frühlingsempfangs, zu dem die  Mülheimer CDU in die Stadthalle eingeladen hatte. „Wir nehmen unsere politische Verantwortung als Volkspartei auch auf der kommunalen Ebene wahr, indem wir politische Befindlichkeiten zurückstellen und als Parteien der demokratischen Mitte zusammenarbeiten“, ergänzte die Vorsitzende der Ratsfraktion, Christina Küsters mit Blick auf den Kooperationsvertrag, den CDU und SPD für ihre Kooperation im Rat der Stadt ausgehandelt haben.

Inhaltlich lud die Mülheimer CDU ihre Gäste zum Ausflug in die Außenpolitik ein. „Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen wir aktuell konfrontiert werden, dürfen wir unser gemeinsames Ziel nicht aus den Augen verlieren, unsere Gesellschaft durch unsere Arbeit besser zu machen“, schlug der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Röttgen, als Gastredner  den Bogen von der hauptamtlichen Bundespolitik zur ehrenamtlichen Kommunalpolitik. Mit seiner Fraktionskollegin Astrid Timmermann-Fechter war sich Röttgen einig, „dass Veranstaltungen, wie der Frühlingsempfang der CDU, eine wichtige Basis des gesellschaftlichen Dialogs schaffen, der am Anfang aller demokratischen Politik steht“. In seinem außenpolitischen Referat machte Röttgen deutlich, dass eine Volkspartei, wie die Union in der Verantwortung stehe, lokal, regional, national und global Menschen zusammenzubringen und mitzunehmen. Röttgen sieht Deutschland innerhalb der Europäischen Union „in einer Führungsverantwortung, nachdem die im Kalten Krieg gewachsene Interessengemeinschaft zwischen den USA und der EU von der Trump-Administration einseitig aufgekündigt worden“ sei.

Der CDU-Außenpolitiker ließ keinen Zweifel daran, „dass die 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nur gemeinsam weltpolitisch handlungsfähig sind“. Mit Blick auf die Unterstützung der Ukraine gegen den russischen Angriffskrieg betonte er: „Die Ukraine verfügt heute über die größte und kampffähigste Armee in Europa. Sie verteidigt auch unsere Sicherheit. Und indem wir sie dabei unterstützen, sorgen wir zusammen mit unseren Partnern dafür, dass das Konzept Krieg in Europa scheitert." Für diese Aussage erhielt Röttgen den spontanen Applaus seines Publikums in der Stadthalle.

Leder, made in Mülheim

  Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu...