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Samstag, 1. August 2020

Schutzengel der Zivilisation

In diesen Tagen, in denen das Corona-Virus unsere Welt aus den Angeln hebt, hat man manchmal das Gefühl, sein blaues Wunder zu erleben. Da sieht, hört und liest man von Menschen, die mit medizinischem Hilfsmaterial zu Wucherpreisen einen Riesenreibach machen. Da erlebt man Zeitgenossen, die offensichtlich ein Eichhörnchen in der Verwandtschaft haben müssen. Denn sie kaufen ohne Rücksicht auf ihre Nachbarn den halben Supermarkt leer, um Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs zuhause zu horten. Und da gibt es auch unverschämt geschäftstüchtige Vermieter, die ihre Mieter in diesen Zeiten von corona-bedingtem Lagerkoller und wirtschaftlicher Existenzangst mit Modernisierungsankündigungen und Mieterhöhungen drangsalieren. Da könnte man schon an der Spezies Mensch verzweifeln, wenn man nicht auch von jenen Mitmenschen lesen, hören und sehen würde, die gerade jetzt ihrem Namen alle Ehre machen, indem sie für alte Nachbarn einkaufen, einsame Mitmenschen anrufen oder Lebensmittel und Hygieneartikel für Bedürftige und Obdachlose spenden. Sie machen uns Mut. Denn sie zeigen, dass sich die menschlichen Tugenden und Laster auch in der Krise nicht immer, aber doch öfter, als man manchmal denkt, die Waage halten. Diese Schutzengel der Zivilisation lassen uns aufatmen und erkennen, dass es auch in diesen von Corona und Angst befallenen Tagen nicht nur blaue Wunder und viele Gründe gibt, schwarz zu sehen.


Dieser Text erschien in der NRZ vom 31. März 2020

Sonntag, 23. Juni 2019

Mal ganz privat

„Was machen Sie?“ Diese Frage gehört zu den klassischen Gesprächseröffnungen, wenn man sich kennen lernen will.

Nun könnte man es sich mit der Antwort auf diese Frage leicht machen und das naheliegendste sagen, nämlich das, was man eben so macht. „Ich lebe. Ich sitze hier mit Ihnen am Tisch und trinke eine Tasse Kaffee. Ich wohne in Mülheim.“ Doch damit wollen sich die meisten Zeitgenossen nicht zufrieden geben. Sie wollen wissen, was man beruflich macht. Wer auf diese Frage antwortet: „Ich bin arbeitslos!“ oder: „Ich bin Rentner!“ oder: „Ich bin Hausfrau und Mutter!“ wird von seinem Gesprächspartner ein: „Ach so. Sie machen also im Moment nichts!“, garniert mit einem mitleidigen Lächeln zu hören und zu sehen bekommen.

Wer hierzulande etwas gelten will, der kann nicht machen, was er will. Er muss was aus sich machen, koste es was es wolle. Rentner, Arbeitslose oder Hausfrauen und Mütter können noch so viel machen und rund um die Uhr an sich und für andere arbeiten. Das macht in den Augen ihrer Mitmenschen gar nichts. Wer etwas hermachen will, der muss schon was auf seiner Visitenkarte stehen haben, zum Beispiel: Rechtsanwalt, Diplom-Ingenieur, Arzt, Manager oder zur Not auch Unternehmens- oder Steuerberater. So eine elegante Berufsbezeichnung beflügelt die Phantasie des Gegenübers auf den ersten Blick und steigert das eigene Prestige.

Ob man mit dem, was man beruflich macht, erfolgreich oder erfolglos ist, also ob wirklich Gold ist, was da glänzt, spielt zumindest auf den ersten Blick keine Rolle. Die protestantische Arbeitsethik, die unseren Wert mit dem Sozialprestige unseres Berufes und unserer vermeintlichen Arbeitsleistung bemisst, hat sich tief in unseren Seelen verankert, auch wenn wir vielleicht katholisch oder Gott weiß was sind.

Deshalb beeindruckte mich jetzt ein Gesprächspartner, der mir seine Visitenkarte mit der Berufsbezeichnung Privatier überreichte. Privatier. Das hört sich doch viel mondäner an als Rentner. Was mir aber an dem Begriff besonders gut gefällt, ist die selbstbestimmte Definition der Persönlichkeit, die dahinter steht und die ihrem Gegenüber klar macht. Ich brauche keine Berufsbezeichnung, um meine Biografie und mein Selbstbewusstsein zu rechtfertigen und zur Schau zu tragen. Ich bin mir als Mensch selbst genug wert. Ich brauche kein Image, weil ich bin, was ich bin. Und was ich tue oder lasse, ist meine Privatsache, solange ich damit nicht meinem Nächsten schade. Vielleicht sollten wir ja alle Privatiers sein, wenn nicht auf der Visitenkarte, dann zumindest im Geiste und im richtigen Leben.

Dieser Text erschien am 22. Juni 2019 in der Neuen Ruhrzeitung 


Mittwoch, 12. August 2015

So gesehen: Von wegen, leben, wie ein Hund

Tierliebe ist ja was schönes. Schon Friedrich der Große meinte: „Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Hunde.“ Tatsächlich scheint die Beziehungskiste zwischen Zwei- und Vierbeinern oft eine ganz besonders innige zu sein.

Auch an Tagen mit einer Affenhitze, kann man bei einem Stadtbummel immer wieder sehen, mit welcher Affenliebe Menschen zum Beispiel an ihrem Hund hängen. Schnell bilden sich auf der Straße Menschentrauben, die mit ihren Pfiffis und Bellos eine spontane Diskussion über den Auslauf, die Fellpflege oder auch die Verpflegung ihrer Lieblinge beginnen.

Auch ein spontanes: „Ist der aber süß“, bekommt so mancher Vierbeiner zu hören, einfach nur deshalb, weil er ist, wie er ist und an der langen Leine durch die Stadt hoppelt.

Oder ein Frauchen schenkt ihrem tierischen Liebling die erste Scheibe Wurst, die sie gerade in der Metzgerei bekommen hat, weil er sie so freundlich anguckt, Männchen macht und mit dem Schwanz wedelt. Hier verabreicht eine Verkäuferin einem kleinen Hund, der vor ihrem Geschäft wartet, eine spontane Streicheleinheit, „weil du ja so knuffig bist“ oder eine Kollegin bringt dem hechelnden Hasso eine Wasserschale raus, „weil der liebe Schatz bei solcher Hitze ja nicht verdursten darf.“ Von wegen: „Leben wie ein Hund!“ Bei solch ausgeprägter Tierliebe kann man als Zweibeiner auch schon mal ins Grübeln und Schwitzen kommen, wenn man an seine Artgenossen denkt, die sich über so viel menschliche Zuwendung freuen würden, aber vergeblich darauf warten. Manchmal ist das Leben wirklich tierisch ungerecht, um nicht zu sagen: hundsgemein.

Dieser Text erschien am 6. August 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 18. Mai 2014

So gesehen: Ein reifes Herz schlägt in der Jugend

Wenn man 70 Jahre alt wird, wie das beim Pfarrer von St. Barbara, Manfred von Schwartzenberg, am 20. Mai 2014 der Fall ist, wird man sich nur schwer noch zur reiferen Jugend zählen können. Dennoch sagt der ehemalige Jugendseelsorger auch heute noch: "Mein Herz schlägt für die Jugend." Und weil der ehemalige Stadechant nicht nur ein Mann des Wortes, sondern auch der Tat ist, wünscht er sich zu seinem runden Geburtstag keine persönlichen Geschenke, sondern Spenden für die Jugendstiftung des Bistums Essen. Denn der Gottesmann aus Dümpten, weiß, dass nicht nur die katholische Kirche auf Dauer verdammt alt aussehen wird, wenn sie für die Jugend nicht nur einen Segen, sondern auch einen Geldsegen bereit hält.

Dieser Text erschien am 17. Mai 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...