Posts mit dem Label Verwaltung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Verwaltung werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 5. April 2014

Wettlauf mit den Cyber-Gangstern: Die Datensicherheit ist in der Stadtverwaltung zu einem Dauerthema geworden


Der Computerfachmann Tobias Morsches hat die Computernetze von 15 Kommunen in NRW untersucht und dabei zum Teil erschreckend niedrige Sicherheitsschwellen aufgedeckt (die NRZ berichtete). 80 Prozent seiner fingierten Attacken waren erfolgreich. Über öffentlich zugängliche Netzwerkdosen oder unter dem Vorwand der IT-Wartung konnte er sich Zugang zu Computernetzwerken und sogar Administrationsrechte verschaffen. Und zuletzt machte der Hacker-Angriff auf einen Verwaltungsrechner in Oberhausen Schlagzeilen. Doch wie sicher ist eigentlich das Computernetzwerk der Stadt Mülheim, das täglich zum Teil sensible Bürgerdaten bearbeitet und speichert. Im Gespräch mit der Leiterin des zuständigen Amtes für Zentrale Dienste, Claudia Nowak, dem Teamleiter für System und Netzwerkadministration, Dirk Scheer und dem Internetteamleiter Niels Gründel suchte ich für die NRZ nach Antworten.

Frage: Wie ist das Computernetzwerk der Stadt aufgebaut?
Antwort: Das Rechenzentrum der Stadtverwaltung besteht aus einem 90 Quadratmeter großen Raum, in dem rund 30 Serverschränke stehen. Den Kern bilden 60 physikalische (Hardware) und 120 virtuelle (Software) Serversysteme, die einen Arbeitsspeicher von rund 30.000 Gigabyte haben, der zurzeit nur zu 50 Prozent ausgenutzt ist. Insgesamt 2300 Verwaltungsrechner sind mit dem Rechenzentrum verbunden.

Frage: Wer hat Zugang zum Rechenzentrum?
Antwort: Nur der Teamleiter für System- und Netzwerkadministration und seine 15 Mitarbeiter. Er selbst oder einer seiner Kollegen ist auch dann dabei, wenn externe Mitarbeiter von Fachfirmen das Rechenzentrum betreten, mit denen die Stadt Pflege- und Wartungsverträge abgeschlossen hat.

Frage: Wie sind die Netzwerkdosen im Rathaus abgesichert?
Antwort: Die öffentlich zugänglichen Netzwerkdosen im Ratssaal, im Medienhaus oder im U-25-Haus sind nicht mit dem internen Computernetzwerk der Stadtverwaltung verbunden. Im Medien- und im U-25-Haus handelt es sich um unabhängige externe Netzwerke. Auch die Stadtverordneten haben mit ihren I-Pads nur Zugriff auf das Internet, aber nicht auf das Intranet der Verwaltung. Aufgeschaltet, dass heißt per Kabel mit dem städtischen Computernetzwerk verbunden, sind nur die Netzwerkdosen in den Büros der Verwaltungsmitarbeiter. Netzwerkdosen in nicht regelmäßig genutzten Besprechungsräumen sind grundsätzlich abgeschaltet, also nicht mit dem Computernetzwerk der Verwaltung verbunden. Sie können nur auf Anfrage und bei Bedarf vom Amt für zentrale Dienste aufgeschaltet und mit dem Netzwerk verkabelt werden.

Frage: Wie werden sensible Bürgerdaten vor dem Zugriff unbefugter Dritter geschützt?
Antwort: Alle Mitarbeiter müssen vor ihrem Eintritt in die Verwaltung eine Datenschutzerklärung unterschreiben, die sie dazu verpflichtet, dienstliche Daten nicht an unbefugte Dritte weiterzugeben. Außerdem sind alle Verwaltungsrechner grundsätzlich so eingerichtet, dass man keine internen Daten einfach auf einen USB-Stick oder eine CD-Rom herunterladen kann. Alle Verwaltungsrechner werden zudem mir sich regelmäßig ändernden Passwörtern vor dem Zugriff Unbefugter geschützt. Außerdem müssen Verwaltungsmitarbeiter ihren Computer mit einer bestimmten Tastenkombination sperren, sobald sie ihren Arbeitsplatz verlassen. Grundsätzlich gilt bei sensiblen Daten, wie etwa rund um Sozialleistungen oder Bauanträge: Nicht alle Mitarbeiter haben Zugriff auf alle Daten, sondern der Zugang wird über eine Codierung immer nur einem überschaubaren Kreis von mit der Sache befassten Mitarbeitern zugänglich gemacht.

Frage: Wurde das Computernetzwerk der Stadt schon angegriffen?
Antwort: Allein im Februar registrierte die Stadt 700 Angriffe auf ihr Computernetzwerk. 85 Prozent der 3,7 Millionen E-Mails, die die Verwaltung erreichten, wurden als nicht eindeutig identifizierbar zurückgewiesen. 50 Prozent der in einem zweiten Schritt klassifizierten 550.000 E-Mails wurden dann noch einmal als Spam-Mails aussortiert. Die größte Gefahr geht zurzeit vom Aufruf virenverseuchter Internetseiten aus. Dies wurde allein in den letzten 30 Tagen 10.000 mal registriert und abgeblockt..

Frage: Wie werden Cyber-Attacken abgewehrt?

Antwort: Die Stadt setzt regelmäßig aktualisierte Abwehrsysteme ein, wie ein Angriffserkennungssystem, Firewalls, Virenscanner, Mail-Gateways und PC-Schnittstellenkontrollprogramme. Diese Abwehr,- Sperr- und Filtersysteme bestehen nicht nur aus einer Software, sondern aus einer Kombination von Soft- und Hardware. „Unser Abwehrsystem erkennt Angreifer aufgrund bestimmter Auffälligkeiten, wie eine Frau, die mit ihrem roten Hut in einer großen Menschenmenge auffällt“, erklärt Niels Gründel.

Dieser Text erschien am 21. März 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung 

Mittwoch, 2. April 2014

Die neue Terminvergabepraxis im Bürgeramt kommt nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Mitarbeitern gut an

Das ist wirklich viel besser als früher. Wenn man früher Pech hatte, konnte man auch schon mal stundenlang warten“, erzählt Beate Völker. Doch an diesem Dienstagnachmittag ist die 48-Jährige, die sich im Bürgeramt an der Löhstraße einen neuen Personalausweis besorgt, in fünf Minuten durch. „Auch die Mitarbeiter sind viel lockerer“, findet Völker und strahlt.

Auch der 40-jährige Berufskraftfahrer Florian Eitel, der sich um 16 Uhr im Bürgeramt einen neuen Führerschein abholt, in dem jetzt auch eine gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung verzeichnet ist, erinnert sich an Wartezeiten von zweieinhalb bis drei Stunden. „Doch jetzt war es wirklich wunderbar und die Frau vom Amt war sehr qualifiziert“, macht Eitel den Unterschied zwischen der tristen Vergangenheit und der bürgerfreundlichen Gegenwart deutlich.

Die Vergangenheit. Das war die Zeit vor dem 10. März, als das Bürgeramt am Montag,- Dienstag- und Donnerstagnachmittag das Prinzip der Terminvereinbarung eingeführt hat. Seit diesem Tag kann man sich telefonisch oder online auf der städtischen Internetseite beim Bürgeramt einen individuellen Termin buchen und bekommt eine entsprechende Terminnummer und eine Auskunft über die mitzubringenden Unterlagen zugewiesen. Denn ohne vollständige Unterlagen kein Termin. Die Terminnummer wird kurz vor dem Termin auf Monitoren im Wartebereich des Bürgeramtes angezeigt. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, zu dem der Bürger dran ist, mit seinem Personalausweis oder Reisepass, mit seinem Führerschein, mit seiner Ummeldung oder seiner Fahrzeugzulassung blinkt neben der Terminnummer, der Name der zuständigen Sachbearbeiterin und die Nummer ihres Arbeitsplatzes auf.

„Es ist ruhiger geworden und die Leute sind entspannter als früher, weil ihre Wartezeiten absehbar sind und ihre Anliegen direkt bearbeitet werden können“, bestätigt Mitarbeiterin Manuela Huppenkothen. Tatsächlich fällt das Fehlen von Warteschlangen auf. Auch im Warteraum sitzen nur wenige Bürger und beobachten den dortigen Monitor. Doch in der Regel sitzen sie dort nur kurz, ehe ihre Terminnummer aufgerufen wird. Für manche geht es sogar so schnell, dass sie den Aufruf ihrer Terminnummer verpassen und von ihrer zuständigen Sachbearbeiterin im Warteraum abgeholt werden müssen.

Das Bürgerecho auf den neuen Bürgerservice scheint einhellig positiv. „Das ist wirklich super. Ich kenne das schon aus Berlin und brauche jetzt endlich auch keine langen Parkzeiten zu bezahlen“, freut sich Helga Ackermann. „In zehn Minuten war ich durch. Das war wirklich überfällig“, findet Frank Hotzel. „Mit meinem Ausweis hat es reibungslos geklappt. Schneller geht es nicht. Die Änderung hat sich bewährt. Das ist ein guter Weg“, meint Thomas Jansen. „Das war nett und schnell. In fünf Minuten hatte ich meinen neuen Personalausweis beantragt“, berichtet Sajae Jaber. „Das gefällt mir sehr gut. Ich hatte um 15.35 Uhr meinen Termin und war um 15.35 Uhr dran. Das war nicht wie beim Arzt, wo man trotz Termin oft lange warten muss“, lobt Alina Julius. Auch die Terminvereinbarung via Internet oder Telefon wurde von den befragten Bürgern als problemlos beschrieben.

Allerdings geben der Leiter des Bürgeramtes, Reinhard Kleibrink und sein für Meldewesen, KFZ-Zulassungen, Ausweise, Reisepässe und Führerscheinangelegenheiten zuständiger Abteilungsleiter Uwe Schrader zu, dass sie es am Montag, Dienstag und Donnerstagnachmittag immer wieder auch mit enttäuschten und wütenden Bürgern zu tun haben, die die neue Terminvereinbarungspraxis noch nicht verinnerlicht haben und nicht wissen, dass es im Bürgeramt jetzt nur noch vormittags offene Sprechzeiten ohne Termin gibt.

Nach bisher 525 Nachmittagsterminen im Bürgeramt ist Amtsleiter Kleibrink positiv überrascht, „dass alle Kunden sehr termintreu gewesen sind und nur ein Bürger seinen vereinbarten Termin nicht einhalten konnte, ihn aber telefonisch absagte, weil er im Stau steckte“.

Der zuständige Abteilungsleiter Schrader schätzt, dass zwei Drittel der Bürgertermine online vereinbart werden. Ob die neue Terminvergabepraxis zur Dauereinrichtung wird oder zu Lasten der offenen Sprechzeiten, die weiter vormittags ohne Termine, aber dafür mit Wartezeit angeboten werden, ausgebaut wird, will man im Bürgeramt nach einer Testphase von eineinhalb bis zwei Jahren entscheiden.

Die Nagelprobe sieht man dort in den Hauptreisezeiten auf sich zukommen, wenn die Verlängerung oder Neuausstellung von Personalausweisen und Reisepässen regelmäßig zu einem Massenansturm führt.

Weitere Informationen zur neuen Termivergabepraaxis im Bürgeramt bietet die städtische Internetseite www.muelheim-ruhr.de

Dieser Text erschien am 27. März 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

Leder, made in Mülheim

  Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu...