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Freitag, 27. Juli 2018

Arbeit statt Arbeitslosengeld: Seit 50 Jahren sorgen die BBWE und ihre Vorgänger dafür, dass Arbeitslose eine zweite Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen

800 Mülheimer bekommen bei der BBWE generationsübergreifend eine zweite Chance. Es sind Menschen, die einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen. Viele sind schon lange arbeitslos und müssen fachlich und mental erst wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden.

„Das gelingt uns in 80 bis 90 Prozent aller Fälle, auch wenn am Ende der von uns betreuten Qualifizierung nicht immer eine Arbeitsplatz, sondern vielleicht auch eine weitere schulische Qualifikation steht. Aber immerhin in 30 Prozent aller Fälle können wir Menschen unmittelbar in eine unbefristete Arbeitsstelle vermitteln“, erklärt der Geschäftsführer  der BBWE, Halil Gülkan.
Sein Stellvertreter, Stefan Trost, räumt  ein, dass eine Erfolgsquote von 80 bis 90 Prozent eine Abbrecherquote von 10 bis 20 Prozent bedeutet. „Im Hintergrund steht dabei oft eine gesundheitliche Problematik“, weiß Trost zu berichten.

Gülkan und Trost weisen darauf hin, dass die Arbeit der 1986 gegründeten Berufsbildungswerkstatt, die 2009 als gemeinnützige Gesellschaft für Beratung, Begleitung und Weiterbildung neu gegründet wurde, in den vergangenen Jahren differenzierter und komplexer geworden ist.

Längst geht es bei der BBWE, die mit ihren 80 Mitarbeitern durchschnittlich jährlich 4,5 Millionen Euro umsetzt, nicht mehr nur um handwerklich e Fähigkeiten.

Auch die Vorbereitung auf einen Schulabschluss, Nachhilfe für den Berufsschulunterricht, Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge und Zuwanderer, Bewerbungstraining, Umschulungen, außerbetriebliche Berufsausbildungen, Berufsvorbereitungskurse und eine umfassende soziale und berufsorientierte Begleitung vom Familien in schwierigen Lebenslagen gehören zum Programm der BBWE.

Das Geld für die berufspraktische und soziale Qualifizierungsarbeit, die Handwerksmeister, Lehrer, Sozialpädagogen und Psychologen an den  BBWE-Standorten Bülowstraße, Löhstraße und Saalestraße leisten, kommt aus den Töpfen der kommunalen Sozialagentur, der Bundesagentur für Arbeit, des Europäischen Sozialfonds (ESF) und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf).

„Mit Blick in die Zukunft müssen wir uns vor allem darüber Gedanken machen, wie sich die Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt auswirkt und was das für die Arbeit der BBWE bedeutet“, betont Dieter Schweers. Der ehemalige Jugendamtsleiter steht dem alleinigen BBWE-Gesellschafter, dem 18 Mitglieder zählenden und gemeinnützigen Verein Mülheimer Bildungswerk vor. „Vor 50 Jahren wurden wir von 13 Mitgliedern aus Rat und Verwaltung als Kaufmännisches Bildungswerk gegründet, das die Kurse der aufgelösten Handelsschule Schwenzer übernahm“, beschreibt Schweers den bereits vollzogenen Wandel des Trägervereins, der über die Geschäftsführung und die inhaltliche und strategische Ausrichtung der BBWE wacht.

Waren die BBWE  und ihr Vorläufer anfangs allein auf weiter Flur, so gibt es heute mit ZAQ, Kurbel, VHS, Diakonie und privaten Bildungsträgern Mitbewerber, mit denen die BBWE in einigen Fällen auch kooperiert.

„Wir wünschen uns eine bessere finanzielle Ausstattung, die sich für unsere öffentlichen Geldgeber durch langfristig eingesparte Sozialausgaben rechnen würde, um die Betreuung der Teilnehmer durch mehr hauptamtlihe Mitarbeiter optimieren und noch besser auf ihre individuellen Bedürfnisse ausrichten zu können“, sagt Dieter Schweers, der seit der letzten Mitgliederversammlung des Mülheimer Bildungswerkes mit Dieter Spliethoff und Jan Vogelsang zwei Stellvertreter aus der SPD-Ratsfraktion hat. 

Ausgesprochen dankbar sind Gesellschafter und Geschäftsfüher für die punktuellen Finanzspritzen, die sie zum Beispiel von der Sparkassenstiftung, von der Leonhard-Stinnes-Stiftung und von der Spardabank bekommen. 

Wer sich über die aktuellen Qualifikationsangebote der BBWE informieren möchte, wird unter: www.bbwe.de und unter 0208 30 15 93 211 fündig.

Dieser Text erschien am 26. Juli 2018 in NRZ/WAZ

Mittwoch, 25. Juli 2018

Durchstarten in den Beruf: Arbeitsagentur, Rotarier und Kirchen bringen Jugendliche auf Ausbildungskurs

Auch wenn das Ausbildungsjahr am 1. August startet, suchen derzeit noch 500 Schulabgänger einen Ausbildungsplatz. Gleichzeitig suchen mehr als 400 Betriebe immer noch Bewerber für ihre freien Lehrstellen. Darauf hat der Chef der Agentur für Arbeit, Jürgen Koch, jetzt am Rande eines Ausbildungscamps hingewiesen, an dem 16 ausbildungsplatzsuchende Jugendliche seit der vergangenen Woche teilnehmen.

Von Arbeitgebern, so Koch, höre er immer wieder die Klage über unzureichend motivierte Bewerber. Mit Sorge sieht der Agenturchef die Stagnation der Ausbildungsplätze in Mülheim und Oberhausen. „Im vergangenen Jahr haben wir 240 von vorher 1100 Ausbildungsplätzen verloren, während die Zahl der Lehrstellen in diesem Jahr wieder um 120 angestiegen ist“, schildert Koch das Auf und Ab des Ausbildungsmarktes.

Ausdrücklich dankte Koch der katholischen und der evangelischen Stadtkirche, die in einer ökumenischen Kraftanstrengung zusammen mit dem Rotary Club Mülheim das Trainingscamp im katholischen Stadthaus an der Althofstraße finanziert haben.

Warum? „Ich kenne eigentlich nur Jugendliche, die etwas lernen und ausgebildet werden wollen. Und ich sehe als Christ das Recht auf Arbeit als ein Grundrecht“, erklärt der katholische Pfarrer und Stadtdechant Michael Janßen. Seine evangelische Amtsschwester Dagmar Tietsch-Lipski aus der Lukas-Kirchengemeinde weist darauf hin, „dass Jugendliche die Chance einer Berufsausbildung brauchen, um als Mensch an dieser Herausforderung zu wachsen und zu reifen.“ Für den in der Lehrstellenwerbung altbewährten emeritierten Weihbischof Franz Grave kommt es darauf an, „bei der Bereitstellung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen nicht nachzulassen, weil mit ihnen das Fundament im Lebenshaus der Jugendlichen gelegt wird.“ Und Michael Otto betont als Präsident des schon länger in der Bildungsförderung engagierten Rotaryclubs Mülheim, „dass unsere Gesellschaft nur dann eine gute Zukunft hat, wenn es uns gelingt, jungen Menschen einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz zu geben, mit dem sie nicht nur Geld verdienen, sondern auch glücklich zu werden.“

Nach dem Trainingscamp und vor dem Beginn ihrer Praktikumswoche in Betrieben der Region machen Cliff Andreas Beckmann und Leilan Aslan einen durchaus glücklichen Eindruck. Ausgesprochen selbstsicher und selbstbewusst berichten sie von ihren Erfahrungen beim Bewerbungstraining mit einer Theaterpädagogin und einem Selbstbehauptungscoach. Sie stellten mit ihnen die Feinheiten eines Bewerbungsgespräches und eines Arbeitsessens in Rollenspielen nach. 

„Uns hat die Woche wirklich viel gebracht“, sind sich Leilan und Cliff Andreas einig. Beide haben nach ihrer Einschätzung vor allem davon profitiert, dass sie sehr praxisnah ihr persönliches Kommunikationsverhalten, aber auch ihre persönlichen Stärken und Schwächen reflektieren mussten. „So etwas haben wir in der Schule nicht erlebt. Das hat uns wirklich weitergebracht“, sagen die beiden Jugendlichen, ehe sie zum Abschluss ihrer ersten Woche im Ausbildungscamp zum Flugsimulatortraining mit einem Piloten verabschieden. Auch bei diesem Training soll es für sie darum gehen, richtungsweisende Entscheidungen zu treffen, die sie voranbringen. „Alle Jugendlichen sind in der ersten Woche bereits persönlich gereift und gewachsen und damit gut auf ihre nun folgenden Betriebspraktika vorbereitet, glaubt Berufsberater Alexander Tietze von der Agentur für Arbeit. Und sein Chef Jürgen Koch geht davon aus, dass die Zahl der Ausbildungsplatzsuchenden nach dem Ende des Ausbildungscamps sinken wird.

Dieser Text erschien am 25. Juli 2018 in NRZ/WAZ

Sonntag, 18. Dezember 2016

Herr Fleischmann mag es vegetarisch: Der Bio-Caterer aus Broich ist von seinem gesunden Ernährungsangebot überzeugt, aber ewig lockt die Currywurst die eher fleischeslustigen Kunden

Bio-Caterer Andreas Fleischmann bei der Arbeit
Früher arbeitete Andreas Fleischmann  als Wirtschaftsinformatiker in der Aldi-Hauptverwaltung an der Mintarder Straße 40. Heute steht er dort dienstags, zwischen 10 Uhr und 13.30 Uhr mit seinem Imbiss-Wagen und bietet seinen ehemaligen Kollegen einen mobilen Mittagstisch an.

Wer Lust auf Pommes, Currywurst und Pizza hat, wird bei Andreas Fleischmann nicht glücklich. Wer es etwas gesünder und natürlicher mag, kommt bei dem 33-Jährigen Bio-Caterer voll auf seine Kosten.

Auf seiner Speisekarte, die er mit grüner, roter und weißer Kreide auf eine Tafel geschrieben hat, stehen Gerichte, wie zum Beispiel sämige Smoothies aus Mango, Apfel, Banane, Zitronen, Spinat, Datteln und Ingwer, eine Linsensprossen-Bolognese oder ein Thai-Curry-Eintopf , Kartoffeln und Kichererbsen, Chilli con carne mit Rindfleisch aus ökologischer und tiergerechter Rinderzucht, jeweils mit  Basmatireis. Oder auch ein gemischter Salat mit Blattsalat, Hirsesalat, Paprika, Olivenöl und Kräutern.

Früher beschäftigte sich der Mittdreißiger aus Broich vor allem mit Zahlenkolonnen in seinem Computer. Doch 2011 kam die Wende, als auch manches andere in seinem Leben im Umbruch war. Er beschäftigte sich mit gesunder Ernährung und mit der Frage, „ob ich mein ganzes Leben hinter dem Schreibtisch meines Büros verbringen will oder etwas Sinnvolleres mit meinen Händen tue, das Menschen  gut tut“. Es fing mit einer Internetrecherche an. Andreas Fleischmann wollte wissen, wie man selbst Soja-Milch herstellen kann. Dabei stieß er unter anderem auf Hochleistungsmixer, mit denen er heute seine Smoothies herstellt. Auf den Laien wirken sie wie ein bevorzugt grüner Gemüsesaft. „Doch er ist mehr als das, weil alle Bestandteile der Lebensmittel verarbeitet werden und so nicht nur die Vitamine und Spurenelemente, sondern auch die für den Körper notwendigen und besonders nährwertigen Ballast- und Faserstoffe erhalten bleiben. Sie können so unter anderem die Verdauung fördern,“ erklärt Fleischmann den Mehrwert der Smoothies.

Was ihm selbst gut tut und dazu führt, „dass ich seltener krank und insgesamt  vitaler bin“, bietet er seit 2014 seinen Kunden an. Die trifft er nicht nur dienstags auf dem Aldi-Park-Platz an der Mintarder Straße, mittwochs zur gleichen Zeit auf dem Aldi-Park-Platz an der Oberen Saarlandstraße 2 und samstags von 9 bis 15 Uhr auf dem Saarner Pastor-Luhr-Platz, sondern auch bei Musikfestivals, Festen oder zuletzt bei der Eröffnung der neuen Geschäftsstelle der Mülheimer Klimaschutzinitiative und des Agendabüros am Löhberg.

„Es ist schwer gegen die Pommes-und-Currywurst-Mentalität anzukämpfen, aber ich gebe mir Zeit und probiere immer wieder verschiedene Sachen aus, um herauszufinden, was bei den Kunden besonders gut ankommt“, sagt Fleischmann.
2014 wagte der alleinerziehende Vater eines siebenjährigen Sohnes den Sprung ins kalte Wasser. Er investierte 5000 Euro in die Anschaffung seines Imbisswagens und der dazugehörigen  gastronomischen Grundausstattung.

Schnell hat der ehemalige Büromensch mit geregeltem Einkommen und geregelten Achtstundentagen gemerkt, dass er als Kleinunternehmer in Sachen gesundes Essen (neudeutsch: Vital Food) zwar sein eigener Chef ist und selbst über seine Zeit bestimmen kann, aber „selbst und ständig aktiv sein muss“, ohne am Tagesbeginn zu wissen, ob am Tagesende die Kasse stimmt. 
Mit diesem wettertechnisch suboptimalen Dienstag auf dem Saarner Aldi-Parkplatz ist Fleischmann jedenfalls auch umsatztechnisch nicht zufrieden. Zwölf Aldi-Mitarbeiterinnen und drei -Mitarbeiter sowie eine Stammkundin aus einer nahegelegenen Steuer-Kanzlei haben sich von Fleischmann gesund und lecker ernähren lassen, „weil das eine gesunde Abwechslung auf dem Speiseplan ist“, „weil es einfach schmeckt und gut tut“ und: „weil Herr Fleischmann immer so freundlich ist“.

Aber als er nach drei Stunden auf dem Parkplatz seinen Imbisswagen abtakelt und seine am Morgen liebevoll geschnibbelten und in einer Gewerbeküche vorgekochten Köstlichkeiten wieder einpackt, sind seine Warmhaltetöpfe noch lange nicht leer.

„Was übrig bleibt, esse ich selbst oder gebe es an Freunde ab“, erzählt Fleischmann. Doch ein wirklich guter Tag ist für den selbstständigen Bio-Caterer nur ein Tag, an dem er seinem siebenjährigen Sohn Jurj, den er nachmittags aus der Offenen Ganztagsgrundschule abholt, erzählen kann: „Heute hat der Laden wieder gebrummt.“ Heute war kein solcher Tag. Höchste Zeit, um nach der Buchhaltungsarbeit am heimischen Schreibtisch beim Krafttraining oder beim Fußballspiel in einer Hobbymannschaft wieder aufzutanken. Aber morgen ist ja ein neuer Tag. Auch diesen Tag wird der ernährungsbewusste Andreas Fleischmann wieder mit einem gesunden Müsli-Frühstück und frischem Obst beginnen.

Dieser Text erschien am 17, Dezember 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung  

Montag, 12. September 2016

Ein sinnlicher und kreativer Beruf: Enzo und Sema Tunc wollen im Eiscafé Plati eine Fachkraft für Speiseeisherstellung ausbilden

Enzo Tunc in seiner Eisküche
Das Ausbildungsjahr ist angelaufen. Dennoch gibt es immer noch Betriebe, die mit Unterstützung des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit eine Lehrstelle zu vergeben haben.

So möchte Enzo Tunc, der zusammen mit seiner Frau Sema seit 2009 das Eiscafé Plati am Leinpfad betreibt, in diesem Jahr erstmals eine Fachkraft für die Herstellung von Speiseeis ausbilden. Er selbst hat es bei seinem Vorgänger Salvatore Plati gelernt, der den Mülheimern mit seiner Familie seit 1972 das Leben versüßt hat. Der heute 40-jährige Enzo Tunc kam als Politikstudent eher zufällig zum Eismachen. „Ich habe hier in den Semesterferien gearbeitet“, erinnert sich Tunc, der nach seiner Masterarbeit in Internationaler Wirtschaftspolitik lieber in die lokale Eiswirtschaft einstieg, „weil ich während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum merkte, dass ich kein Büro-Mensch bin, sondern lieber mit und für die Menschen arbeite.“

Anders, als sie selbst, soll der junge Mann oder die junge Frau, die sie als Eis-Azubi einstellen wollen, die Eis-Produktion von der Pike auf und mit allen Finessen lernen. Die dreijährige Ausbildung, die nicht nur im Eiscafé Plati, sondern auch im Berufskolleg Duisburg und während des dritten Lehrjahres wochenweise in der Eisfachschule Mannheim stattfinden wird, vermittelt nicht nur die Kunst der Eisherstellung, sondern auch gastronomische und kaufmännische Grundkenntnisse sowie das große Einmaleins der Warenkunde, der Lagerhaltung und der Hygiene.

„Zeugnisse und Schulabschlüsse sind uns nicht so wichtig, wie die persönliche Motivation des Bewerbers oder der Bewerberin“, unterstreicht Enzo Tunc. Ein Gesundheitszeugnis ist aber unbedingt erforderlich. Man hat es schließlich mit Lebensmitteln zu tun. Er wünscht sich eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter, „der oder die mit Kreativität und Liebe ans Werk geht.“ Der tägliche Einkauf und die Verarbeitung frischer Eiszutaten stehen im Mittelpunkt des Arbeitstages. Farbstoffe und Geschmacksverstärker kommen bei den Tuncs weder in den Eismixer noch in die Eismaschine. Neben der Arbeit in der Eisküche sollen der Lehrling oder die Auszubildende auch im Kundenservice eingesetzt werden, um am Ende der Ausbildung als Allround-Fachkraft im Eiscafé an der Ruhr eingesetzt zu werden.

„Wir brauchen Verstärkung und wollen deshalb unseren eigenen Nachwuchs ausbilden“, sagen die Tuncs. Eine Übernahme nach der Ausbildung ist also fest eingeplant, wenn sich ihr neuer Mitarbeiter oder ihre Mitarbeiterin während der Ausbildung bewährt. „Wenn Motivation und Einsatz stimmen, sind wir auch bereit auf individuelle Bedürfnisse der oder des Auszubildenden einzugehen“, betonen Enzo und Sema Tunc. Flexibilität erwarten sie bei der Arbeitszeit. Die Frühschicht beginnt um 9 Uhr und endet um 16 Uhr. Die Spätschicht bewegt sich zwischen 12 und 20 Uhr.

Das Ausbildungsgehalt steigt innerhalb der drei Ausbildungsjahre von 650 Euro auf 750 Euro. Als Einstiegsgehalt nach einer erfolgreichen Lehre könnte sich Enzo Tunc ein monatliche Summe von 2300 Euro brutto vorstellen.


Dieser Text erschien am 27. August 2016 in der NRZ/WAZ

Sonntag, 11. September 2016

Bei diesem Beruf geht es um die Wurst: Fleischermeister Falk Oesterwind sucht zwei Auszubildende, die die Produktion und den Verkauf seiner Metzgerei verstärken

Fleischer steht bei jungen Leuten nicht gerade an der Spitze der Berufswünsche. Das weiß auch die Arbeitsagentur. Dabei zählt der Beruf zu denen mit Perspektive – und es gibt freie Kapazitäten.

„Ich habe schon als Junge gerne gekocht und mir Fleischspieße gebraten“, erinnert sich der 21-jährige Fleischergeselle Gérard Schlösser. Als Schüler machte er dann ein Praktikum in einer Metzgerei. Damit war er nach seiner Fachoberschulreife an der Gustav-Heinemann-Schule der richtige Kandidat für Falk Oesterwind. Denn der 49-jährige Fleischermeister, der an der Aktienstraße 308 eine Metzgerei betreibt, die sein Urgroßvater 1936 eröffnet und sein Vater Willi 1994 an ihn übergeben hat, suchte damals einen Fleischerlehrling.

Jetzt ist es wieder soweit. Unterstützt von der Agentur für Arbeit sucht der Fleischermeister, der einen Familienbetrieb mit 15 Mitarbeitern führt, gleich zwei Bewerber für eine Ausbildung zum Fleischer oder zur Fleischerin und für eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin oder zum Fleischereifachverkäufer.

„Beide Ausbildungen lassen sich mit Hauptschul-Abschluss gut bewältigen“, sagt Oesterwind. Wichtiger als Noten und Schulabschlüsse sind ihm Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen, Pünktlichkeit, Fleiß, und Zuverlässigkeit.“

In der Küche arbeiten drei, im Laden sieben und in der Produktion fünf Kollegen. „Man kommt ganz schön auf Trapp und muss gut im Team arbeiten können. Aber da findet man sich schnell rein“, berichtet Fleischergeselle Gérad Schlösser aus seinem Arbeitsalltag. Der beginnt in der Regel schon um sechs Uhr, wenn man nicht gerade Spätschicht hat. Werktags ist die Metzgerei bis 18.30 Uhr und samstags bis 14 Uhr geöffnet.

Das Wurstmachen und das professionelle Zerschneiden der großen Fleischteile ist natürlich Aufgabe der Fleischer. Ansonsten sind die Grenzen zwischen den Arbeits- und Ausbildungsbereichen fließend. Jeder in der Metzgerei sollte wissen, „dass man Kunden am besten mit einem Lächeln auf den Lippen bedient, wie man ein Fleischermesser oder den Fleischwolf und andere Fleischereimaschinen gefahrlos benutzt.“

Ebenso stehen Betriebshygiene, Warenkunde, das Zubereiten von Grillspezialitäten und kaufmännisches Rechnen auf dem dreijährigen Ausbildungsplan. Auch das Belegen von Wurst- und Buffetplatten will gelernt sein. Die monatliche Brutto-Ausbildungsvergütung steigt während der Lehrzeit von 500 auf 700 Euro. Die Ausbildung beginnt mit einer viermonatigen Probezeit. Die Lehrlinge des Betriebs arbeiten drei Wochen pro Monat im Betrieb und eine Woche in der Berufsschule.

„Wir bilden den Nachwuchs für unseren Betrieb aus. Das hat sich bewährt. Denn so wissen wir auch, was wir von unseren Mitarbeitern erwarten“, macht Oesterwind deutlich, dass am Ende einer erfolgreichen Ausbildung die Übernahme in eine Festanstellung steht, die im Falle eines Fleischergesellen mit monatlich brutto 1850 Euro und in Fall der Fleischereifachverkäuferin mit 1650 bezahlt wird.


Dieser Text erschien am 26. August in NRZ/WAZ

Freitag, 9. September 2016

Küchenkarriere im Ratskeller: Janet und Jörg Thon möchten eine Köchin oder einen Koch ausbilden: Ihr Trio soll zum Quartett werden

Warum es auch mit der Unterstützung des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit so schwer ist, eine junge Frau oder einen jungen Mann zu finden, der sich zum Koch oder zur Köchin ausbilden lassen möchte, erklärt der Küchenchef des Ratskellers, Thomas Grabow, mit einem Satz: „Wenn andere frei haben, müssen Köche arbeiten.“

Freie Wochenenden und freie Feiertage sind für ihn und seine Küchenkollegen André Horn und Jörn Grugowski die extreme Ausnahme Wenn sie einen freien Tag haben, dann unter der Woche. Dennoch sähen es die beiden Gastronomen Janet und Jörg Thon, die den Ratskeller am Löhberg seit 1993 führen, gerne, wenn ihr Küchentrio zum Quartett würde.

„Ein Bewerber mit Abitur wäre natürlich schön. Aber der Schulabschluss und die Noten sind für uns nicht so entscheidend wie die persönliche Einstellung und die Liebe zum Beruf“, sagt Janet Thon. „Viele scheitern während der Ausbildung, weil sie glauben, dass sie sich nur an den Herd stellen müssen, um zu kochen. Zum Kochberuf gehören aber auch die Einhaltung der strengen Hygienevorschriften, die Kalkulation des Wareneinsatzes, die Beherrschung der modernen Küchentechnik und fundierte Lebensmittelkenntnisse, die beim regelmäßigen Einkauf frischer saisonaler Zutaten von entscheidender Bedeutung sind.

Auch wenn so unattraktive Tätigkeiten wie das Kartoffel- und Zwiebelschälen oder das Wischen und Putzen der Küche zum Alltag gehören, empfindet Thomas Grabow seinen Beruf als „ausgesprochen kreativ“, weil „es schon Spaß macht, im Team immer wieder neue Gerichte zu kreieren und zu überlegen, was man Gästen wie anbieten könnte.“ Dabei setzt man im Ratskeller ganz bewusst auf die deutsche Küche.

„Wir nehmen gerne auch Quereinsteiger, die vielleicht keinen ganz geraden Ausbildungsweg hinter sich haben“, sagt Janet Thon. Wichtig ist ihr aber, „dass der Bewerber oder die Bewerberin aufgeschlossen ist, sich in unseren Familienbetrieb einfügt und sich auch mal etwas sagen lässt.“ Möglichst freundlich und verbindlich etwas sagen können, müssen die Köche vor allem dann, wenn sie aus ihrer Küche herauskommen und zum Beispiel hinter dem Buffet stehen. Denn auch Catering-Aufträge nimmt der Ratskeller an.

Damit aus dem Kochlehrling ein Meisterkoch wird, empfiehlt sich, während der Ausbildung ein Rezeptbuch anzulegen, um keinen Kniff zu vergessen. Im ersten von drei Ausbildungsjahren sind die Koch-Azubis vor allem für die kalte Küche und die Suppen zuständig. Im zweiten Ausbildungsjahr kommen Gemüse- und Kartoffelbeilagen sowie Gemüsegerichte hinzu. Und im dritten Lehrjahr geht es um alle Variationen von Fleischgerichten, ob aus Pfanne oder aus dem Ofen. Der angehende Koch oder die angehende Köchin werden vier Tage pro Woche im Betrieb arbeiten und an einem Tag die Fachberufsschule in Essen-Ost besuchen.

Dass sie ihren Kochnachwuchs nach der Ausbildung übernehmen wollen, steht für die Thons außer Frage: „Wir wollen die Leute für unseren Betrieb ausbilden.“


Dieser Text erschien am 31. August 2016 in NRZ/WAZ

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...