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Freitag, 5. Juli 2019

Handfeste Hilfe

Es gibt noch gute Nachrichten, Zum Beispiel die, dass es die Heinzel-werker nach 10 Jahren immer noch gibt. Die Heinzelwerker, das sind 22 handfeste Männer mit zwei rechten Händen und einem Herzen am rechten Fleck. Technisch und organisatorisch unterstützt vom Diakonischen Werk und vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) haben die handwerklich begabten Ehrenamtler im letzten Jahrzehnt 4.000 alten, behinderten und bedürftigen Mülheimern aus der Klemme geholfen.
Sie haben klemmende Türen wieder gängig gemacht, Schrankscharniere repariert, Bilder und Lampen aufgehängt oder ausgetauscht, Fernsehgeräte neu programmiert, Öfen und Kühlschränke angeschlossen oder einen abgestürzten Computer wieder flott gemacht.

Kostenlos und ehrenamtlich

„Wir arbeiten alle ehrenamtlich und unsere Dienstleistung ist kostenlos. Aber wenn wir in den Baumarkt fahren müssen, um zum Beispiel ein Ersatzteil zu besorgen, machen wir schon ein Unterschied, ob jemand In der Lage ist, das Material zu bezahlen oder ob wir es im Falle einer besonderen Bedürftigkeit aus dem von unseren Sponsoren RWE, Sparkasse und Ladies4Mülheim gespeisten Fonds bezahlen können“, berichtet der Gründungsvater der Heinzelwerker Erich Reichertz. Er weiß: „Gerade viele alte Menschen sind froh, wenn mal jemand vorbeikommt, um ihnen die Gardine aufzuhängen oder eine Spüle zu installieren. Dann geht es dabei auch darum, miteinander zu reden und nicht nur um die reine Reparatur.
Sein Kollege Jürgen Schausten stellt immer wieder fest: „Wir kommen viel herum und sehen auch viele Haushalte in Mülheim, in denen die blanke Not herrscht und in denen es am Allernötigsten fehlt. Dann wird man doch geerdet und weiß wie gut es einem eigentlich geht.“ Für den Heinzelwerker Werner Eller ist es immer wieder ein schönes Erlebnis, „die unglaubliche Dankbarkeit in den Augen der Menschen zu sehen, denen mir wir mit ein paar Handgriffen helfen können oder die wir auch auf die weiterführenden Hilfen der Diakonie und des Sozialamtes hinweisen können.“

Keine Angst vorm Ehrenamt

20 der 22 Heinzelwerker sind inzwischen im Rentenalter. Die meisten von ihnen haben die 70 überschritten. Nur Zwei von ihnen sind noch unter 50 und voll im Berufsleben. Für den Heinzelwerker Erich Reichertz steht fest: „Wir brauchen dringend Nachwuchs, wenn es die Heinzelwerke in 10 Jahren auch noch geben soll. Er weiß, dass ich gerade viele Berufstätige schwer tun, sich für ein Ehrenamt zu entscheiden. Doch er macht potenziell interessierten Menschen, die keine Angst vor handwerklicher Arbeit und sozialen Kontakten haben, viel Mut.
Jeder der Heinzelwerker ist und bleibt Herr seiner Zeit. Jeder kann und muss selbst entscheiden wie oft und wie viel er für die Ehrenamtler im Einsatz sein kann.
CBE-Geschäftsführer Michael Schüring und Diakonie-Geschäftsführer Hartwig Kistner sind sich einig: Die Heinzelwerker machen einen tollen Job für den wir ihnen sehr dankbar sind. Ihre Arbeit ist vor allem deshalb so wunderbar, weil sie der in unserer Gesellschaft weit verbreiteten sozialen Kälte entgegenwirkt und Menschen zusammenführt. Und das macht nicht nur die Menschen glücklich, denen geholfen wird, sondern wie wir bei den Heinzelwerkern sehen, auch diejenigen, die helfen. Und deshalb wurden die Heinzelwerker zur Feier ihres Ehrentages am 4. Juli vom Superintendentin des Kirchenkreises an der Ruhr, Gerald Hillebrand, mit dem silbernen Kronenkreuz der Diakonie ausgezeichnet.

Kurzer Draht

Wer die Heinzelwerker unterstützen möchte, wendet sich an Eva Winkler vom CBE unter der Rufnummer 9706813. Wer den Dienst der Heinzelwerker in Anspruch nehmen möchte, erreicht sie montags, dienstags und freitags zwischen 7 Uhr 30 und 16.30 Uhr sowie mittwochs von 7.30 Uhr bis 13 Uhr und donnerstags von 7.30 Uhr bis 18 Uhr unter der Rufnummer 3003277 beim Diakonische Werk am Hagdorn 1a.

Dieser Text erschien am 4. Juli im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Montag, 8. April 2019

„Andere gehen zum Fußballtraining. Wir gehen zur Einsatzeinheit des Roten Kreuzes“


Andreas Hahn, Michael Schlensker
und Thomas Höcker
im DRK-Hilfezentrum
Eigentlich hätten Andreas Hahn, Michael Schlensker und Thomas Höcker schon Feierabend. Dennoch nehmen sie sich um 19 Uhr gerne die Zeit, um dem Mann vom DRK-Magazin ihre Geschichte zu erzählen. Es die Geschichte ihres ehrenamtlichen Einsatzes in den Einsatzeinheiten des Kreisverbandes, in den sie geschätzt 2000 bis 3000 Stunden ihrer Freizeit investieren.

„Andere gehen zum Fußballtraining. Wir gehen zur Einsatzeinheit des Roten Kreuzes“, sagt Michael Schlensker. Der 41-jährige Verkehrssicherungsmonteur, der beruflich für die Baustellensicherung auf den Straßen Nordrhein-Westfalens sorgt, leitet als Zugführer die zweite Einsatzeinheit des Kreisverbandes. Der 36-jährige Bürokaufmann Thomas Höcker kam vor knapp zwei Jahren von der DRK-Wassermacht, wo er als Technischer Leiter agiert, als stellvertretender Zugführer zur dritten Einsatzeinheit des Mülheimer DRKs. Und der 54-jährige Andreas Hahn, der als Erste-Hilfe-Ausbilder beim Kreisverband arbeitet, gehört bereits seit Anfang der 1980er Jahre zur Rot-Kreuz-Familie. „Eine Nachbarin hat mich mitgenommen“, erinnert sich Hahn. Unvergesslich sind dem Zugführer der ersten Einsatzeinheit die Jahre 1989 und 1990, als er bei der Betreuung von DDR-Übersiedlern seine spätere Frau kennenlernte.

„Freundschaft und Kameradschaft“, begeistern auch Thomas Höcker bei seiner ehrenamtlichen Führungsarbeit in der dritten Einsatzeinheit. „Als ich vor einiger Zeit umziehen musste, hatte ich keine Probleme Helfer zu finden, die mit anfassen“, erzählt er und vergleicht die Einsatzeinheiten des Roten Kreuzes, denen jeweils 66 Männer und Frauen angehören mit einer Fußballmannschaft. „Was wir leisten, ist Teamsport“, sagt Höcker, der sich 1995 von einem Schulfreund zum DRK mitnehmen ließ.

„Das ist schon enorm, dass so viele Leute allein im letzten Jahr insgesamt 35.000 Dienststunden ehrenamtlich abgeleistet haben“, findet Andreas Hahn. Ihre Dienststunden verbringen die Rotkreuzler aus den Einsatzeinheiten zum Beispiel beim Rosenmontagszug, beim Jugendfest Voll die Ruhr, bei der Herbstkirmes, beim Badminton-Turnier in der Innogy-Halle oder auch beim Mülheimer Firmen- und beim Ruhrauenlauf. Lebhaft vor Augen hat Hahn den Ela-Einsatz im Juni 2014, als er mit seinen Kollegen in der Stadthalle dreimal täglich 1300 Feuerwehrleute versorgen musste, die nach dem Pfingststurm und dem großen Baumsterben auf Mülheims Straßen alle Hände voll zu tun hatten. „Das lief wie am Schnürchen, weil wir Hand in Hand arbeiteten. So waren nach jeweils einer halben Stunde alle Feuerwehrleute versorgt“, berichtet Hahn mit leuchtenden Augen.

„Solche Routine kommt nicht von ungefähr. Wir üben jeden Handgriff immer wieder bei unseren Dienstabenden, zu denen wir uns alle 14 Tage zwischen 18 und 22 Uhr in unserer Wache an der Hansastraße treffen“, erzählt Michael Schlensker, der sich 1993 bei einem Erste-Hilfe-Kurs von seinem heutigen Zugführer-Kollegen Andreas Hahn für das Rote Kreuz gewinnen ließ und es bis heute nicht bereut hat. Zeltaufbau, Einrichtung eines Patientenablageplatzes, Blaulichtfahrt, Erstversorgung, Aufbau eines Ersatzstromnetzes, Aufbau eines Verpflegungs-Buffetts, Handhabung von Sauerstoffgeräten und AEDs, die bei der Wiederbelebung von Patienten eingesetzt werden sind nur einige Beispiele aus dem Einmal-Eins der Einsatzeinheiten, dass bei den Dienstabenden gebetsmühlenartig wiederholt wird. Das Prinzip „Übung macht den Meister“ haben die Einsatzeinheiten nicht nur bei der Erstversorgung der Flüchtlinge an der Lehner- und an der Mintarder Straße, sondern auch jenseits der Stadtgrenzen, etwa bei den Schul- und Viertels-Zügen in der Karnevalsmetropole Köln oder beim Hochwassereinsatz an der Elbe in Magdeburg in die Tat umgesetzt.

Das theoretische und praktische Fachwissen für ihre Einsätze, eigenen sich Hahns, Schlenskers und Höckers Kollegen, die auch beim Love-Parade-Unglück 2010 in Bereitschaftsalarm versetzt wurden, nicht nur bei ihren Dienstabenden, sondern auch bei Wochenendlehrgängen an, die jeweils auch die Bereiche Sanitätsdienst, Betreuungsdienst, Führungsaufgaben und technisches Gerät beziehen. „Wir haben sehr motivierte Leute, die im Laufe der Zeit auch unterschiedliche Lehrgänge absolvieren, so dass wir in den Einsatzeinheiten Trupps für Betreuungs,- Sanitäts,- Führungs,- Technik- und Sicherheitsaufgaben haben, aber im Ernstfall jeder den anderen vertreten und auch jenseits seines eigenen Diensttrupps helfen kann“, erklärt Thomas Höcker das bei den Einsatzeinheiten praktizierte Prinzip: „Alle für einen und einer für alle.“
Hahn, Höcker und Schlensker haben bisher – und das begeistert sie selbst – bisher noch keinen Einsatz erlebt, bei dem die Personaldecke am Ende zu kurz gewesen wäre, obwohl ihre Helfer-Kollegen, wie sie selbst, den Einsatz in den Einsatzeinheiten neben Beruf und Familie als Hobby betreiben, dass aber sehr solidarisch, intensiv und professionell. Bei soviel Nähe und Zusammenhalt wundert es nicht, dass in den Einsatzeinheiten auch schon mancher Topf seinen Deckel gefunden hat, und das nicht nur beim Betreuungsdienst.

Dieser Text erschien im DRK-Magazin 1/2019

Sonntag, 13. Mai 2018

Arbeiten für unsere gemeinsame Zukunft: Warum sich die pensionierte Pädagogin Marlies Pesch-Krebs ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert

Eine schöne Erinnerung: Marlies Pesch-Krebs in dem
inzwischen nicht mehr existenten Historischen
Klassenzimmer in Styrum, das sie über viele
Jahre zusammen mit August Weilandt liebevoll betreut hat.
Zusammen mit dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) stellt die Mülheimer Woche Menschen vor, die als Ehrenamtler unbezahlte Arbeit leisten, die sich für unsere Stadtgesellschaft auszahlt. Marlies Pesch-Krebs gehört dazu.
"Kinder liegen mir am Herzen", sagt die 68-jährige Heißenerin Marlies Pesch-Krebs. Man glaubt es ihr sofort, wenn man erfährt, dass die Mutter eines heute 39-jährigen Sohnes früher als Grundschullehrerin und Grundschulrektorin gearbeitet hat.

Viele Mülheimer werden sie noch als Rektorin der Gemeinschaftsgrundschule an der Schlägelstraße kennen, an der sie zusammen mit August Weiland ein historisches Klassenzimmer einrichtete. Schon als Schulleiterin in Styrum und später in Hamborn hatte es die Pädagogin mit Kindern aus aller Herren Länder zu tun, die zum Teil auch aus sozial benachteiligten Familien kamen. "Mir war es immer wichtig, vor allem jene Kinder zu unterstützen, die durch ihr Elternhaus nur wenig oder gar keine Hilfe auf ihrem Bildungsweg erfahren", sagt Pesch-Krebs.

Da lag es nahe, dass sie sich auch nach ihrer Pensionierung nicht von diesem Ziel verabschiedete und sich 2015 vom CBE für eine ehrenamtliche Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe gewinnen ließ. Zusammen mit Gleichgesinnten bereitete sie sich im Rahmen einer Schulung durch das CBE auf ihre Aufgabe vor, lernte mit welchen Problemen sie konfrontiert würde und was die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, aber auch aus der Balkan-Region nach Deutschland trieb.

Vom Spielen zum Lernen

Zunächst wurde sie in der Flüchtlingsunterkunft in der ehemaligen Grundschule am Fünter Weg aktiv und wechselte nach deren Auflösung Ende 2016 in die sogenannte Talentwerkstatt am Fronhauser Weg, "Das ist eine ehemalige Wohnung der SWB, in der wir nachmittags mit Kindergarten- und Grundschulkindern spielen und lernen. "Anfangs wollte ich nur mit den Kindern spielen, weil ich mit dem Lernen als Lehrerin lange genug zu tun gehabt hatte", erzählt Pesch-Krebs. Doch inzwischen ist sie auch in die Hausaufgabenbetreuung mit eingestiegen und hat es nicht bereut.

"Die Kinder sind sehr dankbar für die Hilfe und die Zeit, die man ihnen schenkt. Sie gehen in der Regel gerne zur Schule, schon allein deshalb, weil sie dort ihre Freunde treffen und auch gemeinsam schwimmen gehen können. Außerdem ist unsere ehrenamtliche Arbeit mit den Kindern eine wertvolle Entlastung für die Eltern", weiß Pesch-Krebs.

Etwas zurückgeben

Wenn sie montags zwischen 15 und 18 Uhr mit ihren ehrenamtlichen Kollegen in der Talentwerkstatt am Fronhauser Weg mit den Flüchtlingskindern spielt, lernt und arbeitet oder auch kleine Feste und Ausflüge organisiert, kommt ihr zum Bewusstsein, "wie gut ich es doch habe, dass ich bisher keinen Krieg erleben musste." So versteht Pesch-Krebs ihr ehrenamtliches Engagement auch als Dank dafür, dass sie als gesunde Rentnerin auf ein erfolgreiches Berufsleben zurückschauen darf und deshalb "auch etwas zurückgeben will"!

Doch als ehrenamtlicher Coach der Flüchtlingskinder und ihrer Eltern bekommt Pesch-Krebs auch viel zurück, einerseits die Dankbarkeit der Menschen, denen sie in ihrem schwierigen Alltag etwas helfen kann und andererseits "soziale Kontakte mit gleichgesinnten, gleichalterigen und interessanten Menschen, die mich sehr bereichern."

2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Blick auf den massenhaften Flüchtlingszustrom nach Deutschland: "Wir schaffen das!" Schaffen wir das als Gesellschaft wirklich? "Wir haben beim Thema Integration viele Baustellen. Aber die Zuwanderung kann für Deutschland angesichts des demografischen Wandels auch zu einer Chance werden, wenn Politik und Wirtschaft damit ernst machen, kein Kind zurücklassen zu wollen und wir alle begreifen, dass sich jede Investition in unsere Kinder und in ihre gute und kostenlose Erziehung und Bildung um ein Vielfaches auszahlen wird." Die gut organisierte und vernetzte Unterstützung, die die ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Mülheim nicht nur durch die hauptamtlichen Mitarbeiter des CBEs, sondern auch durch die Kirchengemeinden, die Rotarier und die Stadtverwaltung erfahren, machen ihr Mut. 

Dieser Text erschien am 3. Mai 2018 in der Mülheimer Woche und im Lokalkompass

Samstag, 28. Mai 2016

Herzblut ist wichtig, aber ganz ohne Geld geht es auch nicht Der CBE-Geschäftsführer Michael Schüring macht deutlich: Das Ehrenamt braucht hauptamtliche Unterstützung

Das Ehrenamt im Verein braucht hauptamtliche Unterstützung. Dafür stehen der Geschäftsführer des Centrums für bürgerschaftliches Engagement (CBE) und seine Mitarbeiter. Ein Gespräch:

Gibt es viele Vereine, die Probleme haben, ihre Vorstandsämter zu besetzen?

Unsere Umfrage unter den Vereinen zeigt, dass sich dieses Problem derzeit in 65 Prozent der örtlichen Vereine stellt.

Ist der ehrenamtlich geführte Verein ein Auslaufmodell?

Keinesfalls. Wir erleben es immer wieder. Wo sich Bürger längerfristig für eine gute Sache engagieren, ist die Vereinsgründung in 90 Prozent das Mittel der Wahl. 50 Prozent des ehrenamtlichen Engagements wird in Vereinen geleistet. Vereine bieten steuerliche Vorteile und verteilen die Verantwortung auf mehrere Schultern.

Wie helfen Sie ehrenamtlichen Vereinsvorständen?

Indem wir sie im Rahmen von Zukunftswerkstätten zusammengebracht haben und der Austausch unter den Vereinsvorständen gezeigt hat, dass viele Vereine ähnliche Probleme haben. Bei diesen Treffen wurden auch gute Praxisbeispiele aufgezeigt und Kontakte zu externen ehrenamtlichen Fachleuten hergestellt, die mit ihrem frischen Blick von außen weiterhelfen konnten.

Wie wird diese hauptamtliche Unterstützung des Ehrenamtes in Vereinen finanziert?

Seit 2011 konnten wir auf Mittel des Bundes und der Robert-Bosch-Stiftung zurückgreifen. Leider ist diese Förderung 2016 ausgelaufen, so dass wir jetzt auf Bordmittel und Sponsoren angewiesen sind.

Die Einsicht, dass ehrenamtliches Engagement hauptamtlich gefördert werden muss, ist zwar im Bewusstsein der Politiker angekommen, aber leider noch nicht in den Kassen der öffentlichen Hand.

Wie sehen Sie die Zukunft der Vereine ?

Ich nehme wahr, dass die Vereine schon heute daran arbeiten, sich für das Jahr 2030 aufzustellen, wenn der demografische Wandel seine volle Wirkung entfalten wird.

Ich rechne bis dahin mit einem Konzentrationsprozess. Die Zahl der Vereine wird wahrscheinlich abnehmen. Ich fürchte aber nicht um die grundsätzliche Existenz der Vereine. Es gibt keine Patentrezepte für die Lösung, weil jeder Verein anders ist. Auch die Akzeptanz von externer Beratung ist nicht immer vorhanden.

Ich gehe aber davon aus, dass Vereine künftig verstärkt qualifizierte Honorarkräfte einsetzen müssen.

Dieser Text erschien in der Neuen Ruhr Zeitung vom 18. Mai 2016

Freitag, 27. Mai 2016

Beispiele begeistern Beate Steegers-Esken, Rolf Ball und Claudia Köster glauben, dass das Vereinsleben Zukunft hat, wenn es Menschen gibt, die Freude daran vorleben können


Rolf Ball ist Schatzmeister beim
TSV Heimaterde
„Wenn sich sieben Deutsche treffen, gründen sie einen Verein“, spottet der Volksmund. Darüber können die Öffentlichkeitsarbeiterin des Mülheimer Zupforchesters, Beate Stegers-Esken, der Schatzmeister des TSV Heimaterde, Rolf Ball, und die Vorsitzende des in Mülheim ansässigen Bundesverbandes der Menschen mit angeborenen Gefäßfehlbildungen, Claudia Köster, herzlich lachen. Ob Kultur, Sport oder Selbsthilfe. Alle drei investieren gerne viel Zeit und Arbeit in ihr Ehrenamt, das sie als menschlich bereichernd und ihren Horizont erweiternd empfinden.

Aber sie schauen nicht blauäugig in die Zukunft. „Es ist für uns kein Problem, Jugendliche in den Verein zu bekommen oder Trainer und Betreuer zu gewinnen, aber nur wenige Mitglieder wollen verantwortliche Vorstandsarbeit leisten“, erklärt der kommissarische Geschäftsführer und Schatzmeister des TSV Heimaterde. Zum einen sei es sehr zeitintensiv. „Und im Ernstfall muss ich auch für grobe Fehlentscheidungen mit meinem privaten Vermögen haften“.

Deshalb ist man beim TSV, der mit 800 Mitgliedern seinen 90. Geburtstag feiern konnte, dazu übergegangen, alle Mitglieder nach ihren Fähigkeiten zu befragen, die sie in die Vereinsarbeit einbringen können, um den Vorstand zu entlasten. „Ich arbeite gerne an der Festschrift mit, aber komm mir bloß nicht mit Vorstandsarbeit“, erinnert sich Ball an die Aussage eines Vereinsmitgliedes.

„In Zukunft werden sich immer mehr kleine Vereine zusammenschließen und Netzwerke bilden müssen“, glaubt die Vorsitzende des 200 Mitglieder zählenden Bundesverbandes für Menschen mit angeborenen Gefäßfehlbildungen. Ihr Verband, der bundesweit Patiententreffen, Jugendzusammenkünfte wie Ärztegespräche organisiert und regelmäßig Infobroschüren herausgibt, hat die Weichen bereits gestellt und die ersten kleineren Vereine aus seinem Themengebiet aufgenommen. „Wir haben nicht nur fünf Vorstandsmitglieder, sondern auch sechs fachkundige Zuarbeiter, mit denen wir auf Augenhöhe zusammenarbeiten“, berichtet Claudia Köster. Ihre Erfahrungen zeigen, dass Vereinsvorstände Menschen in ihrem Verein ansprechen und mitnehmen müssen, um sie für ein ehrenamtliches Engagement zu gewinnen.

Beate Stegers-Esken vom 30 Mitglieder zählenden Mülheimer Zupforchester ist überzeugt: „Nur, wer selbst vorlebt, dass Vereinsarbeit Freude machen kann, wird auch andere Menschen dafür begeistern können.“ Mit Blick in die Zukunft geht sie davon aus, dass vor allem kleine Vereine auf punktuelle externe Beratung angewiesen sein werden, wenn es etwa um Themen, wie Öffentlichkeitsarbeit oder Finanzen geht, um ihre Vereinsarbeit auch mit einer tendenziell sinkenden Zahl aktiver Vereinsmitglieder aufrechterhalten zu können. Ihr Kulturverein hat gute Erfahrungen damit gemacht, sich einem regionalen Dachverband anzuschließen.




Dieser Text erschien am 18. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 2. Januar 2016

Zug-Vögel machen mobil: Ralf Bayerlein, Bettina Fronzek, Gudrun Kohler und Manfred Zabelberg wollen ab sofort Menschen auf die Reise schicken: Ihre Dienstleistung ist kostenlos

Die "Zug-Vögel" vor ihrem ersten Start
Manfred Zabelberg, Bettina Fronzek, Ralf Bayerlein und Gudrun Kohler haben viel gemein. Sie haben ihre Berufsleben hinter sich. Sie sind reiselustig. Und sie wollen sich ehrenamtlich engagieren.

Geschult vom Centrum für bürgerschaftliches Engagement CBE und organisatorisch unterstützt von der Diakonie wollen sie jetzt als „ZugVögel“ Menschen auf die Reise schicken, die gerne verreisen möchten, aber sich aufgrund ihres Alters oder körperlicher Einschränkungen das allein nicht mehr zutrauen. Selbst jüngere Menschen kennen das: Vereisen wäre ja schön. Doch vor dem Reisen kommt das Kofferpacken, das Bestellen oder der Kauf von Fahr- oder Flugtickets. Und woll soll es wann überhaupt hingehen? Eine Recherche im Internet oder eine Beratung im Reisebüro wäre angebracht. Flug- oder Fahrpläne müssen studiert werden.

„Gerade viele ältere Menschen, die eigentlich immer reiselustig waren, scheuen auf ihre alten Tage diesen Aufwand und bleiben lieber zu Hause“, weiß Manfred Zabelberg. „Das ist doch eigentlich schade. Denn das Reisen ist doch ein Stück Lebensqualität“, findet Gudrun Kohler.

Bayerlein, Kohler, Fronzek und Zabelberg wissen wovon sie reden. Alle waren als Einkäufer, Vertriebler, Ingenieure oder Versicherungsmanager beruflich viel unterwegs und reisen auch im Ruhestand gerne und oft. Kohler und Bayerlein lieben das vielseitige Deutschland und seine pulsierende Hauptstadt Berlin. Fronzek und Zabelberg sind als echte Globetrotter eigentlich schon fast überall auf dieser Welt gewesen.

Bayerlein stellt klar: „Wir wollen mit unserem kostenlosen Service nicht in Konkurrenz zu Taxiunternehmen treten. Deshalb werden wir gerne ein Taxibestellen, das Gepäck am Bahnhof aufgeben und unsere Klienten dort empfangen und in den Zug setzen, aber keinen Fahrdienst zum Flughafen oder zum Bahnhof anbieten. Das Taxt müssen die Reisenden dann schon selbst bezahlen.“

Sein Zug-Vogel-Kollege Zabelberg freut sich darüber, „dass uns die am Hingberg ansässige IT-Firma Schrake kostenlos die für unsere kostenfrei Dienstleistung notwendige Software zur Verfügung gestellt hat und das wir außerdem auf die organisatorische Hilfe der Diakonie und ihrer Telefonzentrale zurückgreifen können.

Diese Zusammenarbeit hat sich auch schon bei den Heinzelwerkern bewährt, die ebenfalls über die Diakonie zu bestellen sind und seit 2009 vor allem für finanzschwache Mitbürger kostenfrei kleinere Reparaturen im Haushalt durchführen.


Dieser Text erschien am 5. Dezember 2015 in der NRZ und in der WAZ

Leder, made in Mülheim

  Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu...