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Es werden Posts vom November, 2020 angezeigt.

"Wenn Romane schlauer machen und Wissenschaft unterhaltsam ist, dient das allen"

  Der 1969 geborene Styrumer Autor lehrt hauptberuflich Politik- und Sozialwissenschaften sowie Religionspädagogik. Während seines ersten Berufslebens hat der zweifache Familienvater als Journalist und später als Entwickler in einer Firma gearbeitet, die Computerspiele herstellt. In seiner Freizeit schreibt er unter dem Pseudonym Stefan Boucher Belletristik. Im Gespräch mit der Mülheimer Woche berichtet er über seinen neuesten Roman „Long Forgotten“. Worum geht es in Ihrem in der Edition Vi:Jo erschienen Roman „Long Forgotten“, deutsch: „Lange vergessen“? Boucher:  Um Menschen, die im Mediensektor arbeiten und dort ein Start-Up-Unternehmen gegründet haben. Sie erzeugen virtuelle Wirklichkeiten, die mithilfe Virtueller-Realitäts-Brillen (VR-Brillen) genau das projizieren, was sich die Kunden individuell vorstellen wollen. Die Mitarbeiter des Berliner Unternehmens sind so in ihre Arbeit verliebt, dass sie gar nicht merken, dass sie die Wünsche, Träume und Ängste ihrer Kunden instrumental

Weihnachten, mal ganz anders

  Volle Kirchen, ob bei Konzerten oder Gottesdiensten. Das gehört traditionell zum Weihnachtsfest wie das Amen in der Kirche. Nicht so im Corona-Jahr 2020. Superintendent Gerald Hillebrand erklärt am Vorabend des ersten Advent: "Wir haben uns schon seit zwei Monaten mit Weihnachten beschäftigt. Es findet statt, soviel steht fest. Und seine Botschaft von Hoffnung und Nächstenliebe ist in Krisenzeiten, wie diesen, lebensnotwendiger denn je. Aber es ist alles total anders, als an den Weihnachtstagen, die wir bisher erlebt haben. Wir mussten berücksichtigen, dass angesichts der notwendigen Corona-Schutzbestimmungen vieles anders gemacht werden muss, als gewohnt. Dabei sehe ich die Corona-Pandemie als Herausforderung an uns alle und ganz besonders an die Kirche, trotz des gebotenen Abstands nah beieinander und miteinander verbunden zu bleiben." Ganz, wie gewohnt, schmückt der Stern von Betlehem ein zwölfseitiges Faltblatt, auf dem man nachlesen kann, was sich die haupt- und ehrena

"Wir gehen mit der Weihnachtsgeschichte auf die Straße!"

  Zu ungewöhnlich fortgeschrittener Jahreszeit gehen der Saarner Greens-Immobilien-Geschäftsführer Andreas Schmelzer, die Künstlergruppe AnDer und die Evangelische Kirchengemeinde Broich-Saarn mit ihrer Open-Air-Ausstellung "Kunst raus" auf die Straße. Vor der am 4. Dezember (14 Uhr) geplanten Vernissage an der Dorfkirche (Holunderstraße 2-6) sprach die Mülheimer Woche mit dem Mit-Initiator, Pfarrer   Christoph Pfeiffer , über eine Kunstaktion in Zeiten des Corona-bedingten kulturellen Lockdowns. Kunst Raus vor Weihnachten. Passt das? Pfeiffer : Nach dem ersten Corona-Lockdown hatten wir uns im Frühjahr gegen eine Kunst-Raus-Aktion entschieden, obwohl "Kunst raus" bereits seit Albrecht Sippels Zeiten in den 1990er Jahren ein fester Bestandteil des Saarner und des Mülheimer Kulturlebens ist. Doch im September kam dann Andreas Schmelzer von Greens auf uns als Gemeinde zu und fragte: "Wollen wir nicht mal was vor Weihnachten machen?" Ich fand die Idee gut, zu

"Wir wollen die Welt ein bisschen besser machen!"

  Der nun beginnende Advent ist die Hochzeit der Grußkarten. Normalerweise trifft man jetzt die 22 Mitglieder der Unicef-Gruppe Mülheim-Oberhausen auf Adventsmärkten oder in Einkaufszentren. Da diese Verkaufsmöglichkeit Corona-bedingt wegfällt und viele der örtlichen Unicef-Mitglieder als Über-60-Jährige zur Risiko-Gruppe gehören, sind die lokalen Botschafter des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen umso mehr auf den direkten Grußkarten-Verkauf in ihrem Unicefladen an der Dimbeck 57 (Ecke Wittekindstraße) angewiesen. Seit 15 Jahren haben die Unicefler in der vormaligen Metzgerei und Schneiderei ihr Quartier. "Wir haben hier eine sehr günstige Miete. Denn eine Miete in der Stadtmitte könnten wir uns nicht leisten", sagt Traudel Emde. Mit ihrer Unicef-Kollegin Ursula Schlösser, die wie sie praktizierende Mutter und Großmutter ist, ist sich Traudel Emde einig: "Wenn wir uns für unsere eigenen Kinder und Enkel engagieren, dann können wir uns auch für Unicef engagieren. K

Was bringt die Wahlrechtsreform?

Der Bundestagswahlkreis Mülheim/Essen-Borbeck könnte „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ ab der Bundestagswahl 2024 noch größer werden. Darauf weist Mülheims SPD-Bundestagsabgeordneter im Gespräch mit dieser Zeitung hin. Auch Klare, der dem Deutschen Bundestag seit 2013 angehört, hat mit den Regierungsfraktionen für eine grundsätzliche Wahlrechtsreform gestimmt, die den Bundestag kleiner machen soll. „Wir sind jetzt schon 709 Abgeordnete im Deutschen Bundestag. Und es stand zu erwarten, dass das Parlament nach der nächsten Bundestagswahl noch größer werden könnte. Dass hat damit zu tun, dass seit 2002 alle Überhangmandate ausgeglichen werden müssen, damit die Proportionen im Parlament auch das Wahlergebnis abbilden“, erklärt Klare. Als Überhangmandate bezeichnet man die Direktmandate, die über die Zahl der durch die Zweitstimmen gewonnen Listenmandate einer Partei hinaus gehen. „Durch dieses auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zurückgehende Ausgleichsverf

Post von Joanne K. Rowling

  „Als der erste Lockdown begann und es sich abzeichnete, dass wir uns länger nicht sehen werden, war meinen Kollegen und mir klar, dass wir unseren Schülern etwas Schönes mit nach Hause geben mussten, mit dem sie sich gerne und kreativ beschäftigen konnten“, erklärt Deutschlehrer Tobias Keller. Dieser Impuls setzte an seiner Schule, dem Gymnasium Broich, ein außergewöhnliches Leseförderprojekt in Gang. Keller, selbst Autor von zwei Komödien, die im Deutschen Taschenbuchverlag erschienen sind, gab den Schülern seiner Klasse, der 6d, nicht irgendein Buch, das er für pädagogisch und literarisch wertvoll hielt, mit in das von der Corona-Pandemie erzwungene Home-Schooling. Er forderte sie auf: „Lest einfach ein Buch, dass ihr immer schon mal lesen wolltet.“ Genau das taten sie dann auch. Aber sie beließen es nicht nur beim Lesen, sondern setzten sich anhand von zehn Aufgaben, die ihnen Keller mitgegeben hatte, tiefergehend mit ihrer Lieblingslektüre auseinander. Da wurden Szenen aus dem Bu

"Wir müssen den Leuten zeigen, dass wr noch da sind!"

  Mit ihren 250 Mitgliedern ist die KG Blau Weiß die mitgliederstärkste Karnevalsgesellschaft die Stadt. Als das vom Zweiten Weltkrieg schwer gezeichnete Mülheim noch in Trümmern lag, hoben närrisch gesonnene Kolpinggeschwister der Kolpingfamilien Broich-Speldorf unter der Führung ihres ersten Präsidenten Heinz Maaß eine Karnevalsgesellschaft aus der Taufe, die in einer Gaststätte an der Maxstraße ihre erste Karnevalssitzung feierte. Weil die dafür bestellten Narrenkappen nicht, wie gewünscht, in Weiß, sondern in Blau und Weiß geliefert wurden, nannte sich die neue Gesellschaft kurzerhand KG Blau Weiß. Seit dem ist keine Session vergangen, in denen die Blau-Weißen nicht für Stimmung im Straßen,- und im Saalkarneval gesorgt hätten. Doch in dieser Session, die Corona-Pandemie erfordert es, ist alles anders. Was sagt dazu der Präsident der zweitältesten Mülheimer Karnevalsgesellschaft, Thomas Straßmann. Ein Gespräch zwischen Wehmut und Hoffnung. Schon vor dem Elften im Elften war klar, da

Seien wir keine Narren

  War da nicht was? Sollte da nicht etwas sein am 11.11.? Natürlich. Am Elften im Elften legen die Narren los. „Wenn das Trömmelchen geht, dann stehen wir alle parat.“ Doch statt des närrischen Trommelschlags, hat uns leider der Paukenschlag der Corona-Pandemie erwischt. Da trauert selbst so mancher Karnevalsmuffel der Fünften Jahreszeit hinterher. Denn der oft belächelte Bazillus Carnevalensis sorgte in den dunklen Herbst- und Wintermonaten wenigstens für Freudentränen. Doch mit dem Corona-Virus ist kein Spaß zu machen. Daran ändern auch die Narren nichts, die närrisch sind, aber trotzdem keinen Spaß verstehen. Sie meinen, dass sie massenhaft in Rosenmontagsmanier auf die Straße gehen müssen, um dichtgedrängt gegen die Maskenpflicht zu demonstrieren, weil sie sich in ihrer Narrenfreiheit eingeschränkt fühlen. Darüber können die echten Narren aus den 12 Mülheimer Karnevalsgesellschaften nur lachen. Denn auch wenn ihnen jetzt zum Weinen zumute ist, weil sie ihre Sessions-Veranstaltungen

Immer wieder aufstehen

  Wenn der Vater mit der Tochter spazieren geht, dann können beide was fürs Leben lernen. Kürzlich beobachtete ich einen Vater, der mit seiner kleinen Tochter an der Ruhr spazieren ging. Doch plötzlich war die junge Dame von ihrer Wanderlust verlassen. Sie trat unvermittelt in einen Sitzstreik und ließ ihren Herrn Papa wissen, dass ihr das Gehen „zu anstrengend“ geworden sei und sie deshalb von ihm nach Hause getragen werden wollte. Doch der Papa blieb hart und ließ sich auch vom heftigen Wehklagen seines Töchterleins nicht erweichen. Stattdessen sagte er nur: „Und du gehst trotzdem weiter!“ Das gefiel dem fußlahmen Nachwuchs gar nicht. Doch nach einigen Minuten des noch heftigeren Klagens, musste das Mädchen einsehen, dass sein Sitzstreik auf dem Leinpfad ungemütlich kühl wurde und ihr keinerlei Fortschritt einbrachte. Schließlich fügte es sich in sein unvermeidliches Schicksal, stand auf und ging weiter. Auch wenn sich der Papa in diesem Moment bei ihr nicht beliebt gemacht hatte, ha

Vorsicht Symbolpolitik

Ich mag Fahrradfahrer, zumindest die, die in die Pedale treten, um umweltschonend voranzukommen ans Ziel zu kommen. Denn das ist ein besserer Klimaschutz als jede Fridays-for-Future-Demo. Gar nicht gerne komme ich aber den Fahrradfahrern In die Quere, die mir zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln begegnen und ganz prinzipiell in ihrem Alltagsleben nach oben buckeln und nach unten treten. Denn das sind diejenigen, die die menschliche Stagnation unserer Gesellschaft befördern und den sozialen Fortschritt ausbremsen. So wie manche Fahrradfahrer, die sich mit ihrem umweltfreundlichen Verkehrsmittel auf dem richtigen Weg wähnen, aber sich gegenüber den Fußgängern, die ihren Weg kreuzen, manchmal das Recht des stärkeren herausnehmen, dass sie zu Recht bei rücksichtslosen Autofahrern mit eingebauter Vorfahrt beklagen.  Aber ich gönne all den Radfahrern, die sich redlich bemühen durchs Leben zu kommen gute und sichere Radwege, vor allem dann, wenn sie bei Ihrer Radtour den Grundsatz beherzig

Auf die Arbeit kommt es an

  Er war in seiner aktiven Zeit die Personifizierung des Arbeitnehmer-Flügels in der SPD. Was hat Hans Meinolf, der am 1. November 90 Jahre alt wird, uns Mülheimern und seinen sozialdemokratischen Genossen mit auf den Weg In die Zukunft zu geben? Ein Zeitzeugengespräch. Warum sind Sie Sozialdemokrat geworden? Meinolf: Ich habe als Jugendvertreter im Betriebsrat der Mülheimer Röhrenwerke ab 1949 die verschiedenen parteipolitischen Facetten kennen gelernt und bin dann zwei Jahre später in die SPD eingetreten, weil ich in ihr die Partei sah, die am ehesten dafür einstand, die Lebensverhältnisse breiter Bevölkerungsschichten zu verbessern. Was hat Sie politisch angetrieben? Meinolf: Die starke Bindung zu meinen Kollegen, die mich als Betriebsrat immer wieder mit großer Mehrheit gewählt haben.-Das hat mir in der politischen Auseinandersetzung den Rücken gestärkt. Ich hatte immer den direkten Kontakt zur Basis und habe dabei immer die ganz konkreten Lebensbedingungen der Menschen vor Augen g