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Freitag, 28. Februar 2025

Närrische Zeit

"Ganz ohne Weiber geht die Chose" nicht! Das weiß man nicht nur in der Operette, sondern auch im Karneval. Deshalb sind es die Frauen, die in der Fünften Jahreszeitvorangehen, wenn es darum geht, in den Straßenkarneval der tollen Tage zu starten. Dazu passte es gut ins Bild, dass die mölmschen Möhnen in dieser Weiberfastnacht, die im Ruhrpott uncharmant "Altweiber" genannt wird, als Flotte Bienen den Oberbürgermeister kostümtechnisch zum Gärtner machten, um ihm dann eine Palette mit Blumentöpfen in die Hand zu drücken, auf dass er die betonlastige Schlossstraße begrüne.

"Wir werden genau überprüfen, was uns da demnächst blüht und sprießt", versicherte Obermöhne Elli Schott von der Röhrengarde. Obwohl Verwaltungschef, musste Oberbürgermeister Marc Buchholz im Wettstreit mit den Tollitäten Julien und Elias traditionsgemäß den Kürzeren ziehen. Beim Aktenweitwurf, beim Büroslalom sowie beim Heften und Stempeln hatten die närrischen Regenten aus den Reihen des Mülheimer Carnevalsclubs und der Prinzengarde Rote Funken die Nase vorn. "Das ist gar nicht so leicht, wenn man alles alleine machen muss und keine Mitarbeiter zur Hand hat", spottete Elli Schott nach der Niederlage des Oberbürgermeisters. 

Der karnevalstrainierte OB nahm seinen Machtverlust gelassen und betonte in seiner Abdankungsrede die soziale Bedeutung, die der Karneval hat, indem er Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppen und Generationen zusammenbringt. Dankbar zeigte er sich vor allem dafür, "dass ich in diesem Jahr nicht wieder als sparsamer Schotte auftreten muss, nachdem das Land die Altschuldenregelung umsetzen will". 

Schlicht und effektvoll setzte die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Michaela Rosenbaum, mit ihrem Kostüm ein politisches Zeichen. Ihre Brillengläser bestanden aus Friedenszeichen und um den Hals trug sie ein Hinweisschild mit der Aufschrift: "Heute ist offene Gesellschaft!" Deshalb steuerte auch ein Kamerateam der WDR-Lokalzeit gleich auf sie zu, um von ihr zu erfahren, ob islamistische Anschlagsdrohungen auf Karnevalsveranstaltungen ihre Lust am Karnevalfeiern beeinträchtigen. Für Rosenbaum steht fest: "Wir dürfen uns als freie Gesellschaft von solchen Drohungen nicht einschüchtern lassen, denn das ist genau das, was die Fanatiker wollen." Ein politisches Zeichen ganz anderer Art setzte der als Dr. Party verkleidete Arzt und SPD-Landtagsabgeordnete Rodion Bakum mit seinem Pflasterpack, das er unter den Möhnen und ihrem Gefolge verteilte. Neben einer Narrenkappe war dort zu lesen: "Kleine Wunden heilen schnell, der Pflegenotstand nicht. Und sein Mitarbeiter Felix Hesse war ja als Friedrich Merz zum Rathaussturm der Möhnen erschienen, um mit seinem "Black-Rock-Koffer" anzudeuten, dass die im Bund anstehenden Koalitionsverhandlungen nicht nur lustig werden. 


Mehr über den Mülheimer Karneval

Sonntag, 22. Januar 2023

Wer soll das bezahlen?

 Schluss mit Lustig im Mülheimer Karneval, zumindest finanziell. Eigentlich wollten die im Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval organisierten Narren am morgigen Sonntag (22. Januar) ihre Veranstaltungspremiere in der Alten Dreherei feiern und damit aus ihrer Saal-Not eine Tugend machen. Doch daraus wird nichts.

„Wir haben alle Veranstaltungen in der Alten Dreherei aus heizungstechnischen Gründen kurzfristig abgesagt. Wir hätten die Halle mit Diesel-Generatoren aufheizen müssen. Das wäre teuer und uneffektiv geworden. Probeläufe haben uns gezeigt, dass wir auch dann die Halle der Akten Dreherei nicht wirklich warm bekommen, hätten“, erklärt der Präsident des Hauptausschusses, Markus Uferkamp,  im Gespräch mit dieser Zeitung.

Hintergrund des Veranstaltungssaalproblems, von dem nicht nur die Karnevalsvereine betroffen sind, ist der Wegfall von geeigneten und bezahlbaren Veranstaltungsorten. „Als ich vor 22 Jahren in den Mülheimer Karneval kam, gab es in der Stadthalle sieben Karnevalsveranstaltungen. Heute sind es mit dem Prinzenball und der inklusiven Karnevalsparty Grenzenlos gerade noch zwei“, schildert der Geschäftsführer des Hauptausschusses, Hans Klingels, im gleichen Gespräch mit dieser Zeitung die Entwicklung. „Auch der Altenhof und der Handelshof stehen uns als Veranstaltungsorte nicht mehr zur Verfügung“, nennt Uferkamp ein verschärfendes Momentum.

Die beiden Chefkarnevalisten legen mit Blick auf den Festsaal der Stadthalle Zahlen auf den Tisch. Die Gesamtkosten, die bei einer Veranstaltung im Festsaal der Stadthalle anfallen, beziffern sie auf insgesamt 6500 Euro! Davon entfallen 1486 Euro auf die reine Saalmiete. Der größere Teil der Gesamtkosten besteht aus veranstaltungstechnischen Personalkosten. Klingels und Uferkamp nennen 184 Euro für die Lichttechnik, 850 Euro für die Tontechnik, 60 Euro für Computertechnik, 24 Euro für die Bestuhlung des Festsaales, der maximal 600 Sitzplätze bietet, 925 Euro für den Veranstaltungstechniker, 1429 Euro für alle Dienstleistungen, die mit der Bewirtschaftung der Stadthalle und ihres Parkplatzes zusammenhängen.

„Das ist für uns nicht mehr finanzierbar“, betonen Klingels und Uferkamp. Daran ändere auch der 40-prozentige Vereinsrabatt auf die reine Saalmiete und die kostenlose Unterstützung beim Bühnenbau nichts.

Angesichts dieser Ausgangslage sind die Chefkarnevalisten umso dankbarer, dass sie mit den Autohäusern Wolf und Extra sowie mit dem Gastronomiebetrieb Frankys Sponsoren an ihrer Seite haben, die ihre Räumlichkeiten mietfrei für Veranstaltungen bereitstellen. „So lange die Stadthalle für Vereine als Veranstaltungsort unbezahlbar bleibt, sollte die Stadt ein zentralgelegenes Haus der Vereine errichten, dass sie gemeinnützigen Vereinen als Treffpunkt und Veranstaltungsort zu vertretbaren Mieten zur Verfügung stellt“, sind sich die Chefkarnevalisten einig. Doch sind sie sich darüber im Klaren, dass ihr Wunsch angesichts einer städtischen Schuldenlast von zwei Milliarden Euro vorerst ein Wunsch bleiben dürfte.

Zuständig für den Betrieb der Stadthalle, mit deren Bau vor 100 Jahren begonnen wurde, ist die Mülheimer Stadtmarketing- und Toruismusgesellschaft MST. In deren Aufsichtsrat sitzen auch Stadtverordnete und Verwaltungsvorstände. Klingels und Uferkamp weisen darauf hin, dass „viele Ratsmitglieder Ehrensenatoren des Mülheimer Karnevals sind.“

Im Gespräch mit dieser Zeitung unterstreichen MST-Geschäftsführer Michael Birr und Stadthallenleiterin Sylvia Thum, „dass wir als Stadthallenbetreiber betriebswirtschaftlich unterwegs sein müssen und die steigenden Personal- und Energiekosten nicht beeinflussen können.“ Thum weist darauf hin, „dass wir die steigenden Energiekosten nur zu 15 Prozent an unsere Kunden weitergeben.“ Hinzu kommt, so Birr, „dass wir Corona-bedingt zwischenzeitlich als Stadthallenbetreiber faktisch ein Berufsverbot hatten und dennoch in die Instandhaltung der Stadthalle investieren müssen, um am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.“ Thum geht davon aus, „dass wir derzeit noch 40 Prozent unter der Auslastung liegen, die wir vor der Coronapandemie hatten.“ Birr betont: „Als Ehrensenator der Moerser Karnevalsgesellschaft Fidelio kenne ich das Problem der Veranstalter, denen nur ein gutes Sponsoring helfen kann.“ Immerhin erklären Thum und Birr, dass sie an einem neuen Veranstaltungskonzept für das Stadthallenrestaurant Caruso arbeiten, „der es wieder mehr Vereinen erlauben wird die Stadthalle als Veranstaltungsort nutzen zu können.“


Meine Texte in der Tagespresse und: Zum Mülheimer Karneval

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...