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Es werden Posts vom April, 2018 angezeigt.

Gönnen wir uns allen etwas

Gestern hatten wir Sonntag. In der Kirche hörte ich von der Nächstenliebe. Im Fernsehen sah ich eine Diskussion über die christliche Leitkultur unserer Gesellschaft. Und in der Zeitung las ich davon, dass fast 18 Prozent der sozialversicherten und vollzeitbeschäftigten Menschen in Deutschland monatlich brutto weniger als 2000 Euro verdienen. Das verdient angesichts der aktuellen Diskussion über die christliche Leitkultur  in unserem Land einen Moment des Innehaltens. Müssen wir, siehe Markus Söder, in unseren Amtsstuben wieder Kreuze aufhängen und öfter in die Kirche gehen, um etwas mehr christliche Nächstenliebe in unserer Gesellschaft zu spüren? Oder müssen wir nicht einfach einsehen, dass Geiz, allen anders lautenden Werbeparolen zum Trotz eben nicht geil, sondern genau das Gegenteil davon ist. Wenn wir im Rahmen unserer Möglichkeiten mit Geld, Zeit, Zuwendung, Tatkraft und Liebe geizen, werden wir unser Leben nicht reicher, sondern am Ende in jeder Hinsicht nur billiger mache

Wie verhindert man Kirchenschließungen?

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Josef  Hovenjürgen beim Frühlingsempfang in der Stadthalle Beim Frühlingsempfang der örtlichen CDU berichtete der Generalsekretär der NRW-CDU, Josef Hovenjürgen, darüber, dass er im Ruhrgebiet immer öfter darauf angesprochen werde, was denn die CDU-geführte Landesregierung dagegen tun wolle, dass das Ruhrbistum immer mehr Kirchen schließe. Dazu stellte der Haltener Landtagsabgeordnete und bekennende Katholik (Jahrgang 1963) fest: "Wenn wir wollen, dass Kirchen erhalten bleiben, sollten wir mal öfter hingehen und nicht nach der Politik rufen. Wenn ich einen Gottesdienst besuche, gehöre ich meistens zu den Jüngsten. Und Platzprobleme gibt es in der Kirche nur an Ostern und Weihnachten. Was für die Kirchen gilt, gilt auch für unsere gesamte Gesellschaft. Wenn wir mehr sozialen Zusammenhalt wollen, müssen wir nicht zuerst nach der Politik rufen, sondern in unserer Nachbarschaft selbst aktiv werden." Dieser Text erschien am 20. April 2018 im Neuen Ruhrwort

Wird es eine neue Ruhrtalbrücke geben? - Heinrich Krosse konstruierte in den 60er Jahren für Krupp die Ruhrtalbrücke: Jetzt fürchtet seine Tochter Sigrid Krosse um das bautechnische Erbe ihres Vaters, das sich in die Landschaft einfügt

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Heinrich Krosse im Jahr 1970 Foto: privat Als Sigrid Krosse jetzt las, dass das Land den Abriss der Ruhrtalbrücke prüft, versetzte ihr das einen Stich. „Mein Vater hat die Brücke in den 1960er Jahren mit viel Aufwand und einer filigranen Architektur geplant. Er legte Wert darauf, dass sie sich unaufdringlich in das schöne Ruhrtal einfügen sollte. Denn er war in seinem Herzen nicht nur ein Bauingenieur, sondern auch ein Künstler und Architekt“, sagt Heinrich Krosses Tochter. Der Ingenieur, der im November 2017 im Alter von 98 Jahren verstorben ist, hatte die damals bundesweit als wegweisend gelobte Brücke, über die heute die Autobahn A52 verläuft, als Brückenbauer des Krupp-Konzerns konstruiert. Bei dem 100-Millionen-D-Mark-Projekt wurden 150.000 Tonnen Stahl und Beton verbaut. Sigrid Krosse kann sich noch an eine Führung im Sommer 1963 erinnern, bei der ihr Vater damals Bürgern erklärte, wie die Brückenteile ineinander geschoben wurden. Der 1919 in Styrum geborene und an

Ganz schön maßlos

Wir sind alle ganz schön dick in den Miesen. Sie nicht? Das denken Sie nur, wenn sie vielleicht Ihre Spargroschen, wie Generationen vor Ihnen, auf die hohe Kante gelegt haben. „Spare bei der Zeit. Dann hast du in der Not.“ So habe auch ich es noch von meinen Eltern und Großeltern gelernt. Dabei haben meine Großeltern und Urgroßeltern gleich zweimal, 1923 und 1948, durch die Hyper-Inflation und die Währungsreform die Entwertung ihrer Spargroschen erleben müssen.  Sparsamkeit und finanzielles Maß halten scheinen heute allerdings aus der Mode gekommen zu sein. Erst gestern las ich in der Zeitung, dass der Internationale Währungsfonds in seinem aktuellen Finanzmonitoring festgestellt hat, dass die weltweite Verschuldung der Staaten, der Unternehmen und der privaten Haushalte inzwischen auf 225 Prozent der tatsächlichen Wirtschaftsleistung gestiegen ist. Irgend jemand scheint da kräftig über seine Verhältnisse zu leben. Sind Sie es vielleicht? Ich bin es ganz sicher nicht. Ist es unsere i

Max Schmitz will mit seinem Engagement etwas zurückgeben

Diesmal stellen die Mülheimer Woche und das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) den ehrenamtlichen CBE-Mitarbeiter Max Schmitz vor. Der 21-jährige Maschinenbau-Student ist ein ungewöhnlicher Ehrenamtlicher. Denn anders, als die meisten seiner Kollegen steht er noch nicht am Ende, sondern erst am Anfang seines Berufslebens. „Ich habe mich von meiner Mutter inspirieren lassen, die sich ehrenamtlich in der Klassen- und in der Schulpflegschaft engagiert hat. Deshalb habe ich mich während meiner Schulzeit in der Schülervertretung engagiert“, schildert Schmitz seine ersten Erfahrungen mit ehrenamtlicher Arbeit. „Man knüpft interessante Kontakte und lernt etwas fürs Leben“, beschreibt er den Mehrwert seines aktuellen Engagements am Schulstandort Bruchstraße. Dort werden Flüchtlingskinder, sogenannte Seiteneinsteiger, an den regulären deutschen Schulunterricht herangeführt. Spielerischer Physikunterricht Teil ihres Unterrichtes ist zumindest für die sprachlich fortgeschritten

Heiland schmeiße Geld herunter

Gestern erschrak ich bei der Zeitungslektüre fast zu Tode. Da sollen die Grabstätten und ihre Pflege auf den städtischen Friedhöfen aus Kostengründen in die Innenbereiche verlegt werden, während die sterblichen Überreste der Verstorbenen auf den dann sich selbst überlassenen Außenbereichen verbleiben. Die Hinterbliebenen  würden dann also an Grabstätten ihren  Vorfahren gedenken, in denen diese gar nicht mehr liegen. Da drehen sich die Verstorbenen todsicher im Grab um und ihre Hinterbliebenen können es nicht glauben, welche Blüten die Haushaltskonsolidierung auf dem Friedhof treibt. Dass es auch nach dem Tod ums Geld geht und man sich das Sterben kaum noch leisten kann, lässt die christliche Hoffnung auf das Ewige Leben als Kontrastprogramm zum Jammertal des irdischen Materialismus in ganz neuem Licht erscheinen. Dieser Text erschien am 25. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Schüler sollen von Schülern digital lernen: 150 Berufsschüler des Berufskollegs Stadtmitte machten mit und stellten ihre Berufs-Videos bei einem Workshoptag an der Kluse jetzt 160 Pädagogen und der NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer vor

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Nur 13 Prozent der Schulen im Land haben schnelles Internet: NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer  (hier zu Gast am Berufskolleg Stadtmitte) will mit sechs Milliarden Euro dafür sorgen, dass es 100 Prozent werden. Lernen. Das hieß früher Lesen, dem Lehrer zuhören und aufschreiben. „Wenn ich mich heute über die Grundregeln der Hygienewissenschaft oder über die Krankheitsbilder von Diabetes oder Neurodermitis informieren möchte, rufe ich im Internet entsprechende Lehrvideos auf“, berichtet die angehende Krankenpflegerin Lena Märi Hellriegel. Ihre Mitschülerin und Kollegin Fiona Littmann schreibt sich lieber entsprechende Textstellen aus dem Internet heraus, während sich die angehende Sozialarbeiterin Kim Lorena-Gertsen mathematische Formeln auch gerne per Lehrvideo aus dem Internet erklären lässt. Die drei jungen Frauen, die das Berufskolleg Stadtmitte besuchen, haben sich zusammen mit 147 Mitschülern an dem von der Europäischen Union geförderten Lernprojekt Digital Insights – World

Viele Wege führen nach Mintard

Es ist die Frage unseres Lebens: Wie komme ich an mein Ziel. Mein Ziel war gestern Mintard. Gar nicht so leicht, wenn man mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs ist. Nah kann da ja so weit weg sein. Das fand auch die freundliche Dame von der Ruhrbahn, die sich redlich um eine Fahrplanauskunft bemühte. „Ich komme aus Essen und kenne mich in Mülheim nicht aus“, ließ sie mich wissen. Ob ich mein Ziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen würde? Ihr Rat: Fahren Sie von der Innenstadt mit dem Bus 133 bis Alte Straße oder mit der Bahn 102 bis Broich Friedhof und steigen dann in den Bus 134 nach Mintard um.  Das einzige Problem: Der 134er fährt aber nur im Stundentakt. Mit dem Prinzip Hoffnung im Gepäck machte ich mich auf den Weg zur Haltestelle in der Stadtmitte. Dort erlebte ich nach wenigen Minuten Wartezeit ein Nahverkehrswunder. Denn es fuhr ein Einsatzbus „Richtung Mintard“ vor. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. „Diese Linie die vormittags- und nachmittags für die Schul

Migration als Chance für das Ruhrgebiet?! Die Katholische Akademie und der Initiativkreis Ruhr gaben einen positiven Impuls für die Integrationsdebatte

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Auf dem Podium in der Wolfsburg: Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und Bärbel Berghoff vom Vorstand der RAG-Stiftung (oben), Man braucht nur durch die Stadt zu gehen, um zu sehen, das Mülheim bunter wird. Wird das unsere alternde Stadtgesellschaft stärken oder überfordern? Die Katholische Akademie und  der Initiativkreis Ruhr zeigten jetzt mit einer Diskussionsveranstaltung in der Wolfsburg auf, wie Zuwanderung zur Chance für das Ruhrgebiet werden könnte. Unter den Zuhörern waren auch Oberstufenschüler des Gymnasiums Broich, die sich im Rahmen ihres Erdkundeunterrichtes mit dem Strukturwandel im Ruhrgebiet beschäftigen. Sie hörten zum Beispiel Ruhrbischof Overbeck, der von der Politik in Bund und Land „einen langen Atem“ bei der Integration und mutige Investitionen in die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur forderte: „Wir brauchen hier neue Straßen und neue Wohnungen und eine Stärkung des Mittelstands, der mit neuen Jobs die Integrationsmaschine Arbeit anwirft“, sagte

Hundsgemeine Hitze

Straßenbahnfahren kann gefährlich sein. Vor allem dann, wenn dort ein Vierbeiner nach dem eigenen Hosenbein schnappt und aggressiv kläfft. Ich muss eine tierische Ausstrahlung haben, dass Bello oder Pfiffi, wir haben uns nicht namentlich vorgestellt, so emotional auf meinen Anblick reagiert. Oder hat der Kläffer schon mal schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht, so dass er eine Aversion gegen Journalisten entwickelt hätte?  Dabei bin ich mir keiner Schuld bewusst. Weder habe ich mich in der Zeitung über Hundehaufen beschwert. Noch habe ich an dieser Stelle eine Erhöhung der Hundesteuer oder die Einführung eines Veggie-Days für Hunde gefordert. Als ich die Straßenbahn verlasse und der Kläffer den nächsten Fahrgast anbellt und nach seinem Hosenbein schnappt, wird mir klar. Es muss die Hitze sein, die dem Hund aufs Gemüt geschlagen ist. Kein Wunder. Sind Sie mal bei fast 30 Grad in einem Pelzmantel unterwegs. So viel und schnell könnten sie gar nicht hecheln, dass sie wieder au

MWB-Jubilare: "Hier wird Zuverlässigkeit noch groß geschrieben!"

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Die MWB-Zentrale an der Friedrich-Ebert-Straße Dass ein Vermieter seine Mieter zu einem Jubilarsfrühstück einlädt, weil sie ihm 60, 50 oder 40 Jahre die Treue gehalten haben, ist auf dem heutigen Wohnungsmarkt ungewöhnlich. Doch die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB), die vor 120 Jahren von Arbeitern und Handwerkern als Selbsthilfeorganisation zur Behebung der Wohnungsnot gegründet wurde, ist auch kein gewöhnlicher Vermieter. Mit ihren rund 5000 Wohnungen ist die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft, diesen Namen trägt sie seit 1942, heute nach der SWB der zweitgrößte Vermieter der Stadt.  Aktuell baut die Genossenschaft unter anderem am neuen Stadtquartier Schloßstraße. Unweit dieser Baustelle lud die MWB jetzt zum Jubilarsfrühstück ins Café Leonoardo. „Sie sind bei der Genossenschaft, die sich als eine Vorteilsgemeinschaft versteht, nicht nur Mieter, sondern als Genossen auch Anteilseigner. Und deshalb werden wir als MWB auch in Zukunft weiter dafür arbeiten, dass Mensche

Ein Herz für Bienen

Auf diese Nachricht habe ich schon lange gewartet. Im Rathaus bildet sich eine Große Koalition zur Rettung der Bienen. Haben wir in unserer Stadt keine größeren Probleme, als uns um die Bienen zu kümmern?  Doch bitte, kein  vorschnelles Kopfschütteln. Die Bienen sind klein. Aber ihr ökologischer Wert ist groß. Denn sie produzieren nicht nur Honig, sondern erhalten mit ihrer regen Bestäubungsaktivität auch die Pflanzenvielfalt. Schon die Generalversammlung der Uno hat sich mit den ökologischen und ökonomischen Auswirkungen des weltweiten Bienensterbens beschäftigt. Da wurde es wirklich Zeit, dass sich der Rat der Stadt dieses existenziellen Themas annimmt. Bei der  Pflege ihrer Grünflächen, so die Idee eines Aktionsplanes, soll die Stadt keine Pestizide mehr einsetzen. Außerdem soll sie darauf achten, künftig mehr insektenfreundliche Pflanzen zu setzen und bienenfreundlichen Gärten mit Nisthilfen für Wildvögel anzulegen. Mir ist nur noch nicht ganz klar, ob auch die flotten Bienen

Konfessionelle Unterschiede: Wen interessiert das heute noch? Ein ökumenisches Gespräch im Haus der Stadtgeschichte

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Im Gespräch: Stadtdechant Michael Janßen (links) Superintendent Gerald Hillebrand und der Journalist Detlef Schönen. „Was hätte wohl Luther dazu gesagt?“ fragte sich Moderator Detlef Schönen, als er merkte, dass sich Stadtdechant Michael Janßen und Superintendent Gerald Hillebrand duzten, während sich die Repräsentanten der katholischen und evangelischen Stadtkirche ihre Gedanken darüber machten, „ob uns Luther und die Reformation heute noch jucken.“ Dass der Katholik Janßen, die protestantische Predigtkultur lobte und der Protestant Hillebrand die katholische Liturgie würdigte, überraschte nicht wirklich. Es war keine Diskussion, sondern ein Gespräch über den Stand der Kirchenspaltung, zu dem das Stadtarchiv ins Haus der Stadtgeschichte eingeladen hatte. Denn dort kann man noch bis zum 25. April die Ausstellung „Wortreich“ besuchen, die die Geschichte der Reformation in Mülheim erzählt. Das gut 90-minütige Gespräch zwischen Stadtdechant und Superintendent warf für die Zuhörer

Von wegen erste Sahne

Gestern wollte ich mir einmal, frei nach Udo Jürgen selig etwas gönnen, eine Kugel Eis, aber bitte mit Sahne. Ich hatte den cremigen Geschmack von Eis und Sahne schon im Mund. Doch kaum hatte ich den Eisbecher in der Hand, da fiel mir die Sahnekugel auf die Erde. Dummerweise hatte ich auch schon meine zwei Euro abgegeben, so dass ich auf keine Ersatzsahne spekulieren konnte. So musste ich, entgegen meiner lustvollen kulinarischen Erwartung, mit der puren Eiskugel Vorlieb nehmen. Wirklich ärgerlich, wenn einem selbst bei der Aussicht auf das kleinste Vergnügen ein Strich durch die Rechnung gemacht wird. Manchmal ist das Leben wirklich ungerecht. Doch als ich wenig später eine Hose anzog, die mir recht eng saß, obwohl ich vor kurzem noch locker in sie hineinschlüpfen konnte, musste ich einsehen. Manchmal ist das Leben eben auf den zweiten Blick weiser und vorausschauender als meine Wünsche. Vielleicht ist es am Ende ja wirklich so, dass es für uns Menschen nichts Schlimmeres gibt, als

Einkaufen, mal digital, mal analog

An dieser Stelle habe ich schon oft über Handys und Smartphones gelästert. Nicht ganz zu Unrecht, wie Sie zugeben müssen, wenn Sie auf der Straße die digitalen Schlafwandler sehen oder ihnen ausweichen, weil diese Zeitgenossen nur ihr Smartphone im Blick haben. Gestern musste ich mir aber eingestehen, dass die mobile Telekommunikation auch ihre Vorteile hat. Zum Beispiel beim Einkaufen. Gerade rechtzeitig klingelte mich meine Heimatbasis am auf dem Wochenmarkt an. „Bringst du bitte noch zehn Eier mit.“ Und als mir  zwischen den Supermarktregalen nicht mehr sicher war, ob es die Möhren aus der Dose  oder aus der Tiefkühltruhe sein sollten, reichte ein kurzer Anruf, um meine einkaufstechnische Wissenslücke zu schließen. Gut. Als ich wieder zuhause war, fielen Mutter und mir noch drei andere Dinge ein, die wir dringend bräuchten, so dass ich dann doch noch mal zur zweiten Einkaufstour aufbrechen musste. Man(n) ist eben nicht perfekt, wenn es ums Einkaufen geht. Aber im Prinzip können

Es war einmal: Die Hubertusburg an der Friedhofstraße in Speldorf

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Die Hubertusburg in den 1960er Jahren Foto: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr www.stadtarchiv-mh.de Ein Foto aus dem Stadtarchiv lässt uns auf die Hubertusburg an der Friedhofstraße 208 zurückschauen. Wir sehen die 1927 errichtete und 2012 abgerissene Hubertusburg, in der Zeit, als die ehemalige Hotel- und Ausflugsgaststätte zur Altentagesstätte geworden war. Wo Senioren zwischen 1962 und 2011 ihre Freizeit verbrachten, waren im Zweiten Weltkrieg Luftwaffenhelfer stationiert. Nach 1945 diente das Gebäude im Grünen als städtische Notunterkunft für Flüchtlinge aus dem deutschen Osten.  Als der Flüchtlingszustrom nach dem Berliner Mauerbau im August 1961 abebbte, sorgten der damalige Oberstadtdirektor Bernhard Witthaus und der damilige Oberbürgermeister Heinrich Thöne dafür, dass die vormalige Notunterkunft für 60 000 D-Mark (Das wären heute etwa 30 000 Euro) zur Altentagesstätte ungebaut wurde. Als die Hubertusburg am 28. Juni 1962 ihrer neuen Bestimmung übergeben wurde, sagte Thön

Werden wir klug

Zwei Todesanzeigen machten mich gestern nachdenklich. Da stand eine Frau von und zu in der Zeitung neben einem Herrn Prof. Dr. Beide hatten eines gemeinsam. Sie hatten das Zeitliche gesegnet. Auch ihr Adel und ihre akademischen Würden hatten den großen Gleichmacher, namens Tod, nicht davon abgehalten, sie aus dem Leben zu reißen. Ob sie ein reiches Leben geführt haben, an das sich auch Zeitgenossen, Freunde und Familienangehörige gerne erinnern?  Man weiß es nicht. Sicher ist nur, auch in ihrer eigenen letzten Erinnerung wird sich der Reichtum ihres Lebens nicht an ihren Titeln oder an ihren Kontostand festgemacht haben. Werden wir also lieber heute als morgen klug und gedenken vor der Zeit, dass wir sterblich sind, damit wir nicht nur aus dem heutigen Tag das Beste machen und mit Erlebnissen und Eindrücken Lebenserinnerungen schaffen, an die nicht nur wir uns gerne erinnern, weil sie nicht nur unser eigenes Leben reich und lebenswert gemacht haben. Dann ergibt sich unser Nachruf von

Platz in der Herberge Die Speldorferin Imke Alers berichtet über ihre Erfahrungen als Gast-Mutter eines syrischen Flüchtlings

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Imke Alers und ihre gastfreundliche Familie Foto: privat Imke Alers hält ein schönes Foto in Händen. Gemacht hat es der Fotograf der Duisburger Philharmoniker, bei denen die 56-jährige Speldorferin Oboe spielt. Es zeigt sie zusammen mit dem syrischen Mitt-Zwanziger Mustafa. Es zeigt zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Welten kommen und doch vertraut miteinander sind. Auf dem Foto, das Mustafa mit Rücksicht auf seine noch in Syrien lebenden Eltern ebenso wenig in der Zeitung sehen möchte, wie seinen richtigen Namen, zeigt einen jungen Mann mit freundlichen und ernsten Augen und eine reife Frau, der man ansieht, dass sie weiß, was sie will und wo es im Leben lang geht. Die Vertrautheit der Beiden hat mit den vier Monaten (von August bis Dezember 2015) zu tun, in denen Mustafa nach seiner Flucht aus Syrien und einer Zwischenstation in Brandenburg bei der Familie Alers am Raffelberg und damit auch in seinem deutschen Exil ankam. Dass der studierte Pharmazeut, d

Politik mit Beilage

Viele Menschen sehen Politik als Schwarzbrot an. Manchmal ist sie aber auch mehr. Die CDU bewirtete jetzt die 220 Gäste ihres Frühlingsempfanges mit Gemüsesuppe und Vollkornschnittchen. Sage noch einer, Politik habe keinen Nährwert. Haushaltsmisere, Flächenmangel, Grund- und Gewerbesteuersätze, Integrationskostenpauschale. Diese schwere Kost wollte die christliche Volkspartei ihren Gästen nicht auf nüchternen Magen zumuten. Sie weiß: Auch christliche Nächstenliebe geht durch den Magen, auch wenn es in diesem Fall nicht die biblische Speisung der 5000 war. Doch die Bürgerinnen und Bürger, die sich am Buffet der politischen Partei labten, sollten sich keinen Illusionen hingeben. Am Ende müssen sie auch als Steuerzahler die Suppe auslöffeln, die ihnen in den politischen Küchenkabinetten eingebrockt worden ist, ob ihnen die politische Rezeptur nun schmeckt oder nicht. Insofern war das Buffet beim Frühlingsempfang, zu dem die CDU in die Stadthalle eingeladen hatte, nur ein vorgezogene

Vom Klassenzimmer in den Ratssaal: Sechstklässler der Karl-Ziegler-Schüler debattierten über das Für und Wider des Schwimmens in der Ruhr: Die Entscheidung fiel ihnen am schwersten

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Bürgermeisterin Margarete Wietelmann eröffnete und leitete die Schülerratssitzung zum Thema Schwimmen in der Ruhr - Ja oder Nein? Soll man in der Ruhr schwimmen dürfen oder nicht? Die Frage, die die Ratsmitglieder noch nicht beantwortet haben, haben 60 Sechstklässler der Karl-Ziegler-Schule gestern bei einem parlamentarischen Planspiel denkbar knapp, nämlich bei Stimmengleichheit abgelehnt. „Wenn ein Antrag keine Mehrheit bekommen hat, ist er abgelehnt und kann erst nach sechs Monaten erneut beraten werden“, klärte Annette Lostermann-DeNil die Nachwuchsparlamentarier auf. Die Frau, die die „außerordentliche“ Ratssitzung in Sachen Ruhr zusammen mit Bürgermeisterin Margarete Wietelmann und ihren Politik-Lehrer-Kollegen Felix Schwechten leitete, weiß Bescheid. Sie saß viele Jahre für die Grünen im Rat der Stadt. Die Karl-Ziegler-Schüler gingen gut vorbereitet in ihre Ratssitzung. Praktisch und theoretisch, etwa durch eine Ruhr-Exkursion, hatten sie sich zusammen mit Stefanie Krohn

"Wir müssen das Arbeiten und Wohnen miteinander versöhnen"

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Von links: Astrid Timmermann-Fechter, Josef Hovenjürgen und Christina Kaldenhoff "Wir wollen mit Ihnen ins Gespräch kommen, weil wir uns als Volkspartei für alle Bürgerinnen und Bürger verantwortlich fühlen", betonte die CDU-Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter beim gut besuchten Frühlingsempfang, zu dem ihre Partei Mülheimer aus allen Bereichen der Bürgerschaft in die Stadthalle eingeladen hatte. Timmermann-Fechter, die bis zum September letzten Jahres dem Bundestag angehört hatte, lobte die neue Bundesregierung aus Union und SPD dafür, insgesamt 46 Milliarden Euro für den Ausbau der sozialen und wirtschaftlichen Infrastruktur bereitgestellt zu haben. Davon profitierten auch die Kommunen. Generalsekretär als Gastredner Der Generalsekretär der Landes-CDU, Josef Hovenjürgen und Mülheims CDU-Fraktionschefin waren sich einig darin, dass die Städte im Ruhrgebiet als Wirtschaftsstandort im regionalen Vergleich solange nicht wettbewerbsfähig seien, wie ihre Grund- u

Bewährungsprobe Einkauf

Wenn Er und Sie einkaufen gehen, bewegen sich beide in unterschiedlichen Welten. Das konnte ich jetzt miterleben. Während Sie noch ihre Blicke durch die Regalreihen  und über ihren Einkaufszettel schweifen ließ, drängte es Ihn mit seinem halbvollen Einkaufswagen schon zur Kasse. Während Sie in aller Ruhe den Markt der Einkaufsmöglichkeiten scannte, ließ sein gehetzter Blick erkennen, dass er den Einkauf als lästige Pflicht lieber jetzt als gleich hinter sich bringen wollte. „Das ist ja mit dir beim Einkaufen nicht auszuhalten“, ließ Sie ihren Gatten wissen, der sich krampfhaft an seinem Einkaufswagen festhielt. Wenig später sah ich das zerstrittene Einkaufstandem wieder.  Vom Einkaufsstress befreit, machte Er jetzt einen erheblich gelasseneren Eindruck und warf den jungen Lions, die zwischen zwei Supermärkten Lebensmittel für die Mülheimer Tafel sammelten, bereitwillig eines seiner mühsam ergatterten Einkaufsgüter in den Spendenwagen. Seine bessere Hälfte lächelte ihm milde zu und st

Ein Mülheimer Rückblick auf das Drei-Kaiser-Jahr 1888

Einen interessanten Einblick in das Mülheim des Drei-Kaiser-Jahres 1888 gewährte Stadtarchivar Kai Rawe zum Auftakt der neuen Reihe zur Mülheimer Geschichte. Er konfrontierte seine Zuhörer im Haus der Stadtgeschichte mit einem Personenkult rund um die drei deutschen Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II., die 1888 einander auf den Hohenzollernthron folgten, der für heutige Gemüter unvorstellbar anmutet. So begrüßte die Mülheimer Zeitung den neuen Kaiser Wilhelm II., der „Deutschland herrlichen Zeiten entgegenführen wollte“, mit einem Huldigungsgedicht auf ihrer Titelseite. Kaum nachvollziehbar ist auch, dass nach dem Tode der Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. alle Geschäfte schlossen, die Straßenlaternen mit Trauerflor dekoriert wurden und ein 14-tägigiges Trauergeläut, jeweils zwischen 12 und 13 Uhr, angeordnet wurde. 1888, das damalige Adressbuch zeigte es, gab es im etwas mehr als 25.000 Einwohner zählenden Mülheim, erstaunlicherweise 80 Bäcker, 19 Fischhändler, 1

Ein Hauch vom Glück

Gestern erlebte ich ein Hauch vom Glück. Nicht das ich im Lotto gewonnen oder einen lukrativen Auftrag bekommen hätte. Auf all das kann man unter Umständen lange warten. Aber der Frühling ist jetzt da. Als ich mit meiner Mutter die Schloßstraße bergauf und bergab ging, wärmte uns die Sonne und ein laues Lüftchen fuhr uns durch die Haare, während  wir  uns über ein lachendes Mädchen freuten das uns strahlend entgegenkam und in einem Schaufenster den letzten Osterhasen begutachteten, der inmitten einer Terrassenausstattung auf seinen Abtransport wartete. Nicht nur Osterfeiertage gehen so schnell vorbei. Zeit, die Zeit zu nutzen, um zu genießen, was uns gratis von der Natur und von den freundlicheren und fröhlicheren Zeitgenossen unter unseren Mitmenschen geboten wird. Das fühlt sich nach echtem Leben an, wenn man mit offenen Augen und wachsen Sinn durch das ganz normale Leben geht, das gerade in seinen Kleinigkeiten großartig sein kann. Das große Glück der kleinen schönen, weil leben

Wo die Mieter heute der Schuh drückt Mieterschutz-Anwalt Harald Bartnik sieht einen Wandel des Wohungsmarktes zugunsten der Vermieter

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Harald Bartnik an seinem Arbeitsplatz 100 Jahre nach der Gründung des ersten Mülheimer Mieterschutzvereins, fragen wir den Geschäftsführer des an der Schloßstraße 26 ansässigen Mieterschutzbundes, Rechtsanwalt Harald Bartnik, welche mietrechtlichen Probleme er heute für seine aktuell 8000 Vereinsmitglieder zu bearbeiten hat. Wo drückt ihre Mitglieder der Schuh? Bartnik: Der Klassiker sind die Nebenkostenabrechnungen für Strom, Wasser und Heizung. Hinzu kommen Feuchtigkeitsschäden, die vor allem dadurch entstehen, dass Hauseingentümer ihre in den 50er, 60er und 70er Jahren errichteten Häuser energetisch nicht modernisieren können oder nicht modernisieren wollen. Aber auch ungerechtfertigte Mieterhöhungen jenseits der Grenzen des örtlichen Mietspiegels und Wohnungskündigungen wegen vermeintlichen Eigenbedarfs sorgen regelmäßig für Ärger. Haben wir derzeit einen Mieter- oder einen Vermietermarkt? Bartnik: Das kippt gerade. Bisher hatten wir viele leerstehende Wohnungen. Da konnt

Fußball in der Fußgängerzone

Als ich noch in dem Alter war, in dem ich ein Fußballtrikot anzog und mir einen Ball schnappte, um mit meinem Freund Kendrik zu kicken, gab es für uns kein schöneres Fußballfeld als die Wiesen der Ruhranlagen. Gut. Ein Fußballtor hatten wir dort nicht. Das mussten wir uns zwischen den Bäumen denken oder mit Jacken, Taschen oder Beuteln auf der  Wiese markieren.  Bewegung und frische Luft, Das machte Lust aufs Abendbrot. Heute scheinen viele Kinder und Jugendliche Angst davor zu haben. Wenn sie noch Fußball spielen und nicht mit ihrem Smartphone oder ihrem Computerspiel abhängen, suchen sie sich dafür keine Wiese im Grünen, sondern bevorzugen das harte Pflaster der mehr oder minder belebten Schloßstraße. Zwischen Fußgängern, Radfahrern und Lieferwagen zu kicken, das wäre uns früher zu blöd gewesen, schon allein wegen der Verletzungsgefahr bei der einen oder anderen Torwart-Parade oder dem einen oder anderen Fallrückzieher. Sicher. Auch die Straßenkicker, die über ihre Spiel jeden

Verein für Kinder und Jugendarbeit sorgt für 120 neue Kita-Plätze

Weil die Geburtenzahlen wieder ansteigen, braucht die Stadt mehr Kindertagesstättenplätze. Im Vorjahr musste Jugendamtsleiterin Lydia Schallwig einräumen, dass nur 42,5 Prozent aller Unter-Drei-Jährigen, die seit 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz haben, diesen Anspruch auch tatsächlich erfüllt bekommen konnten. Mit dem Spatenstich für eine neues Kinderhaus, in dem ab Frühjahr 2019 rund 120 Kinder betreut werden, hat der in Essen und Mülheim aktive Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet (VKJ) ein Signal der Entspannung gesetzt. Der 1970 gegründete Verein hat sich das Ziel gesetzt, die Lebens- und Bildungschancen von Kindern in schwierigen Lebenssituationen zu verbessern. Viel Platz für die kleinen Stifte Das Kinderhaus der "Kleinen Stifte", das der Verein jetzt an der Bruchstraße 83 von der Dekon Bau- und Immobilienentwicklungsgesellschaft errichten lässt, wird sein viertes Kinderhaus in Mülheim sein. Dort werden, verteilt auf

CBE: Starthelfer kommen mit Flüchtlingen ins Gespräch

Sie sollen die deutsche Sprache erlernen. Das erwarten Einheimische von den Flüchtlingen. „Es ist gar nicht so leicht, auf fremde Menschen und Gruppen zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen“ sagt der syrische Abiturient, Yazan Alzoubie, in erstaunlich gutem Deutsch. Der junge Syrer, der vor einem Jahr nach Mülheim kam, besucht zurzeit einen Sprachkurs und hat gute Chancen, im August eine Ausbildung als Wirtschaftsinformatiker beginnen zu können. In die Alltagssprache eintauchen Um ganz praktisch in die deutsche Alltagssprache eintauchen zu können, hat das Centrum für bürgerschaftliches Engagement ihm mit. Markus Wisniewski einen seiner bisher 100 Starthelfer an die Seite gestellt. Der 21-Jährige absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst beim CBE. „Es war ein schönes Gefühl, zusammen mit Yazan die Stadt zu erkunden und zum Beispiel das Rathaus und das Fundbüro zu besuchen. Außerdem habe ich bei unseren Gesprächen festgestellt, dass wir trotz aller Unterschiede als Geschwis