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Mittwoch, 8. April 2026

Kunst bildet

Die Mülheimer Künstlerin Ronja Nekes hat das ehemalige Naturfreundehaus nicht nur zu ihrem Lebens- und Arbeitsplatz, sondern auch zu einem Centrum für Freiraum umgebaut. Zuletzt war sie dort Gastgeberin eines Art-Xplore-Workshops den die Malerinnen Claudia Desgranges und Lara Kaiserfür sieben junge und kreative Künstlerinnen zwischen 14 und 17 Jahren gaben. Möglich gemacht hatten den Workshop der Ruhepreisträger Dirk Salz und seine Frau Inge mit ihrer Kulturstiftung. "Es geht uns nicht nur um Malen und Zeichnen, sondern um kulturelle Bildung und den Mut, auch mal einen anderen Blick auf die Welt zu werfen, der das Leben nicht nur nach Geld und Zahlen bewertet", erklärt der im Uhlenhorst wohnende und an der Aktienstraße arbeitende Maler Dirk Salz die Motivation seiner Stiftung. 

Deshalb soll der von Mal-Profis geleitete Workshop in Rona Nekes Centrum für Freiraum im Juli und Oktober 2026 mit Alexander und Maja Voß sowie mit Frauke Wilken und Marie Spellenberg eine Fortsetzung erfahren.

Nach ihrem persönlichen Mehrwert befragt, sprechen die Teilnehmerinnen von der inspirieren Arbeit mit professionellen Malerinnen und gleichgesinnten Gleichaltrigen, die Ihnen neue Perspektiven und den Mut zur künstlerischen Improvisation, Spontanität und Experimentierfreude vermittelt hätten. Keine Frage, dass am Ende des dreitägigen Workshops am Böllrodt in Raadt Rufnummern ausgetauscht und neue Netzwerke gebildet wurden.


Mittwoch, 1. April 2026

Die Stadthalle heute

 Die Mülheimer Stadthalle am Broicher Ruhrufer wird seit 2001 von der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft MST gemanagt. Deren Geschäfte werden aktuell von Michael Birr geführt. Er muss damit auch die Millionen-Investitionen verantworten, die notwendig sind um das 100 Jahre alte Gebäude instand zuhalten, in dem Theateraufführungen, Konzerte, Kongresse, Empfänge und andere Veranstaltungen über die Bühne gehen. 

Im Gespräch, das ich für die Lokalredaktion führen konnte, verwies er auf steigende Personal- und Energiekosten, aber auch auf die finanzielle Förderung, die der Stadthallenbetrieb durch das Land Nordrhein-Westfalen und seinen Partner Westenergie erhält, aber auch auf einen 40-prozentigen Mietrabatt, den die MST gemeinnützigen Organisationen für Ihre Veranstaltungen in der Stadthalle gewährt.

Die Restaurierung der Stadthallenarkaden, eine neue Verglasung, eine neue Tonanlage und eine neue LED-Beleuchtung für den 1073 Gästen Platz bietenden Theatersaal, der über eine 14 Meter breite Bühne verfügt, den Anschluss an das Glasfasernetz und das mit verbundene digitale Contentmanagement der Stadthalle und eine moderne Klima- und Energietechnik sind die aktuellen Baustellen des Stadthallenmanagements. 

Auf der Haben-Seite der Stadthalle hält Michael Birr die Tatsache fest, "dass die Stadthalle mit ihrer Lage an der Ruhr als Veranstaltungsort einen besonderen Charme hat und dass wir die Folgen der Corona-Pandemie heute nicht mehr spüren, weil die Menschen Kultur wieder live erleben wollen!" 

Sonntag, 15. März 2026

Bühnenreife Schule

Mit ihrer Musicalklasse hat die Gesamtschule Saarn ein echtes Alleinstellungsmerkmal. 110 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren haben jetzt ihre inzwischen 19. Musicalproduktion auf die Bühne gebracht und ihre neue Schulaula in einen kleinen Broadway verwandelt.

Nach der "School of Rock" haben die beiden Lehrer Stephanie von der Marwitz und Sebastian Klein mit ihren Nachwuchsstars "Anastasia" die Geschichte der jüngsten Zarentochter, auf die Bühne gebracht.

Wer die Generalprobe gesehen hat, staunt über die enorme Professionalität von Jugendlichen, die ihre Bühnenarbeit, inklusive des Textlernens und der Gesangsproben, neben ihrem Schulalltag bewältigen. Für die jungen Damen und Herren aus der Musicalklasse ist jeder Samstag ein Probetag. Und nach der Premiere ist vor der Premiere. Die Castings für die 20. Musicalproduktion laufen bereits.

Wer in einer Pause mit den jungen Darstellerinnen und Darstellern ins Gespräch kommt, spürt schnell ihren Enthusiasmus und ihre Energie, mit der sie alle Zeit und Arbeit vergessen lassen, die sie in das Projekt investieren. Einige der Schülerinnen und Schüler haben sich zuvor mit der Geschichte der letzten Zarenfamilie auseinandergesetzt, um ihre Rolle besser spielen zu können. Andere zeigen sich als kreative Schauspieltalente, die von einer zur nächsten Probe immer besser und intensiver in ihre Rolle hineinschlüpfen.

Einig sind sich die Schülerinnen und Schüler, dass ihre Gemeinschaftsarbeit an dem Projekt Musical, für Sie eine seelische Vitaminspritze par excellence ist, die ihrem Selbstwertgefühl und ihrem Selbstbewusstsein gut tun. Und sie lassen keinen Zweifel daran, dass sie sich anstrengen müssen und wollen, um das Eintrittsgeld ihres Publikums wert zu sein. Dieser gemeinsame Ehrgeiz lässt Lehrende und Lernende ihre Inszenierung immer wieder optimieren.

Dahinter steht aber nicht nur Ehrgeiz, sondern auch die materielle Notwendigkeit, die Produktionskosten von rund 30.000 Euro einspielen zu müssen, nicht nur durch den Verkauf von Eintrittskarten, sondern auch durch Catering und das Einwerben von Spenden und Sponsoring.

Denn bezahlt werden müssen die Aufführungsrechte und die via Internet gekauften Kostüme sowie  die Licht- Ton- und Bühnentechnik Allerdings kann das Musicalensemble der Gesamtschule Saarn bei ihren Requisiten auf die Marke Eigenbau zurückgreifen. Dem 3-D-Drucker von Sebastian Klein sei Dank. Klein, der als Musiklehrer auch den Schulchor leitet, ist unter anderem für das Gesangstraining des Ensembles sowie für die Ton- und Lichttechnik verantwortlich. Viel Geld wurde, dem Förderverein und den Sponsoren sei Dank, auch in eine moderne Videowand investiert. Mit ihrer Hilfe kann man die unterschiedlichsten Kulissenauf die Bühnenwand projizieren, was sich auf mehrere Produktionen hochgerechnet, schnell auszahlt und darüber hinaus ein sehr professionelles Theatererlebnis kreiert.

Am Ende bleibt bei dem begeisterten Zuschauer der Eindruck, dass man die eine oder andere Schülerin und den ein oder anderen Schüler später noch einmal auf der einen oder anderen Profibühne wiedersehen und wieder hören wird, dass aber auch die anderen Ensemblemitglieder, die nach ihrer Schulzeit einen anderen beruflichen Weg einschlagen werden, in der Musicalklasse ihrer Schule viel für die Rolle ihres Lebens gelernt haben. Denn hier werden ganz neben bei Sozialverhalten, Kreativität und Teamfähigkeit geschult. 

Mehr über die Gesamtschule Saarn erfährt man unter anderem hier. 

Samstag, 26. Oktober 2024

Kunst inklusive

 "Ab in die Mitte", heißt es noch bis Mitte Dezember bei der Jahresausstellung des inklusiven Vereins Art Obscura. Es geht dabei nicht nur um Mülheims Mitte, wo Art Obscura seit drei Jahren im Haus an der Georgstraße 26 sein Domizil hat, sondern auch darum, was es bedeutet, wenn wir vom Rand in die Mitte unserer Gesellschaft oder unserer sozialen Gruppe treten.

Mit Workshops, Werkschauen und Projekten bringt Art Obscura Menschen mit und ohne Handicap durch die Kunst zusammen. "Wer von uns hat eigentlich kein Handicap?" fragt sich in diesem Zusammenhang Vorstand Kirsten Uecker. Und ihr Vorstandskollege Gert Rudolph sieht das Anliegen von Art Obscura darin, allen Menschen, unabhängig von ihrem Handicap oder von ihrer Herkunft, die aktive Teilhabe an der Kunst zu ermöglichen." Seit Joseph Beuys wissen wir: "Jeder Mensch ist ein Künstler." 

Das zeigte auch die Vernissage im Art-Obscura-Haus der Georgstraße 26, bei dem es zum Auftakt eine Theaterperformance zu Smetanas Tondichtung "Die Moldau" zu sehen gab. 25 Kreative präsentieren bei der Jahresausstellung ihre Gemälde und Fotografien in ganz unterschiedlichen Stilrichtungen. 

"Die Kunst macht das Leben schön", sagt der 27-jährige Philipp, der unter anderem ein Paar gemalt hat, dass durch Venedig gondelt. Ernster geht es in Wolfgangs Bildern zu, die Krieg, Frieden und Umweltzerstörung thematisieren. "Ich bin ein politisch denkender Mensch und so male ich auch, weil ich damit zum Beispiel meine Gedanken aus der Birne herausbekommen kann", sagt der 71-Jährige, der mit seiner Frau im Fliednerdorf lebt und sein Leben, trotz einer seelischen Erkrankung, zu meistern versteht. Das gilt auch für den vor 64 Jahren mit einem Autismus geborenen Wulf.

"Mit meiner Kunst kann ich meine Welt anderen Menschen vermitteln", sagt der auch in der Arbeitsgemeinschaft Mülheimer Künstler aktive Maler, der uns mit seinen Bildern in fantastische Welten entführt.


Zum Verein Art Obscura

Donnerstag, 24. Oktober 2024

Preiswürdig

Die Stadt verrate ihn, die Sparkasse finanziert ihn mit einem Preisgeld von jeweils 3000 €. Auch in seinem 62. Jahrgang macht der Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft seinem Namen alle Ehre. In der Stadthalle werden am 1 Dezember Maria Neumann und Frank Neese für ihre Arbeit als Schauspielerin am Theater an der Ruhr und als Chemiker in der Grundlagenforschung am Max-Planck-Institut für Kohleforschung!  

Wie seiner Ko-Preisträgerin erlebt Neese, der seit 2001 in Mülheim lebt und arbeitet, seine Auszeichnung als Ansporn, "in meiner Arbeit nicht nachzulassen". Mit ihm, so Neese werde auch die Grundlagenforschung, die wir uns in Deutschland Gott sei dank immer noch leisten. "Denn das", so Neese, "was heute noch Grundlagenforschung ist, ist morgen schon Innovation und übermorgen Realität."

"Was ist der  Mensch?", nennt Maria Neumann die Frage, die an allem Anfang von Literatur und Theater steht. "Im Theater kann man authentisch und analog erleben was man mit seinem Smartphone nicht erleben kann, die lebendige Sprache als Erkenntnisprozess, was uns als Menschen ausmacht", betont Neumann.

Der Name des geschäftsführenden MPI-Direktors, Frank Neese, verbindet sich unter anderem mit einer Fachsoftware, mit deren Hilfe man chemische Grundlagenrechnungen erleichtert, womit sich auch Medikamente optimieren lassen. Die seit 1986 am Theater an der Ruhr wirkende Schauspielerin Maria Neumann hat sich als Sprachkünstlerin einen Namen gemacht, die es versteht, die in Szene gesetzte und gesprochene Literatur vom Märchen bis zum aktuellen Bühnenstück, auch Kindern und Jugendlichen altersgerecht zu vermitteln und sie damit für die Literatur, für die Sprache und für das Theater zu begeistern. Was ist eigentlich der Mensch?


Sonntag, 13. Oktober 2024

Das Ende einer Lebensreise

"Ich bekenne, ich habe gelebt." Die so betitelte Autobiografie des chilenischen Dichters und Nobelpreisträgers Pablo Neruda war nur ein Buch, das Wolfgang Hausmann seinem Publikum mehr als einmal vorgestellt hat.

Mit ihm konnte man auch in die Welt von Heinrich Heine, Wilhelm Busch, Kurt Tucholsky Mascha Koleko und Joachim Ringelnatz eintauchen. 

Das letzte Kapitel im indischen Leben von Wolfgang Hausmann ist geschrieben. Die Buchdeckel seiner Lebensgeschichte haben sich geschlossen.

Ein Monat vor seinem 73. Geburtstag ist Wolfgang Hausmann plötzlich und unerwartet verstorben. 1951 in Bochum geboren, fand er in der Heimaterde eine Wahlheimat, in die er seine Liebe zum geschriebene und gesprochenen Literatur mitbrachte, um sie seinen Nachbarn und Mitbürgerinnen und Mitbürgern zum Veranstalter und Rezitator von Lesungen und Konzerten nahezubringen.

Er machte sie nicht nur mit der deutschen und internationalen Literatur, sondern auch mit Wort- und Klangkünstlern, wie Oliver Steller und Lutz Görner bekannt. Bei Görner und Steller ging er als Rezitator in die Schule, um in ihrem Stile literarische und musikalische Abende in der Stadtteilbücherei Heißen, im MWB-Nachbarschaftshaus am Hingberg, im Kulturzentrum Fünte und zuletzt in der evangelischen Ladenkirche an der Kaiserstraße auf die Bühne zu bringen. "Die große Kunst mit ganz wenigen Worten ganz viel und vor allem das Wesentliche zu sagen und auf den Punkt zu bringen." Das war in den Worten von Wolfgang Hausmann der Kern seiner Begeisterung für die Literatur, deren Funke an seinen Literaturabenden auf sein Publikum über. Verdient und gemacht hat sich Hausmann nicht nur mit der Veranstaltungsreihe "Musik und Literatur in der Heimaterde", sondern auch mit der Lesung "verbrannter Autoren" am 10. Mai, die am Jahrestag der nationalsozialistische Bücherverbrennung über die Lesebühne ging. Für diese Veranstaltung, die abwechselnd vor dem und im Medienhaus am Synagogenplatz stattfand, fand er auch zahlreiche prominente Mülheimer Mitleser und Mitleserinnen. 

Mit Wolfgang Hausmann ist viel zu früh einer der belesensten  Bürger unserer Stadt in die Kulturgeschichte Mülheims eingegangen. 

Dienstag, 2. April 2024

Der Theatermann

 1 April 1934. Auf den Tag genau 119 Jahre nach Otto von Bismarck wird in Mailand Roberto Cuilli geboren. Der Name ist Musik, vor allem für Theaterfreunde. 1980 kommt er von Düsseldorf nach Mülheim, um hier das Theater an der Ruhr zu gründen. Am 19. November 1981 feiert das Theater an der Ruhr mit seiner Inszenierung von Frank Wedekinds „Lulu“ seine erste Premiere.

Seit 1981 spielt das Theater, das er bis heute mit dem Dramaturgen Dr. Helmut Schäfer führt, im ehemaligen Kurhaus des 1909 eröffneten und 1992 geschlossenen Solbades im Raffelbergpark. In dem Park, in dem früher Kurgäste verweilten, wird heute in den Weißen Sommer-Nächten Theater gespielt.

Schon in seiner Heimatstadt hat der promovierte Philosoph, der seine Doktorarbeit über den deutschen Philosophen Hegel geschrieben hat, mit Il Globo/Die Welt 1960 ein eigenes Theater gegründet. Auch mit dem Theater an der Ruhr hat Ciulli Grenzen überschritten und Grenzen überbrückt, zum Beispiel, wenn er 2003 mit Patienten aus der forensischen Psychiatrie in Langenfeld das Theaterstück: „Wie hast du geschlafen?“ inszenierte. Unter seiner Leitung tourte das Theater an der Ruhr seit 1983 durch bisher 38 Länder der Welt und war selbst Gastgeber internationaler Partnerensembles.

1965 kam der Italiener Roberto Ciulli nach Deutschland. Hier verdiente er zunächst als LKW-Fahrer und als Fabrikarbeiter seinen Lebensunterhalt, ehe er sich am Deutschen Theater in Göttingen zwischen 1965 und 1972 vom Bühnenarbeiter und Beleuchter über den Regieassistenten bis zum Regisseur und Schauspieler hocharbeitete. 1968 erlebte er mit der Inszenierung von: Federico Garcia Lorcas „Bernarda Albas Haus“. 1972 wechselte er vom Deutschen Theater Göttingen als Schauspieldirektor zum Kölner Schauspielhaus. Vom Rhein kam er 1980 an die Ruhr. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Mülheim an der Ruhr, sie stellte ein Startkapital von 535.000 Mark und eine Bürgschaft von 900.000 Mark zur Verfügung,  gründete er zusammen mit dem Dramaturgen Helmut Schäfer und dem inzwischen verstorbenen Bühnenbildner Gralf-Edzard Habben das Theater an der Ruhr als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 20 Schauspielerinnen und Schauspieler gehören 1981 zum ersten Ensemble des Theaters an der Ruhr. Sie richten das alte Kurhaus für den Spielbetrieb her. Als „Theater ohne Wenn und Aber“ beschreibt Roberto Ciulli 1981 sein Konzept. Bis heute werden, diesem Leitbild Ciullis folgend,  auf der Theaterbühne im Raffelbergpark Klassiker in zeitgemäßer Form inszeniert. Sein Publikum, das er immer persönlich begrüßt, wenn er seine Eintrittskarten abreist, kennt Roberto Ciulli nicht nur als Regisseur und Schauspieler, sondern auch als Gastgeber zahlreicher Matineen und politischer Salons im Theater an der Ruhr.

Für seine Verdienste ist „der letzte Theaterprinzipal Deutschlands“, wie ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Beitrag zu seinem 90. Geburtstag genannt hat, ist Roberto Ciulli unter anderem mit dem Ehrenring der Stadt Mülheim, mit dem Ehrenpreis der Bürgergesellschaft Mausefalle, mit dem Bundesverdienstkreuz, mit dem polnischen Kulturpreis, dem Deutschen Kritikerpreis,mit  dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und mit dem Deutschen Theaterpreis ausgezeichnet worden. Die Theaterkritikerin Christine Dössel, die für die Süddeutsche Zeitung mit Roberto Ciulli jüngst ein Geburtstagsinterview geführt hat, schreibt über ihn: „Ciullis Inszenierungen bewegen sich zwischen Poesie, Clownerie und Gesellschaftskritik, sind immer auch Selbstfeier und kultisches Fest.“

Zusammen mit den 1976 begründeten Mülheimer Theatertagen hat das von Roberto Ciulli geleitete Theater an der Ruhr Mülheim bundesweit als Stadt des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters bekannt gemacht.

Zum Autor & Zum Theater an der Ruhr

Donnerstag, 28. Dezember 2023

Asterix und Obelix lassen grüßen

 Kultur funktioniert auch ohne Kommerz. Das beweisen die Regler seit 20 Jahren in der Freilichtbühne an der Dimbeck. Seit zehn Jahren managen sie dort den Bühnenbetrieb. Chefregler Hans Uwe Koch, der selbst aus der Musikszene kommt, spricht angesichts der 250 eingeschriebenen Regler und ihrer etwa 25 aktiven Helfer und Helfershelfer mit einem Augenzwinkern von einem "gallischen Dorf" in einer weitgehend kommerziellen oder steuerfinanzierten Kulturlandschaft. Asterix und Obelix lassen grüßen.

Allein in der zurückliegenden Spielzeit haben die Regler 62 Kulturveranstaltungen über die 1936 eröffnete Freilichtnühne gehen lassen und damit 65.000 Besucher begeistert. Konzerte unterschiedlicher Musikrichtungen, Theater, Comedy, Feste, Lichtkunst und naturwissenschaftliche Experimentalshows. "Wir sind auf kein Genere festlegt", erklärt Hans Uwe Koch einen Startvorteil der Regler.

Einen weiteren Vorteil sieht er darin, "dass wir keine finanziellen Entscheidungsschranken aufrichten und damit kulturinteressierte Menschen ausschließen und statt dessen auf den Hut spielen."

Statt festgelegter Eintrittsgelder gilt bei Veranstaltungen in der Freilichtbühne: "Der Hut geht rum!" Jeder Gast gibt, was er will. Dass 2023 auf dieser Geschäftsgrundlage 148 Künstler aus dem In- und Ausland in der Freilichtbühne aufgetreten sind, spricht für den Erfolg des Systems.

"Die Menschen sind offener. Sie kommen ohne festgelegte Erwartungshaltung und lassen sich deshalb auch positiv überraschen", beschreibt Koch das Erfolgsrezept des Der-Hut-geht-rum-Prinzips.

Allerdings lässt er auch keinen Zweifel daran, dass der Kultur Freilichtbühne, der seine historischen Höhepunkte als Theater- und Orchesterbühne in den 1950er Jahren und als Schauplatz der Karl-May-Festspiele im Sommer 1971 erlebte, nicht nur mithilfe des kreisenden Hutes und des Ehrenamtes funktioniert. Ohne Sponsoren aus der lokalen und regionalen Wirtschaft, siehe: Regler Produktion e.V. | Freilichtbühne Mülheim an der Ruhr – OpenAir Germany (wordpress.com), die die Regler mit Geld- und Sachleistungen unterstützen, wäre die Kulturlandschaft in der grünen Innenstadt-Oase nicht aufrechtzuerhalten.


 Autor

Donnerstag, 21. Dezember 2023

Da ist Musik drin

 "Kinder, die Geige spielen, werfen keine Steine!" An diese Worte der 2023 verstorbenen Kulturpolitikerin Renate Sommer musste ich denken, als ich am Vorabend des dritten Adventes als einer von 1000 Menschen im Theatersaal der Stadthalle das großartige und musikalisch vielseitige Weihnachtskonzert der Musikschule miterleben und darüber in der Mülheimer Presse berichten durfte. Musik verbindet Generationen. 

Das konnte man an diesem wohltuenden Konzertabend auf der Bühne und im Auditorium der Stadthalle sehen und hören. "Wie hätten wir unser Jubiläumsjahr besser ausklingen lassen können, als mit einem Weihnachtskonzert!", stellte Musikschulleiterin Celia Spielmann während einer Konzertpause fest. Das gut zweistündige Konzert, bei dem rund 90 Musizierende auf der Bühne stand und vier von ihnen auch als Moderatoren von sich hören ließen, war nicht nur ein schöner Ausklang der 1953 gegründeten Musikschule, sondern auch eine denkbar gute Einstimmung auf das Weihnachtsfest. 

Darüber hinaus zeigte das von Ruth Ansorge geleitete Concertino, das von Maximilian Becker geleitete Blasorchester und das von Hyun Sun Kwon geleitete Sinfonieorchesters, dass die 28.000 Euro, die der Förderkreis der städtischen Musikschule allein während des Jubiläumsjahres in Instrumente und Probenwochenenden investiert hat, bestens angelegt waren.


Musikschule der Stadt Mülheim an der Ruhr


Über mich

Montag, 30. Oktober 2023

Kölsche Töne

Kurz vor ihrem Auftritt in der Stadthalle traf ich für die Lokalredaktion den Sänger der Höhner, Patrick Lück, und deren Saxophonisten Jens Streifling auf ein Wort.

Was verbindet die Mülheimer an der Ruhr mit den Köln-Mülheimern am Rhein?

Patrick Lück: Neben dem Namen das kölsche Karnevalsgefühl und die Musik, in der dieses Gefühl des gemeinsamen Feierns zum Ausdruck kommt. Je nachdem, wie die Leute hier heute drauf sind, können wir Mülheim an der Ruhr nachher als 87. Kölner Stadtteil eingemeinden.

Kann man auch in Kriegs- und Krisenzeiten Spaß an der Freude haben und Karnevalslieder singen?

Jens Streifling: Auf jeden Fall. Denn man braucht den Mut und die Energie, um auch anderen Menschen zu zeigen: Wir lassen uns von all dem Schlechten nicht unterkriegen. Man muss feiern, um einen Ausgleich zu seinen Alltagssorgen zu finden. Deshalb sagen und singen wir ja auch: „Komm, lass und feiern!“ Das heißt aber nicht, dass wir an den Sorgen, über die wir uns ja auch unterhalten, einfach vorbeischunkeln.

Warum wird eine kölsche Band, wie die Höhner, mit ihren Liedern in der ganzen Republik und auch jenseits der Fünften Jahreszeit von den Menschen verstanden und gefeiert?

Patrick Lück: Das kölsche Lebensgefühl, das nicht nur im Karneval zum Ausdruck kommt, heißt Lebensfreude. Und das gefällt Menschen überall.

Jens Streiflinger: Die Menschen gehen nicht nur mit unseren Liedern durchs Jahr. Und deshalb gibt es das ganze Jahr über in vielen deutschen Städten kölsche Konzertabende, bei denen wir dann auch gerne mitmachen. 

 Ein Gefühl wie Karneval. Das zauberten die Höhner am Donnerstagabend im Theatersaal der Stadthalle auf die Bühne. Zwei Wochen vor dem 11.11. zeigten sich 400 zahlende und feiernde Höhner-Fans in ausgelassener Partylaune. Sobald das Licht im Theatersaal ausging und man die begeisterten Menschen aus allen Generationen mitsingen und zum Teil sogar mittanzen sah, konnte man vergessen, dass nicht alle der gut 1000 Sitzplätze im Theatersaal an diesem Abend besetzt waren. „Die Zahl der Konzertbesucher ist doch nicht entscheidend. Wichtig sind nur die, die da sind und die Spaß an der tollen Musik haben und deshalb auch richtig mitgehen“, fand eine Konzertbesucherin in der Pause.  Das sah auch ihre Freundin so: „Die Höhner heute hier in der Stadthalle und nicht in der Köln-Arena zu erleben, ist doch viel familiärer.“

Die meisten Höhner-Fans hielten es mit dem Keyboarder und Akkordeonisten Micky Schläger: „Das wird heute ein sportlicher Abend. Sitzen bleiben lohnt sich nicht.“

Nicht nur Manfred Friedrich war in den kölschen Stadtfarben zum Höhner-Konzert angetreten. Dem Sextett auf der Bühne gefiel es, dass ihr Mülheimer Publikum nicht mit seinem Dress-Code Farbe bekannte, sondern auch gesangstechnisch immer mehr von Ruhris zu Rheinländern mutierten, egal, ob bei: „Schenk mir dein ganzes Herz“, „Viva Colonia“, „Du bist für mich die Nummer Eins“ oder: „Die Karawane zieht weiter!“

Sänger Patrick Lück meinte am späten Konzertabend, der nach mehr als zweieinhalb Stunden und drei Zugaben ausklang: „Ihr macht Stimmung für 3000. Und wir sind froh, dass wir heute bei euch sein können. Dieses Konzert ist für uns ein großer Glücksmoment.“

Je länger das Konzert, mit seinen fröhlichen, romantischen, kritischen und sehnsuchtsvollen Liedern über Liebe, Leben, Leidenschaft, Lebensfreude, Lebensmut, Frieden und Toleranz, dauerte, desto mehr verschmolzen Musiker und Publikum zur musikalischen und emotionalen Einheit. Nach dem letzten Akkord fand nicht nur der rot-weiß-gewandete Höhner und 1.FC-Köln-Fan Manfred Friedrich: „Das war einfach eine tolle Show, bei der der Funke übergesprungen ist, weil bei den Höhnern nicht nur der Sound, sondern auch die Botschaft ihrer Lieder stimmt. Für die einzigen Misstöne des Abends sorgten zwei junge Damen in Reihe 6, die glaubten, ihre Begeisterung immer wieder mit schrillem und penetrantem Pfeifen zum Ausdruck bringen zu müssen und damit rücksichtslos die Trommelfelle ihrer Publikumsnachbarn auf das ärgste und unverschämteste strapazierten.


Die Höhner & Mülheimer Presse & Über mich

Sonntag, 22. Oktober 2023

Reden wir über Jazz

 Warum Mülheim zu einem Hotspot der deutschen Jazz-Szene geworden ist und wie die Mülheimer Woodhouse-Band zum ältesten Jazzensemble der Republik werden konnte. Vor dem Jubiläumskonzert, das im Mülheimer Jazzclub über die Bühne geht, traf die Lokalredaktion den Posaunisten und Bandmanager Horst Janßen zum Gespräch.

Auch mit 80 stehen Sie noch auf der Bühne. Hält Jazz jung?

Horst Janßen: Ich denke schon. Auch wenn ich gute Gene habe, hält mich der Jazz jung, weil Musik Glückshormone produziert.

Wie funktioniert das?

Horst Janßen: Manche sagen, es wäre, wie ein Orgasmus. Es ist schwer zu beschreiben, aber es ist so. Wenn wir als Band auf der Bühne zusammen Swing, Blues, Latin oder Bossa spielen, schweben wir als Band auf einer Wolke. Das hat nicht nur mit dem Applaus des Publikums zu tun. Der kommt noch dazu und sorgt dafür, dass man sich gut fühlt.

Sind die Bandmitglieder Profis?

Horst Janßen: Vier der sechs Bandmitglieder leben von ihrer Musik. Die anderen sind, wie ich Rentner. Aufgrund meiner beruflichen Vergangenheit als Vetriebsmann habe ich das Management der Band übernommen.

Sie spielen seit 1962 als Posaunist in der Band. Wie kam es dazu?

Horst Janßen: Ich bin im Luistental aufgewachsen. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich am Wasserbahnhof drei Bands mit Dixieland-Jazz gehört. Eine der Bands war das Woodhouse-Ensemble. Das hat mich so begeistert das ich unbedingt in dieser Band mitspielen wollte. Zwei Jahre später habe ich mir eine gebrauchte Posaune gekauft und mir, mithilfe meines musikalischen Gehörs, ohne Notenkenntnisse, das Posaunenspiel beigebracht. Mit 19 war ich dann so weit, dass ich bei den Woodhouse-Jazzern einsteigen konnte.

Für Sie ist der Jazz der Sound Ihrer Generation.

Horst Janßen: Jede Generation will ihre eigene Musik haben. Bei uns war es der Jazz, den unsere Alten noch als Räuber- und Negermusik diffamiert haben. Heute wollen selbst junge studierte Jazzmusiker nicht mehr Glenn Miller, Benny Goodman, Duke Ellington, Count Basie, Tommy Dorsey oder Ella Fitzgerald spielen und singen. Deshalb haben sich unsere Konzertanfragen in den vergangenen fünf Jahren auch halbiert.

Wie ist Woodhouse entstanden und wie kam die Band zu ihrem Namen?

Horst Janßen: Die Initiative zur Bandgründung ging von Helmut Schlitt aus, der als Mitglied eines Styrumer Posaunenkorps bereits musikalische Erfahrungen gesammelt hatte. Helmut Schlitt, nach dem heute die Brücke zwischen Hingberg und Forum benannt ist, war, wie die anderen Bandgründer damals Schüler des Otto-Pankok-Gymnasiums, die, wie er gerne Jazz hörten und jetzt selbst Jazz machen wollten. Und weil der Vater des damaligen Schlagzeugers, Henk Piek, der Band ein Holzhaus im Uhlenhorst als Probenquartier besorgt hat, nannte man sich Woodgouse Jazzband.

Wie ist die Erfolgsgeschichte der Woodhouse Jazzband zu erklären?

Horst Janßen: In der jungen Bundesrepublik gründeten sich viele Jazzbands. Damals gab es auch noch mehr Festivals, auf denen Jazzbands spielen und bekannt werden konnten. Manches ergab sich auch durch persönliche Beziehungen. So hat Helmut Schlitt, der ab 1959 bei Euratom in Italien arbeitete, in Mailand eine eigene Jazzband, die Miliano Jazz Gang gegründet, und am Lago Magore ein Jazzfestival organisiert, bei dem natürlich auch die Woodhouse Jazzband gespielt. So kam im Laufe der Jahre immer wieder eins zum anderen und so haben wir nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch in China Konzerte gegeben.


INFO: Zusammen mit dem Posaunisten Horst Janßen swingen in der Woodhouseband Pianist Georg Derks, Schlagzeuger Rolf Drese, Trompeter Hinderik Leeuwe, der Klarinettist und Saxophonist Waldemar Kowalski, Posonaunist Oliver Poppe und Bassist Michael Schöneich.  Mehr Informationen über die Woodhouse Jazzband findet man im Internet unter: www.woodhousejazz.de

Und mehr Informationen zum Mülheimer Jazzclub gibt es online unter: www.jazzclub-mh.de


Mülheimer Presse & Über mich

Montag, 16. Oktober 2023

Chorale Feminale

 Gutes hören und Gutes tun. Das kann man am kommenden Sonntag tun. Denn um 17 Uhr gibt der Frauenchor Chorale Feminale in der Pauluskirche an der Witthausstraße 11 ein Benefiz Konzert zugunsten des Wünschewagens. Der Wünschewagen wird vom Arbeitersamariterbund betrieben, ehrenamtlich gefahren und begleitet und mit Spenden finanziert. Unter dem Motto „Letzte Wünsche wagen“ ermöglicht das Team des Wünschewagens vor allem hochaltrigen und schwerkranken Menschen letzte Wünsche. Das kann der Besuch einer Freundin oder eines Freundes sein. Das kann der Besuch eines Fußballspiels oder einen Ausflug ans Meer sein. Der Wünschewagen macht Dinge möglich, die seinen Passagieren allein nicht mehr möglich wären.


Diese Idee hat den derzeit 13 Sängerinnen von Chorale Feminale gut gefallen, als Sie vom Wünschewagen-Fahrer Peter Brill davon erfuhren. Deshalb waren sie sofort zum Benefizkonzert für den Wünschewagen bereit.
Ihren Chor, den die Musikerin und Klavierlehrerin Hilda Feld seit 34 Jahren leitet, beschreibt sie „als gesellschaftskritisch und leichtfüßig“. Der Frauenchor ist aus den Gewerkschaften hervorgegangen. Er hat ein besonderes Erfolgsrezept. Auf seinem Konzernprogramm stehen weder Schlager noch Volkslieder, sondern gesellschaftskritische Texte mit bekannten Melodien.

Da heißt es in einem Lied: "Jeden Tag schau ich rein. Bei Kik, H&M, Aldi Nord, ohne Verstand und Sinn, steh‘ ich hier wieder im Laden drin. Ich bin die Shopping Queen.“ In einem anderen hört man: „Ich habe die Schokolade doch nur angeguckt, am Big Mac habe ich bloß einmal gerochen. Das Maoam hab ich doch wieder ausgespuckt. Das Sahnehörnchen ist von selbst in meinen Mund gekrochen! Das kann doch gar nicht sein, es ist wie Zauberei.“ Und wer, wie die Damen vom Chorale Feminale, zur Generation 50 Plus gehört, wird sich, wie sie, erinnern: „Ich denk zurück so an das Jahr, als ich so 13, 14, 15 war. Im Radio da lief Roy Black und auch bei Dieter Thomas Heck war’n samstags alle hin und weg. Das Internet gab es noch nicht, ein Poesie Album war damals Pflicht. Gummi Twist hieß unser Spiel, für 50 Pfnnig gab es viel, ´nen Mohrenkopf und Eis am Stiel. Wir sahen gerne Wim und Wum, Fernseh’n machte noch nicht dumm.“

Hingehen und hinhören 


Mehr davon und noch viel mehr kann man am 22. Oktober ab 17 Uhr in der Pauluskirche erleben. Man darf also gespannt sein und hingehen, um hinzuhören. Der Eintritt ins Benefizkonzert ist kostenfrei. Aber nach dem letzten Akkord geht der Hut rum und spenden für die gute Sache des Arbeiter Samariter Bundes sind willkommen und vonnöten. Mehr über Chorale Feminale erfährt man im Internet unter: www.chorale-feminale.de. Mehr Informationen zum Wünschewagen des Arbeitersamariterbundes findet man im Internet unter: www.asb-ruhr.de

Mittwoch, 23. August 2023

Ohne Knete keine Kunst

 Das Ehrenamt ist weiblich. "Vor allem dort, wo man sich nicht dicketun kann!", sagt Ursula Ullrich-Köhler. Sie ist eine von 15 ehrenamtlichen Frauen, die den Museumsshop in der Alten Post vom Ein- und Verkauf bis zur Buchhaltung managen. Werktags bringen sie zwischen 10 und 16 Uhr Kunsthandwerkliches unterschiedlichster Spielart an die kunstsinnige Kundschaft, die mit ihrem Einkauf wiederum etwas für die Kunst im Allgemeinen und für das Kunstmuseum der Stadt Mülheim im Besonderen tun wollen.

Die fleißigen und kunstbegeisterten Frauen sehen sich "als wirtschaftlichen Arm des Förderkreises", der seit 1979 das seit 1994 in der Alten Post ansässige Kunstmuseum finanziell unterstützt. Vieles wäre angesichts der klammen Kommune heute gar nicht mehr finanzierbar, wenn es nicht den Museumsshop gäbe. Denn seine Einkünfte, der kunstbeflissenen Kundschaft sei auch Dank, die zum Beispiel den Ankauf von Gemälden, den Druck von Ausstellungskatalogen ermöglichen.

Nach drei Jahren im Kunstmuseum Temporär, ist der Museumsshop in diesem Sommer als Vorhut wieder ins Kunstmuseum Alte Post eingezogen. Jetzt hoffen die dienstälteste Ehrenamtlerin im Museumsshop, Edda Sloma, und ihre derzeit 14 Kolleginnen, dass der reguläre Betrieb des Kunstmuseums wieder aufgenommen wird, damit nicht nur die Stammkundschaft, sondern auch die Laufkundschaft den Weg zurück in den alten neuen Museumsshop in der Alten Post finden.

"Man muss doch was für die Gesellschaft tun, weil wir alle von der Gesellschaft leben!", sagt Ursula Ullrich-Köhler

Wie man hört, soll die neue Museumsleiterin im Oktober ihr Amt antreten. Und im April 2024 ist die Vernissage einer Lionel-Fininger-Ausstellung geplant. Einen Publikumsmagneten, wie die August-Macke-Ausstellung, die 2014 rund 37.000 Besucher anlockte, könnte nicht nur der Museumsshop im neuen alten Kunstmuseum gut gebrauchen. Dass die Post im historischen Haus am heutigen Synagogenplatz abgeht, wäre auch nichts neues. Denn von 1897 bis 1982 ging im Hauptpostamt am damaligen Hauptpostamt von Amtswegen die Post ab.


Zum Kunstmuseum


Donnerstag, 30. März 2023

Eine Buchmesse im Kloster

 Nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Literatur, und das in geballter Form gab es an diesem Sonntag im Kloster Saarn. Eine vom Mülheimer Ruhrkrimi-Verleger und Autor Uwe Wittfeld und vom städtischen Kulturbetrieb veranstaltete Buchmesse in der Bürgerbegegnungsstätte machte es möglich.

Insgesamt 40 Aussteller waren der Einladung ins Kloster gefolgt. Neben Verlagen stellten auch Autorinnen und Autoren ihre Bücher vor. „Ich bin positiv überrascht, sowohl, was den generationsübergreifenden Publikumsandrang betrifft, als auch die große Zahl der Autorinnen und Autoren, die zu einer spontanen Lesung in der Cafeteria und auf dem Treppenabsatz des Klostermuseums bereit waren“, zog Uwe Wittenfeld am Nachmittag eine Zwischenbilanz.

Wer im Bürgersaal und in der Cafeteria zwischen den enggestellten und reichlich buchbeladenen Ausstellungstischen mit Besucherinnen, Besuchern, mit Autorinnen, Autoren, Verlegerinnen und Verlegerinnen ins Gespräch kam, konnte Eindrücke wie diese hören: „Toll, dass so etwas hier organisiert worden ist. Das hat uns im Ruhrgebiet gefehlt.“ „Gut, dass mal hier mal was passiert!“  „Hier kann man sich als Autor oder Verleger für eine Standgebühr von 38 Euro einem breiten und interessierten Publikum präsentieren. Eine vergleichbare Möglichkeit würde bei einer großen Buchmesse mal eben 1000 Euro kosten, was für viele Autoren und Kleinverlage finanziell gar nicht leistbar ist.“ Oder: “Hier kann man Autoren, Verlage und Bücher aus der Region entdecken, die man im Buchhandel nicht so ohne weiteres finden kann.“ „Das Kloster Saarn ist als Location für eine Buchmesse einfach perfekt.“ „Das Ambiente des Klosters kommt der Buchmesse zugute, die Gott sei Dank nicht so riesig und unüberschaubar ist wie andere Buchmessen.“ „Diese Messe sollte nicht nur regelmäßig stattfinden. Sie dürfte ruhig noch etwas größer werden und Eintritt verlangen.“ „Hier kann man als Verleger viel mehr über seine Bücher erzählen und als Leser mehr erfahren, als dies im Buchhandel möglich wäre.“ Und: „Das Kloster ist als Ort, an dem es eine Katholische Öffentliche Bücherei und regelmäßige Lesungen gibt, für die literarisch interessierten Messebesucherinnen und Messebesucher schon gut eingebürgert.“

Auf eine positive Publikumsresonanz stieß die unerwartet große Spannbreite der vorgestellten Literatur. Sie reichte vom Ruhrpott-Krimi über Sach- und Kinderbücher bis hin zu Lyrik, Fantasy- und historischen Romanen. Kritisch angemerkt wurde die enge Aufstellung der Ausstellungstische und der hohe Geräuschpegel bei den 20-minütigen Lesungen in der Cafeteria. „Ich konnte in einem Raum hinter der Cafeteria lesen und war damit sehr zufrieden.“, resümierte Autor Stefan Zeh seinen Auftritt.  Zufrieden mit ihrer Publikumsgunst war auch die Autorin und bildende Künstlerin, Barbara Stewen, die im Kloster Saarn ihren historischen Roman über das Leben der preußischen Königin Luise vorstellte, die als junge Prinzessin mehrfach ihre Großmutter Maria Luise Albertine von Hessen-Darmstadt besuchte.

Einige Autorinnen und Autoren empfanden die Nähe zu den Messebesuchern als angenehm und berichteten davon, nicht nur das eine oder andere Buch an die Frau und den Mann gebracht, sondern auch die eine oder andere Lesung vereinbart zu haben. Und Ruhrkrimi-Autor Wolfgang Josef Gerlach konnte sogar von einer Messebekanntschaft mit einem Theaterregisseur berichten, der Interesse an der Aufführung seiner 2022 im Ruhrkrimiverlag erschienen Krimiparodie zeigte. Titel: „Mord im Sauerland-Express“! Agatha Christies Krimi-Klassiker „Mord im Orient-Express“ lässt grüßen.


Mülheimer Presse & Bürgerbegegnungsstätte Kloster Saarn

Mittwoch, 22. März 2023

JE SPÄTER DER ABEND

 Mit einer Spätschicht am Freitag beteiligte sich das Team der Stadtbibliothek im Medienhaus am Synagogenplatz an der landesweiten „Nacht der Bibliotheken“! Auch wenn die Mülheimer Bibliotheksnacht um 22 Uhr endete, gab es von den späten Besucherinnen und Besuchern viel Lob für die Initiative und den Wunsch, „so etwas regelmäßig anzubieten.“

Für die stellvertretende Bibliotheksleiterin Elke Hoffmann war die Bibliotheksnacht „eine gute Gelegenheit, um zu zeigen, dass die Stadtbibliothek nicht nur ein Ort ist, an dem man sich etwas ausleihen, sondern sich auch treffen und aufhalten kann.“

Das Publikum der Bibliotheksnacht war generationsübergreifend. Und auch wenn der Zuspruch noch größer hätte sein können, sahen die Mitarbeitenden der Stadtbibliothek ihre Überstunden als gut investiert hat.

Besonders gemütlich ging es beim Spieleabend im ehemaligen Café Ricks zu, wo auch Nervennahrung gereicht wurde, die sonst in der Bibliothek nicht so gerne gesehen wird. Alle Hände voll zu tun hatte Tim Feller vom Medienlabor. Mit seiner technischen Starthilfe begaben sich nicht nur Jugendliche, mit einer Virtual-Reality-Brille, bei der es sich im Grund um einen tragbaren Minicomputer handelt, auf eine fantastische Sprach- und Spielreise in die virtuelle Wirklichkeit.

Andere bibliophile Nachtschwärmer stöberten aber lieber ganz analog allein oder zu zweit in den Regalen oder schmökerten in den Sitzecken der Stadtbibliothek.

Anja Mickan nutzte die Bibliotheksnacht gerne für einen Spieleabend mit ihren beiden Söhnen Lennart (9) und Kalle.(7). „Man hat hier die schöne Möglichkeit, Kindern eine breite Auswahl zu geben und sie auf Themen zu stoßen, mit denen sie sich sonst vielleicht nicht beschäftigen würden“, sagt Micas, die selbst gerne Prosa und Poesie ausleiht und in literarischer Nachbarschaftshilfe auch einer alten Nachbarin Lesestoff aus der Stadtbibliothek mitbringt.

„Das ist eine gute Idee“, sagt auch der 21-jährige Kriszan Gronau mit Blick auf die Bibliotheksnacht, die er für einen Spieleabend mit Freunden nutzt. Weil er weiß, dass neue Bücher eine teure Angelegenheit sein können, nutzt er regelmäßig die Möglichkeit, sich leihweise mit Fantasy-Romanen und Fachliteratur für seine Erzieherausbildung einzudecken.

„Ich nutze dieses Angebot gerne. Denn die Stadtbibliothek im Medienhaus ist ein cooler Ort und heute Abend herrscht hier eine besonders schöne Atmosphäre“, findet der zwölfjährige Schüler Bernhard Mengede, der sich hier regelmäßig mit Büchern zur Straßenbahn- und zur Stadtgeschichte beschäftigt.“ Außerdem lobt er die Möglichkeit, sich für zehn Cent pro Seite Texte aus dem Internet ausdrucken oder Buchtexte kopieren zu können.

„Der Freitagabend ist ideal, um einmal länger mit meinem Sohn in der Bibliothek zu bleiben und sich in aller Ruhe alles anzuschauen“, freut sich Joachim Felix. Die Bibliotheksnacht nutzt er mit seinem Sohn Maximilian (8), um im Medienlabor die VR-Brillen auszuprobieren, sich eine Film-DVD auszuleihen und noch etwas zu stöbern und zu entdecken. Maximilians aktueller Favorit ist „Das kleine böse Buch“, das den Rätselfuchs auch schon mal neckisch in die Irre führt. Mit Blick ins Sortiment der Stadtbibliothek sagt Joachim Felix: „Die Qualität ist in Ordnung, auch wenn ich schon mal nicht fündig geworden bin, als ich zum Beispiel ein Buch zu einem Wirtschaftsthema gesucht habe.“


Mülheimer Presse & Stadtbibliothek Mülheim

Mittwoch, 15. März 2023

"Wir alle sind Beethoven!"

 Klassik begeistert Kinder und ihre Eltern. Das 15. Mülheimer Familienkonzert trat am Sonntag den Beweis dafür an. Gleich dreimal ging das 70-minütige „Abenteuer Beethoven“ im vollbesetzten Theatersaal der Stadthalle über die Bühne. Kulturdezernentin Dr. Daniela Grobe dankte den Sponsoren, die die Neuauflage des Familienkonzertes möglich gemacht haben. Sie wünschte dem generationsübergreifenden Publikum „ein unvergessliches musikalisches Erlebnis, das froh und stolz macht.“

Eine Zufallsumfrage im Foyer zeigte, dass viele Eltern zum ersten Mal mit ihren Kindern ein Konzert besuchten und „deshalb gespannt auf das Abenteuer Beethoven waren.“

Nach dem Konzert sahen und hörten alle im Auditorium Beethovens Musik mit anderen Augen und Ohren. Sie hatten erlebt, warum dieser Komponist zu den größten seiner Zunft gehört. Dafür sorgten nicht nur die Instrumentalisten des Studierendenorchesters Münster, sondern auch die Schauspieler und Schauspielerinnen Ulrike Schwanse, Björn Lukas und Micha Baum vom Jugendtheater Hagen. Sie spielten ein konfuses Filmteam, das auf der Bühne und in den Reihen des Orchesters herum wuselte, um einen abenteuerlichen Beethovenfilm zu drehen. Scheinbar nebenbei gingen die Schauspielerinnen und Schauspieler dabei immer wieder von einer Instrumentengruppe zur nächsten und stellten so die verschiedenen Instrumente und Ihre Bedeutung für die sinfonische Sätze Ludwig van Beethovens vor. Ulrike Schwanse, die von Regisseurin Anja Schöne unterstützt wurde, war zugleich als Projektleiterin für die Familienkonzerte zuständig.

Nicht nur die Lacher der Kinder hatte das Theatertrio auf seiner Seite, als es unter anderem erzählte, dass Ludwig van Beethoven ein geniales aber auch ein chaotisches Genie war, das lieber seine Noten und seine musikalischen Ideen ordnete als seine Wohnung aufzuräumen und deshalb insgesamt 70-mal umzog. Mit den Musizierenden und ihrem Dirigenten Nicola sezierten die Schauspielerinnen und Schauspieler die Bedeutung und die Entstehungsgeschichte der Sinfonien ätze aus Beethovens.

Auf kindgerechte Weise erfuhr das Publikum zwischen den Takten und Noten auch, dass Beethoven, der im Laufe seines Lebens sein Gehör verlor, ein schweres Schicksal bewältigen musste, das er aber mit Lebensmut und mit einem unbedingten Willen zum Frieden, zur Freiheit und zur Gleichheit aller Menschen musikalisch und menschlich meisterte. Die musizierenden Studierenden aus Münster und die Grundschüler aus Mülheim, die zwischenzeitlich mit auf der Bühne standen, um Beethovens musikalische Intentionen mit Tönen, Geräuschen und Bewegungen zu inszenieren und zu interpretieren, bekamen viel Applaus. Einer der zuhörenden und auf der Bühne mitwirkenden Grundschüler brachte es auf den Punkt: „Wir sind alle Beethoven!“ Da passte es zum guten Schluss des Familienkonzertes, dass alle im Theatersaal gemeinsam Beethovens Ode an die Freude sangen. Ein Gewinn war auch die Licht,- Ton und Videotechnik. Sie brachte das Bühnengeschehen auf eine große Leinwand, so dass alle im Theatersaal immer auf Ballhöhe sein konnte.

 Nach der Aufführung waren sich Jens Kirchhoff und seine Söhne Mika (8) und Janne (5) einig: „Es war toll zu sehen und zu hören, was in der Musik Beethovens alles drinsteckt und was man mit Musik ausdrücken kann.“ Mika, der schon Beethovens „Für Elise“ auf dem Klavier spielen kann, gehörte als Drittklässler der Klostermarktschule nicht nur zu den Zuhörern, sondern auch zu den Akteuren auf der Bühne.


Mülheimer Presse



Donnerstag, 20. Oktober 2022

Mit Styrum durchs neue Jahr

 In Styrum hat das neue Jahr 2023 schon begonnen. Denn am 15. Oktober stellten dort der Geschichtsgesprächskreis und seine Chef-Layouterin Ulrike Nottebohm den vierten Stadtteil-Kalender aus ihrer gemeinsamen Produktion der interessierten Öffentlichkeit vor.


Wer drei Euro in den Kauf des Stadtteil-Kalenders investiert, wird mit einer interessanten Mischung aus alten und neuen Bildern aus dem Styrum von gestern und heute belohnt. Die neuen Styrumer  Ansichten präsentiert Ulrike Nottebohm mit Collagen unterschiedlicher Motive aus dem Stadtteil, die den Betrachter zum genauen Hinschauen motivieren.

Das historische Bildmaterial stammt aus den immensen Quellen der geschichtsinteressierten Styrmer. Ulrike Nottebohm nannte die "dokumentarische Vorarbeit", die der Geschichtsgesprächskreis in den letzten 31 Jahren unter anderem mit seinen Styrum-Büchern geleistet habe, "gigantisch" und versicherte den Mitgliedern des Gesprächskreises, dass sie auch in ihrem nun beginnenden Ruhestand "dem Geschichtskreis und seinen Publikationen treu bleiben" werde.

"Sie können stolz auf Ihr Engagement, dass die Styrumer Geschichte auch für die kommenden Generationen festhält. Dieser Kalender kann das Gespräch zwischen den Generationen, zuhause oder auch in der Schule oder in der Feldmann-Stiftung initiieren und inspirieren. Ich möchte Ihnen sagen, dass wir als Bezirksvertretung für den Mülheimer Norden immer an ihrer Seite stehen, wenn Sie ihre kommenden Projekte rund um die Geschichte des Stadtteils angehen werden, sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Armend Plana. Der Vorsitzende des Geschichtsgesprächskreises Manfred Bogen, Styrumer des Jahrgangs 1946, warb bei den geschichtsinteressierten Mitbürgern für eine Mitarbeit im Geschichtsgesprächskreis, der sich am zweiten und vierten Freitag des Monats, jeweils von zehn bis zwölf Uhr in der Feldmann-Stiftung an der
Augusta Straße 114 trifft.

Den vierten Styrum-Kalender, der eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt, ist unter anderem in der Feldmann-Stiftung an der Augusta Straße 114, im RWW-Wassermuseum Aquarius an der Burgstraße 70 sowie in der Stadtbibliothek am Willy-Brandt-Platz 2, in den Buchhandlungen Fehst am Löhberg 4 und bei den Broicher Bücherträumen an der Prinzess-Luise Straße 7-9 und beim Uhrmacher Hennenbruch an der Oberhausener Straße 155 erhältlich.

Mittwoch, 5. Oktober 2022

Aufpolierte Kunst am Bau

Die Kunst am Bau kommt in die Jahre. "Nach dem Zweiten Weltkrieg haben Städte, Länder und der Bund im Rahmen des Wiederaufbaus öffentlichen Bauherrn gesetzlich auferlegt, ein bis zwei Prozent der Bausumme für Kunst am Bau auszugeben. Das war auch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Bildhauer und andere Künstler, die leider am Ende der 1980er Jahre abgeschafft wurde", erklärt Kunsthistorikerin Barbara Walter vom Kunstmuseum der Stadt. Bei einer Recherche hat Walter herausgefunden, dass es in Mülheim derzeit 300 Kunstwerke am Bau und im öffentlichen Raum gibt. 230 davon schmücken städtische Liegenschaften.

"Die gesetzliche Förderung der Kunst am Bau, die mit Rücksicht auf Investoren abgeschafft worden ist, sollte man eigentlich mit Blick auf das Stadtbild, wiedereinführen", meint Kulturdezernentin Dr. Daniela Grobe. Sie ist eine von bisher neun Mülheimer Kunstpatinnen, die ein wachsames Auge auf Kunstwerke in ihrer Nachbarschaft haben, um sie vor Vandalismus zu schützen und rechtzeitig ihren Reparaturbedarf anzuzeigen. In einem zweiten Schritt können sich Grobe und Walter vorstellen, kunstinteressierte Bürgerinnen und Bürger, auch für eine finanzielle Patenschaft von Kunstwerken am Bau zu gewinnen. An einer Patenschaft interessierte kunstsinnige Bürgerinnen und Bürger erreichen Barbara Walter im Kunstmuseum der Stadt unter der Rufnummer: 0208-455-4105 oder per E-Mail an: barbara.walter@muelheim-ruhr.de. Derzeit stehen der Stadt, pro Haushaltsjahr, nur 20.000 Euro für die Instandhaltung der Kunst am Bau zur Verfügung. 

Ein alter/neuer Hingucker


Zusammen mit Walter, Rektorin Silke Schraven, dem Industrietechniker Mike Kerstgens und der Metallrestauratorin Juffenbruch konnte Grobe sich jetzt an Fassade der Wilhelm-Busch-Schule in Dümpten ein Bild von der mit einer Glasperlenbestrahlung gereinigten Stahlskulptur "Das Fantastische Gefährt" machen.

Die nach einer Zeichnung des Malers und Grafikers, Helmut Lankhorst, 1967 für den damaligen Schulneubau am Springweg 21 angefertigte Fassadenskulptur ist von dem auch verfilmten Kinderbuch: "Robi, Tobi und das Fliewatüüt inspiriert worden.

"Helmut Lankhorst, der gerne mit runden Formen arbeitet, war und ist auch an anderen Schulstandorten mit Fassaden- und Bodenkunstwerken vertreten, etwa an der Karl-Ziegler-Schule, an der Bruchstraße und am Gymnasium Broich", betont Barbara Walter.

"Wir freuen uns, dass wir diese schöne Fassadenskulptur wieder bei uns haben können. Sie ist schon von vielen Schülern und Lehrern bewundert worden", sagt Wilhelm-Busch-Schul-Rektorin, Silke Schraven.

Infos zum Kunstwerk


In der kommenden Woche wird die Stadt, die im neuen Glanz erstrahlende Stahlskulptur an der Wilhelm-Busch-Schule mit einem Infoschild komplettieren, um interessierte Kunstflaneure mithilfe eines QR-Codes den direkten Zugriff auf Werkinformationen im Internet zu ermöglichen.


Zum Kunstmuseum der Stadt und: Zur Wilhelm-Busch-Schule


Dienstag, 13. September 2022

Da ist Musik drin

 Mit guter Musik und guten Gesprächen feiern die städtische Musikschule und ihr Förderkreis am 17. September dessen Goldenes Jubiläum. Gefeiert wird ab 16 Uhr im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße 37, das seit 2013 auch das Haus der städtischen Musikschule ist.


1972 hatten die ersten Vorstandsmitglieder, Renate Sommer, Bruno Mastnak, Anneliese Courbiere, Helen Hörer und Maria Westrap den Förderkreis der 1953 gegründeten Musikschule ins Leben gerufen. Im Februar 1973 stellte sich der Förderkreis mit einem Pressegespräch im Rathaus der Mülheimer Öffentlichkeit vor.
"Kinder, die Geige spielen, werfen keine Steine!" (Renate Sommer, Gründungsvorsitzende des Förderkreises der städtischen Musikschule

Damals wie heute, will der Förderkreis der städtischen Musikschule, der in der Spitze bis zu 230 Mitglieder hatte, diese heute von 70 Musikpädagogen und 3500 Musikschülern mit Leben erfüllte Bildungseinrichtung unterstützen. Das geschieht unter anderem mit der Anschaffung von Instrumenten und Notenliteratur. Außerdem unterstützt der Förderkreis begabte Schülerinnen und Schüler, die sich den Kauf eines Instrumentes und den Instrumentalunterricht an der städtischen Musikschule nicht leisten können. Auch Orchesterfahrten in die Mülheimer Partnerstädte und Ensemblewettbewerbe wurden schon gefördert.
"Die Arbeit des Förderkreises der Musikschule hat das kulturelle Klima in unserer Stadt verbessert und dafür gesorgt, dass Kinder und Jugendliche Musik nicht nur als Konsumenten kennenlernen. (Hans-Georg Specht, Oberbürgermeister der Jahre 1994-1999)

Der 1972 von Renate Sommer und heute von Birgit Weck geführte Förderkreis hat nach eigenen Angaben in den bisher 50 Jahren seines Bestehens die Musikschule der Stadt mit mehr als einer Million Euro unterstützt. Diese beachtliche Fördersumme kam nicht nur durch Mitgliedsbeiträge, sondern auch durch viele großzügige Spenden aus der Bürgerschaft zustande. Darüber hinaus generiert der Förderkreis seit 1988 durch seinen ehrenamtlichen Betrieb des Musikschulcafés Einnahmen für die inzwischen von Celia Spielmann geleitete Musikschule, die sich seit 1996 für alle Generationen geöffnet hat. 

In seinem Jubiläumsjahr wird der Förderkreis von den Vorstandsmitgliedern Birgit Weck, Dr. Hans-Peter Winkelmann, Hartmut Mäurer und Simone Twiehoff geführt. Wie vor 50 Jahren wird der Vorstand des Förderkreises durch einen Fachbeirat sachkundiger Bürgerinnen und Bürger unterstützt. Derzeit gehören dem Fachbeirat der Sozialamtsleiter Thomas Konietzka, der Leiter des städtischen Kulturbetriebs, Frank Baudy, Gitarrenlehrer Peter Ansorge, zuletzt kommissarischer Leiter der städtischen Musikschule, Musikschullehrerin, Petra Tübben, und die ehrenamtliche Leiterin der Musikschulcaféteria, Susanne Kobbelt, an.

Die erste und die heutige Förderkreisvorsitzende, Renate Sommer und Birgit Weck, sind sich einig, "dass der Förderkreis der städtischen Musikschule heute so wichtig ist, wie vor 50 Jahren."

Zur Städtischen Musikschule und Zum Lokalkompass

Mittwoch, 29. Juni 2022

Kultur für Alle!

 "Kultur ist ein Lebensmittel, das wir täglich brauchen", hat der ehemalige Bundespräsident und NRW-Minister-Präsident Johannes Rau gesagt. Die im Kulturhauptstadtjahr 2010 in Gelsenkirchen gegründete Initiative Kulturpott setzt sein Wort bis heute in die Tat um, auch in Mülheim! 


Die Mülheimer Ortsgruppe der Kulturpott-Initiative hat sich jetzt personell und organisatorisch neu aufgestellt. Die ehemalige CBE-Mitarbeiterin, Marlies Rustemeyer, hat als Sprecherin der Gruppe die Nachfolge von Renate Vetter angetreten und gleichzeitig neue Netzwerkpartner gewonnen. Zu denen gehören unter anderem der am Löhberg ansässige Buchhändler Michael Fehst und die vom Mülheimer Ehepaar Wilfried Stascheit und AnnelieLöber ins Leben gerufene Kulturstiftung Selbst.Los.

Mit Fehsts Unterstützung wird die Stiftung kostenlose Bücher an Kinder und Jugendliche bringen, deren Eltern sich den Kauf von Büchern finanziell nicht leisten können.

Dass passt zum Programm der Initiative Kulturpott, die mit Hilfe ihrer zahlreichen Sponsoren im Kulturgebiet Ruhrgebiet seit 2010 kostenlos 140.000 Eintrittskarten an Menschen vermittelt hat, die trotz ihres schmalen Budgets Kultur- und Sport live mit anderen zusammen erleben konnten. Kulturgäste sind Menschen, die zum Beispiel als Klein-Rentner, ALG-II- und Grundsicherungsbezieher, als Wohngeld,- Sozialhilfe- oder Bafög-Empfänger sehr wohl Interesse, aber kein Geld übrig haben für den Besuch von Kultur- und Sportveranstaltungen.

Hier vermitteln die ehrenamtlich tätigen Kulturpottler, die man jetzt nicht mehr nur im Medienhaus am Synagogenplatz, sondern auch in der Evangelischen Ladenkirche an der Kaiserstraße 4 finden kann, mithilfe ihrer Ticket-Geber das zusammenkommt, was zusammengehört. Zu den Kulturpott-Sponsoren gehören auch Mülheimer Kulturinstitutionen, wie das Theater an der Ruhr, der Ringlokschuppen, der Verein Art Obscura oder die Volxbühne. 

Kein einsamer Kulturgenuss


"Wir vermitteln immer jeweils zwei Eintrittskarten, damit unsere Kulturgäste, von denen sich inzwischen einige auch selbst ehrenamtlich in unserer Initiative engagieren, immer eine Begleitung zum Theater,- Kabarett,- Kino,- Konzert,- Literaturabend,- Museums,- Ausstellungs- oder Stadionbesuch mitnehmen können", erklärt Marlies Rustemeyer.

Die vielfach bekundete und durch eigene ehrenamtliche Mitarbeit dokumentierte Dank der Kulturpott-Gäste spornt die Mülheimer Kulturpottlerinnen und ihre Gleichgesinnten in bisher 16 weiteren Ruhrstädten immer wieder an.

Wer Kulturpott-Gast werden möchte kann sich online unter: www.kulturpott.ruhr anmelden. Persönlich informieren und anmelden kann man sich, wenn man dienstags zwischen 15 und 17 Uhr den Weg ins Medienhaus am Synagogenplatz oder freitags zwischen 15 und 17 Uhr den Weg in die Evangelische Ladenkirche an der Kaiserstraße 4 findet. Dort bekommt man auch, die "Eintrittskarte", auf der man seine persönlichen Daten notiert und der jeweilige Sozialpartner die eigene Bedürftigkeit bestätigt.

Meine Beiträge für die Mülheimer Woche

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...