Dienstag, 2. April 2024

Der Theatermann

 1 April 1934. Auf den Tag genau 119 Jahre nach Otto von Bismarck wird in Mailand Roberto Cuilli geboren. Der Name ist Musik, vor allem für Theaterfreunde. 1980 kommt er von Düsseldorf nach Mülheim, um hier das Theater an der Ruhr zu gründen. Am 19. November 1981 feiert das Theater an der Ruhr mit seiner Inszenierung von Frank Wedekinds „Lulu“ seine erste Premiere.

Seit 1981 spielt das Theater, das er bis heute mit dem Dramaturgen Dr. Helmut Schäfer führt, im ehemaligen Kurhaus des 1909 eröffneten und 1992 geschlossenen Solbades im Raffelbergpark. In dem Park, in dem früher Kurgäste verweilten, wird heute in den Weißen Sommer-Nächten Theater gespielt.

Schon in seiner Heimatstadt hat der promovierte Philosoph, der seine Doktorarbeit über den deutschen Philosophen Hegel geschrieben hat, mit Il Globo/Die Welt 1960 ein eigenes Theater gegründet. Auch mit dem Theater an der Ruhr hat Ciulli Grenzen überschritten und Grenzen überbrückt, zum Beispiel, wenn er 2003 mit Patienten aus der forensischen Psychiatrie in Langenfeld das Theaterstück: „Wie hast du geschlafen?“ inszenierte. Unter seiner Leitung tourte das Theater an der Ruhr seit 1983 durch bisher 38 Länder der Welt und war selbst Gastgeber internationaler Partnerensembles.

1965 kam der Italiener Roberto Ciulli nach Deutschland. Hier verdiente er zunächst als LKW-Fahrer und als Fabrikarbeiter seinen Lebensunterhalt, ehe er sich am Deutschen Theater in Göttingen zwischen 1965 und 1972 vom Bühnenarbeiter und Beleuchter über den Regieassistenten bis zum Regisseur und Schauspieler hocharbeitete. 1968 erlebte er mit der Inszenierung von: Federico Garcia Lorcas „Bernarda Albas Haus“. 1972 wechselte er vom Deutschen Theater Göttingen als Schauspieldirektor zum Kölner Schauspielhaus. Vom Rhein kam er 1980 an die Ruhr. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt Mülheim an der Ruhr, sie stellte ein Startkapital von 535.000 Mark und eine Bürgschaft von 900.000 Mark zur Verfügung,  gründete er zusammen mit dem Dramaturgen Helmut Schäfer und dem inzwischen verstorbenen Bühnenbildner Gralf-Edzard Habben das Theater an der Ruhr als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung. 20 Schauspielerinnen und Schauspieler gehören 1981 zum ersten Ensemble des Theaters an der Ruhr. Sie richten das alte Kurhaus für den Spielbetrieb her. Als „Theater ohne Wenn und Aber“ beschreibt Roberto Ciulli 1981 sein Konzept. Bis heute werden, diesem Leitbild Ciullis folgend,  auf der Theaterbühne im Raffelbergpark Klassiker in zeitgemäßer Form inszeniert. Sein Publikum, das er immer persönlich begrüßt, wenn er seine Eintrittskarten abreist, kennt Roberto Ciulli nicht nur als Regisseur und Schauspieler, sondern auch als Gastgeber zahlreicher Matineen und politischer Salons im Theater an der Ruhr.

Für seine Verdienste ist „der letzte Theaterprinzipal Deutschlands“, wie ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Beitrag zu seinem 90. Geburtstag genannt hat, ist Roberto Ciulli unter anderem mit dem Ehrenring der Stadt Mülheim, mit dem Ehrenpreis der Bürgergesellschaft Mausefalle, mit dem Bundesverdienstkreuz, mit dem polnischen Kulturpreis, dem Deutschen Kritikerpreis,mit  dem Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen und mit dem Deutschen Theaterpreis ausgezeichnet worden. Die Theaterkritikerin Christine Dössel, die für die Süddeutsche Zeitung mit Roberto Ciulli jüngst ein Geburtstagsinterview geführt hat, schreibt über ihn: „Ciullis Inszenierungen bewegen sich zwischen Poesie, Clownerie und Gesellschaftskritik, sind immer auch Selbstfeier und kultisches Fest.“

Zusammen mit den 1976 begründeten Mülheimer Theatertagen hat das von Roberto Ciulli geleitete Theater an der Ruhr Mülheim bundesweit als Stadt des zeitgenössischen deutschsprachigen Theaters bekannt gemacht.

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