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Donnerstag, 11. August 2022

DFB, bitte melden

 Die Profifußballerinnen der deutschen Nationalmannschaft genießen nach der erfolgreichen Europameisterschaft noch ihre Sommerpause. Ihre Amateur-Kolleginnen vom Niederrhein-Ligisten SV Heißen treten am 14. August bereits zu ihrem ersten Saison-Spiel bei den Fußballfrauen von Borussia Mönchengladbach an. In der abgelaufenen Spielzeit landeten die von Hasan Gören trainierten Heißenerinnen in der 4. Frauen-Fußball-Liga auf Platz 10 und damit im Tabellenmittelfeld.


"Der Spaß und die Leidenschaft für den Fußball steht für uns an erster Stelle. Aber wir sind als Mannschaft natürlich auch motiviert und ambitioniert und wollen deshalb jedes Spiel gewinnen", sind sich die vier Mannschaftsführerinnen Lisa Mölders, Katrin Wittfeld, Anna Rimkus und Shuipg Saliji einig. Einig sind sich die Versicherungsmaklerin, die Gesundheitskauffrau, die Bürokauffrau, die Gesundheitskauffrau und die Sozialversicherungsfachangestellte auch darin, "dass die deutschen Nationalspielerinnen eine großartige Europameisterschaft gespielt haben, bei der es Spaß gemacht hat, zuzuschauen." Doch nur Anna Rimkus glaubt nach der Vize-Europameisterschaft für die deutschen Profi-Fußballerinnen an einen langfristigen Schub für den Frauenfußball in Deutschland, der viel bewirken werde. Ihre Mannschaftskameradinnen gehen eher vor einem kurzfristigen Werbeeffekt, einem Strohfeuer der Euphorie aus, der vielleicht das eine oder andere Mädchen zum Fußballspielen bringen werde, vielleicht in einer der drei Mädchen-Mannschaften des SV Heißen.

Regionale Ausstrahlung



Für die Amateurfußballerinnen vom SV Heißen, die nicht nur aus Mülheim, sondern aus der gesamten Region kommen, wäre schon viel gewonnen, wenn sie, wie jetzt nach Mönchengladbach, nicht auf eigene Kosten mit dem eigenen Auto, sondern in einem Mannschaftsbus zu Auswärtsspielen fahren könnten. Einen Saison-Zuschuss des Deutschen Fußballverbandes für Amateurvereine, der das möglich machen könnte, wäre auch ganz im Sinne des Trainers Hasan Gören, der von den beiden Ko-Trainern Maurice Füssing und Kevin Bröhl unterstützt wird. Auch das Trainerteam arbeitet ehrenamtlich und mit Leidenschaft für den Fußball. Hasan Gören verdient seinen Lebensunterhalt als Energie-Elektroniker. 

Gören, der früher selbst Amateurfußballer war und nach einer Verletzung auf die Trainerbank wechselte sieht den Frauenfußball als "absolut etabliert" an. "Da gibt es für mich keinen Uterschied zum Männerfußball. Fußball ist Fußball. Und Team ist Team", sagt er. Doch seine Mannschaftsführerinnen würden sich schon eine finanzielle Besserstellung des Frauenfußballs durch den Deutschen Fußballbund wünschen, um Profifußballerinnen eine hauptberufliche Karriere und den Amateurspielerinnen zumindest eine überschaubare und ausgleichende Aufwandsentschädigung zu gewähren. "Denn Sprit ist teuer und wir investieren ja schon viel und kommen nach Feierabend dreimal pro Woche zum Training und sonntags zum Spiel", betont Anna Rimkus.

Jenseits aller materiellen Überlegungen lassen die vier Mannschaftsführerinnem des auch im Internet mitspielenden SV Heißen keinen Zweifel daran, dass der menschliche Zusammenhalt und die emotionale Entspannung, die sie bei ihrem Hobby Fußball erleben, für sie und ihre Mannschaftskameradinnen unbezahlbar sind.


und:

Donnerstag, 24. Oktober 2019

Ein Vorreiter in Sachen Inklusion

VBGS. Das steht in Mülheim seit 30 Jahren für Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport. Vor dem Jubiläumsfest, das am Samstag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Harbecke-Halle an der Mintarder Straße gefeiert wird, berichtet der VBGS-Vorsitzende Alfred Beyer, der den Verein am 8. November 1989 mit 39 anderen Mülheimern im Haus des Sportes gegründet hat, warum der Verein für ihn zur Lebensaufgabe geworden ist.
In Mülheim gibt es mehr als 300 gemeinnützige Vereine. Was ist das besondere am VBGS?
Beyer:
Unseren Verein, der heute rund 160 Mitglieder hat, gibt es erst seit 30 Jahren. Aber schon vor 30 Jahren haben wir inklusiv gearbeitet und alle unsere Angebote auf Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Zuwanderungshintergrund ausgerichtet, als noch niemand von Inklusion gesprochen hat.
Was verbirgt sich hinter der Kombination aus Bewegungsförderung und Gesundheitssport?
Beyer:
Viele kommen über Ihren Arzt, ihre Krankenkasse, über das Gesundheitsamt oder auch über das sozialpädiatrische Zentrum am Evangelischen Krankenhaus zu uns, weil sie keine sportlichen Vorerfahrungen haben und aus gesundheitlichen Gründen langsam und ohne Leistungsdruck an Sport und Bewegung herangeführt werden müssen. Das gilt für unsere Kinderschwimmgruppen im Südbad und im Schulbad an der Rembergstraße ebenso wie für unsere Diabetikergruppe in der Sporthallle an der Waldorfschule.
Werden die Gäste der VBGS-Geburtstagsfeier auch etwas von Inklusion zu sehen bekommen?
Beyer:
Wir haben den Paralympics-Goldmedaillen-Gewinner im Tischtennis, Rainer Schmidt als Moderator gewinnen können. Außerdem wird eine artistisch ambitionierte Tanzgarde aus dem Rheinland, eine Rollstuhltanzgruppe und weitere inklusive Tanzgruppe auftreten. Ich freue mich aber auch auf das Interview mit einer syrischen Flüchtlingsfamilie, die berichten wird, wie ihre Kinderin unserem Verein schwimmen gelernt haben.
Warum haben Sie den VBGS vor 30 Jahren ins Leben gerufen und sind bis heute seine treibende Kraft?
Beyer:
Ich bin in der Jugendarbeit des Kolpingwerkes groß geworden, ehe ich durch meine Beinamputation zum Behindertensport kam, der damals in Mülheim noch unter dem Begriff Versehrtensport betrieben wurde. Dort habe ich schnell die Leitung einer Gruppe übernommen und bin dann als Jugendwart auch in den Vereinsvorstand gewählt worden. Doch bald kam es mit den älteren Vereinsmitgliedern, die noch aus der Generation der Kriegsversehrten stammten, darüber zum Bruch, wie intensiv die Jugendarbeit des Vereins betrieben werden sollte und ob sich der Verein auch für Menschen mit geistiger Behinderung öffnen sollte. Jugendarbeit und Inklusion waren damals die Herzensanliegen der VBGS-Gründer. Zu den ersten Aktionen des neuen Vereins gehörte eine integrative Ski-Freizeit im Allgäu, an der nicht nur behinderte und nicht-behinderte, sondern auch krebskranke Kinder und Jugendliche teilnahmen.
Wie hat sich die Vereinsarbeit in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Beyer:
Leider haben die bürokratischen Auflagen und der zunehmende Papierkrieg die ehrenamtliche Arbeit nicht nur in unserem Verein erheblich erschwert. Und auch wenn wir über das Centrum für bürgerschaftliches Engagement, zu dessen Gründern ich gehöre, dankenswerterweise immer wieder freiwillige Helfer bekommen, hat die Bereitschaft, sich mittel- und langfristig im Vereinsvorstand zu engagieren, drastisch abgenommen. Das sehe ich ebenso mit Sorge wie die Tatsache, dass die die Generation Smartphone immer mehr Kinder und Jugendliche mit Bewegungs- und Kommunikationsdefiziten hervorbringt.

Programm des Festes

Am Samstag, 26. Oktober, beginnt um 19 Uhr die große Festveranstaltung in der Harbecke-Halle, Mintarder Straße.  Schimherrin ist die Staatssekretärin des Landes NRW für Sport und Ehrenamt, Andrea Milz.
Die Gäste erwartet ein abwechslungsreiches Abendprogramm. Moderator ist Kabarettist udn mehrfacher Paralympic-Sieger im Tischtennis, Rainer Schmidt. Auftreten werden unter anderem das Tanzkorps "Dürscheder Mellsäck", die inklusive Musikband "Studio 13" aus Dortmund, die Tanzgruppe "Flotte Socke" aus Essen, die "Cheerleader" aus Duisburg,, die "Feller Band" aus Mülheim, ein Musikzug aus Oberhausen, der RC Sturmvogel aus Mülheim, außerdem wird ein Rollstuhltanz gezeigt. Für das leibliche Wohl ist während der Veranstaltung auch gesorgt.

Sonntag, 25. August 2019

Alle in einem Boot

Mit viel Spaß gemeinsam ans Ziel kommen
Die DJK Ruhrwacht lädt am 7. Und 8. September zum 23. Drachenbootrennen auf die Ruhr, die auf 14 Kilometern durch Mülheim fließt. Das Mülheimer Stadtmarketing, der Mülheimer Sportbund und der Mülheimer Sportservice sitzen mit im Veranstalterboot.
Mülheim. Das geht in die Arme. Mit einem etwa 1,40 Meter langen Ruder teilen die aus unterschiedlichen Generationen kommenden Männer und Frauen im Drachenboot der DJK Ruhrwacht die Flusswellen. Im Heck des Bootes hält ein Steuermann mit seinem XXL-Ruder die Mannschaft auf Kurs. Und den Bug gibt ein Trommler den Takt für die Ruderer vor.
„Es kommt darauf an, dass alle an Bord im gleichen Takt rudern und dass die Mitglieder der Rudermannschaft so an Bord sitzen, dass die Leichtgewichte und die Schwergewichte unter ihnen nicht alle hinten oder vorne oder auf einer Seite sitzen und das Boot Schlagseite bekommt“, erklärt Lars Knappe.
Der 29 jährige Mitarbeiter der Stadtverwaltung gehört zum Organisationsteam der DJK Ruhrwacht, die zusammen mit der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus Gesellschaft, dem Mülheimer Sportservice und dem Mülheimer Sportbund das Drachenbootrennen zwischen Eisenbahnbrücke und Schlossbrücke organisiert. „Im letzten Jahr hatten wir 80 Teams am Start. In diesem Jahr könnten es auch 90 werden“, vermutet Knappe.
Vereine; Belegschaften, Stammtischgeschwister, Gruppen, Familien, Freundeskreise, also alle, die Spaß daran haben, gemeinsam sportlich aktiv zu werden und nicht gerade wasserscheu oder seekrank sind, haben noch bis zum 1. September die Möglichkeit, sich bei der DJK Ruhrwacht für das 23. Drachenbootrennen anzumelden. „Aber es macht schon Sinn sich bis zum 24. August anzumelden, um an den Trainingseinheiten teilzunehmen, die wir am 24. und 25. August bei uns am Saarner Altarm der Ruhr und oberhalb des Ruhrwehrs anbieten. Jedes Team, das sich anmeldet, hat mit der Startgebühr auch das Recht auf eine einstündige Trainingseinheit mit unseren Drachenboot-Kanuten“, betont Knappe.
Auch wenn die Drachenbootfahrer der DJK Ruhrwacht schon mal an Weltmeisterschaften teilgenommen haben, steht beim Drachenbootrennen auf der Ruhr der Spaß im Vordergrund. „Bei uns bekommen nicht nur die Erstplatzierten auf den Medaillenrängen, sondern alle Teilnehmer ein Pokal, unterstreicht“, unterstreicht Knappe. Bemerkenswert ist, dass die heute Breitensportorientierte Drachenboot Abteilung der DJK Ruhrwacht mit 80 Aktiven im insgesamt 210 Mitglieder-zählenden Verein inzwischen die stärkste Abteilung stellt. Wie Lars Klappe haben viele eine Bootsf Fahrer der DJK Ruhrwacht eine Vergangenheit als Rennkanut oder als Kanu-Polo-Spieler hinter sich, und wollen es nach dem Ende ihrer aktiven Leistungssportkarriere auf dem Wasser gemütlicher angehen und vor allem die mit dem Sport verbundene Geselligkeit nicht vermissen.
Der Spaßfaktor beim Drachenbootrennen, das es nicht nur in Mülheim sondern inzwischen auch in vielen anderen Städten des Ruhrgebietes gibt, wird dadurch unterstrichen, dass es-beim Drachenbootrennen am 7. und 8. September auch ein Rahmenprogramm mit Spielaktivitäten für Kinder, mit Leckerbissen für das leibliche Wohl, mit live Musik und einem Höhenfeuerwerk geben wird. Unterstützt von ihren Sponsoren aus der Mülheimer Wirtschaft wollen die DJK Ruhrwacht und die Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft ein nicht nur sportives, sondern auch ein schönes Wochenende für die ganze Familie auf die Beine stellen. Jedes Rennteam bekommt am Stadtteilen Ufer der Ruhr einen eigenen Zelt  Pavillon mit Bierzeltgarnitur und bestem Blick auf die Regattastrecke.
Farbe und Fröhlichkeit bringen auch die traditionellen Kostüme der Rennteams ins Spiel und damit aufs Wasser. Die einen verkleiden sich als Tiere. Die anderen kommen zum Beispiel als Clowns oder als Hawaianer daher. Das Team mit der originellsten Verkleidung spart sich für das Drachenboot Rennen 2020 schon mal die Hälfte des Startgeldes.
Am vorbereitenden Trainingswochenende und beim Drachenbootrennen selbst werden insgesamt 80 aktiven Drachenbootfahrer aus der DJK Ruhrwacht mit anfassen, damit alle Teams mit ihren Booten rechtzeitig und sicher in See stechen können. Apropos sicher. Damit der Spaß auch dann kein Ende hat, wenn eines der Teams kantert, werden beim Drachenbootrennen auch die Helfer der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und des Deutschen Roten Kreuzes mit am Start sein, um die Sicherheit aller Rennteilnehmer zu gewährleisten. Zurzeit stellt Die DRK Ruhrwacht 6 Drachenboote, die zum Einsatz kommen werden.
Eine Drachenboot Mannschaft muss mindestens aus 12 und maximal aus 20 Kanuten bestehen. Je nach Bootsgröße liegt das zu berappende Startgeld bei 140 Oder-200-Euro.    
Anmeldungen für das 23. Mülheimer Drachenbootrennen nimmt die DJK Ruhrwacht in ihrer Geschäftsstelle an der Mintarder Straße 19 persönlich oder unter der Rufnummer 0208/48 3071 sowie per E-Mail an: drachenbootsport@djkrwacht.de entgegen. Die Geschäftsstelle im Vereinshaus ist dienstags zwischen 9 und 12 Uhr sowie donnerstags zwischen 16 und 19 Uhr geöffnet. Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite www.djk-ruhrwacht.de oder unter: www.drachenboot.mülheim.de  
Info: Die DJK Ruhrwacht ging 1909 aus der Fusion der DJK Süd und DJK Nord 09 hervor. Bereits um 1900 bildeten sich die ersten Deutsche-Jugendraft-Sportvereine. Der heute etwas altertümlich wirkende Begriff verkörperte damals Aufbruch, Dynamik und Einsatzbereitschaft für die Gemeinschaft. „Sport um des Menschen Willen!“ So formulierte 1920 der erste DJK-Verbandsvorsitzende Karl Mosterts das Credo der katholischen Sportbewegung. In seinem Sinne versteht sich der DJK-Verband auch heute dem Ziel verpflichtet, durch den gemeinschaftlichen Sport christliche Werte für das Alltagsleben zu vermitteln. Als katholischer Sportverein, der ab 1920 dem nationalen DJK-Verband angehörte, wurde die DJK Ruhrwacht 1935 von den Nationalsozialisten verboten und 1952 neu gegründet. Die katholische Tradition kommt auch heute noch zum Ausdruck, wenn neue Boote der DJK Ruhrwacht von einem Priester „getauft“ werden. Der Verein ist heute allerdings überkonfessionell und nimmt Mitglieder aller Glaubensrichtungen auf. Der Kanu-Sport-Verein betreibt das Mülheimer Drachenbootrennen seit 1997. Initiiert wurde diese besondere Regatta-Tradition vom-damaligen Vorsitzenden der DJK Ruhrwacht Horst Mölders. Zurzeit stellt die DJK Ruhrwacht mit Edgar Hüppop auch den Kanusportwart des DJK-Diözesanverbandes.
Bundesweit gehören derzeit 500.000 Aktive zu einem der über 1.000 Vereine im DJK-Bundesverband, der sich in 12 Landesverbänden und 27 Diözesanverbänden untergliedert untergliedert.
Mein Foto zeigt Lars Knappe vom Organisationsteam der DJK Ruhrwacht. Vor der Deachenbootstaffelage am Bootshaus an der Mintarder Straße.


Montag, 21. Januar 2019

Mutters neue Helden


Mutter schaut Sport. Eigentlich tendiert sie fernsehtechnisch eher zu politischen Nachrichten oder zum Kabarett, was immer öfter auf das Gleiche hinausläuft. Nur das die realexistierende Politik-Satire, siehe Brexit- und Grundsteuer-Theater Mutter bei weitem nicht so gut unterhält und zum Lachen bringt. Deshalb ist sie derzeit umso dankbarer für die sehenswerten WM-Spiele der deutschen Handballer. Soviel Dynamik, Leidenschaft und ergebnisorientiertes Teamwork wie jetzt bei der Handball-Weltmeisterschaft hat sie schon lange nicht mehr gesehen. Und deshalb studiert sie jetzt täglich die Sportseiten der NRZ und weiß genau, gegen wenn die deutschen Handballer als nächstes treffen müssen. Und ihre Handball-Helden enttäuschen Mutter bislang nicht, sondern geben alles und wachsen immer wieder über sich hinaus. So viel Elan und Einsatz würde sich Mutter auch von so mancher Sportskanone wünschen, die auf so manchem anderen Spielfeld unserer Gesellschaft als Spielmacher auftritt, sich aber leider viel zu oft als Fehlbesetzung erweist oder schlicht unmotiviert bei der Sache ist. 

Dabei würde sich Mutter wünschen, dass die Spielmacher unseres Landes, das sie mit anderen aus ihrer Generation nach dem Krieg wieder aufgebaut hat, bald mal wieder aus ihrem Formtief herauskommen und Team Deutschland zum Weltmeister machen. Denn Mutter weiß, dass sich das Leben nicht um einen auch noch so gut geworfenen Ball dreht, sondern unsere politischen und wirtschaftlichen Spielführer auch auf den Feldern der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens punkten müssen, wenn wir als Team Deutschland nicht in Abstiegsgefahr geraten wollen.

Dieser Text erschien am 21. Januar 2019 in der Neuen Ruhr Zeitung


Sonntag, 8. Juli 2018

Fans diskutieren über Feindesliebe

Ein Blick in die Schalker Fankneipe Bosch am Ernst-Kuzorra-
Platz in Gelsenkirchen

Die katholische Kirche kann noch Wunder bewirken. Nach dem deutschen WM-Aus und vor dem Start der neuen Bundesliga-Saison diskutierten Fußballfans der rivalisierenden Revierclubs Borussia Dortmund und Schalke 04 ganz friedlich im Schalker Vereinslokal "Bosch" über das Thema Feindesliebe. Eingeladen zu der Diskussion mit dem Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hatte die Katholische Akademie des Bistums Essen "Die Wolfsburg".

Stadion und Fußball seien ein Spiegelbild der Gesellschaft, sagte Pfeffer in der Diskussion mit christlichen Fußballfans. "Wir brauchen Rivalität, weil ein Leben ohne Rivalität langweilig wäre und keine Fortschritte hervor brächte." Aber trotzdem brauche es in unserer Gesellschaft "Respekt und keine Feindschaft".
Der Sozialarbeiter und Fanbetreuer des FC Schalke 04 Markus Mau nannte die in der Bergpredigt Jesu geforderte Nächstenliebe mit Blick auf die gesellschaftliche Wirklichkeit "unrealistisch." Angesichts dieser Kritik präzisierte Pfeffer, Jesus gehe es mit seinem Gebot der Feindesliebe nicht darum, "dass wir uns alle lieb haben und um den Hals fallen, sondern darum, dass wir uns in unserer Verschiedenheit respektieren und erkennen, dass wir bei allen Unterschieden eines gemein haben, nämlich das Menschsein."

Dabei scheute der Generalvikar auch nicht vor der selbstkritischen Einschätzung zurück, "dass so manche Derby-Schlacht in der Fußball-Bundesliga gegen die 'Prügeleien' in der Geschichte der Christenheit geradezu harmlos" sei. Auch mit Blick auf aktuelle politische und kircheninterne Kontroversen müssten Christen ihren Ton immer wieder kritisch hinterfragen.

"Zu uns kommen Leute, die sonst nirgendwohin gehen", so der Sozialarbeiter und BVB-Fanbetreuer Thilo Danielsmeyer. Es seien Leute, "die in der einen Woche dem Fan der gegnerischen Mannschaft eins aufs Maul geben und in der nächsten Woche 2.000 Euro für einen Kindergarten sammeln", warnte er vor Schwarz-Weiß-Sicht auf die Szene der Ultras. Diese kämen nach seiner Erfahrung überwiegend aus gutbürgerlichen Lebensverhältnissen und wollten beim Fußball im Stadion Emotionen ausleben und gemeinsam Spaß haben.

Der Sozialpsychologe Pradeep Chakkarath von der Ruhr-Universität Bochum sieht in der Fußball-Fankultur vor allem einen Ausdruck der "urmenschlichen Bedürfnisse nach Zugehörigkeit und Anerkennung in einer Gruppe". Kritisch sieht Chakkarath auch mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsdebatte, "dass sich unsere Gesellschaft derzeit immer stärker polarisiert und die eine gesellschaftliche Gruppe die andere nicht mehr verstehen will." Es brauche Mitgefühl und die Fähigkeit, den anderen bei allen Unterschieden als leidensfähige Kreatur anzuerkennen.

Darüber hinaus widersprach Chakkarath mit dem Hinweis auf den zivilen Ungehorsam Gandhis der These, Feindesliebe sei illusorisch. Der gewaltlose Widerstand Gandhis sei deshalb erfolgreich gewesen, weil sie an die christliche Ethik der britischen Kolonialherrn appellierte und die britischen Besatzer sich diesem Appell auf Dauer nicht entziehen konnten.

Für den Theologen Jens Oboth von der gastgebenden Katholischen Akademie bietet der Fußball mit seinen klaren Regeln und deren konsequenter Durchsetzung "Konfliktlösungsansätze, die wir als Christen auch in andere Lebensbereiche übersetzen können". Dirk Haslinde vom christlichen Fanclub des BVB sieht die Gemeinschaft der Fußballfans für viele als "eine Ersatzfamilie, in der sie Anerkennung und auch Antworten auf Lebensfragen erfahren". Und für die katholische Theologin Anke Ballhausen vom christlichen Fanclub "Mit Gott auf Schalke" gibt es in dieser Familie sogar so etwas wie Liebe: Weil Gott sie liebe, könnten zumindest christliche Fußballfans auch die Fans des Gegners lieben.

Ein Bericht für die Katholische Nachrichtenagentur vom 6. Juli 2018

Montag, 25. Juni 2018

Wenn aus einem Spiel Ernst wird

Kann man das noch Spiel nennen?“ fragt mich NRZ-Leser  Gerhard Bennertz, als wir uns in der Stadtmitte treffen und über die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ins Gespräch kommen.
Wir lassen die Szene des Deutschland/Schweden-Spiels Revue passieren, in dem sich der deutsche Mittelfeldspieler Sebastian Rudy einen Nasenbeinbruch zuzog und blutend ausgewechselt werden musste, weil ihm sein schwedischer Gegenspieler im Zweikampf mit dem seinem Knie ins Gesicht gesprungen war. Wer die Szene gesehen hat, fühlte sich eher an einen antiken Gladiatorenkampf oder ans Catchen, denn an gepflegtes Fußballspiel erinnert. 

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt erst mal euren Arzt und Apotheker, ehe ihr von einer Karriere als Fußball-Profi träumt“, möchte man da ballverliebten Jugendlichen sagen, die auf staubigen Sportplätzen hoffnungsvoll und begeistert den langen Weg durch die Fußballinstanzen antreten.
Man ahnt, warum Britanniens einstiger Premierminister Winston Churchill nach dem Motto: „No, sports“ lebte und damit 91 Jahre alt wurde, wenn man manches Foul auf dem Fußballplatz mit ansehen muss oder angesichts eines  Achterbahn-artigen Spielverlaufs Baldrian braucht. Wenn es nicht nur um Tore, Punkte und die Ehre, sondern auch um zu viel Geld geht, verwandelt sich der Spaß am Spiel zu oft in bitteren und manchmal auch blutigen Ernst.

Dieser Text erschien am 25. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 21. Juni 2018

Ein Jahr im Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters

Malizo Mazamo hat sich einen Traum erfüllt, Der fußballbegeisterte Südafrikaner wollte das Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters kennen lernen. Das brachte den 16-Jährigen aus Johannesburg im August 2017 nach Mülheim.


"Die Deutschen sind nicht so aggressiv, zurückgezogen und streng, wie ich es in Südafrika gehört habe. Ich habe ein Land mit offenen und hilfsbereiten Menschen und ein Land mit Kultur kennen gelernt, in dem ich auch keinen Rassismus erleben musste", erzählt der schwarze Gastschüler aus Südafrika am Vorabend seines Heimflugs. Vermittelt vom Verband International Football Exchange und betreut vom Schüleraustauschwerk Open Door e.V., hat Malizo den Alltag in  zwei Mülheimer Gastfamilien und den Schulalltag am Gymnasium Heißen kennengelernt.

Nach Deutsch-Kursen in Johannesburg und Köln wurde er in der Deutsch-Vertiefungsklasse des Gymnasiums zusammen mit anderen ausländischen Seiteneinsteigern herangeführt. Sogar an die Interpretation deutscher Gedichte hat er sich herangetraut, wenn auch nur mit bescheidenem Erfolg, wie er einräumt. Die Fälle der deutschen Grammatik waren nicht sein Fall, obwohl man sich nach einem Jahr Deutschland mit Malizo sehr gut über seine Eindrücke von Land und Leuten unterhalten kann.

Er hat seine deutschen Altersgenossen als weniger diszipliniert kennen gelernt, als er sich das vorher vorgestellt hatte. Interessant fand er, dass an seiner deutschen Gastschule so viel diskutiert und in Gruppen gearbeitet wurde. Das kennt er in seiner Highschool im Westen von Johannesburg anders. Da ist Frontalunterricht angesagt, in dem die Schüler lernen und weniger reden sollen. Viel Spaß machte ihm das Fußballspiel in der B-Jugend des Tus Union 09. Daheim kickt er beim FC Randenburg, Toll fand der Teenager aus Südafrika auch, dass seine Gastfamilie ihm nicht nur Mülheim und Münster, sondern auch München zeigte. Dort besuchte er mit seinen Gastgebern ein Bundesliga-Spiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Nur das Spielergebnis, der BVB verlor haushoch, gefiel ihm nicht. Denn Malizo ist Dortmund-Fan. In Mülheim hat Malizo nicht nur "die stille Natur an der Ruhr" und die "vielen Busse und Bahnen", wie Bratkartoffeln und Döner Kebab gut gefallen, die er aus seiner Heimat nicht kennt. 

Der 16-jährige Schüler, der nach seinem Abitur Wirtschaftsprüfer werden möchte, kann sich vorstellen, Deutschland privat und beruflich wiederzusehen. Und seine Betreuerin von Open Door, Heike Kartenbender, wirbt nach den guten Erfahrungen mit Malizo um Gastfamilien, die Lust haben für 5 oder 9 Monate einen 16-jährigen Gastschüler aus Israel aufzunehmen. Er heißt Ben, ist 16 alt, kommt aus Tel Aviv und spielt genauso gerne und gut Fußball, wie Malizo Mazamo. 

Mehr zum Thema bei Heike Kartenbender unter der Rufnummer: 0221-6060855-13, per Mail an: heinke.kartenbender@opendoor-international.de oder online unter: www.opendoor-international.de 


Dieser Text erschien am 20. Juni 2018 im Lokalkompass und in der Mülheimer Woche

Montag, 18. Juni 2018

Plakative Verführung

Mir lacht einer unserer Nationalspieler entgegen. Ich sehe ihn auf einem Werbeplakat. Er macht einen energischen und entschlossenen Eindruck. So sehen Weltmeister aus. Toll. Wie macht der Mann das bloß? Das Werbeplakat verspricht mir, dass auch ich zu einem solchen Strahlemann und Siegertypen werden kann, wenn ich mir den selben Schokoriegel, wie der plakative Spitzensportler einverleibe. Nicht, dass ich einem Schokoriegel gegenüber abgeneigt wäre, der mir Energie liefert. Doch ich kenne mich. Es bleibt am Ende nicht nur bei einem Riegel und meine Energie wird zu teuer bezahltem Hüftgold, das mich davon abhält energisch und sportiv mein Spiel zu machen. Außerdem werde ich den Verdacht nicht los, dass der Nationalspieler auf dem Werbeträger nicht wegen seines Schokriegels, sondern wegen der Kröten strahlt, die er als Nachspeise kassiert, während Unsereins am Ende nur seine Kröten verliert und Kröten schlucken muss, die alles andere, als bekömmlich sind.

Dieser Text erschien am 18. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 14. Juni 2018

Wenn es einfach rund läuft

Wenn ihr Kollege in den nächsten Tagen und Wochen unausgeschlafen oder mit viereckigen Augen ins Büro kommt und in so manchen Familien ein heftiger Streit um die Fernbedienung ausbricht, weil sich Sportmuffel und Fußballfans unversöhnlich das Feld vor dem Fernsehgerät streitig machen, dann liegt das an der heute in Russland beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft. Ob Grillkohle, Schokoriegel, Limonade oder Brotaufstrich. Alles wird uns in diesen Tagen im schwarz-rot-goldenen Fußball-Design schmackhaft gemacht.


Erstaunlich. 22 Männer kämpfen um einen Ball und versuchen ihn im gegnerischen Tor zu versenken. Klimawandel,  Staatsverschuldung, Strafzölle, demografischer Wandel, Vermüllung der Meere, Krieg und Frieden. Das alles kann jetzt erst mal warten. Wir wollen Tore sehen, ob im Stadion oder in der Fankurve auf der Couch daheim. Warum ist Fußball weltweit so erfolg- und damit in unseren ökonomisierten Zeiten auch so ertragreich? Ganz einfach. Es ist ganz einfach, für alle nachzuvollziehen und mit klaren Regeln ausgestattet, über die unparteiische Schiedsrichter wachen und denen sich die Akteure auf dem Spielfeld nicht entziehen können. Wer gut spielt, schießt Tore und gewinnt. Wer sich daneben benimmt, bekommt eine gelbe und dann eine rote Karte und fliegt vom Platz. So klare Regeln würde man sich auch auf anderen Spielfeldern unserer Welt wünschen.

Dieser Text erschien am 14. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 28. Oktober 2016

Integration am Ball: Fußball macht aus Fremden Freunde - Ein Turnier des TBD Speldorf zeigt es



Dabei sein war alles: "Familienfoto" der Turnierteilnehmer

Die Flüchtlingsfußballer vom Team des Awo-Jugendwerkes
„Houssam indirekt!“ ruft Leopold Nienhaus seinem Spieler zu, der zum Freistoß gegen TUS Union 09 antritt. Der Ball geht am Tor vorbei. Auch wenn sich Housam ärgert, weil das Spiel gegen den späteren Turniersieger TUS Union mit 0:1 verloren geht, ist sein Trainer zufrieden. Denn drei Siege, zwei Unentschieden und eine Niederlage bescheren seinem Team am Ende Platz 3. „Beim Frühjahrsturnier konnten die Jungs als Letzte nur einen Fairness-Pokal gewinnen. Heute spielen sie schon wirklich gut und schießen endlich auch Tore,“ lobt Nienhaus.
Der 19-jährige Abdal Houssam aus dem Irak ist einer der Flüchtlinge, die als Mannschaft des Jugendwerkes der Arbeiterwohlfahrt beim Sommerturnier des TBD Speldorf angetreten ist.

Die jungen Männer aus Syrien, dem Irak, Ghana, Nigeria und Marokko spielen nicht nur an diesem Turniertag auf der Sportanlage des TBDs an der Langensiepenstraße. Seit April trainieren sie hier auch dienstags und freitags zusammen mit den Spielern des Speldorfer Clubs. Als die Bezirks-Geschäftsführerin des Awo-Jugendwerkes, Nadia Khalaf, auf der Suche nach einer geeigneten Spiel- und Trainingsstätte für die Flüchtlinge suchte, wurde sie unerwartet schnell bei ihrem Landesgeschäftsführer-Kollegen Torsten Otting fündig, der bei den alten Herrn des TBD Speldorf mitspielt. „Anfangs gab es gewisse Vorbehalte. Aber das hat sich schnell gegeben. Die Jungs sind wirklich in Ordnung und wir sprechen jetzt beim Training öfter Englisch“, erzählt der Vorsitzende des 1895 gegründeten und heute 180 Mitglieder zählenden TBD Speldorf, Michael Weber.

Man kommt sich näher

Beim Bier oder Wasser nach dem Training oder nach dem Spiel ist man sich auch menschlich näher gekommen. Dann erzählen die jungen Männer, die seit einigen Monaten in den Flüchtlingsunterkünften an der Mintarder Straße und an der Holzstraße leben auch von ihren Fluchterlebnissen. Das Schlimmste, so hört man von ihnen, sei es gewesen nachts bei Regen mit kaputten Klamotten unterwegs zu sein. Ob sie über die Balkanroute oder über das Mittelmeer kamen, die Angst war immer ihr Begleiter. TBD-Spiele Ralf Weidemann kommt nach seinen Gesprächen mit den neuen Fußball-Kollegen zu dem Ergebnis „Den meisten Bürgern fehlen die Informationen darüber, unter welchen Nöten und unter welcher Perspektivlosigkeit und Todesangst die Flüchtlinge in ihrer Heimat leben mussten und weshalb sie zu uns gekommen sind.“
Der 23-jährige Leopold Nienhaus, der als ehrenamtlicher Vorsitzender des Kreisjugendwerkes der Awo die Fußballer mit Fluchtgeschichte trainiert, findet: „Man sollte mehr machen als mehr reden. Und das sollte hier jeder mal machen, weil die Begegnungen mit diesen Menschen einem mögliche Kontaktängste nehmen und zeigen, welchen Schatz die Flüchtlinge mitbringen.“ Bei Spielen und Trainingseinheiten merkt der angehende Erzieher, der über einen Freiwilligendienst zur Jugendwerk der Awo kam, „dass es den Jungs gut tut, sich mal richtig auszupowern.“ Auch als Turnierzuschauer an der Langensiepenstraße merkt man sofort: Fußball verbindet und seine klaren Regeln werden über alle Sprachbarrieren hinweg verstanden.

Sie wollen ihre Talente einbringen

Der TBD-Vorsitzende Michael Weber ist vor allem vom Torwart, dem 18-jährigen Elias aus Ghana, begeistert. „Der hält, wie ein Weltmeister. Den können wir demnächst an Bayern München verkaufen“, scherzt er. Von einer Karriere als Fußball-Profi träumen David (41), Abdal Houssam (19), Elias (18), Mohammed (21), Hamid (22) und Hassan (19). Sie träumen davon, so sagen sie übereinstimmend, „dass unsere Asylanträge positiv beschieden werden, dass wir einen Sprachkurs besuchen und unsere Talente hier einbringen können.“ In ihrer Heimat waren die Flüchtingsfußballer Abiturient, Student, Versicherungskaufmann oder Computeringenieur. Ihr Potenzial und ihre Motivation sind mit Händen zu greifen. „Der Fußball ist für uns eine schöne Abwechslung und die Menschen hier sind sehr freundlich zu uns. Aber das Warten und die Unsicherheit machen krank“, spricht David seinen Mannschaftskameraden und Schicksalsgenossen aus dem Herzen.

Förderung vom Land

Nadia Khalaf kann sich vorstellen, die jungen Männer langfristig auch in die Arbeit des Awo-Jugendwerkes einzubinden, das Freizeit,- Ferien- und Bildungsangebote vor allem für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche organisiert. Jetzt ist sie aber erst mal froh darüber, dass die Flüchtlingsmannschaft nicht nur mit Hilfe des TBD Speldorf, sondern auch mit Fördermitteln des Landesfamilienministeriums ausgestattet werden konnte. „Bälle, Trikots und Fußballschuhe haben wir schon. Jetzt brauchen die Jungs nur noch ordentliche Schienbeinschoner“, sagt Khalaf und hofft auf eine Möglichkeit, dass das Team des Jugendwerkes in den Wintermonaten vielleicht in einer Fußballhalle an der Schmitzbauerstraße spielen kann. Weitere Informationen über die Arbeit des Awo-Jugendwerkes bietet die Internetseite: www.jugendwerk.de

Dieser Text erschien am 12. September 2016 in der Mülheimer Woche

Samstag, 27. August 2016

Ein grün-weißes Sommermärchen: 1956 schaffte es der VfB Speldorf bis ins Berliner Finale der deutschen Fußball-Amateure und euphorisierte damit die Mülheimer Fußballfans

Was für Deutschland die Helden von Bern, das waren für Mülheim die Helden von Berlin. Die Rede ist von der Elf des VfB Speldorf, die vor 60 Jahren Vizemeister der deutschen Fußball-Amateure wurde.

Nur den „Roten“ aus Neu-Isenburg mussten sich die Grün-Weißen aus Speldorf im Berliner Finale geschlagen geben. Auch wenn es für die von Kurt Biesenkamp trainierte Mannschaft nach 90 Minuten 2:3 hieß, sahen viele der 75 000 Zuschauer die vom Verletzungspech und von umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen gebeutelten Speldorfer als „moralische Sieger.“ Auch Bundestrainer Sepp Herberger und Torwart-Legende Bernd Trautmann diktierten der Presse den Satz: „Die Speldorfer waren eine Klasse besser“ in den Block.

VfB-Leistungsträger und Nationalspieler Theo Klöckner, erlitt gleich zu Beginn des Spiels einen Wadenbeinbruch, machte aber unbeirrt weiter und schoss später sogar noch ein Tor.
Helmut Hirnstein, Heinz Riepe, Ernst Stroß, Hans Otto Bösebeck, Georg Hanselmann, Horst Riemenschneider, Walter Krogel, Werner Höttger, Walter Reichert, Theo Klöckner, Kurt Zimmermann, Heinz Brands, Harro Weiß

Die Spieler-Namen der Vizemeister-Elf von 1956 klingen für Speldorfer Fußball-Nostalgiker noch heute, wie Musik oder wie Fritz Walter, Toni Turek und Helmut Rahn.
Nach ihrer Rückkehr aus Berlin wurden die Verlierer, wie Sieger gefeiert. Ihr Triumphzug durch die Stadt dauerte eineinhalb Stunden. Tausende säumten die Straßen. In vielen Fenstern wurde Grün und Weiß geflaggt. Der Verkehr kam zeitweise völlig zum Erliegen.

Spieler des Vizemeisters und VfB-Präsident Heinz Otten sprachen später von einem „100-prozentigen Mülheimer Ereignis“ und von einem nie zuvor und nie danach erlebten „Rausch“ der Fußball-Euphorie. „Die Menschen feierten die Mannschaft auf eine Art, wie es Mülheim bisher noch nie erlebt hatte“, schrieb die lokale Sportpresse.

Das Speldorfer Sommermärchen 1956 hatte mit dem Gewinn der Niederrhein-Meisterschaft begonnen. Als Niederrhein-Meister hatte sich der VfB Speldorf für die ab 1951 ausgetragene Deutsche Meisterschaft der Fußball-Amateure qualifiziert.

Siege über Duisburg 08, Dortmund 95, die Spielvereinigung Hagen und Eintracht Braunschweig sowie ein Unentschieden bei Troisdorf 05 hatten Speldorf den Weg zum Deutschen Vizemeister der Fußball-Amateure geebnet.

Auch wenn die Speldorfer nach ihrer umjubelten Vizemeisterschaft für eine Saison in der Zweiten Liga West und viele Jahre später immerhin auch in der NRW-Liga spielen sollten, konnten sie bis heute nie wieder die Fans so begeistern, wie sie es im Sommer 1956 getan hatten.
Während ein in Speldorf verwurzelter Spieler, wie Kurt Zimmermann Angebote von Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf ablehnten und noch bis 1963 in den Reihen der Grün-Weißen kickten, spielte Theo Klöckner nach der Einführung der Bundesliga (1963) unter anderem für Werder Bremen und wurde so in der Saison 1964/65 Deutscher Fußballmeister.

Stichwort: VFB Speldorf


Das VFB im Vereinsnamen der Speldorfer steht für „Verein für Bewegungsspiele.“ Der 1919 gegründete VFB Speldorf trat als Zusammenschluss die Nachfolge der Clubs Rheinland und Preußen an. Die Grün-Weißen, deren erste Mannschaft zurzeit in der Landesliga spielt, kickten in den 30er Jahren in der Bezirksklasse Niederhein, die sie zweimal als Meister abschlossen, ohne in die Gauliga aufsteigen zu können. Der kriegsbedingte Spielermangel führte 1943 dazu, dass der VFB Speldorf zusammen mit dem TSV Broich 85 und dem MSV 07 eine Kriegsspielgemeinschaft Linksruhr bildete. Nach dem Krieg spielte der VFB zunächst in der Bezirksliga Niederrhein. Nach seinem 1956 erreichten Aufstieg in die Zweite Oberliga West konnte sich der VFB nur eine Saison lang in dieser Klasse halten. Ursprünglich am Blötter Weg beheimatet, spielen und trainieren die Grün-Weißen seit 2010 im Ruhrstadion und auf dem Sportplatz an der Saarner Straße. 2009 konnte sich VFB Speldorf als Niederrhein-Pokalsieger für den DFB-Pokal qualifizieren.

Dieser Text erschien am 20. August 2016 in NRZ/WAZ

Montag, 27. Juni 2016

Ein Stück Mülheimer Fußbalgeschichte: Vor 40 Jahren spielten die Styrumer Löwen in der 2. Bundesliga

In den frühen 70er Jahren hatten die Styrumer Löwen oft
Grund zum Jubeln, wie dieses Fotos aus dem Mülheimer Stadtarchiv
zeigt
Bundesliga-Fußball in Styrum? Unglaublich, aber wahr, zumindest vor 40 Jahren.

Mitte der 70er Jahre erlebten die Löwen des 1. FC Mülheim-Styrum die Hochzeit ihrer inzwischen 92-jährigen Vereinsgeschichte. Damals hießen die Gegner, die ins Ruhrstadion kamen Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Hannover 96, Rot-Weiss Essen, Wattenscheid 09, Bayer Uerdingen oder FC St. Pauli.

Denn in den Jahren 1974 bis 1976 spielten die Löwen in der Zweiten Bundesliga-Nord. In ihrer ersten Zweit-Liga-Saison erreichten die Fußballer um Trainer Horst Witzler immerhin einen achtbaren 11. Platz im Tabellen-Mittelfeld. Und im DFB-Pokal war für die Styrumer erst in der dritten Runde gegen den Erst-Ligisten Eintracht Frankfurt Schluss. In den Reihen der Frankfurter spielten damals Weltmeister, wie Bernd Hölzenbein und Jürgen Grabowski.
Die Idole der Styrumer Fußballfreunde waren damals Abwehrspieler Ernst Bachmann, Torwart Manfred Manglitz, die Mittelfeld-Spieler Wilfried Mackscheidt und Reiner Greiffendorf sowie die Stürmer Otto Luttrop und Holger Osiek. Er sollte später unter anderem als Co-Trainer der deutschen und als Cheftrainer der australischen Nationalmannschaft.

20 000 Zuschauer im Styrumer Ruhrstadion waren damals keine Seltenheit. Nach einem Spiel gegen Rot-Weiss Essen schrieb die lokale Sportpresse zum Beispiel im Januar 1973: „Die Straßen in Styrum quollen über. Das Spiel des Jahres lockte die Massen.“
Begeistert waren die Styrumer Fan-Massen auch schon vor dem Aufstieg in die damals vom DFB neugebildete Zweite Bundesliga Nord. Unter Witzlers Vorgänger Albert Becker gehörten die Löwen zu den Top-Teams der Regionalliga West und wurden 1972 Niederrheinmeister.

Danach wollte man in Styrum das ganz große Rad drehen. „Alle wollen in die Erste Bundesliga, warum sollten wir das nicht auch wollen“, gab sich FCM-Trainer Witzler vor dem Start in die erste Zweitliga-Saison zuversichtlich. Und erste Siege feuerten die Styrumer Fußball-Euphorie an.

Doch auch schon damals, ging es im Bundesliga-Fußball eben nicht nur um sportliche Leistung, sondern auch um Geld. Die Stadt gab dem Club ein Darlehn von 160 000 Mark, um das Ruhrstadion zweitligatauglich zu machen. Die Mannesmann-Röhrenwerke und die Siemens Kraftwerk-Union begleiteten die Löwen als Sponsoren.
Dabei bezog sich ihre Unterstützung vor allem darauf, Spielern, einen trainingsfreundlichen Arbeitsplatz anzubieten, der sie finanziell absicherte. Auch die Einnahmen durch Fernsehübertragungsrechte waren damals mit rund 30 000 Mark pro Saison noch eher bescheiden.

Statt des Aufstiegs in die Erste Bundesliga, kam nach der zweiten Saison in der Zweiten Bundesliga der Abstieg ins Amateurlager. Auch wenn der Mülheimer Traditionsclub in den folgenden Jahren immer mal wieder auf- und abstieg, gelang den Löwen doch nie wieder der erneute Sprung in den Profi-Fußball.

Was nach dem Abenteuer Zweite Bundesliga blieb, war ein Schuldenberg von rund 1,6 Millionen Mark und die Notwendigkeit, das Vereinsheim an der Moritzstraße zu verkaufen.

Weitere Informationen rund um den Styrumer Traditionsclub auf www.1fc-muelheim.de

Dieser Text erschien am 25. Juni 2016 in der NRZ/WAZ

Samstag, 18. Juni 2016

Die Nummer 1 aus Speldorf: Fritz Buchloh war in einer Zeit Torwart der deutschen Nationalmannschaft, als die Fußball-Profis noch Amateure waren

Fritz Buchloh
1909-1998
Foto Stadtarchiv Mülheim
Ein Nationaltorhüter aus Mülheim? Was in diesen EM-Tagen unvorstellbar klingt, war in den Jahren 1932 bis 1936 Wirklichkeit. 17-mal hütete Fritz Buchloh damals das Tor der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Reichstrainer Otto Nerz hatte den Torwart des VFB Speldorf bei einem Spiel der Westdeutschen Länderauswahl entdeckt und nominiert.

Am 4. Dezember 1932 stand der damals 23-Jährige Mülheimer erstmals im Tor der deutschen Nationalmannschaft. Sportlerpech, dass er bei seinem Debüt gegen die Niederlande zweimal hinter sich greifen musste. Die Deutschen verloren ihr Auswärtsspiel in Amsterdam mit 0:2. Doch Trainer Nerz, Vorgänger des späteren WM-Trainers Sepp Herberger, erkannte das Talent des Mülheimers und behielt ihn in seinem Kader.

Buchlohs zweite Chance kam schon bald. Am 1. Januar 1933 spielte Deutschland in Bologna gegen die spätere Weltmeister-Elf der Italiener. In der 50. Minute, Deutschland lag bereits 1:3 zurück, drohte das Team von Otto Nerz auseinanderzubrechen, nachdem Torwart Hans Jakob von Jahn Regensburg verletzt ausgewechselt werden musste. Doch sein Ersatzmann Fritz Buchloh brachte die italienischen Weltklasse-Stürmer mit seinen Glanzparaden zur Verzweiflung. So blieb es immerhin beim 1:3. Tags darauf feierte die deutsche Sportpresse den Mann vom VFB Speldorf als „Helden von Bologna.“ Buchloh erinnerte sich später: „Dieses Spiel war für mich, wie ein Traum!“

Von Millionen-Gagen, a la Schweinsteiger, Gomez, Neuer und Co konnten Buchloh und seine Kicker-Kollegen noch nicht mal träumen. Buchloh, der nach seinem Abitur am heutigen Karl-Ziegler-Gymnasium zunächst in der Mülheimer und später in der Essener Stadtverwaltung arbeitete, bekam bei seinen Länderspieleinsätzen gerade mal die Fahrtkosten vom DFB erstattet. Das waren bei einem Länderspiel gegen Belgien, 1935 in Duisburg, gerade mal 40 Pfennige für die Straßenbahnfahrt in die Nachbarstadt.

Jahrzehnte später, als sich der deutsche Spitzen-Fußball längst professionalisiert und kommerzialisiert hatte, sagte Buchloh in einem Zeitungsinterview: „Sportler werden heute nicht nach ihrer Leistung, sondern nach der Popularität ihres Sportes bezahlt. Aber ich glaube, dass der Fußball früher fröhlicher und unkomplizierter war.“
Obwohl Buchloh 1934 und 1938 zum deutschen WM-Kader gehörte, erlebte er den vielleicht größten Moment seiner Amateur-Fußball-Karriere bei den Olympischen Spielen in Berlin beim 9:0-Sieg über Luxemburg. Dieser Höhepunkt sollte auch schon fast der Endpunkt seiner aktiven Zeit als Nationaltorwart sein. Denn am 13. September 1936 stand Fritz Buchloh bei deutschen 2:0-Sieg über Polen zum letzten Mal zwischen den deutschen Pfosten.

Doch Buchloh blieb dem Fußball treu, wechselte als Torwart vom VFB Speldorf zu Herta BSC und später zu Schwarz Weiß Essen. Außerdem ließ er sich in Berlin zum Diplom-Sportlehrer ausbilden. Das eröffnete ihm nach Kriegsteilnahme, Verwundung und Kriegsgefangenschaft nach 1945 die Möglichkeit als Trainer zu arbeiten. Buchloh trainierte nach dem Krieg nicht nur Schwarz-Weiß Essen und die  Niederrhein-Auswahl, sondern für einige Jahre auch die isländische Nationalmannschaft. Damit war er der erste im Ausland aktive deutsche Fußballtrainer.

Doch seinen Lebensunterhalt verdiente er weiter als Mitarbeiter im Essener Sportamt. Nebenberuflich engagierte sich Buchloh als Schatzmeister des deutschen und des europäischen Fußball-Lehrerverbandes sowie als Vorsitzender und Ehrenvorsitzender seines alten Clubs VFB Speldorf. Für seine sportliche und menschliche Lebensleistung zeichnete die Bürgergesellschaft Mausefalle Fritz Buchloh 1981 mit ihrem Ehrenpreis Jobs, der Kandidat aus. Und nach seinem Tod am 22. Juli 1998 würdigte ihn der VFB Speldorf in einem Nachruf als „ein leuchtendes Vorbild für den Nachwuchs.“

Dieser Text erschien am 17. Juni 2016 in der NRZ und in der WAZ 

Montag, 30. Mai 2016

Das Ende der großen Vorsitzenden: Was der Geschäftsführerin des Mülheimer Sportbundes zur Zukunft der Vereine einfällt

Anne Weber führt seit 2013
die Geschäfte des
Mülheimer Sportbundes
So schaut die 33-jährige Sportwissenschaftlerin Anne Weber, die seit 2013 die Geschäfte des Mülheimer Sportbundes führt, in die Zukunft der örtlichen Sportvereine: „Schon heute haben Vereine zunehmend den Bereich des gesundheitserhaltenden Präventions- und Rehabilitationssportes für sich entdeckt. Sie suchen verstärkt die Kooperation mit Schulen, aber auch mit Altentagesstätten und Pflegeheimen. Dieser Trend wird sich verstärken.“In diesem Zusammenhang weist sie auf den Senioren-Sport-Aktionstag in der RWE-Sporthalle hin, zu dem der MSB und die örtlichen Sportvereine am 3. Juni von 14 bis 18 Uhr einladen werden. Frei nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“ sollen hier vereinsferne, aber sportlich interessierte Senioren angesprochen werden. Auch wenn sie sich grundsätzlich immer mehr Sport- und Schwimmflächen wünschen würde, sieht Anne Weber optimistisch in die Zukunft der Sportvereine, wenn sie, wie bisher, eine vergleichsweise starke politische Lobby behalten. Den Neubau der Dreifachsporthalle an der Luisenschule und des Friedrich-Wennmann-Bades in Heißen begrüßt die MSB-Geschäftsführerin als zukunftsweisend.Das nimmt sie auch für das ehrenamtliche Engagement und die Gutscheine in Anspruch, mit deren Hilfe auch Flüchtlinge und andere sozial benachteiligte Mülheimer in den Betrieb der Sportvereine integriert werden. Mit Blick auf die ehrenamtliche Vorstandsarbeit in den Sportvereinen sieht Weber eine Entwicklung, in deren Zuge „es keine ehrenamtlichen Vorsitzenden mehr geben wird, die Tag und Nacht und das mindestens 30 Jahre lang, für ihren Verein da sein werden.“ Stattdessen geht sie davon aus, dass die Vereine künftig verstärkt auf den entlastenden Einsatz von Projektteams und die Anstellung von Honorarkräften setzen müssen, um die ehrenamtlichen Vorstandsmitglieder zu entlasten.

Dieser Text erschien am 18. Mai 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Leder, made in Mülheim

  Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu...