Posts

Es werden Posts vom 2020 angezeigt.

Zwischen Trümmern und Tannenbaum

Weihnachten 1945. 125.000 Mülheimer, unter ihnen 1000 Flüchtlinge aus dem Osten Deutschlands, feiern das Geburtsfest Jesu in einer vom Krieg gezeichneten Stadt. Fast 900.000 Kubikmeter Trümmerschutt sind nach dem Kriegsende im April liegen geblieben. Es wird bis 1953 dauern, ehe die Stadt an der Ruhr wieder trümmerfrei ist. Weil 29 Prozent der Wohnungen vom Krieg zerstört und weitere beschädigt sind, müssen viele Mülheimer in Kellern, Ruinen, Baracken und in Gemeinschaftsquartieren feiern. „Wir mussten uns die vier Zimmer unserer Wohnung an der Tersteegenstraße mit sieben Leuten teilen“, erinnert sich der 1936 geborene  Walter Neuhoff . „Die Weihnachtsgottesdienste auf dem Kirchenhügel konnten nicht in der Petri- und in der Marienkirche gefeiert werden, weil beide Gotteshäuser von Bomben zerstört oder zumindest stark beschädigt waren. Deshalb nutzten die Evangelische Altstadtgemeinde um Pastor Eduard Barnstein und die Pfarrei St. Mariae Geburt um Pfarrer Johannes Heinrichsbauer den Alt

Kein Platz für Drogenabhängige?

  Die Corona-Pandemie hat die Themen Hygiene und Infektionsschutz zum Allgemeingut und zum Politikum werden lassen. Da schockt der Anblick von benutzten Spritzen, die auf einer Grünfläche zwischen Georg- und Auerstraße herumliegen. Besonders pikant: Die Grünfläche, auf der sich regelmäßig Drogenabhängige treffen, um sich auszutauschen und gemeinsam ihre Sucht zu befriedigen, liegt in unmittelbarer Nähe eines Jugendzentrums und einer Kindertagesstätte. Auch das Amtsgericht ist nicht weit. Eine anonyme E-Mail aus der Mülheimer Drogenszene, die der Mülheimer Woche vorliegt, zeigt: Dieser Zustand wird selbst innerhalb der Drogenszene als unhaltbar angesehen. Die Diplom-Pädagogin Jasmin Sprünken, die die Drogenhilfe der Arbeiterwohlfahrt leitet, kennt das Problem. Vor dem Hintergrund ihrer Beratungserfahrung schätzt sie die Größe der Mülheimer Drogenszene auf etwa 800 Personen. Sie geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus. Die Arbeiterwohlfahrt hilft Sprünken und ihre Kollegen betreiben

Er geht nicht so ganz

Eigentlich sollte der 61-jährige Ulrich Schreyer bereits Ende März aus seinem Amt als Geschäftsführer des Diakoniewerkes Arbeit und Kultur verabschiedet werden. Doch dann kam alles anders. Weil sich die ins Auge gefasste Nachfolgeregelung nicht bewährt hatte, musste Schreyer nach 25 Jahren im Amt seine eigene Nachfolge antreten. „Die Corona-Pandemie hat die Karten neu gemischt und uns allen gezeigt, dass wir als Menschen nicht alles in der Hand haben. Die letzten Monate wurden für mich eine harte und herausfordernde Zeit. Aber in solch einer Krise ist es gut, wenn Führungskräfte mit langer Erfahrung, die besonnen handeln können, an Bord bleiben“, sagt Ulrich Schreyer über seine berufliche Nachspielzeit. 1986 war er als Sozialsekretär beim Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr eingestiegen. Gottesdienst in der Petrikirche Doch am 27. Dezember ist es soweit. Dann wird er mit einem Gottesdienst, der um 11:15 Uhr in der Petrikirche beginnt, vom Superintendenten des Evangelischen Kirchenk

Kreative Kinder

  Diesmal musste Barbara Schmidt ihre Schreibwerkstatt für kreative Fünftklässler via Videokonferenz abhalten. Auch hier galt angesichts der Coronavirus-Pandemie digital vor analog. Doch das tat der Schreiblust der zehn- und elfjährigen Mülheimer keinen Abbruch. Diesmal spitzten Devin, Nele, Robin, Lilly, Rebecca, Isabella, Ella,  Marlene, Johanna und Vincent immer wieder montags die Feder, um alleine in ihrem Zimmer daheim und doch gemeinsam verbunden über das Internet, ein abenteuerliches und fantastisches Theaterstück zu schreiben, das in anderen Dimensionen, aber auch an so irdischen Orten, wie Berlin, London, im Pferdestall oder in der Küche spielt. Die Internet-Lernplattform Padlet machte das literarische Gemeinschaftswerk möglich. Denn hier konnte das junge Autoren-Kollektiv Ideen, Formulierungen, Szenen, Begegnungen, Handlungsorte und Charaktere miteinander austauschen und für alle Teilnehmer der Schreibwerkstatt einsehbar hinterlegen. Fantasie ohne Grenzen Während die Montags

Helfer brauchen Hilfe

  MALZ. Das steht seit 1986 für Mülheimer Arbeitslosenzentrum. Hier finden Arbeitssuchende und Menschen, die von Arbeitslosigkeit bedroht sind, den juristisch qualifizierten Rat von Gabi Spitmann. Doch die hauptamtliche Mitarbeiterin des unabhängigen und niederschwelligen Arbeitslosenzentrums muss jetzt selber um ihren Arbeitsplatz fürchten.  Grund: Das Land NRW steigt zum Jahreswechsel aus der Finanzierung der bewährten Beratungsstelle im Gewerkschaftshaus an der Friedrichstraße 24 aus. Spitmann und die Vorsitzende des gemeinnützigen Trägervereins, Annette Lostermann-DeNil, können die Entscheidung der von CDU und FDP geführten Landesregierung nicht nachvollziehen. "Bergründet wurde das Auslaufen unserer Förderung mit einem veränderten Förderschwerpunkt der Europäischen Union. Denn die Mittel, die zu 80 Prozent unsere Personal- und Sachkosten finanzieren, kommen aus dem Europäischen Sozialfonds", erklärt Spitmann.  MALZ sieht sich im Dienst der fairen Arbeit  Dennoch kann au

Licht im Dunkeln

Man sieht eine ganze Menge, wenn man mit offenen Augen über die Schloßstraße geht, zum Beispiel leerstehende Ladenlokale und geschlossene Cafés oder Menschen, die scheinbar noch nie etwas von der Corona-bedingten Maskenpflicht auf belebten Straßen gehört haben und auf entsprechende Hinweise mit unflätigen Beschimpfungen reagieren. Diese Leute haben offensichtlich einen Wackelkontakt in ihrer Glühbirne. Ihnen fehlt die Erleuchtung, dass die Corona-Schutzbestimmungen auch sie schützen sollen und dass wir alle nur gemeinsam glimpflich durch diese Gesundheits- und Wirtschaftskrise kommen werden. Doch wenn es dunkel wird auf der Schloßstraße, dann gehen dort die Lichter der Weihnachtsbeleuchtung an. Peter Stermann und seinem Team von der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft MST sei Dank. Diese Lichter in der Dunkelheit strahlen angenehme Wärme und Normalität aus. Das tut unseren Seelen in Ausnahme- Zeiten, wie diesen, gut. Das Licht im Dunkeln erinnert uns daran, dass auch am

Seelische Gesundheit

  Zur Person:  Lutz Gierig (63 ) arbeitet seit 26 Jahren als Sozialarbeiter, Mediator und Psychotherapeut im St. Marien-Hospital.   Er hat dort die Suchttherapie aufgebaut und gemeinsam mit einer Kollegin die Orientierungsgruppe für Patienten die erst malig in der Klinik sind etabliert. Vor seiner Zeit im St. Marien-Hospital hat Gierig, den viele Mülheimer durch seine Ausstellungen  auch als bildenden Künstler kennen u. a. als Heilpädagoge und Supervisor in unterschiedlichen sozialen Einrichtungen gearbeitet.   Welchen Einfluss haben die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Menschen ?   Gierig: Die Corona-Krise hat uns z.Z. fest im Griff und dies  in vielfacher Art und Weise:  Wir erleben gegenwärtig sowohl eine umfassende Gesundheitskrise als auch eine  weltweite Wirtschaftskrise.  Normalerweis e sind wir gewohnt zur Erhaltung und Stabilisierung der körperlichen und psychischen  Gesundheit,  Kontakte zu pflegen und Nähe zu erfahren aber gerade das ist zur Zeit nur unter erhebliche

Rosenmontag im Dezember

  Die zwölf Gesellschaften des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval und ihr Sponsor Selgros Cash & Carry machten jetzt aus der Not eine Tugend. Weil der Rosenmontag 2021 Corona-bedingt definitiv ausfallen wird, überbrachten Jörg Kamperhoff, vom Handelsunternehmen Selgros (links) und der Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval, Markus Uferkamp (rechts) dem Leiter des Raphaelhauses, Christian Weise, das bereits auf Lager liegende, aber jetzt nicht mehr für den Rosenmontagszug benötigte Wurfgut als süße Vorweihnachts-Überraschung für die jungen Bewohner des Raphaelhauses an der Vossbeckstraße in Saarn.  Natürlich werden Christian Weise und seine Kollegen darauf achten, dass die süße Advents-Überraschung der Karnevalisten und ihres Sponsors Selgros gut verteilt wird, damit sich die gute Tat am Ende nicht zum Fluch und zu einem ungewollten Arbeitsbeschaffungsprogramm für Zahnärzte entwickelt. Auf seiner Internetseite: ww.raphaelhaus.de schreibt das Team der Einrichtun

Mülheims Brockhaus

  Das neue   Jahrbuch   ist da. Es trägt die Jahreszahl 2021 im Titel, berichtet aber in seinen 32 Beiträgen auf 287 bild- und faktenreichen Seiten über das das Geschehen im Mülheim von gestern und heute. „Auch dort, wo es, wie zum Beispiel beim Thema 100 Jahre Stadtsportbund um Geschichte geht, werden, hier mit Blick auf die Universiade und Olympia, auch Perspektiven für die Zukunft deutlich“, betont Oberbürgermeister Marc Buchholz. „Hier schreiben Bürger für Bürger, und das sehr grundsätzlich  und fundiert, so dass man in der Gesamtschau der Jahrbücher die Entwicklung wichtiger Themenfelder nachvollziehen kann“, sagt Stadtfotograf Walter Schernstein. Schernstein und seine Kollegin Ursula Deckert, sind das Tandem, das redaktionell für die Herausgabe des inzwischen 76. Mülheimer Jahrbuches verantwortlich zeichnet. Mit einer abwechslungsreichen Fotostrecke, die schon mit dem Blick aufs Autokino am Flughafen beginnt und dann auf den ersten Innenseiten fortgesetzt wird, setzt Schernstein

"Wenn Romane schlauer machen und Wissenschaft unterhaltsam ist, dient das allen"

  Der 1969 geborene Styrumer Autor lehrt hauptberuflich Politik- und Sozialwissenschaften sowie Religionspädagogik. Während seines ersten Berufslebens hat der zweifache Familienvater als Journalist und später als Entwickler in einer Firma gearbeitet, die Computerspiele herstellt. In seiner Freizeit schreibt er unter dem Pseudonym Stefan Boucher Belletristik. Im Gespräch mit der Mülheimer Woche berichtet er über seinen neuesten Roman „Long Forgotten“. Worum geht es in Ihrem in der Edition Vi:Jo erschienen Roman „Long Forgotten“, deutsch: „Lange vergessen“? Boucher:  Um Menschen, die im Mediensektor arbeiten und dort ein Start-Up-Unternehmen gegründet haben. Sie erzeugen virtuelle Wirklichkeiten, die mithilfe Virtueller-Realitäts-Brillen (VR-Brillen) genau das projizieren, was sich die Kunden individuell vorstellen wollen. Die Mitarbeiter des Berliner Unternehmens sind so in ihre Arbeit verliebt, dass sie gar nicht merken, dass sie die Wünsche, Träume und Ängste ihrer Kunden instrumental

Weihnachten, mal ganz anders

  Volle Kirchen, ob bei Konzerten oder Gottesdiensten. Das gehört traditionell zum Weihnachtsfest wie das Amen in der Kirche. Nicht so im Corona-Jahr 2020. Superintendent Gerald Hillebrand erklärt am Vorabend des ersten Advent: "Wir haben uns schon seit zwei Monaten mit Weihnachten beschäftigt. Es findet statt, soviel steht fest. Und seine Botschaft von Hoffnung und Nächstenliebe ist in Krisenzeiten, wie diesen, lebensnotwendiger denn je. Aber es ist alles total anders, als an den Weihnachtstagen, die wir bisher erlebt haben. Wir mussten berücksichtigen, dass angesichts der notwendigen Corona-Schutzbestimmungen vieles anders gemacht werden muss, als gewohnt. Dabei sehe ich die Corona-Pandemie als Herausforderung an uns alle und ganz besonders an die Kirche, trotz des gebotenen Abstands nah beieinander und miteinander verbunden zu bleiben." Ganz, wie gewohnt, schmückt der Stern von Betlehem ein zwölfseitiges Faltblatt, auf dem man nachlesen kann, was sich die haupt- und ehrena

"Wir gehen mit der Weihnachtsgeschichte auf die Straße!"

  Zu ungewöhnlich fortgeschrittener Jahreszeit gehen der Saarner Greens-Immobilien-Geschäftsführer Andreas Schmelzer, die Künstlergruppe AnDer und die Evangelische Kirchengemeinde Broich-Saarn mit ihrer Open-Air-Ausstellung "Kunst raus" auf die Straße. Vor der am 4. Dezember (14 Uhr) geplanten Vernissage an der Dorfkirche (Holunderstraße 2-6) sprach die Mülheimer Woche mit dem Mit-Initiator, Pfarrer   Christoph Pfeiffer , über eine Kunstaktion in Zeiten des Corona-bedingten kulturellen Lockdowns. Kunst Raus vor Weihnachten. Passt das? Pfeiffer : Nach dem ersten Corona-Lockdown hatten wir uns im Frühjahr gegen eine Kunst-Raus-Aktion entschieden, obwohl "Kunst raus" bereits seit Albrecht Sippels Zeiten in den 1990er Jahren ein fester Bestandteil des Saarner und des Mülheimer Kulturlebens ist. Doch im September kam dann Andreas Schmelzer von Greens auf uns als Gemeinde zu und fragte: "Wollen wir nicht mal was vor Weihnachten machen?" Ich fand die Idee gut, zu