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Es werden Posts vom Juni, 2021 angezeigt.

Bibliotheken bleiben

  In Zeiten leerer Kassen sind gute Nachrichten aus dem Rathaus selten. Doch am 17. Juni konnte genau so eine Nachricht verkündet werden. Die vier Stadtteilbüchereien, die dem Spardiktat zum Opfer fallen sollten, bleiben erhalten und sollen Teil von Familien-Grundschulzentren werden, in deren Rahmen sie mit acht Grundschulen kooperieren werden. Die Stadt hat einen entsprechenden, von der Bezirksregierung unterstützten Förderantrag beim Land gestellt. Die erfreuliche Wende im Bibliotheken-Streit zwischen Rat, Verwaltung und der im März neu gegründeten Stadtelternpflegschaft der Mülheimer Grundschulen konnte durch Verhandlungen erreicht werden, in die neben der Stadtelternpflegschaft und dem Verwaltungsvorstand auch die Ratsfraktionen eingebunden waren. Aufbau von Familien-Grundschul-Zentren mithilfe des Landes Der jetzt gefundene Kompromiss sieht vor, dass in jeder Stadtteilbibliothek eine Vollzeit-Fachkraftstelle erhalten bleibt, die vom pädagogischen Personal der Caritas und der Diak

In Memoriam: Dr. Hildegunde Nuth

  Hildegunde Nuth war innerhalb der Dozentenschaft der Heinrich-Thöne-Volkshochschule eine Institution. Sie gehörte zu den ersten Nachkriegslehrenden, als die VHS noch dezentral in Mülheimer Schulen, ihre Kurse abhielt. Über 50 Jahre hat sie dort Mülheimern die englische Sprache vermittelt. Auch im katholischen Bildungswerk auf dem Kirchenhügel war sie als Englisch-Dozentin gefragt. Hauptberuflich verdiente die aus Ostfriesland stammende Hildegunde Nuth ihren Lebensunterhalt als kaufmännische Angestellte und Fremdsprachenkorrespondentin bei Klöckner. Sie lebte das lebenslange Lernen. Im Rentenalter studierte sie An glistik an der Universität Duisburg-Essen und wurde dort mit einer Dissertation zur deutsch-britischen Wirtschaftsgeschichte promoviert. 2019 engagierte sie sich im Rahmen eines am Ende erfolgreichen Bürgerbegehrens für den Erhalt der VHS an der Bergstraße. Dort hatte die Heinrich-Thöne-Volkshochschule 1979 ein eigenes Haus der Erwachsenenbildung und ihren heutigen Namen erh

Ein echter Kumpel

Nach Hans Meinolf erhält der langjährige Vorsitzender der IG Bergbau, Chemie, Energie und Leder (IGBCE), Willi Bruckhoff, als zweiter Mülheimer die Hans-Böckler-Medaille des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Mit der höchsten DGB-Auszeichnung wird das jahrzehntelange Engagement des heute 84-jährigen Gewerkschafters geehrt. Die Auszeichnung wird am 2. Juli im Saal des Bürgergartens verliehen. „Komm mir gar nicht nach Hause, ehe du dich hast organisieren lassen.“ Diese Mahnung bekam Willi Bruckhof als Dreizehnjähriger von seinem Großvater Johann mit auf den Arbeitsweg zu seinem ersten Tag unter Tage. Die Mahnung kam nicht von ungefähr. Denn Johann Bruckhoff hatte zu den Organisatoren des Bergarbeiterstreiks von 1889 gehört. Damals mussten die Kumpel an der Ruhr noch für die Legalisierung ihrer Gewerkschaft, ihres Mai-Feiertages und für die Einführung des Achtstundentages kämpfen. Streikende wurden damals  mit der Entlassung bedroht. „Bevor ich meine erste Arbeitnehmernummer als Bergmann auf

Nationale Angelegenheit

  Ob Würstchen, Grillfleisch oder Brot. In der Werbe-Beilage, die mir jetzt ins Haus flatterte, wird plötzlich das tägliche Brot zur nationalen Angelegenheit. Hier und dort sehe ich Schwarz, Rot, Gold. Habe ich eine deutsche Meisterschaft im Lebensmittelhandel verpasst oder haben wir einen mir unbekannten Nationalfeiertag gehabt. Ach Nein. Die Europameisterschaft hat begonnen. Was wir Deutschen und sonst nicht trauen, wird zum guten Ton, sobald es König Fußball regiert. Dann zeigen wir Flagge. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob Jogi Löws letztes Aufgebot der schwarzrotgoldenen Kicker, bei der Europameisterschaft auch wirklich ins Schwarze trifft und am Ende die Goldmedaille und den Pokal des Europameisters gewinnen wird oder ob sie wieder, wie bei der letzten Weltmeisterschaft das harte Brot des Verlierers essen müssen und als arme Würstchen vom Platz gehen, so dass wir daheimgebliebenen Fußballfans Rot sehen, wenn wir in die Röhre schauen, die heute ein Flachbildschirm ist.   NRZ, 1

Kirche muss weiter sparen

  Vor der Kreissynode, die am kommenden Samstag, 12. Juni, Corona-bedingt als Online-Konferenz abgehalten wird,  äußert sich Mülheims oberster Protestant, der aus der Gemeinde Broich-Saarn kommende Pfarrer, Gerald Hillebrand  zu den aktuellen Kernthemen, die auf dem Beratungs- und Beschlusstisch der Synodalen liegen. 64-jährige steht seit 2017 an der Spitze des Kirchenkreises An der Ruhr.   Das Kirchenparlament wird unter anderem über die Finanzlage des Kirchenkreises beraten. Der demografische Wandel und Kirchenaustritte führen tendenziell zum Absinken der Gemeindegliederzahlen. Was bedeutet das perspektivisch für die Finanzausstattung und die Handlungsfähigkeit des Kirchenkreises? Wir müssen kreativ um flexibel sein, um mit weniger Geld weiter gute Arbeit zu machen. Es ist damit zu rechnen, dass die finanziellen Spielräume kleiner werden. Perspektivisch projiziert die von der Evangelischen und Katholischen Kirche in Deutschland gemeinsam in Auftrag gegebene „Freiburger Studie“

Ein ausgezeichneter Mülheimer

  Papst Franziskus hat Fritz Zander aus der Heißener Gemeinde St. Joseph die päpstliche Verdienstmedaille Bennemerenti („dem Wohlverdienten“) verliehen. Die Auszeichnung, die dem 88-jährigen Mülheimer vom Essener Weihbischof Ludger Schepers am 27. Juni um 15 Uhr in der Gemeindekirche St. Joseph überreicht wird, würdigt sein inzwischen vier Jahrzehnte währendes Engagement für das katholische Kinderheim und die dazugehörige Mädchenschule in Medellín/Kolumbien. Mit seinen inzwischen 40 Unterstützern, die zum großen Teil aus der zur Pfarrei St. Mariae Geburt gehörenden Gemeinde St. Joseph kommen, in den vergangenen 40 Jahren mehr als 300.000 Euro gesammelt, die Mädchen und jungen Frauen im politisch, sozial und wirtschaftlich zerrissenen und durch die Corona-Pandemie besonders hart getroffenen Kolumbien ein geschütztes Aufwachsen und eine fundierte Ausbildung verschaffen. Fritz Zander steht seit 40 Jahren in stetiger Verbindung mit der Ordensfrau Theresa Jacqueline Purtscher, die im Kind

Jüdisches Leben gestern, heute und morgen

  Jüdisches Leben gestern heute und morgen. Darüber diskutierte am Sonntagnachmittag (6. Juni) Oberbürgermeister Marc Buchholz mit seinen Amtskollegen Daniel Schranz (Oberhausen) und Sören Link (Duisburg) bei einer Online-Veranstaltung, zu der die jüdische Gemeinde Duisburg Mülheim Oberhausen eingeladen hatte. Die jüdische Politikwissenschaftlerin und Soziologin Gila Baumöl und die Präsidentin der Jüdischen Studierenden-Union in Deutschland, Anna S taroselski komplettierten die von Sabena Donath moderierte Runde. Vor der Diskussion gab der Münchener Kabarettist Christian Springer in seiner engagierten Rede über 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland den Grundton vor, indem er sagte: „Über die historischen und politischen Ursachen des Antisemitismus sind dicke Bücher geschrieben worden. Aber was man konkret dagegen tun kann, wenn man im Alltag mit Antisemitismus konfrontiert wird, darüber gibt es nur einen schmalen Schnellhefter, wenn da überhaupt etwas drin ist. Dabei muss es heu

Endlich wieder Frühschoppen

 Früher was gehörte der Frühschoppen zum Sonntag wie das Amen in der Kirche. Doch das Corona-Virus hat den Gastwirten eine Rechnung einen Strich durch ihre Sonntagvormittagsrechnung gemacht. Aber seit dem ersten Sonntag im Juni dürfen Gaststätten wieder ihre Türen öffnen, um Gäste nicht nur zum Frühschoppen willkommen zu heißen. Allerdings kommt vorerst vor dem Bierchen an der Theke ein Corona-Test, der nicht älter, als 48 Stunden sein darf. Befreit davon sind nur Gäste, die einen vollständigen Ompfschutz nachweisen können. Auf unserer dienstlichen Kneipentour wurden wir am Sonntagvormittag zum Beispiel im Schlosstreff an der Schloßstraße fündig. Dort hatte Gastwirt Heinrich van Kempen seine kleine Gaststätte geöffnet und zur Feier des Tages nicht nur belegte Gratis-Brötchen spendiert, sondern auch einen Akkordeonspieler engagiert, der alte Gassenhauer wie „Junge, komm bald wieder“ oder „Wo die Nordseewellen schlagen an Land“   zum Besten gab. „Der gemeinsame Frühschoppen im Schlos

Früh studiert sich

  Die gerade erst mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnete Grundschule am Dichterviertel und die im ehemaligen Haus Jugendgroschen an der Hahnenfähre ansässige Junior-Uni-Ruhr haben am 1. Juni eine Zusammenarbeit vereinbart. Rektorin Nicola Küppers und die ehrenamtliche Geschäftsführerin der Junior-Uni, Dagmar Mühlenfeld unterzeichneten an der Bruchstraße einen entsprechenden Kooperationsvertrag. Als erstes Gemeinschaftsprojekt wird es in den Sommerferien einen einwöchigen Junior-Uni-Kurs für 15 Mädchen und Jungen geben, die das Thema ihrer Sommerakademie selbst bestimmen können. Mühlenfeld, die als ehemalige Leiterin der Luisenschule und als ehemalige Oberbürgermeisterin eine ausgewiesene Bildungspolitikerin ist, sagte bei der Vertragsunterzeichnung: „Wir freuen uns mit der gemeinschaftsgrundschule am dichterviertel eine mehrfach ausgezeichnete und gerade mit dem deutschen schulpreis Spezial in der Kategorie Bildungsgerechtigkeit fördern geehrte Grundschule für das Kooperationsnetz

Sprechen wir über unsere Demokratie

  100 haupt- und ehrenamtliche Fachleute aus allen Bereichen der Bürgerschaft ließen sich am 26. Mai bei einer Demokratiekonferenz Ideen für eine Stadtgesellschaft liefern, in der der Rassismus überwunden und alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, Verantwortung für das kommunale Gemeinwesen übernehmen, in dem heute Menschen aus mehr aus 140 Nationen leben. Bürgermeister Markus Püll erinnerte in seinem Grußwort an die jüngsten antisemitischen Vorfälle als Beispiel dafür, wie menschenverachtender Extremismus unsere Demokratie gefährden kann. Die Impulse der vierstündigen Veranstaltung lieferten die Theologin und Pädagogin Anne Broden und die an der Technischen Hochschule Köln lehrende und forschende Sozialwissenschaftlerin Yasmine Chehata. Eingeladen hatten das Centrum für bürgerschaftliches Engagement, die Katholische Akademie Die Wolfsburg und das Kommunale Integrationszentrum. Mit den Referentinnen hatten die finanziell von Bund, Land, MEG und Westenergie unterstützten Verans

Weniger ist mehr

Ob im Geschäft oder im Online-Shop: Vieles, was man auf den ersten Blick braucht, lockt uns da das hart verdiente Geld aus dem Portemonnaie. Wer auf Shoppingtour geht und dem Kaufrausch verfällt,  der sollte therapeutisch vorbeugend an einer Haushaltsauflösung teilnehmen und erleben, wie viele vermeintlich wertvolle und unverzichtbare Dinge, für die sich Generationen krumm gelegt und geschuftet haben, plötzlich zum Ballast werden, der vielen selbst geschenkt zu teuer erscheint. Nicht nur unsere Lebenszeit, auch der Wert der Dinge, die wir heute unbedingt zu brauchen glauben, um uns das Leben schön zu machen, ist begrenzt. Wer anschafft, muss viel Zeit, Geld und Nerven investieren. Doch wer unbeschwert und leichten Herzens leben will, der reist am besten mit leichtem Gepäck. Das ist gescheiter und bringt uns erheblich weiter. Der Klügere erkennt: Weniger ist mehr. aus der NRZ vom 31.05.2021