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Es werden Posts vom März, 2021 angezeigt.

Ein Meister aus Mülheim

  Am 22. März wäre er 101 Jahre alt geworden. Doch kurz vor seinem Geburtstag ist der Mülheimer Oboist und Dirigent Helmut Winschermann in Bonn gestorben. Die Frankfurter Allgemeine nennt ihn in ihrem Nachruf den "Prägenden Oboisten Deutschlands". Winschermann wurde für seine musikalische Arbeit unter anderem mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Er selbst hat 1990 in einem Interview über seinen musikalischen Stil gesagt: „Man hat mich in den 50er Jahren als Sänger auf der Oboe apostrophiert. Ich bin damals ein sehr mutiger Bläser gewesen und habe auf der Oboe ein Espressivo versucht, was es bis dahin eigentlich noch nicht gegeben hatte. Mit den Anforderungen im modernen Orchester hat sich allerdings nun auch das Klangideal wieder verändert. Man spielt heute mit einem runderen, dunkleren und volleren Oboenton.“ Schwerer Anfang Winschermanns Wiege stand in Styrum. Sein musikalisches Erweckungserlebnis hatte der Sohn eines Polizeibeamten im Chor

Denk ich an August Thyssen

  Vor 150 Jahren gründete August Thyssen (1842-1926) in Styrum sein erstes Stahlwerk. Welche Bedeutung hat das, nicht nur für Mülheim? Das erklärt der Wirtschaftshistoriker und Thyssen-Kenner   Professor Dr. Horst A. Wessel , der bis zu seiner Pensionierung das Mülheimer Mannesmann-Archiv geleitet hat. Zusammen mit der Mülheimer Historikerin Dr. Barbara Kaufhold hat er die wissenschaftlichen Vorarbeiten für das Gründer- und Unternehmermuseum im Haus der Wirtschaft geleistet. Außerdem trat er zwischen 2010 und 2017 als Herausgeber der Buchreihe "Pioniere der Mülheimer Wirtschaft" hervor. Warum gründete der aus Eschweiler stammende August Thyssen sein erstes Stahlwerk in Styrum? Wessel:  Er war seit 1867 Teilhaber des Duisburger Eisenwerkes Thyssen Fossoul und Co, wollte aber als Unternehmer selbstständig werden. Deshalb hat er seine Duisburger Unternehmensanteile mit fünffachem Gewinn verkauft und sich in Styrum umgeschaut. Hier gab es damals noch mehr freie Grundstücke und Ar

Beuys, ganz plakativ

  Joseph Beuys, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, wird jetzt bis zum 2. Mai mit einer plakativen Ausstellung im Kunstmuseum Temporär an der Schloßstraße 28-30 gewürdigt. "Das Plakat als Kunstobjekt hat eine lange Tradition, die bis zu Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec zurückreicht", sagt die Leiterin des städtischen Kunstmuseums, Dr. Beate Reese.  Die jetzt im Temporär zu sehende Ausstellung  Joseph Beuys - In Bewegung, Plakate, Aufrufe und Manifeste  zeigt uns den politisch wirksamen Künstler, der unsere Gesellschaft als soziale Plastik verstand und bis zur Aufgabe seiner Düsseldorfer Kunst-Professur dafür eintrat, dass jeder Mensch, der sich dazu berufen fühlte, Kunst studieren und Künstler werden dürfe. Er selbst hatte in den späten 1940er und in den frühen 1950er Jahren, so wie der spätere Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei dem Mülheimer Kunst-Professor Otto Pankok studiert. Jetzt

Denk ich an Friedrich Ebert

  Eine der zentralsten Straßen der Stadt trägt seinen Namen: Friedrich Ebert wurde vor 150 Jahren geboren. Was hat uns der erste Sozialdemokrat an der deutschen Staats- und Regierungsspitze heute zu sagen? Die Mülheimer Woche befragte dazu denUnterbezirksvorsitzenden der aktuell 1300 Mitglieder zählenden Mülheimer SPD,   Rodion Bakum. Eine der zentralsten Straßen der Stadt ist nach dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871-1925 benannt. Warum macht das aus Ihrer Sicht auch heute noch Sinn? Rodion Bakum :  Weil uns nicht nur dieser Straßenname dazu anregt, uns mit unserer Geschichte und Kultur auseinanderzusetzen. Das gilt auch für umstrittene Straßennamen, wie den der Fritz-Thyssen Straße oder für die Frage, ob wir neben einer Konrad-Adenauer-Brücke und einem Theodor-Heuss-Platz vielleicht auch eine Helmut-Kohl-Brücke oder eine Clara-Zetkin-Straße haben sollten. Wenn man weiß, dass die Friedrich-Ebert-Straße früher Hindenburg-Straße hieß und heute an die zwischen

Baustelle Integration

  Den internationalen Frauentag (8. März) nehmen Medlina Al Ashouri, Gilberte Raymonde Driesen und Hasan Tuncer zum Anlass, auf die lokalen Baustellen hinzuweisen, die bearbeitet werden müssen, um den grundgesetzlichen Anspruch auf Rechtsgleichheit aller Bürgerinnen und Bürger auch in unserer Stadt soziale Wirklichkeit werden zu lassen. "In Sachen Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit sind wir als Integrationsrat ein Vorbild für Mülheim. Bei der letzten Wahl sind 8 Frauen und 8 Männer in den Integrationsrat gewählt worden. Und Medlina Al-Ashouri und ich bilden zusammen mit Hassan Tuncer ein gut funktionierendes Vorstandsteam", sagt Gilberte Raymonde-Driesen. Zurzeit sind 51,3 Prozent der Mülheimer Mülheimerinnen, aber nur 34,5 Prozent der 55 Stadträte Stadträtinnen. Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft "Das ist auch gut so. Denn wir wollen als Integrationsrat die Gesellschaft abbilden, in der es mehr Frauen als Männer gibt", unterstreicht der Vorsitzende

Alles, was recht ist

  Wenn ein Nachbarschaftsstreit vor Gericht landet, kann das für alle Beteiligten nicht nur unangenehm, sondern auch teuer werden. Doch zum Glück gibt es Menschen wie Anja Lüthe. Hünxe.  Die 50-jährige bekleidet neben ihrem Beruf als freiberufliche Projektleiterin seit fünf Jahren das Ehrenamt als Schiedsfrau. Gerade erst ist sie vom Gemeinderat für weitere fünf Jahre in Ihrem Amt bestätigt worden. Wer in Drevenack oder Krudenburg wohnt und zum Beispiel Streit mit seinem Nachbarn hat, ist bei der Schiedsfrau an der richtigen Adresse, um diesen schnell, unkompliziert und rechtsverbindlich beizulegen. Im Gespräch mit dem Lokalkompass und dem Niederrhein Anzeiger berichtet Anja Lüthe, was es mit ihrem Ehrenamt im Dienste der Rechtspflege auf sich hat. Wie kamen Sie zu Ihrem Ehrenamt? Anja Lüthe: Mein Jugend-Wunsch war es, Jura zu studieren. Aber durch einen persönlichen Schicksalsschlag, den frühen Tod meiner Mutter, ist alles anders geworden. Durch die Tätigkeit als Schiedsfrau bin ich d