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Mittwoch, 27. Oktober 2021

Von Mensch zu Mensch

 Als die 31-jährige Mülheimerin Alessa Decker Mitte Juli die Bilder der Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Ahrtal und in den südlichen Teilen Nordrhein-Westfalens sah, fragte sie sich: „Wie kann ich helfen?“ Sie recherchierte im Internet und wurde fündig.

So schloss sie sich Ende Juli der Hochwasserhilfe Mühlheim an. sie half vor Ort in Dernau beim Aufräumen und Entkernen der vom Hochwasser beschädigten und zerstörten Häuser. „Solche Bilder kenne ich nur aus dem Geschichtsbuch aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges“, schildert die Dümptener Einzelhandelskauffrau ihre Eindrücke von dem durch die Flutkatastrophe angerichteten Chaos. Sie sah weggerissen Straßen, weggerissene Häuser und mit durch Öl verunreinigtem Wasser  verschlammte Keller- und Etagengeschosse. „Das wird noch Jahre dauern“, beschreibt sie den langwierigen Prozess des Wiederaufbaus im Katastrophengebiet.


Diesen Wiederaufbau begleitet sie jetzt auch stetig als Mitglied des von ihr mitbegründeten Vereins Paten für Katastrophenopfer e.V. „Über diesen Verein sind wir durch eine Internetrecherche auf das von Jörg Burghardt initiierte Projekt Fünf-Euro-Haus gestoßen. Zusammen mit der Speldorferin Charlotte Kalveram habe ich dann die Patenschaft für den Wiederaufbau der beiden Häuser der Schwestern Monika Görges und Uta Büntgen in Sinzig übernommen. Sie leben dort mit ihren Familien als Nachbarn in Drei-Generationen-Haushalten. Die Häuser liegen in unmittelbarer Nähe der Ahr.

Die Idee des Fünf-Euro-Hauses ist es, so viele Spender wie möglich zu gewinnen, die monatlich fünf Euro direkt auf das Konto der betroffenen Schwestern überweisen.

 „Fünf Euro pro Monat. Das kann jeder leisten. Das tut keinem weh. Aber wenn auf diesem Weg zum Beispiel 100 Spender finden, dann können die betroffenen Schwestern mit diesem Geld den Wiederaufbau ihrer vom Hochwasser zerstörten Häuser stemmen.“, unterstreicht Decker. Wichtig ist ihr dabei, dass alle Unterstützer via E-Mail einen Newsletter erhalten, der sie über den aktuellen Stand und Fortschritt der Bauarbeiten informiert.


Decker macht deutlich: „Mit regelmäßigen Geldspenden können wir natürlich am flexibelsten helfen. Aber auch Sachspenden oder technische und handwerkliche Unterstützung durch Firmen können eine wertvolle Hilfe für die Familien Büntgen und Görges sein.“


Über das Fünf-Euro-Haus-Projekt hinaus unterstützt der Verein Paten für Katastrophenopfer zahlreiche Betroffene, indem er sie zum Beispiel mit bedarfsorientierten Sachspenden.


„Mithilfe der Angebote aus unserer Facebook-Community Paten für Katastrophenopfer konnten wir  zum Beispiel einer Familie einen einwöchigen Erholungsurlaub ermöglichen.


Auch, wenn die Hochwasserkatastrophe, die  in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz 182 Menschenleben gefordert hat, inzwischen aus den Schlagzeilen verschwunden ist, sieht Decker angesichts des bevorstehenden Winters einen akuten Handlungsbedarf, um den Menschen im Ahrtal zu helfen. „Dafür tun sich inzwischen auch unterschiedlichste Organisationen zusammen, um bestmögliche Unterstützung zu leisten“, freut sich Decker.


Und sie fügt hinzu: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn man Menschen in Not helfen kann und damit etwas Gutes tut und vor Ort merkt, wie sie durch die Hilfe selbst neue Kraft und neuen Lebensmut gewinnen, um anzupacken und ihr Schicksal zum Besseren zu wenden!“ Deshalb investiert Decker auch gerne viel Zeit und ehrenamtliche Arbeit in ihr Fluthilfe Projekt.


Täglich sitzt sie dafür mehrere Stunden am Schreibtisch. Und ein- bis zweimal pro Woche ist sie vor Ort in Sinzig.

 „Ich bewundere die Menschen“, sagt Decker, „die nach einer solchen Katastrophe, bei der sie ihr Hab und Gut verloren haben, die Kraft entwickeln wieder neu anzufangen und neben dem Wiederaufbau ihr Alltags- und Arbeitsleben fortzusetzen. Anders, als ich, haben sie nicht die Gelegenheit, sich abends einfach mal auf die Couch zu legen und zu entspannen.“

 

INFO :Wer Allessa Decker und Charlotte Kalveram und ihr Fünf-Euro-Haus-Projekt und ihren Verein Paten für Katastrophenopfer helfen kann und will, erreicht sie per E-Mail an: paten-fuer-katastrophenopfer@web.de und unter der Rufnummer: 0173/ 98 26 356.  Weitere Informationen zum Thema Fünf-Euro-Haus findet man im Internet unter: www.joerg-burghardt.de/sinzig und: www.joerg-burghardt.de/presse und: www.paten-fuer-katastrophenopfer.de .


NRZ/WAZ, 26.10.2021

Samstag, 9. April 2016

Peter Kalde geht nach 21 Jahren als Leiter der Rembergschule in den Ruhestand. Die Förderschule mit den kleinen Klassen, so sagt er, werde weiterhin gewollt und gebraucht

Peter Kalde und seine kommissarische Nachfolgerin
Anne Schwarz
„Hier ist jeder Schüler sein eigener Lehrplan“, sagt Peter Kalde. Seit 21 Jahren leitet der Sonderpädagoge mit Vorliebe für Musik und Philosophie die Förderschule für Menschen mit geistiger Behinderung. Kommende Woche verabschiedet sich der 62-Jährige in den Ruhestand. Donnerstag fragte ihn einer seiner Schüler: „Sind Sie nächste Woche bei der Bandprobe dabei?“ Auf Kaldes Antwort: Nein, bin ich nicht, meinte der Jugendliche nur: „Na dann, schönen Urlaub!“

Kalde kennt solche Dialoge: „Wir haben hier mit besonders originellen Schülern zu tun. Und die werde ich auf jeden Fall vermissen“, betont er. „Meine Arbeit hat mir immer Freude gemacht“, sagt er im Rückblick auf sein 36-jähriges Berufsleben. Es begann in den 70er Jahren, als er als sonderpädagogischer Referendar an einer niederrheinischen Grundschule die Kollegen der Regelschule beim Gemeinsamen Unterricht begleitete. Heute nennt man das Inklusion.

Ist die Inklusion , also das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Handicap, eine Innovation oder ein Irrweg? „Man darf die Inklusion nicht dogmatisch betrachten“, sagt der Förderschulrektor. Er warnt vor einem „pädagogischen Schwarz-Weiß-Denken“ und wiederholt sein pädagogisches Credo. Die Tatsache, dass die Schülerzahlen an der Rembergstraße auch nach dem Start der Inklusion mit aktuell 158 stabil geblieben sind und sogar eine steigende Tendenz haben, zeigt ihm, dass die Förderschule für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung „von Eltern und Schülern auch weiterhin gewollt und gebraucht wird“. Das überrascht nicht. Denn von einer individuellen Förderung in kleinen Klassen mit neun bis zwölf Schülern sind die inklusiven Klassen an den Regelschulen noch weit entfernt.

Dennoch empfindet Kalde die inklusive Zusammenarbeit mit Regelschulen, wie der Grundschule an der Hölterstraße, der Luisenschule, der Schule am Hexbachtal, den Realschulen Broich und Stadtmitte oder mit der Gesamtschule Saarn als produktiv und bereichernd für alle Beteiligen. Da wird gemeinsam musiziert und Sport getrieben oder Schüler stellen am Ruhrufer 112- und 110-Hinweisschilder für den Notfall auf.

„Unsere Schüler erschließen sich durch solche gemeinsamen Schulprojekte neue soziale Kontakte und erweitern ihren Horizont“, freut sich Kalde. Sein Eindruck: „Schüler und Eltern sind heute selbstbewusster geworden und denken auch schon früher darüber nach, was nach der Schule kommen soll.“

Die Probe-WG, die die Schule an der Rembergstraße mit der SWB, der Stadt und der Lebenshilfe betreibt, ist für ihn nur ein Paradebeispiel dafür, wie man Menschen mit geistiger Behinderung praktisch auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereiten kann.

Auch wenn 95 Prozent seiner Schulabgänger auf eine Berufstätigkeit in einer beschützenden Werkstatt für Behinderte zusteuern und nur wenige den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt schaffen, sieht Kalde die pädagogische Leistung darin, Schüler zu selbstbewussten Menschen zu erziehen, die sich im Alltag behaupten und wohlfühlen. In dem sie z.B. selbstständig einkaufen, ihre Freizeit gestalten und in der Lage sind, klar und deutlich zu sagen, was sie wollen und was nicht.

Die Sonderpädagogin Anne Schwarz wechselte bereits 2013 als Konrektorin zur Förderschule an der Rembergstraße. Dort wird sie, zunächst kommissarisch, in der kommenden Woche die Nachfolge Peter Kaldes antreten. Zur Zeit unterrichten in der Förderschule an der Rembergstraße 55 Lehrer 158 Schüler im Alter von 6 bis 21 Jahre


Dieser Text erschien am 29. Januar 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung und in der Westdeutschen Allgemeinen

Mittwoch, 23. April 2014

Respekt für eine Arbeit, die viele andere selbst nicht machen wollen: Die Altenpflege aus der Sicht einer Auszubildenden

Die 18-jährige Rosamunde Kamagate ist als angehende Altenpflegerin in die beruflichen Fußstapfen ihrer Mutter getreten. „Ich habe als Schülerin meine Mutter oft an ihrem Arbeitsplatz im Haus Auf dem Bruch besucht und später ein Schülerpraktikum im Haus Gloria gemacht, weil ich mir ein eigenes Bild von der Altenpflege machen wollte, die oft schlecht geredet wird“, erzählt Kamagate.


Inzwischen arbeitet sie im zweiten Ausbildungsjahr im städtischen Altenheim Haus Gracht. „Ich komme gut mit alten Menschen klar und genieße die Wertschätzung, die man von ihnen bekommt. Besonders toll finde ich es, dass man ihnen oft schon mit einer Kleinigkeit Freude machen kann“, beschreibt Kamagate die Sonnenseite ihres Arbeitsalltages. Aber auch sie spürt den Zeitdruck, der mit dem Personalmangel verbunden ist und die körperliche Belastung, die zum Beispiel das Heben oder Wenden von pflegebedürftigen Bewohnern mit sich bringt. Als Ausgleich macht sie in ihrer Freizeit unter anderem Yoga. Wenn sie mit ihren Freunden über ihren Beruf spricht, spürt sie „Respekt für das, was ich in der Altenpflege leiste, weil viele diese Arbeit selbst nicht machen wollen.“ Sie selbst arbeitet „mit Freude in der Pflege“, kann sich aber auch nicht vorstellen bis zur Rente als Altenpflegerin zu arbeiten, sondern möchte sich langfristig weiter qualifizieren, um später vielleicht als Wohnbereichs- oder Pflegedienstleiterin arbeiten zu können.

 Dieser Text erschien am 11. April 2914 in der Neuen Ruhr Zeitung

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...