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Es werden Posts vom Januar, 2021 angezeigt.

Ein deutsch-deutsches Leben ist zu Ende gegangen

  Alt-Bürgermeister Wilhelm Knabe ist am 29. Januar 2021 im Alter von 97 Jahren gestorben. Wie sein Sohn Hubertus mitteilte, starb der Mitgründer und Ehrenvorsitzende der Mülheimer Grünen an den Folgen einer Covid-19-Infektion. Noch vor der Erkrankung hatte sich sein Sohn vergeblich um eine Impfung des Vaters bemüht. Knabe, der selbst seine Frau gepflegt hatte, war nach deren Tod selbst in liebevoller häuslicher Pflege. Erst die letzten Meter seines Lebensweges musste er in einer Klinik verbringen. Knabe hinterlässt vier Kinder. Sein Sohn, der Historiker Dr. Hubertus Knabe, hatte am Tag der Deutschen Einheit die Festrede im Rat der Stadt gehalten und bei dieser Gelegenheit alle Mülheimer von seinem damals schon gesundheitlich angeschlagenen Vater grüßen lassen. Wilhelm Knabe war bis ins hohe Alter politisch aktiv und interessiert. Zuletzt hatte der leidenschaftliche Naturfreund und Naturschützer mit seinem Schild "Opa for future - Ihr seid nicht allein" an den Fridays-for-Fut

Überzeugte Teamplayerin

Der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes hat eine neue Geschäftsführerin. Nina Rasche (43) hat am 21. Januar die Nachfolge der Juristin Natalia Thoma angetreten, die aus familiären Gründen in ihren Anwaltsberuf zurückgekehrt ist. Wie bei ihrer Vorgängerin, ist ihr Arbeitsvertrag mit dem DRK Mülheim zunächst auf drei Jahre befristet, verbunden mit einer Verlängerungsoption. Leitungsaufgaben in einem Sozialverband zu übernehmen, ist für die studierte Betriebswirtin und ausgebildete Rettungssanitäterin, nicht neu. 1999 begann die gebürtige Essenerin ihre zunächst ehrenamtliche Karriere bei der Johanniter Unfallhilfe in Oberhausen. Danach arbeitete sie über viele Jahre hauptberuflich bei den Johannitern, zunächst als Ausbildungsleiterin in Ostwestfalen und später als Dienststellenleiterin in Bremen. Um ihre Managementaufgaben kompetent ausfüllen zu können, absolvierte Rasche nebenberuflich ein Fernstudium der Betriebswirtschaft für Non-Profit-Organisationen an der Universität Hamburg.

Handfeste Erinnerungsarbeit

  Die Rotarierin Melanie Bolks hat eine sehr persönliche Beziehung zu den Stolpersteinen, die seit 1993 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig auch in Mülheim verlegt worden sind. Sie erinnern mit Namen und Lebensdaten an die unterschiedlichen Opfer der Nationalsozialisten. Der Großvater der aus Nordhorn stammenden Melanie Bolks, Heine Bolks, wurde 1943 als Mitglied des christlichen Widerstandes gegen Hitler hingerichtet. Umso trauriger war die Wahl-Mülheimerin Melanie Bolks, als sie beim Gang durch die Stadt immer wieder feststellte, in welch verschmutztem und würdelosen Zustand sich die 168 Stolpersteine befanden, die an 89 Standorten im Stadtgebiet verlegt worden sind. Mit ihrer Idee, die Stolpersteine mithilfe von Messingreiniger wieder glänzen zu lassen, lief sie bei ihren 42 rotarischen Freunden im Rotary Club Mülheim-Uhlenhorst offene Türen ein. "Gerade heute, da auch bei uns extreme und menschenverachtende Ideologien in Teilen der Bevölkerung wieder Anklang finden, müssen w

Erziehung durch Beziehung

  An der Realschule Mellinghofer Straße trauert man um deren ehemaligen Rektor Klaus Zeller. Der Pädagoge, der die Dümptener Schule von 1985 bis zu seiner Pensionierung 2007 leitete, war der unmittelbare Vorgänger der heutigen Schulleiterin Judith Koch. Sie sagt über Klaus Zeller: "Er ist für mich immer ein Vorbild gewesen, denn sowohl für ihn als auch für mich standen und stehen immer die Schülerinnen und Schüler im Zentrum der schulischen Arbeit." Klaus Zeller starb bereits am Silvestertag 2020 im Alter von 77 Jahren. Als Bergmannssohn in Essen geboren, wuchs er in Heißen auf und studierte nach dem Abitur an der Universität Köln. Seine pädagogische Laufbahn begann er nach dem Studium an der Realschule Broich. Dort war er 17 Jahre tätig, bevor er für zwölf Jahre in die Lehrerausbildung wechselte, um dann 1985 die Leitung der Realschule an der Mellinghofer Straße zu übernehmen. Als Lehrer und Schulleiter, der die Hälfte seiner Arbeitszeit mit Finanz- und Planungsfragen verbri

Mülheim zu Kaisers Zeiten

  Mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. im Schloss von Versailles wurde vor 150 Jahren der erste deutsche Nationalstaat aus der Taufe gehoben. Zwei Jahre später stellten die Mülheimer auf ihrem Rathausmarkt ein Denkmal auf, das den gefallenen Mülheimer Soldaten des Deutsch-Französischen Krieges (1870/71) gewidmet war. Heute steht das alte Kriegerdenkmal am Wilhelmplatz zwischen Wilhelmstraße und Dohne. Etwa 30 Mülheimer mussten als Soldaten in diesem Krieg ihr Leben für die von Otto von Bismarck militärisch herbeigeführte Einigung mit ihrem Leben bezahlen. Doch auch dieser Blutzoll änderte nichts daran, dass auch die Mülheimer Lokalpresse den ersten Reichskanzler Otto von Bismarck bei jeder sich bietenden Gelegenheit als nationalen Heilsbringer feierte. Die Mülheimer Bismarck-Begeisterung, die Teil eines übersteigerten deutschen Nationalismus war kam unter anderem darin zum Ausdruck, dass der Eiserne Kanzler 1895 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt und postum 1909

Gemeinde ist Gemeinschaft

  Am 15. Januar 1971 wurde der Mülheimer Ehrenstadtdechant Manfred von Schwartzenberg in St. Engelbert zum Priester geweiht. Im Gespräch mit der Mülheimer Woche und dem Lokalkompass blickt der 76-Jährige dankbar, aber nicht unkritisch auf sein Leben als Priester und auf seine Kirche. Was hat Sie bewegt, Priester zu werden? SCHWARTZENBERG: Das waren Menschen, die mir in ihrer Lebensführung und in ihrer lebendigen Religiosität ein Vorbild waren und die ich deshalb hoch geschätzt habe. Neben meinen Eltern denke da vor allem an meinen Religionslehrer,-an meinen Deutschlehrer und an meinen Musiklehrer. Hinzu kamen großartige Gemeinschaftserlebnisse im katholischen Jugendbund Neudeutschland, in dem man mir Organisations- und Leitungsaufgaben zugetraut hat. Das alles zusammen hat mich dazu gebracht, mich genauer mit den Möglichkeiten eines Berufslebens in der Kirche zu beschäftigen. Auch die Nachwirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das mit seinen Reformen dafür gesorgt hat, das wir in

100 Jahre Caritas

Seit 100 Jahren machen sich Mitarbeitende des katholischen Sozialverbandes Caritas in Mülheim für Menschen in Not stark. Wie hat sich die Sozialarbeit der Caritas seit 1920 verändert und welche Kontinuitäten gibt es? Ein Gespräch mit die beiden Caritas-Vorständen Regine Arntz und Martina Pattberg. Was haben die Mitarbeitenden der Caritas im Jahr 2020 noch mit der Gründungsgeneration der Mülheimer Caritas gemein? Regine Arntz: Heute wie damals gilt für uns das Motto: Der Mensch steht im Mittelpunkt und wir wollen nah bei den Menschen sein. Damals wie heute gibt es viel Not in unserer Stadtgesellschaft. Damals wie heute müssen wir erkennen, dass es administrativ und organisatorisch gut aufgestellte und in der Stadtgesellschaft verankerte Strukturen braucht, um Menschen in Not wirkungsvoll beistehen zu können. Wie hat sich die Sozialarbeit der Caritas in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Martina Pattberg: Ging es früher vor allem um die Fürsorge, also darum, Menschen in Not Aufgaben