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Es werden Posts vom Oktober, 2021 angezeigt.

Unser Freund, der Baum

  „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther einst gesagt haben. Der Reformator heizte bekanntlich einen geistigen Klimawandel an. Von einer lebensbedrohlichen Klimaerwärmunng war damals noch keine Rede.  Keine Apfelbäume, sondern 100 Pflaumenbäume verteilten die Klimaschutzbeauftragte der Stadt, Carolin Hasenkamp und ihre Gesinnungsgenossen aus der Umweltverwaltung, der Mülheimer Klimaschutzinitiative und den Vereinen Naturgarten und Mülheimer Obstgarten an Mülheimerinnen und Mülheimer, die die Gelegenheit haben, auf ihrem Privatgrundstück zu pflanzen. Wer bei der kostenfreien Baumausgabe am 30. Oktober nicht zum Zuge gekommen ist, bekommt am 12. November, zwischen 15 und 17 Uhr, auch dann auf dem Betriebsgelände der Baumpflege Benk, die an der Weseler Straße 52 im Speldorfer Hafen ansässig ist, eine zweite Chance auf einen Pflaumenbaum. Mit Blick auf den Klimaschutz und finanziell unterstützt vom Land Nordrh

Eulenspiegels Erben

Viele haben schon darauf gewartet: An diesem Wochenende öfnet die Ju gendkirche Tabgha wieder ihre Türen, und zwar nicht mehr am früheren Standort in Oberhausen-Buschhau sen, sondern mitten im leb haftesten Teil von Duisburg am Dellplatz.  Die große Theatergruppe der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) hat den Umzug von Oberhausen nach Duisburg schon mitgemacht. Das 26-köpfge Ensemble probt in Tabgha, das sich den Kirchenraum nun mit der Gemeinde St. Joseph teilt, zur zeit seine neueste Produktion: „Das Erbe des Till Eulenspiegel“, das am 5. November um 19 Uhr in der Pfarr und Jugendkirche St. Joseph Premiere haben wird. Geschichte passt gut in diese Zeit In fünf Szenen präsentieren die jungen Schauspieler – das jüngste Ensemblemitglied ist zwölf Jahre, das älteste 26 Jahre alt – die zeitlos aktuelle Geschichte des weisen Narren, der den Menschen den Spiegel vorhält, in dem er sie buchstäblich beim Worte nimmt und so die Lacher des Publikums auf seiner Seite hat. „Die Geschichte des Til

Von Mensch zu Mensch

  Als die 31-jährige Mülheimerin Alessa Decker Mitte Juli die Bilder der Flutkatastrophe im rheinland-pfälzischen Ahrtal und in den südlichen Teilen Nordrhein-Westfalens sah, fragte sie sich: „Wie kann ich helfen?“ Sie recherchierte im Internet und wurde fündig. So schloss sie sich Ende Juli der Hochwasserhilfe Mühlheim an. sie half vor Ort in Dernau beim Aufräumen und Entkernen der vom Hochwasser beschädigten und zerstörten Häuser. „Solche Bilder kenne ich nur aus dem Geschichtsbuch aus den Zeiten des Zweiten Weltkrieges“, schildert die Dümptener Einzelhandelskauffrau ihre Eindrücke von dem durch die Flutkatastrophe angerichteten Chaos. Sie sah weggerissen Straßen, weggerissene Häuser und mit durch Öl verunreinigtem Wasser  verschlammte Keller- und Etagengeschosse. „Das wird noch Jahre dauern“, beschreibt sie den langwierigen Prozess des Wiederaufbaus im Katastrophengebiet. Diesen Wiederaufbau begleitet sie jetzt auch stetig als Mitglied des von ihr mitbegründeten Vereins Paten für Ka

Fleißige Messdiener

  Mülheim-Saarn . Nachbarschaftshilfe leisteten jetzt Messdiener der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt. Rund um das ehemalige Pfarrhaus an der Klosterstraße, erledigten sie für die dort seit vier Jahren beheimatete Senioren-Wohngemeinschaft Lina (Leben in Nachbarschaft alternativ) Garten- und Grünschnittarbeiten. „Das ist eine echte Win-win-Aktion, die zeigt, dass unsere Nachbarschaft noch gut funktioniert, wenn uns die Messdiener entlasten und wir uns dafür mit einem Salär revanchieren, das in die Finanzierung der Messdienerfahrten einfließen wird“, sagt Lina-Bewohner Jürgen Thiele. „Wo wir helfen können, helfen wir gerne. Wir erledigen nicht nur Gartenarbeiten, sonder übernehmen bei Festen auch gerne Kellnerdienste oder helfen bei Umzügen und Haushaltsauflösungen. Und von den Einnahmen, die in unsere Kasse fließen, profitiert unsere zurzeit aus 70 Messdienern“, erklärt der 24-jährige Sozialpädagogikstudent und Obermessdiener Pedro Vossius.  Kontakt zur Pfarrgemeinde unter der Rufn

Vom Königreich zum Stadtteil

Mit rund 20.000 Einwohnern ist Dümpten einer der bevölkerungsreichsten Stadtteile Mülheims. Die Dümptener nennen ihren Stadtteil "Königreich". Einer Lokal-Legende zufolge sollen die Menschen an der Mellinghofer Straße gerufen haben: "Das ist ja wie in einem Königreich", als sie den Offizier Paul Beuther, hoch zu Ross über die Mellinghofer Straße reiten sahen. Damals war Beuther, nachdem heute die Straße benannt ist, die am alten, 1908 in Betrieb genommenen Bürgermeisteramt abzweigt, auf dem Weg zu seiner Amtseinführung als Bürgermeister der 1904 neu errichteten Landbürgermeisterei Dümpten. Während die 1878 gegründetn Landbürgermeistereien Broich, Styrum und Heißen bereits 1904 in die wachsende und vom Oberbürgermeister Paul Lembke geführte Stadt Mülheim eingemeindet worden waren, sollte Dümpten für sechs Jahre selbstständig werden. Damals erhielt das "Königreich" im Norden Mülheims nicht nur ein Bürgermeisteramt und ein Rathaus, sondern auch eine Apotheke,

Mülheims Einflugschneise

  Als dort tätiger Fluglehrer und Pilot interessiert sich Johann Toerner für die   Geschichte des Flughafens Essen-Mülheim . Dazu recherchiert er nicht nur im Stadtarchiv, sondern auch in den Archiven des Bundes und des Westdeutschen Wetterdienstes. Der Fluglehrer und Pilot  möchte ein Buch zur Geschichte des Flughafens schreiben. Dafür hat er bereits 1600 Text- und Bilddokumente gesichtet und ausgewertet. „Derzeit konzentriere ich mich auf die Vorkriegsgeschichte des Flughafens. Mich begeistert, dass hier damals mit simplen technischen Mitteln viel erreicht wurde“, sagt Toerner, der in Bottrop lebt. „Die Leidenschaft für die Fliegerei habe ich von meinem Großvater geerbt. Er war Pilot bei der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Vom Krieg hat er wenig erzählt, aber viel von seiner Begeisterung für die Flugzeugtechnik. Das ist auf mich übergesprungen“, berichtet der 34-jährige Toerner. Von Anfang an wurde übrigens kontrovers über die Wirtschaftlichkeit des Flughafens  diskutiert.

Kinderarmut, leider zeitlos aktuell

Der Sonntag nach Weihnachten wird in der katholischen Kirche als Fest der heiligen Familie gefeiert. Ausgehend von der biblischen Geschichte des jungen Jesus, der seinen Eltern abhanden kommt und später von ihnen im Tempel wiederfeinden wird, wo er mit Schriftgelehrten diskutiert, beleuchtete der zum Seelsorgerteam von St. Mariae Geburt gehörende Alt-Weihbischof Franz Grave die heutige Situation der Familie, in der es "Licht und Schatten" gebe. In seiner Predigt nannte er die Familie eine für unsere Gesellschaft im Allgemeinen und für die religiöse Erziehung der Kinder im Besonderen unverzichtbare "Herberge der Menschlichkeit." Ihre Förderung, so Grave, dürfe sich nicht in Einzelmaßnahmen erschöpfen, sondern müsse als gesellschaftspolitische Querschnittsaufgabe angesehen und praktiziert werden. Auch die Stadt Mülheim hat sich die Kinder- und Familienfreundlichkeit auf die Fahnen geschrieben. Die Betreuungsangebote für Kinder, etwa im Bereich der offenen Ganztagsgru

Unbedingter Lebenswille

Wer einen lebensbejahenden Menschen kennen lernen möchte, der sollte Walter Brückers besuchen. Sein offensichtlicher und ansteckender Lebensmut beeindruckt umso mehr, wenn man sieht, dass er bis heute unter seinen im Kriegsjahr 1944 erlittenen Verletzungen zu leiden hat und wenn man hört, dass der Kriegsversehrte nach seiner Rückkehr in die Heimat den Tod seiner Eltern und seiner beiden Schwestern bewältigen musste. „Mein unbedingter Lebenswille und das Gefühl: Ich schaffe es, haben mir geholfen“, sagt Brückers, der bis heute rege am Zeitgeschehen interessiert, sportlich aktiv und auf eine gesunde Ernährung bedacht ist. 1959 zog er mit seiner 1998 verstorbenen Ehefrau Lore in ein Haus am Damaschkeweg und hat es bis heute nicht bereut. „Ich fühle mich hier wohl, weil ich hier viele interessante und sympathische Menschen kennen gelernt habe, mit denen ich zum Teil bis heute verbunden bin,“ sagt Brückers. Hier hat er mit seiner Frau drei Söhne groß gezogen. Hier freut er sich heute übe

Was soll(te) aus dem Kind werden?

  Arbeitslosigkeit, Arbeitsverdichtung, Fachkräftemangel,  Stellenabbau , Firmenpleiten, Rationalisierung, prekäre Arbeitsverhältnisse. Das Berufsleben ist nichts für Feiglinge - war es früher aber auch nicht. Das zeigte jetzt eine Zeitzeugen-Lesung im Mülheimer Medienhaus. Horst Heckmann (Jahrgang 1928), Dieter Schilling (Jahrgang 1939) und die 1949 geborene Jutta Loose erinnerten sich an ihre Berufsfindung nach dem Zweiten Weltkrieg. Dazu eingeladen hatten die Mülheimer Zeitzeugenbörse und  das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) . Heckmann und Loose hatten vor ihrem Start ins Berufsleben die Volksschule besucht. Deren Name war damals Wirklichkeit. Denn zwischen 80 und 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen besuchten in den 1950er und 1960er Jahren die achtjährige Volksschule und starteten dann mit 14 ins Berufsleben. Der in Halle an der Saale aufgewachsene Dieter Schilling hatte zunächst die Grund- und dann die Oberschule der DDR besucht, ehe er sich vom Maschinenschloss

Der Mann von Misereor

 22 Jahre lang hat Dr. Martin Bröckelmann-Simon als Geschäftsführer die internationale Zusammenarbeit des bischöflichen Hilfswerks Misereor (Lateinisch: „Ich erbarme mich.“) verantwortet, Im Gespräch mit dem Neuen Ruhrwort zieht der katholische Entwicklungshelfer, der zu Beginn seines Berufslebens auch für evangelische Hilfswerke tätig war, eine  Bilanz. Wie kamen Sie zur Entwicklungshilfe? Bröckelmann-Simon: Brasilien war meine erste große Liebe. Das hatte auch biografische Gründe, da mein Onkel Johann 1922 nach Brasilien ausgewandert ist. Wir haben brieflich Kontakt zu ihm gehalten und von ihm viel über sein Leben in Brasilien erfahren. Das hat mich fasziniert und 1977 habe ich dann selbst in Brasilien gelebt und gearbeitet. Das war ein prägendes Erlebnis. Was war Ihre erste Erfahrung in der Entwicklungshilfe? Bröckelmann-Simon: Ich habe damals im Rahmen meines Soziologie-Studiums in Brasilien an einem Forschungsprojekt teilgenommen. Dabei ging es um die Analyse der soziale

Welche Stadt soll es sein?

  "Wir sind eine Bürgerbühne. Das bedeutet: Bei uns können Bürgerinnen und Bürger unter professionellen Rahmenbedingungen und zusammen mit Profi-Schauspielern Theater für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger machen." So charakterisiert Regisseur Jörg Fürst den Charakter der von ihm geleiteten Volxbühne, die am 21., 22. und 23. Oktober, jeweils um 19.30 Uhr in ihrem Studiotheater an der Adolfstraße 89a mit ihrer neuen Produktion "Polis - Stimmen der Stadt" aufspielt.  Der Titel des 80-Minuten-Stücks ist Programm. Fürst möchte dem Publikum der Volxbühne einen Denkanstoß geben und die Frage aufwerfen: "Welche Art von Stadt wollen wir, will ich in Zukunft haben?" Das Thema Stadt im Wandel, siehe Innenstadt, könnte nicht aktueller sein. Wo ist die Stadt heute noch Polis, Stadt und Marktplatz, Ort der Begegnung und der Kommunikation, wenn immer mehr Ladenlokale in der City leer stehen und immer mehr Menschen nicht mehr im Geschäft oder auf dem Marktplatz, siehe Rat

Demokratischer Neuanfang

13. Oktober 1946: An diesem Tag sind 90.810  Mülheimerinnen und Mülheimer dazu aufgerufen unter der Aufsicht der britischen Militärregierung ein Stadtparlament zu wählen. Gewählt wird nach dem britischen Mehrheitswahlrecht in Wahlkreisen. 78,7 Prozent und damit fast 29  mehr als bei der Kommunalwahl 2020 machen damals von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Die CDU wird zur stärksten Partei und stellt mit Wilhelm Diederichs den ersten gewählten Oberbürgermeister der Nachkriegszeit. Die Kommunalwahl, die die britische Militärregierung im Mai 1946 angeordnet hat, ist Teil ihre Demokratisierungskampagne, die die 1934 von den Nationalsozialisten abgeschaffte kommunale Selbstverwaltung wieder einführen will. In einem Aufruf der Militärregierung an die Bürger heißt es damals: „Werde wieder Herr im eigenen Haus.  Schließe dich einer Partei an. Informiere dich politisch. Arbeite mit. Hilf mit. Es gibt nur diesen einen Weg zur Freiheit.” In der Lokalpresse werden die Themen angesprochen, die die Mülheime