Jetzt liebäugeln die Sparfüchse also mit der Schließung von Stadtteilbüchereien und reduzierten Öffnungszeiten der Zentralbibliothek im Medienhaus. Bisher hielt ich Sparfüchse für eine clevere Gattung. Vielleicht sind die Sparfüchse, die auf kurzfristige Einspareffekte im Büchereietat setzen ja clever. Aber klug sind sie bestimmt nicht. Eher klingt ihr bibliophiles Streichkonzert nach einer Liaison mit dem Milchmädchen. Dessen Rechkünste kommen uns auf kurze Sicht verheißungsvoll vor, aber auf lange Sicht kommen sie uns teuer zu stehen.
Wenn sich die Rechschiebereien auf dem Rücken der bildungsbedürftigsten und Bildungswilligsten durchsetzen, können wir auch gleich die Stadt zumachen und uns nach Dummsdorf eingemeinden lassen.
Die Hoffnung auf eine Stadt, in der wir gut und gerne leben, weil in ihr Bildung und guter, weil inspirierender Lesestoff kein Luxusgut, sondern Allgemeingut sind, können wir uns dann von politischen Märchenerzählern einflößen lassen: „Es waren einmal Stadt- und Landesmütter und Väter, die wolten kein Kind zurücklassen. Doch dann machte der böse Sparfuchs ihrem guten Vorsatz einen Strich durch die Rechnung.“
Dieser Text erschien am 3. November 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Ein Platz für den Kaiser
Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...
-
Ein Zeitsprung in die 1950er Jahre Ruhrblick am Leinpfad in den frühen 1950er Jahren. Ein Foto des Mülheimers John Dieter Roehse mach...
-
Sie sind nicht von ungefähr die in allen Berufsimage-Umfragen hoch gepriesenen Helden des Alltags. Feuerwehrleute bringen sich in Gefahr, ...
-
Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen