Vorsicht, Zeitdiebe!

 Gerade haben wir Allerheiligen hinter uns. Da höre ich im Bus eine Frau zu ihrer Freundin sagen: „Wir haben nächste Woche unsere vorgezogene Weihnachtsfeier. Ich glaubte, nicht richtig gehört zu haben. Doch das folgende Gespräch bestätigte das Gehörte. Ich war also keiner Sinnestäuschung erlegen.

Eine Weihnachtsfeier Anfang November. Da bleiben einem die vorgezogene Martinsgans und die verfrühten Dominosteine aus dem Supermarkt im Halse stecken.


Je weniger Menschen etwas mit der frohen Botschaft von Weihnachten anfangen können, desto früher wird allerorten weihnachtlich dekoriert und ausgeleuchtet. Die Zeitdiebe, lies nach bei Michael Ende, sind keine Fiktion. Sie sind ganz realexistierend als blendende und geschäftstüchtige Scheinheilige unter uns, um uns unsere Zeit und unser Geld zu nehmen.

Auch wenn ihre Fraktion immer zahlreicher und lauter wird, sollten wir uns, von ihnen weder zur Sommer- noch zur Winterzeit oder zur Fünften Jahreszeit zum Narren halten lassen.

In der Ruhe liegt die Kraft und mit ihr die Klugheit, zu wissen, dass alles seine Zeit hat und seine Zeit braucht, wenn wir unser Leben nicht nur verleben, sondern erleben und so oft es geht auch genießen können.


NRZ, 04.11.2021

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