Samstag, 11. Dezember 2021

Mehr als nur ein Lächeln für Ghana

Kofi Akoto hat eine starke Stimme. Wenn er Gospels singt, bleibt kein Zuhörer unberührt. Der 35-Jährige könnte als Sänger Karriere machen. Aber er arbeitet, und das gerne, seit sechs Jahren als Altenpfleger im Altenheim Haus Ruhrgarten. Dennoch will der Mann mit der starken Stimme seine Kunst in den Dienst einer guten Sache stellen. Zusammen mit Kollegen aus dem Ruhrgarten hat er jetzt den Verein „Ein Lächeln für Ghana“ ins Leben gerufen. Am kommenden Samstag will er zusammen mit den Ablaze Gospel Singers und den Markus Gospel Singers ein Benefizkonzert geben. Der Erlös soll in die Finanzierung eines Hilfstransportes einfließen.

Per Schiffscontainer will Akoto Hilfsgüter, wie zum Beispiel Kleidung, Schulmaterial, haltbare Lebensmittel oder auch Spielsachen in seinen Heimatort Kumasi bringen. Der liegt im Westen Ghanas. „Dort gibt es sehr viele alleinerziehende Mütter, die trotz Arbeit kaum in der Lage sind, das Schulgeld und andere Dinge des täglichen Bedarfs zu bezahlen“, berichtet Akoto. Ihnen will er helfen, hat bereits erste Sachspenden auf eigene Kosten und mit finanzieller Unterstützung von Kollegen und anderen Spendern nach Ghana bringen können.

„In Ghana kennt man keinen Sozialstaat und keine Sozialverbände, wie in Deutschland. Wenn eine alleinerziehende Mutter ihre Kinder zum Beispiel als Putzfrau, als Wasser- oder als Imbissverkäuferin durchbringt, kann sie höchstens 100- bis 150 Euro pro Monat verdienen. Aber allein der Schulbesuch pro Kind und Monat kosten 50 Euro“, beschreibt der zweifache Familienvater die Situation in seinem Heimatland.

Der studierte Marketingfachmann und ausgebildete Altenpfleger verließ Ghana vor zehn Jahren und folgte einer in Deutschland lebenden und arbeitenden Landsfrau.

„Ich habe zuerst als Marketingfachmann gearbeitet, aber irgendwann war mir das zu oberflächlich und ich habe mir einen Beruf gesucht, in dem man wirklich Gutes tun und Menschen helfen kann“, erklärt Akoto seinen auf den ersten Blick ungewöhnlichen Wechsel vom Marketing in die Pflege. Auch wenn er in seiner Ausbildung viele Sprachhürden überwinden musste, hat er diesen Wechsel nie bereut.

In seiner alten Heimat sieht er vor allem ein Problem: „Viele Frauen leben unverheiratet mit Männern zusammen und wenn sie dann Kinder bekommen und der Mann sie wieder verlässt, haben die Frauen keinen Anspruch auf Unterhalt. Denn diesen Anspruch haben in Ghana nur verheiratete Mütter.“ Hinzu komme, so Akoto, dass die Lebenshaltungskosten in den letzten Jahren stark angestiegen seien. Was ihm in der Seele weh tut, ist die Tatsache, dass auch begabte Kinder oft nicht die Schule besuchen können, wenn ihren alleinerziehenden Müttern das Schulgeld fehlt.

Sein Verein „Ein Lächeln für Ghana“ will hier mit Bildungspatenschaften und Sachspenden aus der Not der sozialen Perspektivlosigkeit heraushelfen.


Wer Kofi Akto helfen möchte, erreicht ihn unterden Rufnummern 0208/74 05 099 oder unter 0152/1515 0910.

Dieser Text erschien am 20. oktober 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sankt Nikolaus und seine Stellvertreter

Gestern hörte ich zwei Nachbarskinder darüber diskutieren, dass der Nikolaus in ihrer Grundschule gar kein Nikolaus, sondern ein ihnen bekannter Lehrer sei. Früher fieberte ich dem Nikolaustag entgegen und ließ mein kindliches Sündenregister („Die Schwester an den Haaren gezogen und das Kinderzimmer trotz mehrfacher Ermahnung der Mutter nicht aufgeräumt“ Revue passieren.  In meiner Erinnerung bin ich ein erschreckend braves Kind gewesen. Wahrscheinlich konnte ich dem Nikolaustag deshalb auch immer getrost und mit froher Erwartung entgegen sehen. 

Es muss mein fünfter oder sechster Nikolaustag gewesen sein, als ich das schönste Nikolausgeschenk meines Lebens, ein altes Telefon mit Drehscheibe auf meinem Teller präsentiert bekam. Das schmeckte mir besser als jedes Marzipanbrot. Doch an diesem Nikolaustag begriff ich auch, dass die Geschenke wohl nicht vom Nikolaus, sondern von meiner Mutter kamen. Denn das alte Telefon, das für die nächsten Jahre mein liebstes Spielzeug werden sollte, erkannte ich als unser altes Telefon, das inzwischen durch ein neues mit Tasten ersetzt worden war. Doch das schmälerte meine Freude kein bisschen.

NRZ, 07.12.2017

Zentral, erreichbar, bezahlbar

Wie wird es sich 2025 in Mülheim wohnen? Sozialdezernent Ulrich Ernst (59) wagt einen Blick in die Zukunft. Er beschreibt seine Idee vom Zusammenleben der Generationen im Mülheim von morgen.

Wie wollen Sie selbst wohnen, wenn Sie alt sind?
Ich bin schon alt. Und ich möchte so wohnen, wie ich jetzt wohne: zentral und mit Blick auf meine Nahversorgung fußläufig. Allerdings wohne ich derzeit in der 2. Etage eines Hauses ohne Aufzug. Vielleicht muss ich da noch einmal umziehen.

2025 werden bereits 27 Prozent der Mülheimer 65 und älter sein. Was bedeutet das für die Wohnkultur in unserer Stadt?
Wir brauchen Wohnquartiere, die sich durch Erreichbarkeit und Zugänglichkeit auszeichnen, wenn es um den Besuch des Hausarztes, des Friseurs, um den Einkauf oder um eine Physiotherapie geht. Auch Bring- und Holdienste werden keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der Notwendigkeit sein.

Wie bereitet sich die Stadt auf diese Herausforderung vor?
In dem wir schon heute Netzwerke der  Generationen  initiieren, in denen wir alle relevanten Akteure eines Stadtteils zusammenbringen, damit sie eigene Initiativen entwickeln und Bedarfe formulieren. Solch eine Entwicklung kann man nicht von oben herab für die  gesamte Stadt verordnen. So etwas muss sich von unten aus den Stadtteilen heraus aufbauen.

Wie können die mehr werdenden Alten und die weniger werdenden Jungen auch 2030 friedlich zusammenwohnen?
Wir brauchen Orte, an denen sich Menschen begegnen können und wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Dort, wo alte und junge Menschen sich begegnen, können persönliche Bindungen entstehen, die zum Beispiel dazu führen kann, dass die alte Frau dem kleinen Kind von nebenan vorlesen und der junge Familienvater den einen oder anderen Einkauf für die alte und alleinstehende Nachbarin erledigen könnte.

Welche Wohnformen wird es im Mülheim von Morgen geben?
Wir werden weiterhin eine sehr differenzierte Wohnlandschaft haben. Weil auch eine ältere Stadtgesellschaft aus unterschiedlichen Menschen mit individuellen Bedürfnissen bestehen wird. Da werden wir Mehrgenerationen-Häuser und Alten-WGs ebenso haben wie die kleinen Apartments, in denen alleinstehende Senioren leben, die ganz bewusst allein wohnen und ihre Ruhe haben wollen. Angesichts langfristig sinkender Renten wird es auch mehr arme Rentner geben. Die soziale Spaltung der Stadt wird sich fortsetzen und sie wird nur durch das Beibehalten der jetzt erreichten Achtsamkeit für die unterschiedlichen Bedürfnisse der Wohn- und Stadtquartiere abgefedert werden können. Mülheim wird eine Stadt mit weniger Menschen und mehr kleinen Haushalten werden.


NRZ, 03.06.2016

Freitag, 10. Dezember 2021

Die Musical-Macher

In der Zeit vor Weihnachten denkt man vielleicht an ein Krippenspiel oder an die Aufführung eines Oratoriums, aber nicht unbedingt an ein Musical.
Doch in der Pfarrgemeinde St. Barbara stecken derzeit rund 100 Gemeindemitglieder jede freie Minute in die Proben für das Musical „Virgin.“ Erzählt wird die Geschichte der Mutter Gottes von Guadalupe. Sie erschien 1531 dem Indio Juan Diego und wurde so zur Schutzheiligen Mexikos, die jährlich 21 Millionen Pilger nach Mexiko City zieht. Mit Hilfe eines Musicals den christlichen Glauben und seine Frohe Botschaft im besten Sinne populär und verständlich zu machen, ist für die Barbarianer kein Neuland.


Doch in der Pfarrgemeinde St. Barbara stecken derzeit rund 100 Gemeindemitglieder jede freie Minute in die Proben für das Musical „Virgin.“ Erzählt wird die Geschichte der Mutter Gottes von Guadalupe. Sie erschien 1531 dem Indio Juan Diego und wurde so zur Schutzheiligen Mexikos, die jährlich 21 Millionen Pilger nach Mexiko City zieht. Mit Hilfe eines Musicals den christlichen Glauben und seine Frohe Botschaft im besten Sinne populär und verständlich zu machen, ist für die Barbarianer kein Neuland.
Ab 1998 setzten Gemeindemitglieder die Lebensgeschichte des katholischen Widerstandskämpfers Nikolaus Groß, der 2001 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, mit einem Musical ins Szene. Das Musical wurde nicht nur in der Barbarakirche am Schildberg, sondern landesweit bei unterschiedlichen Veranstaltungen aufgeführt. Die Ausdauer und Intensität, mit der Gemeindemitglieder über Jahre und über Generationsgrenzen hinweg die Geschichte und Botschaft von Nikolaus Groß in die Herzen ihrer Zuschauer trugen, brachte den ehrenamtlichen Schauspielern, Technikern, Kostümschneidern, Sängern und Musikern Anerkennung und Respekt ein.


Auch wenn sich in der Pfarrgemeinde des Mülheimer Nordens angeblich eine „Gewerkschaft der Nikolaus-Groß-Geschädigten“ gebildet haben soll, ließen sich die Musical-Enthusiasten aus St. Barbara vom ehemaligen Adveniat-Vorsitzenden Franz Grave vor einem Jahr erneut zu einem Musical anstiften, das jetzt ein Kapitel aus der Christialisierung Mexikos und Amerikas erzählt.
Dass die dortigen Indios im Namen der christlichen Maijestät des spanischen Kaisers Karl V. nicht nur missioniert, sondern auch massakriert wurden, spart die anspruchsvolle Musicalaufführung, die am 12. Dezember in der Barbarakirche am Schildberg ihre Premiere erleben wird, nicht aus. Wie bei Nikolaus Groß haben auch diesmal Pfarrer Manfred von Schwartzenberg (als Autor) und Kirchenmusiker Burkhard Maria Kölsch (als Komponist) den ersten Schritt zum zweiten Musical aus St. Barbara gemacht. „Obwohl alle Mitwirkenden auf und hinter der Bühne beruflich und familiär in der Zeit gefangen sind, stecken sie viel Zeit, Energie und Herzblut in dieses Projekt. Das ist eine außergewöhnliche Leistung, die unsere Gemeinde belebt“, sagt Manfred von Schwartzenberg.


Auch wenn Licht und Ton, Gesang und Musik, Darstellung, Sprache und Gestik noch nicht perfekt über die Bühne kommen, zeigt sich Regisseur Edgar Kirchhoff bei den Proben in der Barbarakirche zuversichtlich. „Auch wenn da noch Luft nach oben ist, ist da doch auch schon jetzt viel schönes dran“, unterstreicht er.
Die beiden Hauptdarsteller sind sich einig, dass ihre Rollen nicht mit den Charakteren aus dem Nikolaus-Groß-Musical zu vergleichen sind. „Nikolaus Groß war mir näher, auch wenn ich jetzt als Juan Diego wieder so etwas wie ein Gänsehautgefühl habe“, sagt der 59-jährige Diplom-Kaufmann Jürgen Wrobbel. Seine Frau Ellen hat ihm die Tilma, das Gewand mit dem Marienbild genäht. „Als gläubige Christin weiß ich, dass es Wunder gibt. Für mich ist die Rolle der Mutter Gottes eine Ehre und eine Verpflichtung, aber auch eine schwierige Herausforderung. Denn wir haben es hier mit einer Persönlichkeit zu tun, die eine überirdische Dimension hat“, erklärt die 18-jährige Dolmetscher-Studentin Michelle Pascual. Obwohl Pascual, die Maria mit großer Anmut spielt, aus der Gemeinde kommt, reist sie jetzt eigens aus ihrem Studienort Germersheim zu den Proben am Schildberg an.


100 Leute zu den Proben oder zumindest zu Teilproben mit Teilen des Ensembles zusammen zu bekommen, erfordert eine aufwendige Termin-Koordination und Organisationsarbeit, die im Hintergrund von Elke Timmer geleistet wird. „Wir können uns nicht mit einem professionellen Ensemble vergleichen, aber wir wollen die Menschen mit unserem Musical berühren und ihnen zeigen, dass es zwischen Himmel und Erde mehr gibt, als wir Menschen begreifen können“, sagt Regisseur Edgar Kirchhoff, der gleichzeitig den spanischen Gouverneur verkörpert, der den Indios das Leben schwer macht.
Wer das zweistündige Musical
über die Geschichte des Indios Juan

 Diego und der Mutter Gottes verfolgt, staunt vor allem darüber, dass die mexikanischen Indios die christliche Botschaft erkannten und annahmen, obwohl sie mit den Vertretern der christlichen Kolonial- und Weltmacht Spanien die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht hatten. Zur Botschaft des Musicals „Virgin“ passt es denn auch, dass der Erlös aus den 25 Euro kostenden Eintrittskarten in ein Hilfsprojekt für Straßenkinder in Mexiko City fließen wird.


NRZ/WAZ, 13/11/2017



Dienstag, 7. Dezember 2021

Die Kultur-Regler

 "Kunst ist schön, macht aber auch viel Arbeit!" Diese Einsicht Karl Valentins können die 30 Regler bestätigen, die zum harten Kern des Freilichtbühnenteams gehören. Seit 2014 betreiben die 1936 eröffnete Freilichtbühne im Auftrag der Stadt. 

Auch wenn die Corona-Pandemie die abgelaufene Spielzeit 2021 überschattet hat, können die Regler auf 58 erfolgreiche Veranstaltungen zurückschauen. Deren Spektrum reichte von Theater- und Opernaufführungen über Literaturlesungen und Chorkonszerte bis hin zum Kino und Live-Unterhaltung in Ton, Klang und Wort.

"Die ehrenamtliche Arbeit, die wir hier leisten, um die Freilichtbühne für die Bevölkerung als Kulturort zu erhalten, ist unbezahlbar", sagt der Vorsitzende der Regler, Hans-Uwe Koch. Doch er macht auch deutlich, dass das Kulturveranstaltungsprogramm an der Dimbeck nur deshalb über die Bühne gehen kann, weil zur ehrenamtlichen Arbeit der Regler auch Spenden und Sponsoren kommen. Denn allein an fixen Kosten fallen für den Freilichtbühnenbetrieb monatlich 2600 Euro an.

Ohne Moos nichts los!

In der abgelaufenen Saison gehörten die Westenergie und die Sparkasse Mülheim ebenso zu den Sponsoren, die die Arbeit möglich machten, wie der Mülheimer Unternehmer Horst Bilo, der Mülheimer Lionsclub, der Verein Naturgarten, die Veranstaltungstechniker von Tonmedia und Höhnerbach, aber auch große Finanziers, wie die Bundeskulturstiftung zu den kulturbeflissenen Geldgebern der Regler.

Die Regler freuen sich darüber, dass Sie mit Hilfe der Kulturstiftung Ruhr auch im kommenden Jahr Opernaufführungen an der Dimbeck zeigen können. Aber auch das Open-Air-Kino und die Kooperationen mit Mülheimer Chören und dem Mülheimer Backsteintheater aus dem Evangelischen Krankenhaus sollen fortgeführt werden. Der Mann fürs Open-Air-Kino, Peter Mäurer, arbeitet schon an einem Veranstaltungs- und Finanzierungskonzept für ein Kinofestival in der Freilichtbühne, die in diesem Jahr neben musikalisch begleiteten Stummfilmen auch das neueste Werk des Mülheimer Filmemachers, Alexander Waldhelm, "Kein schöner Land" haben über die Leinwand flimmern lassen.  Cineast Mäurer weiß: "Open-Air-Kino ist immer technisch aufwendig." Für Reglerin Helga Stolz, dass es der Produktion in der abgelaufenen Spielzeit gelungen ist, mit einem facettenreichen Programm einen generationsübergreifendes Publikum anzusprechen.

Regler Peter-Michael Schüttler hat nachgerechnet und festgestellt, dass die Kulturmalocher der Reglerproduktion 2021 pro Monat fast 1350 ehrenamtliche Arbeitsstunden für die Freilichtbühne und deren nicht nur aus Mülheim kommenden Fans gearbeitet haben. Kräftig mit angepackt haben zum Beispiel die jungen Techniker, Louis Wippich, Sarah Urka und Leon Schirdewan-Debing, aber auch die für das Hygiene-Konzept der Regler verantwortliche Susanne Beckers und die an der Spitze des Regler-Gastro-Teams stehende Gisela Tolksdorf. Handfeste Teamarbeit war natürlich auch bei der von Arndt Blecking geleiteten Grünpflege auf der Naturbühne vonnöten.

Mit den eigenen Kräften gut haushalten

In der kommenden Spielzeit wollen sich die Regler auf 40 Veranstaltungen beschränken, um mit ihren Kräften zu haushalten. Außerdem hoffen sie, dass sich die Corona-Pandemie soweit entschärft, dass die Besucher-Begrenzung auf maximal 500 Gäste wieder fallen kann und es sich aufgrund eines größeren Besucherandrangs auch wieder lohnen wird, den Biergarten und die Gastronomie der auch als Naherholungsgebiet gefragten Freilichtbühne wieder an einen externen Gastronomen zu verpachten.

Mal nachschauen!

Dach ihres technisch versierten, tatkräftigen und kreativen Nachwuchses können die Regler ihre Kulturarbeit jetzt auch videotechnisch auf ihrer Internetseite: www.reglerproduktion.de dokumentieren. "Wer in der Winterpause Entzugserscheinungen bekommt, kann dort ja mal hereinschauen", betont Peter-Michael Schüttler.

Mülheimer Woche, 06.12.2021

Samstag, 4. Dezember 2021

Die MEG macht's!

 Schlager, die weiße Winterlandschaften besingen sind Legende. Die Arbeit, die der Winter mit Schnee und Eis den 30 Mitarbeitern der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft macht, ist eine eiskalte Tatsache.

Es ist ein- oder zwei Uhr in der Nacht. Draußen ist es dunkel und kalt. Doch Sie stehen auf und beginnen eine Stunde später mit Ihrer Arbeit. Sie fahren mit einem Streu- oder Räumfahrzeug drei Stunden über zum Teil spiegelglatte Straßen, damit ihre ausgeschlafenen Nachbarn spätestens ab sechs Uhr zur Arbeit, zum Einkaufen oder in den Urlaub fahren können. 

"Niemals!", sagen Sie!? "Immer wieder!", sagen die Mitarbeiter des MEG-Winterdienstes, wenn sie im Schnee- und Eisfall mit ihren 16 Streu- und Räumfahrzeugen bis zu drei Stunden lang die insgesamt 685 Mülheimer Straßenkilometer für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger freimachen, die nach ihnen kommen.

Wenn es besonders heftig schneit und vereist, wie etwa in den Wintern 1978, 1985 und 2010, kann der für den Tourenplan zuständige Logistikleiter der MEG, Dirk Eurskens, auf bis zu 51 weitere Kollegen zurückgreifen, die dann an die glatte Schnee- und Eisfront müssen.

"Wir halten in unseren Lägern bis 2500 Tonnen Streusalz und 420 Kubikmeter Sole bereit. Im letzten Winter haben wir 900 Tonnen Salz streuen müssen", erklärt Eurskens.

Gemeinsam durch den Winter

"Aus ökologischen Gründen wollen wir möglichst wenig Salz streuen, weil das Streusalz auch das Straßengrün angreift. Obwohl das Frauenhofer-Institut dazu forscht, haben wir als kommunales Entsorgungsunternehmen noch  keine umweltfreundliche Alternative zum Streusalz. Angesichts der Umweltschädlichkeit dürfen private Haus- und Grundstückseigentümer im Winter auch nur dann Salz streuen, wenn sie auf Ihrem Grundstück Treppen oder Rampen entglätten. Auf Bürgersteigen darf man nur das umweltverträgliche Ton- oder Sandgranulat streuen, das es im Baumarkt zu kaufen gibt", erklärt MEG-Geschäftsführer Timo Juchem.

Sein Geschäftsführungskollege, Günther Helmich, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Hauseigentümer dazu verpflichtet sind, den Bürgersteig vor ihrem Haus im Schnee- und Eisfall werktags zwischen 7 und 20 Uhr und am Wochenende zwischen 9 und 12 Uhr begehbar zu halten.

Nach seiner Erfahrung klappt die Winterdienst-Kooperation zwischen den Mülheimer und der MEG relativ gut. Winterbedingte Hals- und Beinbrüche, sagt Helmich, seien auf Mülheims Bürgersteigen eher selten. Und er nutzt die Gelegenheit, um an die Vernunft und Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger zu appellieren, indem er betont: "Man sollte im Winter natürlich auch mit jahreszeitgemäßem Schuhwerk und entsprechender Bereifung unterwegs sein. Sonst kommt man im Fall der Fälle mit einer Schadensersatzklage nicht weit."

Moderne Technik

Mit Schippe, Eimer und Kehrblech käme der Winterdienst der MEG natürlich nicht weit. Wenn dessen Mitarbeiter zwischen dem 1. November und dem 31. März damit rechnen müssen, nach einer entsprechenden Wetterprognose, kurzfristig auf die kalten Straßen der Stadt geschickt zu werden, stehen ihnen Fahrzeuge zur Verfügung, die mit Sole- und Salzcontainern, aber auch mit einem Bordcomputer und einer Unterbodensonder ausgestattet sind. "Diese computergesteuerte Sonde misst die Temperatur auf dem jeweiligen Straßenabschnitt und dann reguliert der Kollege Computer, den Einsatz des Streusalzes", erklärt Logistikleiter Dirk Eurskens.

Klimawandel zeigt sich

Last, but not least machen die beiden MEG-Geschäftsführer Juchem und Helmich deutlich, dass der Klimawandel auch den Winterdienst und darüber hinaus alle Jahreszeiten beeinflusst. Weil sich die globalen Temperaturunterschiede im Rahmen der Klimaerwärmung immer weiter anglichen und sich Luftströmung und Golfstrom verlangsamten, müssten wir immer öfter mit lange anhaltenden Wetterlagen rechnen.


Mülheimer Woche, 03.12.2021

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Donnerstag, 2. Dezember 2021

Ein Dorf bremst

 Die für die Linksruhr-Stadtteile Saarn, Selbeck, Mintard und Speldorf zuständige Bezirksbürgermeisterin kam am 30. November ungewollt hoch hinaus. Obwohl es um 14 Uhr in Strömen regnete, ließ sich die christdemokratische Kommunalpolitikerin mithilfe eines Hubwagens in die Höhe schrauben, um die direkt an der Kirchplatzmauer von St. Laurentius an der Ecke Dorfstraße/August-Thyssen-Straße montierte Ausschilderung der neuen Tempo-30-Zone im Mintarder Ortskern gut sichtbar für die Autofahrer zu enthüllen.

"Seit fünf Jahren haben Bürger aus Mintard immer wieder den Wunsch nach einer Tempo-30-Zone im Ortskern an die Mitglieder der Bezirksvertretung herangetragen, da die August-Thyssen-Straße von vielen Kindern, Jugendlichen, Radfahrern und Fußgängern gequert wird. Jetzt war es höchste Zeit, diesen Wunsch endlich zu erfüllen. Nun muss man natürlich erst Mal genau beobachten, wie sich das Ganze anlässt und ob die Tempo-30-Zone vom regen Durchgangsverkehr auch beachtet wird", sagte Oesterwind nach ihrem feuchten Ortstermin im Gespräch mit der Mülheimer Woche.

Bürgerwunsch erfüllt

Neben Vertretern der Verwaltung waren auch Vertreter des Sportvereins DJK Blau Weiß Mintard und Vertreter des Bürgervereins Wir in Mintard  beim offiziellen Tempo-30-Start im südlichsten Zipfel Mülheims anwesend.

Es passt gut, dass gerade erst die Geschwindigkeitsmessgeräte der Linkruhr-Bezirksvertretung 3 wieder instandgesetzt werden konnten. In erster Linie ist bei der Verkehrsüberwachung natürlich die Polizei gefordert. Auch die anderen beiden Mülheimer Bezirksvertretungen haben eigene Geschwindigkeitsmessgeräte, die die Polizei in ihrem Auftrag einsetzen kann, um Rennstrecken zu identifizieren.

Auf Bus und PKW angewiesen

Oesterwind räumte ein, dass die knapp 1000 Bewohner Mintards, trotz der Buslinie 134 auf die Nutzung ihrer PKWs angewiesen seien. Der 134er fährt im Stundentakt und hält in Mintard am Wasserbahnhof, an der Kirche und am Biestenkamp. Die Teilstrecke Saarn-Mintard wird nach Angaben der Ruhrbahn pro Werktagswoche von 150 Fahrgästen genutzt. Die Zeiten, in denen Mintard noch einen Bahnhof hatte und mit dem Zug erreichbar war, sind seit Mitte der 1960er Jahre Geschichte. Die Busverbindung zwischen der Stadtmitte und dem 1975 eingemeindeten Mintard (auf der Linie 133) wurde vor fünf Jahren gekappt Die nächst größere Einkaufsmöglichkeit für die knapp 1000 Mintarder befindet sich in einem Supermarkt an der Kölner Straße. Eine Tante Emma gibt es nicht. Kinder und Jugendliche müssen mit dem Bus oder mit dem Elterntaxi zur Schule nach Kettwig oder Saarn gebracht werden.

Die Einrichtung der Tempo-30-Zone in Mintard geht auf einen Arbeitsauftrag zurück, den CDU und Grüne im Juni 2021 an die Verwaltung vergeben haben.  Als Ergebnis ist jetzt die Tempo-30-Zone in Mintard eingerichtet worden. Bei sieben weiteren Straßenabschnitten sieht das federführende Amt für Verkehrswesen ebenfalls die Möglichkeit, sie aus dem Vorbehaltsnetz herauszunehmen, ohne dass die damit verbundene Geschwindigkeitsreduzierung von 50 auf 30 Stundenkilometern den von der Stadt zu gewährleistenden Verkehrsfluss übermäßig zu beeinträchtigen.

Kein Unfallschwerpunkt

Bei ihren Geschwindigkeitsmessungen und Unfallstatistiken an der August-Thyssen-Straße hat die Polizei bisher keine Auffälligkeiten feststellen können. Allerdings bestätigt sie, die besondere Sicherheitsrelevanz der Tempo-30-Zone im Mintarder Ortskern und verweist in diesem Zusammenhang auf den dortigen Querungs-Abschnitt des Ruhrtalradweges, sowie einen nahegelegenen Sportplatz und einen nahegelegenen Kindergarten. 
 

Weitere Tempo-30-Zonen?

Zurzeit stehen aber noch fünf weitere Straßen, die Bruchstraße in Eppinghofen, die Felackerstraße in Heimaterde, die Kaiser-Wilhelm-Straße in Styrum auf der Tempo-30-Wunschliste von Schwarz-Grün, die am 2. Dezember im Mobilitätsausschuss beraten werden.


Mülheimer Woche, 30.11.2021

Zur Mülheimer Woche

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...