Sonntag, 19. Februar 2023

Was kommt vor dem Auftritt?

 Karneval macht nicht nur Spaß, sondern auch Arbeit. Das begreift man sofort, wenn man im Bürgergarten sieht, was vor dem Auftritt bei der 76. Prunksitzung der KG Blau Weiß am kommenden Samstag, 18. Februar, ab 19.11 Uhr zwischen Soundcheck, Tischdekoration, Probe  und Training auf die singenden, tanzenden und musizierenden Aktiven der mehr als 250 Mitglieder starken Gesellschaft zukommt.

Bevor sich Tanzmariechen Janina Cervino-Santarelli (23) dem Gespräch mit der Lokalredaktion widmen kann, geht sie mit Kindertanzmariechen Leara Lersch (10) auf der sechs-mal-vier-Meter-großen Bühne die Grundschritte ihrer Choreografie durch. Man sieht dem kleinen und dem großen Tanzmariechen an, dass ihnen ihre Tanzshow Freude macht. „Natürlich kommt es darauf an, dass man jeden Schritt richtig austanzt. Aber die Ausstrahlung ist das A und O“, sagt Janina, die sich nach 14 Jahren als Tanzmariechen inzwischen selbst trainiert.

Gardeuniformen und Showkostüme sucht man beim Probetraining auf der bereits von Scheinwerfern beschienen und mit dem beleuchteten Wappen der KG Blau Weiß geschmückten Bühne vergeblich. Stattdessen wird in enganliegenden Jogginghosen, T-Shirts und Gymnastikschuhen getanzt. „Ein Auftritt in dieser Trainingskleidung ist natürlich bequemer, aber für die Show am Samstagabend müssen es nun einmal die blauen Gardeuniformen mit weißen Stiefeln und die Zirkuskostüme mit Artistenstock sein“, sagt Janina Cervino-Santarelli.

Sie ließ sich vor 14 Jahren von der Tanzbegeisterung ihrer Cousine Jacqueline begeistern und zu den blau-weißen Karnevalsfreunden verführen. Inzwischen hat sie selbst ihre jüngeren Schwestern Joana (21) und Jaymee (10) in die Tanzgarde der KG Blau Weiß geholt, die vor Corona im Herz-Jesu-Pfarrheim an der Ulmenallee und im Altenhof an der Kaiserstraße trainiert haben und aufgetreten sind. Auf die Evangelische Kirche, die den Altenhof für Karnevalsveranstaltung kurzfristig gesperrt hat, ist man bei den Blau Weißen im Bürgergarten gar nicht gut zu sprechen. „Darüber müsste man mal in der Zeitung schreiben“, wirft der Präsident und Chef-Entertainer der KG Blau Weiß Thomas („the Voice“) Straßmann ins Bühnengespräch mit Janina Cervino-Santarelli ein.

„Die Bühne im Altenhof war mit vier-mal-acht-Metern für unsere Tanzshow perfekt. Aber wir sind dem Gastronomen Jörg Thon dankbar dafür, dass er den Roten Funken und uns seinen Saal für unsere Prunksitzung kurzfristig zur Verfügung gestellt hat“, sagt Cervino-Santarelli. Das sie im kleineren Saal des Bürgergartens nur vor 200 statt, wie im Altenhof, vor 350 Jecken tanzen wird, mindert ihre Motivation nicht im Geringsten. „Ich bin ein Energiebündel und trotz meines Lampenfiebers eine Rampensau. Tanzen ist für mich Alles. Und ich liebe es, meine Energie in eine coole Tanzshow hineinfließen zu lassen, die das Publikum begeistert. Wenn man fünf bis sechs Minuten im Rampenlicht steht, alles gibt und das Publikum am Ende begeistert Standing Ovations gibt, ist das einfach ein geiles Gefühl“, sagt Janina Cervino-Santarelli.

Doch vor diesem „geilen Gefühl“ kommen zweimal-vier-Stunden Training pro Woche. Außerdem trainiert die gelernte Automobilkauffrau, die zurzeit noch im Leitungsteam des kommunalen Impfmanagements arbeitet, mit regelmäßigem Jogging ihre Kondition, um, wie sie sagt: „auf mehreren Hochzeiten tanzen zu können.“ Denn Janina Cervino-Santarelli, die künftig im Vertrieb oder im Marketing und irgendwann einmal im Eventmanagement arbeiten will, hat nicht nur als Solo-Mariechen, sondern auch als Tanzgardistin und als Showgirl der Blue Sensations ihren Auftritt.

Ihr Trainingsquartier, ein 50 Quadratmeter großer Raum in einem ehemaligen Wettpavillon der Rennbahn Raffelberg, ist der so gar nicht glamouröse Ort, an dem vor, während und nach der Session ihre, mal anmutigen und mal athletischen Tanzfiguren mit Spitzen-Tanz, Radschlägen und Spagat entstehen. Doch vor jeder noch so anspruchsvollen Choreografie kommen im Training und vor dem Auftritt 25 Minuten Aufwärmen und Dehnen. „Als ich einmal geglaubt habe, dass zehn Minuten Aufwärmen und Dehnen vor dem Auftritt reichen, habe ich mich mit einem Bänderriss eines Besseren belehren lassen müssen“, erinnert sich Janina Cervino-Santarelli.

Der jungen Powerfrau, die nicht nur am kommenden Samstag auf der Bühne des Bürgergartens tanzen, sondern schon tags zuvor an gleicher Stelle als Matrosin ab 15 Uhr den Kinderkarneval moderieren wird, sofort glauben, wenn sie mit ihrem jugendlichen Schwung sagt: „Auch wenn die Coronapandemie unsere Reihen dezimiert hat, kann der Mülheimer Karneval wieder das starke Niveau erreichen, dass er vor drei und vier Jahren hatte, wenn sich einige Mülheimer, die dem Karneval jetzt noch skeptisch gegenüberstehen, ihren Hintern in die Hand nehmen und zu einer coolen Veranstaltung gehen, am besten zu einer der KG Blau Weiß, um sich ihre eigene Meinung über die Fünfte Jahreszeit zu bilden, in der man gemeinsam mit anderen frei und fröhlich sein kann.“ 

Samstag, 18. Februar 2023

Verbotene Kostüme

 Auch in Mülheim gehen die Karnevalisten auf die Zielgerade der fünften Jahreszeit. Rechtzeitig vor dem Beginn der Tollen Tage hat auch der Geschäftsführer des Hauptausschusses Gross-Mülheimer Karneval, Hans Klingels die Presseberichterstattung zu den Kostümen zur Kenntnis genommen, bei denen der Gesetzgeber auch an den Tollen Tagen keinen Spaß versteht.

 

Wer zum Beispiel unter dem Deckmantel der karnevalistischen Kostümierung Uniformen und Abzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen trägt, kann nach §86 des Strafgesetzbuches ebenso mit Geld- oder Haftstrafen belangt werden, wie (nach §132 und 132a des Strafgesetzbuches) Narren, die sich unter dem Vorwand der Verkleidung mit authentischen Uniformen der Polizei, der Feuerwehr oder der Bundeswehr unter die Jecken mischt und es dabei lustig findet, sich als Polizeibeamter, als Soldat oder als Feuerwehrmann auszugeben. Auch dann geht der Schuss finanziell und juristisch nach hinten los, sobald man sich als kostümierter Jeck tatsächlich mit einer echten Waffe oder mit einer Waffenattrappe ausstattet. In diesen Fällen drohen Jecken aufgrund des Waffengesetz-Paragrafen42a Bußgelder in Höhe von bis zu 10.000 Euro. Das illegale Tragen einer Dienstuniform in Tateinheit mit Amtsanmaßung kann mit bis zu einem Jahr und das Tragen von Uniformen verfassungsfeindlicher Organisationen mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bestraft werden.

 

Hans Klingels sagt: „Über dieses Thema mussten wir als Mülheimer Karnevalisten bisher nicht nachdenken, weil es in Mülheimer Karneval, kein Thema ist und hoffentlich auch kein Thema werden wird!“

Auf Anfrage der Lokalredaktion äußert sich Stadtsprecherin Britta Heidemann ähnlich, in dem sie feststellt: „Das Ordnungsamt der hat in der Vergangenheit mit diesen Fragestellungen keinerlei Berührungspunkte gehabt. Solche Fälle sind noch nicht an uns herangetragen worden und wären wohl eher ein Straftatbestand, also Sache der Polizei, denn eine Ordnungswidrigkeit.“

 

Was sagt also die Polizei, die den Rosenmontagszug als größte Freiluftveranstaltung der Stadt mit ihren Beamtinnen und Beamten absichert, zu den „verbotenen Kostümen“? Mit Blick auf seine eigene elfjährige Polizeierfahrung und auf die Erkenntnisse aus den polizeiinternen Nachbesprechungen der Rosenmontagseinsätze sagt Polizeisprecher, Pascal Pettinato: „Verbotene Kostüme kommen, wenn überhaupt und vereinzelt vor und stellen deshalb für uns kein sicherheitsrelevantes Problem dar. Wenn Kollegen aber beim Rosenmontagzug jemanden sehen würden, der zum Beispiel NS-Uniform mit Hakenkreuzbinde und SS-Runen oder eine Polizeiuniform mit dem Hoheitszeichen des nordrhein-westfälischen Landeswappens trägt, die nicht eindeutig als Kostüm zu erkennen ist, würden sie eine Strafanzeige schreiben und diese an die Staatsanwaltschaft weiterreichen.“ Das Gleiche gilt, laut Pettinato, auch für „PBT-Waffen und Waffen, die den Anschein erwecken, echte Waffen zu sein“ und damit im Straßenkarneval eine Massenpanik auslösen könnten. Als PBT-Waffen gelten zum Beispiel Schreckschuss, Luftdruck- oder Gaspistolen, mit denen man zum Beispiel Platzpatronen, Reizstoffe, Signalfarben und pyrotechnische Ladungen verschießen kann.“ Auch närrische gesonnene Polizeibeamte, die sich in ihrer Freizeit als Jeck ins Getümmel der Tollen Tage werfen wollen, müssen ihre Dienstkleidung zu Hause lassen und dürfen diese nicht zum Kostüm umfunktionieren. „Wir sind aber keine Moral-Polizei, die zum Beispiel darüber entscheidet, ob zum Beispiel eine Verkleidung als Indianer oder als Scheich politisch korrekt oder unkorrekt ist“, betont Polizeisprecher Pettinato.

 

Obwohl es an der Otto-Pankok-Schule an den Tollen Tagen eine von der Schülervertretung organsierte Karnevalssitzung für die fünften Klassen gibt, die in diesem Jahr aber Corona-bedingt ausfällt, mussten sich Schulleiter Jens Schuhknecht und sein Stellvertreter Ulrich Bender bisher noch nie mit verbotenen Kostümen oder gar mit Waffenattrappen auseinandersetzen. „Wenn dem so wäre würde wir das natürlich sehr ernsthaft ansprechen und aufarbeiten. Aber bisher hatten wir es vereinzelt lediglich mit Schülern zu tun, die Abi-Feiern mit Wasserspritzpistolen unterwegs waren“, erklärt Schuhknecht im Gespräch mit dieser Zeitung.

 

Seine Amtskollegin, Heike Quednau von der Karl-Ziegler-Schule teilt der Lokalredaktion mit: „An der Luisenschule gibt es keine schulische Karnevalsfeier. Am Rosenmontag ist die Schule geschlossen. Aus diesem Grund tritt bei uns die Frage nach Verkleidungen nicht auf.“ Ähnliches lässt die Rektorin der Realschule Stadtmitte, Sabine Dilbat, verlauten. Sie erklärt auf Anfrage dieser Zeitung zum Thema Verbotene Kostüme: „An der Realschule Stadtmitte kommt nur vereinzelt der Wunsch nach einer Kostümierung in den unteren Jahrgängen auf. Aufgrund der augenblicklichen Situation in der Ukraine und dem Erdbebengebiet, sehen wir aber von solchen Feierlichkeiten ab. Wir haben einen hohen Anteil von SchülerInnen aus der Türkei und aus Syrien.“

 

Auch für den Leiter der Gustav-Heinemann-Schule, Thomas Ratz, „stellt sich das Problem nicht, weil sich bei uns nur die Fünft- und Sechstklässler verkleiden.“ Doch Ratz macht auch deutlich: „Wenn Schüler mit ihren Spielzeugwaffen Leute bedrohen würden oder in der Uniform einer verfassungsfeindlichen Organisation auftreten würden, wären wir natürlich sofort am Start, so wie wir auch jede Hakenkreuzschmiererei an unserer Schule sofort dem Staatsschutz melden.“


Meine Texte in der Mülheimer Tagespresse und: Zum Mülheimer Karneval



 

Mittwoch, 15. Februar 2023

Mal jemand anderes sein!

 Kleider machen Leute, auch wenn sie im Karneval als Kostüme daherkommen: Eine närrische Umfrage zur Fünften Jahreszeit

Als was gehst  du? Karnevalsmuffel werden diese Frage nicht verstehen, doch die mölmschen Jecken umso mehr. Denn mit dem Februar hat die heiße Phase der Fünften Jahreszeit begonnen. Der Mülheimer Carnevalsclub MCC und die Mölmschen Houltköpp haben mit ihrer Kostümsitzung eine alte Karnevalstradition wieder aufleben lassen. Am kommenden Samstag, 11. Februar, feiern sie, närrisch kostümiert, im Dümptener Autohaus Extra und im Stadthallenrestaurant an der Schloßbrücke. Los geht’s beim MCC um 19.11 Uhr an der Fritz-Thyssen-Straße 6 und um 20.11 Uhr bei den Mölmschen Houltköpp im Caruso.

Vor den Kostümsitzungen, bei denen man als Jeck mal ganz anders sein und auftreten kann, als man es sonst tut, hat die Lokalredaktion Mülheimerinnen und Mülheimer gefragt, als was sie in der Fünften Jahreszeit schon mal gegangen sind oder gerne gehen würden, und was sie mit ihrer Kostümwahl verbinden.

Die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Michaela Rosenbaum, berichtet: „Mein Lieblingskostüm war im Rahmen eines Gruppenkostüms zum Thema Fliegen der Bodenlotse! In Kombination mit dem Piloten und den Flugbegleiterinnen konnte ich alle in die richtige (Party)-Richtung lotsen. Wir hatten viel Spaß - und auch unser Umfeld fand das Gruppenkostüm äußerst originell.“

Rosenbaums Amtskollege, Frank Esser, von der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft sieht sich „zwar nicht als Vollblutkarnevalist“, feiert aber trotzdem gerne Karneval. Esser und seine Frau Yvonne bevorzugen den „karnevalistischen Partnerlook als Biene Maja und Willy. Dabei fühlt sich der Borussia-Dortmund-Fan Esser im tierisch tollen schwarz-gelben-Bienen-Kostüm, Marke gekauft, aber mit selbstgemachten Accessoires aufgehübscht, „pudelwohl“!

 Als Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval kann es sich der Unternehmer Markus Uferkamp leicht machen. Qua seines närrischen Amtes tritt er regelmäßig in einer schwarz-weißen Anzugkombination mit Narrenkappe auf. Doch er kann auch anders und erinnert sich deshalb gerne an seine kostümtechnische Karnevalskarriere, wenn er sagt: „Ich habe immer gerne Karneval gefeiert und mich gerne verkleidet. In meiner Kindheit war ich zum Beispiel Indianer und Cowboy. Später warf ich mich aber auch  als Pirat, als  New York Police Cop, als Rocker, als Clown und als Space Man ins närrische Getümmel. Aber mein schönstes Kostüm war in der Session 2009/2010 mein Kostüm als Stadtprinz der Stadt Mülheim an der Ruhr, an der Seite meiner Prinzessin und Ehefrau Sandy. Ich verbinde damit eine wunderschöne Zeit im Mülheimer Karneval, auf die ich bis heute noch gerne zurückblicke.“

Die unvergesslichen Eindrücke einer Safari in Südafrika haben den Mülheimer IT-Unternehmer und Ehrensenator des Mülheimer Karnevals, Gerald Schiffmann, auch zu seinem gekauften, aber anschließend eigenhändig aufgepepptem Lieblingskostüm inspiriert. „Als Giraffe war ich dann aber so lang, dass ich Probleme dabeihatte, durch den Eingang des Festsaales zu kommen“, erinnert sich der 1,93-Meter-Mann, der nicht nur an der Ruhr, sondern auch am Rhein im Saalkarneval unterwegs ist.

Wie wir seit Gottfried Kellers gleichnamiger Novelle wissen, machen Kleider Leute. So trug der evangelische Pfarrer Michael Manz aus Styrum als Festprediger der Karnevalsmesse in Herz Jesu nicht nur seinen schwarzen Talar, sondern auch seine Narrenkappe als Ehrensenator des Mülheimer Karnevals. Kein Wunder also, dass der frohsinnige Mann der Frohen Botschaft am kommenden Sonntag, 12. Februar um 11 Uhr zu einem Karnevalsgottesdienst in die Immanuel-Kirche an der Kaiser-Wilhelm-Straße 21 einladen wird. Und im Rosenmontagszug, so verrät er der Lokalredaktion, wird er am 20. Februar ab 14 Uhr als Regenbogen-Mann mitfahren. „Denn“, so Manz: „Der Regenbogen ist eines der wichtigsten Symbole unseres Glaubens und gerade in diversen aktuellen Lebenssituationen von Bedeutung. Denn wir Menschen sind so bunt wie der Regenbogen und die Liebe Gottes ist eben ein bunter, strahlender Regenbogen!“

Auch sein katholischer Amtskollege, Glaubensbruder und närrischer Gesinnungsgenosse Michael Janßen, Pfarrer in St. Mariae Geburt, Stadtdechant und Ehrensenator des Mülheimer Karnevals, ist als regelmäßiger Rosenmontagsfahrer und Mitautor des mölmschen Narrenkuriers der karnevalistischen Kostümierung nicht abgeneigt. „Seit 2015 fahre ich als Hirte verkleidet im Rosenmontagszug mit und werde das auch am kommenden Rosenmontag so tun, weil das einfach gut dazu passt, was als Seelsorger meine Lebensaufgabe und mein Herzensanliegen ist. Ich bin der Dame aus unserer Gemeinde, die mir den mit einem Schafspelz besetzten Hirtenmantel genäht hat, sehr dankbar. Denn ich greife immer wieder gerne auf das Hirten-Kostüm zurück, dass auch vielen Menschen gefällt, die mich darin beim Rosenmontagszug gesehen und wiedererkannt haben. “

Mülheims sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter, Sebastian Fiedler, der zuletzt auch beim Mülheimer Prinzenempfang im Saarner Autohaus Wolf gesichtet wurde, war vor seinem Einzug ins Parlament Bundesvorsitzender der deutschen Kripo-Beamten. Als politisch denkender Kriminalist ist er mit fast allen kriminellen und närrischen Lebenslagen vertraut. Auch wenn er als Politiker regelmäßig im Anzug auftritt, kann er im Karneval auch mal zum Rockstar werden. Fiedler erinnert sich gerne: „Vor vier Jahren habe Ich mich für eine Karnevalssitzung als Freddy Mercury verkleidet und ging gemeinsam mit meiner als Amy Winehouse verkleideten Frau und einigen Freunden auf die "Röschen Sitzung" der Rosa Funken in Köln. Die Sitzung ist ein Kontrapunkt der Queer-Community zum traditionellen Karneval. Die buchstäblich handgemachte Sitzung war ein riesiger Spaß. Wie es der Zufall wollte, saßen wir ausgerechnet mit Hella von Sinnen am Tisch, die vor vielen Jahren einmal das Vorgängerformat, die Rosa Sitzung, ersonnen hatte.“

Werbe-Texterin Christine Stehle, Initiatorin der mit dem Mülheimer Heimatpreis ausgezeichneten Zeitschenker, die in Pflegeheimen regelmäßig demenziell veränderte Menschen besuchen, zählt die von ihrer Mutter selbstgenähte Kostümierung als vierjähriger Gartenzwerg mit roten Herzen auf den Pausbacken „zu den schönsten Erinnerungen meiner Kindheit.“

Der Mülheimer Maler und Autor, Bernd Kirstein, war in den Karnevalszeiten seiner Kindheit vor allem als Cowboy mit Sheriff-Stern unterwegs, „weil ich damals gerne als Sheriff in den Karl-May-Filmen mitgespielt hätte, um dort für Recht und Ordnung zu sorgen!“

Samstag, 4. Februar 2023

Machtübernahme in Mülheim

 30. Januar 1933. Der Tag, an dem Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, hat auch das Leben in unserer Stadt für immer verändert. Auch in Mülheim fand der Diktator seine Anhänger, Helfer und Helfershelfer.

Zum Jahreswechsel 1932/33 war Mülheim von den sozialen Folgen der Weltwirtschaftskrise gezeichnet. 17.000 der damals 128.000 Mülheimer waren erwerbslos. In Deutschland waren es sechs von 64 Millionen Menschen. Nicht nur die damals von dem Juristen Dr. Alfred Schmidt geführte Stadt Mülheim konnte die steigenden Sozialhilfekosten kaum noch bezahlen. Öffentliche Suppenküchen hatten Hochkonjunktur. Die Massenarbeitslosigkeit wog besonders schwer, weil die allermeisten Familien damals vom alleinverdienenden Familienvater abhängig waren. Begonnen hatte die Weltwirtschaftskrise, die den Aufstieg der NSDAP begünstigte, mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse. Wenige Monate zuvor war ein Nationalsozialist nach der Kommunalwahl in den Stadtrat eingezogen. Nach der Kommunalwahl vom 12. März 1933 bestand die von dem Buchhalter Karl Camphausen angeführte Ratsfraktion der NSDAP aus 23 Stadtverordneten. Jetzt konnte Camphausen seine Anstellung als Buchhalter bei der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft aufgeben und stattdessen hauptamtlich als Kreisleiter der NSDAP agieren. Sein Arbeitsplatz befand sich, im Haus, das bis heute gegenüber des Rathausturmeingangs steht und damals Horst-Wessel-Haus hieß. Benannt war die Parteizentrale nach dem 1930 von Kommunisten getöteten SA-Mannes Horst Wessel. Dessen Vater Wilhelm war von 1908 bis 1913 evangelischer Pfarrer an der Petrikirche.

Schon bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 war die NSDAP auch in Mülheim (mit 37,5 Prozent der Stimmen) zur stärksten Partei geworden. Am Tag vor der Wahl hatten Nationalsozialisten und Deutschnationale mit einer Kundgebung auf dem Rathausmarkt um Wählerstimmen geworben. Prominentester Teilnehmer der Wahlkampfveranstaltung war der vormalige Reichskanzler und spätere Vizekanzler Hitlers, Franz von Papen. Im Reichstag und im Stadtrat konnten Nationalsozialisten und Deutschnationale jetzt eine Mehrheit bilden. Viele Zeitgenossen hielten das für eine politische Episode. Wir wissen heute: Es war der Beginn einer zwölfjährigen Diktatur.

Wie in Berlin, so hatten auch in Mülheim die Anhänger der NSDAP und der DNVP, angeführt von der 1934 entmachteten SA, die Ernennung Adolf Hitlers mit einem Fackelzug durch die Innenstadt gefeiert. Gefeiert haben dürften damals auch die Mülheimer Industriellen Fritz Thyssen und Emil Kirdorf. Sie gehörten zu den frühen Förderern Hitlers und der NSDAP. Hitler war oft und gerne bei dem Bergbaumanager Kirdorf im Uhlenhorst zu Gast. Und Fritz Thyssen gehörte zu den Industriellen, die in einer Eingabe an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg bereits am 6. November 1932 die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler gefordert hatten. Der später zum Hitler-Gegner gewordene Fritz Thyssen sollte im Interview mit einem amerikanischen Journalisten reumütig gestehen: „Ich bezahlte Hitler!“ Doch seine Reue kam zu spät.

Hitler und Hindenburg hatten auch schon vor dem 30. Januar in Mülheim ihre Anhänger. Bei der Reichspräsidentenwahl am 13. März 1932 hatten 35.000 Mülheimer für den Kandidaten Hindenburg und 21.000 Mülheimer für den Kandidaten Hitler gestimmt. Beide lehnten die Demokratie der Weimarer Republik ab. Der ehemalige Generalfeldmarschall Hindenburg profitierte von seinem Ruf als „Held von Tannenberg“! Er hatte die 1914 in Ostpreußen einmarschierten Truppen des russischen Zaren vertrieben. Zum Dank benannten die Mülheimer 1916 eine Straße nach ihm, die erst 1949 nach seinem sozialdemokratischen Vorgänger Friedrich Ebert umbenannt werden sollte. Die NSDAP war im Krisenjahr 1932 mit dem Plakat: „Hitler, unsere letzte Hoffnung!“ Nach ihm sollte 1936 die heutige Friedrichstraße benannt werden.

Ein Jahr nach der Reichspräsidentenwahl kürte die neue Ratsmehrheit aus NSDAP und DNVP Hitler und Hindenburg am 30. März 1933 zu Ehrenbürgern der Stadt. Gleichzeitig wählten sie den nationalsozialistischen Reichsbahnbeamten Wilhelm Maerz zum neuen Oberbürgermeister und schlossen jüdische Unternehmer von der städtischen Auftragsvergabe aus. Zu den Stadtverordneten, die damals mit Nein stimmten, gehörten die Sozialdemokraten Heinrich Thöne und Wilhelm Müller. Thöne sollte 1948 zum Oberbürgermeister gewählt werden, während Müller seinen Widerstand gegen Hitler 1944 mit dem Leben bezahlen musste. Dieses Schicksal teilten auch die kommunistischen Stadtverordneten Otto Gaudig und Fritz Terres. Sie konnten ihre bei der Kommunalwahl vom 12. März 1933 gewonnenen Stadtratsmandate nicht mehr antreten, weil sie wie alle Mandatsträger der KPD auf der Grundlage einer Notverordnung des Reichspräsidenten und unter dem Vorwand eines drohenden kommunistischen Staatsstreiches verhaftet worden waren.


Meine Texte in der Mülheimer Tagespresse

Dienstag, 31. Januar 2023

Eine ausgezeichnete Frau

 Christel Wentzel ist keine Frau der großen Worte. Als sie jetzt die Nikolaus-Groß-Medaille der katholischen Stadtkirche verliehen bekam, dankte sie "allen, die geholfen haben, unsere Arbeit möglich zu machen"! Sie erinnerte daran, "dass wir dabei immer auch viel Spaß hatten." Die Arbeit, die Spaß machte und zwischen 1991 und 2016 Waisenkindern im Westen Rumäniens geholfen hat, hat beachtliche Geldspenden in einer Gesamthöhe von 92.000 Euro und mehr als 55.000 mit Sachspenden gut gefüllte Kisten per LKW ins westrumänische Bistum Temesvar gebracht. Dort unterstützt die Caritas aus dem Bistum Essen sozial benachteiligte Kinder und ihre Familien. 40 Frauen und zehn Männer aus der Nord-Pfarrei St. Barbara haben es unter der Regie der dreifachen Mutter und fünffachen Großmutter möglich gemacht, die immer wieder im Frühjahr und Herbst zusammengetragenen Sachspenden, per LKW nach Rumänien zu bringen.

Ironie der Geschichte, weil Wentzel und ihre Mitstreiterinnen aus der katholischen Frauengemeinschaft St. Barbara den LKW-Transport nach Rumänien nicht mehr bezahlen, so dass ihre Rumänienhilfe nur noch in kleiner Form auf individualer Basis fortgesetzt werden.

Wentzels Laudator Manfred von Schwartzenberg würdigte ihre generationsübergreifende Gemeinschaftsarbeit in und für die katholische Frauengemeinschaft St. Barbara und für die Flüchtlingshilfe ihrer Heimatgemeinde. Beides, so der Ehrenstadtdechant und Altpfarrer von St. Barbara entspringe "ihrem großen sozialen Herzen."


Auch in punkto Familiensinnes sieht von Schwartzenberg den 2001 selig gesprochenen Widerstandskämpfer, katholischen Arbeiterführer, Journalisten und siebenfachen Familienvater auf einer Wellenlänge. Historischer Zufall. Christel Wentzels Geburtsjahr 1945 ist das Todesjahr von Nikolaus Groß, den Andenken in St. Barbara unter anderem mit einem Musical gepflegt worden ist.

Bis heute ist die Kapelle der Barbarakirche dem katholischen Glaubenszeugen und Widerstandskämpfer gewidmet und vor der Kirche erinnert ein bebildertes Stahlkreuz an Nikolaus Groß und seine gleichgesinnten Mitstreiter an der Spitze der Katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands, Dr. Otto Müller und Bernhard Letterhaus.

Apropos Widerstand. Stadtdechant Michael Janßen bescheinigte Wentzel "eine widerständige Mitmenschlichkeit." Die steht aus Sicht des Essener Generalvikars Klaus Pfeffer auch der Kirche und ihren Mitgliedern gut zu Gesicht, In seiner Festpredigt erinnerte Pfeffer daran, dass Nikolaus Groß mit seinem aktiven Widerstand gegen die Hitler-Diktatur auch in seiner Kirche eine kaum unterstützte Minderheit darstellte. Pfeffer: "Die Verbrechen des NS-Regimes konnten geschehen, obwohl sich damals noch mehr als 90 Prozent der Deutschen einer christlichen Kirche zugehörig fühlten." Vor diesem Hintergrund warnte er Generalvikar des Ruhrbistums davor, die Vergangenheit der heute krisen- und skandalbelasteten Kirche "in einer triumphalen Kirchengeschichtsschreibung zu verklären. Eine solche ideale und triumphale Kirche habe es auch in der Vergangenheit nie gegeben.


Neues Ruhrwort und: Katholische Stadtkirche Mülheim

Samstag, 28. Januar 2023

Die Schöpfung bewahren! Aber wie?

Wir erleben es am eigenen Leib. Das Klima wandelt sich. Wir haben mehr Extremwetterlagen als in früheren Jahrzehnten. Dafür stehen nicht nur die 182 Menschen, die beim Sommerhochwasser 2021 in Nordrheinwestfalen und Rheinlandpfalz ums Leben gekommen sind. Die Bewahrung der Schöpfung hat mit dem Klimawandel, dessen Folgen seit 50 Jahren diskutiert werden, eine neue Dimension und Dringlichkeit. Darauf hat Ruhrbischof Franz Josef Overbeck 2021 mit der Einrichtung eines Bistumsrates für Ökologie und Nachhaltigkeit reagiert. Dieser Rat lud jetzt zu seiner ersten Jahrestagung in die Katholische Akademie ein.

Im Auditorium das Wolfsburg diskutierte Bischof Overbeck mit den Wissenschaftlern Harald Welzer und Beate Küpper darüber, wie wir die ökologische und soziale Transformation unserer Gesellschaft im Klimawandel so gestalten können, dass unsere freiheitliche Demokratie und der soziale Frieden keinen dauerhaften Schaden nehmen.

Coronabedingt fand auch diese Tagung, die vom Akademiedozenten Mark Radtke moderiert und von der Mercator Stiftung unterstützt wurde als hybride Veranstaltung statt. Neben den Gästen in dem Wolfsburg diskutierten auch via Livestream online zugeschaltete Teilnehmer mit.

Und damit war man auch schon im Thema: „Viele Menschen wissen nicht wie energieintensiv Livesstreaming ist. Es hat einen großen ökologischen Fußabdruck, weil es in letzter Konsequenz auch zu CO-2-Emissionen führt“, unterstrich Küpper. Bischof Overbeck wies darauf hin, „dass der Klimawandel nur dann sozial und demokratieverträglich gestaltet werden kann, wenn wir auch die sozialethischen Aspekte des Klimaschutzes und der Energiewende nicht aus dem Blick verlieren.“ Der Bischof bezog sich auf die Umweltenzyklika Laudato Si, die Papst Franziskus 2015 veröffentlicht hat. Overbeck erinnerte daran, „dass die Menschen vor dem Hintergrund der biblischen Schöpfungsgeschichte, die uns Menschen auffordert, uns die Welt untertan zu machen, sich nicht mehr als Teil der Natur, sondern als über der Natur stehend betrachten.“

Der Bischof machte klar: „Hier müssen wir umdenken und erkennen, dass wir als Menschen Teil der Natur sind und die Natur nichts ist, was ausschließlich den heut acht Milliarden Menschen zur Verfügung steht.“

Der Sozialpsychologe Harald Welzer schaute angesichts der aktuellen internationalen Konferenzen über Klimaschutz und Artenschutz kritisch auf die gesellschaftspolitische Wirklichkeit. Er stellte fest: „Die Leugner des menschengemachten Klimawandels spielen in unserer Diskussion heute keine Rolle mehr, auch wenn sie sich zum Beispiel auf den Schattenseiten der AFD zu Wort melden. Die Einsicht in die Notwendigkeit des Klimaschutzes ist in der politischen Diskussion vorhanden, nicht aber nein die Bereitschaft, aus dieser Einsicht Konsequenzen zu ziehen. Dabei jeder Mensch einsehen, dass wir den Klimawandel durch eine neue Lebensweise aktiv begegnen müssen. Nur die Ökonomen, die weiter an grenzenloses Wirtschaftswachstum glauben und davon ausgehen, dass wir die ökologischen Probleme ist 21. Jahrhunderts mit den sozialen und wirtschaftlichen Methoden des 20. Jahrhunderts lösen können, wollen diese Wahrheit nicht begreifen.“

Das der allgemeinen Einsicht in die Notwendigkeit des Klimaschutzes in der sozialen Wirklichkeit nur wenige Taten folgen, führt Welzer darauf zurück, „dass die Horrorbotschaften über die Folgen des Klimawandels in der politischen Diskussion das Gegenteil ihres Zieles erreichen. Wenn zum Beispiel der UNO-Generalsekretär Antonio Guterres angesichts des Klimawandels vor einer Klimahölle und kollektivem Selbstmord warnt, führt das in der Gesellschaft zu einer angstgetriebenen Schockstarre und nicht zur Bereitschaft und zur Einsicht, das wird den Klimawandel als Gesellschaft annehmen und gestalten müssen und können, so dass wir eben nicht die letzte Generation auf diesem Planeten sein werden.“

Dass ich junge Klimaschutzaktivisten aus der letzten Generation genötigt sehen, Flughäfen und Straßen zu blockieren, um auf die Notwendigkeit des Klimaschutzes hinzuweisen, sieht Welzer als kontraproduktive Folge „einer mißlungenen politischen Kommunikation.“

Mit Beate Küpper war sich Welzer einig, „dass wir mit dem Tun beginnen müssen.“ Mit Blick auf Ihre Studienergebnisse machte Küpper deutlich, „dass etwa 80% unserer Bevölkerung, unabhängig von ihrem sozialen Status und ihrem Alter konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz begrüßen und unterstützen.“ Küpper: „Wichtig ist, dass wir in der öffentlichen Diskussion deutlich machen, dass es auch Spaß machen kann und zu mehr Lebensqualität führt, wenn wir gemeinsam etwas für den Schutz des Klimas tuen. Unsere Befragungen zeigen, dass die Menschen in unserem Lande viel progressiver sind, als sie von der Politik eingeschätzt werden. Die Menschen sehnen sich nach Sinn und Gemeinschaft. Sie wollen nicht isoliert vor sich hinleben, sondern sind gerne bereit in der Gemeinschaft zusammen mit anderen etwas Sinnvolles für die Gesellschaft zu leisten und sich damit als Teil eines Ganzen zu erleben, das größer ist, als sie selbst. Anders würden die vielen Ehrenämter in unserer Gesellschaft nicht funktionieren.“ Küpper wies darauf hin, „dass die aktuelle Energiekrise, die aus dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und den daraus resultierenden EU- Sanktionen gegen den Energierohstofflieferanten Russland entstanden ist, dazu geführt hat, dass Privathaushalte und Wirtschaft in Deutschland innerhalb weniger Monate ihren Energieverbrauch um 20 Prozent gesenkt haben.

Als nachahmenswertes Beispiel führte sie eine Sendung des französischen Fernsehens an, „in der täglich vor den abendlichen Hauptnachrichten über den tagesaktuellen Energieverbrauch das Landes informiert wird und den Zuschauern konkrete Energie Spartipps gegeben werden.“

Anders, als Welzer, glaubt Küpper mit Blick auf Rechtsextremisten nicht, dass diese sich aus der Klimaschutzdiskussion verabschiedet haben. Vielmehr geht soe davon aus, dass die extreme Rechte in Deutschland „die sozialen Folgen der aus dem Klimaschutz resultierenden und notwendigen Maßnahmen zu delegitimieren und damit eine antidemokratische Protestbewegung anzuheizen.“ Deshalb muss der Klimaschutz nach Küppers Ansicht sozialpolitisch flankiert werden.

Overbeck Küpper und Welzer waren sich auch einig, das vor allem die sozial und wirtschaftlich privilegierten Menschen in unserer Gesellschaft sowie die hochindustrialisierten Gesellschaften des globalen Nordens in besonderer Weise den Klimawandel durch ihren wachsenden Co-2-Ausstoß verursacht haben und deshalb auch eine besondere Verantwortung übernehmen müssen, um dessen Folgen für die Menschheit zumindest einzugrenzen. „Wenn sie zum Beispiel in einem großen Haus leben, können Sie schon viel damit erreichen, dass Sie nicht alle Zimmer gleichzeitig beheizen. Das ist aktiver Klimaschutz, den sie noch nicht einmal negativ spüren. Das gilt auch dann, wenn wir uns im Winter einen dicken Pullover anziehen und gleichzeitig unsere Heizung herunterdrehen.“

Wie weit wir in unserer Wohlstandsgesellschaft noch von der Einsicht entfernt sind, dass unserem Bekenntnis zum aktiven Klimaschutz Taten folgen lässt, machte Harald Welzer an einer Anekdote deutlich: „Nach einer Klimaschutzdiskussion stand ich mit dem Veranstalter an der Theke. Und plötzlich erzählte er mir, dass er sich gerade einen neuen PS-starken Geländewagen gekauft habe. Als er meine Irritation darüber bemerkte, sagte er mir: ‚Wenn Sie und Ihre Kollegen mit ihren Vorhersagen Recht haben, kann man solche Wagen nicht mehr lange fahren. Deshalb wurde es für mich höchste Zeit, mir das Fahrzeug anzuschaffen.“

In der Diskussion Werte Andreas-Andrea Doaro , Autor des Buches „Nach mir die Energiewende“, dafür, „Prominente für eine landesweite und damit publikumswirksamer Werbekampagne zugunsten des aktiven Klimaschutzes zu gewinnen, um das Bewusstsein für die Dringlichkeit das Klimaschutzes in die Köpfe der Bevölkerung hineinzutragen.“ Doaro betonte; „Wir halten uns als Menschen für besonders intelligente Wesen und vergessen, dass wir instinktgesteuert sind, wenn wir zum Beispiel als Autofahrer, Fluggäste, Fleischesser, Industrieproduzenten und Industriefacharbeiter, Teil eines umweltzerstörenden Wirtschaftssystems sind, die mehr Angst vor dem greifbaren Wohlstandsverlust als vor der unfassbaren Bedrohung unserer menschlichen Existenz durch den Klimawandel.“

Ein Vertreter der in der Diskussion gescholtenen Wirtschaft plädierte dafür, auf die wirtschaftliche Wiederaufbaustrategie des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Ludwig Erhard zurückzugreifen. „Er hat damals begriffen, dass wir als Gesellschaft, alle technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten ausnutzen müssen, um unsere gesellschaftlichen Herausforderungen mit den Instrumenten einer marktwirtschaftlichen, liberalen und sozialpolitisch abgepufferten Ordnungspolitik zu bewältigen. Deshalb müssen wir auch heute mit dem Instrument der Abschreibungen Investitionen in wirtschaftliche und technische Innovation zugunsten des Klimaschutz fördern, indem wir als Staat deutlich machen: ‚Investiere oder zahle Steuern!‘“

Bischof Overbeck unterstrich, „dass schon viel gewonnen wäre, wenn der Bund und die Länder die Kommunen aktiver bei der Finanzierung von praktischen Klimaschutzprojekte vor Ort unterstützen würden.“ Solche Projekte wurden auch in der Diskussion angesprochen. „Die Menschen müssen vor Ort in den Städten erleben, so Politikstudent Florian Pannen von Fridays for Future, „dass aktiver Klimaschutz für sie auch ein Gewinn sein kann, indem sie auch an den wirtschaftlichen Gewinnen der Energiewende beteiligt werden. Wenn zum Beispiel durch Energieeinsparungen Gelder für andere kommunale Projekte, wie den Bau einer Turnhalle frei werden, sind Menschen auch bereit, Maßnahmen zum Klimaschutz mitzutragen. Doaro, der hauptberuflich Windkraftanlagen verwaltet, plädierte dafür, „alle bürokratischen Hemmnisse abzuschaffen, die zurzeit noch den Ausbau der erneuerbaren Energie Infrastruktur hemmen.“ Mit dem Hinweis auf vorhandene technische Möglichkeiten wie etwa Kraftwärmekopplung, Geothermie, grüner Wasserstoff, Photovoltaikanlagen und Windkraftanlagen, wurde deutlich, dass wir als hochtechnisierte Gesellschaft dem Klimawandel und seinen verheerenden Folgen für unsere Lebensqualität nicht wehrlos und tatenlos zuschauen müssen.

Zur Person:

Der 1964 in Marl geborene Franz Josef Overbeck ist seit 2009 Bischof von Essen und war bis 2021 Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz. Im September 2021 hat er mit Blick auf die dringliche Klimaschutzdiskussion einen neuen Rat für Ökologie und Nachhaltigkeit ins Leben gerufen, um sich Umwelt und sozial ethisch besser beraten zu lassen. Diesem Rat gehören an: Ex-NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser, Tobias Clermont (LEG Immobilien SE), Nina Frense (RVR-Regionalverband), Bernhard Osburg (Thyssenkrupp Steel Europe AG), Dr. Lars Grotewold (Stiftung Mercator GmbH), Friedrich Steinmann (Landwirtschaftlicher Kreisverband Recklinghausen), Dr. Carsten Gerhardt (A.T. Kearney GmbH), Prof. Dr. Uli Paetzel (Emschergenossenschaft Lippeverband), Prof. Dr. Susanne Moebus (Institut für Urban Public Health), Prof. Dr.-Ing. Ruben-Laurids Lange (Westfälische Hochschule), Dr. Christiane Schell (Bundesamt für Naturschutz), Stefan Schulte (Verwaltungsgericht Arnsberg), Prof. Dr. Thomas Happe (Ruhr-Universität Bochum), Julian Pannen (Fridays for Future), und die Leiterin der Wolfsburg Dr. Judith Wolf. In der von Overbeck zitierten Umwelt Enzyklika des Papstes komm mal stellt Franziskus unter anderem fest, dass die natürlichen Ressourcen der der Erde zunehmend erschöpft und sozial ungerecht verteilt sind, was ein globales Umdenken und Handeln erfordern, um durch konkreten Klima- und Umweltschutz die Schöpfung und damit die natürlichen Lebensgrundlagen der Menschheit zu bewahren.

Der Soziologe und Sozialpsychologe Prof. Dr. Harald Welzer (Jahrgang 1958) setzt sich auch publizistisch und in Vorträgen seit Jahrzehnten mit dem Klimawandel, seinen Folgen und unserem Verhalten auseinander. 2008 veröffentlichte er sein Buch: „Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird“ 2022 gewann er als Koautor der Bücher: „Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“ und: „Zu spät für Pessimismus: Das FUTURZWEI-Anti-Frust-Buch für alle, die etwas bewegen wollen“ eine starke öffentliche Resonanz. Welzer ist Mitbegründer und Direktor der gemeinnützigen Stiftung Futur Zwei die im Sinne gesellschaftlicher Zukunftsfähigkeit alternative Lebensstile und Wirtschaftsformen aufzeigt und fördert.

 

Prof. Dr. Beate Küpper hat im Rahmen des vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung geleiteten Projekts DemoKon zu einer demokratischen Konfliktkultur in der Energiewende geforscht. Sie lehrt und forscht im Bereich Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein mit Sitz in Krefeld. 2017 war sie Fellow der Mercartorstiftung, die auch die erste Jahresveranstaltung des Bistumsrates für Ökologie und Nachhaltigkeit unterstützt hat.


Neues Ruhrwort und: Die Wolfsburg

Donnerstag, 26. Januar 2023

Was gibt es noch zu tun?

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sind im Ruhrgebiet aktuell 253.000 Menschen ohne Erwerbsarbeit. Mit 9,3 Prozent liegt die Arbeitslosenquote in unserer Region um vier Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Das ist die Gegenwart. Doch wie entwickelt sich der Arbeitsmarkt im Ruhrgebiet? Und wie muss er sich entwickeln., wenn unsere Region Zukunft haben will. Diese Fragen diskutierte Ruhr Bischof Franz-Josef Overbeck jetzt mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Fachleuten aus Wissenschaft Wirtschaft und Gewerkschaften in der katholischen Akademie.

Overbeck sieht mit Blick auf das Ruhrgebiet viele Baustellen, „wenn es darum geht Menschen und Familien in unserer Region zu halten“. Schaffung und Erhalt eines bezahlbaren Wohnraums ist für ihn ebenso entscheidend wie die nachhaltige Verbesserung der Mobilitätsinfrastruktur. „Gerade junge Menschen möchten auch am späten Abend mal nur zehn Minuten und nicht gleich 45 Minuten auf Bus oder Bahn warten müssen“, betonte Overbeck im vergleichenden Blick auf andere deutsche Großstadtregionen. „Auch an der Möglichkeit, auf eine gute soziale und medizinische Infrastruktur zurückzugreifen, wenn es darum geht Familie von der Kindererziehung bis zur Pflege Angehöriger mit dem Berufsleben verbinden zu können“, entscheidet sich für ihn die Zukunftsfähigkeit des Ruhrgebiets. „Wir haben eine lange Erfahrung, wenn es um Strukturwandel geht“, sagte Michelle Kywas vom Jungen Initiativkreis Ruhr. Sie wies darauf hin, „dass wir vor 60 Jahren im Ruhrgebiet nur eine Universität (die Ruhruniversität Bochum), aber 300.000 Bergleute hatte, während wir heute 22 Hochschulen mit 260000 studierenden haben, so dass heute sein Studium im Ruhrgebiet absolviert, mit Blick auf den demografisch bedingten Fachkraeftemangel machte sie der jungen Generation Mut. „Ihr könnt eigentlich nichts falsch machen, wenn ihr eine gute Ausbildung macht. Dann werdet ihr auf jeden Fall einen Arbeitsplatz finden, auch dann, wenn es vielleicht mal nicht klappt und ihr euren Arbeitsplatz verliert. Auch dann werdet ihr schnell wieder einen neuen Arbeitsplatz finden.“ Diesen Optimismus und die Aussicht auf den schönen neuen Arbeitsmarkt, auf dem Arbeitnehmern die gebratenen Tauben, in den in den Mund fliegen, wollten der Gewerkschafter Francesco Grioli von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie und der Schweizer Sozialforscher Franz Lehner, der „gerne in Gelsenkirchen lebt und arbeitet“, so nicht teilen. Lehner sieht vor allem bei der Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt eine ganz große Baustelle. „Man hat das zu lange einfach so laufen lassen und jetzt haben wir in unseren Städten Parallelgesellschaften mit perspektivlosen jungen Leute, die von sich sagen: Ich werde Hartz IV.. Im Ruhrgebiet gibt es viele Schulen mit einem Zuwandereranteil von bis zu 90 Prozent, in denen viele Schülerinnen und Schüler die deutsche Sprache nicht beherrschen.“

Einen weiteren Arbeitsauftrag der Arbeitsmarktpolitik sieht er darin, prekäre, weil schlecht bezahlte und befristete Arbeitsplätze durch sozialversicherungspflichtige Festanstellungen zu ersetzen. Lehner: „Da müssen wir unsere Politiker am Schlafittchen nehmen. Sonst dürfen wir uns nicht darüber wundern, dass die jungen Leute keine Kinder in die Welt setzen und keine Familien gründen.“ Das sah Gewerkschafter Francesco Grioli genauso. „Wie wollen Sie denn mit einer befristeten Arbeit eine Familie gründen?“, fragte er und führte weiter aus: „Ich kann die junge Generation sehr gut verstehen, wenn sie sich nicht nur einen kreativen und sinnvollen, sondern auch einen sicheren Arbeitsplatz wünscht, der ihnen Planungssicherheit fürs Leben verschafft, weil man vom ihm auch leben kann. Darüber hinaus sieht der Vorstand der IGBCE die Notwendigkeit, „dass wir nicht nur über die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte nachdenken, sondern auch die stille Reserve aktivieren, die bis heute erwerbslos vor den Werkstoren stehen. Denn in einer Sozialen Marktwirtschaft muss es möglich sein, dass wir auch jenen Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen lange dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung gestanden haben, durch Qualifizierung eine zweite Chance zu geben, damit sie auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß fassen und eine Arbeit finden, von der sie und ihre Familien auch leben können.“ Der Strukturwandel wird im Ruhrgebiet nach Griolis Ansicht „nur dann kein Strukturabbruch, wenn wir im Rahmen einer konzertierten Aktion die politisch notwendigen Entscheidungen treffen, um den wirtschaftlichen Strukturwandel auch sozial zu flankieren.“

Mit Blick auf die Homeoffice- und Homeschooling-Erfahrungen der Corona-Zeit ließ Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck keinen Zweifel daran, „dass die Digitalisierung bei uns noch nicht so funktioniert, und auch nicht so sozialarbeiterisch unterstützt wird, wie sie es müsste, um in Beruf und Bildung eine digitale Chancengleichheit beim Lernen und Arbeiten zu gewährleisten.“ Für Michelle Kywas steht mit Blick auf den Renteneintritt der Babyboomer fest, „dass wir die Digitalisierung so vorantreiben müssen, dass mit ihrer Hilfe Arbeit, die bisher von drei Menschen erledigt worden ist, künftig von nur noch zwei Menschen geleistet werden kann.“ Sozialforscher Lehner warnte aber auch vor dem sozialen und ethischen Sprengstoff eines digitalisierten Arbeitsmarktes, indem immer mehr arbeitslose Menschen, die auf staatliche Transferleistungen angewiesen seien, immer weniger arbeitenden Menschen gegeüberstünden und von diesen als „unnütz“ angesehen würden.

Für Julia Frohne von der Business-Metropole-Ruhr-GmbH ist die Zukunft des Ruhrgebietes nicht schwarz, sondern grün. Ein hoher Grünflächenanteil, kurze Wege und eine Kulturlandschaft sorgen in ihren Augen für eine hohe Lebensqualität im Ruhrgebiet. Auch die hochkarätigen Forschungsinstitute, wie zum Beispiel die Mülheimer Max-Planck-Institute für Kohlenforschung und Energiekonversion, die mit Karl Ziegler (1963) und Benjamin List (2021) gleich zwei Nobelpreisträger hervorgebracht hätten, seien ein Pfund, mit dem das Ruhrgebiet als innovativer Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort wuchern könne. Positiv festgehalten wurde die Tatsache, dass viele Menschen in der nachberuflichen Phase ihres Lebens ihr Fach- und Erfahrungswissen in Betrieben oder mit Unterstützung kommunaler Freiwilligenagenturen, etwa als Ausbildungspaten, an junge Menschen weitergäben, die am Anfang ihres Berufslebens stünden. „Unsere Bewerbungszahlen zeigen, dass Jugendliche, die am Anfang ihres Berufslebens stehen, das Mentoringprogramm des Jungen Initiativkreis Ruhr gerne und gut annehmen“, unterstrich Michelle Kywas. Auch das Erfahrungswissen der älteren Generation, so war man sich im Plenum das Wolfsburg einig, müsse von Verwaltungen, Bildungseinrichtungen und Wirtschaftsunternehmen noch viel stärker und gezielter als bisher zum Vorteil der Menschen am Standort Ruhrgebiet genutzt werden. Deshalb riet Gewerkschafter Griolli den Unternehmen, in ihrem eigenen Interesse, rentennahe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „zeitweise dafür freizustellen, ihr Wissen an die jungen Kolleginnen und Kollegen weiterzugeben.“

In der Diskussion wurden aber auch die Schwächen des Ruhrgebietes deutlich benannt. Dazu wurden eine fehlende oder zu wenig effektive politische Lobby im bundesweiten Wettbewerb der Standorte und ein im Ruhrgebiet immer noch stark wirkendes kommunales Kirchturmdenken. Im Angesicht dessen resümierte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck: „Wir müssen unsere Kräfte bündeln und aus den 53 Städten des Ruhrgebietes muss eine Großstadt werden. Der erste Schritt dahin sollte eine stärkere Kooperation der Stadtverwaltungen sein.“ Auch Julia Frohne bedauerte es sehr, „dass viele Menschen in Bochum oder Essen gar nicht wissen, was es zum Beispiel Tolles in Gelsenkirchen oder Dortmund gibt. Da brauchen wir einfach mehr Transparenz und mehr Mobilität.“ 

Zur Person:

Die 1983 in Gelsenkirchen geborene Wirtschaftswissenschaftlerin Michelle Kwyas verantwortet als Prokuristin den Bereich Personal und Unternehmensentwicklung bei der in Bottrop ansässigen Innovation City Management GmbH, wenn die sich auf die fachliche Begleitung von Quartiersentwicklungsprojekten spezialisiert hat. Kwyas gehört zu einem Team von insgesamt 50 Mitarbeitenden aus verschiedenen Fachrichtungen. Nebenberuflich engagiert sich die Prokuristin und Mutter einer Tochter als Mentorin im Jungen Initiativkreis Ruhrgebiet.

Der 1964 in Marl geborene Theologe Dr. Franz-Josef Overbecl ist seit 2009 Bischof von Essen und seit 2011 Militärbischof der Bundeswehr. Bis 2021 war er Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche Fragen bei der Deutschen Bischofskonferenz. Heute arbeitet er dort in den Kommissionen für Fragen des Glaubens und der Weltkirche. Darüber hinaus ist er Adveniatbischof und Vizepräsident der EU-Bischofskonferenz.

Der 1946 in Zürich geborene Franz Lehner hat als Professor an der Ruhruniversität Bochum angewandte Sozialforschung gelehrt und als geschäftsführender Direktor das Institut für Arbeit und Technik an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen geleitet. Von 1990 bis 2006 stand er als Präsident an der Spitze des Institutes für Arbeit und Technik, dass er bis heute als Sozialforscher wissenschaftlich begleitet und berät.

Der 1972 im Taunus geborene Francesco Grioli, ist seit 1998 Gewerkschaftssekretär und seit 2017 Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE). Der verheiratete Vater und Sozialdemokrat sind gelernter Energieelektroniker und Aufsichtsratsmitglied bei Bayer, Gerresheimer und Continental.

Die 1969 in Köln geborene Julia Frohne ist Vorsitzende der Geschäftsführung der in Essen ansässigen Business Metropole Ruhr GmbH. Als Professorin lehrt sie Kommunikationsmanagement an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen.


Neues Ruhrwort & Die Wolfsburg


Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...