Samstag, 29. Oktober 2022

Närrischer Nachwuchs

 Bei der Prinzenproklamation am Elften im Elften wird diesmal nicht das Stadtprinzenpaar, sondern das Kinderprinzenpaar im Mittelpunkt stehen.

„Das Stadtprinzenpaar Kevin und Tamara, das in der kommenden Session erneut antreten wird,  haben wir ja schon am 11.11.2021 proklamiert“, erklärt der Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval, Markus Uferkamp. Normalerweise wird das Stadtprinzenpaar am 11.11. im Festsaal der Stadthalle und das Kinderprinzenpaar am ersten Januar-Sonntag im Dümptener Autohaus Extra inthronisiert.


Dort, im Autohaus Extra, an der Fritz-Thyssen-Straße 6 wird am 11.11. ab 18.30 Uhr der Sessionsauftakt gefeiert. Kinderprinz, Louis Ossmann, Kinderprinzessin, Emily Westhoven (11), und ihre Pagen Felix Antonio Tremel (11) und Marie Stehen (13) trainieren schon, zusammen mit ihren Adjutanten, Josphine Stachelhaus, und Aunes-Ees-Geschäftsführer Bastian Wahl für den ersten ihrer 150 geplanten Sessionsauftritte. Verraten wird aber noch nichts.  Kinderprinz Louis (12) und Kinderprinzessin Emily (11) geben aber schon mal die Richtung vor: „Wir wollen den Menschen zeigen, dass Karneval nicht nur Spaß macht, sondern das man im Karneval auch Gemeinschaft und Freundschaft erleben kann!“, sagen sie.


Das designierte Kindertollitätenteam kommt aus den Reihen der inklusiven Karnevalsgesellschaft Aunes Ees, die in der kommenden Session ihr fünfjähriges Bestehen feiern kann. Aunes ees ist Mölmsch Platt und bedeutet: „Anders als“. Emily, Louis und Marie haben als Tanzmariechen und als Tanzmajor bereits Bühnenerfahrung. Felix ist der einzige Karnevalsneuling im Team. Aber auch er, der mit Louis befreundet ist, sagt mit Blick auf seinen ersten Sessionsauftritt: „Ich habe kein Lampenfieber!“


„Mal sehen, wie das am 10. und 11.11. aussieht“, sagt Adjutantin und Ex-Stadtprinzessin, Josephine Stachelhaus mit einem Augenzwinkern. Seinen zweiten Sessionsauftritt wird das Team der Kindertollitäten am 26. November im Festsaal der Stadthalle haben, wenn dort der Prinzenball und die Verleihung der Spitzen Feder an den Comedian, Dave Davis, alias Motombo Umbokko, gefeiert wird.

Darüber hinaus werden die Karnevalisten in der kommenden Session, von der sie mit närrischem Zweckoptimismus hoffen, dass sie trotz Corona-Pandemie ein vollständige werden möge, den Spaß an der Freud im Dümptener Autohaus Extra und in den Räumen der Alten Dreherei feiern. Im November und Dezember soll dort eine närrische Hochburg mit Bühne und Sitzreihen entstehen. Dort wird am 20. Januar auch der Mölmsche Narr an Jörn Backhaus verliehen, der als Geschäftsführer des Autohauses Extra zu den wichtigsten Sponsoren des Mülheimer Karnevals gehört und in dieser Funktion auch das Kinderprinzenmobil zur Verfügung stellt.


Zum Mülheimer Karneval und: Zur Mülheimer Tagespresse

Freitag, 28. Oktober 2022

Viel zu tun im Weinberg des Herrn

 Der Stadtkatholikenrat, die Vertretung der 43.000 katholischen Laien in Mülheim, wird erstmals von einer Doppelspitze geführt. Die katholische Stadtkonferenz, die aus den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden des Stadtdekanates besteht, wählte den Arzt Dr. Martin Linssen und den Ingenieur Dr. Raimund Bülte zu gleichberechtigten. Sie treten die Nachfolge des bisherigen Stadtkatholikenratsvorsitzenden, Rolf Völker, aus der Pfarrgemeinde St. Barbara.


Bülte ist Vorsitzender des Pfarrgemeinderates von St. Mariae Geburt. Linssen gehört dem Pfarrgemeinderat von St. Mariä Himmelfahrt. „Wir wollen nicht in die Pfarrgemeinden hineinregieren, sondern Impulse aus den Pfarrgemeinden aufnehmen und diese als Vertreter und Koordinatoren der katholischen Laien in den Dialog mit deren weltlichen und geistlichen Vertretern in die Stadtgesellschaft hineintragen“, sagten Bülte und Linssen nach ihrer Wahl.

Beitrag für Reformen


Beide möchten mit ihrem Engagement in ihrer vierjährigen Amtszeit „einen Beitrag zur strukturellen Reform unserer Kirche“ leisten. „Wer Kirche positiv verändern will, darf nicht austreten, sondern muss sich in der Kirche für ihre Erneuerung engagieren, damit unsere Kirche weniger hierarchisch und dafür geschwisterlicher und demokratischer werden kann“, betont Martin Linssen.

Mit Blick auf den Synodalen Weg und die Deutsche Bischofskonferenz sieht Linssen, einschließlich des Ruhrbischofs Dr. Franz-Josef Overbeck, die reformbereiten Kräfte in einer deutlichen Mehrheitsposition.

Mit einer christlichen Stimme sprechen


Das Laien heute in der katholischen Kirche beerdigen und Wortgottesdienste leiten können, dass gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gesegnet werden und dass es auch in unserer Stadt mit Sigrid Geiger (in St. Mariae Rosenkranz) eine Gemeindeleiterin gibt, sehen Bülte und Linssen als Beleg dafür, „dass sich etwas in der katholischen Kirche bewegt.“
„Wir müssen mit einer christlichen Stimme sprechen, wenn wir uns im Sinne der Frohen Botschaft als Kirchen in der Stadtgesellschaft zu politischen, sozialen, wirtschaftlichen und ethischen Fragen zu Wort melden“, betont Stadtdechant Michael Janßen mit Blick auf die ökumenische Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Kirchenkreis An der Ruhr, die ihm sehr am Herzen liegt.
Auf der Grundlage des Votums der erweiterten katholischen Stadtkonferenz ist der Pfarrer von St. Mariae Geburt vom Ruhrbischof für sechs weitere Jahre zum Stadtdechanten ernannt worden.

Zu Beginn seiner nunmehr dritten Amtszeit hat Janßen seinen Amtsbruder, Christian Böckmann, der als Pfarrer an der Spitze von St. Barbara und St. Mariä Himmelfahrt steht, zu seinem Stellvertreter ernannt. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat Böckmann inzwischen auch in das Essener Domkapitel berufen. Darüber hinaus arbeitet dem Stadtdechanten, mit Miriam Weinert-Al-Jubori eine neue Assistentin zu. Die studierte Betriebswirtin und dreifache Mutter sehen ihren Schwerpunkt in der Öffentlichkeitsarbeit. „Wir können hier in Mülheim nicht die Welt verändern. Aber wir können tun, was uns möglich ist, um die Welt hier ein etwas besser zu machen. Und ich möchte das, was Gemeinden und Stadtkirche in diesem Sinne tun in das Bewusstsein der Öffentlichkeit hineintragen“, sagt Miriam Weinert-Al-Jubori.
Aktuell sehen die beiden Mülheimer Pfarrer und die beiden neuen Vorsitzenden des Stadtkatholikenrates die Umsetzung der 2015 angestoßenen und 2018 durch die Voten der dreien Mülheimer Pfarreien konkretisierten Pfarreientwicklungspläne als dringlichste Aufgabe an. Dazu erklärt der Stadtdechant: „Die Entscheidungsfindung in den Gemeinden ist durch die Corona-Pandemie verszögert worden, nimmt aber jetzt wieder Fahrt auf, so dass wir der Öffentlichkeit mittelfristig auch konkrete Veränderungen mitteilen können, wobei ich davon ausgehe, dass Mülheim auch langfristig mit St. Mariae Geburt, St. Mariä Himmelfahrt und St. Barbara drei Pfarrgemeinden behalten wird. Mit Blick auf die Gemeindeverwaltung könnte ich mir aber durchaus eine Zentralisierung auf dem Kirchenhügel vorstellen.“

Donnerstag, 27. Oktober 2022

Helfen und handeln, wo es notwendig isr

 Was kann unsere Stadtgesellschaft stark machen? Der Vorsitzende des Mülheimer Caritasverbandes und des Seniorenbeirates, Paul Heidrich, der sich als Christdemokrat seit sechs Jahrzehnten auch sozial- und kommunalpolitisch engagiert, appelliert im Gespräch mit der Mülheimer Woche an das soziale und politische Gewissen seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger.


Was hat Ihr sozialpolitisches Engagement inspiriert?
Paul Heidrich: Das hatte mit dem Vorbild meines Vaters Hubert zu tun, der sich im Kolpingwerk und in der Katholischen Arbeitnehmerbewegung engagiert hat. Hinzu kamen meine beruflichen Erfahrungen im Bereich der Krankenkassen.
Was hat Sie angetrieben?
Paul Heidrich: Mein berufliches und mein ehrenamtliches Engagement ist an vielen Stellen ineinander übergegangen und wurde auch durch meinen christlichen Glauben gestärkt. Ich wollte immer helfen, wo es notwendig war.

Was konnten Sie bewirken?

Paul Heidrich: Ich nenne nur zwei Beispiele: Als stellvertretender Vorsitzender der Schulpflegschaft an der Grundschule Bruchstraße konnte ich den lange geplanten, aber nie in Angriff genommenen zweiten Bauabschnitt realisieren helfen. Und später konnte ich als CDU-Fraktionsvorsitzender in der Landschaftsversammlung des Landschaftsverbandes Rheinland erreichen, dass der LVR 1,5 Millionen Euro für die Einrichtung des Mülheimer Ledermuseums an der Düsseldorfer Straße bereitstellte. Beides hat viel Zeit und Arbeit gekostet, aber wenn man am Ende den Erfolg auf seiner Seite hat, freut man sich über den Mehrwehrt des eigenen Einsatzes.

Wie kann die Kommunalpolitik den sozialen Zusammenhalt und das bürgerschaftliche Engagement in unserer Stadt fördern?

Paul Heidrich: Aufgrund der hohen Verschuldung der Städte hat die Kommunalpolitik hier nur einen sehr begrenzten Spielraum. Deshalb brauchen wir eine Sonderregelung zur Übernahme bzw. Tilgung der Altschulden. Aber abgesehen davon, muss Kommunalpolitik die Bürgerinnen und Bürger bei ihren Entscheidungen mitnehmen, so dass sie erkennen und nachvollziehen können, dass dort, wo etwas gemacht wird, es auch wirklich notwendig ist. Es darf nicht so laufen, wie bei der Hauptschule an der Bruchstraße, die erst zur Zukunftsschule ausgebaut werden sollte und dann geschlossen wurde. Und es darf auch nicht so laufen, wie nach dem Bürgerentscheid zugunsten der Volkshochschule an der Bergstraße, bei dem die Bürgerinnen und Bürger, die sich für den Erhalt des VHS-Standortes ausgesprochen haben, mit dem Gefühl zurückgelassen werden, dass ihr Votum keine praktischen Konsequenzen hat.

Wie würden Sie für ein bürgerschaftliches Engagement in unserer Stadtgesellschaft werben?

Paul Heidrich: Es geht darum, zu helfen, wo es notwendig ist. Das geschieht leider viel zu selten. Deshalb bin ich auch sehr dankbar für die Arbeit der Sozialverbände, ohne die es in unserer Stadtgesellschaft noch schlechter aussähe, als es jetzt schon der Fall ist. Deshalb beklage ich auch die Kirchenaustritte, weil die Sozialarbeit der katholischen Caritas und der evangelischen Diakonie die Unterstützung durch Kirchensteuern zahlende Kirchenmitglieder braucht und verdient.

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Starke Hilfe

 Die Kriegsbilder aus der Ukraine schockieren. 15 Frauen und Männer aus Mülheim haben sich aus ihrer Schockstarre herausbewegt. Sie engagieren sich nach einem Aufruf in dieser Zeitung seit März in der Ukraine-Hilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO), indem sie für die rund 2000 ukrainischen Flüchtlinge in unserer Stadt einen Schenkladen am Dickswall 98 einen Schenkladen betreiben.

 

Es sind größtenteils ukrainische Frauen und ihre Kinder, die von heute auf morgen, mit nichts oder nur wenig, Zuflucht in Mülheim gefunden haben. Kleidung, Spielsachen, Schulmaterial und Hygieneartikel haben hilfsbereite Mülheimerinnen und Mülheimer in der ergotherapeutischen Praxis der AWO an der Hauskampstraße 58 abgegeben. Hier befindet sich die provisorische Lage der Ukraine-Hilfe, in der die Sachspenden bei Bedarf von den Ehrenamtlichen gewaschen und aufgearbeitet werden, bevor sie zur Ausgabe in den Schenkladen gehen.

 

„Der Winter steht vor der Tür. Deshalb brauchen wir jetzt Winterkleidung. Aber auch Schulmaterial, Spielzeug und Hygieneartikel sind weiterhin vonnöten“, sagt AWO-Geschäftsführerin Michaela Rosenbaum. Sie macht klar: „Auch kleine Spenden, etwa ein Mantel, eine Mütze, ein Schal, ein Pullover oder Handschuhe, können für die Flüchtlinge aus der Ukraine eine große Hilfe sein! Dabei sollte man bitte nur Kleidung spenden, die man selbst auch noch tragen würde.“ Wie Rosenbaum engagiert sich auch ihre AWO-Kollegin Stephanie Marschall in ihrer Freizeit ehrenamtlich in der Ukraine-Hilfe. „Auch Einkaufsgutscheine und Geldspenden sind natürlich hilfreich“, sagt Marschall. Auf diesem Weg möchte sie sich für die 6400 Euro, die bisher unter dem Stickwort „Ukraine-Hilfe“ auf dem Konto der AWO eingegangen sind. „Nicht nur Menschen aus Mülheim, sondern auch Essener Schüler, die von unserer Hilfsaktion gehört haben, haben uns mit einer Spende unterstützt“, erklärt sie.

 

Warum engagieren sich Frauen und Männer zwischen 18 und 82 für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine?

 

„Geben gibt! Wir können den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine nicht beenden. Aber wenn wir etwas für die Menschen tun können, die der Krieg aus ihrer Heimat vertrieben hat, ist das Gefühl der eigenen Ohnmacht nicht ganz so groß und schmerzlich.“, betont Rosenbaum.

 

„Ich war vorher schon auf der Suche nach einem sinnvollen ehrenamtlichen Engagement. Und als ich den Aufruf der AWO las, wusste ich: ‚Das ist das Richtige für mich!‘“, erklärt Martina Lauermann, die beruflich bei der Stadtverwaltung arbeitet.

 „Ich unterstütze meine Frau“, sagt Nadim El Masri. Jacqueline El Masri vom Tageseltern-Verein Kinder aus Mülheim erkannte den Aufruf der AWO als einen guten Anknüpfungspunkt für die Hilfspläne in ihrem Verein. Ursula Busch, Mitarbeiterin der Mülheimer SPD, die sich ehrenamtlich im Verein Brigs for the Kids engagiert, „musste mit den Tränen kämpfen“, als sie in dem vom Deutschen Roten Kreuz betreuten Flüchtlingscamp an der Mintarder Straße, in die ungläubigen Augen der ukrainischen Kinder schaute, denen sie das gespendete Spielzeug in die Hand drückte und immer wieder zu hören bekam: „Ich habe heute doch gar keinen Geburtstag!“ Elke von der Aue, die sich auch im Elefon-Team der AWO für Kinder in Not engagiert, bestätigt Buschs Erfahrung: „Wenn man die unglaubliche Dankbarkeit der Mütter und ihrer Kinder sieht und ihr ‚Dankeschön!‘ hört, können einem schon die Tränen kommen.“ Unf f+r Helga Jungnickel, die bereits seit 2008 zum ehrenamtlichen Mitarbeiterteam der AWO gehört, kann sich als DDR-Flüchtlingskinder, das 1960 in den Westen Deutschlands kam, kann sich nur zu gut in die Lage der Mütter und Kinder aus der Ukraine hineinversetzen. Für sie steht fest: „Den Menschen muss doch geholfen werden.“ Kontakt und Information zur Ukraine-Hilfe der AWO gibt es unter: www.awo-mh.de und per E-Mail an: schenkladen@awo-mh.de 


Zu meinen Beiträgen in NRZ und WAZ

Sonntag, 23. Oktober 2022

Reden wir über Rassismus

 Aus dem jüngsten Jahresbericht der Antidiskriminierungsberatungsstelle der Bundesregierung geht hervor, dass sich im vergangenen Jahr 37 Prozent der 5600 Ratsuchenden aufgrund rassistischer Diskriminierung unter der kostenfreien Rufnummer 0800-5465465 an die Beratungsstelle des Bundes gewandt haben. „Neben der Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes sei außerdem der Ausbau flächendeckender, auch zivilgesellschaftlicher Beratung gegen Diskriminierung wichtig“

 

 Im Gespräch mit dieser Zeitung beschreibt, die aus dem Senegal stammende Pädagogin ihre Sicht nicht nur auf den Alltagsrassismus in unserer Stadt, sondern auf unterschiedliche Diskriminierungsformen und was man aus ihrer Perspektive dagegen tun kann. Derzeit leben in Mülheim Menschen aus 150 Nationen.

Überrascht Sie der hohe Rassismus-Anteil der Ratsuchenden, die sich an die Diskriminierungsstelle des Bundes gewandt hat?

Nein. Ich gehe beim Thema Alltagsrassismus von einer hohen Dunkelziffer aus, weil sich viele Betroffene nicht an öffentliche Beratungsstellen, sondern zuerst an Freund*innen, Familien und Betroffenen und an Migranten-Organisationen wenden, um Unterstützung zu bekommen.

Macht eine Antidiskriminierungsstelle auch auf lokaler Ebene Sinn?

Auf jeden Fall. Und ich freue mich, dass wir wahrscheinlich bis Ende des Jahres eine solche Antidiskriminierungsstelle bekommen. Die Stellenausschreibung läuft. Damit erfüllen CDU und Grüne eine Vereinbarung ihres Koalitionsvertrages. Wichtig ist, dass diese Antidiskriminierungsstelle, die nicht nur Beratung,- sondern auch Bewusstsein schaffende Öffentlichkeitsarbeit nicht im Rathaus, sondern in unabhängigen neutralen Strukturen einfließen vielleicht beim Centrum für bürgerschaftliches Engagement oder bei den Sozialverbänden angesiedelt wird. Die Ratsuchenden sind von unterschiedlichen Diskriminierungsformen wie Homophobie, Antisemitismus, Ableismus, Altersdiskriminierung, Klassismus, Sexismus, antimuslimischen/ antischwarzer Rassismus .. etc

Warum ist eine unabhängige Beratungsstelle auf neutralem Boden wichtig?

Weil viele von Rassismus betroffene Menschen, die zum Beispiel in Kindertagesstätten, Schulen, bei der Polizei, in Gerichten oder in der Stadtverwaltung rassistisch diskriminiert worden sind mit ihrer Beschwerde dort kein Gehört finden, weil sie dort auf eine kollegiale Abwehrhaltung treffen, die sagt: „Wir sind nicht rassistisch. Bei uns gibt es das nicht.“ Deshalb kann hier nur eine neutrale, zivilgesellschaftliche Beratungsstruktur den Betroffenen wirklich helfen, damit sie zu ihrem Recht verhelfen, das im Diskriminierungsverbot des Grundgesetz-Artikels 3 verankert ist.

Wo und wie erleben Sie Rassismus?

Ich nenne Ihnen drei Beispiele: Ich sitze mit zwei weißen Fahrgästen im Bordrestaurant der Deutschen Bahn. Die Servicekraft kommt und fragt die weiß positionierten Fahrgäste, was sie essen und trinken wollen. Mich fragt sie aber nicht. Ich frage sie: „Darf ich hier nichts essen und trinken?“ Die Servicekraft antwortet: „Ich habe Sie nicht gesehen!“ Ich erwidere: „Das kann doch gar nicht sein!“ Ich lasse den Leiter des Bordrestaurants kommen und spreche ihn auf das rassistische Verhalten der Servicekraft an. Er bietet mir einen Gutschein als Entschuldigung an. Ich aber sage ihm: „Ich brauche nicht Ihren Gutschein, sondern Ihre Sensibilität!“ Das war auch schön zu erfahren, dass die weißen Gäste meine Aussage bekräftigt haben.

Beispiel 2: Als Studentin stand ich vor einer deutschsprachigen Universität, als mir eine alte Dame zurief: „Du bist eine Schmarotzerin. Geh nach Hause.“ Ich habe ihr dann höflich geantwortet: „Ich bin keine Schmarotzerin. Ich studiere hier als Stipendiatin. Habe ich als Mensch nicht das Recht mich frei zu bewegen und dort zu lernen und zu arbeiten, wo ich es will?“ Sind die Europäer nicht auch ungefragt nach Afrika gekommen, um uns als Kolonialisten auszubeuten und zu unterdrücken? Dann bin ich nach Hause gegangen und habe geweint. Oder ich besuche als Mutter zweier Kinder den Tag der Offenen Tür eines Mülheimer Gymnasiums und bekomme als Einzige in der Gruppe keine Informationsbroschüre, weil man nicht davon ausging, dass Kinder einer schwarzen Frau das Gymnasium besuchen können.

Was kann und soll man gegen Rassismus tun?

Nur gemeinsam können wir gegen Rassismus und andere Diskriminierungsformen kämpfen, weil den Machtverhältnissen eine große Rolle spielen. Bildung, menschliche Bindung, Einfühlungsvermögen, Gemeinsinn, Begegnung und Dialog sind die besten Mittel gegen Rassismus. Wir brauchen mehr Wissen über Frieden, Menschenrechte, Kolonialismus und globale Zusammenhänge.  Das gilt nicht nur für Schulen, sondern für alle gesellschaftlichen Ebenen und Institutionen, die externe Unterstützung anfordern können und müssen. Wer Rassismus erleidet oder auch nur miterlebt, darf nicht darüber schweigend hinweggehen. Man muss das Ansprechen und sich Verbündete suchen, die Unterstützung geben. Man muss von Rassismus betroffene Menschen in der Beratung ernstnehmen und so Vertrauen in den Rechtsstaat schaffen.


Gilberte Raymonde Driesen lebt seit 2007 in Deutschland. Sie hat Germanistik und Romanistik studiert und als Gymnasiallehrerin im Senegal gearbeitet. Heute ist sie hauptberuflich für das Centrum für bürgerschaftliches Engagement tätig und arbeitet nebenamtlich als Diversitätstrainerin, etwa in Vereinen, Gemeinden, Kindertagesstätten und Schulen aber auch im Rahmen deutsch-afrikanischer Schulpartnerschaften für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ehrenamtlich gehört sie dem Vorstand des Integrationsrates an und leitet den deutsch-senegalesischen Bildungs-, -Kultur- und Sozialverein Axatin e.V. www.axatin.de


Meine Texte in NRZ/WAZ

Donnerstag, 20. Oktober 2022

Mit Styrum durchs neue Jahr

 In Styrum hat das neue Jahr 2023 schon begonnen. Denn am 15. Oktober stellten dort der Geschichtsgesprächskreis und seine Chef-Layouterin Ulrike Nottebohm den vierten Stadtteil-Kalender aus ihrer gemeinsamen Produktion der interessierten Öffentlichkeit vor.


Wer drei Euro in den Kauf des Stadtteil-Kalenders investiert, wird mit einer interessanten Mischung aus alten und neuen Bildern aus dem Styrum von gestern und heute belohnt. Die neuen Styrumer  Ansichten präsentiert Ulrike Nottebohm mit Collagen unterschiedlicher Motive aus dem Stadtteil, die den Betrachter zum genauen Hinschauen motivieren.

Das historische Bildmaterial stammt aus den immensen Quellen der geschichtsinteressierten Styrmer. Ulrike Nottebohm nannte die "dokumentarische Vorarbeit", die der Geschichtsgesprächskreis in den letzten 31 Jahren unter anderem mit seinen Styrum-Büchern geleistet habe, "gigantisch" und versicherte den Mitgliedern des Gesprächskreises, dass sie auch in ihrem nun beginnenden Ruhestand "dem Geschichtskreis und seinen Publikationen treu bleiben" werde.

"Sie können stolz auf Ihr Engagement, dass die Styrumer Geschichte auch für die kommenden Generationen festhält. Dieser Kalender kann das Gespräch zwischen den Generationen, zuhause oder auch in der Schule oder in der Feldmann-Stiftung initiieren und inspirieren. Ich möchte Ihnen sagen, dass wir als Bezirksvertretung für den Mülheimer Norden immer an ihrer Seite stehen, wenn Sie ihre kommenden Projekte rund um die Geschichte des Stadtteils angehen werden, sagte der stellvertretende Bezirksbürgermeister Armend Plana. Der Vorsitzende des Geschichtsgesprächskreises Manfred Bogen, Styrumer des Jahrgangs 1946, warb bei den geschichtsinteressierten Mitbürgern für eine Mitarbeit im Geschichtsgesprächskreis, der sich am zweiten und vierten Freitag des Monats, jeweils von zehn bis zwölf Uhr in der Feldmann-Stiftung an der
Augusta Straße 114 trifft.

Den vierten Styrum-Kalender, der eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt, ist unter anderem in der Feldmann-Stiftung an der Augusta Straße 114, im RWW-Wassermuseum Aquarius an der Burgstraße 70 sowie in der Stadtbibliothek am Willy-Brandt-Platz 2, in den Buchhandlungen Fehst am Löhberg 4 und bei den Broicher Bücherträumen an der Prinzess-Luise Straße 7-9 und beim Uhrmacher Hennenbruch an der Oberhausener Straße 155 erhältlich.

Dienstag, 18. Oktober 2022

Neustart des Netzwerkes der Generationen

Angesichts des demografischen Wandels hat die Stadt Mülheim an der Ruhr das Netzwerk der Generationen initiiert. Seine Idee: Interessierte Bürgerinnen und Bürger treffen sich in stadtteilbezogenen Netzwerkgruppen, um in ihrer Nachbarschaft soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Die Netzwerkgruppen dienen aber auch als Forum des Informationsaustausches. Dazu gehören auch Ideen, wie man Probleme vor Ort lösen könnte und diese Bürgervorschläge in die Stadtverwaltung, in den Rat der Stadt und in die Bezirksvertretungen einzuspeisen.

Die Corona Pandemie hat die Arbeit des vom städtischen Sozialplaner Jörg Marx koordinierten  Netzwerkes der Generationen beeinträchtigt. Die Netzwerkgruppen in Dümpten, Styrum, Broich-Saarn, Stadtmitte, Eppinghofen und in Speldorf konnten sich nach dem Ausbruch der Pandemie seit März 2020 nicht mehr treffen. Doch seit Juni 2022 starten die von den Senioren- und Wohnberatern- und Beraterinnen, Ragnhild Geck, Holly Uhlendorff und Holger Förster geleiteten Netzwerkgruppen wieder durch.Mit aussagekräftigen Fotos des Mülheimer Fotografen, Volker Fecht, präsentiert sich das Netzwerk der Generationen (bis zum 21. Oktober und dann wieder im Januar und Februar 2023), in der Evangelischen Ladenkirche an der Kaiserstraße 4 mit seinen bisherigen Aktivitäten. An diese Aktivitäten, etwa Quartierswerkstätte, Stadtteilfeste, Gruppentreffen, Stadtteilspaziergänge und andere Freizeitangebote.will das Netzwerk der Generationen mit möglichst vielen interessierten Bürgerinnen und Bürgern jetzt anknüpfen und neu starten, um Menschen und Nachbarschaften zu stärken und zu stabilisieren.

Ansprechpartner: Netzwerk der Generationen

Jörg Marx, Koordination

Joerg.marx@muelheim-ruhr.de

0208-455-5012

Ragnhild Geck, Stadtmitte, Eppinghofen, Heißen

0208-455-5057

Ragnhild.geck@muelheim-ruhr.de

Holly Uhlendorff: Broich-Saarn und Speldorf

0208-455-5058

Holly.uhlendorff@muelheim-ruhr.de

0208-455-5058

Holger Förster: Dümpten und Styrum

Holger.foerster@muelheim-ruhr.de


Zur Stadt Mülheim an der Ruhr

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...