Mittwoch, 6. September 2017

Es tut sich was an der uneteren Schloßstraße: Bäckerei eröffnet neue Filiale

Peter Hemmerle
Es tut sich was an der unteren Schloßstraße, nicht nur auf dem ehemaligen Kaufhof-Grundstück und im ehemaligen Woolworth-Gebäude, sondern auch gleich nebenan im Haus an der Schloßstraße 33. Dort wird Bäckermeister Peter Hemmerle am 28. September eine neue Filiale mit 65 Sitzplätzen eröffnen. Die neue Filiale wird von der achtköpfigen Stammbelegschaft der alten Filiale bewirtschaftet. Sie wird montags bis samstags von 6 bis 19 Uhr geöffnet sein.
„Wir sind hier besser aufgehoben, als in unserer bisherigen Filiale an der Schloßstraße 24, weil sich die Schloßstraße hier breiter öffnet und die Filiale ebenerdig ist, so dass wir die Filiale hier besser bespielen können“, begründet Peter Hemmerle den Umzug in das 228 Quadratmeter große Ladenlokal, das nach dem Auszug eines Kindermodeanbieters mehr als ein Jahr leer gestanden hat.

Hemmerle glaubt an die Schloßstraße

Auch wenn Umzug und Umbau ihn 400.000 Euro kosten, glaubt Hemmerle an den Standort untere Schloßstraße. „Hier tut sich viel und unsere Nachbarn, die auch kräftig investieren, sind fix beim Bauen“, erklärt Hemmerle. Kurz vor Weihnachten 2016 hat der Geschäftsführer des Familienunternehmens einen Zehn-Jahres-Mietvertrag für die neue Filiale unterschrieben. Stadtweit ist Hemmerle, dessen Unternehmen in diesem Jahr sein 90-jähriges Bestehen feiern kann, mit 13 Filialen vertreten. Der Mietvertrag für die alte Filiale, die Ende September nach 16 Jahren schließt, läuft noch bis Ende 2017.

Das kommt der Citymanagerin Gesa Delija und dem Wirtschaftsförderer Jürgen Schnitzmeier entgegen. Denn für die künftige Ex-Filiale Hemmerles an der Schloßstraße 24 gibt es derzeit noch keinen Interessenten. „Wir haben zurzeit in der Innenstadt 350 Immobilieneigentümer. Eine Handvoll von ihnen möchte ihre Immobilie verkaufen. Die Leerstands-Quote in der City liegt momentan bei 12,5 Prozent“, beschreibt City-Managerin Delija den Ist-Zustand.

Eine Chance für neue Investoren

Wirtschaftsförderer Schnitzmeier und Oberbürgermeister Ulrich Schloten freuen sich darüber, dass in den Standort Schloßstraße wieder mehr investiert wird und immer mehr interessierte Investoren angesichts der aktuellen Aktivitäten bei Mülheim & Business und bei der Stadt nach Investitionsmöglichkeiten fragen. Schnitzmeier und Scholten sehen die Chance, dass Hauseigentümer, die selbst nicht investieren können oder wollen, durch den Verkauf ihrer Immobilie den Weg für neue investitionsbereite Hauseigentümer frei machen.

Dieser Text erschien am 28. August 2017 in der Mülheimer Woche

Dienstag, 5. September 2017

Wohnen im grünen Norden Mülheims: Ein Zeitsprung an der Lerchenstraße

Die städtischen Wohnhäuser an der Lerchenstraße in den zwanziger Jahren
Ein Foto aus dem Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
Der seit 1911 im Mülheimer Stadtplan verzeichnete Name ist Programm. Lerchenstraße. Hier wohnt man im Grünen. Das Hexbachtal liegt vor der Haustür. 1924, als dieses Bild entstand und heute. Das Foto aus dem Stadtarchiv wurde Mitte der 20er Jahre aufgenommen, als die Häuser an der Lerchenstraße 2 bis 28 von der Stadt errichtet wurden, weil immer mehr Menschen nach Mülheim kamen, die hier Arbeit fanden und deshlab mit ihren Familien auch Wohnungen finden mussten. Augenfällig ist, dass die Lerchenstraße vor 90 Jahren noch den Fußgängern vorbehalten war. Nur wohlhabende Bürger fuhren damals mit dem Auto vor. Otto-Normal-Mülheimer ging damals zu Fuß oder gönnte sich im Höchstfall eine Fahrt mit der Straßenbahn.

In den zwanziger Jahren waren weniger PS, dafür aber noch mehr spielende Kinder auf der Straße. 50 Jahre, nach dem die Stadt unter der Führung ihres damaligen Oberbürgermeisters Paul Lembke die Wohnsiedlung an der Lerchenstraße 2/28 errichtet hatte, drohte ihnen der altersbedingte Abriss. Die Stadt verhandelte zunächst mit der seit 1898 existierenden Mülheimer 

Wohnungsbaugenossenschaft und dann mit der 1951 gegründeten sozialen Wohnungsbaugesellschaft SWB. Am Ende wurden die alten Häuser von der SWB übernommen und unter der Beachtung der alten Bausubstanz modernisiert. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite errichtete die MWB die jetzt modernisiert werdenden Wohnhochhäuser an der Lerchenstraße 1-13. Hier entstanden fast 100 Miet- und Eigentumswohnungen mit Blick ins Grüne. Das war unter anderem für viele Siemensianer der ideale Wohnort, von dem aus es nicht weit bis zu ihrem Arbeitsplatz an der Mellinghofer Straße war.

Dieser Text erschien am 4. September 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 4. September 2017

Auf dem Markt der Möglichkeiten

Zwischen Brot, Obst, Gemüse und Kartoffeln konnte man am Samstag, unweit der Wochenmarkstände auf der Schloßstraße auch auf ganz andere Angebote treffen. An bunten Ständen in den Farben Gelb, Blau, Pink, Grün Orange und Rot wurde man von freundlichen Menschen angesprochen. Sie drückten einem nicht nur Einkaufschips, Kugelschreiber, Windräder und Luftballons in die Hand. Sie versorgten einen auch mit Lesestoff.

Gut. Es waren keine Bestseller, die man da auf dem Weg ins Wochenende in die Hand gedrückt bekam. Aber einem geschenkten Gaul schaut man ja nicht ins Maul. Und bei genauerem Hinsehen entpuppte sich die Lektüre als politische Poesie, die mit unterschiedlichen Protagonisten, die mal staatstragend und mal geradezu erlöst und mit heiterer Leichtigkeit im Hier und jetzt vom Markt der Möglichkeiten erzählten, dessen Top-Angebote: Gerechtigkeit, Integration, Klimaschutz, Frieden, Freiheit, Wohlstand und Fortschritt ein märchenhaft schönes Bild vom Leben ins unseren zugegeben sehr schönen Land prophezeiten. Seien wir ehrlich. Wir Wähler sehnen uns doch nach einer Geschichte mit Happy-End, wenn nur nicht die Nachrichten oft der reinste Horror-Roman wären.

Dieser Text erschien am 4. September 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 3. September 2017

Ökumenisch vereint in der Trauerbegleitung: Auch in Saarn lassen sich immer mehr Gemeindemitglieder in einem Urnengrab beisetzen

Früher war die Feuerbestattung die Ausnahme. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war sie in der Katholischen Kirche sogar explizit verboten und wurde mit Exkommunizierung bestraft. Heute ist sie die Regel. 2/3 der Menschen lassen sich heute feuerbestatten. Dieser Trend geht auch an den katholischen Gemeinden und ihren Friedhöfen nicht vorbei. Seit 2007 wird die Heilig-Kreuz-Kirche in Dümpten als Urnenbegräbnisstätte genutzt. Und jetzt hat der Pfarrer der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt, Pater Josef Prinz, auf dem Katholischen Friedhof an der Landsberger Straße ein Urnenfeld mit 81 Grabstellen eingeweiht. Darüber hinaus gibt es bereits eine benachbarte Grünfläche, die für weitere 81 Urnengrabstellen freigehalten wird. 

„Wir bieten Urnenbestattungen an, weil wir festgestellt haben, dass sich in unserer Pfarrgemeinde das Verhältnis von Feuer- und Erdbestattungen in den letzten sieben Jahren umgedreht hat. Wir haben heute nur noch etwa halb so viele Erdbestattungen, wie Feuerbestattungen. Urnengräber sind einfach pflegeleichter, preiswerter und haben nur eine Liegefrist von 20 statt von 30 Jahren. Viele Menschen haben heute gar keine Hinterbliebenen mehr oder wollen ihnen nicht postum mit der Grabpflege zur Last fallen“, schildert Verwaltungsleiterin Anne Rakowski die Entwicklung, die jetzt zur Einrichtung des Urnengrabfeldes geführt hat.

Gleichzeitig haben sich 15 Mitglieder der Pfarrgemeinde und der benachbarten Evangelischen Kirchengemeinde Saarn zu einem ökumenischen Trauerbegleitungsteam zusammen getan. Regelmäßig sind sie auf dem katholischen Friedhof an der Landsberger Straße und auf dem evangelischen Nachbar-Friedhof am Auberg für Trauernde ansprechbar und weisen sie zum Beispiel auf den offenen Gesprächskreis für Trauernde hin, den die Psychotherapeutin, Dr. Britta Dickhoff beim Katholischen 
Bildungswerk Mülheim-Oberhausen anbietet. Ein weiterer Anlaufpunkt für Hinterbliebene ist das Trauercafé, das die ökumenischen Trauerbegleiter regelmäßig im Evangelischen Gemeindehaus an der Holunderstraße 5 anbieten. „Man darf nicht darauf warten, dass die Menschen auf einen zu kommen. Wir müssen auf sie zugehen und uns vorstellen, ohne ihnen gleich ein Gespräch aufzuzwingen. Damit sind wir bisher bei den Friedhofbesuchern gut angekommen“, sagt Ingrid Butgereit, die sich nach einem entsprechenden Lehrgang mit Diakon Martin Bader und Britta Dickhoff nicht nur im Kreis der Trauerbegleiter, sondern auch als Grüne Dame im St. Marien-Hospital engagiert. „Ich bekomme viel von den Menschen zurück und es gibt mir selbst auch viel, wenn ich erlebe, wie viel Gutes man Menschen allein durch Dasein und sein Zuhören tun kann“, beschreibt Butgereit die Motivation für ihr ehrenamtliches Engagement.

„Menschen, die einen lieben Menschen verloren haben, können nicht sofort über ihre Trauer sprechen. Sie müssen erst mal langsam aus ihrer Schock-Phase herauskommen und dann durch Gespräche dahin geführt werden, mit ihrer Trauer umgehen und weiterleben zu können“, sagt die Psychotherapeutin, die selbst ihren Sohn verloren hat.

Weitere Auskünfte zum Thema geben der ehrenamtliche Beerdigungsleiter Bernd Heßeler aus der Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt unter der Rufnummer 0208-30160835, Pfarrer Christoph Pfeiffer aus der Evangelischen Kirchengemeinde Saarn unter der Rufnummer: 0208-43909274 sowie Stefanie Hecke vom Katholischen Bildungswerk Mülheim-Oberhausen unter der Rufnummer: 0208-8599657. Informationen im Internet findet man unter:www.kirchengemeinde.net sowie unter: www.ev.kirche-broich-sarrn.de und unter: www.kefb-bistum-essen.de

Samstag, 2. September 2017

Der Türöffner: Früher war Klaus Livoti als Malergeselle unterwegs. Dann wechselte er zur Theodor-Fliedner-Stiftung, bildete sich pädagogisch und wirtschaftlich weiter und ist heute als Integrationsberater unterwegs

Klaus Livoti (Mitte) im Gespräch mit Elke Neubacher-Michaelsen
und Ronny Mirring
7.30 Uhr. Klaus Livoti beginnt seinen Arbeitstag mit der Lektüre der Wirtschaftspresse. Der 59-Jahrige ist kein Banker oder Börsenmakler. Der gelernte Maler ist heute als Integrationsberater für die Theodor-Fliedner-Stiftung unterwegs. Das bedeutet: Er vermittelt und betreut Menschen mit einer Behinderung, die als Mitarbeiter der Fliedner-Stiftung auf einem sogenannten „Außenarbeitsplatz“ tätig sind. „Zurzeit betreue ich 16 Mitarbeiter der Stiftung, die für uns auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sind. Das Branchen-Spektrum dieser Arbeitsplätze reicht von einer Hauswirtschaftskraft in einer Kindertagesstätte über eine Verkäuferin im Einzelhandel bis hin zu einem Lagerarbeiter oder eine Pferdepflegerin“, erzählt Livoti.

Als Integrationsberater ist er unterwegs, um Beziehungs,- Beratungs- und Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber auch, wenn er an seinem Schreibtisch die Wirtschaftspresse studiert oder im Internet eifrig Firmenrecherche betreibt, ist das Teil seiner Arbeit. „Als Integrationsberater muss ich genau wissen, was in der Wirtschaft läuft und welche Firmen welches Produktionsprofil haben. Denn nur so kann ich Ideen entwickeln, welche Firmen Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter haben könnten,“ sagt Livoti. Als Integrationsberater, das weiß der bodenständige Mann mit Handwerks-Vergangenheit, kann er in Gesprächen mit Unternehmern und Geschäftsführern nur punkten, wenn er ihnen fachlich auf Augenhöhe und vor allem mit eigenen Ideen für behindertengerechte Arbeitsplätze begegnen kann.
Im Moment sieht er vor allem in der Logistikbranche ein großes Potenzial. Gerade erst hat er einen Kollegen aus der Fliedner-Werkstatt auf eine Lageristen-Stelle vermittelt. Ehe es so weit kommt, vergehen Monate mit Gesprächen, Profilanalysen und Praktika.

Als Moderator und Bindeglied zwischen Arbeitgeber und dem Arbeitnehmer mit Behinderung, muss Livoti immer wieder vermitteln, ermutigen, aber auch schon mal ermahnen. Wie reagieren die Mitarbeiter im Betrieb auf den neuen Kollegen mit Handicap? Werde ich den Mitarbeiter überhaupt wieder los, wenn er Bockmist macht? Wie schaffe ich es, meinen Arbeitstag selbstständig zu organisieren und morgens pünktlich im Betrieb zu erscheinen? Wie gehe ich mit stressigen Situationen um? Das sind Fragen und Ängste, mit denen Livioti täglich umgehen muss, um vorhandene Arbeitsplätze zu erschließen oder zu erhalten.
„Mal muss ich Mitarbeiter und Arbeitgeber zweimal pro Woche besuchen. Machmal reicht aber auch ein Besuch im Monat.“ Heute hat er Glück. Livoti muss nicht als Krisenmanager einspringen oder potenzielle Arbeitgeber mit den Fördermöglichkeiten des Landschaftsverbandes oder der Agentur für Arbeit locken. Stattdessen stehen nur Fragen nach Arbeitskleidung, Urlaubstagen und möglichen Praktikumsplätzen an. Denn in den Betrieben, die er besucht, hört er nur Gutes über seine Schützlinge: „Er ist ein echter Sonnenschein, kommt jeden Tag mit viel Lust zur Arbeit und sieht einfach jeden auch noch so kleinen Materialfehler“, lobt Lutz Overrath, technischer Leiter der an der Lahnstraße ansässigen Birn GmbH, die Antriebstechnik herstellt, seinen Mitarbeiter Christian Schünker. Wenn man den 28-Jährigen, der bis 2015 in der Montageabteilung der Fliedner-Werkstatt arbeitete, dabei beobachtet, wie akribisch und flink er eine Keilriemenscheibe mit einer Schnelllauf-Schleifmaschine und einem Meißel bearbeitet, glaubt man ihm sofort, wenn er sagt: „Ich mag meine Arbeit und das Material, mit dem ich arbeite.“ Werkstattleiter Stuart Frericks bescheinigt Schünker: „Er verdient sein Gehalt hier zu 100 Prozent und kann inzwischen sogar Hilfskräfte anlernen.“ Außerdem hat Frericks die Erfahrung gemacht, dass der freundliche Kollege das Betriebsklima verbessert hat. „Seine nette Art hat dazu geführt, dass der Umgangston bei uns weniger rau geworden ist und viele Kollegen ihre weiche und freundliche Seite entdeckt haben, von denen man das nie erwartet hättet hätte.“ Im Gespräch zeigt sich: Beim Birn-Team musste Livoti keine dicken Bretter bohren, um Christian Schünker in Arbeit zu bringen. Denn Overrath hat eine behinderte Schwägerin, Frericks war in seinem ersten Berufsleben Leiter einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Und Vertriebsleiter Dennis Klimanek hat als Zivildienstleistender die Zusammenarbeit mit geistig behinderten Menschen zu schätzen gelernt, „weil sie so offen, ehrlich, begeisterungsfähig sind, wie es vielen sogenannten normalem Menschen heute oft gar nicht mehr möglich ist“.

Auch Malermeister Alfred Hamann aus dem Handwerkerteam des Evangelischen Krankenhauses möchte auf seinen von Livoti vermittelten Maler- und Lackierer-Kollegen Michael Bay nicht mehr verzichten, „weil er sehr freundlich ist, gerne arbeitet und alles erledigt“. „Ich mag Farbe. Die Arbeit hier ist toll. Und ich freue mich, wenn ich meinen Eltern abends erzählen kann wie es gelaufen ist“, erzählt der 24-jährige Bay, dessen Vater Malermeister ist. Offensichtlich ist die Leidenschaft des Vaters auf den Sohn so stark über-gesprungen, dass dieser gar nicht aufhören will mit der Arbeit.Livoti muss ihn auch bei diesem Besuch ermahnen, „endlich deine überfälligen Urlaubstage zu nehmen.“

Obwohl auch der 28-jährige Ronny Mirring, den Livoti in einem evangelischen Gemeindekindergarten in Heißen besucht, sehr gerne dort arbeitet, kennt er diese Urlaubsphobie nicht. „Ich liebe es, wenn mich Kinder anlächeln und wenn ich mit ihnen spielen oder musizieren kann, aber manchmal sind sie auch stressig“, berichtet er über seine Arbeit in der Kindertagesstätte. „Weil er intuitiv das Richtige tut, lieben ihn auch die schwierigen Kinder“, bestätigt Einrichtungsleiterin Elke Neubacher-Michaelsen. Weil auch sie von Livoti weiß, das die vermeintliche Unkündbarkeit von Menschen mit Behinderung eine Mär ist, appelliert sie an Arbeitgeber: „Man muss es einfach mal ausprobieren und ein Herz für Menschen haben.“

Dieser Text erschien am 2. September 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Freitag, 1. September 2017

Stadtkämmerer Frank Mendack hat seinen ersten Haushalt eingebracht

Stadtkämmerer Frank Mendack
Frank Mendack hat am 31. August seinen ersten Haushalt als Kämmerer eingebracht. Die politische Beratung und Beschlussfassung stehen noch bevor.
Mendacks Haushaltsplan für das Jahr 2018 weist ein Defizit von 24,32 Millionen Euro aus. Den Ausgaben von 808,4 Millionen Euro stehen Einnahmen von 784,04 Millionen gegenüber. Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von 9163 Euro ist Mülheim im Vergleich der NRW-Großstädte Spitze.


Die größten Kostenblöcke werden 2018 die Sozialausgaben (252,36 Millionen Euro) und die Personalausgaben (179,55 Millionen Euro) bilden. Mit erwarteten Mehrausgaben von 
7,27 Millionen Euro im Bereich der Sozialausgaben und 3,27 Millionen Euro mehr an Personalausgaben, bedeutet dies eine wesentliche Verschlechterung im Etatentwurf für 2018 gegenüber der Planung bei der Aufstellung.
Die Stadt beschäftigt 3300 Mitarbeiter und unterstützt 20.000 Bürger mit Sozialleistungen. Der Zuschuss-Bedarf des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs, der pro Jahr etwa 27 Millionen Fahrgäste befördert, schlägt 2018 mit 33,56 Millionen Euro zu Buche. Sorgen machen Mendack auch die steigenden Kosten für Hilfe zur Erziehung, die er für 2018 mit 31,15 Millionen Euro einplant. 2013 lag dieser Haushaltsposten noch bei 21,09 Millionen Euro. Allein 195,86 Millionen Euro flossen zwischen 2012 und 2016 in städtische Baumaßnahmen.

Das Land NRW hilft

Positiv bewertet der Stadtkämmerer, dass Mülheim in diesem Jahr zum ersten Mal Geld (31,7 Millionen Euro) aus dem NRW-Stärkungspakt für die Kommunalfinanzen bekommt. Die Landesmittel werden den Haushalt bis 2023 um 156,8 Millionen Euro entlasten. Außerdem kalkuliert Mendack mit einer sinkenden Zahl von Asylbewerbern, so dass die Aufwendungen für diesen Bereich im Jahresvergleich 2017/18 um 7,2 Millionen auf 9,8 Millionen Euro sinken werden. Darüber hinaus könnte der 2019 auslaufende Solidarpakt Ost Mülheim jährlich 7 bis 8 Millionen Euro ersparen.

Gleichzeitig sieht die mittelfristige Haushaltsplanung (bis 2020) Einsparungen in den Bereichen Personal (4,6 Millionen Euro) und Sachaufwendungen (5 Millionen Euro) vor. Hinzu kommt: Die Grundsteuer soll bis 2021 60 Prozent-Punkte und der Gewerbesteuer gleichzeitig um 55 Prozent-Punkte ansteigen


Dieser Text erschien am 31. August 2017 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Donnerstag, 31. August 2017

Was uns so alles in die Tüte kommt

Gestern hat für viele Kinder der Ernst des Lebens begonnen. Dabei sollte man das Schulleben ernst, aber auch nicht zu ernst nehmen, wenn man es an Leib und Seele unbeschadet überstehen will. Immerhin wird so manchem Kind der erste Schultag mit einer Schultüte versüßt. Dabei kann man die Schultüte auch als Symbol dafür nehmen, dass einem nicht nur im Schulleben so manches in die Tüte kommt, worauf man dankend verzichten könnte. Aber gerade darin ist das Schulleben eine gute Schule für das Leben jenseits der Klassenzimmer und Stundenpläne. Denn auch nach dem Ende der Schulzeit geht das Lernen weiter und es muss so mancher saure Drops gelutscht werden. Selbst, wenn es so manchem Ex-Schüler auf der freien Wildbahn der Lebensschule zuweilen schwindelig wird, weil er mit seinem braven Schulwissen immer wieder im Morast des Alltags stecken bleibt oder aneckt. Auch wenn er verzagt, weil die ihm gelehrte Moral oft nur Anspruch, aber nicht Wirklichkeit ist, sollten Er und Sie, Du und ich  mutig weiter lernen und nie vergessen, dass Gutes nicht immer gesucht, aber stets gebraucht wird, wenn wir gemeinsam das Klassenziel erreichen wollen.

Dieser Text erschien am 31. August 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...