Sonntag, 8. September 2019

Eine Partei kommt in die besten Jahre

"Trau keinem über 30!" verlangte die rebellische Jugend 1968. Viele der jungen Wilden traten damals den Marsch durch die Institutionen der parlamentarischen Demokratie an, der sie ein Jahrzehnt später zu den Grünen führen sollten. Und jetzt feierten die Mülheimer Grünen schon ihren 40. Geburtstag.
Doch unter den Gästen des Jubiläumsempfangs in der Grünen-Geschäftsstelle an der Bahnstraße waren jetzt auch  viele junge Leute zu sehen, die die Gründung der Grünen, als der Partei des Umweltschutzes und der Friedensbewegung, nur aus dem Geschichtsbuch kennen. "Ich freue mich, dass unserer Partei der Generationswechsel so gut gelungen ist, den andere Parteien noch vor sich haben", freute sich Ingrid Tews, die sich seit 1982 bei denen Grünen engagiert. Damals hatten die Grünen noch keine Mandate im Stadtrat, sondern nur eine Geschäftsstelle in einem windschiefen Fachwerkhau an der Delle, in der unter anderem das alternative Stadt-Magazin Freie Presse gemacht wurde, sehr zum Ärger der damals noch mitabsoluter Mehrheit regierenden SPD.
"Wenn Bürger damals in einem Ratsausschuss reden wollten, um einen Antrag zu stellen oder einen Vorschlag zu machen, wurde das schon fast als Majestätsbeleidigung angesehen und es wurde argumentiert: Sie können doch hier als Bürger nicht einfach im hohen Haus sprechen. Das hat sich heute Gott sei Dank geändert", macht Herman Stollen, der seit 1979 bei den Mülheimer Grünen aktive Hermann Stollen deutlich, wie seine Partei die politische Landschaft verändert hat. Gerne erinnert er sich an die Bürgerversammlungen, zu denen sein Parteifreund Werner Hellmich in den 1970er Jahren einlud, um mit Bürgern umstrittene Bebauungspläne zu durchleuchten. "Dass wir den Ausbau der Emmericher Straße, die damals durch den gesamten Stadtteil Speldorf führen sollte, verhindern konnten, war einer der ersten Erfolge der Mülheimer Grünen", erinnert sich Stollen.

Aller Anfang war schwer

Aller Anfang war schwer. Bei der Europawahl im Juni 1979 erreichten die Grünen in Mülheim nur 3,5 Prozent und bei der Kommunalwahl 1979 4,8 Prozent der Stimmen. Doch fünf Jahre später zogen sie erstmals mit 12,6 Prozent der Stimmen in den Stadtrat ein und blieben dort bis heute. "Wir hatten eine gemeinsame Leidensgeschichte mit der bis 1994 mit absoluter Mehrheit regierenden SPD", erinnert sich Ingrid Tews an die 1994 umstrittene Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit der CDU. Für die Landtagsabgeordnete und ehemalige Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens, die 1989 über das Thema Gewässerschutz zu den Grünen kam, steht fest: "Ohne die Grünen hätte der Umweltschutz nicht die zentrale Bedeutung bekommen, die er heute hat!"

Auch mit 95 noch Visionen

Alt-Bürgermeister Dr. Wilhelm Knabe, der auch auf der Landes- und Bundesebene zu den Gründern und Sprechern der Grünen gehörte, die er von 1987 bis 1990 im Deutschen Bundestag vertrat, sagte in einem Grußwort: "Ich habe auch noch mit 95 eine Vision für eine weltumspannende ökologische Bewegung, die von allen Generationen in allen Ländern getragen wird, weil die Zukunft den Kindern gehört. Ich habe die Vision einer grünen Politik, die dafür sorgt, dass Kinder nicht nur zu Hause vor dem Fernsehgerät, vor dem Computer oder dem Smartphone sitzen, sondern draußen die Natur erleben können. Und ich wünsche mir eine Politik, die dafür sorgt, dass Menschen von ihrer Arbeit leben und eine Familie gründen, statt auf Kinder zu verzichten, die uns bereichern."


Freitag, 6. September 2019

Barrierefreiheit als Qaulitätsmerkmal

Wie kann man alten, kranken und behinderten Menschen eine gerechte und würdige Teilhabe am Leben verschaffen? Diese Frage trieb Pastor Theodor Fliedner vor 175 Jahren dazu an, die Pastoralgehülfen- und Diakonenanstalt ins Leben zu rufen. Deshalb lud die aus ihr hervorgegangene Theodor-Fliedner-Stiftung jetzt zu einem Symposium, das in der Stadthalle der Frage nachging: „Was bringt die Zukunft für Menschen mit Hilfebedarf?“ Den aktuellen Hintergrund der Fachvorträge und der von der Journalistin Steffi Neu moderierten Podiumsdiskussion bildet das Bundesteilhabegesetz, dessen dritte Stufe am 1. Januar 2020 in Kraft tritt. Es soll die Eingliederungshilfe effizienter machen, wird aber auch als verkapptes Spargesetz kritisiert, das für die betroffenen Hilfsempfänger und ihre gesetzlichen Betreuer einen erheblichen bürokratischen Mehraufwand mit sich bringt.

Der Vorsitzende der Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung, Prof. Dr. Michael Seidel, warnte davor, unter dem Vorwand der Selbstbestimmung damit zu rechnen, Betreuungs- und Assistenzkosten einsparen zu können. „Das wäre lieblos“, sagte Seidel und machte am Beispiel des Krankenhausaufenthalts deutlich, dass hier eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung nur mit gezielter Assistenz für die Betroffenen zu realisieren sei. Seidel betonte: „Hier geht es nicht um einen Nachteilsausgleich, sondern um Gerechtigkeit und die Verwirklichung eines Rechtsanspruchs. Und wenn etwa eine Klinik auf diese Weise sensibler mit geistig behinderten Patienten umgeht, werden davon am Ende alle Patienten, Ärzte und Pflegekräfte profitieren.“

Gerechte Teilhabe im Sinne einer nachhaltigen Politik, die den Kollaps des Pflegesystems verhindere, bestehe auch in gezielten Entlastungs- und Assistenzleistungen. Darauf wies die Gründerin und Leiterin der Berliner Beratungs- und Beschwerdestelle Pflege in Not, Gabriele Tammen-Parr hin. „73 Prozent aller 3,4 Millionen Pflegebedürftigen werden zuhause von Angehörigen gepflegt. Und 83 Prozent aller pflegenden Angehörigen beschreiben sich als schwer belastet. Aber nur 4 Prozent entscheiden sich deshalb, ihre Angehörigen in ein Pflegeheim zu geben“, führte Tammen-Parr die gesellschaftliche Dimension des Problems deutlich. Deshalb unterstützen sie und ihr Team gezielt pflegende Angehörige und Pflegebedürftig, wenn die Überforderung in der häuslichen Pflege zu verbaler und körperlicher Gewalt führt.

„Inklusion und Demokratie sind zwei Seiten derselben Medaille. Es reicht nicht, wenn der deutsche Staat auf der Basis der UN-Behindertenrechtskonvention Recht setzt. Er muss diesen Rechtsanspruch auch in allen Lebensbereichen durchsetzen, wenn sich Menschen mit Behinderung vom Sozialstaat nicht verlassen fühlen sollen“, sagte der selbst stark sehbehinderte Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Jürgen Dusel. Entscheidend ist für Dusel, dass Menschen mit Behinderung auch über ihre Rechte Bescheid wissen und, etwa über das Internet, einen barrierefreien Zugang zu den entsprechenden Informationen haben. Dies, so Dusel, sei leider auch bei Dokumenten des Deutschen Bundestages leider noch immer nicht flächendeckend der Fall.
Während der für Soziales zuständige Abteilungsleiter im NRW-Sozialministerium für Soziales zuständige Abteilungsleiter, Udo Diel, das Bundesteilhabegesetz und seine Landesrahmenvereinbarung zwischen den Vertretern der Leistungserbringer, der Kostenträger und der Leistungsempfänger verteidigte und deutlich machte, „dass jede Gesetzgebung immer nur so gut sein kann wie die Betroffenen, die sich in diesen Entscheidungsprozess einbringen“, wies Theodor-Fliedner-Stiftungsfachvorstand Claudia Ott darauf hin, „dass das sehr komplexe Sozialrecht niederschwelliger gestaltet werden muss, wenn die Betroffenen und ihre gesetzlichen Vertreter nicht überfordert werden sollen und wir damit riskieren, dass etwas auf die schiefe Bahn gerät und eine Unterversorgung entsteht.“ 

Für den theologischen Diakonievorstand Pfarrer Christian Heine-Göttelmann geht es bei der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung um nicht mehr und nicht weniger „als um die Verwirklichung der Menschlichkeit und der nicht nur durch das Grundgesetz zugesagten Menschenwürde.“ Für ihn zeigen die Bestimmungen des Bundesteilhabegesetzes aber auch, „das gut gemeint nicht immer auch gut gemacht ist und manchmal auch das Gegenteil dessen bewirkt, was politisch eigentlich gewollt war.“ Der Vorstandsvorsitzende der Theodor-Fliedner-Stiftung, Carsten Bräumer, resümierte seine wichtigste Erkenntnis aus den Vorträgen und Diskussionsbeiträgen mit der Feststellung: „Inklusion ist ein Prozess, der uns alle betrifft und voranbringt, nicht nur die Menschen mit einem besonderen Hilfebedarf.“




Donnerstag, 5. September 2019

Alt? Na, und!

Anfang September wird die 114. Ausgabe der Mülheimer Senioren Zeitung alt Na und gratis verteilt. Eine Finanzierung durch die Heinrich-Thöne-Volkshochschule und die Stiftung Kultur & Bildung machen es möglich. Seit 30 Jahren schreiben reife Redaktionsmitglieder unter dem Titel Alt, Na und!? was sie und ihre Altersgenossen interessiert oder zumindest interessieren könnte.

In der Jubiläumsausgabe erwartet die „Alt, na und!?“-Leser zum Beispiel ein Interview mit Alt-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, in dem sie von ihrem neuen Leben außerhalb der politischen Scheinwerfer. „Das war wirklich ein tolles Gespräch, dass wir sehr genossen haben“, erinnert sich Redaktionsleiterin Gabriele Strauß-Blumberg. „Aber auch für die prominenten Gesprächspartner der 1989 unter dem Dach der Heinrich-Thöne-Volkshochschule von Peter Michael Schüttler und Marianne Seger aus der Taufe gehobenen Seniorenzeitung gilt die eherne Redaktionsregel: Kein Beitrag darf länger als eine DIN-A4-Seite lang sein.

Das sorgt seit 30 Jahren für ein lesefreundliches Magazinformat. „Natürlich hätten wir auch viel mehr über unser Gespräch mit Frau Kraft schreiben können und wir hatten auch schon Redaktionsmitglieder, die uns schnell wieder verlassen haben, weil sie sich durch diese Begrenzung in ihrer Kreativität ausgebremst sahen“, räumt Strauß-Blumberg ein.

Doch die Leseresonanz, die die zurzeit aus 17 Mitgliedern bestehende Redaktion erreicht und die regelmäßigen Anfragen: „Wann kommt denn die nächste Ausgabe?“ zeigen den kreativen und reifen Zeitungsmachern aus der Heinrich-Thöne-Volkshochschule, die alle zur Generation 60 plus gehören, dass ihre Themenmischung, die so bunt ist wie das Leben, bei ihren Lesern ankommen. Wer durch die 6500-fach gedruckten und von den Redaktionsmitgliedern zum Beispiel in Arztpraxen, Apotheken, Büchereien, Pflegeheimen und Buchhandlungen verteilten Ausgaben blättert stößt auf historischen und aktuelles, auf informatives und literarisches.

Im Gespräch mit den Blattmachern, die ihre Zeitung nicht nur schreiben, sondern auch fotografisch illustrieren und layouten, erfährt man, was die Pensionäre, die ihr Berufsleben zum Beispiel als Sekretärin, als Chemie-Ingenieur, als Verlagsangestellter oder als Finanz- und Justizbeamter bestritten haben, in ihrem Ruhestand zu ehrenamtlichen Redakteuren hat werden lassen. Von sozialen Kontakten und Kreativität ist das ebenso die Rede wie von einem Jungbrunnen für Geist und Seele. Von „Gehirn-Jogging“ spricht Seniorredakteurin Rosemarie Mink. Und ihr Kollege Gerd Harder zitiert Gotthold Ephraim Lessing mit der zeitlos aktuellen Erkenntnis: „Alt macht nichts das graue Haar alt macht nicht Die Zahl der Jahre bald ist Wer den Humor verliert und sich für nichts mehr interessiert.“

Und was haben die Reifen Redakteure der Senioren Zeitung für die Zukunft vor? Wir wollen den schon begonnenen Dialog mit der jungen Generation fortführen und intensivieren. Und Wir wünschen uns für die Zukunft noch mehr Leserbriefe und immer wieder neue nette und kreative Kollegen“, ist man sich in der Alt, na und?!-Runde einig. Was den Dialog zwischen Alt und Jung angeht, ist der Anfang bei „Alt, Na und?!“ schon gemacht. Denn nach bereits erschienen Beiträgen darüber, was junge Menschen an alten Menschen nervt und was alte Menschen an jungen Menschen nervt und mit einem Bericht über einen Schülerbesuchsdienst für Senioren befasst sich die im September erscheinende Jubiläums Ausgabe unter anderem mit einem Jugend Workshop zur künstlerischen Gestaltung von Stromkästen rund um den Hans-Böckler-Platz.



Sie sind online und möchten alte Ausgaben der Mülheimer Senioren Zeitung „Alt, na und?!“ nachlesen oder selbst für das quartalsweise erscheinende Magazin schreiben: Dann werden sie auf den Internetseiten: www.alt-na-und.de/ und: www.alt-na-und.de/archiv/ fündig. Außerdem können Sie die zuständige Fachbereichsleiterin der Heinrich-Thöne-Volkshochschule, Nicole Linau, per E-Mail an: nicole.linau@muelheim-ruhr.de kontaktieren. Sie sind nicht online und suchen aber trotzdem den Kontakt zur Redaktion der Senioren Zeitung alt Na und, dann erreichen sie die zuständige fachbereichsleiterin der Heinrich Töne Volkshochschule Nicole Linau unter der Rufnummer: 0208-455 4317.


Mittwoch, 4. September 2019

Haben Volksparteien noch eine Chance?

Die jüngsten Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen nähren den Zweifel am Modell der Volksparteien, da CDU und SPD dort zusammen genommen gerade noch 40 Prozent der Stimmen erringen konnten. Volkspartei ist, wer mindestens 1/3 der Wählerstimmen auf sich vereinigen kann und damit zeigt, dass er Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen hinter sich versammeln kann.

Mit eben diesem Ziel wurden 1945 CDU und CSU als überkonfessionelle christliche Volksparteien ins Leben gerufen, um einen Interessenausgleich zwischen den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen herzustellen. Auch die SPD erhob spätestens nach der Verabschiedung ihres Godesberger Programms 1959 den Anspruch, eine linke Volkspartei zu sein. Wahlergebnisse von 40 % + x dokumentierten diesen Anspruch. Und auch wenn die liberale FDP und die rechtsextreme NPD während der ersten Großen Koalition (1966-1969) Stimmengewinne verzeichnen konnten, wurde die Position der traditionellen Volksparteien Union und SPD dadurch nicht untergraben,

Mit 50,2 Prozent konnte die Union 1957 ihr bestes Wahlergebnis bei einer Bundestagswahl erringen. Und 1972 erreichte die SPD mit 45,8 Prozent ihren bisherigen Spitzenwert. In beiden Fällen wurde die Politik der jeweils erfolgreichen Volksparteien mit den Bundeskanzlern Konrad Adenauer und Willy Brandt durch charismatische, glaubwürdige und damit Vertrauen schaffende Persönlichkeiten vertreten und verkörpert. Adenauer stand für die Westbindung, das westdeutsche Wirtschaftswunder und die Rückkehr der letzten Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion. Willy Brandt stand für gesellschaftspolitische Reformen, "Mehr Demokratie wagen" und für eine erfolgreiche und 1971 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Ost- und Entspannungspolitik.

Bemerkenswerterweise erlebte die Bundesrepublik 1972, als erstmals alle Über-18-Jährigen Bundesbürger wählen durften, mit 91,2 Prozent auch die höchste Wahlbeteiligung der bundesrepublikanischen Geschichte. Danach sank die Wahlbeteiligung allerdings wieder kontinuierlich ab. Mit 76 % erreichte sie bei der letzten Bundestagswahl einen Stand, der der Wahlbeteiligung der ersten Bundestagswahl (78 %) entsprach.

Diese Entwicklung signalisiert Unsicherheit und eine nur bedingte Identifikation mit unserem demokratischen Staat und einen politisch Verantwortlichen. Dazu passt, dass nicht nur die politischen Parteien, sondern auch die Gewerkschaften seit der Wiedervereinigung im Jahr 1990 die Hälfte ihrer Mitglieder verloren haben. Auch die Identität und soziale Milieus bildenden Christlichen Volkskirchen sind, wie es Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck zutreffend formuliert hat, von Volkskirchen zu Kirchen im Volk geschrumpft.

Dieses Resultat eine zunehmend mobilen, individualisierten, bindungsunwilligen, multikulturellen und pluralistischen Veränderung bekommen auch die Volksparteien zu spüren. Aktuelle Meinungsumfragen zeigen, dass neben der sozialen Sicherheit auch der Umweltschutz und die mit der Zuwanderung verknüpften Fragen für immer mehr Bürger wahlentscheidend werden.

Von dieser neuen Prioritätensetzung profitieren vor allem die Grünen und die AFD, die mit einem Viertel der Wählerstimmen mit den Volksparteien Union und SPD gleich auf sind oder sie sogar überflügeln. Die jüngsten Auswertungen regionaler Wahlergebnisse zeigen, dass nicht mehr nur CDU/CSU und SPD, sondern auch AFD und Grünen in Wahl- und Landkreisen zur politisch stärksten Kraft werden können.

Allerdings ist die Lage für die Volksparteien keineswegs hoffnungslos. Dort, wo die Volksparteien mit glaubwürdigen und charismatischen Spitzenkandidaten antreten, die bei den Wähler Vertrauen erwecken oder durch ihre bisherige Politik Vertrauen erworben haben, können Volksparteien auch heute 1/3 der Stimmen und mehr hinter sich vereinen. Das gilt natürlich auch für die Parteien, die bisher keine Volksparteien waren, aber es werden können. So können die Grünen derzeit mit Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg und die Linken mit Bodo Ramelow in Thüringen die Ministerpräsidenten stellen. Und auch die Wahlergebnisse der klassischen Volksparteien zeigen, dass sie auf Landesebene mit authentischen Regierungschefs Wahlen gewinnen können, wo ihnen auf Bundesebene zurzeit die Wähler abhanden kommen. Dabei haben die traditionellen Volksparteien CDU/CSU und SPD noch am ehesten in der Generation der Über-45-Jährigen mit Zustimmung zu rechnen, da ihre Angehörigen mit dem Modell Volkspartei politisch sozialisiert worden ist

Auch Untersuchungen, wie die der Stiftung Bürger-Engagement in Deutschland zeigen, dass die Über-14-Jährigen in Deutschland durchaus nicht nur Egoisten sind, sondern auch bereit sind sich mit anderen zusammen in Vereinen, gemeinnützigen Organisationen, Bürgerinitiativen ehrenamtlich und für gesellschaftlich relevante Projekte zu engagieren. Dieses Potenzial müssen Parteien verstärkt nutzen. Sie müssen die gesellschaftlich relevanten Fragen (Demografischer Wandel, Umweltschutz, Integration, Zuwanderung, Inklusion, Frieden, soziale Sicherheit, Digitaler Wandel und soziale Teilhabe), die Menschen existenziell bewegen und betreffen, mit Hilfe engagierter und kompetenter Bürger aufgreifen, bearbeiten und beantworten. Dabei müssen Parteien verstärkt ihr politisches Vorfeld stärken und auch Menschen für ihre Politik interessieren, die vielleicht nicht Mitglied der Partei werden, aber sehr wohl projektbezogen mitarbeiten wollen.

Sicher ist mit Blick auf die Wahlergebnisse der jüngsten Zeit, dass nicht nur Volksparteien, von Wählern abgestraft werden, die gesellschaftliche relevante Probleme ignorieren oder sie nur symbolhaft bearbeiten und diskutieren, ohne sichtbare und spürbare Entscheidungen zu treffen und Ergebnisse zu produzieren, die dann auch von den Bürgern als persönlicher Mehrwert erlebt werden. Der US-Präsident Ronald Reagan (1911-2004) hat in diesem Zusammenhang zurecht darauf hingewiesen, "dass sich jede Wahl damit entscheidet, ob der Bürger in der Wahlkabine die Frage; Geht es mir besser der schlechter als bei der letzten Wahl vor 4 Jahren mit Ja oder Nein beantwortet."

Montag, 2. September 2019

Ein besonderes Dorf

Selbeck am Samstag. Es gibt was zu feiern. Die Theodor-Fliedner-Stiftung Stiftung wird 175. Ihr Dorf wird zur turbulenten Kleinstadt. „Wir haben den Ordnungsamt 3500 Besucher gemeldet“, verrät der junge Mann, der im Dorfrathaus die Verzehrgutscheine ausgibt.

Was bedeutet das Fliedner-Dorf Menschen, die hier leben und arbeiten. Absatz der turbulenten Festmeile nehmen sich einige von ihnen Zeit, um über ihre Dorfgeschichte zu sprechen .

Zum Beispiel Elli Schott: „Als Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft Röhrengarde darf ich das Dorfleben seit 1992 mitgestalten, in dem ich mit meinem Karnevalsfreunden hier in jeder Session ein Karnevalsfest organisiere, das bei allen Dorfbewohnern gut ankommt. Und seit einem halben Jahr bin ich darüber hinaus mit dem Dorf verbunden, weil meine Mutter hier lebt. Für mich ist das Dorf eine Oase der Menschlichkeit. Hier spürt  man Herzenswärme. Die Architektur der Häuser macht das Dorf gemütlich. Wenn ich hierher komme, habe ich immer das gute Gefühl, dass ich jetzt die Hetze der Stadt hinter mir lassen kann. Auch Menschen mit Handicap können sich hier ganz Angst frei bewegen, weil sie sicher sein können das hier einer auf den anderen achtet.“

Zum Beispiel Carsten Bräumer: Er hat sein Arbeitsplatz im Dorf und trägt als Vorstandsvorsitzender die Gesamtverantwortung für die Theodor-Fliedner-Stiftung. Er sagt: „Gesetze sind wichtig. Aber der Mensch ist wichtiger. Wir schauen hier nicht zuerst auf das Sozialgesetzbuch und auf die Handicaps der Bewohner, sondern auf den Menschen und seinen Bedarf. Wir haben im Blick, was Menschen brauchen, um ihr Leben so zu gestalten, dass sie damit glücklich werden. Dafür ist Entwicklung notwendig. Und das Dorf steht für diese Entwicklung. Wir dürfen uns nicht auf das fixieren, was wir haben uns sind. Wir dürfen den Status quo nicht einfrieren , sondern müssen jeden Tag daran arbeiten, ihn zeitgemäß zu gestalten. Standorte und Immobilien sind für mich nicht so wichtig wie die Begegnungen und Lebensperspektiven, die hier im Dorf und dann anderen Orten der Stiftung ermöglicht werden. Was mich am Dorf begeistert, ist das purer Leben, das hier genauso wie anderswo, mit all seinen Festen und Höhepunkten, aber auch mit seinen entspannenden und stressigen Alltäglichkeit stattfindet.

Zum Beispiel Manfred Rixecker: „Mein behinderter Bruder hat bis zu seinem Tod, im Februar 2019, hier im Dorf gelebt. Hier hat er sich wohl gefühlt und hier habe ich erlebt, dass der Mensch Im Vordergrund steht. Deshalb engagiere ich mich gerne ehrenamtlich mit meiner Frau Marie Luise im Vorstand des Förder-Vereins frür das Dorf der Theodor-Fliedner-Stiftung. Zuletzt konnten wir mit Hilfe unserer eingeworbenen Spenden einem Tagesausflug ins Dortmunder Fußballmuseum organisieren, von dem die 30 Dorfbewohner, die dabei waren, noch heute schwärmen. Das ist nur eines von vielen unserer Projekte. Regelmäßig laden wir Bürgergruppen ein, um ihnen zu zeigen wie hier gelebt und gearbeitet wird. Das nächste Projekt, das auf der Agenda des Fördervereins steht, ist ein Rollstuhlparcours, den wir in Kürze mit dem Verein für  Bewegungsförderung und Gesundheitssport als Trainingsmeile für die auf einen Rollstuhl ereich für Menschen mit Behinderung. angewiesenen Dorfbewohner aufbauen werden. Ereich

Zum Beispiel: Friedhelm Tissen. Er leitet den Wohnbereich für Menschen mit Behinderung und sagt: „Wir setzen hier jeden Tag ganz praktisch die UN-Konvention für die Rechte Der Menschen mit Handicap um, indem wir ihnen eine ganz normale Teilhabe am Leben ermöglichen. Hier erlebt man die Fähigkeit, offen für einander zu sein und offen für das, was das Leben bringt. Wenn sich Menschen mit geistiger Behinderung gabei ihrem Spaziergang durchs Dorf mal im Garten ihrer Nachbarn niederlassen und sich dort ganz selbstverständlich auf eine Tasse Kaffee und einen Plausch einladen, ist das ganz normal und regt niemanden auf. 

Das Selbecker Fliednerdorf


Keimzelle des Fliednerdorfes ist das Haus Engelbert. Hier lebten die Bewohner anfangs in Mehrbettzimmern. Heute haben alle behinderten Bewohner des Dorfes ein eigenes Zimmer und leben in ihren Wohnbereichen wie in einer Wohngemeinschaft. Das heutige Fliednerdorf entstand in den späten 1980er und in den frühen 1990er Jahren. Heute leben hier 600 Menschen mit und ohne Behinderung. Rund 270 Mitarbeiter der Stiftung betreuen in den Wohngruppen des Dorfes alte und behinderte Menschen. Das Dorf ist aber auch für Familien ein beliebter Wohnort im Mülheimer Süden. Auf ihrer Internetseite: www.fliedner.de schreibt die Theodor-Fliedner-Stiftung über ihr Leitbild: „Als Theodor Fliedner seine erste Pfarrstelle antrat, bewegte ihn im geistlichen Amt die Not der Menschen, für die sich niemand zuständig fühlte. Berührt von dem, was er sah, begann Theodor Fliedner zu handeln. Zusammen mit seiner Familie legte er den Grundstein für die Diakonenanstalt Duisburg im Jahr 1844. Aus diesem Ort des Lernens und der Entwicklung ist unsere heutige Theodor Fliedner Stiftung hervorgegangen. Im reflektierten Bewusstsein der Geschichte und auf Basis des christlichen Glaubens geben wir uns unser Leitbild. Es ist die Richtschnur für unsere Arbeit und unser Miteinander. Gemeinsam stehen wir im offenen Dialog in alle Richtungen für die Wirksamkeit unseres Leitbildes ein.“.


Sonntag, 1. September 2019

Paul Bethge: Ein Zeitzeuge erinnert sich

1. September 1939: mit dem deutschen Überfall auf Polen beginnt der 2. Weltkrieg. Er wird Mülheim für immer verändern. Wie erinnert sich der 1924 in Mülheim geborene ehemalige FDP-Stadtrat und Bürgermeister Paul Gerhard Bethge an den Tag des Kriegsbeginns, an das, was ihm vorausging und an das, was ihm folgen sollte. Ein Zeitzeugengespräch.

Frage: Wie erinnern sie sich anders Mülheim vor dem 2. Weltkrieg?

Antwort: Mein Elternhaus stand am Muhrenkamp. Mein Vater war ein ehemaliger Berufssoldat, der später in der Finanzverwaltung arbeitete. Er war kein Freund der Weimarer Republik, sondern ein Anhänger des Kaisers, der 1918 abgedankt hatte. Deshalb wählte er die Deutschnationale Volkspartei. Meine protestantische und sozial engagierte Mutter war Anhängerin der NSDAP und Adolf Hitlers. Sie sah in Hitler den Mann, der die negativen Folgen, die der Versailler Friedensvertrag von 1919 in Form von Reparationen, Besatzung und Gebietsverlusten für Deutschland hatte, überwinden würde.

Frage: Wie haben Sie das damals selbst erlebt und gesehen?

Ich habe in der Schule gelernt, dass der Versailler Friedensvertrag ein Diktat und eine Schande sei. In diesem Bewusstsein wuchs ich auf. Deshalb musste ich auch nicht von meiner Mutter überzeugt werden 1933 Mitglied im Jungvolk und später in der Hitler-Jugend zu werden. Ich erinnere mich an den Fackelzug über die Schloßstraße, mit dem die SA am 30. Januar 1933 die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler feierte. Auf dem Kaiserplatz hielten bis 1933 der sozialdemokratische Reichsbanner, der deutschnationale Stahlhelm, der kommunistische Rotfrontkämpferbund und die nationalsozialistische SA ihre Versammlungen ab. Hier lieferte n sie sich Straßenkämpfe, die von der berittenen Polizei aufgelöst wurden.

Frage: Wie hat sich die Stadt unter dem Hakenkreuz verändert?

Während der NS-Zeit wurde aus dem Kaiserplatz der Platz der SA und aus der Friedrichstraße die Adolf-Hitler-Straße. Und die heutige Martin-von-Tours-Schule wurde zur Freikorps-Schulz-Schule. Auch mein Vater hatte sich als Soldat des 1918 aufgelösten Infanterieregiments 159 seinem ehemaligen Kommandeur Siegfried Schulz angeschlossen, der dieses kaisertreue Freikorps gebildet hatte. Ab 1933 wurden Hitlers Geburtstag am 20. April und der Tag des Hitler-Putsches vom 9. November 1923 zu Nationalfeiertagen. An diesen Tagen wurde die Stadt zu einem Fahnenmeer. Meine Mutter hängte die Hakenkreuzfahne und mein Vater die kaiserliche Reichsfahne zum hinaus.

Frage: Wie erinnern sie sich an den 1. September 1939?

Antwort: Wir saßen zu Hause vor dem Radio und hörten Adolf Hitlers Rede vor dem Reichstag, in der er sagte: „Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen!“ Ich habe damals wie viele Jungen meiner Generation gejubelt. Ich wollte Soldat werden und dafür kämpfen, dass Deutschland die nach dem 1.Weltkrieg verlorenen Gebiete zurückbekam. Meine Eltern haben nicht gejubelt. Sie wussten, was Krieg bedeutet und mein Vater sah es nicht gerne, dass ich mich bereits mit 17 Jahren freiwillig zur Wehrmacht und zur Waffen-SS meldete. Aber ich hatte die nationalsozialistische Ideologie durch die Hitler-Jugend ihre militärischen Geländespiele und ihrer Heimabende verinnerlicht. Deshalb wollte ich zur Waffen-SS, weil ich sie als Elitetruppe der Wehrmacht sah.

Frage: Wie haben sie den Krieg erlebt?

Antwort: Ich habe als Wehrmachtssoldat der Waffen-SS-Division Wiking mit Deutschen, Norwegern, Finnen, Dänen, Niederländern und Belgiern nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 in der motorisierten Infanterie in der Ukraine und im Kaukasus gekämpft.

Frage: Die Waffen-SS wird mit der Ermordung sowjetischer Juden, aber auch mit der Ermordung jüdischer KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter in Verbindung gebracht. Was wussten Sie von diesen Kriegsverbrechen und waren Sie daran beteiligt?

Antwort: Weder  ich selbst noch Kameraden meiner Einheit waren an Erschießungen und Verschleppungen von Zwangsarbeitern beteiligt. Ich habe aber später im Lazarett von Verschleppungen von Zwangsarbeitern gehört. Ich sah mich als Soldat, der für sein Land in einem gerechten Krieg kämpft.  Ich wurde insgesamt 5 Mal verwundet. Bei meinen Heimatbesuchen 1943 und 1944 sah ich in Mülheim die grauenvollen Folgen des Luftkrieges. Vom gescheiterten Hitler-Attentat erfuhr ich am 20. Juli 1944 als Ausbilder in Ellwangen. Die Männer des militärischen Widerstandes waren für mich damals Hochverräter. Das Kriegsende 1945 erlebte ich in amerikanischer Kriegsgefangenschaft in Süddeutschland. Damals sah ich die ersten Fotos aus den befreiten Konzentrationslagern und hörte von den US-Soldaten erstmals vom Holocaust. Doch das wollte ich damals nicht glauben.

Frage: Wann begann bei Ihnen das Umdenken?

Antwort: Diese Erkenntnis setzte bei mir erst nach dem Ende der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse ein. Damals konnte ich die Fakten nicht mehr ignorieren. Ich musste von en Idealen meiner Jugend herunter. Das war für mich schwer und schmerzhaft. Mich überkam eine tiefe Scham und ich musste erkennen, dass wir von Hitler und von den Nationalsozialisten missbraucht und verheizt worden waren.

Frage: Wie sind Sie in der Demokratie angekommen?

Antwort: Ich habe mich in den ersten Nachkriegswahlkämpfen darüber geärgert, dass die Soldaten der deutschen Wehrmacht von den Kommunisten und Sozialdemokraten pauschal diffamiert wurden. Deshalb bin ich Anfang der 1950er in die FDP eingetreten, nachdem ich eine Rede des FDP-Bundestagsabgeordneten Erich Mende gehört hatte, indem er sich gegen eine pauschale Verurteilung der Soldaten in der Waffen-SS wandte. Später sollte Mende FDP-Bundesvorsitzender und Vizekanzler werden. Ich selbst habe mich später in der FDP am NRW-Innenminister Willy Weyer und am späteren Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff orientiert.

Frage: Wurde Ihnen Ihre Vergangenheit in der Waffen-SS zur politischen Belastung?

Antwort: Ich hatte Schwierigkeiten nach 1945 beruflich Fuß zu fassen und fand dann mit Hilfe meines Vaters eine Anstellung in der Finanzverwaltung. Politisch wurde ich natürlich angefeindet. Aber gerade die Ratskollegen, die unter den Nazis im Zuchthaus gelitten hatten wie etwa die Sozialdemokraten Heinrich Lemberg, Otto Striebeck und Kuschka mit denen ich ab 1964 im Stadtparlament zusammenarbeitete, haben mich nicht verurteilt, sondern mein Engagement für die Demokratie anerkannt. Auch mit dem sozialdemokratischen Oberbürgermeister Heinrich Thöne, der 1933 im Stadtrat gegen Hitlers Ehrenbürgerschaft gestimmt hatte, fand ich nach einem klärenden Gespräch bei meinem Antrittsbesuch im Rathaus zu einem guten Verhältnis. Ich habe ihm damals gesagt: „Ich will Ihnen nicht zeigen wie Demokratie funktioniert. Ich will von Ihnen lernen wie Demokratie funktioniert!“

Frage: Wie sehen Sie die heutige Politik?

Antwort: Das Aufkommen rechtspopulistischer Parteien macht mir Sorgen. Die Zersplitterung unserer Parlamente und unseres Parteiensystems weckt bei mir ungute Erinnerungen an die Weimarer Republik. Die politische Bildung muss gestärkt und Politik verständlicher erklärt werden. 

 Die Waffen-SS


Die ab 1927 von Heinrich Himmler geführte Schutzstaffel (SS) sah sich selbst als politische und militärische Elite der NSDAP. Himmler baute Waffen-SS ab 1934 als paramilitärischen Kampfverband auf, um das Waffenmonopol der Wehrmacht zu durchbrechen und eine im Sinne der NSDAP politisch zuverlässige Truppe innerhalb der Wehrmacht zu schaffen. 1944 kämpften etwas mehr als 900.000 Soldaten in 38 Divisionen der Waffen-SS. Bis zum Kriegende fielen 300.000 Soldaten der Waffen-SS. Der Historiker Arnulf Scriba schreibt  2015 in einem Beitrag für das Deutsche Historische Museum in Berlinüber die Rolle der Waffen-SS während des Zweiten-Weltkrieges „Den zum Teil beachtlichen militärischen Leistungen der Waffen-SS stand eine Vielzahl grausamster Kriegsverbrechen vor allem in den besetzten sowjetischen Gebieten gegenüber. Ihre Angehörigen setzten in der ihnen von den Nationalsozialisten zugedachten Funktion als "politische Soldaten" den angestrebten Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion mit exzessiver Härte um und unterstützten das Morden der Einsatzgruppen. Wie in Oradour-sur-Glane im Juni 1944 fiel die Waffen-SS aber auch auf den westlichen Kriegsschauplätzen durch Massaker an der Zivilbevölkerung auf. Noch in den letzten Kriegstagen erschossen fanatische SS-Einsatzkommandos im Deutschen Reich ungezählte Zivilisten und Soldaten, wenn diese in Verdacht standen, die deutsche Widerstandskraft zu schwächen.


Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...