Sonntag, 17. Juni 2018

Bischof Overbeck mahnt Kompromissbereitschaft beim Thema Asyl an

Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok (am Rednerpult)
und Ruhrbischof Dr. Franz-Josef-Overbeck im
Ratssaal
Mönchengladbach. Mit Blick auf die Asyl- und Finanzpolitik fordert der katholische Sozialbischof Franz-Josef Overbeck von der deutschen Politik mehr Solidarität mit den EU-Partnern. Zugleich warnte der Ruhrbischof am Freitag in Mönchengladbach vor populistischen Scheinlösungen. Nationale Alleingänge in diesen Politikfeldern widersprächen auch dem Interesse Deutschlands. "Demokratie braucht immer auch Kompromissbereitschaft", sagte Overbeck.

Angesichts populistischer Tendenzen in Ungarn, Polen, Griechenland und Italien plädierte Overbeck dafür, die europäische Integration stärker sozial zu flankieren. Auch der Wahlsieg Donald Trumps sei auf sozioökonomische Probleme zurückzuführen, "weil sich viele Industriearbeiter im Rust-Belt der USA angesichts ihrer schwindenden sozialen Teilhabe nicht mehr von den Demokraten vertreten fühlten". Der Ruhrbischof rief die Politik auf, "die in unserer Gesellschaft vorhandenen Ängste vor einer sozialen kulturellen Marginalisierung ernst zu nehmen".

Wie Overbeck sieht auch der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok Arbeitslosigkeit und soziale Abstiegsängste als Nährboden für Populisten. Heftige Kritik übte der Politiker an Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Es sei "nicht nur unchristlich und unsolidarisch, sondern auch dumm", die Flüchtlingsfrage nicht gesamteuropäisch und global, sondern durch nationale Abschottung lösen zu wollen.
Brok warnte die CSU davor, die Grundlagen des deutschen Wohlstandes zu gefährden. Aus kurzfristiger Wahltaktik heraus dürften Freizügigkeit und Solidarität in der EU nicht aufgegeben werden, auf die das Exportland Deutschland existenziell angewiesen sei. 45 Prozent des Wohlstands schöpfe Deutschland aus dem Export. Und dieser wiederum gehe zu 75 Prozent in die EU-Länder.

Deshalb wäre es aus Broks Sicht fatal, "wenn vor dem Hintergrund einer bayerischen Landtagswahl die europäischen Gestaltungsinstrumente zerstört würden". Die großen Fragen der Zukunft könnten die europäischen Nationalstaaten nicht allein lösen, weil sie gegenüber den globalen Großmächten USA, Russland und China zu klein seien. Brok forderte die EU auf, durch Flüchtlingsströme besonders geforderte Länder wie Griechenland, Italien, Malta, den Libanon und Jordanien nicht allein zu lassen. - Brok und Overbeck sprachen bei einer Tagung der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle.

KNA-Bericht vom 15. Juni 2018

Samstag, 16. Juni 2018

Gefährlicher Hochsprung

Nicht nur bei der Fußball-WM wird heute gespielt. Auch im Bundestag wird heute um 9.20 Uhr ein wichtiges Spiel angepfiffen. Anders, als bei der Fußball-WM steht der Spielausgang schon so gut, wie fest: Denn Union und SPD wollen sich mit ihrer Regierungsmehrheit etwas gönnen. Und das bedeutet, dass Sie und ich und wir alle zusammen als Steuerzahler es bezahlen müssen.

Denn die Parteien sollen mehr Geld für ihre politische Arbeit bekommen, nämlich 190 Millionen statt 165 Millionen Euro, und das, obwohl der Bundestag 2013 160 Millionen Euro pro Jahr, plus Teuerungszulage als "absolute Obergrenze" festgelegt hatte. Doch was ist heute schon absolut. Wir leben nicht mehr im Absolutismus, sondern in der Demokratie. Weil die Macht bei uns vom Volke, also von uns ausgeht, dürfen wir uns absolut sicher sein, dass die Parteien ihre Mehreinnahmen auf unsere Kosten für unerwartet teure Arbeit für die Demokratie, nur uns zu Liebe für ihre digitalen Botschaften via Internet, Facebook, Twitter und Co ausgeben wollen. Der manische Twitterer Trump lässt grüßen. Frau Merkel und Co müssen ja dagegenhalten, wenn unser großer ungezogener Bruder jenseits des Atlantiks seinen Unsinn im virtuellen Netz verbreitet.

Ob es unserer Demokratie und damit uns allen besser geht, wenn unsere Parteien mehr Geld zum Twittern und Posten haben, darf bezweifelt werden. Denn wir brauchen auch im digitalen Zeitalter nicht mehr Tweets, sondern Geld für gute Taten, die uns allen im Alltag gut tun, statt uns, wie so manche Web-Botschaft, zu belästigen und die Zeit zu stehlen. Daran sollte heute auch unser Bundestagsabgeordneter Arno Klare denken, wenn es im Schatten der Fußball-WM um einen Hochsprung in der Parteienfinanzierung geht, der spätestens bei der nächsten Wahl für die Parteien zum Eigentor werden könnte.

Dieser Text erschien am 15. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 14. Juni 2018

Wenn es einfach rund läuft

Wenn ihr Kollege in den nächsten Tagen und Wochen unausgeschlafen oder mit viereckigen Augen ins Büro kommt und in so manchen Familien ein heftiger Streit um die Fernbedienung ausbricht, weil sich Sportmuffel und Fußballfans unversöhnlich das Feld vor dem Fernsehgerät streitig machen, dann liegt das an der heute in Russland beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft. Ob Grillkohle, Schokoriegel, Limonade oder Brotaufstrich. Alles wird uns in diesen Tagen im schwarz-rot-goldenen Fußball-Design schmackhaft gemacht.


Erstaunlich. 22 Männer kämpfen um einen Ball und versuchen ihn im gegnerischen Tor zu versenken. Klimawandel,  Staatsverschuldung, Strafzölle, demografischer Wandel, Vermüllung der Meere, Krieg und Frieden. Das alles kann jetzt erst mal warten. Wir wollen Tore sehen, ob im Stadion oder in der Fankurve auf der Couch daheim. Warum ist Fußball weltweit so erfolg- und damit in unseren ökonomisierten Zeiten auch so ertragreich? Ganz einfach. Es ist ganz einfach, für alle nachzuvollziehen und mit klaren Regeln ausgestattet, über die unparteiische Schiedsrichter wachen und denen sich die Akteure auf dem Spielfeld nicht entziehen können. Wer gut spielt, schießt Tore und gewinnt. Wer sich daneben benimmt, bekommt eine gelbe und dann eine rote Karte und fliegt vom Platz. So klare Regeln würde man sich auch auf anderen Spielfeldern unserer Welt wünschen.

Dieser Text erschien am 14. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Mittwoch, 13. Juni 2018

Ein Schulbeispiel fürs Leben

Als ich gestern in der NRZ las, dass die Stadt und die Mülheimer Energiedienstleistungsgesellschaft Medl Kinder zu einem Mitmach-Zirkus einladen, kam mir spontan der Gedanke: Endlich erkennt mal jemand die Zeichen der Zeit. „Also lautet ein Beschluss:

Dass der Mensch was lernen muss“, wusste uns schon Meister Wilhelm Busch in seinen Max-und Moritz-Geschichten mitzuteilen:  So weit würden ihm bis heute alle Pädagogen und Eltern zustimmen.


Aber was soll man heute fürs Leben lernen? Wer schon etwas länger auf der Welt ist, weiß, dass sich das wahre Leben jeder Schulweisheit entzieht und zuweilen, wie der reinste Zirkus funktioniert, in dem nicht die klugen Köpfe, sondern so mancher dumme August oder Drahtseiltänzer den Ton und die Richtung vorgeben und nebenbei das eine oder andere Raubtier in Schach gehalten werden muss, damit es zu keinem größeren Unglück kommt.


Stadt und Medl haben also recht: Wer etwas fürs Leben lernen will, muss in die Zirkuslehre gehen, um etwa zu lernen, wie man einen Drahtseilakt bewältigt, sich als Dompteur klug und furchtlos große Tiere vom Leibe hält oder als Clown auch dann noch als letzter lacht und gute Miene zum bösen Spiel macht, ohne sein eigenes Ziel und seine eigene Dramaturgie aus dem Auge zu verlieren. Denn nur so bringt man am Ende seine Zuschauer zum Lachen und begeistert applaudieren zu lassen.


Dieser Zexz erschien am 13. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 12. Juni 2018

Das Geld liegt auf der Straße

Das Geld liegt auf der Straße.  Das hielt ich bisher nur für einen dummen Spruch. Doch gestern wurde ich eines besseren belehrt. Ausgerechnet auf meinem Weg zum Getränkemarkt fiel mir eine leere Bierflasche ins Auge, die herrenlos am Wegesrand herumlag. Einmal bücken macht acht Cent Pfand. Auch Glas- und Plastikflaschen, für die es 15 und 25 Cent Pfand gibt, habe ich schon vom Straßenpflaster aufgelesen.  Die Firma dankt und wundert sich, dass es auch im Zeitalter der allgegenwärtigen Mülltrennung offensichtlich immer noch Menschen gibt, die Pfandflaschen gleich nach ihrem Schluck aus der Pulle an Ort und Stelle liegen lassen.

Handelt es sich bei diesen Zeitgenossen um echte „Flaschen“, die nicht wissen, dass schon manches Leergut den finanziellen Grundstock für ein Abendessen oder ein Kaffeetrinken geliefert hat.

Oder sollte es sich bei diesen Flaschenablegern um durstige, aber eben auch selbstlose Zeitgenossen handeln, die ihren Mitmenschen mit einer unerwarteten Pfandflasche am Wegesrand eine Freude machen wollen. Doch wer das annimmt, glaubt wohl auch daran, dass der Osterhase die Eier versteckt, damit wir sie finden. 

Dieser Text erschien am 24. April 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 11. Juni 2018

Mobiles Mülheim

533. Meine Zahl des Tages. Sie erfuhr ich auf Anfrage gestern im Rathaus. 533 Autos kommen auf 1000 Mülheimer. Wenn man bedenkt, dass es viele Mülheimer gibt, die, so wie ich, gar kein Auto besitzen oder altersbedingt bestenfalls hinter dem Lenkrad eines Bobbycars oder eines Kettcars sitzen dürfen, dürfte der Trend bei manchen Mülheimern zum Zweitauto gehen. Denn legt man nur die erwachsene Stadtbevölkerung zugrunde, kommen in Mülheim sogar 632 Autos auf 1000 Einwohner. Da sind die Motorräder noch gar nicht mit eingerechnet. 

Ist der demografische Wandel unserer Stadtgesellschaft schon so weit voran geschritten, dass sich viele Mitbürger nur noch auf vier Rädern fortbewegen können. Doch eine andere Zahl aus dem Rathaus besagt, dass 30 Prozent der Mülheimer 60 Jahre und älter sind. Das bedeutet die Zahl der Menschen, die sich in einem Alter bewegen, in dem man immer öfter gefahren werden muss, hält sich, demografischer Wandel hin oder her, doch noch deutlich unter 100 Prozent. Das wäre ja auch noch schöner, wenn die Alterung in unserer offensichtlich PS-starken Stadt so rasant fortschreiten würde, wie ihre Motorisierung.

Das mag mancher Fußgänger, Radfahrer oder abgasgeplagter Anwohner mit Blick auf die klimaschädlichen Emissionen beklagen, doch immerhin zeigt diese Zahl, dass die Mülheimer ein mobiles Völkchen sind. Doch wie wird unsere Stadt aussehen, wenn wir immer mehr Menschen haben werden, die altersbedingt ihren Führerschein abgeben müssen und statt mit ihrem Auto mit einem Rollator oder einem Elektrorolli unterwegs sein werden. Wer weiß? Vielleicht bleiben dann mehr Menschen in unserer Stadt und kaufen hier auch ein und verbringen hier ihre Freizeit, so wie es ihre Großeltern und Urgroßeltern einst taten. Dann könnte die Demografie für unsere Stadt vielleicht sogar zum Konjunktur- und Klimaschutzprogramm werden. 

Dieser Text erschien am 11. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 10. Juni 2018

"Ein Lied kann eine Brücke sein!"


Der Projektchor für Tansania vor der
Kirche an der Wilhelminenstraße
Foto: Annika Landte
Musik verbindet. Das gilt in besonderer Weise für die 14 evangelischen Christen aus dem Kirchenkreis An der Ruhr, die vom 12. bis 30. Juli als menschliche und musikalische Botschafter die Evangelische Ortskirche im evangelisch-lutherischen Partner-Kirchenkreis des Nord-Distrikts von
Daressalam/Tansania vertreten werden.

Die Chorgeschwister, die in Kirchenchören der evangelischen Gemeinden Mülheims singen, bereiten sich in dem von Sven Schneider geleiteten Projektchor seit einem Jahr auf ihr musikalisches Gastspiel in Tansania vor. Zwei Stunden pro Woche proben sie im Gemeindehaus an der Wilhelminenstraße in Broich deutsche Kirchen- und Volkslieder, die sie allein und zusammen mit ihren Gastgebern in Tansania singen werden. Auch das „Steiger-Lied“ und Gerhard Tersteegens Kirchenlied „Gott ist gegenwärtig“ soll in Daressalam erklingen. Aber auch Chorliteratur aus Tansania und tansanische Landeskunde stehen auf ihrem gemeinsamen Probenprogramm.

„Afrika wartet. Wir werden Menschen erleben, die ein sehr intensives Glaubens,- Gemeinde- und Familienleben haben und keine leeren Kirchen kennen“, berichtet der Saarner Markus Weidemann. Er kennt das Land gut, weil er während der 1990er Jahren als Pfarrer in Tansania gearbeitet hat. Für seine Chorgeschwister Sven Schneider, Kirchenmusiker der evangelischen Linksruhr-Gemeinden, Elvira Hermann und Jürgen Wegmann, die aus der Kantorei der Vereinten Evangelischen Kirchengemeinde kommen, sind Afrika und Tansania hingegen Neuland.

„Ich freue mich auf eine intensive menschliche Erfahrung, auf die Buntheit der afrikanischen Kultur und auf eine Begegnung mit Menschen, die sich auf uns freuen“, sagt Hermann. „Ich freue mich vor allem darauf, den Alltag unsrer afrikanischen Gastgeber-Familien kennenzulernen, in denen wir leben werden“, erklärt Jürgen Wegmann, der Afrika bereits als Tourist bereist hat. Für den Afrika-Neuling Sven Schneider ist es als Kirchenmusiker: „spannend, wie unsere Gastgeber ihre und unsere gemeinsame Chorliteratur intonieren und inszenieren werden.“

Im Rahmen der 2007 begründeten Kirchenkreis-Partnerschaft zwischen dem deutschen Mülheim und dem tansanischen Norddistrikt von Darassalam besuchen sich evangelische Christen hier wie dort im Zwei-Jahres-Rhythmus und beschäftigen sich dabei jeweils mit einem Schwerpunktthema. Steht diesmal die Kirchenmusik im Mittelpunkt, so waren es bei den vorangegangenen Begegnungen die Themen HIV-Aids, Frauen- und Jugendarbeit. Mehr zum Thema findet man im Internet unter: www.tanasania.kirche-muelheim.de 

Dieser Text erschien am 28. Mai 2018 im Lokalkpmpass und in der Mülheimer Woche


Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...