Samstag, 3. Februar 2018

Die Kinder und Kollegen wird sie vermissen: Grundschullehrerin Jutta Putz geht nach 40 Berufsjahren in den Ruhestand


Jutta Putz
„Das ist ein schwerer Verlust und wir bekommen so schnell keinen Ersatz“, sagt die Rektorin der Grundschule an der Barbarastraße, Gabriele Ripholz. Am letzten Tag dieses Monats muss sie ihre Kollegin Jutta Putz in den Ruhestand verabschieden. Sie tut es auch deshalb mit besonders schwerem Herzen, weil mit Jutta Putz eine Grundschullehrerin mit 40-jähriger Berufs- und 63-jähriger Lebenserfahrung geht.

Kinder haben der zweifachen Mutter und Primarstufen-Pädagogin immer Freude gemacht. „Es ist schön, wenn man Kinder an der Kindertagesstätte abholt und sie dann über vier Jahre begleiten und formen darf“, sagt Putz. Trotz ihrer jahrzehntelangen Berufstätigkeit als Grundschullehrerin ist sie immer wieder davon fasziniert, „wie schnell sich die Kinder weiterentwickeln, wie begeisterungsfähig und wissbegierig sie sind.“
Aber die Mutter und Pädagogin hat ihren Beruf auch lange genug ausgeübt, um seine Veränderungen und neuen Herausforderungen kennenzulernen.

„Die Kinder sind heute unruhiger als früher. Früher waren aggressive und verhaltensauffällige Kinder für uns die reinsten Exoten. Heute haben wir es immer öfter mit solchen Kindern zu tun. Außerdem sind viele Eltern heute  beruflich sehr eingespannt oder sogar alleinerziehend und haben deshalb weniger Muße, um sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Deshalb erwarten sie von der Schule und deren Lehrern, dass sie ihre erzieherischen Probleme lösen“, beschreibt Putz den gesellschaftlichen Wandel und seine Auswirkungen auf ihr Klassenzimmer.
Die Ursachen für diese Entwicklung liegen für sie auf der Hand: 

„Ein Fernsehgerät und eine Playstation sind heute im Kinderzimmer ganz normal, das Gespräch am Mittagstisch oder Ausflüge in die Natur sind es aber leider nicht mehr. Viele Kinder wissen heute gar nicht mehr, woher ihr Gemüse kommt und wie und wo es wächst. Für sie kommt es einfach aus dem Supermarkt“, beschreibt Jutta Putz ihre Erfahrungen.

Dass sich heute viele angehende Pädagogen damit schwertun, ins Grundschullehramt zu gehen, ist für sie verständlich. „Das Studium für das Grundschullehramt dauert heute genauso lange, wie das Lehramtsstudium für die Sekundarstufen 1 und 2. Mit unserer Bezahlung bewegen wir uns aber immer eine ganze Gehaltsstufe unter unseren Kollegen an den weiterführenden Schulen“, macht Putz deutlich.

Was sie an ihrem Beruf aber immer geliebt hat, ist seine Vielseitigkeit. Als Grundschullehrerin war sie nie auf ein oder zwei Fächer begrenzt, sondern konnte Deutsch, Mathematik, Sachkunde, Kunst und Sport unterrichten. Andere Kollegen konnten nach einer entsprechenden Fortbildung auch Englisch und Religion an der Grundschule geben.

Viel wäre aus Sicht der bald pensionierten Primarstufen-Pädagogin für das Grundschullehramt gewonnen, wenn Grundschullehrer besser bezahlt und noch öfter, als dies schon heute der Fall ist, durch Sozialpädagogen im Unterricht unterstützt würden. Noch wichtiger wäre ihr aber eine Verkleinerung der Klassen (28 Kinder waren in ihren Klassen der Regelfall). „Wir brauchen kleinere Klassen, damit wir als Pädagogen noch individueller auf unsere Schüler und ihre jeweiligen Bedürfnisse eingehen können“, betont Putz.

Und wie sieht Jutta Putz ihrem Ruhestand entgegen? „Ich werde den strukturierten Tagesablauf mit den Kindern und Kollegen vermissen. Anfangs wird es für mich, wie Ferien sein. Und den Rest lasse ich dann einfach auf mich zukommen“, sagt sie.

Dieser Text erschien am 1. Februar 2018 in der NRZ und in der WAZ

Freitag, 2. Februar 2018

Das Organisationstalent: Unterwegs mit der Leiterin der städtischen Poststelle Zübeyde Cilga

Ein Blick auf den Artikel in der Lokalausgabe der NRZ
Wer Zübeyde Cilga begegnet, trifft eine Frau, bei der die Post abgeht. Und das nicht nur beruflich.

Denn die Leiterin der städtischen Poststelle, die mit vier Geschwistern aufgewachsen ist und zwei inzwischen erwachsenen Söhnen das Leben geschenkt hat, ist ein Familienmensch.
Wenn die 49-Jährige nicht in den fünf Räumen der Poststelle im Rathauskeller zwischen Rathausmarkt und Friedrich-Ebert-Straße unterwegs ist, ist sie  am liebsten mit Familienangehörigen und Freunden auf Tour. Doch bevor sich die Styrumerin beim Familienspaziergang an der Ruhr oder beim Einkaufsbummel ein Eis gönnen kann, muss sie von Amts wegen dafür sorgen, dass bei der Stadt die Post abgeht.

Sechs Kollegen und ein Auszubildender stehen ihr dabei zur Seite.
An diesem Arbeitstag, der, wie immer, umd sieben Uhr mit dem Check der eingegangenen E-Mails beginnt, schickt stellen ihr Team und sie die Briefe und Päckchen abhol-fertig für die Kollegen von der Post und die Pia bereit.

Danach bespricht sie mit Techniker Raimund Hirtz die Installation der neuen Frankiermaschine. „Die kann nicht nur Adressen, Absender und Portostempel, sondern auch Logos, wie etwa eine grüne Tanne mit dem Wunsch ’Frohe Weihnachten’ drucken, schildert der Techniker die Vorzüge der Maschine, deren Erscheinungsbild an eine Bügelmaschine erinnert.

„Rund eine Million Poststücke verlassen jährlich das Rathaus. Und alles was raus geht, kommt auch irgendwann wieder rein“, beschreibt Cillga der Poststelle, die sie seit zwölf Jahren leitet. „Ich habe vor 26 Jahren als Reinigungskraft angefangen. Danach habe ich als Botin gearbeitet, ehe ich vor 20  Jahren in die Poststelle wechselte“, beschreibt die in Anatolien geborene und in Styrum aufgewachsene Mülheimerin ihren beruflichen Werdegang. „Ich war mit meiner Arbeit in der Poststelle zufrieden. Doch mein damaliger Chef Klaus Kiesewalter fragte mich immer wieder: ‘Sie haben eine gute Ausbildung und können gut organisieren. Wollen Sie nicht mehr?’“, erinnert sie sich an frühe Gespräche mit ihrem Vorgänger.

Wenn man sie heute mit freundlicher Bestimmtheit durch die erstaunlich aufgeräumte Poststelle wirbeln sieht, in der kein Brief einfach so herum liegt, weil alle ein- und ausgehenden Briefe und Pakte sofort in Regale, Ablagefächer oder gelbe Postkisten wegsortiert werden, muss man Kiesewalter Menschenkenntnis bestätigen. Die Arbeitsatmosphäre mutet locker an. Aber windstille Ecken gibt es nicht. Die Chefin hat Weintrauben für den Vitamin-Haushalt mitgebracht. Ob beim Sortieren, Frankieren oder beim  Befüllen der Kuvertiermaschine: Cilga arbeitet an diesem Tag verstärkt mit, „weil“, wie sie berichtet: „Unser Auszubildender in der Berufsschule ist und eine Kollegin einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert.“

Und dann wird ihre Routinearbeit unterbrochen. Zwei Kollegen aus dem Sozialamt kommen mit 1000 Briefbögen und einem Faltblatt vorbei, die als Einladung zu einer Quartierswerkstatt verschickt werden sollen. Cilga hilft ihren Kollegen beim Vorsortieren, damit sich die Kuvertiermaschine nicht verschluckt.
Kaum rattern die Einladungsschreiben durch die Machine, kommt auch schon ein Anruf aus dem kommunalen Finanzmangement. Überstunden winken. Cilga bespricht mit ihrem Kollegen, wann und wie die entsprechenden Steuerbescheide verschickt werden müssen, wenn der Rat der Stadt im Dezember die Grundsteuer anheben sollte. Solche Post bekommt kein Mülheimer gerne. Das gilt natürlich auch für Bußgeld- oder Gebührenbescheide, die Poststelle im historischen Rathaus-Block C täglich verlassen, damit die Stadtkasse gefüllt werden kann und die Stadt die von ihren rund 3000 Mitarbeitern ausgeführten Dienstleistungen aufrechterhalten kann.

Apropos Finanzen. Welches Amt welche Post mit welchem Porto verschickt hat, kann Cilga jederzeit auf ihrem Computerbildschirm nachvollziehen.“Wir versuchen unsere Portokosten zu optimieren“, erklärt      Cilga. Davon erzählen auch die gelben Postkisten, in denen allle Briefe gesammelt werden, die innerhalb der Stadt verschickt werden. „Für diesen Briefverkehr bekommen wir als Stadt von der Post einen Bonus und müssen nicht die für einen Standardbrief üblichen 70 Cent bezahlen. Und in einer Wand voller Ablagefächer werden täglich die Postsendungen an benachbarte Stadtverwaltungen, die Bezirksregierung oder andere Institutionen sortiert, mit denen die Stadtverwaltung regelmäßig korrespondiert. „Wenn wir so etwa drei Briefe an die Bezirksregierung in einem Din-A-4-Umschlag für 1,45 Euro verschicken, statt jeden Brief einzeln in einem C-6-Umschlag für 70 Cent, spart das übers Jahr eine Menge Geld, erklärt die Leiterin der städtischen Poststelle den Mehrwert des porto-optimierten Versands. Kein Porto, aber die Kurier-Kosten für die Pia fallen beim rathaus-internen-Postverkehr zwischen den Ämtern an. „Früher wurde die Amtspost mit dem Boten-Wagen in jedes Vorzimmer der jeweiligen Amtsleitung gebracht und dort auch wieder abgeholt. Heute haben wir im Historischen und im Technischen Rathaus drei zentrale Sammelstellen, über die der Versand und die Verteilung der Rathaus-Post organisiert werden“, erläutert Cilga einen weiteren der finanzpolitischen  Optimierung geschuldeten Rationalisierungsschritt.

Dass die Stadt, trotz des Verzichtes auf betriebsbedingte Kündigungen, nicht erst seit gestern auch an ihrem Personal sparen muss, kann Cilga an der Tatsache ablesen, dass die Mitarbeiter-Zahl in der Poststelle in ihrer Zeit dort von 13 auf sieben zurückgegangen ist. Doch wenn die letzten Post- und Pia-Kurier mit ihrer Ladung die Poststelle verlassen haben, heißt es für Cilga und ihr Team „Feierabend!“ Bis 2013 ging für die Leiterin der städtischen Poststelle dann der Arbeitstag im Restaurant ihres Mannes weiter. Doch dieses Restaurant ist seitdem Geschichte. Jetzt kocht Zübeyde Cilga nur noch daheim für ihren Mann und ihre Söhne im Hotel Mama.

Dieser Text erschien am 31. Januar in der Neuen Ruhr Zeitung

Donnerstag, 1. Februar 2018

Welcher Narr darf es denn sein?

Mutter ist ein kölsches Mädchen und hat den Bazillus Carnevalensis mit der Muttermilch aufgesogen.

Und deshalb verstand sie gestern auch keinen Spaß, als sie in ihrer und damit in unserer Tageszeitung lesen musste, dass es doch viel zu viele Karnevalssendungen im Fernsehen gebe, obwohl es doch viele Karnevalsmuffel gebe. Mutters Argumente, waren, wie meistens , nicht von der Hand zu weisen. „Fragt mich eigentlich jemand, ob ich jeden Tag drei Tatorte mit Mord und Totschlag oder die Narren auf dem politischen und wirtschaftlichen Parkett sehen möchte. Da sehe ich doch lieber echte Karnevalsnarren, die mich mit ihrem höheren Blödsinn zum Lachen bringen.“

Man kann zum Karneval nun stehen, wie man will. Aber angesichts eines Siemens-Chefs, der in Deutschland Kraftwerks-Turbinen-Werke und ihre Arbeitsplätze abbauen will und gleichzeitig ihren Aufbau in den USA ankündigt, um dem närrischen Präsidenten  Donald Trump zu gefallen, kann man nur ebenso unvergnügt den Kopf schütteln, wie über den Eiertanz der Koalitionsverhandlungen, die nach dem Motto funktionieren: „Wer sich zuerst bewegt, hat verloren und muss regieren!“

Dieser Text erschien am 1. Februar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 30. Januar 2018

Wenn die Kanzel zur Bütt wird

Menschen, die zum Lachen in den Keller gehen, kennt man. Menschen, die zum Lachen in die Kirche gehen, kennt man nur, wenn man die närrischen Festmesse besucht, zu der Pastor Michael Clemens und die Karnevalisten gestern in die Sankt-Engelbert-Kirche einluden.  Da predigte  Pastor Clemens in bester Büttenrednermanier: „Ein besonders infames Stück, fies wie ein Abszess, heißt im Bistum Essen Pfarreientwicklungsprozess. (PEP) Bis 2030, das durften wir erfahren, müssen wir die Hälfte unserer Einkünfte einsparen. Knopf auf Spitz rechnen, alles zusammenraffen, am Ende ist es wohl Ziel, uns selbst abzuschaffen. Bei diesen Prozessen auch giftige Blüten sprießen. Es gibt Pfarrer, die sind Meister im Kirchen schließen.“  

Kein Wunder, dass der Pastor mit Pepp gegen den PEP predigte und dabei keinen Spaß versteht, wenn es auch um die Zukunft seiner Kirche geht. Doch er tat auch die Wahrheit kund, dass für die Zukunft der Kirche nicht die  Kirchenmauern, Kirchenräte und Prälaten entscheidend sind, sondern die Menschen,  die an der Basis auch ohne Amt und Würden, die Frohe Botschaft ins Werk setzen und dafür sorgen, dass wir das Lachen nicht verlernen, ob wir nun Christenmenschen sind oder nicht.

Dieser Text erschien am 22. Januar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung


Zwischen Kirchenhügel und Ruhr: Ein Zeitsprung an der Delle

Wir schauen auf die Delle in Richtung Kirchenhügel und landen im Jahr 1932. Ein Foto aus dem Stadtarchiv macht es möglich. Im Hintergrund sehen wir noch die unzerstörte Marien- und die Petrikirche. Rechterhand, allerdings auf dem historischen Foto nicht mehr sichtbar steht damals auch noch die lutherische Paulikirche, die bei den alten Mülheimern auch eine beliebte Kirche für Hochzeits- und Werktagsgottesdienste war.
Die um 1880 errichtete (zweite)  Paulikriche überstand den Zweiten Weltkrieg, wurde aber 1971 gegen vehemente Bürgerproteste abgerissen. An ihrer Stelle sollten damals unter anderem Altenwohnungen errichtet werden. Doch dazu kam es nicht. Wo einst die Paulikirche stand, parken heute Autos. Bis zu seinem Abriss, in den frühen 1980er Jahren, stand hier noch ein windschiefes Fachwerkhaus, in dem die Grünen ihre erste Geschäftsstelle hatten. Die Häuser auf der linken Straßenseite fielen im Juni 1943 fast alle dem schwersten von 160 alliierten Luftangriffen auf Mülheim zum Opfer.

Im Vordergrund sehen wir links das alte Haus der Heimatkundlichen Vereine mit seínem Aquarium. Heute sehen wir dort seit 1989 die Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse. Auf der rechten Straßenseite befinden sich heute ein Auktionshaus für Antiquitäten und ein modernes Möbelhaus. Bereits im 17. Jahrhundert wird die Delle als leicht abfallender Weg vom Kirchenhügel zur Ruhr erwähnt. Die Delle, die ihren heutigen Straßennamen erst 1859 erhielt. war im alten Mülheim so etwas, wie die Haupt- und Geschäfsstraße der Stadt. Hier wohnte und regierte auch Bürgermeister Christian Weuste, ehe er 1842 das erste Rathaus am Rathausmarkt errichten ließ.

Dieser Text erschien am 29. Januar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 29. Januar 2018

Man(n) folgt einer starken Frau

Manchmal streichelt einen   ein Sonnenschein, obwohl die Wetterlage trübe ist. Mir begegnete jetzt ein doppelter Sonnenschein, namens Paula und Max. Paula (5) und Max (3) kreuzten meine Wege, als sie zusammen mit ihren Eltern im Drogeriemarkt meines Vertrauens einkauften. Natürlich übernahm Charlotte mit ihrem weiblichen Einkaufswagen die Führung und nahm ihren kleinen Bruder resolut an die Hand, um ihn zielsicher von einem Regal zum nächsten zu führen und ihren kleinen Einkaufswagen mit Zahnbürsten, Zahnpaste, Lutschbonbons und Papiertaschentüchern zu füllen.

Nicht nur die Eltern hatten ihre Freude daran, als die beiden kleinen Einkäufer alle Zahnbürsten unter die Lupe nahmen, um herauszufinden, welche von ihnen „die coolste und bunteste“ sei. „Träumst, du Max?“ fragte Paula ihren Bruder, als er etwas unschlüssig zwischen den zahlreichen Regalen und Gängen stehen blieb, ehe er sich dann doch seiner Schwester anschloss, die zielsicher den Weg zur Kasse fand und sich dort die Waren von ihrem Bruder anreichen ließ, um sie aufs Laufband der Kasse zu legen. So lernt Man(n) schon früh, wer einer starken und klugen Frau folgt, kommt schneller ans Ziel.

Dieser Text erschien am 29. Januar 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 28. Januar 2018

Sankt Mariae Geburt und Sankt Mariä Himmelfahrt stellen die Weichen für ihre Zukunft

Die Pfarrkirche St. Mariae Geburt
Weniger katholische Christen, weniger Priester und weniger Kirchensteuereinnahmen. Von dieser Erwartung sind auch die Gemeindevoten der Pfarreien St. Mariae Geburt und St. Mariae Himmelfahrt geprägt, die jetzt öffentlich vorgestellt und an der Ruhrbischof weitergeleitet wurden. Mit der Entscheidung des Bischofs rechnen die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte bis Ostern.
Während in St. Mariä Himmelfahrt Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat einstimmig das Gemeindevotum beschlossen, gab es in St. Mariae Geburt eine Gegenstimme und eine Enthaltung. In Mariae Geburt fürchtet man, dass die Pfarrei in acht Jahren insolvent sein könnte, wenn jetzt nicht kostensparend gegengesteuert wird. In beiden Pfarreien haben sich in den vergangenen zwei Jahren weit mehr als 200 Gemeindemitglieder aktiv in den Beratungsprozess eingebracht. Beide Gemeindevoten betonen das Primat der pastoralen Arbeit und die Absicht, diese an allen vorhandenen Gemeindestandorten zielgruppenorientiert fortsetzen zu wollen. Da sich die Priesterzahl bis 2030 auf sechs halbieren wird, betonen beide Pfarreien die Notwendigkeit verstärkt ehrenamtliche Begräbnisleiter und Wortgottesdienstleiter ausbilden zu müssen.
In beiden Pfarreien leben zurzeit noch 16.000 Katholiken. Beide Pfarrgemeinden haben in den vergangenen 20 Jahren etwa 5000 Gemeindemitglieder verloren. In St. Mariae Geburt rechnet man bis 2030 noch einmal mit einem Gemeindemitglieder-Rückgang von 15 Prozent, der vor allem der allgemeinen Überalterung geschuldet ist.
Alle vorgeschlagenen Konsolidierungsmaßnahmen werden nicht sofort, sondern schrittweise im Laufe des kommenden Jahrzehnts umgesetzt.
Für St. Mariae Geburt (mit den Stadtteilen Stadtmitte, Heißen und Holthausen) bedeutet das: Aufgabe des Pfarrheims an der Althofstraße und der Begegnungsstätte an der Pastor-Jakobs-Straße und des Theresia-Gemeindeheims in Heißen-Heimaterde, Suche nach einem alternativen Finanzierungsmodell für die Altenwohnungen an der Pastor-Jakobs-Straße, Umbau der Heißener Josephskirche zur Seniorenwohnanlage mit Gottesdienstort. Die Theresiakirche in Heißen-Heimaterde wird zu einem multifunktionalen Kirchen- und Veranstaltungsraum umgebaut. Die Pfarrkirche St. Mariae Geburt soll künftig verstärkt für Konzerte genutzt werden. Das Pfarrhaus von St. Joseph und die Räume oberhalb der Sakristei von St. Mariae Geburt werden künftig für die kirchliche Jugendarbeit zur Verfügung stehen. In der Pius-Kappel von St. Mariae Geburt soll künftig der Bedürftigen-Mittagstisch stattfinden.
Die Heilig-Geist-Kirche in Holthausen wird entweder Jugendkirche des Bistums oder, wie das bereits beim Gemeindeheim der Fall ist, künftig durch einen privaten Förderverein unterhalten. Die Entscheidung darüber fällt spätestens bis Ende des Jahres.
Personalpolitisch empfehlen Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat, sich mit der Pfarrgemeinde St. Barbara eine Verwaltungsleiterstelle zu teilen und die Kirchenmusikerstelle für den Gemeindebereich Heißen-Heimaterde um 50 Prozent zu reduzieren. Diese Personalreduzierung soll sozialverträglich bewältigt werden, sobald die aktuellen Stelleninhaber pensioniert werden.
In der Pfarrgemeinde St. Mariae Himmelfahrt wird es bereits ab Ostern 2018 nur noch ein zentrales Gemeindebüro an der Klosterkirche in Saarn geben. Unter der Voraussetzung, dass sich keine alternativen Finanzierungsmodelle finden lassen, will die Links-Ruhr-Pfarrei, zu der die Stadtteile Saarn, Speldorf, Broich und Selbeck gehören, bis 2030 die Elisabethkirche in Saarn und ihr Pfarrhaus, die Herz-Jesu-Kirche und ihr Gemeindezentrum in Broich und die Pfarrhäuser von St. Michael (Speldorf) und St. Theresia (Selbeck) aufgeben.

Die Gemeindevoten der beiden Pfarreien finden sich auch im Internet unter: www.kirchengemeinde.net sowie unter: www. Pfarreimariaegeburt.de

Dieser Text erschien am 28. Januar 2018 im Neuen Ruhrwort

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...