Dienstag, 31. Oktober 2017

Luther und den Heiligen sei Dank

Das ist ja ein Gefühl. wie Weihnachten. Und das auf der Schwelle vom Oktober zum November. Nicht nur in den Supermärkten machte sich gestern Hektik breit. Da wurde eingekauft, als gäbe es kein morgen mehr.

Wie gesagt: Ein Gefühl, wie Weihnachten, weil wir zwei Feiertag überleben müssen, ohne einzukaufen und von einem geschäftigen Termin zur nächsten Erledigung zu eilen. Mein Gott, wie sollen wir das überleben? „Nur keine unchristliche Hast“, pflegte meine Großmutter in solchen Momenten zu sagen. Und tatsächlich haben die beiden Feiertage, die uns besinnungslosen und konsum-gestressten Workaholics geschenkt worden sind, man glaubt es kaum, etwas mit dem Christentum zu tun. Nicht um Weihnachten und Ostern geht es da. Gab es denn noch was anderes? Pfingsten ist doch auch schon vorbei. Ach, ja: Der 500. Reformationstag und Allerheiligen stehen auf dem Kalender. 

Ökumenischer geht es nicht. Luther und den katholischen Heiligen sei Dank. Und nun stehen wir hier, wie einst Luther in Worms und können nicht anders, als uns in aller Freiheit eines Christenmenschen mal mit uns selbst zu beschäftigen und dabei herauszufinden, was uns wirklich gut tut.

Dieser Text erschien am 31. Oktober 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Montag, 30. Oktober 2017

Ausgeschlafen!?

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag konnten wir unsere Uhr um eine Stunde zurückdrehen und so eine Stunde zurückgewinnen, die uns bei der Sommerzeit-Umstellung im März weg genommen wurde. Und was haben wir mit dieser Stunde gemacht. Wahrscheinlich haben wir sie verschlafen. Dabei müssten wir es doch besser wissen, seit uns Theo Mackeben 1938 in unser Liederbuch hineindichtete: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Die Nacht ist da, dass was geschieht!“

Dabei kann man nicht sagen, dass nichts in der Nacht geschähe, wenn man sie alleine oder zuzweit verschläft. Nicht umsonst verschlafen wir,  statistisch betrachtet ein Drittel unseres Lebens. Täten wir es nicht, hätten wir auch an den restlichen zwei Dritteln unseres Lebens nicht mehr viel Freude. Mangels Schlaf gingen wir als seelisches und körperliches Wrack zu grunde.

Und wenn man von Politikern und Managern hört, die sich rühmen, sie könnten ganze Nächte durch verhandeln und mit vier Stunden Nachtschlaf auskommen, wundert einen nichts mehr, wenn man unsere zuweilen geradezu hysterischen Zeitläufte und die kurzatmigen Entscheidungen  von Staats- und Wirtschaftslenkern morgens mit der Zeitung auf den Frühstückstisch geknallt bekommt.

Wenn Sie also, wie ich die ausgeliehene Stunde Samstagnacht verschlafen haben, seien Sie froh. Denn wer schläft sündigt nicht und schöpft neue Kraft für ausgeschlafene Ideen und Taten. Insofern würde man auch dem einen oder anderen Entscheidungsträger die eine odere Zeitumstellung, verbundenen mit einer zusätzlichen Stunde Schlaf wünschen, damit es für uns alle kein böses Erwachen gibt.

Dieser Text erschien am 30. Oktober 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Sonntag, 29. Oktober 2017

Eine ganz besondere Währung

Mir steckt ein evangelischer Pfarrer einen Geldschein zu. Das überraschte mich. Normalerweise wollen Pfarrer und ihre Helfer Geld bekommen. Der Klingelbeutel und die Kirchensteuer lassen grüßen. Aber wenn es einem guten Zweck und dem Seelenheil dienst. Doch halt. War da nicht vor 500 Jahren ein Mönch namens Martin Luther, der dem römischen Dombaumeister , Papst Julius II. klarzumachen versuchte, dass das Seelenheil  nicht käuflich sei.

Und während der Katholik noch darüber nachdenkt, wofür er den unerwarteten evangelischen Geldsegen verwenden könnte, sieht er auf der unerwarteten Banknote die rote Silhouette des Reformators und daneben eine dicke Null. Luther, eine Null? Und diese Botschaft aus der Hand eines evangelischen Pfarrer. Gott steh uns bei. Doch gleich über der roten Null stand der erhellende und erlösende Satz: „Gottes Gnade gibt es umsonst!“ Ob ich mit dieser Währung auch meinen Einzelhändler und meinen Vermieter erweichen kann? Doch während ich an der Kasse so vor mich hin sinniere und den mir noch fehlenden Cent suche, reicht ihn mir ein großzügiger Zeitgenosse von hinten an. Ich  danke und begreife den unbezahlbaren Wert der Herzenswärme.

Dieser Text erschien am 27. Oktober 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 28. Oktober 2017

Integrationsrat zeichnet den Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport aus

Oberbürgermeister Ulrich Scholten (links), Alfred Beyer vom VBGS
und die Vorsitzende des Integrationsrates, Emine Arslan.
Foto. Walter Schernstein
Alfred Beyer und sein Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS) werden in diesem Jahr mit dem Preis des Integrationsrates ausgezeichnet, Der Preis ist mit 400 Euro dotiert. »Das Geld können wir gut für Spiel und Sportgeräte gebrauchen«, freut sich Beyer.
Die Auszeichnung wird am 7. November im Haus der Stadtgeschichte vorgenommen. »Mit diesem Preis ehren wir besondere Verdienste für ein gedeihliches Miteinander und gegenseitige Integration«, betont die Vorsitzende des 24-köpfigen Integrationsrates, Emine Arslan. Diese Verdienste sieht sie auf Seiten des 1989 gegründeten VBGS und seines rührigen Vorsitzenden Alfred Beyer. Dort können viele Kinder aus Zuwandererfamilien und Familien der deutschen Ursprungsgellschaft gemeinsam Sport betreiben und sich so gegenseitig kennen- und schätzen lernen.


Anfängliche Berührungsängste überwunden

»Bei den Elternhäusern gab es anfangs Berührungsängste. Doch bei den Kindern spielen Handicap oder Herkunft keine Rolle«, berichtet Beyer aus seiner Sport-Praxis. An drei Tagen in der Woche bietet der Verein in der Schule an der Rembergstraße und in der Waldorfschule an der Blumendeller Straße Schwimmkurse und Bewegungsspiele an. Die Kurse und Spiele sind für Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap gedacht und leisten so eine doppelte Integrationsarbeit.

»Inzwischen sagen uns immer mehr Eltern: Wir lassen unsere Kinder gerne bei euch schwimmen und Sport betreiben, weil sie sich so spielerisch mit der Tatsache auseinandersetzen und anfreunden können, dass unsere Gesellschaft bunt- und das Anderssein in ihr normal ist«, freut sich Beyer über die Entwicklung der letzten Jahre. Inzwischen haben 50 Prozent der 180 VBGS-Mitglieder einen Zuwanderungshintergrund.


Ehrenamtliche werden gesucht und benötigt

Gemeinsam ist dem Vorsitzenden des VBGS und der Vorsitzenden des Integrationsrates aufgefallen, dass immer weniger Menschen bereit sind, sich ehrenamtlich zu engagieren, weil sie familiär und beruflich genug voll gefordert sind. Wer den VBGS oder den Integrationsrat mit seinen Fähigkeiten ehrenamtlich unterstützen möchte, erreicht Alfred Beyer unter der Rufnummer 0177-4456789 und Emine Arslan unter der Rufnummer: 0152/51476329. 

Dieser Text erschien am 25. Oktober im Lokalkompass & und in der Mülheimer Woche

Freitag, 27. Oktober 2017

Neues Hildegardishaus entsteht: Die Contilia setzt aus finanziellen und technischen Gründen auf einen Neubau statt auf einen Umbau

Das neue Fildegardishaus in einer Computeranimation der Contilia-Gruppe
Broich An der Kirchstraße haben die Bauarbeiten für das neue Hildegardishaus begonnen. Bauherr, Betreiber und Investor ist die Pflege- und Betreuungs GmbH der Contilia Gruppe. Ihr Geschäftsführer Thomas Behler geht davon aus, dass die Bauarbeiten im vierten Quartal 2018 abgeschlossen werden können.

Auf vier barrierefreien Etagen entstehen vier Wohngruppen mit 56 Einzelzimmern. Das Investitionsvolumen beziffert Behler mit sechs Millionen Euro. „Ein Neubau kommt uns am Ende nicht teurer und erleichtert eine moderne und barrierefreie Gestaltung des Hauses“, begründet der Geschäftsführer die Entscheidung gegen den ursprünglich geplanten Umbau des alten Hildegardishauses. So wird der Haupteingang des neuen Hildegardishauses an der Kirchstraße über eine Rampe ebenerdig erreichbar sein. Vor dem Haupteingang des alten Hildegardishauses musste man drei Stufen überwinden.

Thomas Behler schätzt, dass 60 Mitarbeiter im neuen Hildegardishaus tätig sein werden.

Im abgerissenen Hildegardishaus der katholischen Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, das zuletzt als Flühtlingsunterkunft genutzt worden war, wohnten bis 2014 44 Senioren. Sie zogen damals ins neue Contilia-Altenheim am Schloss Broich um. Damals hatte Contilia, die das Hildegardishaus seit 2009 betreibt, das Investitionsvolumen für den Neunbau am Schloss Broich und den damals noch geplanten Umbau an der Kirchestraße mit 10,2 Millionen Euro veranschlagt.

Seit 2016 betreibt die Contilia auch das Engelbertusstift an der Seilerstraße. Außerdem besorgte die Gruppe im Auftrag der Vereinigen August-Thyssen-Stiftungen die Verwaltung und das Management des Franziskushauses. Auch das Sankt-Marien-Hospital gehört zur Contilia-Gruppe.
1954 eröffnet

Die damalige Pfarrgemeinde Herz Jesu eröffnete das dreigeschossige Hildesgardishaus 1954. Anfangs fanden 20 Senioren dort ein Zuhause, das von Franziskamerinnen betreut wurde. Die Baukosten des Hauses wurden damals mit 180 000 Mark angegeben. Der Betrieb des Altenheims, das später zunächst 30 und dann 40 Bewohnern ein betreutes Heim verschaffte, wurde zu je einem Drittel von der Stadt, der katholischen Pfarrgemeinde Herz Jesu und dem Land NRW finanziert. Über zwei Jahrzehnte führten die Franziskanerinnen das Haus, ehe sie aus Altersgründen und mangels Ordensnachwuchs ihre Stellung räumen mussten. Die Pfarrgemeinde Herz Jesu wurde mit der katholischen Gemeindeumstrukturierung 2006 Teil-Gemeinde der Pfarrei St. Mariä Himmelfahrt. Sie trat damit ihre Eigentumsrechte am jetzt abgerissenen Hildegardishaus und dessen Grundstück an die neue Groß-Pfarrei Mariä Himmelfahrt ab, Die ließ das Hildegardishaus bis zum Betreiberwechsel 2009 von der Altenhilfe- und Betriebsgesellschaft St. Engelbert führen.

Die Contilia-Gruppe


2014 schlossen sich die Contilia GmbH und die katholischen Kliniken der Ruhrhalbinsel zur Contilia-Gruppe zusammen.  Die Gruppe beschäftigt 4500 Mitarbeiter in den Bereichen Gesundheit und Pflege. Sie betreibt sechs Krankenhäuser mit 1400 Betten, zu denen auch das 1887 gegründete St. Marien-Hospital gehört.  Darüber hinaus gehören elf Senioreneinrichtungen, stationäre wie ambulante Rehabilitationseinrichtungen und ambulante Pflegedienste zur Gruppe.

Dieser Text erschien am 27. Oktober in NRZ/WAZ


Donnerstag, 26. Oktober 2017

Das neue Prinzenpaar steht fest: Jürgen Wisniewski und Janine Müller aus der Karnevalsgesellschaft Blau Weiß trainieren schon für ihre Proklamation am 11.11. in der Stadthalle

Noch sehen Janine Müller und Jürgen Wisniewski aus, wie du und ich. Doch das ändert sich am 11.11. Denn dann schwingen sie als Stadtprinzessin und Stadtprinz das närrische Zepter.
Mit ihren Paginnen  Jennifer Kolkmann und Karina Pütz wollen sie unter dem Sessionsmotto: „Rund um die (R)uhr regiert die mölmsche Freude nur.“ für gute Laune sorgen.

Das Tollitätenteam der Session 17/18 kommt aus der KG Blau Beweiß. Jürgen Wisznewski und Janine Müller kennen sich seit vielen Jahren als Mitglieder des legendären Kostüm-Tisches 8. An diesem Tisch sitzt bei jeder Prunksitzung der KG-Blau Weiß im Altenhof ein im Mannschaftslook verkleideter Freundeskreis, zu dem auch ihr Hofmarschall Ulrich Pütz, SPD-Landtagsabgeordnete Hannelore Kraft und der Präsident der Roten Funken, Heino Passmann, gehören. Am letzten Karnevalssamstag sorgten sie dort als Schlumpf-Familie für Spaß an der Freude.

„Wir sind gesellige Menschen und feiern gerne“, sagen Wisznewski und Müller über sich selbst.

Zusammen mit ihren Hofmarschall und ihren Paginnen bereiten  sich die kommenden Tollitäten seit Aschermittwoch auf ihre närrischen Pflichten vor. Da wird an der Proklamation und an einem Bühnenprogramm gebastelt. Doch verraten wollen Janine Müller und Jürgen Wisniewski noch nichts. „Es soll ja eine Überraschung für die Jecken werden, die am 11. November um 19.30 Uhr zu unserer Proklamation in den Festsaal der Stadthalle kommen“, betonen der Elektro-Ingenieur und die Mitarbeiterin eines Maler- und Anstreicher-Familienbetriebs. Und sie fügen hinzu: „Es wird sich für alle lohnen.“

Auch wenn sich der Noch-49-Jährige und die 42-Jährige „darauf freuen, den Karneval jetzt mal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen“, geben sie zu, dass sich in den letzten Tagen bei ihnen schon etwas Lampenfieber breit macht.

„Wir haben beide Ehepartner, die selbst gerne Karneval mit der KG Blau Weiß feiern und uns in der Session den Rücken freihalten werden, aber keine Lust haben, auf der  Bühne zu stehen“, erzählt Jürgen Wisniewski.

Auch Hofmarschall Ulrich Pütz, zuletzt Leiter des Rosenmontagszuges, wird dem Stadtprinzenpaar den Rücken freihalten und den Weg freimachen. „Bisher haben wir 150 Termine in unserem Kalender. Aber es können noch mehr werden“ sagt Pütz.
Janine Müller hat bereits als Mädchen in der Tanzgarde einer Oberhausener Karnevalsgesellschaft erste Bühnenerfahrungen gesammelt. Und Jürgen Wisniewski ist nicht nur in der Karnevalsgesellschaft Blau Weiß, sondern auch im Fußballverein TSV Broich 85 zuhause.

Der neue Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval, Markus Uferkamp, freut sich, dass auch in dieser Session VW Wolf als Sponsor für das Prinzenmobil gewinnen konnte.
„Wir sind organisatorisch gut aufgestellt“, sagt Ex-Prinz Uferkamp über die 1500 Aktive zählende Gemeinschaft der Mülheimer Karnevalisten, die sich in 13 Gesellschaften organisiert.

„Obwohl sich die 2001 gegründete KG Düse aufgelöst hat, konnten wir inzwischen mit der KG  Ander, als eine neue Gesellschaft aufnehmen, die unter anderem mit einer integrativen Tanzgruppe und einem Musikzug auftreten wird“, berichtet der Geschäftsführer des Hauptausschusses, Hans Klingels, den Stand der närrischen Dinge. Die neue Gesellschaft hat, laut Klingels, aktuell 36 Mitglieder und wird vom Wagenbauer Jörg Schwebig angeführt.

Dieser Text erschien am 21. Oktober 2017 in der NRZ und in der WAZ

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Vor und hinter den Kulissen

Gehören Sie auch zu den Menschen, die ihren Lebensunterhalt im Schweiße des eigenen Angesichtes und unter Verdrehung ihrer grauen Zellen verdienen.

Ich glaube, wir haben einen Fehler gemacht. Wir hätten bei Zeiten zum Film oder in die Werbung gehen sollen. Dort sind die Menschen immer gut gelaunt und lassen sich auch von so profanen Dingen, wie    Arbeit nicht von den schönen Dingen des Lebens abhalten.  Sie fahren mit ihrem neuen Auto über leere Straßen. Sie schlemmen, naschen und trinken, ohne dass sich ihr Vorzeige-Körper dadurch verformen würde. Sie genießen das süße Leben, bestens gekleidet und immer makellos frisiert an den schönsten Orten der Welt. Und auch ihre Familienangehörigen strahlen um die Wette und sind immer gut drauf.


Und wir? Wir ärgern uns in den Niederungen des Alltagslebens über seine menschlichen und materiellen Widrigkeiten. Und dabei sehen wir oft ganz schön alt aus und gucken dumm aus der alles andere als porentief reinen Wäsche. Was haben wir falsch gemacht? Nichts! Es sei den, wir verwechseln Schein und Sein und vergessen: Wenn der Film endet, wird abgeblendet. Der Rest ist Schweigen und Dunkelheit.

Dieser Text erschien in der Neuen Ruhr Zeitung vom 25. Oktober 2017

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...