Montag, 4. Dezember 2023

Mülheim nach dem Krieg

Der Zweite Weltkrieg endet in Mülheim am 11. April 1945 mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen. In den Tagen zuvor hat die US-Artillerie die Stadt mit ihren 88.000 verbliebenen Bewohnern sturmreif geschossen. Oberbürgermeister Edwin Hasenjäger hat die Lebensmittelvorräte der Stadtverwaltung aufgelöst und an die Bevölkerung verteilen lassen. Er wird von den GIs, die Mülheim besetzen, verhaftet und interniert. Am 5. Juni 1945 wird Mülheim teil der britischen Besatzungszone. 

Die britische Militärregierung setzt Hasenjäger wieder als OB ein und ernennt im August 1945 zwölf politisch unbelastete Mitglieder eines Bürgerausschusses. Dieser konstituiert sich am 3. August 1945 im Standesamt des kriegsbeschädigten Rathauses. Der Bürgerausschuss berät die britische Militärregierung und wir wenig später von einer, ebenfalls ernannten. Stadtvertretung abgelöst. Ihr gehören 43 Frauen und Männer an. Im Mai 1946 veröffentlicht die britische Militärregierung einen Aufruf, der die Mülheimer dazu auffordert, wieder Herr im eigenen Haus zu werden. Damit bereiten die Briten die Bürger der Stadt, auf deren Straßen fast eine Million Kubikmeter Trümmerschutt liegen, auf die ersten Nachkriegs-Kommunalwahlen vor. Diese werden am 13. Oktober 1946 abgehalten und nach dem britischen Mehrheitswahlrecht abgehalten. Die im August 1945 gegründete CDU, die als Christlich-Demokratische Union  evangelische und katholische Christen in einer Volkspartei vereinen will, geht aus diesen Wahlen als stärkste Partei hervor. Die 1945 wieder begründeten Sozialdemokraten werden zweitstärkste Kraft im neuen Stadtrat, der sich am 4. November in der Schulaula an der Von-Bock-Straße konstituiert. Auch Liberale und Kommunisten sind im neuen Stadtparlament vertreten, das den Christdemokraten Wilhelm Diederichs zum ersten Oberbürgermeister der Nachkriegszeit wählt. 

Dem Vorbild der britischen Kommunalverfassung folgend, ist der selbstständige Kaufmann Diederichs, der vor 1933 im Zentrum politisch aktiv war, ehrenamtliches Stadtoberhaupt und Vorsitzender des Stadtrates. An die Spitze der Stadtverwaltung tritt mit dem parteilosen Josef Poell ein hauptamtlicher Oberstadtdirektor. Poell, der zuvor Personalchef und stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt war, wird dieses Amt bis zu seinem Tod 1953 ausüben. 

Ebenfalls 1953 wird Mülheim für trümmerfrei erklärt. Dennoch prägen die Kriegsschäden, ein Drittel der Wohnbebauung wurde durch den Krieg zerstört und rund 7000 Mülheimerinnen und Mülheimer getötet, noch etliche Jahre das Stadtbild. Der Wiederaufbau hat erst mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948 Fahrt aufgenommen. Der Währungsschnitt und die Einführung der D-Mark, die anfangs nur in Banknoten ausgegeben wird, bedeutet für die Menschen in unserer Stadt, dass ihre alten Reichsmark-Sparguthaben im Verhältnis von 1:10 abgewertet werden. Neben den politischen Parteien haben die Briten auch Gewerkschaften und Zeitungen lizensiert und zugelassen. Unter dem Vorsitz von Heinrich Melzer gründen 1500 Mitglieder am 12. August 1946 im Speldorfer Tengelmann-Saal den Freien Gewerkschaftsbund (FDGB), der sich ab 1949 Deutscher Gewerkschaftsbund nennt. Erstmals sind mit dem FDGB und dem DGB partei- und konfessionsübergreifende Einheitsgewerkschaften entstanden. 

Pressetechnisch setzen die Briten zunächst auf ihre eigene Ruhrzeitung, die sie als lokales Mitteilungsblatt nutzen. Doch 1946 erhalten Dietrich Oppenberg (Rhein Echo/Neue Ruhr Zeitung) und Anton Bertz (Rheinische Post) erstmals politisch unbelastete Neu-Verleger Lizenzen für die Herausgabe einer parteinahen Zeitung, die die gesellschaftspolitische Debatte fördern und moderieren sollen. Während die NRZ der SPD nahe steht, versteht sich die Rheinische Post als Sprachrohr der CDU. In Mülheim treten die CDU-nahen Ruhrnachrichten 1949 an die Stelle der Rheinischen Post. Die zunächst als Mülheimer Tageblatt erscheinenden Ruhrnachrichten sind bis 1976 Teil der lokalen Presselandschaft. Für die NRZ gilt das bis 2018, während die Westdeutsche Allgemeine Zeitung bis heute eine Mülheimer Lokalredaktion unterhält. Die WAZ wird 1948 von der britischen Militärregierung als unabhängige Zeitung für das 1946 gegründete Bundesland Nordrhein-Westfalen lizensiert. Herausgegeben wird sie vom Sozialdemokraten Erich Brost und vom Christdemokraten Jakob Funke. Bemerkenswerterweise ist es 1949 ein Lokalredakteur der NRZ, der als  Sozialdemokrat Otto Striebeck, der als Mülheims erster Abgeordneter in den Deutschen Bundestag gewählt wird. Ein Jahr später, leben in Mülheim 150.000 Menschen, 62.000 mehr als 1945 und 13.000 mehr als 1939. Etwa 15.000 von ihnen sind nach dem Krieg als Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach Mülheim gekommen.


Über mich

Sonntag, 3. Dezember 2023

Blick in den Nahen Osten

Ein 50 Geburtstag ist ein guter Grund zum Feiern. Und wenn man gleichzeitig einen 75 Geburtstag zur feiern hat, ist das eigentlich ein doppelter Grund zum Feiern. Trotzdem war den geladenen Gäste der Deutsch-Israelische Gesellschaft im Duisburger Ratssaal nicht wirklich zum Feiern zumute, als die regionale DIG-Gesellschaft jetzt zum Doppel-Festtag: 50 Jahre Deutsch-Israelische Gesellschaft und 75 Jahre Staat Israel einlud.

Der Grund lag auf der Hand, dass Hamas-Massaker in Israel, bei dem mehr als 1200 Menschen ums Leben gekommen sind. Schon ein Besuch im jüdischen Gemeindezentrum am Springwall zeigte, dass die Verunsicherung auch unter den 2500 Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Duisburg-Oberhausen-Mülheim angesichts des Hammer Terrors unter seiner Folgen, die auch auf unseren Straßen zu sehen sind, groß ist. Auch der Appell an Bildung, Begegnung und Verständigung, um gegenseitige Vorurteile zwischen muslimischen und jüdischen Menschen in Deutschland und weltweit abzubauen, konnte eine gewisse Hilflosigkeit angesichts des menschenverachtenden Terroraktes der Hamas nicht kaschieren.

Es verstand sich von selbst, dass sich alle Festredner beim Festakt, der kurzfristig zu einem Solidaritätsfest mit Israel ausgerufen worden war, zu eben dieser Solidarität mit den 1948 gegründeten Staat bekannten und angesichts der deutschen Holocaust Geschichte darauf hinweisen, dass das Existenzrecht Israels deutsche Staatsräson und insofern für die Bundesrepublik Deutschland nicht zu verhandeln sei. Der Mülheimer Bürgermeister und CDU Stadtrat Markus Pöhl, der zugleich auch Präsident der Regionalgesellschaft erinnerte daran, dass sich auch die Gründung der DIG in Mülheim Duisburg und Oberhausen vor 50 Jahren vor dem Hintergrund des damaligen Jom-Kippur-Krieges vollzogen habe, als Akt der Solidarität in Israel vollzogen habe. Eindringlich und eindrücklich ließ er die verschiedenen Aktivitäten der deutschen israelischen Gesellschaft passieren. Besonders anschaulich erinnerte er sich an eine Begegnung zwischen deutschen, israelischen und palästinensischen Jugendlichen, die sich am Beginn der 2000er Jahre in Mülheim bei einem internationalen Fußballturnier begegnet seien und sich darin einig waren, dass sie alle nur eins wollten: Frieden und eine Perspektive für ihr Leben. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, die im Duisburger Ratssaal auch in ihrer Funktion als örtliche Bundestagsabgeordnete das Wort ergriff, würdigte und das Engagement der DIG-Mitglieder als einen konkreten Beitrag zur Völkerverständigung, die sich auch positiv auf den sozialen Frieden in Deutschland in unserer Region auswirken. Als besonders wertvoll charakterisierte Bars in diesem Zusammenhang die von der DIG organisierten Informationsreisen für deutsche Schülerinnen und Schüler nach Israel. Mit Blick auf den letzten dies er Informationsbesuche erinnerte sich Markus Püll daran, dass die deutschen Jugendlichen kaum verstanden, dass ihre israelischen Altersgenossen ohne wenn und aber zur Wehrpflicht in der israelischen Armee stehen. Diese grundsätzlich positive Einstellung zum Dienst in der eigenen Armee. Die sei heute, angesichts der traumatischen Erfahrungen des 7. Oktober auch viele jungen Deutschen als nur zu verständlich. Der Kölner Ionen ist und musikprofessor Igor Epstein, der den Festakt unter anderem mit der Nationalhymne Israels musikalisch begleitete zeigte sich angesichts des menschenverachtenden Hamas-Terrors vom 7. Oktober "menschlich ratlos". "Mir fehlen die Worte," betonte Epstein in wies daraufhin dass die Musik Menschen aller Nationen und Religionen miteinander verbindet und dass er beim gemeinsamen Musizieren niemand danach Frage woher er komme und was er glaube. Gabriele Durak vom Vorstand der Deutschen Gesellschaft wies daraufhin, "dass die im Detail durchaus berechtigte Kritik an der Politik der aktuellen israelischen Regierung niemanden das Recht gibt jüdische Menschen abzuschaffen. Mit Sorge sieht sie die zunehmend polarisierende schwarz-weiß-diskussion wenn es um das Verhältnis zwischen Israel und Palästina gehe. Der Mülheimer Holocaust Überlebende und Mitgründer der deutschen israelischen Gesellschaft sag max sieht die Auswirkungen des auf Deutschland illusionslos. Er sagt der Antisemitismus zu Tage. Das hat mich nicht überrascht. Antisemitische Menschen, die jetzt auch den Hamas-Terror gegen Menschen in Israel feiern, wollen mit mir nichts zu tun haben und ich will nichts mit ihnen zu tun haben. Der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Duisburg-Mülheim-Oberhausen, Alexander Drehmann, zeigt sich angesichts der Demonstrationen für Solidarität mit Israel, die nur einige 100 Menschen auf die Straße brächten, während Demonstrationen für den Klimaschutz mehrere tausend Menschen auf die Straße brächten.


Jüdische Gemeinde & Deutsch-Israelische-Gesellschaft & Über mich

Samstag, 2. Dezember 2023

Wo wünschen noch hilft

Seit Mitte des 19 Jahrhunderts hat es sich in Deutschland eingebürgert zum Weihnachtsfest einen Weihnachtsbaum aufzustellen und darunter gute Gaben für seine Liebsten und vor allem für seine Kinder zu platzieren. Auch in Mülheim ist das für viele Menschen ein unerschwinglicher Luxus. Nach Angaben der Caritas ist ein Fünftel der deutschen Bevölkerung materiell arm. Das bedeutet: Diese Menschen haben weniger als 60 Prozent des deutschen Jahresdurchschnittseinkommens von 40.000 Euro zur Verfügung. 

Deshalb haben sich der in Mülheim 1920 von Pastor Konrad Jakobs gegründete katholische Sozialverband und die Neue Ruhrzeitung zusammengetan, um mit ihrer gemeinsamen Wunschbaumaktion auch jenen mit einem Geschenk Freude zu machen, die selbst kein Geld für Geschenke zum Weihnachtsfest übrig haben. Die Zusammenarbeit zwischen der Lokalpresse und den Sozialverbänden hat Tradition. Sie kann man auch während der Nachkriegsjahre in der Lokalpresse nachlesen. Die Wunschbaumaktion von NRZ und Caritas geht im Advent 2023 in ihre 15. Runde.

Sie hat sich schon zu einer kleinen Tradition entwickelt. In den vergangenen Jahren konnten jeweils 100 Bedürftige Mitbürgerinnen und Mitbürger, dank der Wunschbaumaktion und großzügiger Bürger, mit einem Geschenk erfreuen. Und so geht es: Man pflückt sich einen Wunschzettel vom Wunschbaum in der MST-Touristinfo im Stadtquartier Schlossstraße, nimmt sich ein Paket mit nach Hause, packt "sein" gespendetes Geschenk weihnachtlich darin ein und legt es bis zum 15. Dezember wieder unter dem Wunschbaum in der MST-Touristinfo ab. 

So können die Mitarbeitenden der Caritas den bedürftigen und dankbaren Empfängerinnen und Empfängern ein Päckchen zu Weihnachten übergeben.

Auch in diesem Jahr rechnen Monika Schick-Jöres und ihre Kollege Rüdiger Pilotek, die die Aktion für die Caritas organisieren damit, dass der katholische Sozialverband stadtwald 1000 Pakete mit guten Gaben für sozial benachteiligte Menschen verschenken kann. Schick-Jöres sieht in der vorweihnachtlichen Aktion "eine kleine Insel der Menschlichkeit, die schönes Symbol, dafür ist das in unserer Stadtgesellschaft die Menschen nicht nur an sich selber sondern auch an ihren Nächsten denken. Die aufgeschriebenen Wünsche, die Pilotek und Schick-Jöres jetzt am Wunschbaum festgemacht haben, reichen von der Playstation bis zum Lebensmittelpaket und vom Fahrrad bis zum Wintermantel.

Rund 75% aller Wünsche kommen von Kindern aus sozial benachteiligten Familien. Vor allem die inflationären Tendenzen der jüngsten Zeit treffen alle, die schon vorher jeden Euro dreimal umdrehen mussten, bevor sie ihn ausgeben konnten, besonders hart. 

Hinzu kommen Krankheit, Sucht, Arbeitslosigkeit oder die Folgen einer Trennung, die das Armutsrisiko erhöhen. Karitative Projekte wie die der Wunschbaumaktion von Caritas und NRZ können das soziale Not in unserer Stadt nicht beheben. Sie können aber Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen einen hellen Funken der Hoffnung und der Nächstenliebe schenken. 

Wer sich an der Wunschbaumaktion von Caritas und NRZ beteiligen möchte hat bis zum 15. Dezember Gelegenheit dazu. Weitere Informationen bekommt man bei der Caritas an der Hingbergstraße 176 unter der Rufnummer 0208 3 0 0 0 8 84 sowie per E-Mail an: paketaktion@caritas-mülheim.de


Caritas Mülheim

Mittwoch, 29. November 2023

Protestantischer Führungswechsel

 In stürmischen Zeiten wechselt der aus sechs Gemeinden bestehende Kirchenkreis An der Ruhr seine Führung. Die Kreissynode hat den 61-jährigen Michael Manz zum neuen Superintendenten des 40.000 Gemeindemitglieder zählenden Kirchenkreises gewählt. Manz, der seit 30 Jahren als Pfarrer in Mülheim arbeitet, tritt am 16. Dezember die Nachfolge des 67-jährigen Pfarrers Gerald Hillebrand an. Zum Amtswechsel, der mit einem Gottesdienst in der Petrikirche gefeiert wird, wird auch der rheinische Landesbischof Thorsten Latzel erwartet.

Gehörten um 1810 mehr als 80 Prozent der Bürgerschaft zur evangelischen Kirche, so waren es Mitte der 1920er Jahre noch 64 Prozent und Mitte der 1970er Jahre noch 54 Prozent und Ende der 1990er Jahre noch 36 Prozent, während es heute nur noch 23 Prozent der Bürgerschaft. Der auf den geellschaftlichen und den demografischen Wandel zurückzuführende Schrumpfungsprozess der christlichen Stadtkirchen fordert auch dem evangelischen Kirchenkreis strukturelle Reformen ab.


Weniger und größere Kirchengemeinden. Weniger Gotteshäuser. Das war und ist der Trend. Dennoch sehen weder der noch amtierende noch der designierte Superintendent in dieser Herausforderung ein KO-Kriterium für das christliche Leben in unserer Stadt. Aktuell beschäftigen die Mülheimer Gemeinden 21 hauptamtliche Theologinnen und Theologen. Im Durchschnitt betreut ein Pfarrer oder eine Pfarrerin 3000 Kirchenmitglieder. Vor 30 Jahren gab es in Mülheim auch noch Gemeinden mit gut 1000 Mitgliedern. Die größeren Gemeindeeinheiten verlangen den Pfarrern und Pfarrerinnen heute eine deutlich erhöhten Anteil von Verwaltungsarbeit ab.


Dennoch sehen Hillebrand und Manz Seelsorge und Diakonie weiterhin als die zentralen Aufgaben kirchlicher Arbeit. Das Tauffest in Raffelbergpark und die Kirchenkreis-Freiluft-Gottesdienste zum Pfingstfest sehen sie in diesem Zusammenhang als wegweisend an. Auch Videobotschaften und Online-Gottesdienste sind seit der Corona-Pandemie Teil der evangelischen Verkündigung. Dennoch sind sich der scheidende und der designierte Superintendent darin einig, dass die gute alte analoge 1:1-Seelsorge durch nichts zu ersetzen ist.

Der in Essen aufgewachsene Michael Manz, der sowohl in Heißen als auch in Styrum Gemeinden geleitet hat bzw. dies noch tut, hat eine klare Vorstellung, von dem was die Evangelische Kirche vor Ort auch in Zeiten mit weniger Mitgliedern und weniger materiellen und personellen Mitteln leisten muss. Er sagt dazu: "Wir müssen öffentlichkeitswirksamer darstellen, was wir als Kirche Menschen anzubieten haben. Wir müssen mit unseren personellen Ressourcen fürsorglich umgehen, um sie nicht langfristig zu überreizen. Und wir müssen als Kirche auch gesellschaftspolitisch im Sinne der Frohen Botschaft relevant bleiben und weiterhin Partei für sozial benachteiligte Menschen ergreifen, auch wenn wir uns damit nicht immer bei allen beliebt machen."

In seiner eigenen seelsorgerischen und liturgischen Praxis macht Manz immer wieder die Erfahrung, "dass Menschen gerade an den Wendepunkten ihres Lebens Sinn, Orientierung und Begleitung suchen, die ihnen gut tut und sie für ihr Leben stärkt."


Kirchenkreis An der Ruhr  &  Über mich

Dienstag, 28. November 2023

Eine unvergessliche Frau

Sie war eine menschliche Institution. Die Elisabeth-Schwester Ingeborg halt als Krankenschwester am St. Marien-Hospital 20.000 Mülheimerinnen und Mülheimer auf die Welt geholt. Sie war nicht nur Krankenschwester, sondern auch Seelsorgerin, und dass auch weit jenseits einer 40-Stunden-Woche und einer Rentengrenze. Als sie 2010 für ihre Verdienste mit der Nikolaus-Groß-Medaille der katholischen Stadtkirche ausgezeichnet wurde, charakterisierte sie Stadtdechant Michael Janßen als „einen charismatischen Menschen, der selbstverständlich im Leben stehend die Frohe Botschaft Jesu Christi bezeugt und die damit verbundene Hoffnung weitergibt.“ Besser kann man das Lebenswerk Schwester Ingeborgs nicht beschreiben. Am 23. Mai 1930 in Schernbeck am Niederrhein geboren, kam sie 1952 als junge Kranken- und Ordensschwester ist 1887 gegründete St. Marien-Hospital. Damals war sie dort eine von 48 Elisabethschwestern. 2016 war sie die letzte Ordensschwester, die das katholische Krankenhaus verließ, um sich im Essener Mutterhaus ihrer Ordensgemeinschaft zur Ruhe zu setzen. Dort ist sie am 27. Oktober im Alter von 93 Jahren verstorben und damit ihrer Hoffnung auf ein ewiges Leben in Gottes Herrlichkeit entgegengegangen.

Mitglieder ihrer langjährigen Heimatgemeinde St. Mariae Geburt haben sich am 26. November im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes dankbar an Schwester Ingeborg erinnert. Sie wird auch in den Herzen all jener Menschen weiterleben, die sie kennen und schätzen lernen durften.

Montag, 27. November 2023

Medien in Mülheim

In den letzten beiden Jahrzehnten ist das Internet, inklusive Google und Facebook zu Leitmedium aufgestiegen und hat damit unsere Medienlandschaft einer digitalen Revolution unterzogen. Auch Zeitungsverlage wie die in Mülheim aktive Funke Mediengruppe sind heute crossmedialen Unternehmen.

Der Westen machte 2007 als Internet Portal der damaligen WAZ Mediengruppe in Sachen digitaler Nachrichten und Informationsverbreitung in unserer Region den Anfang. Schon 1989 war die heutige Funke Mediengruppe mit Antenne Rühr in den lokalen Hörfunk eingestiegen. 2007 würde aus Antenne Rühr Radio Mülheim und Radio Obernhausen. Gab es zwischen 1950 und 1976 in Mühlheim mit NRZ, WAZ und den Ruhr Nachrichten drei eigenständige Lokalredaktionen, so ist heute allein die Lokalredaktion der WAZ übriggeblieben. Die seit 1946 in Mülheim erscheinende NRZ hat ihre Lokalredaktion 2018 geschlossen. Die 1976 als unabhängige lokale Wochen Zeitung gegründete und 1981 von der damaligen WAZ Mediengruppe übernommene Mülheim Woche schloss ihre Lokalredaktion im Februar 2023.

Die NRZ und die Mülheimer Woche, die, wie die WAZ, Teil der 2012 gegründeten Funke Mediengruppe sind, haben sich mit einer personell deutlich abgespeckten Regionalredaktion nach Essen zurückgezogen.

Die erste Mülheimer Zeitung erschien unter eben diesen Titel am 3. Januar 1797, 192 Jahre nach dem Erscheinen der ersten deutschen Wochenzeitung (Relation) in Straßburg und 147 Jahre nach dem Erscheinen der ersten deutschen Tageszeitung (Einkommende Zeitungen) in Leipzig. Ihr Herausgeber war der Buchdrucker Gerhard Wilhelm Blech. Dass er seine Zeitung nach nur vier Jahren wieder einstellen musste, hatte mit den politischen Verhältnissen im Spätabsolutismus zu tun. 

Denn die Landesherren, in diesem Falle war es die Broicher Landgräfin Maria Luise Albertine von Hessen-Darmstadt, konnte jederzeit die Genehmigung zur Herausgabe einer Zeitung wieder entziehen, sobald ihr Beiträge aus dieser Zeitung nicht gefielen. Dennoch blieben Gerhard Wilhelm Blech und seine Nachfahren dem Buch- und dem Zeitungsdruck treu. So gaben sie zwischen 1835 und 1851 den Boten für Stadt und Kreis Duisburg und ab 1886 denn Generalanzeiger für Mülheim heraus. Ein nur kurzes und revolutionsbedingtes Erscheinen war 1848/49 dem "Wächter an der Ruhr" beschieden.

Neben der Familie Blech war auch die Familie Julius Bargel eine wichtige Verlegerfamilie. Sie gab nicht nur Bücher, sondern ab 1857 auch die Rhein-Ruhr-Zeitung heraus. Und zwei Jahre nach der Reichsgründung erschien erstmals ab 1873 wieder eine Mülheimer Zeitung, zunächst unter der Regie von Julius Wacker und ab 1880 im Besitz der Familie Ernst Marks. Die Familie Marks blieb bis 1945 die tonangebende Verlegerfamilie der Stadt. Ihr Verlag übernahm 1911 auch den General-Anzeiger für Mülheim. Das zweite Mülheimer Lokalblatt wurde unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Pressegleichschaltung 1933 mit der Mülheimer Zeitung zwangsfusioniert. Zwischenzeitlich hatten mit der Mülheimer Volkszeitung (1908-1923) und der Freiheit (1918/19) in Mülheim auch eine katholische und kommunistische Zeitung existiert. Darüber hinaus berichtete zwischen 1919 und 1933 auch die in Duisburg herausgegebene Volksstimme als sozialdemokratische Tageszeitung auch über das Geschehen in Mülheim. 

Neben der Mülheimer Zeitung erschien in der NS-Zeit auch die von der NSDAP herausgegebenen Nationalzeitung, die ihre Zentralredaktion in Essen hatte. Mit dem zweiten Weltkrieg und der NS-Diktatur endete auch die Geschichte der Mülheimer Zeitung. Die Alliierten verboten den sogenannten Altverlegern, die vor 1945 und damit während der NS-Herrschaft publizistisch tätig gewesen waren, die weitere Betätigung als Zeitungsverleger. 

Stattdessen gab die britische Armee, zu deren Besatzungszone ab Juni 1945 auch Mülheim gehörte en sie mit der Ruhrzeitung (1945/46) die von Hans Habe und Stefan Heym geleitete Ruhrzeitung heraus, die als lokales Veröffentlichungsblatt diente. Ab 1946 vergaben die Alliierten, und in Mülheim die britische Besatzungsmacht, Lizenzen an politisch unbelastete Neuverleger. Zu Ihnen gehörten unter anderem die Sozialdemokraten Dietrich Oppenberg und Erich Brust sowie der ehemalige Zentrumsmann Anton Berz. Der Sozialdemokrat Dietrich Oppenberg, der während des Dritten Reiches zeitweise im Gefängnis gesessen hatte, gab ab 1946 die auch in Mülheim erscheinende Neue Ruhr Zeitung heraus. Diese Zeitung war von den Briten als SPD nahe Zeitung lizenziert worden. Zeitgleich erhielt Anton Berz in Düsseldorf die Lizenz für die CDU-nahe Rheinische Post. Beide Zeitungen hatten zwischen 1946 und 1949 auch lokale Redaktionen in Mülheim. Die Rheinische Post zog sich 1949 aus Mülheim zurück und wurde ab 1950 durch die ebenfalls CDU-nahen Ruhrnachrichten des Verlegers Lambert Lensing ersetzt. Der ehemalige Chefredakteur der NRZ, Erich Brost, wurde zusammen mit dem vormaligen Redakteur der Rheinisch-Westfälischen Zeitung in Essen, Jakob Funke, 1948 Lizenzträger für die unabhängige Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). 

Die WAZ konnte im Gegensatz zu NRZ und zu den Ruhrnachrichten ihre Auflage stetig steigern und damit auch mehr Anzeigen gewinnen. Sie profitierte von der übernahme des Zeitungsverlages Marks, die ihr ermöglichte mit dem Untertitel Mülheimer Zeitung erscheinen zu können. 

Die Folge des zunehmenden WAZ-Erfolgs 1976 die Gründung der WAZ-Mediengruppe. Zu ihr gehörten jetzt auch die NRZ, die Westfälische Rundschau und die Westfalenpost. ihre Redaktionen blieben zwar eigenständig. Aber alle Blätter hatten einen gemeinsamen Anzeigenteil. Nach dem Rückzug der Ruhrnachrichten 1976, gründete sich die zunächst unabhängige Mülheimer Woche als lokales Wochenblatt, das allerdings 1981 von der WAZ-Mediengruppe übernommen wurde. Damit hatte die WAZ-Mediengruppe eine eine mediale Monopolstellung in unserer Stadt gewonnen. Im Jahr 2012 wurde aus der WAZ-Mediengruppe die Funke Mediengruppe. Hintergrund war die Übernahme der Anteile der Familie Brost durch die Familie Funke-Grothkamp  Jakob Funke (1901 bis 1975) war Mit-Herausgeber und kaufmännischer Leiter WAZ. Anders, als sein Mit-Herausgeber und langjähriger Chefredakteur Erich Brost war Funke kein Sozialdemokrat. Er hatte auch während der NS-Zeit für die Rheinisch-Westfälische Zeitung des zwischenzeitlichen nationalsozialistischen Essener Oberbürgermeisters Theodor-Reismann-Grone als Redakteur gearbeitet und war 1941 Mitglied der NSDAP geworden und arbeitete für das Deutsche Nachrichtenbüro. 1945/46 war er für die Ruhrzeitung tätig und wurde Mitglied der neu gegründeten CDU.
Bevor er mit Brost ab 1948 die WAZ herausgab, hatte er als Redakteur Dietrich Oppenbergs für das Rhein Echo und die NRZ gearbeitet.  Seit Mit-Verleger Erich Brost (1903 bis 1995) war als Sozialdemokrat während der NS-Zeit im Exil journalistisch aktiv. Vor 1933 hatte der aus Ostpreußen stammende Brost als Redakteur für die Danziger Volksstimme gearbeitet. 

Sonntag, 26. November 2023

Teurer Spaß

Mit einer Doppelproklamation ihrer Prinzenpaare starteten die Mülheimer Jecken am 11.11 in die Fünfte Jahreszeit. Motto: Karneval für jedermann jetzt sind mal die jungen dran. Aber ohne die älteren und zahlungskräftigeren Jecken funktioniert der Karneval auch nicht. Das macht ihn jetzt der Vorsitzende des Hauptausschusses des großen Karneval Markus Uferkamp und sein Geschäftsführer Hans Klingels deutlich, als sie darauf verwiesen dass der kommende Rosenmontagszug der am 12 Februar 2024 ab 14 Uhr durch die Innenstadt rollen wird mit etwa 35.000 € zu Buche schlägt. Noch vor einigen Wochen da ließen sie keinen Zweifel stand der Mülheimer Rosenmontagszug, den der Hauptausschuss Groß-Mülheimer-Karneval seit 1958 als größte Mülheimer Freiluftveranstaltung organisiert, finanziell auf der Kippe.

Oberbürgermeister Marc Buchholz konnte als Verwaltungschef einer hochverschuldeten statt zwar keine eigenen Finanzmittel zur Verfügung stellen dafür organisierte er aber ein Frühstück mit aktiven und potenziellen Sponsoren. Das zusammentreffen Chefkanalisten schon jetzt gelohnt. Denn neben der Warsteiner Brauerei konnten auch die AZ klinikgruppe und der Reisemobilanbieter RS der an der Kölner Straße in Selbeck ansässig ist als neuer Unterstützer des Mülheimer Karnevals gewonnen werden. Genauso wichtig ist es klingelt und Uferkamp, dass die bisherigen Sponsoren bei der Stange geblieben sind. Dazu gehören die Ruhe durchgruppe und die wolfgruppe die Sparkasse  die reine westfälische Wasserwerksgesellschaft der Hagebaumarkt und Westenergie. Hinzu kommen aber auch das Deutsche Rote Kreuz, die Polizei, das Ordnungsamt die Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG und das Technische Hilfswerk, die den Rosenmontagszug mit seinen im Schnitt 35.000 Besuchern und 1000 aktiven Teilnehmern begleiten. Hinzu kommt außerdem ein 80-köpfiger Förderkreis der im Januar beim Jubiläumsempfang des Hauptausschusses Groß-Mülheimer-Karneval um vier Ehrensenatoren erweitert wird.

Kostentreiber beim Spaß an der Freud sind mit Blick auf den Rosenmontagszug vor allem das Baumaterial für die Wagenbauer, das Wurfgut, das längst nicht mehr nur aus Kamelle besteht, die Zugmaschinen sowie die Ordnungskräfte, die im Auftrag eines privaten Sicherheitsdienstleisters den Zug mit seinen 30 Wagen und Fußgruppen absichern. Ha Präsident Markus Uferkamp lässt keinen Zweifel daran, dass ihm ein Stein vom Herzen gefallen ist, nachdem klar war dass der Rosenmontagszug auch im Jahr 2024 kommen kann. Denn für eine Stadt mit 170.000 Menschen gehört ein Rosenmontagszug am Rosenmontag einfach dazu findet nicht nur Uferkamp.

Auch wenn der Festsaal der Stadthalle vorerst nur für die inklusive Karnevalsveranstaltung Grenzenlos in Frage kommt, weil sie vom städtischen Kulturbetrieb finanziert wird, hat sich die die Saallage für den Mülheimer Karneval in dieser Session entspannt. Einerseits stehen die Autohäuser Extra und Wolf in Dümpten und Saarn Veranstaltungsstätten zur Verfügung. Andererseits wird auch der Altenhof der evangelischen Kirche in dieser Session wieder für drei Karnevalsveranstaltungen zur Verfügung stehen. Dabei handelt es sich um die klassischen Prunksitzungen der Roten Funken und der KG Blau-Weiß sowie um das neue Veranstaltungsformat Mölmsch Jeck, mit dem der Hauptausschuss Groß-Mülheimer-Karneval am Karnevalsfreitag sein 66-jähriges Bestehen feiern wird.

Optimistisch stimmen Markus Uferkamp und Hans Klingels auch die Pläne der karnevalsnahen Wasseraufbereitungsfirma Baierlorzer, die am Langekamp in Dümpten den Bau einer Eventhalle planen, in der nicht nur aber auch Karnevalsveranstaltungen mit bis zu 300 Gästen über die Bühne gehen können. Darüber hinaus gehen die Mülheimer Chefkarnevalisten davon aus, dass das Forum nach seinem Umbau in der kommenden Session wieder als Veranstaltungsort für einen Kinderkarneval und eine modernisierte Rosenmontagstombola zur Verfügung stehen wird.

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...