Samstag, 9. Oktober 2021
Kleine und große Jungs
Tragödie an der Ruhr
Der 8. Februar 1988 ist ein verregneter und gewittriger Tag. Er wird als schwarzer Tag in die Geschichte der deutschen Luftfahrt eingehen. Denn um 8 Uhr stürzt ein Metroliner des Nürnberger Flugdienstes über Menden ab und schlägt etwa 250 Meter von der Ruhrtalbrücke auf. Schon im Sturzflug ist die Maschine auseinander gebrochen, wie Untersuchungen des Luftfahrtbundesamtes später ergeben werden.
Keiner der Insassen überlebt den Flugzeugabsturz. Wenige Sekunden vor dem Aufprall der Maschine hat sich die 29-jährige Copilotin mit dem Funkspruch: „Tschüß!“ an den Tower verabschiedet. Mit ihr sterben der 46-jährige Pilot und 19 Fluggäste aus Hannover, Langenhagen, Braunschweig, Wolfsburg und Peine. Es sind Geschäftsreisende, unter ihnen fünf Mitarbeiter des Gebäck-Herstellers Bahlsen.
Augenzeugen des Absturzes alarmieren Polizei und Feuerwehr. Weil an der Absturzstelle niemand mehr zu retten ist, beginnt eine grausige Arbeit. 50 Polizeibeamte, einige von ihnen kommen aus dem Bundeskriminalamt, müssen Leichenteile bergen und anhand von Geldbörsen, Ausweisen oder anderen Überresten versuchen, die Identität der Absturzopfer zu klären. Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, des Technischen Hilfswerkes und der Feuerwehr unterstützen die Bergungsarbeiten.
Im Laufe des Tages treffen Lastwagen der Bundeswehr ein, die die Wrackteile zum Luftfahrtbundesamt nach Braunschweig abtransportieren.
Anhand der Wrackteile und des Flugschreibers kommen die Experten des Luftfahrtbundesamtes zu dem Ergebnis. Ein Blitzeinschlag hat die Navigationselektronik des Metroliners außer Gefecht gesetzt und den Absturz verursacht.
Leider muss die Lokalpresse nach dem Unglück auch über schaulustige Katastrophen-Touristen berichten, von denen sich einige Wrackteile als „Souvenir“ mit nach Hause nehmen. Ein Wrackteil kann die Polizei in einem Partykeller sicherstellen.
Vier Tage nach dem Absturz kommen Angehörige der Opfer an der Unglücksstelle zu einem Gedenk-Gottesdienst zusammen, an dem auch Oberbürgermeisterin Eleonore Güllenstern, ihre Hannoveraner Amtskollege Herbert Schmalstieg, Mülheims Oberstadtdirektor Heinz Hager, NRW-Ministerpräsident Johannes Rau, sein niedersächsischer Amtskollege Ernst Albrecht und der Unternehmer Hermann Bahlsen teilnehmen.
Platz in der Herberge
Auf dem Foto, das Mustafa mit Rücksicht auf seine noch in Syrien lebenden Eltern ebenso wenig in der Zeitung sehen möchte, wie seinen richtigen Namen, zeigt einen jungen Mann mit freundlichen und ernsten Augen und eine reife Frau, der man ansieht, dass sie weiß, was sie will und wo es im Leben lang geht.
Die Vertrautheit der Beiden hat mit den vier Monaten (von August bis Dezember 2015) zu tun, in denen Mustafa nach seiner Flucht aus Syrien und einer Zwischenstation in Brandenburg bei der Familie Alers am Raffelberg und damit auch in seinem deutschen Exil ankam.
Dass der studierte Pharmazeut, der nicht in Assads Armee kämpfen wollte, drei Jahre nach seiner Ankunft in Deutschland auf dem besten Weg ist, eine pharmazeutische Berufszulassung für Deutschland zu bekommen, hat er nicht nur, aber auch ganz wesentlich der Tatkraft von Imke Alers und ihrer Familie (Ehemann/Vater und drei inzwischen erwachsene Söhne) zu tun.
Als sie mit ihrer Familie im Sommer 2015 im Fernsehen die Flüchtlingsbilder sah, sagte Imke Alers: „Wir haben doch schon oft Austauschschüler aufgenommen, warum nicht auch einen jungen Flüchtling?“ – „Warum eigentlich nicht?“ fand auch ihre Familie und gab ihre Telefonnummer an eine Bekannte weiter, die sich als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin engagiert. Und schon eine Woche später wurde Mustafa angekündigt. Er hatte nach seiner Flucht zu Lande, in der Luft und auf dem Wasser den Weg nach Brandenburg gefunden und wollte nach seiner Anerkennung als Flüchtling ins Ruhrgebiet, weil seine Tante in Düsseldorf lebt.
„Dann soll er mal kommen“, sagte Imke Alers und holte ihn wenige Tage später am Hauptbahnhof ab.
Der aus einer Akademiker-Familie Familie in Aleppo stammende Mustafa sprach bereits wenige Worte deutsch und sehr gutes Englisch und zog bei Familie Alers ins Gästezimmer unter dem Dach ein. Doch mit Mustafa kamen nicht nur erhellende Einblicke in den syrischen Bürgerkrieg, den islamistischen Terror, das Schlepperwesen, in die arabische Kultur und in die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Weltreligionen Christentum und Islam, sondern auch viel Arbeit ins Haus.
Diese Arbeit, die Imke Alers viel Zeit, Nerven und auch Geld kostete, wurde nicht durch Mustafa, sondern die mit seiner Anwesenheit zu bewältigenden bürokratischen Hürden verursacht. Ein Papierkrieg brach aus. Anmeldung beim Ausländeramt und im Jobcenter der Sozialagentur. Anmeldung und Organisation eines Integrations- und mehrerer aufeinander aufbauender Sprachkurse, Übersetzung und Anerkennung von Mustafas syrischen Zeugnissen, Suche nach Praktika- und Arbeitsstellen, Verhandlungen und Gespräche mit der Apothekerkammer, Gespräche mit Botschaften und Konsulaten, um Mustafas inzwischen ebenfalls aus Syrien geflohener Schwester zu helfen, Bemühungen um ein Stipendium für Mustafa und schließlich (Ende 2015) Suche nach einer eigenen Wohnung für ihn.
„Wenn ich vorher gewusst hätte, was alles auf mich zukommt, hätte ich es vielleicht gar nicht gemacht. Aber heute bin ich froh, dass ich es gemacht habe und wir nicht nur viel an Lebenserfahrung, sondern auch einen syrischen Freund gewonnen haben“, sagt Ilke Alers heute.
Sie und ihre Familie haben durch die Begegnung mit Mustafa nicht nur die Vorzüge der gut gewürzten syrischen Küche und die Vorteile einer gut vernetzten Nachbarschaft und eines starken Freundeskreises kennengelernt. Sie wissen, dass man mehr hilfsbereite Menschen kennenlernt, als man glaubt, wenn man auf Menschen zu geht und mit ihnen spricht und sie fragt. Sie wissen nicht nur, wie man gemeinsam nicht mehr aus dem Lachen herauskommt, wenn man mit seinem syrischen Freund die Filmkomödie „Willkommen bei den Hartmanns“ anschaut und dabei erkennt: „Das ist ja genauso wie bei uns“ oder wie viel Freunde es macht, seinen syrischen Freund in die für ihn neue Welt der klassischen Konzerte einzuführen. Sie wissen aber auch, und das ist wohl die wichtigste Erkenntnis, aus ihrer neuen Freundschaft mit Mustafa, dass das vermeintlich Selbstverständliche alles andere als selbstverständlich und auf Ewigkeit garantiert ist, das Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand. Und wenn Imke Alers heute auf fremdenfeindliche Sprüche über vermeintlich „faule und kriminelle Flüchtlinge“ trifft, kann sie mit ihrem positiven Beispiel dagegenhalten. Dieses positive Beispiel, das Mut macht, wäre aus Alers Sicht perfekt, wenn Mustafa, der aktuell ein Fachseminar an der Universität Düsseldorf absolviert, danach in einer Apotheke eine Praktikumsstelle bekommen und sich so optimal auf die für seine deutsche Berufszulassung nötige Fachkenntnisprüfung bei der Apothekerkammer vorbereiten könnte Dabei macht sich Imke Alers keine Illusionen: „Natürlich kostet die Versorgung und Integration von Flüchtlingen viel Geld und nicht alle sind so fleißig, freundlich, hilfsbereit und integrationswillig wie Mustafa. Aber man darf Menschen nicht über einen Kamm scheren, sondern muss sie in ihrer Persönlichkeit betrachten“, sagt sie und schaut sich noch einmal das Foto an, auf dem sie und Mustafa zusammen stehen.
In Würde leben, bis zuletzt!
"Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." So steht es im Artikel 1 des Grundgesetzes. Dieses große Versprechen unserer Verfassung wird in der sozialen Wirklichkeit nicht immer eingelöst. Umso beachtlicher ist das ehrenamtliche Engagement, das die aktuell 40 Begleiter des Ambulanten Hospizes leisten.
"Unsere Ehrenamtlichen sind unser großer Schatz", sagt die Vorsitzende des Ambulanten Hospizes, Ursula König. Vor 25 Jahren waren ihr Ehemann Henning, sie, der damalige Caritas-Geschäftsführer Klemens Anders und der damalige Stadtdechant Manfred von Schwartzenberg die treibenden Kräfte bei der Gründung des Hospizvereins, aus dem 2008 das Ambulante Hospiz hervorgegangen ist.
Pionierarbeit geleistet
In der Rückschau stellt Ursula König fest: "Wir haben Pionierarbeit geleistet, das Tabu um Sterben und Tod aufgebrochen und wir sind heute gut etabliert." Schwerstkranke und sterbende Menschen nicht allein zu lassen, ihnen Zeit, Zuwendung, Trost und ein offenes Ohr zu schenken und damit auch die in Mitleidenschaft gezogenen Angehörigen zu unterstützen, das ist der christliche Kern des Ambulanten Hospizes.
Diese Arbeit, die vornehmlich von Frauen und mehrheitlich von Menschen aus der lebenserfahrenen Generation der Über-50-Jährigen geleistet wird, zeigt: Nächstenliebe ist nicht nur ein frommer Wunsch. Allein in den Jahren 2019 und 2020 haben die ehrenamtlich Begleitenden des Ambulanten Hospizes jeweils 46 sterbende Menschen daheim und in Pflegeheimen betreut. Nach dem ersten Corona-Lockdown musste das Ambulante Hospiz zwischen März und Juni seine ambulante Begleitung Sterbender auf telefonische Kontakte beschränken. Inzwischen kann die persönliche Begleitung, unter Einhaltung der Corona-Schutz-Maßnahmen, wieder persönlich und vor Ort durchgeführt werden.
Für Ursula König steht fest: "Unser Ladenlokal am Kohlenkamp/Ecke Leineweberstraße, in dem wir Anlaufstelle für Ratsuchende sind, aber auch die regelmäßigen Treffen und die Aus- und Fortbildung unserer Begleiter durchführen können, haben die Arbeit des Ambulanten Hospizes ebenso vorangebracht wie unsere enge und gute Verbindung mit den Mülheimer Krankenhäusern, Pflegeheimen und mit der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV)." Hinter der SAPV steht ein ärztliches und schmerztherapeutisches Netzwerk.
Hauptamtliche Koordination
Die ehrenamtliche Arbeit des spendenfinanzierten Ambulanten Hospizes kann aber nur mithilfe von Andrea Guntermann funktionieren, die als hauptamtliche Mitarbeiterin die Einsätze der Begleiter koordiniert, fachlich gestaltet und für Ratsuchende, auch in der Trauerbegleitung, als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Das Ladenlokal des Ambulanten Hospizes am Kohlenkamp 7 ist telefonisch unter den Rufnummern: 0208 - 30 448 680 und 0160 - 78 688 45 erreichbar und montags, dienstags, donnerstags und freitags zwischen 9 und 12 Uhr geöffnet:
"Die ehrenamtlich Mitarbeitenden wissen, dass sie sich mit allen Problemen, die bei ihrer sensiblen Arbeit auftauchen können, jederzeit an uns wenden können. Außerdem gibt es neben den Austauschtreffen auch das Angebot einer professionellen Supervison, um das Erlebte zu reflektieren und zu verarbeiten", erklärt Guntermann.
Wer seelisch stabil ist und sich vorstellen kann, im Rahmen seiner zeitlichen Möglichkeiten, sterbende und schwerstkranke Menschen zu begleiten, sollte mit dem Ambulanten Hospiz Kontakt aufnehmen. Im kommenden Frühjahr startet dort eine neue 120-Stunden-Ausbildung für ehrenamtliche Sterbebegleiter, die mit einem Praktikum in einer Pflegeeinrichtung abschließt. Seit 1997 hat das Ambulante Hospiz 89 Frauen und 17 Männer zu ehrenamtlichen Sterbebegleitern ausgebildet. Weitere Informationen bietet die Internetseite des Ambulanten Hospizes: www.ambulantes-hospiz-mh.de
Mit Herz und Nadel
Zwölf Schülerinnen, Lehrerinnen und auch zwei Schüler der Realschule Stadtmitte investierten am 2. Oktober einen Teil ihres freien Samstags, um 50 Herzkissen, die Form ist Programm, zu nähen.
Die Herzkissen werden im Rahmen des Schulprojektes "Herzen gegen Schmerzen" aus Mitteln des Fördervereins der Realschule Stadtmitte finanziert. Für ihre jüngste Nähaktion zugunsten brustkrebs-kranker Frauen bekamen die fleißigen Näherinnen und Näher von der Oberstraße außerdem 250 Euro aus der Kasse des von der DZ-Bank-NRW-Stiftung Aktive Bürgerschaft initiierten Projektes Sozial genial. Die Stiftung unterstützt soziales Engagement von Schülern in Nordrhein-Westfalen.
Sozialgeniale Herzenssache
Die Herzkissen-Aktion ist aus einer Näh-AG der Realschule Stadtmitte hervorgegangen, die sich immer wieder dienstags machmittags trifft, und von der Lehrerin Judith Massenberg und der Sozialarbeitern Ilka Käufer geleitet wird. Bisher haben die Mitglieder der Näh-AG 300 Herzkissen hergestellt, die mithilfe von Mülheimer Frauenärztinnen und Frauenärzten kostenlos an Brustkrebspatientinnen verteilt werden. Diese Herzkissen dienen der Druckentlastung
nach einer Brust-Operation und wirken durch die
Herzform als großartiger Seelentröster für die
Betroffenen, die diese Herzkissen oftmals lange
Zeit als ständigen Begleiter mit sich
herumtragen.
"Wir haben schon viele dankbare Rückmeldungen von brustkrebskranken Frauen bekommen. Manche von ihnen haben uns angerufen und vor Freude am Telefon geweint", berichtet Sabine Dilbat, die bei der samstäglichen Sondernähaktion zum Welttag des Brustkrebses als Zuschneiderin mit von der Partie war, obwohl sie freimütig einräumte, "dass Nähen nicht meine Leidenschaft ist."
"Bisher haben wir bereits 300 Herzkissen an Brustkrebspatientinnen verschenken können. Und ich gehe davon aus, dass wir mit unserem heutigen Nähtag noch einmal 50 neue Herzkissen an die örtlichen Frauenärztinnen und Frauenärzte verteilen und von ihnen an die betroffenen Frauen weitergeben lassen können", bilanziert Judith Massenberg Samstagmittag im Theatersaal der Realschule Stadtmitte, der sich für einige Stunden in ein Nähatelier verwandelt hat.
"Es ist toll, wenn man etwas Gutes tun kann!" (Lukas, Schüler der 8c an der Realschule Stadtmitte)
Der Näh-Nachwuchs ist um kein Wort verlegen, als er von der Mülheimer Woche nach seiner Motivation für die Sonderschicht in der Schule gefragt wird. "Ich finde es schön, kranke Frauen zu unterstützen. Außerdem ist die Atmosphäre hier sehr locker. Die Lehrerinnen sind nicht so streng, wie im Unterricht und man kann der Schulleiterin auch mal einen Witz erzählen", sagt Fünftklässler Eldian. Achtklässler Lukas sagt: "Ich nähe gerne und arbeite gerne an der Nähmaschine. Außerdem ist es toll, wenn man etwas Gutes tun kann." Ähnlich sieht das seine Klassenkameradin Rebbecca, die schon zum Nähprofi geworden ist, der auch zuhause regelmäßig und selbstständig an der Maschine ihrer Mutter näht. Sie betont: "Ich habe einfach Spaß am Nähen und daran, mit anderen zusammen, anderen Menschen zu helfen!"
Wer die Finanzierung der weiterhin genähten Herzkissen unterstützen möchte, kann dem Förderverein der Realschule eine steuerlich abzugsfähige Spende überweisen. Informationen dazu und zum Projekt Herzkissen finden Interessierte auf der Internetseite: www.rs-stadtmitte-mh.de der Realschule Stadtmitte, die telefonisch unter der Rufnummer: 020845570 oder auch per E-Mail an: rsstadtmitte@muelheim-ruhr.de erreichbar ist.
Samstag, 2. Oktober 2021
Zu viel Platz in der Herberge
Die Corona Pandemie hat auch den Mülheimer Hotelgewerbe einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie die Ruhr-Touristik-GmbH mitteilt, sind die Belegungszahlen der Hotels Im Vergleich der ersten Halbjahre 2021 und 2020 um 37 Prozent und im Vergleich der ersten Halbjahre 2019 und 2021 um 67 Prozent zurückgegangen.
„Das ist eine Katastrophe“, räumt auch die ansonsten zweck optimistische Geschäftsführerin der Mülheimer Stadtmarketing- und Tourismus-Gesellschaft (MST), Inge Kammerichs, ein. Folgt man ihren Zahlen, gab es 2019 199.000 Übernachtungen in den Mülheimer Hotels, während es im Jahr 2020 102.000 und im ersten Halbjahr 2021 29.000 Übernachtungen waren.
Hoteliers, die sich der Anfrage dieser Zeitung stellten, bestätigten den Corona-bedingten Abwärtstrend. Von Auslastungsquoten zwischen 15 und 20 Prozent war die Rede. Allein die bis zum Jahresende 2021 verlängerten Überbrückungshilfen des Bundes und des Landes sowie das von der Bundesagentur für Arbeit gezahlte Kurzarbeitergeld für die Hotelmitarbeiter ließ die Hoteliers die Corona-Krise wirtschaftlich überleben. Obwohl sich der August in einigen Hotels mit Heimat Urlaubern, Geschäftstouristen, Familienbesuchern, Sportveranstaltung Teilnehmern und Hochzeitsgästen schon wieder positiver gestaltete, haben die Hoteliers nicht nur mit niedrigen Gästezahlen, sondern auch mit dem Problem zu kämpfen, neues Fachpersonal für ihre Häuser zu gewinnen. Vor allem die Aushilfskräfte auf 450-Euro-Basis haben sich in der Corona-Krise andere Jobs in anderen Branchen gesucht.
Als Hauptursachen für die drastisch zurückgehenden Buchungszahlen werden zum Beispiel fehlende Messen, zunehmendes Homeoffice und der damit verbundene Rückgang von Geschäftsreisen genannt. Alle befragten Hoteliers sind sich einig, dass eine steigende Impfquote auch ihr Gewerbe wieder stabilisieren und zu einer wieder annähernd normale Geschäftstätigkeit führen könnte.
Martin Hessse, Inhaber des 1934 eröffneten Hotels Handelshof an der Friedrichstraße möchte sich am liebsten zum Thema gar nicht äußern. Er hat sein Haus in den letzten Monaten Corona-bedingt geschlossen, kündigt aber an, das Haus ab dem 4. Oktober wieder für Besucher und Gäste seiner Gastronomie zu öffnen. Doch eine Zukunftsprognose für den Familienbetrieb traut sich Hesse nicht zu. Ähnlich geht es seinem Kollegen Moncef Mahmoudi, der das seit 1994 bestehende 51-Betten-Hotel Best Western am Forum führt. Er musste seine Mitarbeiterschaft im Corona-Lockdown um zwei Drittel reduzieren, um sie jetzt perspektivisch wieder aufzubauen.
„Die Stimmung der Mülheimer Hoteliers ist sehr unterschiedlich. Sie reicht von: ‚Es ist furchtbar‘. Bis: ‚Wir sind ganz gut durch die Krise gekommen“, schildert MST-Geschäftsführerin Kammerichs die Stimmungslagen, die sie bei ihrer Hotel- und Gastronomie-Tour vor einigen Wochen erlebt hat. „Für das Hotel und Gastgewerbe ist die Corona-Pandemie nicht nur eine finanzielle, sondern auch eine emotionale Belastung, weil die in diesem Gewerbe tätigen Menschen darauf gepolt sind, für ihre Gäste zu arbeiten“, sagt die selbst in einem Hotel- und Gaststättenbetrieb aufgewachsene MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs.
Auch für den Vorsitzenden des Mülheimer Hotel- und Gaststätten Verbandes Dehoga, Jörg Thon, ist die Zukunft seines Gewerbes voller Fragezeichen. „Wir bieten in unserem Betrieb Bürgergarten an der Aktienstraße auch Übernachtungszimmer für Monteure an. Dieses Beherbergungsgeschäft war Gott sei Dank, anders als das touristische Übernachtungen Geschäft, nicht von der Corona-Pandemie beeinflusst“, sagt Thon.
Der Speldorfer Hotelier Falk Sassenhof freut sich darüber, „dass unser Haus zurzeit wieder ganz gut ausgelastet ist. Auch im August konnte sein 20-Betten-Haus von heimatnahen Touristen profitieren, die in diesem Corona-Jahr auf Flugreisen ins Ausland verzichtet hatten. Dankbar ist Sassenhof auch dafür, dass er mithilfe des Kurzarbeitergeldes und der umsatzbezogenen Überbrückungshilfe seine acht fest angestellten Mitarbeiter bei der Stange halten konnte.
Seine Holzhauser Kollegin Claudia Thiesmann vom gleichnamigen Hotel an der Dimbeck hat zurzeit nur 6 von 44 Zimmern im Haus belegt. Sie war im August dankbar für Familienbesucher, einige Geschäftsreisende und Teilnehmer einer Sportveranstaltung, die ihr Haus gefüllt haben. „Auf die Kollegen In Bayern oder an der deutschen Ostsee und an der deutschen Nordseeküste, die zurzeit von Touristen profitieren, die im eigenen Land statt im Ausland Urlaub machen, können wir nur wehmütig und neidvoll schauen“, sagt Thiesmann. Die Inhaberin des 1910 gegründeten Hotel- und Gastbetriebes an der Dimbeck gibt sich zweckoptimistisch mit Blick auf ihre treue Stammkundschaft, die sich im Hotel- und Gastronomiebereich ihres Hauses wohlfühlt. Thiesmann hofft, „dass das Homeoffice nach der Überwindung der Pandemie wieder so weit zurückgeht, dass es wieder mehr Geschäfts- und Service-Reisende geben wird, die ihr helfen, ihr Hotel zu belegen. Das Prinzip Hoffnung gilt für Thiesmann auch mit Blick auf ihre Tochter, die gerade im elterlichen Betrieb ihre Berufsausbildung als Hotel und Restaurantfachfrau begonnen hat, und das Familienunternehmen auch in der fünften Generation weiterführen will.
Der Mülheimer Vorsitzende des Deutschen- Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Jörg Thon stellt fest, „dass sich bei den Hotel- und Gaststättenbetreibern die Mehrheitsmeinung durchgesetzt hat, dass man langfristig bei der Beherbergung und Bewirtung von Gästen nicht auf eine 2G- sondern auf eine 3G-Regelung setzen will.“ Das bedeutet: Alle Menschen, die getestet, genesen oder geimpft sind, können und sollen Zugang zur Hotellerie und Gastronomie haben. „Wir wollen als Gastronomen und Hoteliers keine Impfpflicht durch die Hintertür einführen“, betont Thon.
Positiv aufgegriffen wurde bei den befragten Hoteliers auch, dass die Politik keine weiteren Lockdowns plant und dass die Corona Regeln nicht mehr von der Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektion, sondern von der Auslastung der klinischen Intensivstationen abhängig gemacht werden soll, so dass den Hotels perspektivisch kein weiterer wirtschaftlicher KO-Schlag droht.
NRZ/WAZ, 17.09.2021
Freitag, 1. Oktober 2021
Blick über den Tellerrand
Die ehemalige CDU-Stadträtin und Bürgermeisterin Ursula Schröder löst Manfred Krister als stellvertretende Vorsitzende des aktuell 393 Mitglieder zählenden Fördervereins Mülheimer Städtepartnerschaften ab. Die 68-jährige Mülheimerin wurde jetzt bei der Mitgliederversammlung im Bürgergarten einstimmig gewählt.
Schröder unterstützt damit die ebenfalls einstimmig wiedergewählten Vorstandsmitglieder, Dr. Gerhard Ribbrock (Vorsitzender), Hans-Dieter Flohr (Geschäftsführer) und Schatzmeister Joachim Schiwy. Flohr konnte den zahlreich erschienen Mitgliedern die gute Nachricht überrmitteln, dass das Sommerfest, dass der Städtepartnerschaftsverein im August zusammen mit der Regler-Produktion in der Freilichtbühne veranstaltet hatte, einen Reinerlös von 1631 Euro erbracht habe. Das Geld wolle der Verein dem Jazzclub als Spendenbeitrag für dessen Benefizkonzert (3. Oktober, 15 Uhr) in der Freilichtbühne zur Verfügung stellen. Die am Tag der Deutschen Einheit von Jazzbands mit Swing und Dixie eingespielten Spenden sollen Opfern der Hochwasserkatastrophe im Lennetal zugute kommen.
Nachwuchs, bitte melden!
Kritisch merkte Flohr das Fehlen jüngerer Vereinsmitglieder an. Hier müssten die Vereinsmitglieder verstärkt Werbung in eigener Sache machen. Wenn es mittelfristig nicht gelinge, jüngere Vereinsmitglieder für den Städtepartnerschaftsverein zu gewinnen und an die Vorstandsarbeit heranzuführen, könne die langfristig zu einer erneuten Existenzkrise führen. Alle aktuellen Vorstandsmitglieder sind im Rentenalter. Flohr selbst gehört dem Vorstand seit der Vereinsgründung an.
Drei Städtepartnerschaften feiern Geburtstag
Im kommenden Jahr plant der 1995 gegründete und 2014 umstrukturierte Förderverein Bürgerfahrten in die Regionen der Partnerstädte Tours (Frankreich), Darlington England), Oppeln (Polen) und Kfar Saba (Israel). Auch Besucher aus den Partnerstädten werden in Mülheim erwartet, zumal die Städtepartnerschaft mit Tours (seit 1962) und Kuusankoski/heute Kouvola (seit 1972) im kommenden Jahr und die Städtepartnerschaft mit Darlington (seit 1953) einen runden Geburtstag haben. Darlington ist die älteste Partnerstadt Mülheims, das nach dem Zweiten Weltkrieg zur britischen Besatzungszone gehörte und bis 1994 ein Standort der Britischen Rheinarmee war,
"Ich bin 2020 leider zum Weltmeister im Absagen von Bürgerfahrten und Veranstaltungen geworden." (Hans-Dieter Flohr)
Nach dem der Städtepartnerschaftsverein in seinem Jubiläumsjahr 2020 alle geplanten Festlichkeiten und Bürgerfahrten Corona-bedingt absagen musste, hofft man jetzt auf ein Corona-freies oder zumindest Corona-armes 2022, damit alle geplanten Bürgerfahrten in die Städtepartnerschaftsregionen stattfinden können. Die Bürgerfahrt nach Tours ist bereits ausgebucht. Für alle anderen Bürgerfahrten des Städtepartnerschaftsvereins gilt: "Es sind noch freie Plätze und Reisetickets da!"
Interessierte können sich auf der Internetseite www.staedtepartner-mh.de informieren und sich dort oder persönlich bei den Mitgliedern des Vorstands und des Beirats schlau machen und anmelden.
Leder, made in Mülheim
Ende Juli wurde an der Lahnstraße Mülheims letzter Lederindustriebetrieb geschlossen. Damit ging eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte zu...
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Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...