Montag, 17. Mai 2021

Weil nur Impfen hilft

 993 Mülheimer aus Stadtmitte nutzten am 13. und 14. Mai die Gelegenheit, sich außerplanmäßig mit Moderna gegen das Corona-Virus impfen zu lassen. Ein zusätzliches Moderna-Impfdosen-Kontingent der für die Verteilung zuständigen Kassenärztlchen Vereinigung Nordrhein machte es möglich. Als ganztägig geöffnete Impfzentren dienten die kinderärztliche Praxis Dr. Ulrike Breckling an der Delle und die urologische Praxis Dr. Horst Godo an der Kaiserstraße.

„Ich bin meinem Team sehr dankbar, dass es bei dieser Impfaktion mitzieht. Ohne diese Unterstützung hätte ich das nicht machen können“, sagt Kinderärztin Dr. Ulrike Breckling. „Für uns war das keine Frage, dass wir da mitziehen. Denn wir freuen uns, wenn wir so dazu beitragen können, dass wir die hohen Inzidenzzahlen in der Innenstadt senken und die Corona-Pandemie möglichst schnell überwinden können“, betont Brecklings Mitarbeiterin Inka Nie. Neben den vier Arzthelferinnen gehören an diesem sonnigen Feiertag auch zwei freiwillige Helfer aus Brecklings Freundeskreis und ihre angestellte Arzt-Kollegin Elke Jacobs zum Impfteam.


Die eigentlichen Moderna-Impfungen, eines Piks in den Oberarm, übernehmen Breckling und Jakobs. Ihre Helfer sorgen für das bürokratisch Notwendige. Alle Impfkandidaten müssen ihren Impfpass und die unterschriebenen Aufklärungs- und Diagnosebögen vorlegen, bevor sie zum Impfen durchgewunnken werden dürfen.


Die 53-jährige Hausfrau Silvia Sieh, verheiratete Mutter von drei Kindern, und der 59-jährige Installateur Jürgen Brand gehören zu den Erstgeimpften, die nach ihrem Anti-Corona-Piks auf den sonnenbeschienenen Sitzbänken vor der Praxis die vorgeschriebene 15-minütige Erholungs- und Beobachtungsphase verbringen, ehe sie wieder nach Hause gehen dürfen.


„Ich bin nicht gerade begeistert hier hingekommen“, räumt Silvia Sieh ein. Aber die Aussicht „auf mehr Freiheit und die ungleich hören gesundheitlichen Risiken einer Covid-19-Erkrankung“ haben bei ihr dann doch den Ausschlag für das Impfangebot am Himmelfahrtstag gegeben.


Ebenso, wie seine Sitz-Nachbarin, ist auch Jürgen Brand durch die Zeitung auf das kurzfristige Impfangebot in der Stadtmitte aufmerksam geworden. „Ich bin dankbar, dass ich mich jetzt impfen lassen konnte und in sechs Wochen meine zweite Impfung bekommen werde. Denn ich habe weniger Angst davor, mich selbst mit Corona zu infizieren, als davor, andere Menschen, mit denen ich täglich in Kontakt komme, mit dem Virus anzustecken.“ Für Brand liegt auf der Hand: „Mögliche Nebenwirkungen der Impfung sind sicher nicht so schlimm, wie ein schwerer Covid-19-Verlauf mit einer künstlichen Beatmung.

Dass auch Jugendliche einen solchen schweren Krankheitsverlauf erleiden können, erlebten die beiden Kinderärztinnen Dr. Ulrike Breckling und Elke Jacobs am Tag vor der Impfaktion, als sie einen 15-jährigen Patienten mit schweren Covid-19-Symptomen zur stationären Behandlung ins Krankenhaus überweisen mussten. „Wenn wir die Eltern und Großeltern impfen und damit die Inzidenzzahlen nach unterdrücken, schützen wir auch die Kinder und Jugendlichen und sorgen dafür, dass sie bald wieder zur Schule gehen können“, unterstreicht Ulrike Breckling. Aus ihrem Praxisalltag weiß die Kinderärztin, die in die beruflichen Fußstapfen ihres Vaters Dr. Gerhard Breckling getreten ist, „dass das Corona-bedingte Home-Schooling für die meisten Familien eine schwere Belastung darstellt.“


Auch Oberbürgermeister Marc Buchholz schaute um die Mittagszeit im Impfzentrum an der Delle vorbei, um sich bei den Beteiligten für ihre Feiertagsschicht im Kampf gegen Corona zu bedanken und mit einigen Geimpften ins Gespräch zu kommen.


„Diese Aktion“, so Buchholz, „hilft dabei, dass wir uns wieder näherkommen können und immer mehr Botschafter gewinnen, die aus eigener Erfahrung die Botschaft in die Stadtgesellschaft hineintragen können: ‚Nur Impfen hilft gegen das Corona-Virus‘.


Der leitende Arzt des städtischen Impfzentrums an der Wissollstraße, Dr. Stephan von Lackum, konnte dem Oberbürgermeister bei dieser Gelegenheit, die erfreuliche Zahl von 3100 Anti-Corona-Impfungen am 12. Mai mit auf den Weg geben.


„Es ist gut, sagt von Lackum, „dass wir durch eine solche außerplanmäßige Aktion auch Menschen impfen können, die aufgrund ihres Alters eigentlich noch nicht an der Reihe wären, aber zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen, wie zum Beispiel hohem Blutdruck oder Asthma oder aufgrund zahlreicher sozialer Kontakte ein erhöhtes Infektionsrisiko haben.“ Es gebe, so führt der Arzt aus, nur wenige Menschen, wie zum Beispiel schwangere Frauen oder Menschen, die schon bei früheren Impfungen mit schweren Komplikationen reagiert hätten, bei denen man aus medizinischen Gründen von einer Impfung absehen müsse. 


aus NRZ/WAZ, 13. und 16.05.2021

Samstag, 8. Mai 2021

Jüdisches Leben in Mülheim

 Mit mehr als 1000 Veranstaltungen wird 2021 in Deutschland an 1700 Jahre jüdisches Leben erinnert. Sieben Veranstaltungen, die das Stadtarchiv in seiner Reihe Iudaica beisteuert, beleuchten das jüdische Leben in Mülheim.

Den Auftakt der Reihe bestreitet der Leiter des Stadtarchivs und ausgewiesene Mittelalter-Historiker Stefan Pätzold mit seinem Vortrag "Juden in den Stadtrat!". Pätzold schlägt einen Bogen vom 321 erlassenen Dekret Kaiser Konstantins, das den Kölner Juden den Einzug in den Stadtrat gewährte bis zu den ersten urkundlichen Erwähnungen jüdischen Lebens in Mülheim. Im heutigen Mülheimer Stadtgebiet wurden nach seinen Recherchen erstmals 1508 jüdische Bürger belegt. In dem Dokument von 1508, so Pätzold, gehe es um eine jährliche Schutzabgabe von fünf Goldgulden, die die damals vor allem als Hausierer, Krämer und Handwerker in Mülheim lebenden und arbeitenden Juden an die Broicher Herrschaft entrichten mussten.

Pätzold weist darauf hin, dass es sich auch beim konstantinischen Dekret um eine Geldfrage gehandelt habe. Damals, so erklärt er, habe es in Köln an reichen Bürgern gemangelt, die sich eine Mitgliedschaft im Stadtrat leisten konnten. Denn im frühen Mittelalter hätten die Stadträte ihre Beschlüsse und deren Resultate auch selbst bezahlen müssen.

Wechselvolle Geschichte

Erst ab 1750 gab es in Mülheim auch eine Synagoge, die sich an der heutigen Ecke Schloßstraße/Friedrich-Ebert-Straße befand. Von den 12.000 Mülheimern des Jahres 1809 waren 193 jüdischen Glaubens. 1907 war die Jüdische Gemeinde so stark, dass sie sich einen repräsentativen Synagogenbau am damaligen Viktoriaplatz leisten konnte. Diesen Bau würdigte die Mülheimer Lokalpresse damals als "Zierde unserer Stadt." Doch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde auch in Mülheim der Antisemitismus zur Staatsdoktrin. Jüdische Beamte wurden entlassen. Jüdische Kaufleute wurden boykottiert. Jüdische Bürger wurden aus Vereinen ausgeschlossen. Jüdische Unternehmer wurden von städtischen Aufträgen ausgeschlossen. In der Reichspogromnacht ging auch die Mülheimer Synagoge in Flammen auf. Jüdische Bürger wurden in sogenannten Judenhäusern interniert und ab 1941 in die Vernichtungslager deportiert. Rund 270 jüdische Mülheimer fielen dem Holocaust zum Opfer. 1933 hatten noch rund 650 Menschen zur jüdischen Gemeinde in Mülheim gezählt.

Nicht wenige waren auch in Sportvereinen aktiv und als Sportler erfolgreich. Ihren Lebens- und Leidensweg zwischen Assimilation und Ausgrenzung skizziert der Vortrag des Dortmunder Sport-Historikers Dr. Henry Wahlig, der am 28. Oktober im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße zu Gast sein wird.

Ältestes Denkmal jüdischen Lebens

Auf das älteste, noch existierende Denkmal, jüdischen Lebens in Mülheim, blickt die Essener Historikerin Nathanja Hüttenmeister, wenn sie am 24. Juni, 16 Uhr, mit einer Führung über den 1750 angelegten Jüdischen Friedhof an der Gracht und einem um 18 Uhr anschließenden Vortrag im Haus der Stadtgeschichte, die jüdische Friedhofskultur im Allgemeinen und die Geschichte des Mülheimer Friedhofs im Besonderen beleuchtet. Im Gegensatz zur christlichen Kultur kennt die jüdische Kultur bis heute ausschließlich Erdbestattungen.

Ausstellung antijüdische Postkarten  

Dass der Antisemitismus in Deutschland nicht erst 1933 mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann, zeigt eine Präsentation der Bundeszentrale für politische Bildung, die vom 14. Juni bis zum 31. August im Foyer des Hauses der Stadtgeschichte antijüdische Postkarten zeigt, die vor dem Ersten Weltkrieg im damaligen deutschen Kaiserreich abgeschickt und abgestempelt wurden. Vor allem in rechten bürgerlichen Kreisen war der Antisemitismus vor 1914 weit verbreitet, obwohl die jüdische Bevölkerung, die einen Anteil von unter einem Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte, gesellschaftlich gut integriert und ausgesprochen staatstreu war. 

Seit 2004 werden auch in Mülheim Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig verlegt, die unter anderem an die jüdischen Opfer des NS-Regimes erinnern. Einige von ihnen werden am 3. September ab 16 Uhr Ziel eines von Anne Kebben geführten Stadtrundgangs sein.

Vorträge im Netz zu sehen

Zum Abschluss der Reihe Iudaica, deren Veranstaltungen zurzeit alle unter dem Corona-Vorbehalt stehen, stellt der Mülheimer Kunsthistoriker Dr. Gerhard Ribbrock am 11. November den jüdischen Maler Arthur Kaufmann vor. 1888 in Mülheim geboren, floh er 1933 vor den Nationalsozialisten zunächst in die Niederlande und 1936 in die USA. Eines seiner Hauptwerke - "Die geistige Emigration" befindet sich heute im Bestand des städtischen Kunstmuseums.

Ausstellung unter Schutzbedingungen sehen

Alle Vortragsveranstaltungen im Haus der Stadtgeschichte beginnen, so sie den Corona-bedingt stattfinden können, jeweils donnerstags um 18 Uhr. Auch die Postkarten-Präsentation der Bundeszentrale für politische Bildung steht aus platz- und organisationstechnischen Gründen unter Corona-Vorbehalt. Die Vorträge sollen aber, wie alle Vorträge in der Reihe zur Mülheimer Geschichte als Video aufgezeichnet und im Internet Interessierten zugänglich gemacht werden. Weitere Informationen zum Thema findet man im Internet unter: www.stadtarchiv-mh.de oder telefonisch unter der Rufnummer: 0208-4554260.


MW-LK 06.05.2021

Dienstag, 4. Mai 2021

Ein Mann des Glaubens

 In einer Zeit, in der viele Menschen die Kirche verlassen und immer weniger Männer sich zu Priestern weihen lassen, geht Jan Sienert den anderen Weg. Er verschreibt sein Leben der christlichen Glaubensverkündigung und der Seelsorge als Priester der römisch-katholischen Kirche. Was ist das für ein Mensch, den Weihbischof Ludger Schepers am 18. April (um 16 Uhr) in St. Lamberti (Gladbeck) durch Handauflegung und Gebet zum Diakon weihen wird? Das Neue Ruhr Wort sprach mit ihm Corona-konform via Zoom-Video-Meeting. Die Fragen stellte Thomas Emons

 

WAS MUSS MAN ÜBER SIE WISSEN?

Ich bin 30 Jahre alt, komme gebürtig aus der Gemeinde St. Josef in Rentfort in der Propsteipfarrei St. Lamberti in Gladbeck und habe nach meinem Fachabitur an der Johannes-Kessels-Akademie in Gladbeck ebenfalls an dieser Schule eine Ausbildung zum Erzieher abgeschlossen. 2012 habe ich mit der Priesterausbildung in Münster begonnen. Ich habe zunächst an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn meinen Bachelor in Religionspädagogik und dann an der Westfälischen-Wilhelms-Universität in Münster meinen Magister in Katholischer Theologie erworben.

 

WARUM WOLLEN SIE PRIESTER WERDEN?

Schon als kleiner Junge zog es mich in die Kirche. Und im Kindergarten sagte meine Erzieherin, die auch eine Ordensfrau ist, zu meiner Mutter: Dein Sohn ist nicht normal. Die anderen Jungs wollen Straßenbahnfahrer, Lokführer oder Feuerwehrmann werden, aber dein Junge will unbedingt Priester werden. Als Schüler und Auszubildender war ich dann auch als Messdiener und bei den Pfadfindern als Gruppenleiter, Stammesvorstand und Kurat aktiv. Ich habe aber lange darüber nachgedacht, ob das Priesteramt mein Ziel ist und habe deshalb auch erstmal Erzieher gelernt.

 

ERZIEHER UND SEELSORGER HABEN VIEL GEMEINSAM.

Unbedingt. Und meine pädagogischen Erfahrungen als Erzieher haben mir auch sehr geholfen, als ich im Rahmen meiner Priesterausbildung als Pastoraler Mitarbeiter in St. Pankratius (Oberhausen) an der Gesamtschule Osterfeld Religion unterrichten durfte. Und als Priester kommt man ja auch mit Kindergartenkindern in Kontakt.

 

WAS REIZT SIE AN DER PRIESTERLICHEN PRAXIS?

Dass man mit Menschen aus allen Generationen zusammenkommt, die man als Seelsorger von der Taufe bis zur Beerdigung begleiten kann. Genau das habe ich auch als Pastoraler Mitarbeiter in St. Pankratius, wo ich sehr warmherzig aufgenommen bin wurde, auch erleben dürfen. Ich habe aber auch erkennen müssen, dass man sich, anders als die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pfarrei, die Aufgaben nicht immer aussuchen kann und sich zum Beispiel auch mit Verwaltungsfragen auseinandersetzen muss. Dass wir in St. Pankratius ein Großraumbüro haben, hat mir geholfen, schnell ins Pastoralteam einzusteigen und mit den anderen aktiv zu werden. Leider hat Corona die Gemeindearbeit stark beeinträchtigt. Präsenzgottesdienste, Erstkommunion, Gemeindefeste. All das konnte Corona-bedingt nicht stattfinden. Oft musste Seelsorge digital stattfinden. Besonders viel gelernt habe ich durch die Teilnahme an Ehevorbereitungs- und Kondolenz Gesprächen gelernt, in denen man sich auf sehr unterschiedliche Menschen und ihre Charaktere und Temperamente einstellen muss. Da hat man es mit sehr verschlossenen, aber auch mit sehr mitteilsamen Menschen zu tun, die einem ihr ganzes Leben ausschütten.

 

SIE WERDEN PRIESTER IN EINER FÜR DIE KIRCHE SEHR SCHWIERIGEN ZEIT.

Ich habe im Rahmen meiner Priesterausbildung auch mit Menschen gesprochen, die von Priestern sexuell missbraucht worden sind. Wenn man ihre Leidensgeschichten hört, kann man schon an der Kirche zweifeln und sich darüber wundern, was Menschen in der Kirche anderen Menschen angetan haben. Vor diesem Hintergrund sind Kirchenaustritte verständlich. Aber sie bringen aus meiner Perspektive nichtsum in Kirche etwas zu verändern. Denn wenn man der Kirche ein neues, ein menschlicheres und ein glaubwürdiges Gesicht geben will, dann muss man aktiv werden und in der Kirche mitmischen und deshalb lasse ich mich gerade jetzt zum Diakon und zum Priester weihen.

 

WIE WOLLEN SIE IN DER KIRCHE MITMISCHEN?

Ich will als authentischer Mensch meinen christlichen Glauben und mein Christsein so leben, dass ich Menschen zeigen kann: Kirche geht auch anders. Kirche geht auch besser. Wir müssen die Aufklärung der Missbrauchsfälle [JS1] in der Kirche noch stärker vorantreiben, als wir das bisher getan haben. Und wir müssen uns alle in der Kirche gemeinsam progressiv überlegen, wie Kirche in Zukunft besser und menschlicher werden kann. Aber ich habe auch kein Patentrezept, wie wir aus der aktuellen Abwärtsspirale als Kirche wieder herauskommen sollen. 

 

WIE SIEHT DIE KIRCHE DER ZUKUNFT AUS, VON DER SIE EIN TEIL SEIN KANN?

Ich bin 30 Jahre alt und kenne Kirche nur in Veränderung und sie wird sich weiter verändern. In der pastoralen Seelsorge dürfen wir nicht nur auf die Kerngemeinde schauen, sondern zum Beispiel durch eine gute und vertiefte Sakramenten-Seelsorge Menschen als Kirche begleiten, die heute eben nicht mehr automatisch bei einer Gemeinde oder bei einem katholischen Verband andocken. Strukturfragen, wie eine mögliche Priesterweihe von Frauen oder einen Verzicht auf das Pflichtzölibat können wir nur weltkirchlich, etwa im Rahmen einer Synode oder im Rahmen eines Konzils beantworten, Aber die vergleichbaren Probleme der Evangelischen Kirche zeigen mir, dass wir die Probleme der Katholischen Kirche nicht mit der Aufgabe des priesterlichen Pflichtzölibates und der Priesterweihe von Frauen lösen werden. 

 

 

HINTERGRUND:

Die Diakonenweihe von Jan Sienert wird am 18. April mit einem Corona-konformen Präsenz-Gottesdienst mit begrenzter Teilnehmerzahl in St. Lamberti (Gladbeck) gefeiert und im Internet unter: www.pankratius-osterfeld.de als Video-Livestream übertragen. Nach der Weihe wird Jan Sienert als Diakon weiter in St. Pankratius (Oberhausen-Osterfeld) arbeiten. Als Diakon wird Sienert taufen, bei Trauungen assistieren, beerdigen, predigen, Wortgottesdienste leiten, die Kommunion spenden. Neben den Diakonen, die sich, wie Jan Sienert, als Diakone auf ihre Priesterweihe vorbereiten, gibt es auch ständige Diakone, die ihr geistliches Amt im Hauptamt oder neben ihrem Zivilberuf ausüben und auch verheiratet sein können, aber nicht wieder heiraten dürfen, sollte ihre Ehefrau versterben. Das altgriechische Wort Diakon bedeutet Diener und Helfer

Freitag, 30. April 2021

Sie hat schon viele zum Kochen gebracht

 Mit einer Quarkspeise in Mutters Küche begann Ulrike Dambergers Leidenschaft fürs Kochen. Inzwischen ist sie als die Fachbereichsleiterin für den Bereich Hauswirtschaft und Ernährung, die auch die Bereiche Mode, Kreativität und Gesprächskreise betreut, die dienstälteste Mitarbeiterin der Evangelischen Familienbildungsstätte (EFBS) am Scharpenberg. "Eigentlich wollte ich das nur drei Jahre lang machen und dann als Hauswirtschaftslehrerin in die Berufsschule wechseln", erinnert sich die gelernte Ökotrophologin an ihren Dienstantritt am 1. September 1977.

An ihrem zweiten Arbeitstag feierte sie ihren 22. Geburtstag, Dass sie ihrer ersten Stelle nach ihrer Berufsausbildung in Wuppertal treu geblieben ist, erklärt Ulrike Damberger so:

"Anders, als in den Hauswirtschaftsklassen der Berufsschulen kommen die Menschen freiwillig hier hin, um mit anderen Menschen zu kochen!"

Im Laufe der Jahre sind ihre Kochkurse zu einem immer beliebteren Gemeinschaftserlebnis geworden. Aus einem ihrer Kochkurse ging sogar ein Seniorenmittagstisch hervor, der bis heute im Evangelischen Gemeindehaus an der Oberheidstraße gedeckt wird. Allein in den vergangenen zwölf Jahren hat sie 1186 Kochkurse gegeben und damit 3462 Männern, Frauen und Kindern die Freude an der Kochkunst vermittelt.  

In einer Kellerküche fing alles an

Ihren ersten Kochkurse gab Damberger noch in einer Kellerküche am Schildberg in Dümpten. An ihrem ersten Kochkurs nahmen neun Frauen und ein Mann teil. Damals trug die EFBS ihren Gründungsnamen aus dem Jahr 1962 "Mütterschule" noch im Untertitel. "Sind Sie noch nicht verheiratet? Dann werden Sie bei uns sicher einen Mann kennenlernen", ließ ein Styrumer Pfarrer die junge Fachbereichsleiterin wissen. Damberger war darüber amüsiert bis irritiert. Doch der Pfarrer sollte Recht behalten. Nicht etwa bei einem ihrer Kochkurse für Junggesellen, sondern, Mitte der 1980er Jahre, bei einem Kochkurs rund um die asiatische Küche, lernte die Ökotrophologin ihren späteren Mann Klaus kennen. Damals hatte die EFBS bereits ihr heutiges Haus am Scharpenberg bezogen.

In den 1980er Jahren erweiterte Damberger ihr Küchenkabinett um Kochkünste aus aller Welt. Neben deutscher Hausmannskost wird in der Lehrküche am Scharpenberg heute auch chinesisch, französisch, spanisch, indisch oder französisch gekocht. Auch von vegetarischer und veganer Küche war in Dambergers frühen Berufsjahren noch keine Rede.

"Damals gehörte zu jeder guten Mahlzeit ein ordentliches Stück Fleisch",

erinnert sich Ulrike Damberger. Von sich selbst sagt die Mutter einer inzwischen erwachsenen Tochter, "dass ich in der Küche gerne viel ausprobiere und eigentlich alles mag, außer Mayonnaise!"

Kochkurse machen nur live Spaß

Bevor das Corona-Virus die Küchenfee aus der EFBS im vergangenen Jahr ausbremste und ihre Lehrküche seit Oktober stillgelegt hat, hat Ulrike Damberger ihre Arbeit eigentlich nie als solche angesehen. "

Mit anderen Menschen zusammen zu kochen, ist für mich Entspannung und Kreativität pur",

sagt sie. Damberger, die ursprünglich nur von einer Kollegin unterstützt wurde, leitet inzwischen einen Fachbereich mit acht Dozentinnen. Sie hoffen, wie ihre Chefköchin, auf ein möglichst baldiges Küchen-Comeback. Denn auch wenn Ulrike Damberger ihr Küchenlatein zurzeit über die Internetseite der EFBS an die Frau und den Mann bringt, funktioniert ein Kochkurs eben nicht digital, sondern nur ganz analog mit Schmecken, Riechen, Probieren und Fühlen. Mit Blick auf die langfristigen Tendenzen in der hauswirtschaftlichen Ausbildung begrüßt es Ulrike Damberger, dass heute Kochkurse längst keine Frauensache mehr sind, sondern sich auch Vater-Kind-Kochkurse und zum Geburtstag geschenkte Familienkochkurse immer größerer Beliebtheit erfreuen. Bedauerlich findet es die Ökotrophologin aber, dass heute in den Regelschulen keine Hauswirtschaft mehr auf dem Stundenplan steht und so viel Grundwissen rund um das kleine und große Einmaleins der Lebensmittel und des Kochens verloren gegangen ist.


aus dem Lokalkompass der Mülheimer Woche vom 26. April 2021

Montag, 26. April 2021

Erfahrungen eines Fußgängers

 Wer früher ein Abenteuer erleben wollte, musste in die weite Welt hinaus. Heute reicht der normale Alltag vor der Haustür. Längst sind auch Fußgängerzonen und Bürgersteige zu Rennstrecken für E-Rollern, die kaum hörbar, aber blitzschnell und lebensgefährlich an einem vorbeirasen. „Was ihr könnt, kann ich schon lange“, sagt sich da so mancher rasende Radfahrer. Auch manche Autofahrer beschränken sich heute bei weitem nicht mehr auf Fahrbahnen und Parkplätze. Sie nehmen auch schon mal erstaunlich selbstverständlich und rasant eine Abkürzung durch die Fußgängerzone oder parken, weil sie es ja besonders eilig haben und jeder zu Fuß zurückgelegter Meter für sie die reinste Zeitverschwendung ist, auch die Bürgersteige zu, die noch nicht als Parkplätze ausgewiesen sind. Und selbst, wenn man sich als Fußgänger in Bus- und Bahn flüchtet, ist man seines Lebens nicht immer sicher. Denn da gehen die Automatiktüren auch schon mal vor der Zeit zu und bringen den für unsere schnelllebige Zeit zu langsamen Fußgänger in die Klemme. Mir scheint: Je schneller wir vorankommen wollen, desto schneller kommen wir auf den Holzweg und landen am Ende in der Sackgasse, namens Rücksichtslosigkeit.


aus der NRZ vom 26.04.2021

Samstag, 24. April 2021

Mülheimer Bodenschätze

 Am Wasserbahnhof kann man zu einer Tour mit der Weißen Flotte aufbrechen. Man kann aber auch auf der Schleuseninsel in die Erlebnisroute Mülheimer Bodenschätze einsteigen. Mit Hilfe des Landes konnte die Stadt jetzt den aus elf Stationen bestehenden geologischen Lehrpfad aktualisieren. 

Dafür hat der Regionalverband Ruhrgebiet 127.000 Euro aus dem Landeshaushalt an die Stadt Mülheim weitergegeben. Mit dem Geld konnten die elf Stationen zwischen Schleuseninsel, Luisental, Fossilienweg, Auberg, Kahlenberg und Mintarder Ruhrtalbrücke digitalisiert und an die heutigen Lesegewohnheiten angepasst werden. Wer sich mit seinem Smartphone auf die geologische Lehrwanderung durch Mülheim begibt, kann sich mit dem Abfotografieren eines QR-Codes die auf der Internetseite der Stadt hinterlegten Informationen über Mülheimer Bodenschätze und Bodenprofile als Audiodatei aufrufen. Ergänzt werden die Stationen des geologischen Lehr- und Erlebnispfades durch zehn Infotafeln, die als "Boden-Botschafter" an Mülheimer Schulen aufgestellt worden sind. Für das neue Präsentationskonzept zeichnet der Ausstellungsgestalter Helmut Kessler verantwortlich.

Bewusstsein für den Boden schaffen

"Wir wollen die Menschen mit unserer Erlebnisroute Mülheimer Bodenschätze vor allem dafür sensibilisieren, wie wertvoll unser Boden ist, wenn es zum Beispiel darum geht, unsere Umwelt und unser Klima zu schützen", argumentiert Ulrike Marx in die gleiche Richtung. Sie ist beim Umweltamt für den Klimaschutz zuständig. Der Geograph Dr. Peter Keil, der die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet leitet, hat den geologischen Lehrpfad mit Schautafeln und Schaukästen, zusammen mit Marx 2009 initiiert. Damals sprang die NRW-Stiftung als Geldgeber ein. Diesmal kommt das Geld vom Land. 

Grüne Lückenschlüsse

Die Modernisierung des gleichermaßen für familiäre Spaziergänge wie für schulische Exkursionen geeigneten Geo-Lehrpfades ist eines von 27 Landesprojekten im Ruhrgebiet. Insgesamt stellt NRW 2,2 Millionen Euro für Maßnahmen bereit, die Lücken in den Grünzügen des Ruhrgebietes schließen und so die "grüne Infrastruktur 2030" stärken soll. "73 Prozent der Fläche der 52 Ruhrgebietsgemeinden, die zum Regionalverband gehören, sind Grünflächen", unterstreicht Tino Wenning vom RVR. Diesen Wert erreicht Mülheim mit seinem Grünflächenanteil von 72,6 Prozent fast genau auf den Punkt. Den grünen Lückenschluss im Ruhrgebiet, den die vom NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet 2018 einberufene Ruhrgebietskonferenz aufgegriffen hat, hatte der Vorgänger des Regionalverbandes Ruhrgebiet, der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk bereits vor 100 Jahren geplant.

Stadt und Land Hand in Hand

"Die grünen Infrastrukturprojekte des Landes und des Regionalverbandes passen sehr gut in unsere lokale Strategie, die weitere Zersiedelung unseres Stadtgebietes und die damit verbundene zunehmende Versiegelung von grünen Freiflächen zu verhindern. Deshalb müssen wir bei unserer Bauplanung auch verstärkt in die Höhe denken, um den Flächenverbrauch zu stärken", betont Bau- und Umweltdezernent Peter Vermeulen.

Vermeulen und Wenning sind sich einig, "dass ökologisch weitgehend intakte Wirtschaftsstandorte, die Unternehmen und ihren Mitarbeitern ein attraktives Umfeld mit hoher Lebensqualität bieten können, im Standort-Wettbewerb die Nase vorne haben werden, weil die Zeiten der grauen Werkshallen auf großen Flächen in einer zunehmend digitalisierten Wirtschaft der Vergangenheit angehören."

Neue Bäume für Mülheim?

"Dass die Akzeptanz für Umweltschutz auch mit Blick auf den Boden eine früh einsetzende und sensibilisierende Umweltbildung braucht", haben Dr. Peter Keil und Ulrike Marx nicht nur auf der Erlebnisroute der Mülheimer Bodenschätze, sondern auch in ihrem Bodenklassenzimmer im Broich-Speldorfer Wald erlebt, wenn sie Mülheimer Schülern den ökologischen Wert des heimischen Bodens auch mit ganz praktischen Bodenuntersuchungen nahebringen. Nach der Modernisierung der Erlebnisroute Mülheimer Bodenschätze hofft Umweltdezernent Peter Vermeulen, dass Mülheim im Herbst in das Landes- und RVR-Programm "10.000 Bäume für das Ruhrgebiet" einbezogen wird. Bei der ersten Verteilungsrunde war Mülheim leer ausgegangen. Bäume tragen als Biotop für Insekten zur Artenvielfalt bei und können mit der Fotosynthese CO2-Abgase in Sauerstoff verwandeln.


aus dem Lokalkompass der Mülheimer Woche, 19.04.2021

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...