Freitag, 19. März 2021

Beuys, ganz plakativ

 Joseph Beuys, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte feiern können, wird jetzt bis zum 2. Mai mit einer plakativen Ausstellung im Kunstmuseum Temporär an der Schloßstraße 28-30 gewürdigt. "Das Plakat als Kunstobjekt hat eine lange Tradition, die bis zu Henri Marie Raymond de Toulouse-Lautrec zurückreicht", sagt die Leiterin des städtischen Kunstmuseums, Dr. Beate Reese. 


Die jetzt im Temporär zu sehende Ausstellung Joseph Beuys - In Bewegung, Plakate, Aufrufe und Manifeste zeigt uns den politisch wirksamen Künstler, der unsere Gesellschaft als soziale Plastik verstand und bis zur Aufgabe seiner Düsseldorfer Kunst-Professur dafür eintrat, dass jeder Mensch, der sich dazu berufen fühlte, Kunst studieren und Künstler werden dürfe. Er selbst hatte in den späten 1940er und in den frühen 1950er Jahren, so wie der spätere Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass, an der Düsseldorfer Kunstakademie unter anderem bei dem Mülheimer Kunst-Professor Otto Pankok studiert.

Jetzt schließt sich der Kreis, in dem der Förderkreis des städtischen Kunstmuseums eine Sammlung von mehr als 100 Beuys-Plakaten für das Museum erworben hat.

"Ich bin darüber sehr glücklich, weil zur Aufgabe unseres Museums auch die Sammlung neuer Kunst gehört, die uns langfristig auch unabhängiger von teuren Leihgaben macht und uns zugleich als Leihgeber interessant macht",

sagt Beate Reese. Denn wer als Museum interessante Leihgaben anbieten kann, kann im Tausch auch interessante Leihgaben anderer Museen bekommen, ohne dafür tief in die Tasche zu greifen. Die klassisch-moderne Sammlung Ziegler ist nur ein Mülheimer Beispiel für diesen Mechanismus.
 

Eine lohnende Investition

Der Vorsitzende des zurzeit 180 Mitglieder zählenden Förderkreises, Dr. Carsten Küpper, lässt keinen Zweifel daran, dass es für den Förderkreis eine finanzielle und inhaltliche Kraftanstrengung war, die plakative Beuys-Sammlung nach Mülheim zu holen. Die Sammlung befand sich zuvor im Besitz des Kunst- und Medizin-Historikers Professor Axel Hinrich Murken, der mit Beuys befreundet war. Die Grundlage dafür haben die Mitgliedsbeiträge des Förderkreises und die Einnahmen des Museumsshops geschaffen.

"Für den Ankauf einer solchen hochkarätigen Sammlung muss man sich als Standort qualifizieren und auch unsere finanziellen Möglichkeiten sind beschränkt. Aber wir haben jetzt die Sammlung eines Künstlers erworben, der hoch verehrt und hoch umstritten war, von dem wir aber heute wissen, dass er uns als Gesellschaft nachhaltig geprägt hat",

sagt der Vorsitzende des Förderkreises. Der Jahresbeitrag (mindestens 45 Euro) für die Mitgliedschaft im Förderkreis des städtischen Kunstmuseums, das momentan nur über einen knapp fünfstelligen Ankaufetat verfügt, lohnt sich aus Küppers Sicht,

"weil man sich hier für ein Stück Lebensqualität in seiner Stadt engagieren kann und den Kunstbetrieb und seine Akteure aus einer sehr persönlichen Perspektive kennenlernen kann."

Die Kunst als politisches Vehikel

Beate Reese weist mit Blick auf die jetzt ausgestellten Plakate, darauf hin,

"dass Beuys, wie kaum ein anderer Künstler seiner Generation, es verstanden hat, das Medium Plakat als künstlerisches Vehikel zu nutzen, um seine künstlerischen und gesellschaftspolitischen Ideen auch in kunstferne Gesellschaftsgruppen hineinzutragen."

Beuys, der die öffentliche Diskussion liebte und zu nutzen verstand, hätte es sicher gefallen, dass seine jetzt an der Schloßstraße gezeigten Arbeiten im Rahmen der Ausstellung auch bei Tischgesprächen diskutiert und erläutert werden sollen. Und genauso hätte sich der 1921 geborene und 1986 verstorbene Künstler über ein Wiedersehen mit einem Kurzfilm gefreut, der 1981 in Mülheim entstand. Eine Zusammenarbeit mit Werner Nekes und Doro O. ließ ein wertvolles Filmdokument entstehen, in dem Beuys elf Minuten lang über seine Kunst Auskunft gibt. Dabei kommt der Ausstellungstitel: "Joseph Beuys - In Bewegung" nicht von ungefähr. Denn wir begegnen in der Temporär-Ausstellung, die etwa ein Drittel der jetzt erworbenen Beuys-Plakate zeigt, einem politischen Künstler, der schon früh für direkte Demokratie, konsequente Friedenspolitik, Umweltschutz, kreative Breitenbildung und die Überwindung eines umwelt- und menschenfeindlichen Materialismus eintrat und deshalb in seinen späten Jahren für die damals neu entstehenden Grünen aktiv wurde.


Dienstag, 9. März 2021

Denk ich an Friedrich Ebert

 Eine der zentralsten Straßen der Stadt trägt seinen Namen: Friedrich Ebert wurde vor 150 Jahren geboren. Was hat uns der erste Sozialdemokrat an der deutschen Staats- und Regierungsspitze heute zu sagen? Die Mülheimer Woche befragte dazu denUnterbezirksvorsitzenden der aktuell 1300 Mitglieder zählenden Mülheimer SPD, Rodion Bakum.

Eine der zentralsten Straßen der Stadt ist nach dem sozialdemokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert (1871-1925 benannt. Warum macht das aus Ihrer Sicht auch heute noch Sinn?
Rodion Bakum: Weil uns nicht nur dieser Straßenname dazu anregt, uns mit unserer Geschichte und Kultur auseinanderzusetzen. Das gilt auch für umstrittene Straßennamen, wie den der Fritz-Thyssen Straße oder für die Frage, ob wir neben einer Konrad-Adenauer-Brücke und einem Theodor-Heuss-Platz vielleicht auch eine Helmut-Kohl-Brücke oder eine Clara-Zetkin-Straße haben sollten. Wenn man weiß, dass die Friedrich-Ebert-Straße früher Hindenburg-Straße hieß und heute an die zwischenzeitliche Adolf-Hitler-Straße, die seit 1945 wieder nach dem liberalen deutschen Kaiser Friedrich III. benannt ist, dann ist das schon eine Auseinandersetzung mit unserer Geschichte. Ich selbst wäre nie auf die Idee gekommen, die ehemalige Hauptschule an der Bruchstraße nach Max Kölges zu benennen, wenn ich nicht über die Max-Kölges-Straße dazu motiviert worden wäre, mich mit der Biografie des in der genossenschaftlichen Daseinsvorsorge aktiven Handwerksmeister, Stadtrates und Bürgermeisters auseinanderzusetzen. Und so ähnlich ist das mit Friedrich Ebert auch.

Wie würden Sie Friedrich Ebert in der Geschichte einordnen?
Rodion Bakum: Er wat für Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg und für die Sozialdemokratie des Kaiserreiches und der Weimarer Republik eine ganz zentrale Figur. Als ehemaliger Volksschüler und Sattlergeselle, der später in den Gewerkschaften, in der SPD und dann erst in der Kommunalpolitik aktiv wurde, war Ebert ein pragmatischer Reformpolitiker, der seine Wurzeln nie verleugnet hat und stolz auf sie war. Aus seiner eigenen Biografie wusste er sehr genau um die zentrale politische Bedeutung der Bildung als Voraussetzung für sozialen Aufstieg und politische Teilhabe. Deshalb macht es auch Sinn, dass die SPD ihre Stiftung nach Friedrich Ebert benannt hatte. Als sozialdemokratischer Reformpolitiker wollte Ebert keine Revolution, sondern die Monarchie beibehalten, weil er wusste, dass man gesellschaftliche Strukturen nicht von heute auf morgen ändern kann. Als er aber erkennen musste, dass er die Revolution nicht aufhalten konnte, setzte er sich an ihre Spitze, um sie mitgestalten kann. Ebert steht für die Wurzeln der Sozialdemokratie und für Errungenschaften wie den Achtstundentag, die Tarifautonomie, das Frauenwahlrecht und die grundsätzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Nicht von ungefähr, war es die Sozialdemokratin Marie Juchacz, die die als erste Abgeordnete 1919 vor der Nationalversammlung der Weimarer Republik sprach. Darauf kann man als Sozialdemokrat stolz sein. Natürlich steht der von vielen hoch verehrte Friedrich Ebert auch für das sozialdemokratische Schisma. die Abspaltung der USPD und der KPD. Und er steht auch dafür in der Kritik, mithilfe alter Monarchisten die Rote Ruhrarmee und den Spartakusaufstand bekämpft und damit auch zur Ermordung der ehemaligen Sozialdemokraten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mitverantwortlich zu sein. Friedrich Ebert war eine Lichtgestalt mit einigen Schatten. Er wurde von der extremen Linken als Arbeiterverräter und von der extremen Rechten als Vaterlandsverräter verleumdet, weil er politisch in der Mitte stand und bereit war, mit anderen demokratischen Parteien zusammenzuarbeiten.

Was würde Friedrich Ebert heute seinen sozialdemokratischen Genossen sagen, die ja aktuell auch in einer schwierigen Situation sind?
Rodion Bakum: Friedrich Eberts Feststellung: "Demokratie braucht Demokraten!" ist heute so aktuell wie zu seiner Zeit. Und sicher würde er uns vor dem Hintergrund seiner eignen Lebenserfahrung mit auf den Weg geben: "Vergesst eure Wurzeln nicht und macht Politik für die Menschen und nicht für die Partei. Genau das hat später auch Willy Brandt gesagt. Und sicher hätte er auch den für mich als Mediziner und Kommunalpolitiker prägenden Satz des österreichischen Sozialdemokraten, Arztes und Psychotherapeuten Alfred Adler unter- und uns ins Parteibuch geschrieben: "Unsere Aufgabe ist es, Gutes zu tun und Schaden abzuwenden, ob in der Medizin für die Patienten oder in der Politik für die Menschen."


aus der Mülheimer Woche vom 7. 3. 2021

Montag, 8. März 2021

Baustelle Integration

 Den internationalen Frauentag (8. März) nehmen Medlina Al Ashouri, Gilberte Raymonde Driesen und Hasan Tuncer zum Anlass, auf die lokalen Baustellen hinzuweisen, die bearbeitet werden müssen, um den grundgesetzlichen Anspruch auf Rechtsgleichheit aller Bürgerinnen und Bürger auch in unserer Stadt soziale Wirklichkeit werden zu lassen.

"In Sachen Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit sind wir als Integrationsrat ein Vorbild für Mülheim. Bei der letzten Wahl sind 8 Frauen und 8 Männer in den Integrationsrat gewählt worden. Und Medlina Al-Ashouri und ich bilden zusammen mit Hassan Tuncer ein gut funktionierendes Vorstandsteam", sagt Gilberte Raymonde-Driesen. Zurzeit sind 51,3 Prozent der Mülheimer Mülheimerinnen, aber nur 34,5 Prozent der 55 Stadträte Stadträtinnen.

Ein Spiegelbild unserer Gesellschaft

"Das ist auch gut so. Denn wir wollen als Integrationsrat die Gesellschaft abbilden, in der es mehr Frauen als Männer gibt", unterstreicht der Vorsitzende des Integrationsrates, Hasan Tuncer. Und der ehemalige Stadtrat vom Bündnis für Bildung macht klar, dass er die gesamte Arbeit des Integrationsrates nicht als eine One-Man-Show, sondern als eine Gemeinschaftsarbeit ansieht, an deren Ende "alle Menschen in unserer Stadt besser und zufriedener miteinander leben können."

Er selbst sieht vor allem im Bereich der Bildung Nachholbedarf. "Wir brauchen wieder mehr Präsenzunterricht und mehr Unterstützung für die Kinder aus sozialbenachteiligten Familien, wenn wir diese Kinder nicht durch den Corona-bedingten Distanzunterricht abhängen und verlieren wollen", betont der Vorsitzende des Integrationsrates, dem auch acht Stadträte als kooptierte Mitglieder angehören. Gilberte Raymonde Driesen weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass viele Zuwandererfamilien kinderreich seien, aber nur kleine Wohnungen hätten. "Da ist der soziale und psychische Druck besonders groß. Hier bräuchten die betroffenen Kinder und Jugendlichen einfach mal betreute Freizeitangebote in Jugendzentren, um abschalten zu können und die schlimmsten sozialen und psychischen Folgen des Corona-Lockdowns zumindest abzumildern.", sagt Driesen.

Der Rassismus ist unter uns

Ihre Vorstandskollegin Medlina Al-Ashouri sieht auch beim Thema Rassismus Handlungsbedarf. "Diesem Problem begegnen wir subtil oder ganz offen sowohl in Schulen, bei der Polizei oder bei der Wohnungssuche. Hakenkreuze an Wohnhäusern von Zuwanderern seien hier nur die offensichtlichste Form eines oft bewusst oder auch unbewusst ausgeübten Rassismus. Dieser Rassismus müsse auch mit Hilfe des Integrationsrates aufgearbeitet werden. Er dürfe nicht weiter klein geredet werden", analysiert Al-Ashouri die Lage.

Hier weist Gilberte Raymonde-Driesen auf die von der Schwarz-Grünen Ratsmehrheit angestrebte Einrichtung einer kommunalen Antirassismus-Beratungsstelle hin. "Darauf sind wir wirklich gespannt und wir stehen als Ansprechpartner nicht nur bei diesem Thema bereit und erwarten, dass man unsere Kompetenzen berücksichtigt. Wir wollen nicht, dass man für uns oder über uns spricht. Auch das wäre eine Form von Rassismus. Wir erwarten, dass man mit uns spricht und mit uns zusammenarbeitet", unterstreicht Driesen.

Besser miteinander vernetzen

Gleichzeitig fordert der Vorsitzende des Integrationsrates, der rund 27.500 nicht-deutsche Mülheimer aus 140 Nationen vertritt, die Migrantenorganisationen auf, sich besser miteinander zu vernetzen und sich mehr als bisher miteinander auszutauschen, aber auch Weiterbildungsangebote zu nutzen. Der Integrationsrat geht mit einem kommunalpolitischen Online-Workshop für seine Mitglieder mit gutem Beispiel voran. Hassan Tuncer macht klar, "dass alle sozialbenachteiligten Mülheimer, unabhängig von ihrer Herkunft, von unserem gemeinsamen sozial- und bildungspolitischen Bemühungen profitieren sollen." Die Begegnung und das Gespräch von Mülheimern mit und ohne deutschen Pass, wie sie der Integrationsrat mit der MST und dem Ringlokschuppen bei der Interkulturellen Woche in der Müga organisieren will, ist für Tuncer das erste Mittel der Wahl, "um Menschen Ängste, Nöte und Vorurteile zu nehmen." Sozialpolitisch viel gewonnen wäre aus Sicht seiner Stellvertreterin Raymonde-Driesen schon dann, wenn bei der Offenen Ganztagsschuie von einer Bevorzugung von Kindern berufstätiger Mütter absehen würde, weil man damit automatisch viele Kinder aus Zuwandererfamilien vom dem für sie sozial und pädagogisch besonders wichtigen OGS- Angebot ausschließen würde. Mindestens ebenso wichtig ist in ihren Augen eine steigender Anteil von Mülheimern mit Migrationshintergrund in Rat, Verwaltung und in den Schulen, um positive und motivierende Integrationsvorbilder zu schaffen..

Grundsätzlich laden Medlina Al-Ashouri, Gilberte Raymonde Driesen und Hasan Tuncer alle Schulen und alle anderen öffentlichen Einrichtungen und Organisationen zur Zusammenarbeit ein und bieten ihre Beratung an, wenn es zum Beispiel darum geht, wie man Zuwanderer besser fördern und Alltagsrassismus verhindern kann. Darüber hinaus bieten die Vorstandsmitglieder des Integrationsrates allen ratsuchenden Zuwanderern ihre Beratung und Hilfe an.

Der Draht zum Integrationsrat

Wer mit dem Integrationsrat und seinem Vorstand Kontakt aufnehmen möchte, kann dies über seine von Martina Weiß-Peleikis betreute Geschäftsstelle im Rathaus-Raum C106 tun. Die Geschäftsstelle ist per E-Mail über die Internetseite der Stadt: www.muelheim-ruhr.de oder montags bis freitags (8-12.30 Uhr) sowie donnerstags von 14 bis 16 Uhr unter der Rufnummer: 0208-4553022 zu erreichen.


aus der Mülheimer Woche vom 08.03.2021

Samstag, 27. Februar 2021

Ganz schön haarig

 Wir leben in haarigen Zeiten. Das macht mir der Blick in den Spiegel deutlich. Meine Haare werden lang und länger. Auch Mitmenschen, die sonst eher häufiger als seltener zum Friseur gingen, begegnen einem jetzt mit zum Teil haarsträubenden Frisuren. Nur als Glatzenträger kann man in diesen Corona-Tagen noch frisurtechnische Kontinuität und Fassung bewahren. Was mich immer wieder verwundert, ist der Anblick unserer medial omnipräsenten und immer gut frisierten Spitzenpolitiker und Top-Manager. Sollten diese so gut bezahlten Spitzen von Staat und Wirtschaft am Ende auch noch begnadete Friseure sein, die nicht nur anderen, sondern auch sich selbst daheim den Kopf waschen und eben nicht nur Bilanzen und Statistiken frisieren können?! Bei genauer Betrachtung wird es aber wohl so sein, dass man gerade in haarigen Zeiten, wie diesen, den sozialen Status der Menschen an ihrer Haarmähne erkennt. Wer uns jetzt noch schnittig begegnet, muss entweder genug Geld für einen gut maskierten Haus- und Hoffriseur oder gute Beziehung zu einem solchen haben. Nun sollen die Friseursalons ja bald wieder öffnen. Doch schon jetzt dürften ihre Wartelisten länger als so mache Haarmähne sein. Mal sehen, ob die Friseure mit dem Haareschneiden schneller vorankommen, als die Gesundheitsbehörden mit dem Impfen. Zur Not lassen wir unsere Haare einfach weiter wachsen und gehen nächstes Jahr als Hippies im Mülheimer Rosenmontagszug mit! Und als Kostüm Prämie beantragen wir dann beim Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval einen Friseurgutschein.


aus der NRZ vom 25. 02. 2021

Freitag, 26. Februar 2021

Bedingt dienstbereit

Service ist nicht gleich Service. Das lernte ich jetzt bei meinem jüngsten Bankbesuch. Ich wollte nur mal eben mein Sparbuch durchlaufen lassen und schauen, ob sich in der Zwischenzeit eine wunderbare Geldvermehrung ergeben hätte. Als mich die Zahlen in meinem Sparbuch auf den Boden der fiskalischen Tatsachen zurückholten, war ich nicht enttäuscht. Enttäuschend fand ich nur, dass ich nach geraumer Zeit in der ersten Warteschlange vor dem Service-Schalter von der Bank-Mitarbeiterin zum Kassenschalter verwiesen wurde: mit dem Satz abgefertigt wurde: “Sie wollen nur ihr Sparbuch durchlaufen lassen? Dann müssen Sie zur Kasse gehen!” Während ich ihrer wenig serviceorientierten Aussage irritiert Folge leistete und mich in die nächste Warteschlange vor dem Kassenschalter eingereihte, hatte ich das Gefühl, dass der Service-Schalter meiner Bank nicht das hält, was seine Name verspricht. Schade, dass die Kollegin am Serviceschalter sich ihre Dienstauffassung vor die Dienstleistung stellte. Hatte ich als Kunde zu viel verlangt, mein Sparbuch von ihr durchlaufen und so aktualisieren zu lassen?

Als Mitarbeiterin einer Bank, die ihre Kunden dazu aufruft: “Wenn es um’s Geld geht” den Weg zu ihr zu finden, hätte sie vielleicht eine Sekunde lang daran denken können, dass auch die Zeit der Kunden Geld  wert ist. Vielleicht ist die Service-Kollegin noch in der Zeit ausgebildet worden, als ihre Bank ein städtisches Amt war, in dem man vom Amts Wegen in bester Beamten-Manier erst mal die Zuständigkeit prüfen musste, ehe man zur Tat schritt. Wie schön, dass der Busfahrer der Ruhr-Bahn, der mich zu meinem nächsten Termin bringen sollte, eine Sekunde länger als nötig seine Bustüre offen hielt, um mir eine weitere Wartezeit zu ersparen. Danke, Herr Kollege, fürs Mitdenken und Mitfühlen. Das schloss an diesem Tag mein Service-Defizit und versöhnte mich mit der Menschheit. Gut, wenn man Menschen begegnet, die ihren Dienst am Mitmenschen und ihn nicht nur nach Vorschrift leisten.


aus der NRZ vom 22.02.2021

Dienstag, 23. Februar 2021

Immer wieder sonntags

Gestern habe ich an dieser Stelle über den Aschermittwoch philosophiert. Und heute hatte ich im Supermarkt eine Begegnung der besonderen Art. Mir begegnete der Osterhase, der aus Schokolade, um genau zu sein. Aus dem Regal blinzelte mich der schokoladige Meister Lampe, gewandet in der signalfarbenen Verpackung eines bekannten Schokoladen-Herstellers verführerisch an. “Nimm mich jetzt, ehe es zu spät ist!” schien mir das süße und kurvige Geschöpf aus Schokolade zu zuraunen. Vor solchen Situationen von Versuchung und Begierde hat mich Mutter immer gewarnt. Ich habe ihren Rat im Ohr: “Geh niemals hungrig einkaufen. Das wird teuer!” Tatsächlich ist es ja schon manchem Mann nicht nur beim Einkauf teuer zu stehen gekommen, wenn er scheinbar süßen und unwiderstehlichen Hasen vernascht hat, der nachher nicht gehalten hat, was er versprochen hat. Aber bleiben wir lieber bei den Süßigkeiten aus Schokolade, ehe wir auf Abwege geraten. Tatsache ist: Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Und da passt so ein Schokoladenhase nicht wirklich rein. Es denn, man vernascht ihn sonntags. Denn die Sonntage sind kirchenrechtlich betrachtet fastenfrei. So gibt es von jeder Regel eine Ausnahme. Gott sei Dank. Denn jede Moral, auch die in Sachen Ernährung, ist nur zu ertragen, wenn Sie an der einen oder anderen Stelle mit doppeltem Boden gelebt werden kann. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Pfarrer, Ihren Hausarzt oder ihre Waage. Oder fragen Sie niemanden und genießen Sie aller Stille, immer wieder sonntags.


aus der NRZ vom 18.02.2021

Sonntag, 21. Februar 2021

Mölmscher Aschermittwoch

Heute ist Aschermittwoch. Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Doch was ist eigentlich vorbei. Der Karneval hat bestenfalls punktuell und digital stattgefunden. Also haben wir auch keinen Grund, in Sack und Asche zu gehen und um den Hoppeditz zu trauern. Der hat ja in dieser Session gleich durchgeschlafen. So mancher Zeitgenosse, dem auch schon vor Aschermittwoch die Heiterkeit abhanden gekommen ist, würde es ihm sicher gerne gleichtun und erst wieder aufwachen, wenn der Coronavirus und seine Folgen Geschichte sind. Das gleiche ermüdende Gefühl mag auch manchen Gewerbetreibenden beschleichen, den der Lockdown ins Schleudern bringt. Und auch als glatteis-geschädigter Fußgänger, der auf Mülheims Gehwegen immer wieder in einen Schleudergang gerät, möchte gerne mal mit den Eisheiligen Schlitten fahren, die die Gehwege nicht vom Eis befreien, obwohl sie vom Amts- und Rechtswegen dazu verpflichtet sind. Mülheim, frei nach Heinrich Heine ein Wintermärchen: “Denk nicht in Mülheim an der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht!” Besser nicht. Denn wir brauchen unseren Schlaf gerade jetzt, um am Tag hellwach zu sein und die Unebenheiten des Lebens mit dem Humor zu ertragen, der, wie wir durch Joachim Ringelnatz wissen: Nicht nur zur fünften Jahreszeit “verhindert, dass uns der Kragen platzt!” Und weil wir spätestens ab dem 11.11.2021 wieder jeck, aber keine Narren sein wollen, sollten wir uns mit Erich Kästner sagen: “Wird’s besser? Wird’s schlecht? So fragt man sich alljährlich. Doch seien wir ehrlich. Das Leben ist immer lebensgefährlich.” In diesem Sinne wünsche ich uns allen Hals und Beinbruch. Aber bitte! Nehmen wir’s nicht zu wörtlich. 


aus der NRZ vom 17.02.2021

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...