Wo bleibt eigentlich das Positive? Die Frage ist gerade aus Sicht der Zeitungsleser berechtigt. Was Sie derzeit schwarz auf weiß verkraften müssen, kann einem wahrlich die Stimmung verhageln. Nehmen wir die Wirtschaftskrise: Erst gehen uns in der Innenstadt zwei traditionsreiche Eisdielen flöten und jetzt auch noch mit dem Kaufhof das größte Warenhaus. Wer soll da noch auf den Geschmack kommen und die Lust zum Konsumieren bekommen, die wiederum die Konjunktur ankurbeln könnte?
Passend zur Schreckensnachricht des gestrigen Tages weinte auch der Himmel. Da schienen Depression und Trisstess auch klimatisch perfekt. „Keine schönen Aussichten", dachte sich der Schreiber dieser Zeilen, als er durch die verregnete City schlenderte, ehe er seinen vom Künstler Klaus D. Schiemann gestalteten Regenschirm aufspannte, der ihm in hellen freundlichen Farben zeigte, wie schön Mülheim sein kann, ob am Wasserbahnhof an der Ruhr oder an der Camera Obscura in der Müga oder am Schloss Broich. Endlich mal schöne Aussichten – von himmelblau über saftig grün bis rosa rot, zumindest auf seinem Regenschirm.
Der zeigte ihm: Nach Regen kommt auch irgendwann wieder Sonne. Und so entschloss er sich frei nach Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es" mit einem Buchkauf die Konjunktur anzukurbeln.
In einer Biografie über Kanzler Konrad Adenauer las er dessen Frage „Wo bleibt das Positive?" Na also. Alles schon mal da gewesen. Adenauer hatte selbst Zerstörung, Wiederaufbau und Wirtschaftswunder erlebt und wusste als Rheinländer: „Es kommt, wie es kommt und es ist noch immer gut gegangen." Warum also nicht von Adenauer lernen. Soweit sind Ruhr und Rhein ja nicht von einander entfernt und auch, wenn viel Wasser die Ruhr hinabfließt, muss noch lange nicht alles den Bach heruntergehen. So lange Not erfinderisch macht und auch der Euro-Rettungsschirm hält, was er verspricht und der farbenfrohe Schiemann-Schirm bereits leistet, nämlich uns nicht im Regen stehen zu lassen.
Dieser Text erschien am verregneten 13.März 2009 in der NRZ
Montag, 1. Oktober 2012
Sonntag, 30. September 2012
Hat das Bäckerhandwerk noch Goldenen Boden: Ein Gespräch mit dem Dümptener Bäckermeister Hans-Ulrich Kahrger über das Geschäft mit dem täglichen Brot
Es ist ja so einfach. Das tägliche Brot mal eben beim Einkauf im Supermarkt oder beim Discounter mitnehmen. Und der Bäcker nebenan schaut in die Röhre seines Backofens. Angesichts dieses Trends und vor dem Hintergrund steigender Lohn-, Energie- und Rohstoffkosten warnt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks vor einem Bäckereisterben, befürchtet, dass in 6000 der bundesweit 14.000 selbstständigen Bäckereibetriebe mittelfristig der Ofen aus sein könnte. Wie stellt sich die Situation aus Sicht des Bäckermeisters Hans-Ulrich Kahrger (70) dar, der seit 45 Jahren eine Bäckerei an der Mellinghofer Straße betreibt, in der er zusammen mit seiner Frau Karin, seinem Sohn Andre und zehn Angestellten in Lohn und Brot ist?
Spüren Sie Existenzangst?
Wir spüren das auf jeden Fall. Weil hier an der Mellinghofer Straße der Verkehr zum Teil herausgenommen worden ist, fehlen uns die Kunden, die sonst mit dem Durchgangsverkehr zu uns gekommen sind. Symptomatisch für die Situation der Bäckereien sind aber die großen Supermärkte und Discounter im Gewerbegebiet am Heifeskamp, die alle einen Backshop und Backautomaten haben, so dass die Menschen, die ja auch nicht mehr Geld in der Tasche haben, dort ihre Backwaren beim Einkauf mitnehmen, während wir vor allem von unseren Stammkunden im Stadtteil leben.
Sind die Bäckereien zu teuer?
Es wird bei uns etwas mehr bezahlt, aber zum Teil liegen wir auch unter den Preisen der Großanbieter. Gerade im Kuchenbereich sind wir oft preiswerter.
Was können kleine Bäckereien besser als Großbäcker?
Unsere Stärke ist die Frische und ein großes Sortiment. Außerdem können wir viel gezielter auf Kundenwünsche eingehen. Unsere Verkäuferinnen, kennen unsere Kunden zum Teil seit Jahrzehnten und sprechen sie persönlich an. Außerdem können Kunden auch Nachfragen zu unseren Produkten stellen.
Hatte das Bäckerhandwerk früher noch goldenen Boden?
Als wir hier angefangen haben, hat jeder nur das verkauft, was zu seinem Sortiment gehörte. Nehmen wir nur das Weihnachtsgeschäft. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, einen billigen Stollen im Supermarkt zu kaufen. Heute ist das gesamte Weihnachtsgebäck schon jetzt in den Supermarktregalen zu finden. Da haben wir früher große Mengen verkauft. Das ist aber stark zurückgegangen, weil dieses Weihnachtsgebäck in den Supermärkten so billig angeboten wird, dass sich die Herstellung für uns nicht mehr lohnt.
Warum sind die Großbäcker billiger als Sie und ihre örtlichen Kollegen?
Weil wir jeden Tag einen Aufwand betreiben müssen, um unsere Läden frisch zu bestücken, der fast so groß ist, wie bei einer Großbäckerei, ohne dass wir unsere Waren in solch großen Mengen verkaufen könnten.
Laufen Ihnen die Energie,- Lohn- und Rohstoffkosten davon?
Ja. Mehl ist im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent teurer geworden. Beim Obst sind uns aufgrund von Ernteausfällen um bis zu 40 Prozent höhere Preis angekündigt worden und auch unsere Energiekosten haben sich in den letzten fünf Jahren um insgesamt 40 Prozent erhöht. Da sind riesige Sprünge drin. Allein im Vergleich zum Vorjahr müssen wir um zehn Prozent höhere Energiekosten verkraften. Auch die Personalkosten sind in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, während die Umsätze in der Zeit, die ich hier überblicken kann, um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sind.
Wie reagieren Sie darauf?
Wir müssen bei unserem Materialeinsatz noch genauer überlegen, was wir backen und was wir verkaufen können. Und wenn der Umsatz weiter zurückgeht, müssen wir natürlich auch mit einer Reduzierung beim Verkaufspersonal reagieren.
Wie viel selbstständige Bäckereibetriebe haben wir denn noch in Mülheim und wie sieht ihre Zukunft aus?
Wir haben in Mülheim etwa zehn selbstständigen Bäckereien, die an Ort und Stelle produzieren und auch ihre Läden hier haben. Alles andere sind auswärtige Filialisten. Ich höre nicht nur in Mülheim von vielen Kollegen: ‘Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.’ Ich glaube, wir können uns nur mit unserer Qualität, Freundlichkeit und Service durchsetzen. Und die Menschen müssen wieder mehr lernen, den Wert ihrer Nahrungsmittel zu schätzen.
Dieser Text erschien in der NRZ vom 26. September 2012
Spüren Sie Existenzangst?
Wir spüren das auf jeden Fall. Weil hier an der Mellinghofer Straße der Verkehr zum Teil herausgenommen worden ist, fehlen uns die Kunden, die sonst mit dem Durchgangsverkehr zu uns gekommen sind. Symptomatisch für die Situation der Bäckereien sind aber die großen Supermärkte und Discounter im Gewerbegebiet am Heifeskamp, die alle einen Backshop und Backautomaten haben, so dass die Menschen, die ja auch nicht mehr Geld in der Tasche haben, dort ihre Backwaren beim Einkauf mitnehmen, während wir vor allem von unseren Stammkunden im Stadtteil leben.
Sind die Bäckereien zu teuer?
Es wird bei uns etwas mehr bezahlt, aber zum Teil liegen wir auch unter den Preisen der Großanbieter. Gerade im Kuchenbereich sind wir oft preiswerter.
Was können kleine Bäckereien besser als Großbäcker?
Unsere Stärke ist die Frische und ein großes Sortiment. Außerdem können wir viel gezielter auf Kundenwünsche eingehen. Unsere Verkäuferinnen, kennen unsere Kunden zum Teil seit Jahrzehnten und sprechen sie persönlich an. Außerdem können Kunden auch Nachfragen zu unseren Produkten stellen.
Hatte das Bäckerhandwerk früher noch goldenen Boden?
Als wir hier angefangen haben, hat jeder nur das verkauft, was zu seinem Sortiment gehörte. Nehmen wir nur das Weihnachtsgeschäft. Früher wäre niemand auf die Idee gekommen, einen billigen Stollen im Supermarkt zu kaufen. Heute ist das gesamte Weihnachtsgebäck schon jetzt in den Supermarktregalen zu finden. Da haben wir früher große Mengen verkauft. Das ist aber stark zurückgegangen, weil dieses Weihnachtsgebäck in den Supermärkten so billig angeboten wird, dass sich die Herstellung für uns nicht mehr lohnt.
Warum sind die Großbäcker billiger als Sie und ihre örtlichen Kollegen?
Weil wir jeden Tag einen Aufwand betreiben müssen, um unsere Läden frisch zu bestücken, der fast so groß ist, wie bei einer Großbäckerei, ohne dass wir unsere Waren in solch großen Mengen verkaufen könnten.
Laufen Ihnen die Energie,- Lohn- und Rohstoffkosten davon?
Ja. Mehl ist im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent teurer geworden. Beim Obst sind uns aufgrund von Ernteausfällen um bis zu 40 Prozent höhere Preis angekündigt worden und auch unsere Energiekosten haben sich in den letzten fünf Jahren um insgesamt 40 Prozent erhöht. Da sind riesige Sprünge drin. Allein im Vergleich zum Vorjahr müssen wir um zehn Prozent höhere Energiekosten verkraften. Auch die Personalkosten sind in den letzten zehn Jahren um rund 30 Prozent gestiegen, während die Umsätze in der Zeit, die ich hier überblicken kann, um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sind.
Wie reagieren Sie darauf?
Wir müssen bei unserem Materialeinsatz noch genauer überlegen, was wir backen und was wir verkaufen können. Und wenn der Umsatz weiter zurückgeht, müssen wir natürlich auch mit einer Reduzierung beim Verkaufspersonal reagieren.
Wie viel selbstständige Bäckereibetriebe haben wir denn noch in Mülheim und wie sieht ihre Zukunft aus?
Wir haben in Mülheim etwa zehn selbstständigen Bäckereien, die an Ort und Stelle produzieren und auch ihre Läden hier haben. Alles andere sind auswärtige Filialisten. Ich höre nicht nur in Mülheim von vielen Kollegen: ‘Ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.’ Ich glaube, wir können uns nur mit unserer Qualität, Freundlichkeit und Service durchsetzen. Und die Menschen müssen wieder mehr lernen, den Wert ihrer Nahrungsmittel zu schätzen.
Dieser Text erschien in der NRZ vom 26. September 2012
Samstag, 29. September 2012
Nomen est omen: Wie Schulnamen für den Alltag an Mülheimer Schulen bedeuten
Erziehung besteht aus zwei Dingen. Beispiel und Liebe.“ Dieser Satz des Pädagogen Friedrich Fröbel hat auch 160 Jahre nach seinem Tod nichts von seiner Gültigkeit verloren. Viele Schulen versuchen mit Hilfe eines Namenspatrons ein Beispiel zu geben. Wie wirkt sich ein solcher Schulname auf den Schulalltag aus und gibt es auch heute noch Vorbilder, mit denen namentlich Schule zu machen ist?
„Ein Namensgeber kann identitätsstiftend wirken und eine Vorbildfunktion haben, wenn man ihn im Schulalltag ernst nimmt und weiß, welche Schulkultur man gestalten möchte“, glaubt der Leiter der Otto-Pankok-Schule, Ulrich Stockem. Der 1893 in Saarn geborene Künstler, der 1911 an der Schule Abitur machte, die seit Mitte der 70er Jahre seinen Namen trägt, ergriff mit seinem Werk Partei für den Frieden, für diskriminierte Minderheiten und politisch Verfolgte. Das macht ihn für Stockem auch heute noch zu einem guten Schulpatron, „der Jugendliche als Künstler und als Persönlichkeit zum Nachdenken anregen kann, etwa, wenn es um Menschenrechte geht.“ Die beginnen für Stockem bei einem respektvollen und toleranten Miteinander. Zum Nachdenken ließen sich just in diesem Jahr Schüler anregen, die sich im Rahmen einer Otto-Pankok-Biografie mit seinem Lebenswerk auseinandersetzten. Auch soziale Hilfsprojekte, ein Kunst-Leistungskurs, eine Bigband und das Schulkabarett der Optiker entsprechen in Stockems Augen dem Vorbild Pankoks.
Für Stockems ehemaligen Kollegen Werner Andorfer von der Karl-Ziegler-Schule, die ihren Namen ebenfalls Mitte der 70er Jahre wählte, ist der Chemie-Nobelpreisträger, Kunstsammler und Kunststifter interessant, weil sich in seiner Person naturwissenschaftliche und musische Bildung vereinen. Diese Symbiose schätzt Andorfer auch an der Schule, in der naturwissenschaftliche Elementarbildung und ein breitgefächertes Bildungsangebot von Physik bis Informatik zum Beispiel einem Schulchor oder den Young Art Experts begegnen. Das sind Schüler, die vom Kunstmuseum zu Museumsführern ausgebildet werden, um dann anderem auch die Kunstsammlung Ziegler zu erklären. „So eine Erfahrung stärkt die Persönlichkeitsentwicklung“, glaubt Andorfer auch mit Blick auf die Kooperation mit den Max-Planck-Instituten, dem Theater an der Ruhr, Siemens oder dem RWW. Die Schüler erweiterten so ihren Horizont.
Willy-Brandt- und Gustav-Heinemann-Schule haben sich Anfang der 80er und 90er Jahre für Namensgeber aus der Politik entschieden. „So ein Schulname muss immer wieder belebt werden, damit er keine Routine wird“, sagt der ehemalige Willy-Brandt-Schulleiter Behrend Heeren, der schon damals dabei gewesen ist. Bei Schulrallyes, Projektwochen, Berlinfahrten und natürlich im Geschichts- und Sozialwissenschaftsunterricht begegnen seine Schüler dem Lebenswerk des Kanzlers, Friedensnobelpreisträgers und SPD-Vorsitzenden, der mit seiner Politik vor allem für Frieden und Aussöhnung stand, sei es mit Blick auf die Nachbarn in Europa oder angesichts der eigenen Geschichte.
Obwohl auch Gustav Heinemann Politiker in der SPD war, sieht Gustav-Heinemann-Schulleiterin Christa van Behrend im Namensgeber ihrer Schule weniger den Parteipolitiker, der zu Beginn seiner Karriere ja der CDU angehörte, als ein Vorbild für moralische Integrität. Mit seinem Lebenswerk sei er „ein Vorbild, das auch heute optimal in die Zeit passt, weil Heinemann kein Opportunist war und Jugendlichen zeigen kann, dass man sich in seinem Leben schwierigen Situationen stellen und Konflikte friedlich lösen muss.“ Den Widerstandskämpfer und Politiker, der für den Frieden und gesellschaftliche Reformen kämpfte, findet sie im Europaschwerpunkt ihrer Schule wieder, aber auch in Projekten wie den Netzscouts gegen Cyber-Mobbing oder einem Antirassismus- und Deeskalationstraining, das sie als Gewaltvorbeugung und damit als praktische Friedensarbeit begreift.
Van Behrends Nachbar Manfred Bahr, der die Erich-Kästner Grundschule leitet, antwortet mit Kästners berühmtesten Satz: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ auf die Frage danach, was seine Schüler von ihrem Schulpatron lernen können. Wenn sie seine Bücher, wie „Pünktchen und Anton“ oder „Emil und die Detektive“ lesen, lernen sie nach seiner Ansicht „wie man vernünftig miteinander umgeht.“ Das fängt im Schulalltag bei Ruhe und Rücksichtnahme an, schließt aber auch das Vorbild für soziales Handeln ein.
„Durch diesen Namen sind wir als Konfessionsschule erkennbar“, erklärt Rektorin Ulrike Kordel, warum aus der Grundschule Eduardstraße vor elf Jahren die Martin-von-Tours-Schule wurde, die an den heiligen Bischof aus der französischen Partnerstadt erinnert, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. „Auch unsere muslimischen Schüler können sich mit Martin identifizieren und ich bin begeistert, dass unsere Kinder im Schulalltag kein Problem damit haben, Dinge mit Mitschülern zu teilen“, freut sich Kordel. So wird nicht nur ein großes Martinsfest mit Umzug gefeiert, sondern auch mit Hilfe eines Basars Geld für eine katholische Grundschule in Indien gesammelt.
Dass ein Flur „Krachmacherstraße“ heißt, zeigt, dass man in der Astrid-Lindgren-Schule ist. Dort dokumentiert eine Ausstellung das Leben der schwedischen Kinderbuchautorin und Nobelpreisträgerin. Deren „Rede gegen die Gewalt“, die sich im Eingangsbereich der Schule findet, hält Grundschulrektorin Gabriela Krücker für ein wegweisendes Plädoyer zugunsten einer gewaltfreien Erziehung, die auf Freiheit und Respekt setzt. „Von Lindgren können wir lernen, Kindern mit Geduld zu begegnen und nicht zu viel von ihnen zu verlangen“, glaubt Krücker. Mit Lindgrens Büchern werden an der Mellinghofer Straße auch ihre Gedanken zum Frieden und zum Umweltschutz kindgerecht in den Unterrichtsalltag eingebaut.
„Obwohl Wilhelm Buschs Geschichten und Humor eigentlich eher für Erwachsene als für Kinder geeignet sind, versuchen wir den Schulnamen so gut wie möglich zu leben, indem wir unseren Schülern beibringen, das Leben mit Humor zu sehen“, sagt die Rektorin der Wilhelm-Busch-Schule, Ulrike Ortlinghaus über ihren Schulnamen. Dieser Beitrag erschien am 25. September 2012 in der NRZ
„Ein Namensgeber kann identitätsstiftend wirken und eine Vorbildfunktion haben, wenn man ihn im Schulalltag ernst nimmt und weiß, welche Schulkultur man gestalten möchte“, glaubt der Leiter der Otto-Pankok-Schule, Ulrich Stockem. Der 1893 in Saarn geborene Künstler, der 1911 an der Schule Abitur machte, die seit Mitte der 70er Jahre seinen Namen trägt, ergriff mit seinem Werk Partei für den Frieden, für diskriminierte Minderheiten und politisch Verfolgte. Das macht ihn für Stockem auch heute noch zu einem guten Schulpatron, „der Jugendliche als Künstler und als Persönlichkeit zum Nachdenken anregen kann, etwa, wenn es um Menschenrechte geht.“ Die beginnen für Stockem bei einem respektvollen und toleranten Miteinander. Zum Nachdenken ließen sich just in diesem Jahr Schüler anregen, die sich im Rahmen einer Otto-Pankok-Biografie mit seinem Lebenswerk auseinandersetzten. Auch soziale Hilfsprojekte, ein Kunst-Leistungskurs, eine Bigband und das Schulkabarett der Optiker entsprechen in Stockems Augen dem Vorbild Pankoks.
Für Stockems ehemaligen Kollegen Werner Andorfer von der Karl-Ziegler-Schule, die ihren Namen ebenfalls Mitte der 70er Jahre wählte, ist der Chemie-Nobelpreisträger, Kunstsammler und Kunststifter interessant, weil sich in seiner Person naturwissenschaftliche und musische Bildung vereinen. Diese Symbiose schätzt Andorfer auch an der Schule, in der naturwissenschaftliche Elementarbildung und ein breitgefächertes Bildungsangebot von Physik bis Informatik zum Beispiel einem Schulchor oder den Young Art Experts begegnen. Das sind Schüler, die vom Kunstmuseum zu Museumsführern ausgebildet werden, um dann anderem auch die Kunstsammlung Ziegler zu erklären. „So eine Erfahrung stärkt die Persönlichkeitsentwicklung“, glaubt Andorfer auch mit Blick auf die Kooperation mit den Max-Planck-Instituten, dem Theater an der Ruhr, Siemens oder dem RWW. Die Schüler erweiterten so ihren Horizont.
Willy-Brandt- und Gustav-Heinemann-Schule haben sich Anfang der 80er und 90er Jahre für Namensgeber aus der Politik entschieden. „So ein Schulname muss immer wieder belebt werden, damit er keine Routine wird“, sagt der ehemalige Willy-Brandt-Schulleiter Behrend Heeren, der schon damals dabei gewesen ist. Bei Schulrallyes, Projektwochen, Berlinfahrten und natürlich im Geschichts- und Sozialwissenschaftsunterricht begegnen seine Schüler dem Lebenswerk des Kanzlers, Friedensnobelpreisträgers und SPD-Vorsitzenden, der mit seiner Politik vor allem für Frieden und Aussöhnung stand, sei es mit Blick auf die Nachbarn in Europa oder angesichts der eigenen Geschichte.
Obwohl auch Gustav Heinemann Politiker in der SPD war, sieht Gustav-Heinemann-Schulleiterin Christa van Behrend im Namensgeber ihrer Schule weniger den Parteipolitiker, der zu Beginn seiner Karriere ja der CDU angehörte, als ein Vorbild für moralische Integrität. Mit seinem Lebenswerk sei er „ein Vorbild, das auch heute optimal in die Zeit passt, weil Heinemann kein Opportunist war und Jugendlichen zeigen kann, dass man sich in seinem Leben schwierigen Situationen stellen und Konflikte friedlich lösen muss.“ Den Widerstandskämpfer und Politiker, der für den Frieden und gesellschaftliche Reformen kämpfte, findet sie im Europaschwerpunkt ihrer Schule wieder, aber auch in Projekten wie den Netzscouts gegen Cyber-Mobbing oder einem Antirassismus- und Deeskalationstraining, das sie als Gewaltvorbeugung und damit als praktische Friedensarbeit begreift.
Van Behrends Nachbar Manfred Bahr, der die Erich-Kästner Grundschule leitet, antwortet mit Kästners berühmtesten Satz: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ auf die Frage danach, was seine Schüler von ihrem Schulpatron lernen können. Wenn sie seine Bücher, wie „Pünktchen und Anton“ oder „Emil und die Detektive“ lesen, lernen sie nach seiner Ansicht „wie man vernünftig miteinander umgeht.“ Das fängt im Schulalltag bei Ruhe und Rücksichtnahme an, schließt aber auch das Vorbild für soziales Handeln ein.
„Durch diesen Namen sind wir als Konfessionsschule erkennbar“, erklärt Rektorin Ulrike Kordel, warum aus der Grundschule Eduardstraße vor elf Jahren die Martin-von-Tours-Schule wurde, die an den heiligen Bischof aus der französischen Partnerstadt erinnert, der seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. „Auch unsere muslimischen Schüler können sich mit Martin identifizieren und ich bin begeistert, dass unsere Kinder im Schulalltag kein Problem damit haben, Dinge mit Mitschülern zu teilen“, freut sich Kordel. So wird nicht nur ein großes Martinsfest mit Umzug gefeiert, sondern auch mit Hilfe eines Basars Geld für eine katholische Grundschule in Indien gesammelt.
Dass ein Flur „Krachmacherstraße“ heißt, zeigt, dass man in der Astrid-Lindgren-Schule ist. Dort dokumentiert eine Ausstellung das Leben der schwedischen Kinderbuchautorin und Nobelpreisträgerin. Deren „Rede gegen die Gewalt“, die sich im Eingangsbereich der Schule findet, hält Grundschulrektorin Gabriela Krücker für ein wegweisendes Plädoyer zugunsten einer gewaltfreien Erziehung, die auf Freiheit und Respekt setzt. „Von Lindgren können wir lernen, Kindern mit Geduld zu begegnen und nicht zu viel von ihnen zu verlangen“, glaubt Krücker. Mit Lindgrens Büchern werden an der Mellinghofer Straße auch ihre Gedanken zum Frieden und zum Umweltschutz kindgerecht in den Unterrichtsalltag eingebaut.
„Obwohl Wilhelm Buschs Geschichten und Humor eigentlich eher für Erwachsene als für Kinder geeignet sind, versuchen wir den Schulnamen so gut wie möglich zu leben, indem wir unseren Schülern beibringen, das Leben mit Humor zu sehen“, sagt die Rektorin der Wilhelm-Busch-Schule, Ulrike Ortlinghaus über ihren Schulnamen. Dieser Beitrag erschien am 25. September 2012 in der NRZ
Freitag, 28. September 2012
Warum sich die Hauptschule an der Bruchstraße für den Namensgeber Max Kölges entschieden hat
Wer war Max Kölges? Und warum eignet er sich als Namensgeber für eine praxis- und berufsorientierte Schule? 1899 kam der 1880 im Kreis Kempen geborene Friseurmeister Max Kölges nach Mülheim, um sich hier selbstständig zu machen. Bereits 1904 wählten ihn seine Handwerkskollegen zum Vorsitzenden des Innungsausschusses und 1905 zum Obermeister der örtlichen Friseurinnung. An deren Spitze sollte er bis 1931 stehen. Während der Weimarer Republik gehörte der Handwerksmeister als Mitglied der Zentrumspartei dem Stadtrat und dem Preußischen Landtag an. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Kölges als Kreishandwerksmeister zu den Mitgründern der Kreishandwerkskammer und der Mülheimer Christdemokraten. Für sie zog er auch wieder in den Stadtrat ein, wo er bis 1952 die CDU-Fraktion führte. Vor allem in den ersten Nachkriegsjahren, als Hunger und akute Wohnungsnot den Alltag Mülheims bestimmten, machte sich Kölges als tatkräftiger und pragmatischer Kommunalpolitiker einen Namen. Nach der zweiten Kommunalwahl war er in den Jahren 1948 bis 1952 als Bürgermeister Stellvertreter des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Heinrich Thöne. 1962 wurde Kölges, nachdem auch eine Straße benannt ist, für seine Verdienste zum Ehrenbürger ernannt. Er starb 1973.
Ist es Ironie der Geschichte oder ein kluger Schachzug? Ausgerechnet die Hauptschule an der Bruchstraße, die nach dem Willen der Christdemokraten im Rahmen der Bildungsentwicklungsplanung geschlossen werden sollte, wird künftig den Namen des Christdemokraten, Max Kölges, tragen. Ein Widerspruch? Nein! Wer sein Lebensbild betrachtet, sieht, dass es keinen besseren Namensgeber für eine Hauptschule gibt, die zur Handwerkerschule werden will und schon heute mit berufsorientiertem Lernen junge Menschen auf einen guten Lebensweg bringt, die manche Hürden zu überwinden haben.
Dass der Mensch nicht erst beim Abiturienten und das Leben nicht erst nach einem Hochschulabschluss beginnt, hat der kommunal,- sozial- und verbandspolitisch tätige Friseurmeister Max Kölges mit seinem Leben bewiesen. Er war Volksschüler und Sohn einer alleinerziehenden Mutter, dessen Vater früh gestorben war. In der Klassengesellschaft des Kaiserreiches nutzte er die Chancen, die er nicht hatte.
Kölges ging mit Mut ans Werk, machte seinen Meister und sich selbstständig. Doch er hatte nicht nur sein Geschäft, sondern auch die Gesellschaft im Blick, engagierte sich in der Politik und im Handwerk, machte mit seinem Einsatz für berufsständische Krankenkassen und Einkaufsgenossenschaften das Leben seiner Kollegen leichter.
Auch als er in seinen besten Jahren erleben musste, wie die Nazis seine bürgerliche und berufliche Existenz zerstörten, ließ sich der neunfache Familienvater nicht unterkriegen, denn er hatte Lebensmut und Gottvertrauen. Er überlebte Diktatur und Krieg als Grundstücksmakler, ehe er nach 1945 in seinen alten Beruf und sein politisches Engagement unter neuen Vorzeichen zurückkehren konnte.
Menschen, wie Kölges, die auch im Angesicht größter Not nicht am Leben verzweifeln, sondern immer wieder aufstehen und anpacken, können auch heute als ermutigendes Vorbild und Lehrbeispiel dienen – nicht nur in der Schule. Dieser Beitrag erschien am 25./26. September 2012 in der NRZ
Ist es Ironie der Geschichte oder ein kluger Schachzug? Ausgerechnet die Hauptschule an der Bruchstraße, die nach dem Willen der Christdemokraten im Rahmen der Bildungsentwicklungsplanung geschlossen werden sollte, wird künftig den Namen des Christdemokraten, Max Kölges, tragen. Ein Widerspruch? Nein! Wer sein Lebensbild betrachtet, sieht, dass es keinen besseren Namensgeber für eine Hauptschule gibt, die zur Handwerkerschule werden will und schon heute mit berufsorientiertem Lernen junge Menschen auf einen guten Lebensweg bringt, die manche Hürden zu überwinden haben.
Dass der Mensch nicht erst beim Abiturienten und das Leben nicht erst nach einem Hochschulabschluss beginnt, hat der kommunal,- sozial- und verbandspolitisch tätige Friseurmeister Max Kölges mit seinem Leben bewiesen. Er war Volksschüler und Sohn einer alleinerziehenden Mutter, dessen Vater früh gestorben war. In der Klassengesellschaft des Kaiserreiches nutzte er die Chancen, die er nicht hatte.
Kölges ging mit Mut ans Werk, machte seinen Meister und sich selbstständig. Doch er hatte nicht nur sein Geschäft, sondern auch die Gesellschaft im Blick, engagierte sich in der Politik und im Handwerk, machte mit seinem Einsatz für berufsständische Krankenkassen und Einkaufsgenossenschaften das Leben seiner Kollegen leichter.
Auch als er in seinen besten Jahren erleben musste, wie die Nazis seine bürgerliche und berufliche Existenz zerstörten, ließ sich der neunfache Familienvater nicht unterkriegen, denn er hatte Lebensmut und Gottvertrauen. Er überlebte Diktatur und Krieg als Grundstücksmakler, ehe er nach 1945 in seinen alten Beruf und sein politisches Engagement unter neuen Vorzeichen zurückkehren konnte.
Menschen, wie Kölges, die auch im Angesicht größter Not nicht am Leben verzweifeln, sondern immer wieder aufstehen und anpacken, können auch heute als ermutigendes Vorbild und Lehrbeispiel dienen – nicht nur in der Schule. Dieser Beitrag erschien am 25./26. September 2012 in der NRZ
Donnerstag, 27. September 2012
Trotz des gewonnenen Bürgerentscheids muss die ihrer Schließung entronnene Hauptschule an der Bruchstraße noch bis 2013 auf städtische Gelder warten
Am 24. September nahmen im Bildungsausschuss nicht nur Ratsmitglieder und sachkundige Bürger, sondern auch 16 Schüler der Hauptschule an der Bruchstraße Platz. Denn sie wollten in einer Bürgeranfrage wissen: „Was geschieht nach dem Bürgerentscheid mit unserer Schule?“
Nach dem am 22. April gewonnenen Bürgerentscheid zum Erhalt des Schulstandortes Eppinghofen, fragten die Jugendlichen vor allem nach dem Geld, das notwendig ist, um den Schulbetrieb fortzuführen und das Schulgebäude auf Vordermann zu bringen.
Schuldezernent Ulrich Ernst ließ die Jugendlichen wissen, dass in dem 2011 beschlossenen Haushalt für das Jahr 2012 keine Mittel für die Schule an der Bruchstraße eingestellt worden seien, da man zu diesem Zeitpunkt noch von einer Schulschließung ausgegangen sei.
Ob und in welcher Höhe Gelder für den Schulbetrieb an der Bruchstraße im Jahr 2013 bereitgestellt werden könnten, müssten die im Oktober beginnenden Haushaltsberatungen zeigen. Für dieses Jahr könne es auf jeden Fall keine Gelder für die Hauptschule in Eppinghofen mehr geben.
„Das war schon etwas komisch, dass das alles nur so kurz erwähnt wurde“, wunderte sich Schülerin Sabrina Kropp aus der 8b darüber, dass die Mitteilung des Dezernenten im Ausschuss nicht diskutiert wurde. „Dazu kann man einfach nichts mehr sagen. Wir können nur hoffen, dass wir in Zukunft nicht umsonst auf das Geld warten, das unsere Schule braucht“, fand sie. Schade, dass kein Schüler im Ausschuss das Wort ergriff.
Schulleiterin Gabriele Klar übte sich derweil in Zweckoptimismus: „Damit können wir leben und wir gehen jetzt davon aus, dass in den kommenden Haushaltsberatungen die für das nächste Jahr notwendigen Gelder bewilligt werden.“
Die Elterpflegschaftsvorsitzende der Bruchstraßen-Schule, Susanne Kollenberg, hatte eine ähnliche Aussage des Dezernenten bereits bei einem Treffen mit dem Bündnis für Bildung (BfB) gehört und war deshalb nicht überrascht. „Ich glaube nur noch was ich sehe“, antwortete sie auf die Frage, ob sie davon ausgehe, dass die Schule in Eppinghofen 2013 genügend Geld von der Stadt bekommen werde.
„Die Sache tritt auf der Stelle“, sagt der Sprecher des BfBs, Pfarrer Helmut Kämpgen und erinnert die Fraktionen daran, „dass der gewonnene Bürgerentscheid zum Erhalt der Schule den rechtlichen Rang eines Ratsbeschlusses hat und deshalb auch vom Rat umgesetzt werden muss.“
Mehr Klarheit erhoffen sich Kämpgen und die anderen Bündnisvertreter von einem Gespräch, das sie am 26. September mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld führen werden.
Dieser Beitrag erschien am 25. September 2012 in der NRZ
Nach dem am 22. April gewonnenen Bürgerentscheid zum Erhalt des Schulstandortes Eppinghofen, fragten die Jugendlichen vor allem nach dem Geld, das notwendig ist, um den Schulbetrieb fortzuführen und das Schulgebäude auf Vordermann zu bringen.
Schuldezernent Ulrich Ernst ließ die Jugendlichen wissen, dass in dem 2011 beschlossenen Haushalt für das Jahr 2012 keine Mittel für die Schule an der Bruchstraße eingestellt worden seien, da man zu diesem Zeitpunkt noch von einer Schulschließung ausgegangen sei.
Ob und in welcher Höhe Gelder für den Schulbetrieb an der Bruchstraße im Jahr 2013 bereitgestellt werden könnten, müssten die im Oktober beginnenden Haushaltsberatungen zeigen. Für dieses Jahr könne es auf jeden Fall keine Gelder für die Hauptschule in Eppinghofen mehr geben.
„Das war schon etwas komisch, dass das alles nur so kurz erwähnt wurde“, wunderte sich Schülerin Sabrina Kropp aus der 8b darüber, dass die Mitteilung des Dezernenten im Ausschuss nicht diskutiert wurde. „Dazu kann man einfach nichts mehr sagen. Wir können nur hoffen, dass wir in Zukunft nicht umsonst auf das Geld warten, das unsere Schule braucht“, fand sie. Schade, dass kein Schüler im Ausschuss das Wort ergriff.
Schulleiterin Gabriele Klar übte sich derweil in Zweckoptimismus: „Damit können wir leben und wir gehen jetzt davon aus, dass in den kommenden Haushaltsberatungen die für das nächste Jahr notwendigen Gelder bewilligt werden.“
Die Elterpflegschaftsvorsitzende der Bruchstraßen-Schule, Susanne Kollenberg, hatte eine ähnliche Aussage des Dezernenten bereits bei einem Treffen mit dem Bündnis für Bildung (BfB) gehört und war deshalb nicht überrascht. „Ich glaube nur noch was ich sehe“, antwortete sie auf die Frage, ob sie davon ausgehe, dass die Schule in Eppinghofen 2013 genügend Geld von der Stadt bekommen werde.
„Die Sache tritt auf der Stelle“, sagt der Sprecher des BfBs, Pfarrer Helmut Kämpgen und erinnert die Fraktionen daran, „dass der gewonnene Bürgerentscheid zum Erhalt der Schule den rechtlichen Rang eines Ratsbeschlusses hat und deshalb auch vom Rat umgesetzt werden muss.“
Mehr Klarheit erhoffen sich Kämpgen und die anderen Bündnisvertreter von einem Gespräch, das sie am 26. September mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld führen werden.
Dieser Beitrag erschien am 25. September 2012 in der NRZ
Mittwoch, 26. September 2012
Wiedersehen am Klostermarkt: Im Saarner Schulhaus, das vor 100 Jahren errichtet wurde, trafen Schülergenerationen aufeinander
Freitagabend. Keine klassische Schulzeit. Trotzdem herrscht in der Grundschule am Saarner Klostermarkt in allen Räumen gesprächiges Treiben. 150 ehemalige Schüler und Lehrer zieht es in ihr altes Schulhaus, das vor 100 Jahren errichtet wurde.
Die Ex-Schüler Friedel van de Wetering (74), Friedrich-Wilhelm von Gehlen, Ex-Konrektor Eberhard Heinen (beide 65) und die beiden ehemaligen Klostermarktschülerinnen Alexa Wittenberg (11) und Anja Ludwig (42) kommen im Flur an einer alten Schulbank miteinander ins Gespräch: „Genau solche Bänke hatten wir früher“, erinnert sich van de Wetering und greift zielsicher in die Vertiefung, in der früher das Tintenfässchen stand.
Ludwig, deren Tochter heute die vierte Klasse ihrer alten Schule besucht, und van de Wetering finden: „Äußerlich hat sich die Schule eigentlich gar nicht groß verändert, aber innen drin hat sich viel getan. Alles ist viel bunter und freundlicher geworden.“
Wenn Ludwig ihren Schulalltag mit dem ihrer Tochter vergleicht, kommt sie zu dem Ergebnis: „Früher wurde einfach nur gelernt. Heute soll Schule auch Spaß machen und die Kinder lernen auch viel bei Ausflügen.“
Alexa, die inzwischen die Luisenschule besucht, bestätigt: „Hier hat das Lernen Spaß gemacht und vor allem der Chor hat uns Kinder begeistert, weil wir uns dort durch das gemeinsame Singen als Einheit fühlten.“ Das hört Ex-Konrektor Heinen gerne, der den Chor im Jahr 2000 gegründet hatte. „Wir haben hier viel miteinander gelernt und für mich waren es die schönsten Jahre meines Lehrerlebens“, sagt Heinen. Bis heute unterstützt er seine alte Schule bei Veranstaltungen und gibt ihr auf dem Anrufbeantworter eine Stimme.
Van de Wetering und von Gehlen haben noch die alte Volksschule am Klostermarkt besucht, in der es noch konfessionell getrennte Schulräume und Toiletten gab und Disziplinprobleme auch schon mal nach dem Rohrstock-Prinzip gelöst wurden. Dennoch erinnern sie sich gerne an ihre Schulzeit in den 40er und 50er Jahren, die sie auf ihren Beruf als Techniker bei Siemens und als Beamter bei der Stadt Mülheim vorbereitet hat. Der 1945 mit 62 Klassenkameraden eingeschulte van de Wetering wurde am Klostermarkt noch durch die Quäkerspeise satt.
Dieser Beitrag erschien am 1. März 2012 in NRZ und WAZ
Die Ex-Schüler Friedel van de Wetering (74), Friedrich-Wilhelm von Gehlen, Ex-Konrektor Eberhard Heinen (beide 65) und die beiden ehemaligen Klostermarktschülerinnen Alexa Wittenberg (11) und Anja Ludwig (42) kommen im Flur an einer alten Schulbank miteinander ins Gespräch: „Genau solche Bänke hatten wir früher“, erinnert sich van de Wetering und greift zielsicher in die Vertiefung, in der früher das Tintenfässchen stand.
Ludwig, deren Tochter heute die vierte Klasse ihrer alten Schule besucht, und van de Wetering finden: „Äußerlich hat sich die Schule eigentlich gar nicht groß verändert, aber innen drin hat sich viel getan. Alles ist viel bunter und freundlicher geworden.“
Wenn Ludwig ihren Schulalltag mit dem ihrer Tochter vergleicht, kommt sie zu dem Ergebnis: „Früher wurde einfach nur gelernt. Heute soll Schule auch Spaß machen und die Kinder lernen auch viel bei Ausflügen.“
Alexa, die inzwischen die Luisenschule besucht, bestätigt: „Hier hat das Lernen Spaß gemacht und vor allem der Chor hat uns Kinder begeistert, weil wir uns dort durch das gemeinsame Singen als Einheit fühlten.“ Das hört Ex-Konrektor Heinen gerne, der den Chor im Jahr 2000 gegründet hatte. „Wir haben hier viel miteinander gelernt und für mich waren es die schönsten Jahre meines Lehrerlebens“, sagt Heinen. Bis heute unterstützt er seine alte Schule bei Veranstaltungen und gibt ihr auf dem Anrufbeantworter eine Stimme.
Van de Wetering und von Gehlen haben noch die alte Volksschule am Klostermarkt besucht, in der es noch konfessionell getrennte Schulräume und Toiletten gab und Disziplinprobleme auch schon mal nach dem Rohrstock-Prinzip gelöst wurden. Dennoch erinnern sie sich gerne an ihre Schulzeit in den 40er und 50er Jahren, die sie auf ihren Beruf als Techniker bei Siemens und als Beamter bei der Stadt Mülheim vorbereitet hat. Der 1945 mit 62 Klassenkameraden eingeschulte van de Wetering wurde am Klostermarkt noch durch die Quäkerspeise satt.
Dieser Beitrag erschien am 1. März 2012 in NRZ und WAZ
Montag, 24. September 2012
Im Alter gemeinsam stark: Eine Tagung im katholischen Stadthaus informiert über gemeinschaftliche Wohnformen im Alter
1967 fragten sich die Beatles in ihrem Song „When I am 64/Wenn ich 64 bin“, wie sie selbst sein würden, wenn sie denn das Rentenalter erreicht hätten. Heute wissen es die noch lebenden Beatles, auch wenn bei Paul McCartney, der diesen Song zum 64. Geburtstag seines Vaters schrieb, von Ruhestand noch keine Rede sein kann.
Wie wollen wir in unserem Alter wohnen und leben? Die demografischen Zahlen zeigen den Handlungsbedarf in dieser Zukunftsfrage auf. Frei nach dem Motto: Gemeinsam stark laden das Sozialamt, die evangelische und katholische Kirche, das katholische Bildungswerk, der Verein „Leben in der Nachbarschaft Alternativ“ (Lina), die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB) und ihr Verein Mülheimer Nachbarschaft deshalb alle interessierten Bürger am 29. und 30. September zu einer Tagung ins katholische Stadthaus an der Althofstraße 8 ein. Wer sich bis zum 23. September bei Jörg Marx vom Sozialamt ( ?4?55-5012) oder per Mail an: LINA-muelheim@web.de anmeldet und 20 Euro für die Teilnahmegebühr investiert, erfährt etwas darüber, wie man auch in Mülheim im Alter gemeinsam und stark wohnen und leben kann, ohne ins Altenheim ziehen zu müssen.
„Die Tagung soll ein Ideenpool sein, der Menschen Lust auf gemeinschaftliches Wohnen im Alter machen und ihnen auch über die bereits geplanten Projekte hinaus Perspektiven für ihre eigene Zukunftsplanung aufzeigen möchte“, betont der städtische Sozialplaner Jörg Marx.
Dass die MWB die Tagung zum gemeinschaftlichen Wohnen sponsert, überrascht nicht. Denn sie sitzt als Investor bei allen Gemeinschaftswohnprojekten mit im Boot, die zur Zeit am Saarner Klostermarkt, am Fünter Weg in Heißen-Mitte und an der Brüssler Allee an der Saarner Kuppe geplant und voraussichtlich im Laufe der Jahre 2014 und 2015 realisiert werden sollen. Bei allen drei Projekten, die bei der Tagung detailliert vorgestellt werden geht es darum, individuelles und gemeinschaftliches Wohnen miteinander zu verbinden.
Hier entstehen barrierefrei gebaute oder umgebaute Häuser, in denen es neben privaten Mietwohnungen auch Gemeinschaftsräume sowie die Idee gibt, als Senioren- oder Mehrgenerationen-Hausgemeinschaft auch kulturell und sozial in die Nachbarschaft hineinzuwirken.
„Wir sind gerne dabei, weil das unserer Vorstellung von gemeinschaftlichem Wohnen entspricht“, sagt Yvonne Boenke vom MWB-Verein Mülheimer Nachbarschaft. Auch ihr MWB-Kollege Marc Peters und Christina Holz von der Service-Wohnungsbau- und Vermietungsgesellschaft SWB, lassen kein Zweifel daran, dass Angebot seniorengerechten Wohnraums „für alle am Markt orientierten Wohnungsbaugesellschaften“ eine existenzielle Zukunftsaufgabe ist.
Laut Peters hat die MWB aktuell 300 von insgesamt 4700 Wohnungen bereits barrierefrei umgebaut. Bei der SWB gelten inzwischen 1004 von insgesamt 8650 Wohnungen als barrierefrei.
Dieser Beitrag erschien am 18. September 2012 in der NRZ und am 21. September 2012 in der WAZ
Wie wollen wir in unserem Alter wohnen und leben? Die demografischen Zahlen zeigen den Handlungsbedarf in dieser Zukunftsfrage auf. Frei nach dem Motto: Gemeinsam stark laden das Sozialamt, die evangelische und katholische Kirche, das katholische Bildungswerk, der Verein „Leben in der Nachbarschaft Alternativ“ (Lina), die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft (MWB) und ihr Verein Mülheimer Nachbarschaft deshalb alle interessierten Bürger am 29. und 30. September zu einer Tagung ins katholische Stadthaus an der Althofstraße 8 ein. Wer sich bis zum 23. September bei Jörg Marx vom Sozialamt ( ?4?55-5012) oder per Mail an: LINA-muelheim@web.de anmeldet und 20 Euro für die Teilnahmegebühr investiert, erfährt etwas darüber, wie man auch in Mülheim im Alter gemeinsam und stark wohnen und leben kann, ohne ins Altenheim ziehen zu müssen.
„Die Tagung soll ein Ideenpool sein, der Menschen Lust auf gemeinschaftliches Wohnen im Alter machen und ihnen auch über die bereits geplanten Projekte hinaus Perspektiven für ihre eigene Zukunftsplanung aufzeigen möchte“, betont der städtische Sozialplaner Jörg Marx.
Dass die MWB die Tagung zum gemeinschaftlichen Wohnen sponsert, überrascht nicht. Denn sie sitzt als Investor bei allen Gemeinschaftswohnprojekten mit im Boot, die zur Zeit am Saarner Klostermarkt, am Fünter Weg in Heißen-Mitte und an der Brüssler Allee an der Saarner Kuppe geplant und voraussichtlich im Laufe der Jahre 2014 und 2015 realisiert werden sollen. Bei allen drei Projekten, die bei der Tagung detailliert vorgestellt werden geht es darum, individuelles und gemeinschaftliches Wohnen miteinander zu verbinden.
Hier entstehen barrierefrei gebaute oder umgebaute Häuser, in denen es neben privaten Mietwohnungen auch Gemeinschaftsräume sowie die Idee gibt, als Senioren- oder Mehrgenerationen-Hausgemeinschaft auch kulturell und sozial in die Nachbarschaft hineinzuwirken.
„Wir sind gerne dabei, weil das unserer Vorstellung von gemeinschaftlichem Wohnen entspricht“, sagt Yvonne Boenke vom MWB-Verein Mülheimer Nachbarschaft. Auch ihr MWB-Kollege Marc Peters und Christina Holz von der Service-Wohnungsbau- und Vermietungsgesellschaft SWB, lassen kein Zweifel daran, dass Angebot seniorengerechten Wohnraums „für alle am Markt orientierten Wohnungsbaugesellschaften“ eine existenzielle Zukunftsaufgabe ist.
Laut Peters hat die MWB aktuell 300 von insgesamt 4700 Wohnungen bereits barrierefrei umgebaut. Bei der SWB gelten inzwischen 1004 von insgesamt 8650 Wohnungen als barrierefrei.
Dieser Beitrag erschien am 18. September 2012 in der NRZ und am 21. September 2012 in der WAZ
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