Montag, 2. Januar 2023

Mülheims Brockhaus

 Das alte Jahr geht. Das neue Jahrbuch kommt. Auf 311 text- und bildreichen Seiten haben Mülheimerinnen und Melsheimer aus allen Bereichen der Bürgerschaft faktenreich und themenübergreifend zusammengetragen, was das Leben in der Stadt am Fluss ausmacht(e). 

In einer Chronik kann man die wichtigsten Ereignisse aus 2022 und 2021 och einmal auf einen Blick nachlesen. Darüber hinaus bietet das von Walter Schernstein und Ursula Deckert redigierte Jahrbuch thematische Darstellungen mit Tiefgang.

Das neue Jahrbuch zeigt zum Beispiel, wie die Stadtgesellschaft die aktuellen Krisen zwischen Pandemie und Kriegsfolgen bewältigt hat. Die Lektüre bietet Einblicke in die medizinischen Innovationen der beiden Mülheimer Krankenhäuser und beleuchtet vor dem Hintergrund von Energiekrise und Energiewende die lokalen Potenziale.

Wer in das vom Mülheimer Verkehrsverein herausgegebene Jahrbuch schaut, erfährt auch etwas über den Stand der Mülheimer Städtepartnerschaften und über die bürgerschaftliche Kulturarbeit, die zum Beispiel im Förderkreis der städtischen Musikschule und im Mülheimer Zupforchester geleistet wird. Ferner wird der Frage nachgegangen, wie inklusiv und barrierefrei unsere Stadt ist und wo es gilt, noch vorhandene Barrieren abzubauen.

Auch stadtgeschichtlich interessierte Leserinnen und Leser kommen auf ihre Kosten. So wird zum Beispiel die Geschichte der Zwangsarbeit, das Mölmsch Platt und das Leben des 1745 in Mülheim geborenen Arztes und Dichters Carl Arnold Kortum beleuchtet. Eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft schlägt ein Beitrag, der die Weiterentwicklung des in der Generalrestaurierung befindlichen Heimatmuseums Tersteegenhaus beschreibt. Und last, but not least wird der Leserschaft des mit kriegsbedingten Unterbrechungen seit 1940 erscheinenden Mülheimer Jahrbuches vor Augen geführt, wie spannend und erkenntnisreich ein Streifzug durch die Mülheimer Natur und das Goldene Buch der Stadt sein kann.


Das Mülheimer Jahrbuch ist für 14,80 Euro im Mülheimer Buchhandel und bei der MST-Tourist-Info im Stadtquartier Schloßstraße erhältlich.

Sonntag, 1. Januar 2023

Licht für unsere Stadt sein

 Wenn das neue Jahr kommt, geht Pastor Helmut Venzke. Seiner Gemeinde, der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde an der Auerstraße wird er aber erhalten bleiben. Denn auch ihren Ruhestand wollen der 67-jährige Theologe und seine Frau Gabriele, die vier Kindern das Leben geschenkt haben, in Mülheim verleben. Und auch als pastoraler Pensionär wird Helmut Venzke das Predigen nicht lassen.


Ihr gemeinsames Berufsleben hat Helmut und Gabriele Venzke quer durch Deutschland geführt. Seine Wiege stand in Hamburg, die ihre in Tübingen. Er studierte fürs Pastoren- und sie fürs Lehramt. Auch wenn es anfangs nicht so geplant war, arbeiteten Helmut und Gabriele Venzke gemeinsam mit und für ihre jeweilige Gemeinde. Erst arbeiteten sie dort, wo andere Menschen Urlaub machen, auf Sylt und am Starnberger See. Dann zog es sie nach Düsseldorf, Und vor 20 Jahren ließen sie sich noch einmal auf ein berufliches und menschliches Abenteuer ein, indem sie der Anfrage ihrer jetzigen Heimatgemeinde nachgingen, die damals dringend einen neuen Pastor suchte und nicht nur den, sondern auch noch eine starke Frau dazu bekamen, die nicht nur hinter ihrem Mann stand, um die Herausforderungen zu meistern, die das Leben und Arbeiten und vor allem die Seelsorge in einer multikulturellen und heterogenen Gemeinde mit sich bringt.

"Wir haben in unserer Gemeinde Menschen mit sehr geraden und bürgerlichen und mit sehr ungeraden und queren Lebenswegen. Mit 190 Mitgliedern sind wir eine sehr familiäre Gemeinde, in der jeder jeden kennt. Das erleichtert die Seelsorge, geht manchmal aber auch mit Spannungen einher", sagt Venzke.

Aufsteigende Erinnerung


 Auf den Treppenstufen im Jahr 2008 errichteten Gemeindehaus ist zu lesen: "Weil wir von Gott geliebt sind, wollen wir ihn ehren, Jesus nachfolgen und Licht für ihn sein in unserer Stadt!" Licht in der Stadt. Das ist die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde an der Auerstraße mit ihrer Kinder- Jugend- und Seniorenarbeit, mit ihren musikalisch begleiteten Sonntagsgottesdiensten und mit ihrer Aufwind-Arbeit für Menschen, die aufgrund von Krankheit, Sucht und Armut am Rande unserer Stadtgesellschaft leben. Menschen, die mithilfe der Aktivisten aus dem Dunkel ins Licht ihres Lebens gehen können, sind nicht nur für Pastor Venzke und seine Gemeinde die schönste Anerkennung und der schönste Lohn ihrer gemeinsamen Arbeit für das lokale Gemeinwesen. Gerne erinnert sich Helmut Venzke auch daran, dass die Gemeinde an der Auerstraße im Verein mit der methodistischen Zion-Gemeinde, die Christusgemeinde an der Uhlandstraße, der katholischen Gemeinde St. Engelbert und der Evangelischen Lukaskirchengemeinde rund um die Johanniskirche an der Aktienstraße die damalige Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld mit Erfolg davon überzeugen konnte, "dass Eppinghofen ein Stadteilmanagement brauchte, um sozial nicht zu kippen." Seit dem machen die Eppinghofer Gemeinden nicht nur während der Eppinghofer Werkstattwoche mit dem Stadtteilmanagement an der Heißener Straße gemeinsame Sache.

Auch wenn sich die Venzkes am 15. Januar aus ihrem pastoralen Berufsleben im Gemeindehaus an der Auerstraße verabschieden werden, werden sie sich sicher nicht aus dieser guten und gemeinsamen Sache zurückziehen. Denn auch als Ruheständler, wissen und wollen sie, dass das den Stadtteil erleuchtende und heller machende Gemeindeleben an der Auerstraße weitergeht, zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen.

Zur EFG Mülheim

Dienstag, 27. Dezember 2022

Weihnachten 1922

 Wie haben die Mülheimer vor 100 Jahren Weihnachten gefeiert. Ein Blick in die Weihnachtsausgabe der Mülheimer Zeitung vom 23. Dezember 1922 und deren Anzeigenteil zeigt es. Die Zeitung ist damals noch das Leitmedium schlechthin. Und die im Verlag Marcks erscheinende Mülheimer Zeitung kann 1922 ihr 50-jähriges Bestehen feiern.

Unter der Überschrift: „Weihnachten 1922“ heißt es unter anderem: „Denkt an die armen Mitmenschen! Am meisten freuen sich wohl die Kleinen auf den Lichterglanz des Weihnachtsbaumes und sie hoffen, dass vielleicht der eine oder andere Herzenswunsch in Erfüllung gehen wird. Glückliche Kindheit, der ein frohes und trautes Weihnachten wird. Die Kinder wissen nichts von derben Enttäuschungen und schmerzlichen Erinnerungen. Sie kennen nichts von dem lähmenden Druck, der jetzt wieder verstärkt auf allen Gemütern lastet. Und wenn etwas ihre Stimmung beeinflusst dann ist es die widrige Witterung, weil man sich den Geburtstag des Christkindes eigentlich nicht ohne Schnee Eis und Schlittengeläut vorstellen kann. Angesichts des guten alten Weihnachtszaubers sollte eigentlich in allen Herzen eine frohe Zukunftsstimmung sein. Aber wir können nicht den Maßstab früherer Jahre an dieses Fest legen, das vielen Erwachsenen wieder quälende Sorgen bereiten wird. Wer mit Kümmernis im Herzen nicht weiß, wie er den Speis und den Trank für den folgenden Tag besorgen soll, wo graue Armut und knöcherne Not ständige Hausgäste sind, da sind auch die Tage des Wünschens und Hoffens eine quälende Last. Erinnern wir uns gerade in dieser Zeit daran, dass die deutschen Weihnachten immer eine Zeit der helfenden Nächstenliebe gewesen sind, in der die Herzen besonders weich gestimmt sind. Und deshalb öffnen sich die Hände in dieser Zeit auch rascher zum seligen Geben als sonst. Gerade in diesem Jahre, in dem das Gespenst der Armut umherschleicht, müssen sich sehr viele Leute doch darauf besinnen, dass es eine schöne Tugend ist, wenn man denen die in bedrückender Bedrängnis leben, etwas vom eigenen Glück mitgeben und so ihren Glauben daran stärken kann, dass das Fest der Liebe auch an den unglücklichen Erdenkindern nicht spurlos vorübergeht.“

Der ernste Appell an die mitmenschliche Hilfsbereitschaft kommt nicht von ungefähr. Weihnachten steht vor 100 Jahren unter dem Vorzeichen der Hyperinflation, die zwischen 1923 und 1925 die Vermögen der Mülheimer vernichten und den wirtschaftlichen und sozialen Alltag in unserer Stadt noch mehr als bisher aus den Fugen geraten lassen wird, weil die Preise unkalkulierbar werden. Für die Hyperinflationsjahre weist das statistische Bundesamt deshalb auch keine Durchschnittslöhne. 1921 hatte das durchschnittliche Brutto-Monats-Gehalt noch bei 831 Mark gelegen.

Vier Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges müssen die Deutschen, die jetzt in einer von Rechts- und Linksextremisten angefeindeten Republik leben, milliardenschwere Reparationsleistungen erbringen, die ihnen der ungeliebte Friedensvertrag von Versailles seit drei Jahren auferlegt. Unter dem Eindruck der Not haben sich in der Stadt die sozialdemokratische Arbeiterwohlfahrt, die katholische Caritas und die evangelische Diakonie als Sozialverbände gebildet und mit dem Sozialdemokraten Ernst Tommes hat die Stadt erstmals einen Wohlfahrtsdezernenten, der die kommunale Sozialpolitik koordiniert. Auch in Mülheim haben die Bürgerinnen und Bürger mit Arbeitsniederlegungen und einer Protestkundgebung auf dem Rathausmarkt reagiert, nachdem der liberale und jüdische Reichsaußenminister Walther von Rathenau am 24. Juni 1922 einem Mordkomplott der rechtsextremen Organisation Consul zum Opfer gefallen ist.

Bezeichnend für die galoppierende Inflation sind die Preise, die man dem Anzeigenteil der Mülheimer Zeitung am 23. Dezember 1922 entnehmen kann. Da wird zum Beispiel das Pfund Rindfleisch für 560 Mark, das Paket Weihnachtskerzen für 195 Mark, das Pfund Margarine für 980 Mark, das Pfund Butter für 1750 Mark und ein halbes Pfund Bohnenkaffee für 600 Mark angeboten.

In den meisten Werbeanzeigen bieten die Händler ihren Kunden Ratenzahlungen an. Ablenkung und Trost finden die von der Not gebeutelten Mülheimer an Weihnachten 1922 nur in der Kirche oder im Kino. In den Mülheimer Filmtheatern laufen damals die neuesten, musikalisch untermalten, Stummfilme.

Für den ersten Weihnachtstag 1922 kündigt die Mülheimer Zeitung ein Konzert des Mülheimer Kirchenchores an, das um 20 Uhr in der Petrikirche beginnen soll. Von einem Eintrittspreis ist keine Rede.

Gleich mehrere Mülheimer Kinos, wie die Schauburg, das Apollo oder das Union-Filmtheater werben mit cineastischen Fluchten aus dem tristen Krisenalltag. Je nach Temperament kann man sich zum Beispiel vom Historienfilm: „Marie Antonette“, von der Detektivgeschichte „Ihr Kammerdiener“, vom Western: „Mit Büchse und Lasso“, von der Harold-Lloyd Komödie „Der Meisterboxer“ oder von der Komödie „Charly Chaplin und der Großfürst von Kirkistan“ in eine Traumwelt entführen lassen, in der man den Stress des trüben Alltags zumindest stundenweise vergessen kann. Das gleiche Ziel verfolgt auch, wer an den Weihnachtstagen 1922 der Einladung ins Tanzlokal an der Monning folgt, wo ein „öffentlichen Festball mit einem Familienkonzert“ auf dem per Zeitungsanzeige transportierten Veranstaltungsprogramm stehen. 

Mittwoch, 21. Dezember 2022

Aufwind im Advent

 Dass an diesen Tagen vor Weihnachten auch an sie gedacht wird, erlebten etwa 50 sozial benachteiligte Menschen aus Mülheim, die von der 2002 ins Leben gerufenen christlichen Aktion Aufwind ins Gemeindehaus der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Auerstraße eingeladen wurden, um bei gutem Essen, guten Gesprächen und guter Live-Musik (letztere von Keyboarder Dirk Biesgen und Sängerin Sandra Schmidt) für einige Stunden von der Schatten- auf die Sonnenseite des Lebens zu wechseln.

Mit-Organisator Norbert Tischmeyer ließ sich in seinem geistlichen Grußwort von der Weihnachtsgeschichte inspirieren und verglich die Hirten auf dem Felde, die als erstes von der Geburt Jesu erfuhren mit den Menschen, die am Rand unserer Gesellschaft stehen, weil sie zum Beispiel durch Krankheit, Drogen, Arbeits- und Wohnungslosigkeit aus ihrer Lebensbahn geworfen sind. Der Automobilingenieur Tischmeyer, der nach eigener Aussage „in einer schweren Lebenskrise Menschen gefunden hat, die mich an die Hand genommen und wieder aufgerichtet haben,“ sagte seinen Gästen: „Die Frohe Botschaft Jesu richtet sich gerade an euch, die ihr gefallen, aber wieder aufgestanden seid. Sie kann euch für Euer Leben Mut machen, immer wieder neu anzufangen und nicht zu verzweifeln, auch wenn wir in beängstigenden und frustrierenden Zeiten von Corona, Krieg, Energiekrise und Inflation alle nicht wissen, wohin das alles führen wird.“.

Diese Zeitung nutzte die Adventsfeier der Aktion Aufwind, deren Name nicht nur zur Weihnachtszeit Programm ist, um mit deren Gästen darüber ins Gespräch zu kommen, was sie auf ihrem Lebensweg von 2022 nach 2023 für sich und für uns alle hoffen und wünschen.

Ein 56-jähriger Mann mit Wollmütze und leicht ergrautem Haar sagt: „Die heutige Einladung ist in meiner bescheidenen Situation eine schöne Ablenkung in meinem harten Alltag, aber auch nicht mehr. In Deutschland muss sich viel ändern, vor allem die Politik. Sie kümmert sich zu viel um arme Menschen, die zu uns kommen und zu wenig, um die vielen Leute, die hier schon ihr ganzes Leben verbracht haben und denen es echt dreckig geht.“

Renate (73) wünscht sich, „dass ich weiterhin die Kraft habe nach vorne zu schauen, weil es anders nicht geht und dass ich hier weiter eine Gemeinschaft finde, in der man zusammenhält, sich zuhört und sich auch hilft.“ Von der Politik fühlt sie sich auf allen Ebenen im Stich gelassen. „Der Oberbürgermeister und die Regierung müssten mal was für unsere Kreise, zum Beispiel für Obdachlose und arme Rentner tun. Im reichen Süden der Stadt sind die Straßen und Häuser noch ganz gut. Aber im armen Norden tut sich nichts. Für die armen Menschen bewegt sich nichts. Die sind für die Politik nicht wichtig und interessant.“

Annika (35) berichtet bei Kaffee und Gebäck: „Ich habe lange als Teilzeitkraft und Kassiererin im Einzelhandel gearbeitet. Aber das war für mich zu stressig und hat mich psychisch krank gemacht. Jetzt suche ich nach einer Langzeitreha nach einer betreuten Wohngemeinschaft, in der Menschen, wie ich an die Hand genommen und wieder fit gemacht werden. Aber solche WGs gibt es leider viel zu wenig. Umso schöner sind solche Aktionen wie die von Aufwind, die an Menschen denken und sie sehen, denen es nicht gut geht“

Jürgen (75) wünscht sich vor allem, „dass es Frieden in der Ukraine gibt und die Preise wieder runtergehen, damit es allem besser geht.“ Außerdem fände er es schön, wenn an kalten Tagen U-Bahnhöfe, Einkaufszentren und Turnhallen mit Feldbetten auszustatten und so als winterfeste Übernachtungsmöglichkeit für Obdach- und Wohnungslose zur Verfügung zu stehen. Menschen in der Krise, wünscht er vor allem „den Mut und die Klugheit, Hilfe anzunehmen, Veränderung zu wagen, auf gute Menschen zuzugehen und schlechten Menschen aus dem Weg zu gehen.“

Hermann (57) wünscht sich für 2023 vor allem „Gesundheit und Menschen, die einem ab und zu helfen.“ Außerdem würde er sich über „mehr Schlafplätze für Obdachlose und über mehr Streetworker freuen, die einen Blick für Menschen haben, die auf der Straße leben und denen es schlecht geht!“

Christel (68), die von sich sagt: „Ich war schon mal fast tot“, wünscht sich 2023 viele Stunden mit netten Menschen, wie sie sie an diesem Samstag beim Aufwind erlebt und sie hofft, „dass die Menschen wieder freundlicher und hilfsbereiter miteinander umgehen und dabei den Wert der Gemeinschaft wiederentdecken und erleben.“ Diesem Wunsch schließt sich Helmhard (71) gerne an und ergänzt ihn noch um den Wunsch, „dass es wieder mehr bezahlbaren Wohnraum und gute Nachbarschaft“ geben möge, „damit niemand mehr Wohnungs-Punk erleben muss.“

Und Jörg (57), der nach einer 35-jährigen Drogenkarriere seit 2018 wieder clean ist und jetzt zum Mitarbeiterteam der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinde an der Auerstraße gehört, wünscht sich nicht nur für 2023, „dass viele Menschen in einer Lebenssituation, wie ich sie erlebt habe, Gott und Menschen kennenlernen, die wohlwollend auf sie zugehen und sie so ermutigen, ihr Leben zum Besseren zu verändern.“

 

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Samstag, 17. Dezember 2022

Saarner Geschichte(n)

 Für alle, die sich mit Saarn identifizieren und die sich für den Stadtteil interessieren, ist der 120 Seiten starke Band "Saarn ein städtisches Dorf" ein Muss. Für fünf Euro ist man bei der bild- und textreichen Zeitreise ins alte Saarn dabei. Das zweite Buch aus der Schreibwerkstatt des 2013 gegründeten Geschichtsgesprächskreises ist in den Buchhandlungen Hilberath und Lange an der Düsseldorfer Straße 111 und Fehst am Löhberg 4 erhältlich.


Werner Rausch, Franz Firla, Friedrich-Wilhelm von Gehlen, Herbert Heintges, Friedhelm Behmenburg, Heinz Weirauch, Jella Stanka, Sabine Klischat-Howe, Grietta Overmann, Bernd Bellenbaum, Willi Horstmannshoff und Bernd Blaschke haben lesenswerte Geschichte(n) aus dem Dorf zusammengetragen. Mit der Lektüre erfahren wir zum Beispiel etwas über den 1893 in Saarn geborenen Künstler Otto Pankok und über den Saarner Heimatdichter Heinrich Mühlensiepen. Wir entdecken die Geschichte Saarner Familienunternehmen, lernen den Saarner Segelflugpionier Wilhem Weinrauch kennen, besuchen die Saarner Pferderennbahn, erfahren, wie man in Saarn den Zweiten Weltkrieg und dessen Ende erlebt hat. Wir hören etwas vom Posaunenchor der Evangelischen Kirchengemeinde Saarn, begleiten den Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy bei seiner Saarn-Visite anno 1834 und betrachten das ländliche und bäuerliche Leben auf der Saarner Kuppe Kinderaugen und erfahren, warum das Kartoffelauflesen zum Abenteuer werden kann. Und das alles ist noch längst nicht alles, was man im zweiten Band mit Stadtteilgeschicht(e)n aus Saarn erlesen und entdecken kann.

Unterstützung aus der Wirtschaft und aus der Politik


Nicht nur die Anzeigengeber aus der Saarner Wirtschaft, sondern auch die Unterstützung aus den Verfügungsmitteln der Linksruhr -Bezirksvertretung 3 haben den Druck von 750 Exemplaren und deren kundenfreundlichen Stückpreis von fünf Euro möglich gemacht. "Wir haben den zweiten Band des Geschichtsgesprächskreises Saarn als Bezirksvertretung 3 gerne 500 Euro unterstützt, weil die Identifikation mit dem Stadtteil und seinen Menschen fördert, wenn Wissen über die Saarner Geschichte auch an die junge Generation und an Neu-Saarner auf diesem Weg weitergegeben wird", sagt Bezirksbürgermeisterin Elke Oesterwind.  In diesem Sinne wird der Geschichtsgesprächskreis Saarn 20 seiner Bände kostenfrei an Saarner Schulen abgeben. Nach Angaben der Stadt leben zurzeit rund 23.500 Menschen in Saarn.

Werner Rausch, Herbert Heintges und Friedrich-Wilhelm von Gehlen gehören zum "harten Kern" des Geschichtsgesprächskreises, der sich am ersten und dritten Freitag des Monats zwischen 10 und 12 Uhr im Kloster Saarn trifft. Sie können sich auch vorstellen, die alte Tradition eines Dorfrundganges am Samstagnachmittag in Zusammenarbeit mit dem Saarner Bürgerverein, wieder aufleben zu lassen, um alte, junge und neu zugezogene Saarner über die Geschichte ihres Stadtteils miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen. 

"Die meisten Mitglieder sind im Rentenalter. Wir würden uns aber auch über jüngere und noch berufstätige Mitstreiter freuen, die aus beruflichen Gründen aber nicht an unseren vormittäglichen Treffen teilnehmen können", sagt Werner Rausch. Deshalb können sich Menschen, die die Erinnerungsarbeit von Saarnerinnen und Saarnern für Saarner und Saarnerinnen unterstützen können und möchten, unter der Rufnummer: 0208/489120 oder per E-Mail an: info@saarnerkirmes.de über Werner Rausch Kontakt mit dem Geschichtsgesprächskreis Saarn aufnehmen. Die Saarner Geschichtsschreiber lassen keinen Zweifel daran, dass sie schon jetzt Ideen und Themen für einen dritten und vierten Band "Saarn - ein städtisches Dorf" haben.

Freitag, 16. Dezember 2022

Ein Preis für Kunst und Wissenschaft

 Mit rund 150 Gästen aus allen Bereichen der Bürgerschaft haben der Künstler Alexander Voß und der Chemiker Prof. Dr. Torsten Schmidt in der Sparkasse am Berliner Platz ihren Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft gefeiert. Die Sparkasse war nicht nur Gastgeberin der Preisverleihung. Sie stellt auch das Preisgeld von jeweils 3000 Euro zur Verfügung.

In diesem Zusammenhang würdigte Oberbürgermeister Marc Buchholz die Partnerschaft zwischen Stadt und Sparkasse, die sich nicht nur bei der Dotierung des seit 1962 vergebenen Preises bewährt habe.

Der Jury, die die Ruhrpreisträger auswählt, gehören der Vorstandsprecher der Sparkasse, Martin Weck, Kulturdezernentin Dr. Daniela Grobe, die Vorsitzende des Kulturausschusses, Bürgermeisterin Ann-Kathrin Allekotte, der Chemiker und MPI-Direktor Prof. Dr. Ferdi Schüth  und der Filmemacher Rainer Komers an, der die Mülheimer Künstler vertritt. Angesichts der Corona-Pandemie hatte es 2020 und 2020 keine Ruhrpreisverleihung gegeben.

Mit Blick auf die aktuellen Preisträger erklärte der Oberbürgermeister: „Prof. Thorsten C. Schmidt und Alexander Voß zeichnet - wie andere Preisträger vor ihnen - aus, dass sie Bestehendes aus neuen Blickwinkeln ansehen. Sie bewerten es anders als ihre Vorgänger. Sie suchen nach innovativen Ansätzen, Entwicklungsmöglichkeiten und Ausdrucksformen.

Sie lösen Diskussionen aus, in denen sich Fachwelt und Laien neugierig mit den Arbeitsergebnissen der beiden auseinandersetzen. Sie regen die Fantasie an, inspirieren, irritieren, verblüffen oder verstören. Sie ermuntern andere, mit den Ergebnissen ihrer Arbeit weiter zu forschen, diese ebenfalls zu hinterfragen, sie weiterzuführen oder zu verändern.“


Alexander Voß wird einen Teil seines Preisgeldes, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung sagte, dem von ihm mitgegründeten Kunsthaus an der Meißelstraße in Styrum (www.kunsthaus-mh.de) zur Verfügung stellen.


In ihrer Laudatio auf Voß, die die kurzfristig erkrankte Leiterin des städtischen Kunstmuseums. Beate Reese, von ihrer Stellvertreterin Anja Bauer-Kersken vortragen ließ, würdigte Reese den Preisträger „als als eine verlässliche Größe in der Künstlerschaft.“ Voß, so seine Laudatorin, „wird ob seiner nachdenklichen und überlegten Art geschätzt.“ Darüber hinaus würdigten seine Laudatorinnen Voß als „Meister der gelenkten Schnitte und Bruchstellen,“ der „Seit fast vierzig Jahren beharrlich und konsequent seinen künstlerischen Weg verfolgt“ und sich: „mit der Gestaltungskraft der Linie auseinandergesetzt hat, die ihn als grundlegendem Element von Kunst, Schritt für Schritt von der Fläche in den Raum geführt“ habe. Dies gelte bei seinen Linoldrucken ebenso wie für seine markanten Glasarbeiten."


Voß betonte in seinen Dankesworten: „Meine Arbeit hat eine lange Entwicklung hinter sich und mit Abstand lässt sich das Ganze besser erfassen. Mit einer gesunden Mischung aus Rück- und Ausblick möchte ich meinen Dank verbinden“ In diesem Zusammenhang wies Voß auf seine Familie, aber auch auf Freunde und Kollegen hin, die seine künsterlische Arbeit inspiriert, begleitet und mitgetragen hätten. Den Mülheimer Künstler Friedebert Reihl würdigte Voß als seinen „geistigen Vater“ in Sachen Kunst.

Kunst und Wissenschaft verbindet der Mikrobiologe und Schriftsteller Hans-Curt Flemming. Er hielt die Laudatio an seinen Freund und Kollegen Prof. Dr. Torsten C. Schmidt, der als Chemiker am Mülheimer Wasserforschungsinstitut IWW und an der Universität Duisburg-Essen lehrt und forscht.


Schmidt, der seine Frau zu sich ins Rampenlicht, holte, machte deutlich, dass naturwissenschaftliches Arbeiten keine One-Man-Show, sondern immer ein Teamwork sei. Flemming würdigte seinen Freund und Kollegen Schmidt als einen kreativen und bodenständigen Menschen, mit dem man sich auch abseits naturwissenschaftlicher Diskussionen über unterschiedlichste Themen austauschen könne. Schmidt hat angekündigt, ein Drittel seines Preisgeldes der Mülheimer Obdachlosenhilfe Solidarität in Mülheim (www.si-mh.de) zur Verfügung zu stellen.


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Mittwoch, 14. Dezember 2022

Ein Preis für die Hoffnung

Fast genau einen Monat, nachdem das ökumenische Netzwerk Trauerbegleitung seine haupt- und ehrenamtlich geleistete Arbeit Weihbischof Wilhelm Zimmermann, im Rahmen seiner Visitation vorgestellt hat, sind die ehrenamtlichen Trauerbegleiter aus diesem Kreis (Bernd Heßeler, Dr. Britta Dickhoff, Rita Blank, Delia Blömer, Ursula Schulz, Kerstin Altenrath, Bettina Griebenow, Ruth Borgwarth  und Andela Canzler-Hiegemann von den beiden christlichen Stadtkirchen, denen aktuell 86.000 der insgesamt 172.000 Bürgerinnen und Bürger angehören, mit dem Ökumenischen Hoffnungspreis ausgezeichnet worden.


Vor den ehrenamtlichen Trauerbegleitern, die hauptamtlich vom katholischen Krankenhausseelsorger Berthold Boenig, von der katholischen Gemeindereferentin Andrea Schlüter, dem katholischen Diakon Martin Bader und dem evangelischen Pfarrer Christoph Pfeifer unterstützt werden, hatten die ehrenamtlichen Notfallseelsorger und die Mülheimer Pflegekräfte den mit 2000 Euro dotierten Hoffnungspreis erhalten.


Aufgrund der anhaltenden Coronaviruspandemie konnte die Preisverleihung nicht im Rahmen des Ökumenischen Stadtkirchenempfangs zum Beginn des neuen Kirchenjahres im Altenhof stattfinden. Stattdessen luden die Stadtkirchen zu einer Preisverleihung im kleinen Kreis, die als Internet-Livestream aus der im 13. Jahrhundert erbauten und im 16. Jahrhundert reformierten Petrikirche übertragen wurde.


Symbolisch überreichten Stadtdechant Michael Janßen und der evangelische Superintendent Gerald Hillebrand den Hoffnungspreisträgern eine stählerne Fischskulptur. Der Fisch war ein Erkennungszeichen der im Römischen Reich verfolgten Urchristen. Die Evangelien berichten davon, dass Jesus einige seiner Jünger von Fischern zu Menschenfischern machte und wundertätig 5000 Menschen mit fünf Broten und zwei Fischen speisen und sättigen konnte.

Janßen und Hillebrand berichteten aus ihren eigenen Erfahrungen in der Trauerbegleitung und machten damit deutlich, wie wichtig die Unterstützung durch ehrenamtliche Trauerbegleiter ist, die zum Beispiel mit Trauercafes und Einzelgesprächen, Hinterbliebenen dabei helfen, ihre Trauer anzunehmen. „Der Hoffnungspreis soll Ihre segensreiche Arbeit in der Trauerbegleitung sichtbar machen“, betonten Stadtdechant und Superintendent. Die so Gelobten und Ausgezeichneten bedankten sich ihrerseits für die Würdigung ihrer ehrenamtlichen Arbeit. „Das Preisgeld“, so kündigten sie in der Petrikirche an, „wollen wir in einen Thementag investieren, der mit Vorträgen und Workshops am 22. April 2023 auf dem Kirchenhügel stattfinden und die Themen Tod und Trauer bearbeiten und beleuchten soll.“ Viel Lob und Anerkennung erfuhr an diesem Abend in der Petrikirche auch der Kiewer Klavier-Professor Evgenij Rewitsky, der die Preisverleihung mit Werken von Beethoven und Schubert berührend begleitete. 


Zur katholischen Stadtkirche und: Zur evangelischen Stadtkirche



Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...