Der Wohnungsmarkt ist leer gefegt, bezahlbarer Wohnraum aber weiter vonnöten. Da liegt es nahe, die leer stehenden Ladenlokale in der Innenstadt in Wohnlokale umzuwandeln. Gut. Wer in so ein ehemaliges Geschäft einzieht, muss sich schon als Aushängeschild und Vorbild eignen.
Wer im Schaufenster lebt, darf sich keine unaufgeräumten Zimmer oder ein Herumgammeln auf der Couch oder im Bett erlauben. Ich glaube, ich eigene mich doch nicht so gut als Vorbild und Schaufensterfigur und bleibe lieber, wo ich bin, in meinem Zimmer mit Ausblick auf, aber ohne Einblick auf die Straße.
Dieser Text erschien am 4. August 2018 in der NRZ
Montag, 6. August 2018
Sonntag, 5. August 2018
Abendkirmes in der City
"Samstags in der Ciry". So besangen die kölschen Bläck Föös in den 1970er Jahren, was man mit Kind und Kegel beim Samstagseinkauf in der City alles erleben kann.
Inzwischen geht es nicht nur samstags in der City turbulent zu. An so manchem Sommerabend wirkt die Schloßstraße heute, wie ein Großkirmes, die es mit Crange und Co aufnehmen kann. Tresensitzer der anliegenden Kneipen beobachten Kinder und Halbstarke, die die Fußgängerzone mit ihren Rädern oder Skateboards zur Rennstrecke oder zum Spielplatz machen. Da wird der Rasche-Brunnen mal eben zum Swimmingpool oder zur Wasserspritze umfunktioniert und Passanten, auch die, die am Stock oder am Rollator gehen oder im Rollstuhl fahren zu unfreiwilligen Spielgefährten gemacht.
Die Anwohner, die in der Hitze der fortgeschrittenen Abendstunde ihre Fenster öffnen und das lautstarke Schauspiel beobachten, denke über einen Umzug oder über einen Neuanfang als Schießbudenfigur nach.
Dieser Text erschien am 3. August in der NRZ
Inzwischen geht es nicht nur samstags in der City turbulent zu. An so manchem Sommerabend wirkt die Schloßstraße heute, wie ein Großkirmes, die es mit Crange und Co aufnehmen kann. Tresensitzer der anliegenden Kneipen beobachten Kinder und Halbstarke, die die Fußgängerzone mit ihren Rädern oder Skateboards zur Rennstrecke oder zum Spielplatz machen. Da wird der Rasche-Brunnen mal eben zum Swimmingpool oder zur Wasserspritze umfunktioniert und Passanten, auch die, die am Stock oder am Rollator gehen oder im Rollstuhl fahren zu unfreiwilligen Spielgefährten gemacht.
Die Anwohner, die in der Hitze der fortgeschrittenen Abendstunde ihre Fenster öffnen und das lautstarke Schauspiel beobachten, denke über einen Umzug oder über einen Neuanfang als Schießbudenfigur nach.
Dieser Text erschien am 3. August in der NRZ
Samstag, 4. August 2018
Zu Gast in Mülheim: Eine Postkartenausstellung lädt ins Haus der Stadtgeschichte ein
100 historische Postkarten aus dem Stadtarchiv zeigen (bis zum 4, Oktober) im Foyer des Hauses der Stadtgeschichte (Von-Graefe-Straße 37) zeigen, wo und wie es sich die Mülheimer zwischen 1880 und 1930 gut gehen ließen.
Mal fotografisch, mal lithographisch, gewähren Hotels, Restaurants. Gaststätten und Ausflugslokale Einblicke in ihre Gastlichkeit, die nicht nur mit kulinarischen Leckerbissen und besten Aussichten auf die schönen Landschaften in der Stadt am Fluss unseren Großeltern und Urgroßeltern ihre knappe Freizeit versüßten.
Das bis heute existierende Restaurant an der Walkmühlenstraße punktete damals mit einer Bootspartie auf dem alten Teich der Walkmühle. Wehmütig schaut der Betrachter auch auf den urigen und gut beschatteten Biergarten der Müller Flora zwischen dem Leinpfad und der Dohne, der um 1900 mit elektrischer Beleuchtung und Leihbooten für eine Partie auf der Ruhr warb.
Ländlich, sittlich lecker ging es bereits seit dem 18. Jahrhundert im Gasthaus Zur grünen Esche zu, das wir heute als Müller Menden an der Mendener Straße/Ecke Steinknappen kennen. Geselligkeit und Genuss im Gasthaus mit Garten. Das gibt es damals, wie heute an der Großenbauemer Straße im Waldschlößchen.
Nur noch auf den historischen Postkarten existent sind dagegen legendäre Lokalitäten, wie das Rheinische Bauernhaus an der Delle/Ecke Friedrichstraße, wo man heute beim Pizza-Imbiss seinen Hunger stillen kann. Auch die Gaststätte Mausefalle an der Bogenstraße in der Altstadt, in der sich um 1870 der Stammtisch der gleichnamigen Bürgergesellschaft gründete, fiel ebenso, wie das beliebte Gasthaus Tersteegensruh im Witthausbusch 1943 den alliierten Bomben zum Opfer. Gleich gegenüber der alten Mausefalle, auf deren Grundstück seit 2016 das Petrikirchenhaus steht, eröffnete 1986 die neue "Mausefalle" im Torbogen zur Altstadt. Auf Grundstück der alten Mausefalle steht seit 2016 das Petrikirchenhaus.
Zumindest als Gebäude erhalten ist das 1890 am Kahlenberg eröffnete Ausflugslokal, das unter anderem mit einem elektrischen Klavier Gäste anlockte, ab 1952 als Jugendherberge und seit 2011 als privates Wohnquartier mit bestem Ruhrblick genutzt wird. Und von den vielen Lokalitäten im Monning-Viertel, das seinen Besuchern anno dazumal auch mit Tanzkapellen und einem Streichelgehege eine angenehme Zeit berereitete, ist heute noch das alte Stammhaus an der Monning und Tanzlokal übrig geblieben. Und last, but not least war auch das Haus der Stadtgeschichte in seinem ersten Leben als Johannesburg eine Gaststätte, ehe sie 1907 zur Augenheilanstalt umgebaut wurde.
Die eintrittsfreie Postkartenausstellung im Haus der Stadtgeschichte ist während der Sommerferien montags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr und dienstags von 9 bis 18 Uhr besuchbar. Mit Beginn des neuen Schuljahres am 27. August können Interessierte dort montags bis freitags zwischen 9 und 20 Uhr vorbeischauen. Das Haus der Stadtgeschichte ist mit der Buslinie 131 (Haltestelle Brückstraße) und mit der U18 (Haltestelle Christianstraße) erreichbar. Mehr zum Thema unter: stadtarchiv-mh.de
Dieser Text erschien am 3. August 2018 in der Mülheimer Woche
Mal fotografisch, mal lithographisch, gewähren Hotels, Restaurants. Gaststätten und Ausflugslokale Einblicke in ihre Gastlichkeit, die nicht nur mit kulinarischen Leckerbissen und besten Aussichten auf die schönen Landschaften in der Stadt am Fluss unseren Großeltern und Urgroßeltern ihre knappe Freizeit versüßten.
Das bis heute existierende Restaurant an der Walkmühlenstraße punktete damals mit einer Bootspartie auf dem alten Teich der Walkmühle. Wehmütig schaut der Betrachter auch auf den urigen und gut beschatteten Biergarten der Müller Flora zwischen dem Leinpfad und der Dohne, der um 1900 mit elektrischer Beleuchtung und Leihbooten für eine Partie auf der Ruhr warb.
Ländlich, sittlich lecker ging es bereits seit dem 18. Jahrhundert im Gasthaus Zur grünen Esche zu, das wir heute als Müller Menden an der Mendener Straße/Ecke Steinknappen kennen. Geselligkeit und Genuss im Gasthaus mit Garten. Das gibt es damals, wie heute an der Großenbauemer Straße im Waldschlößchen.
Nur noch auf den historischen Postkarten existent sind dagegen legendäre Lokalitäten, wie das Rheinische Bauernhaus an der Delle/Ecke Friedrichstraße, wo man heute beim Pizza-Imbiss seinen Hunger stillen kann. Auch die Gaststätte Mausefalle an der Bogenstraße in der Altstadt, in der sich um 1870 der Stammtisch der gleichnamigen Bürgergesellschaft gründete, fiel ebenso, wie das beliebte Gasthaus Tersteegensruh im Witthausbusch 1943 den alliierten Bomben zum Opfer. Gleich gegenüber der alten Mausefalle, auf deren Grundstück seit 2016 das Petrikirchenhaus steht, eröffnete 1986 die neue "Mausefalle" im Torbogen zur Altstadt. Auf Grundstück der alten Mausefalle steht seit 2016 das Petrikirchenhaus.
Zumindest als Gebäude erhalten ist das 1890 am Kahlenberg eröffnete Ausflugslokal, das unter anderem mit einem elektrischen Klavier Gäste anlockte, ab 1952 als Jugendherberge und seit 2011 als privates Wohnquartier mit bestem Ruhrblick genutzt wird. Und von den vielen Lokalitäten im Monning-Viertel, das seinen Besuchern anno dazumal auch mit Tanzkapellen und einem Streichelgehege eine angenehme Zeit berereitete, ist heute noch das alte Stammhaus an der Monning und Tanzlokal übrig geblieben. Und last, but not least war auch das Haus der Stadtgeschichte in seinem ersten Leben als Johannesburg eine Gaststätte, ehe sie 1907 zur Augenheilanstalt umgebaut wurde.
Die eintrittsfreie Postkartenausstellung im Haus der Stadtgeschichte ist während der Sommerferien montags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr und dienstags von 9 bis 18 Uhr besuchbar. Mit Beginn des neuen Schuljahres am 27. August können Interessierte dort montags bis freitags zwischen 9 und 20 Uhr vorbeischauen. Das Haus der Stadtgeschichte ist mit der Buslinie 131 (Haltestelle Brückstraße) und mit der U18 (Haltestelle Christianstraße) erreichbar. Mehr zum Thema unter: stadtarchiv-mh.de
Dieser Text erschien am 3. August 2018 in der Mülheimer Woche
Freitag, 3. August 2018
Kinderschutz: Was die Jugendämter aus dem Fall Kevin gelernt haben
Der Kommunale Soziale Dienst unterstützt die Forderungen, die Heinz Sprenger in seinem Buch stellt. Dennoch gebe es schon ein enges Netzwerk.
Eine Obergrenze bei den Fallzahlen und eine bessere Zusammenarbeit und Kommunikation aller Beteiligten, das fordert der Dümptener Kriminalist und ehemalige Leiter der Duisburger Mordkommission, Heinz Sprenger, bekanntlich in seinem neuen Buch „KinderLos“!
Die Leiterin des Kommunalen Sozialen Dienstes (KSD), Martina Wilinski, und ihr für den Kinderschutz zuständiger Koordinator, Marc Heiderhoff, unterstützen Sprengers Forderungen. Sie weisen aber darauf hin, dass die 40 Kollegen, die sich in Mülheim mit dem Kinderschutz befassen, eine enge Zusammenarbeit und Kommunikation mit den örtlichen Kinderärzten, Familienrichtern und Polizeibeamten pflegen.
Seit 2012 gibt es ein neues Bundeskinderschutzgesetz
Auch seien Kinderärzte nicht mehr an ihre ärztliche Schweigepflicht gebunden, wenn es um die Weitergabe von Informationen zum Schutz eines Kindes gehe. „Der Fall Kevin in Bremen hat bundesweit zum Umdenken und 2012 zum neuen Bundeskinderschutzgesetz geführt“, sagt Wilinski.
Ihr Kollege Heiderhoff geht davon aus, dass sich jeder seiner Kolleginnen und Kollegen um etwa 30 bis 50 und nicht um 100 oder 120 Fälle der sogenannten Hilfe zur Erziehung kümmert. „Und nicht jeder Fall, mit dem wir es zu tun haben, ist gleich ein Drama“, sagt Martina Wilinski.
Wenn Eltern aus sozialen, psychischen oder gesundheitlichen Gründen mit der Erziehung ihres Kindes überfordert sind, kann der Kommunale Soziale Dienst, mit oder auch ohne ihr Einverständnis, Hilfen zu Erziehung geben. Wie Sozialdezernent Ulrich Ernst vor wenigen Wochen im Sozial- und im Jugendhilfeausschuss berichtet hat, ist die Zahl der Hilfen zur Erziehung zwischen 2012 und 2016 angestiegen. Gab die Stadt 2012 noch 588 Euro pro Person und Jahr aus, so waren es 2016 bereits 986 Euro pro Person und Jahr. Damit liegt Mülheim im NRW-Mittelfeld.
Drei bis vier Besprechungen jährlich
Am 31. Dezember 2017 lebten in Mülheim insgesamt 13 306 Einwohner unter 21 Jahren. Von dieser Gruppe benötigten jeweils etwa drei Prozent eine stationäre oder ambulante Hilfe zur Erziehung. Während die Zahl der ambulanten Hilfen im Vergleichszeitraum nur um 0,3 Prozent anstieg, war bei den stationären Hilfen eine Verdopplung zu verzeichnen. Auf der Basis der Bevölkerungszahlen von 2017 handelt es sich bei den stationären und ambulanten Erziehungshilfen also um eine Zahl von rund 390 Fällen. Dabei heißt ambulante Hilfe zur Erziehung: Mitarbeiter des Kommunalen Sozialen Dienstes leisteten in diesen Fällen Erziehungshilfe in den Familien. Stationäre Hilfe zur Erziehung bedeutet: Sie nahmen gefährdete Kinder und Jugendliche in Obhut.
Dabei arbeiten die Kinderschützer des KSD zum Beispiel mit den Kindernotfallambulanzen der Essener Universitätsklinik und des Evangelischen Krankenhauses in Oberhausen sowie mit Bereitschaftspflegefamilien und den Jugendschutzstellen der Polizei zusammen. „Drei bis viermal pro Jahr treffen sich alle Akteure des Kinderschutzes zu interdisziplinären Fallbesprechungen“, erklärt Martina Wilinski. Kinderschutzkoordinator Marc Heiderhoff interpretiert den Anstieg bei den Hilfen zur Erziehung auch als ein Zeichen für eine größere Sensibilisierung und einer größeren Anzeigebereitschaft, wenn es um den Schutz von Kindern gehe.
Im Jahr 2017 kamen bundesweit 143 Kinder zu Tode
Dennoch bleiben erschütternde Tatsachen, die auch Heinz Sprenger, in seinem Buch „KinderLos“ benennt. Denn nach Angaben des Bundeskriminalamtes kamen im vergangenen Jahr bundesweit 143 Kinder durch ihre Eltern gewaltsam zu Tode. Das Polizeipräsidium Essen/Mülheim nennt für seinen Verantwortungsbereich zwei Kindstötungen im Jahr 2017 und eine im Jahr 2016. In beiden Jahren kam jeweils eine versuchte Kindstötung hinzu. Außerdem verzeichnete das Polizeipräsidium im Jahr 2017 69 Fälle, in denen Kinder Opfer von verbaler und körperlicher Gewalt wurden. Das waren 17 Fälle mehr als im Jahr davor.
Der Fall Kevin und die Folgen
Bremen 2006: Der damals zweijährige Kevin wird von seinem drogenabhängigen Stiefvater totgeprügelt, obwohl er bereits unter der Vormundschaft des Jugendamtes steht.
Der Fall sorgt bundesweit für Schlagzeilen und Diskussionen. Und er führt 2012 zum Bundeskinderschutzgesetz, das vorsieht, die Information und Unterstützung von Eltern in Fragen der Kindesentwicklung auszubauen, vorbeugende frühe Hilfen, wie einen kommunalen Besuchsdienst für alle Eltern von Neugeborenen, einzuführen und die Netzwerkbildung, inklusive des Informationsaustausches zwischen allen maßgeblichen Akteuren des Kinderschutzes zu optimieren.
Verbesserung der Aus- und Weiterbildung
Darüber hinaus schreibt das Gesetz fest, dass das Kindeswohl und die Weitergabe entsprechender Informationen Vorrang vor dem Datenschutz hat. Und dass die für Kinderschutz zuständigen Behörden die fachliche Qualität ihrer Arbeit durch Aus- und Weiterbildung verbessern müssen. Auch ehrenamtlich tätige Jugendarbeiter müssen ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.
Dieser Text erschien am 2. August 2018 in NRZ & WAZ
Donnerstag, 2. August 2018
Der Journalist Theodor Wolff würde heute 150 Jahre alt
Herausragende Leistungen im Bereich des Zeitungsjournalismus zeichnet der Bundesverband der deutschen Zeitungsverleger mit dem Theodor-Wolff-Preis aus. Der Namensgeber dieser Auszeichnung war selbst ein hervorragender Journalist, der mit Weitsicht und Scharfsinn seine Zeit beobachtete und beschrieb.
Der jüdische Journalist Theodor Wolff wurde am 2. August 1863 als Sohn eines Tuchhändlers in Berlin geboren. Nach seiner Schulzeit, Wolff verließ das Berliner Wilhelmsgymnasium ohne Abitur, fand der 19-Jährige durch seinen Vetter Richard Mosse den Weg zur Zeitung und damit zu seiner Lebensaufgabe.
Zunächst schrieb Wolff vor allem Theater- und Literaturkritiken. Doch schon früh, zwischen 1894 und 1906 hatte Wolff als Korrespondent in Paris die Gelegenheit seinen geistigen Horizont zu erweitern. Seine Berichterstattung über die Intrigen gegen den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus und Emil Zolas vergebliches Eintreten für dessen Rehabilitation, wurden für den Journalisten Wolff zum Schlüsselerlebnis.
Mit der Berufung zum Chefredakteur des linksliberalen Berliner Tageblatts, erreichte Wolff 1906 den Höhepunkt seiner publizistischen Karriere. Er selbst sollte die Arbeit eines Chefredakteurs später einmal mit der eines Dompteurs im Zirkus vergleichen. Als Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, im November 1918, vom Kaiserreich zur Republik wurde, gehörte der Chefredakteur des Berliner Tageblatts, als Mitgründer der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei.
Anders, als viele seiner deutschen Zeitgenossen, erkannte Wolff in seinen Leitartikeln, die Politik Kaiser Wilhelm II. als Ursache für den Untergang des Deutschen Kaiserreiches und die NSDAP als eine elementare Bedrohung der ersten deutschen Demokratie. Obwohl das Berliner Tageblatt unter seiner Führung (bis 1933) eine Auflage von 250.000 Exemplaren erreichte, konnten Wolff und seine leider zu wenigen demokratischen Mitstreiter den Untergang der Weimarer Republik und den Aufstieg Adolf Hitler zum Diktator nicht aufhalten.
So schrieb Wolff etwa im November 1918: "
Der jüdische Journalist teilte das Schicksal vieler regimekritischen Intellektuellen. Seine Schriften wurden im Mai 1933 in Berlin öffentlich verbrannt. Er selbst musste und fand in Frankreich Exil. Doch nach dem militärischen Sieg, den Hitler-Deutschland 1940 über die Französische Republik erringen konnte, war sein Leben dort nicht mehr sicher. 1943 wurde er in Nizza von italienischen Soldaten verhaftet und an Deutschland ausgeliefert. Es begann ein Leidensweg, der in ins Konzentrationslager Sachsenhausen und schließlich, schwer erkrankt, ins Jüdische Krankenhaus von Berlin führte. Dort starb Theodor Wolff, der nicht nur Zeitungsartikel, sondern auch Theaterstücke geschrieben hatte, am 23. September 1943.
Der jüdische Journalist Theodor Wolff wurde am 2. August 1863 als Sohn eines Tuchhändlers in Berlin geboren. Nach seiner Schulzeit, Wolff verließ das Berliner Wilhelmsgymnasium ohne Abitur, fand der 19-Jährige durch seinen Vetter Richard Mosse den Weg zur Zeitung und damit zu seiner Lebensaufgabe.
Zunächst schrieb Wolff vor allem Theater- und Literaturkritiken. Doch schon früh, zwischen 1894 und 1906 hatte Wolff als Korrespondent in Paris die Gelegenheit seinen geistigen Horizont zu erweitern. Seine Berichterstattung über die Intrigen gegen den jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus und Emil Zolas vergebliches Eintreten für dessen Rehabilitation, wurden für den Journalisten Wolff zum Schlüsselerlebnis.
Mit der Berufung zum Chefredakteur des linksliberalen Berliner Tageblatts, erreichte Wolff 1906 den Höhepunkt seiner publizistischen Karriere. Er selbst sollte die Arbeit eines Chefredakteurs später einmal mit der eines Dompteurs im Zirkus vergleichen. Als Deutschland nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, im November 1918, vom Kaiserreich zur Republik wurde, gehörte der Chefredakteur des Berliner Tageblatts, als Mitgründer der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei.
Anders, als viele seiner deutschen Zeitgenossen, erkannte Wolff in seinen Leitartikeln, die Politik Kaiser Wilhelm II. als Ursache für den Untergang des Deutschen Kaiserreiches und die NSDAP als eine elementare Bedrohung der ersten deutschen Demokratie. Obwohl das Berliner Tageblatt unter seiner Führung (bis 1933) eine Auflage von 250.000 Exemplaren erreichte, konnten Wolff und seine leider zu wenigen demokratischen Mitstreiter den Untergang der Weimarer Republik und den Aufstieg Adolf Hitler zum Diktator nicht aufhalten.
So schrieb Wolff etwa im November 1918: "
"Wilhelm II. war nicht der alleinige Urheber, aber der Repräsentant einer aberwitzig kurzsichtigen, alle Kräfte und Ideen des Auslandes falsch einschätzenden Politik, und er war das Symbol einer Zeit und eines Geistes, der, in Machtbegehren und Selbstüberhebung, die Katastrophe herbeigeführt hat."
Und 1930 hieß es in einem seiner Leitartikel zum Aufstieg der NSDAP:
"Keine geschliffene Phrase, keine dunstige Ideologie kann darüber hinwegtäuschen, dass er mit seinem Geschrei nach umstürzender Gewalt und mit einer Rassenverhetzung die Rohheit, die Verblödung und die gemeinsten Pöbeltriebe anreizt und zu verbrecherischen Ausbrüchen treibt."
Der jüdische Journalist teilte das Schicksal vieler regimekritischen Intellektuellen. Seine Schriften wurden im Mai 1933 in Berlin öffentlich verbrannt. Er selbst musste und fand in Frankreich Exil. Doch nach dem militärischen Sieg, den Hitler-Deutschland 1940 über die Französische Republik erringen konnte, war sein Leben dort nicht mehr sicher. 1943 wurde er in Nizza von italienischen Soldaten verhaftet und an Deutschland ausgeliefert. Es begann ein Leidensweg, der in ins Konzentrationslager Sachsenhausen und schließlich, schwer erkrankt, ins Jüdische Krankenhaus von Berlin führte. Dort starb Theodor Wolff, der nicht nur Zeitungsartikel, sondern auch Theaterstücke geschrieben hatte, am 23. September 1943.
Alles Müll oder was? Ein Besuch bei der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft
Mit Müll kann man Geld verdienen. Das erfuhr die CDU-Fraktion
am Mittwochnachmittag bei Besuch der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG).
Deren Geschäftsführer Jürgen Jeppel wies beim Rundgang über das 50.000 Quadratmeter
große Betriebsgelände darauf hin, dass die MEG 210 Mitarbeiter beschäftigt und
einen Jahresumsatz von 27 Millionen Euro erwirtschaftet.
Besonders stolz ist Jeppel darauf, dass die von der Stadt (51
Prozent) und den Entsorger Reimondis (49 Prozent) getragene Gesellschaft nach
Minus-Jahren seit 2006 jährliche Gewinne in einer Größenordnung von zwei
Millionen Euro einfährt. Dazu trägt
nicht nur der Mülheimer Hausmüll (45.000 Tonnen pro Jahr), sondern auch die
Entsorgungsdienstleistungen für große gewerbliche Kunden, wie Mannesmann-Valourec
und Siemens bei.
Der im Auftrag der Stadt abgefahrene Hausmüll bringt 16
Millionen Euro und die Entsorgung des Gewerblichen Mülls 11 Millionen Euro in
die Kasse der MEG, die auch Industriekaufleute und Berufskraftfahrer ausbildet.
In der Diskussion mit den Fraktionsmitgliedern räumte Jeppel
ein, dass es Sinn machen würde, die kommunalen Reinigungsdienste im öffentlichen
Raum in der Hand der MEG zu bündeln, statt die Verantwortung für diesen
Bereich, wie das jetzt der Fall sei, auf die MEG, das städtische
Grünflächenmanagement und das Tiefbauamt zu verteilen. Positiv bewertet wurden
in der Diskussion auch Entsorgungsmodelle, die in den Niederlanden, aber auch
in Hamburg bereits praktiziert werden. Dort bringen Bürger ihren Hausmüll in
Beuteln zu zentralen Sammelstellen, von denen aus der Hausmüll dann problemlos
abgefahren werden.
Derzeit gibt es, laut Jeppel, in Mülheim 35 Straßen, die von
den Müllfahrzeugen der MEG nicht befahren werden können. Kleine Elektrofahrzeuge,
wie sie zum Beispiel von der Post in ihrem Zustelldienst eingesetzt werden,
hält der MEG-Geschäftsführer nur bei der City-Reinigung, aber nicht beim
flächendeckenden Abtransport des Hausmülls für praktikabel. Aktuell gehören 121
Fahrzeuge zum Fuhrpark der MEG, von denen 22 LKWs auf die umweltverträglichere Diesel-Norm
Euro 6 umgerüstet werden. Kostenpunkt: 25.000 Euro pro LKW. Und auch die Frage
nach dem Winterdienst kam beim Sommertourtermin der CDU auf den Tisch der MEG.
Jeppel dazu: „In harten Winter benötigen wir etwa 3000 Tonnen Streugut. 500
Tonnen haben wir bei uns eingelagert. Außerdem können wir bei Bedarf auf 3200
Tonnen eines in Rheinberg ansässigen Lieferanten zurückgreifen.“
Mittwoch, 1. August 2018
Das Evangelische Krankenhaus bietet eine Ausbildung in Teilzeit an
Als erste Klinik im Ruhrgebiet bietet das EKM eine Teilzeitausbildung in der Krankenpflege an. Azubis sollen genug Zeit für eigene Kinder haben.
Als erste Klinik im Ruhrgebiet und als dritte Klinik in Nordrhein-Westfalen bietet das Evangelische Krankenhaus eine Teilzeitausbildung in der Krankenpflege an.
Senem Civak (27) und Marina Liebich (28) sind zwei von fünf Frauen, die am 1. September ihre Teilzeitausbildung zur Krankenpflegerin in der Klinik beginnen.
Vier statt drei Jahre Ausbildungszeit
„Die neuen Kolleginnen werden eine 75-Prozent-Stelle bekommen und vier statt drei Jahre für ihre Ausbildung benötigen“, sagt Stationsleiterin Nicole Clemens. Die zweifache Mutter und Führungsfachkraft hat im Laufe ihres Berufslebens auch schon zeitweise Teilzeit gearbeitet. „Das ist ein Modell mit Zukunft, weil es sich flexibel an die Lebensbedürfnisse der Menschen anpasst und uns so hilft, Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen“, sagt sie.
Senem Civac und Marina Liebich haben beide zwei Kinder und möchten „nicht nur Krankenpflegerin, sondern auch Mama sein.“ Beide haben bereits ein Berufsleben als Anwaltsgehilfin und als Innenarchitektin hinter sich. Beide bezeichnen den Pflegeberuf „als meinen Traumberuf, weil ich Menschen gerne helfe.“ Beide haben sich auch mit einem Praktikum auf ihre zweite Berufsausbildung vorbereitet, Senem Civak im Pflegeheim Engelbertus-Stift und Marina Liebich im Evangelischen Krankenhaus.
Mehr gewonnene Lebenszeit
Angst vor den Herausforderungen und Zumutungen eines sehr dankbaren und sinnvollen, aber auch körperlich und seelisch anstrengenden Berufes haben die angehenden Krankenpflegerinnen nicht. „In jedem Beruf gibt es angenehme und schwierige Aufgaben und in jedem Beruf muss man Verantwortung übernehmen“, sind sie sich einig.
Martin Motzkus, seit 26 Jahren Krankenpfleger im Evangelischen Krankenhaus, sieht das auch so. Seit fünf Jahren arbeitet der zweifache Familienvater in Teilzeit und hat diese Entscheidung nicht bereut. „Wenn man als Vater mehr Zeit für seine Kinder hat, um mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen oder ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, ist das ein Stück zusätzliche Lebensqualität, die ich nicht missen möchte“, sagt Martin Motzkus. Seine gewonnene Lebenszeit nutzt er nicht nur für seine Familie, sondern auch für einen nebenamtlichen Lehrauftrag am Bildungsinstitut der Ategris.
Abonnieren
Posts (Atom)
Ein Platz für den Kaiser
Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...
-
Ein Zeitsprung in die 1950er Jahre Ruhrblick am Leinpfad in den frühen 1950er Jahren. Ein Foto des Mülheimers John Dieter Roehse mach...
-
Sie sind nicht von ungefähr die in allen Berufsimage-Umfragen hoch gepriesenen Helden des Alltags. Feuerwehrleute bringen sich in Gefahr, ...
-
Dr. Peter Ramme 6.45 Uhr. Der Arbeitstag von Dr. Peter Ramme beginnt nicht in seiner Praxis, sondern im Haus Kuhlendahl, wo der Hausa...