Samstag, 28. September 2013

Botschaften statt Köpfe: Ein Gespräch über die Wirkung von Wahlplakaten

Man sieht sie an jeder zweiten Straßenecke, die Wahlplakate. Wie aussagekräftig sind sie und braucht man sie heute überhaupt noch als politische Werbeträger? Darüber sprach ich für die NRZ mit Silke Lahnstein (48), die mit ihrer Firma Kommunalplakat seit fünf Jahren unter anderem auch Wahlplakate herstellt.

Frage: Arbeiten Sie für alle Parteien?

Antwort: Wir haben schon Plakate für SPD, CDU und Piraten hergestellt und arbeiten für alle demokratischen Parteien, aber nicht für rechtsextreme Parteien. Die bekommen von uns nur die kalte Schulter gezeigt.

Frage: Wie sieht für Sie ein gutes Wahlplakat aus?

Antwort: Die Aussage eines Wahlplakates muss schnell greifbar sein. Weil die meisten Plakate ja nicht in den Fußgängerzonen hängen, sondern vor allem für Autofahrer gemacht sind, die schnell daran vorbeifahren. Unabhängig vom Inhalt gefallen mir die Plakate der Linken zurzeit am besten, weil sie eine große, schwarze Schrift auf weißem Grund nutzen, auf denen man die Botschaften im Vorbeifahren oder Vorbeigehen schnell und leicht lesen kann. Bunte Plakate mit viel Schnick und Schnack sind dafür nicht geeignet. Die passen eigentlich nicht zu einem Wahlkampf, in dem Inhalte transportiert werden sollen.

Frage: Und wie sieht für Sie ein schlechtes Wahlplakat aus?

Antwort: Die Plakate der Grünen finde ich nicht so gelungen, weil sie die Wähler mit einem „Und du?“ ansprechen. Das kann man aber auch schnell als moralischen Zeigefinger falsch interpretieren und missverstehen.

Frage: Brauchen wir im digitalen Zeitalter überhaupt noch Wahlplakate?

Antwort: Plakate mit konkreten Aussagen halte ich für wichtig, weil nicht alle Bürger am Samstag in die Fußgängerzone gehen, um sich über die Forderungen und politischen Inhalte der Parteien zu informieren. Deshalb ist es für sie wichtig, dass zumindest die Forderungen der Parteien plakativ in der Stadt zu sehen sind. Aber die Plakate, auf denen man nur die Köpfe der Bundestagskandidaten sieht, halte ich für überflüssig. Das hat Überhand genommen.

Frage: Wenn Sie die aktuellen und einige historische Wahlplakate vergleichend anschauen: Was fällt Ihnen auf?

Antwort: Die Wirkung von Plakaten ist natürlich auch zeitabhängig. Ich glaube, dass es zum Beispiel in den 50er Jahren noch sehr viel mehr auf Plakate in einem Wahlkampf ankam und die Leute viel mehr hingeschaut und Botschaften klarer wahrgenommen haben. Durch die Schnelllebigkeit unserer multimedialen Zeit werden heute Plakate nicht so stark wahrgenommen. Und wenn dann ein Plakat keine richtige Aussage hat und die Partei damit nicht sagt, was sie will, werden ihre Wahlplakate am Ende gar nicht mehr angeschaut.

Frage: „Gemeinsam erfolgreich“, „Das Wir entscheidet“ oder „Damit Deutschland stark bleibt“. Damit werben in diesem Wahlkampf CDU, SPD und FDP: Warum haben viele Parteien heute oft Angst vor klaren Aussagen?

Antwort: Weil sie vielleicht zu gleich geworden sind. Früher hatten Parteien noch absolut unterschiedliche Standpunkte und die mussten den Wählern klargemacht werden. Heute sind die Parteien stellenweise so nah beieinander, dass es für sie schwierig ist, ihre Botschaften plakativ zu transportieren, weil sie Angst haben, dass sie sich vertun und vielleicht durch ein falsches Wort, das Menschen verschreckt, Wähler verlieren könnten.

Frage: Wen erreichen Wahlplakate denn überhaupt noch?

Antwort: Sicher nicht die Stammwähler, die sowieso wissen, was Sie wählen wollen oder die Nichtwähler, die sich frustriert von der Politik abgewendet haben, sondern vor allem die Wechselwähler, die sich in ihrer Entscheidung noch nicht ganz sicher sind.

Dieser Text erscchien am 20. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Weitere Informationen über Silke Lahnstein und ihre Agentur Kommunalplakat unter: www.kompla.de

Freitag, 27. September 2013

Licht und Schatten der Energiewende: Wie die Friedrich-Wilhelms-Hütte von der Energiewende profitiert und gleichzeitig von ihrer belastet wird

Sie ist Mülheims ältester noch existierender Industriebetrieb, die 1811 von Johann Dinnendahl gegründete Friedrich-Wilhelms-Hütte. Hier arbeiten heute 700 Menschen. Die Produktpalette, die dort aus Eisen und Stahl gegossen wird, reicht vom Zylinderblock für Schiffsmotoren bis zu Gussteilen für den Stahl- und Bergwerksbedarf. Auch bei Abrissbirnen und auf Bohrplattformen kommen Gussteile der FWH zum Einsatz.

Die wenigsten Mülheimer dürften allerdings wissen, dass die gute alte Friedrich-Wilhelms-Hütte, die aktuell einen Jahresumsatz von rund 90 Millionen Euro erwirtschaftet, auch dickwandige und deshalb besonders robuste Eisengussteile herstellt, die als Rotornaben und Maschinenträger in sogenannten Offshore-Windkraftanlagen zum Einsatz kommen. Die stehen in der Nord- und Ostsee und sind zu einem Symbol der Energiewende geworden.

„Wir profitieren von der Energiewende und werden zugleich auch von ihr belastet“, sagt der kaufmännische FWH-Geschäftsführer Georg Stierle mit Blick auf den vor allem durch die EEG-Abgabe steigenden Strompreis, mit deren Hilfe erneuerbare Energieträger und der von ihnen ins Netz eingespeiste Strom gefördert werden soll.

Den jährlichen Stromverbrauch der FWH schätzt Stierle auf 48 Millionen Kilowatt-Stunden. Er fürchtet, dass die Gewinne, die die Hütte mit ihren Gussteilen für Windkraftanlagen auf hoher See einfährt, „mehr als überkompensiert würden“, sollte die von der FWH zu zahlende EEG-Umlage, wie politisch diskutiert, von 0,5 auf 0,7 oder 0,8 Cent pro Killowatt-Stunde steigen.

Dabei ist die FWH als energieintensiver Industriebetrieb derzeit im Rahmen einer Härtefallregelung von 90 Prozent der EEG-Ablage befreit. „Einen entsprechenden Antrag haben wir auch für 2014 gestellt. Wenn dieser nicht genehmigt würde, würde das für uns Mehrkosten von 1,7 Millionen Euro mit sich bringen. Das wäre für unseren Eisenguss existenzbedrohend“, erklärt der FWH-Geschäftsführer.

Er schätzt, dass etwa 50 der insgesamt 300 FWH-Mitarbeiter, die im Eisenguss beschäftigt sind, im letzten und in diesem Jahr an der Herstellung der etwa 40 Tonnen schweren und bis zu fünf Meter hohen Rotornaben und der etwa 10 Tonnen schweren Maschinenträger beteiligt waren. Modellschreiner und Former kommen hier ebenso zum Einsatz wie Schmelzer, Ausleerer, Putzer und Qualitätsprüfer.

Die Rotornaben und Maschinenträger, die in etwa 100 Metern Höhe auf See mit Hilfe von Hubschraubern und speziellen Kranschiffen montiert werden müssen, sind ein klassisches Recyclingprodukt. Denn sie bestehen zu 99 Prozent aus eingeschmolzenem Schrott und nur zu einem Prozent aus Roheisen. Eine Rotornabe trägt drei bis zu 50 Meter lange Rotorflügel und ermöglicht so zusammen mit den Maschinenträgern eine Energieerzeugung von fünf bis sechs Megawatt.

Die Auftraggeber der FWH-Eisengießerei, Namen und Verkaufspreise möchte Stierle nicht nennen, sitzen vor allem an der Küste in Bremerhaven. „Das ist kein regelmäßiges, sondern immer ein vorhabenbezogenes Geschäft“, sagt Stierle mit Blick auf die Herstellung von Rotornaben und Maschinenträgern. Deren Herstellung, die laut Stierle eine Gewinnmarge von zwei bis drei Prozent erwirtschaftet, stagniert aus seiner Sicht vor allem deshalb immer wieder, weil der Netzausbau nur schleppend vorankommt.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur von gestern sind von den 1855 Netzkilometern, die 2009 im Energieleitungsausbaugesetz festgeschrieben wurden, sind bisher nur 268 Kilometer gebaut worden.

Aber klar ist: Ohne den Ausbau der Leitungsnetze, kann die Windkraft von der Küste auch nicht zu den privaten und industriellen Stromkunden an Rhein, Ruhr und anderswo gelangen.

Dieser Text erschien am 11. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Samstag, 21. September 2013

Gemeinschaft, Bildung und gelebter Glaube: Soziale Gerechtigkeit bleibt das zeitlos aktuelle Thema der KAB St. Barbara, die jetzt ihr 110-jähriges Bestehen feierte

„In den Fünfzigerjahren hatten wir rund 200 Mitglieder. Damals hatte die Gute-Hoffnungs-Hütte in Oberhausen hier über 1000 neue Werkswohnungen gebaut“, erinnert sich der Ehrenvorsitzende Ewald Blasius, als die heute rund 60?Mitglieder der Gemeinde-KAB von St. Barbara und ihre Gäste im Pfarrsaal am Schildberg deren 110.?Geburtstag feiern. Als sich die Katholische Arbeitnehmerbewegung 1903 unter dem Vorsitz des Lehrers Dick im Haus Dümpten am Schildberg gründete, waren es vor allem Bergarbeiter und ihre Familien, die in der KAB Gemeinschaft, Glauben und Bildung suchten.

Diese Beweggründe rund um das Thema soziale Gerechtigkeit stehen auch heute im Mittelpunkt, wenn sich die KAB-Mitglieder an jedem zweiten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr zu ihren Vortragsabenden im Pfarrheim am Schildberg treffen oder im April zu einem Bildungswochenende nach Rietberg einladen. Auch wenn soziale Gerechtigkeit, Stichworte Lohndumping und Mindestlohn, heute so aktuell ist wie damals, lässt der Vorsitzende der Gemeinde-KAB, Thomas Schäfer, der mit 53 Jahren das jüngste Mitglied ist, keinen Zweifel daran, dass es schwer geworden ist, jüngere Menschen dauerhaft für die KAB zu gewinnen. Dennoch steht für Pfarrer Manfred von Schwartzenberg auch im Jubiläumsjahr der KAB, die bundesweit 150?000 Mitglieder zählt, fest: „Innerhalb der Gemeinde ist die Stärke der KAB die Gemeinschaft und der zuverlässig gelebte Glaube, der sich im Engagement und in der Altargemeinschaft ausdrückt.“

Zu dieser KAB-Gemeinschaft gehört seit 60 Jahren auch die Alten- und Rentnergemeinschaft der Gemeinde-KAB, die sich jeweils am dritten Donnerstag des Monats um 16 Uhr im Pfarrsaal am Schildberg trifft.

Dieser Text erschien am 16. September 2013 in NRZ und WAZ

Donnerstag, 19. September 2013

So gesehen: Aufbruch im Umbruch

Am 7. und 8. September hat meine Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt auf dem Kirchenhügel an der Althofstraße ihren 250. Geburtstag gefeiert. Als Christenmensch kann man sich ja heute manchmal fragen, ob man überhaupt noch etwas zu feiern hat. Die Gemeinden schrumpfen. Gotteshäuser müssen aufgegeben werden. Und die Kirchen machen nicht immer nur positive Schlagzeilen, obwohl sie ja von Amts wegen die Frohe Botschaft vertreten. Sind wir am Ende, Gott bewahre, von allen guten Geistern verlassen? Doch wenn man sieht, dass heute katholische und evangelische Christen ganz selbstverständlich auf dem Kirchenhügel zusammen arbeiten und feiern, dann darf man daraus wohl Hoffnung schöpfen und sich daran erinnern, dass eben diese christliche Gemeinschaft in den vermeintlich guten alten Zeiten der Volkskirche und der kirchlich geprägten Milieus alles andere als selbstverständlich war.

Über Vorbehalte gegen konfessionsübergreifende Ehen und konfessionsübergreifenden Schulunterricht oder Taufpaten aus der jeweils anderen christlichen Konfession kann man heute nur noch müde lächeln. Der demografische und soziale Wandel mit all seinen Umbrüchen zwingt die christlichen Kirchen zur Ökumene. Er bringt sie zusammen und macht sie menschlicher. Sollte das der Humor des heiligen Geistes sein, der bekanntlich weht wo und wie er will?

Dieser Text erschien am 7. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung 

Freitag, 13. September 2013

Ein Pladoyer für die Ökumene: Eindrücke aus dem Festhochamt, mit dem die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt ihren 250. Geburtstag feierte

Das Festhochamt, mit dem die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt am Sonntag ihren 250. Geburtstag feiert, wurde zu einem deutlichen Plädoyer für die Ökumene. Der emeritierte Weihbischof Franz Grave, der seit 2008 zum Seelsorgeteam der katholischen Gemeinde gehört, sagte in seiner Predigt: „Petrikirche und Marienkirche sind gerade mal 140 Meter voneinander entfernt. Das steht für Nähe und heute verbindet uns mehr als uns trennt.“

Der evangelische Superintendent, Helmut Hitzbleck, betonte in seinem Grußwort: „Konfessionalismus ist ein Schlag in das Gesicht Gottes und seines Heilsplanes für die Menschen. Gerade in einer Zeit, in der die Kirchen nicht unumstritten sind, müssen wir gemeinsam im christlichen Geist Menschen stärken und stützen.“ Beide Ansprachen wurden von den Gläubigen in der vollbesetzten Marienkirche mit Applaus bedacht.

Dur Ökumene passte auch, dass der Markt der Möglichkeiten, der sich dem Hochamt anschloss, nicht nur katholische, sondern auch evangelische Einrichtungen, Gruppen und Initiativen präsentierte und aufgrund des schlechten Wetters nicht auf dem Kirchhof von St. Mariae Geburt, sondern im benachbarten Altenhof und damit im Haus der Evangelischen Kirche stattfand. Bei der Eröffnung des Marktes würdigte Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld denn auch die historische Bedeutung des Kirchenhügels und die Impulse, die die beiden christlichen Kirchen dort der Stadtentwicklung gegeben hätten.


Dieser Text erschien am  10. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung


Mittwoch, 11. September 2013

Mülheim ist eine von landesweit sieben Modellkommunen, wenn es um die möglichst frühe Berufswahlorientierung in den Schulen geht

Kein Abschluss ohne Anschluss“ fordert NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Deshalb will das Land die Zahl der Achtklässler, die bereits ein erstes Betriebspraktikum absolvieren bis 2018 von 70.000 auf 170.000 steigern.

Die Rektorin der Max-Kölges-Schule, Gabriele Klar, gibt Schneider Recht. „Man kann in der Schule nicht früh genug mit der Berufswahlorientierung beginnen, weil Schüler bei einem Betriebspraktikum lernen, worauf sie sich bei der Berufswahl einlassen, wie man sich in Betriebsabläufe einfügen und auch generationsübergreifend mit Kollegen zusammenarbeiten muss.“

Heike Gnilka, die als Bereichsleiterin für das Casemanagement der Sozialagentur und damit auch für die Ausbildungsplatzvermittlung im U-25-Haus zuständig ist, pflichtet Klar bei. Sie meint: „Ein möglichst früher Blick in die Arbeitswelt, die sich in den letzten Jahr stark verändert hat, hilft nicht nur Schülern, sondern auch ihren Eltern bei der Berufsorientierung. Schüler können sich angucken, was ihnen liegt, ihre Vorstellung von einem Beruf korrigieren oder auch feststellen, dass sie ihr Berufsziel gefunden haben und dann zielstrebig darauf hinarbeiten.“

Auch wenn Mülheim inzwischen eine von landesweit sieben Referenzkommunen ist, wenn es um den Übergang von der Schule in den Beruf geht und damit flächendeckend an allen weiterführenden Schulen in Klasse 8 eine Potenzialanalyse und eine Berufsfelderkundung durchgeführt und in Klasse 9 ein erstes Betriebspraktikum absolviert wird, hält Gabriele Klar ihrer Schule und anderen Hauptschulen zugute, bei der praktischen Berufswahlorientierung schon seit vielen Jahren Pionierarbeit geleistet zu haben.

An der Max-Kölges-Schule, die seit Sommer 2012 auch Partnerschule des Handwerks ist, beginnt die Berufswahlorientierung bereits in den Klassen 5 und 6 mit spielerischen Betriebserkundungen. „Hier entdecken Schüler Berufsbilder, die sie vorher vielleicht gar nicht gekannt oder sich ganz anders vorgestellt haben“, erzählt Klar. Der Potenzialanalyse in Klasse 7 und einem ersten Praktikum und Berufspraxistagen am Berufskolleg Stadtmitte in der Klasse 8, folgen dann in den Klassen 9 und 10 je ein dreiwöchiges Betriebspraktikum. Die Zehntklässler, die einen einfachen Hauptschulabschluss anstreben, absolvieren in der Klasse 10 kein Betriebspraktikum, sondern einen wöchentlichen Werktag in einem Betrieb ihrer Wahl.

Nicht zuletzt auf die ausgeprägte und gewachsene Praktikumskultur führt es Klar auch zurück, dass im letzten Schuljahr 64 Prozent der Hauptschulabgänger an der Bruchstraße eine betriebliche Ausbildung beginnen konnten. „Wichtig ist, dass man sich kennt und kümmert, um Fehlgriffe zu verhindern“, beschreibt Klar die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Dialog zwischen Schule und Wirtschaft. Mit eben diesem Dialog konnte man an der Bruchstraße in den vergangenen Jahren Partner, wie die Kreishandwerkerschaft, die Mannesmann Röhrenwerke, die Friedrich-Wilhelms-Hütte oder Edeka gewinnen. Heike Gnilka nimmt bei Unternehmern eine steigende Bereitschaft wahr, durch Orientierungspraktika „Verantwortung dafür zu übernehmen, dass Jugendliche in Ausbildung kommen.“ Die Arbeitgeber, so glaubt Gnilka „tun dies in erster Linie nicht, weil sie sozial sind, sondern, weil sie wissen, dass sie selbst aktiv werden müssen, um Nachwuchs zu gewinnen und zu testen.“

Dieser Text erschien am 4. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Dienstag, 10. September 2013

So gesehen: Hausfrauen in den Bundestag

Sage noch einer, Unternehmer hätten nur Zahlen im Kopf. Einzelhändler Heinz-Wilhelm Paschmann. zitiert auf die Frage, was er nach der Bundestagswahl vom 22. September von unseren Abgeordneten erwarte, den römischen Politiker, Schriftsteller und Philosophen Marcus Tullius Cicero. Man hört und staunt, dass der Mann schon vor über 2000 Jahren Staatsverschuldung und ausufernde Bürokratie beklagte und eine sparsame Finanzpolitik forderte, die nicht mehr Steuergeld ausgibt, als sie einnimmt.

So handelt ja eigentlich auch jede vernünftige Hausfrau. Doch die wird ja nicht gefragt, wenn es um den Staatshaushalt geht. Vielleicht ist das ja der Fehler. Vielleicht brauchen wir ja mehr Hausfrauen und nicht mehr Manager, Funktionäre, Juristen und Parteisoldaten in unserem Berliner Bundesparlament, damit der gesunde Menschenverstand über Lobbybegehrlichkeiten siegt. Denn die kommen uns als Steuerzahler noch über Generationen teuer zu stehen und werden noch unseren Enkeln schwerer im Magen liegen, als es ein Kartoffel- oder Heringssalat nach Hausfrauenart je könnte.

Deshalb haben wir jetzt den Salat der wachsenden Staatsverschuldung und der durch Niedrigzinsen enteigneten Sparer. Bleibt nur zu hoffen, dass der eine oder andere Wunsch, der (siehe rechts) von Mülheimern geäußert wird, nicht von den noch größeren Wünschen mächtiger Lobbys erdrückt wird, damit wir am Ende (siehe Cicero) nicht mit dem deutschen Philosophen Hegel sagen müssen: „Das einzige, was wir aus der Geschichte lernen, ist, dass der Mensch nichts aus der Geschichte lernt.“ Liebe Hausfrauen, meldet euch. Und wenn ihr schon nicht für den Bundestag kandidiert, dann sorgt wenigstens mit eurem Stimmkreuz am 22. September dafür, dass euer Wahlzettel auch zum Wunsch- und Denkzettel wird.

Dieser Text erschien am 5. September 2013 in der Neuen Ruhr Zeitung

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...