Sonntag, 19. Juni 2011

30 Jahre im Priesteramt: Der Pastor von St. Engelbert, Michael Clemens, zieht eine kritische Zwischenbilanz



Es waren die prägenden und positiven Erfahrungen in der katholischen Jugendarbeit, die ihn seinerzeit zu seiner geistlichen Berufswahl inspirierten. “Ich wollte etwas zurückgeben“, sagt Clemens. Obwohl er zwischenzeitlich der Theologie ade gesagt und Erziehungswissenschaften studiert hatte, kehrte er zur Theologie und zum Priesteramt zurück, weil er sich als jemanden sieht, „der gut mit Menschen umgehen kann und gerne Verantwortung übernimmt.“ Das Priesteramt sieht er als einen Beruf, “den man nur mit Haut und Haaren machen kann.“ Genau das fasziniert ihn.Seit 18 Jahren leitet er jetzt die Gemeinde in einem zunehmend multikulturellen Stadtteil.






„Das multikulturelle Zusammenleben ist eine Herausforderung“, gibt Clemens zu. Doch auch wenn er seine Kirche kritisch sieht und sich manchmal fragt, „wie tief das Christentum bei uns verankert ist“, sieht er keinen Grund für Lethargie und Untergangsstimmung.Zurzeit fühlt er sich durch einen jungen und aktiven Gemeinderat und von steigenden Besucherzahlen im Gottesdienst beflügelt. „Es gibt einen großen Hunger nach Glauben“, ist sich Clemens sicher. Anspruchsvolle Liturgie und Predigten begreift er ebenso als Teil einer einladenden Seelsorge, wie die Einrichtung einer neuen Krabbelgruppe. Auch wenn seine Gemeinde mit dem Engelbertusstift ein Altenheim in ihren Mauern hat, möchte er sie nicht auf Altenpastorale reduziert wissen.






Er selbst hat sich einem Familienkreis angeschlossen, um als Priester in der Gemeinde nicht zu vereinsamen und Menschen zu finden, „die einen mittragen.“ Obwohl er sich selbst mit der Priesterweihe vor 30 Jahren für den Zölibat entschieden hat, glaubt Clemens, dass das Priesteramt auch ohne diesen zu leben wäre. Außerdem ist er davon überzeugt, dass seine Kirche, der er „mehr Offenheit und Echtheit“ und weniger „Wagenburgmentalität“ wünscht, angesichts des Priestermangels nicht umhin kommt, über die Rolle der Frauen in der Kirche neu nachzudenken. „Es geht nicht, dass wir ihnen die Arbeit überlassen, aber sie trotzdem nichts zu sagen haben.“






Auch wenn Clemens seiner Kirche empfiehlt, nicht nur über Strukturen zu diskutieren, sondern auch dem heiligen Geist eine Chance zu geben, empfindet er die jetzigen Strukturen der Großgemeinden als „übergestülpt.“ Nach seiner Ansicht „nehmen sie den Menschen das Gefühl, dass die Kirche im Dorf ist.“






Seine Zukunftsvision ist die einer auf Teilhabe ausgerichteten Kirche, „die den Menschen das Gefühl gibt, mittendrin zu sein.“ Der Pastor von St. Engelbert geht davon aus, dass es noch zwei Generationen dauern wird, bis die jetzigen Gemeindestrukturen von den Menschen vor Ort akzeptiert werden.






Dieser Text erschien am 16. Juni 2011 in NRZ und WAZ

Sonntag, 12. Juni 2011

Wie ein großes Familientreffen: Ein Besuch beim Musik- und Sommerfest am Krug zur Heimaterde



Manchmal hat man das Gefühl, dass die Welt doch noch in Ordnung ist, zum Beispiel beim Musik- und Sommerfest am Krug zur Heimaterde- Am Sonntagnachmittag lacht dort nicht nur die Sonne. Unter schattigen Bäumen wird fröhlich geplaudert, gegessen und getrunken. Die Musik kommt nicht vom Band, sondern wird live und zünftig von 14 Fanfarenzügen aus der Region gespielt. Mal hört man Schlager. Mal hört man Swing. Für jeden Geschmack ist was dabei. Die Atmosphäre erinnert an ein großes Familientreffen.






Am Tombolastand, wo ein prall gefüllter Frühstückskorb als Hauptgewinn winkt, kauft Wilhelm Wirtz fleißig Lose. Sie helfen das Fest zu finanzieren. „Das ist ein Fest, das von vielen getragen wird und allen zugute kommt. Warum sollte man sich da nicht auch mit einem Loskauf beteiligen?“, fragt Wilhelm Wirtz, der seit 54 Jahren in der Heimaterde lebt. Die Antwort gibt er sich selbst: „Das ist ein Fest, bei dem man jeden Zweiten kennt und darüber hinaus alte Bekanntschaften auffrischt. Man merkt hier, dass die Heimaterde wirklich eine Heimat ist, in der wir uns zu Hause fühlen.“ Dass er nicht nur alte, sondern auch junge Gesichter bei diesem Fest sieht, bestärkt ihn in der Hoffnung, „dass man diese schöne Tradition bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag fortführen wird.“






Wie die ehemalige Krupp-Siedlung der Heimaterde zu dem geworden ist, was sie heute ist, kann man an den historischen Fotos sehen, die sich der Vorsitzende der Siedlervereinigung, Egon Janz, zusammen mit Ulrich Matern anschaut. Für den 81-Jährigen, der am Finkenkamp geboren wurde und in der Heimaterde aufwuchs, ist es ein Wiedersehen nach vielen Jahren. 1952 ist Matern nach Kanada ausgewandert, „weil damals für unsere Generation hier wenig zu holen war.“ In der Heimaterde arbeitete Matern als junger Mann in einer Baumschule. In seiner Freizeit spielte er beim TSV Fußball. „Hier war alles inner sehr sauber und gut geregelt, alle Hecken gerade geschnitten“, erinnert sich Matern, der später als Rosenzüchter in Britisch Kolumbien sein Glück fand. Auch wenn es ihn immer mal wieder in die alte Heimat zieht, möchte Matern die unvergleichliche Natur, die er in der Wildnis seiner neuen Heimat gefunden hat, nicht mehr missen. Freundlich, aber doch auch ein bisschen fremd wirkt die Heimaterde heute auf den Besucher aus einer anderen Zeit. „Es wird wohl das letzte Mal gewesen sein, dass ich mit meinen müden Knochen hier hin gekommen bin“, glaubt Matern.






„Auch wenn es einem nach der Love-Parade-Katastrophe mit neuen Sicherheitsauflagen nicht gerade leicht gemacht wird, so ein Fest zu organisieren, macht es uns doch immer wieder Spaß, den Menschen so ein Fest zu bieten und die tolle Resonanz des Publikums zu erleben“, sagt die Vorsitzende des federführenden Musikkorps der Mölmschen Houltköpp, Kerstin Schatke. Damit das von den Heimaterder Vereinen und der Siedlervereinigung mitgetragene Fest ordnungsgemäß über die Bühne gehen konnte, haben sich Schatke und ihre Mitstreiter im Organisationsteam eine Woche frei genommen.






Dieser Text erschien am 9. Juni 2011 in NRZ und WAZ

Samstag, 11. Juni 2011

Eine Wechselausstellung im Haus der Wirtschaft zeigt, wo und wie man früher in Eppinghofen einkaufte



Wie und wo wurde früher in Eppinghofen eingekauft? Davon kann man sich noch bis in den Oktober im Gründer- und Unternehmermuseum an der Wiesenstraße ein Bild machen.Historische Fotografien und Texte aus einer von der in Eppinghofen aufgewachsenen Inge Merz geschriebenen Artikel-Serie lassen die alte Geschäftswelt des heute multikulturell geprägten Eppinghofens lebendig werden. Die Wechselausstellung auf der obersten Etage im Haus der Wirtschaft führt den Besucher in eine Zeit zurück, als das Straßenbild des Stadtteils noch ausschließlich von deutschen Geschäftsleuten und ihren kleinen Läden bestimmt wurde und von Supermärkten oder Discountern noch keine Rede war.






„Es waren diese Bürger, die angetrieben von ihrer Vision, hier Arbeit und ein Zuhause fanden, die das Gesicht des Stadtteils geprägt haben“, unterstrich Bezirksbürgermeister Arnold Fessen.„Es ist nicht mehr das selbe, wie vorher. Aber das Zusammenleben klappt eigentlich ganz gut. Die türkischen Geschäftsleute sind alle fleißig und haben es zu einem gewissen Wohlstand gebracht“, schilderte Irene Latte (Foto) am Rande der Ausstellungseröffnung den Wandel in dem Stadtteil, in dem sie 1923 geboren wurde und in dem ihre Eltern 1932 ein Obst- und Gemüse-Geschäft eröffneten. Sie selbst erweiterte das Geschäft der Familie zusammen mit ihrem Mann um einen Feinkosthandel, den sie von 1948 bis 1986 an der Eppinghofer Straße betrieb.






Heute befindet sich in ihren Haus der Handy-Laden eines türkischen Geschäftsmannes. Bei der Ausstellungseröffnung erinnerte sich Latte unter anderem, wie ein durch die damals noch viel schmalere Eppinghofer Straße fahren der Schwertransport das Aquarium in ihrem Feinkostgeschäft bersten ließ, so dass Ale und Forellen zur Tür hinaus schwammen.„Um diese Stadt weiterentwickeln zu können, muss man auch ihre Geschichte kennen. Man kann nicht einfach vorwärts laufen, ohne vorher zurückgeblickt zu haben“, sagte Tuncay Palta, der ebenfalls zu den ersten Ausstellungsbesuchern gehörte. Der als KFZ-Sachverständige an der Eppinghofer Straße ansässige Palta repräsentiert als Deutscher mit türkischen Wurzeln einen Teil der neuen Geschäftswelt in Eppinghofen.






Dieser Text erschien am 9. Juni 2011 in NRZ und WAZ

Montag, 6. Juni 2011

Auch die schönste Schulzeit geht einmal zu Ende: Die stellvertretende Otto-Pankok-Schulleiterin Ursula Welker zieht Bilanz



Die meisten Menschen sind froh, wenn sie ihre 12 oder 13 Schuljahre hinter sich haben. Ursula Welker ist froh, das sie über 50 Jahre zur Schule gehen durfte, zunächst als Schülerin und ab 1970 als Lehrerin. Doch auch die schönste Schulzeit hat einmal ein Ende. Am 22. Juli hat die stellvertretende Leiterin des Otto-Pankok-Gymnasiums ihren letzten Schultag. Bereits am 20. Juli wird sie offiziell verabschiedet.

„Unser Schulleiter hat mir eine schöne Feier versprochen“, sagt Welker.Was wird sie vermissen? „Die Lebendigkeit der Schüler und ihre vielen Ideen, die jeden Tag auf mich zukommen“, glaubt die Pädagogin. Und was lässt sie gerne hinter sich? „Die vielen Korrekturen“, sagt die Lehrerin, die neben ihrer Leitungsfunktion Deutsch und Erdkunde unterrichtet. Einer der letzten Stapel Hefte liegt neben ihr. „In meinen besten Zeiten hatte ich sieben Klassen mit jeweils über 30 Schülern“, erinnert sie sich. Als stellvertretende Schulleiterin betreut sie derzeit noch drei Klassen und Kurse.

War Lehrerin für sie ein Traumberuf? „Auf jeden Fall. Ich habe schon als Kind mit meinen Freundinnen Schule gespielt. Was mich begeistert, ist die Herausforderung, wissenschaftlichen Zusammenhänge so herunterzubrechen und zu vermitteln, dass sie Kinder unterschiedlichen Alters verstehen können.“An der Luisenschule, wo sie 1966 das Abitur bestand und später für einige Jahre unterrichtete, ehe sie zur Otto-Pankok-Schule wechselte, fand sie ihre ersten Vorbilder. Deutsch war ihr absolutes Lieblingsfach. Noch heute hat sie ihre Lehrerin Cläre Schmidt-Habel im Kopf, die so lebendig von der Uraufführung der „Dreigroschenoper“ zu berichten wusste.

Nicht minder beeindruckte sie ihre Mathematik- und Physiklehrerin Gundula Lambrecht. „Mich hat beeindruckt, wie sie Familie und Beruf miteinander vereinbart hat. Sie war als Lehrerin sehr exakt und achtete darauf, dass alle etwas gelernt haben und niemand zurückblieb.“Dass hat sich die Lehrerin Welker selbst zu Eigen gemacht. Das Interesse für ihre Schüler und ein gutes Gedächtnis haben ihren nicht immer leichten Beruf leichter gemacht. Sie kennt nicht nur die Leistungen, sondern auch die Hobbys und Lebensumstände ihrer Schüler. Das hilft beim Lernen und Lehren.

Bei der Frage nach den Veränderungen im Schulalltag, fällt Welker zunächst ein, was gleich geblieben ist. Damals wie heute bedeutet Schule für sie „soziales Lernen und das Lernen lernen.“In der Rückschau auf ihre Schulzeit glaubt sie, „dass wir freier waren und mehr Möglichkeiten hatten, unsere Zeit zu gestalten.“ Auch einen Numerus Clausus oder Zukunftsängste kannte man in den 60er Jahren nicht: „Nach dem Abitur stand uns alles offen. Wir konnten machen, was wir wollten“, erinnert sich Welker an ihren Übergang vom Schul- ins Berufsleben.

Die heutigen Schüler sieht sie als „in ihrer Freizeit sehr verplant“ und unter „einem großen Leistungsdruck.“ Vielen würde sie im Rahmen ihrer Persönlichkeitsentwicklung mehr Zeit für spontane Aktivitäten, Gespräche und Begegnungen wünschen.“ Auch wenn sie das Abitur in acht Jahren mit Blick auf die europäische Bildungslandschaft für erforderlich hält, sieht sie auch dessen Schattenseiten von mehr Zeit- und Leistungsdruck.Kritisch sieht sie auch die medialen Reizüberflutungen, die das konzentrierte Lernen nicht gerade leichter machen und die negativen Auswirkungen der virtuellen Kommunikationsnetzwerke im Internet, die das Mobbing befördert haben. Hier sieht sie Lehrer verstärkt gefordert, mit der Kommunikation von Mensch zu Mensch, etwa in einer Klassenstunde, gegenzusteuern. Welker selbst wird sich nach ihrem letzten Schultag verstärkt um ihre beiden Enkel und als Präsidentin um ihren Rotary Club kümmern.

Dieser Text erschien am 2. Juni 2011 in der NRZ

Sonntag, 5. Juni 2011

Der Theologe Eugen Drewermann sprach in der Heißener Friedenskirche darüber, was wir heute aus dem Lukas-Evangelium lernen können





30. Mai 2011. Montagabend in der Friedenskirche am Humboldthain. Es ist keine Gottesdienstzeit. Trotzdem ist das evangelische Gotteshaus gut besucht, weil der Ex-Priester und Ex-Katholik Eugen Drewermann über das Lukas-Evangelium spricht.Seine Zuhörer kommen aus allen Konfessionen. Vielleicht sind auch einige Konfessionslose unter ihnen. Was sie eint, ist die Suche nach Orientierung und einem geistlichen Impuls, der sie fürs Leben stärkt. Der Titel, den Drewermann für seinen Vortrag gewählt hat, klingt verheißungsvoll: „Einmal richtig leben.“ Und die Antwort darauf soll im Lukas-Evangelium stehen? Drewermann zeigt es seinen Zuhörern mit einer Mischung aus Theologie, Psychologie und Politik.










Er spricht frei, leise und eindringlich, um zum guten Schluss einige Fragen und Stellungnahmen aus dem Publikum zu beantworten. Zwei Stunden vergehen wie im Flug.Befreiender GlaubeDer 70-Jährige beeindruckt immer wieder und immer noch, weil er mühelos den Bogen zwischen Alltag, Weltpolitik und Bibel schlägt, angereichert mit ein bisschen Weltliteratur hier und ein bisschen Neurobiologie dort. Und so holt Drewermann den Jesus aus dem Lukas-Evangelium in die Gegenwart.Er zeigt seinen Zuhörern zum Beispiel jenen Jesus, der sich dem Aussätzigen zuwendet und ihn durch seine Berührung heilt statt, dem mosaische n Gesetz folgend, sich abzuwenden.










“Im Vertrauen auf die Ewigkeit Gottes, der die Menschen entängstigt, geht Jesus durch die Angst durch bis nach Jerusalem“, sagt Drewermann. Ganz nebenbei lässt er einfließen, dass die Leprakrankheit, die in einigen Teilen der Welt immer noch lebensbedrohlich ist, mit einigen 100 000 Euro für die frühzeitige Behandlung der Betroffenen zu besiegen wäre. Außerdem berichtet er von einer Frau, die durch die Liebe eines Mannes die Symptome ihrer Neurodermitis überwinden konnte, eine alltägliche Heils- und Liebesgeschichte.Die Heilung des Gelähmten, dem Jesus ohne Nachfrage und Vorbedingung sagt: „Deine Sünden sind dir vergeben“ erkennt Drewermann als biblischen Beweis dafür, dass Jeus kein dogmatischer Religionsstifter im Sinne gutbürgerlicher Moralvorstellungen von Gut und Böse war.










Stattdessen führt Drewermann seinen Zuhörern einen Jesus vor Augen, der Menschen von der Lähmung durch ihre Angst und Verzweiflung befreit, die sie erst dazu treibt im moralischen Sinne böse statt gut zu handeln.Drewermann begreift des Jeus des Lukas-Evangeliums als Therapeuten, der wie ein Arzt auf die kranken Menschen schaut und genau weiß, “dass man niemandem mit einem moralischen Zeigefinger helfen kann, wenn er inwändig zerrissen ist und deshalb auch nicht im Einklang mit sich selbst handeln kann.“ Er erinnert an das Gebot der Bergpredigt, nicht zu richten.Beim Thema Moral lässt Drewermann aber keinen Zweifel daran, dass er das militärische Engagement in Afghanistan für unmoralisch hält und die These zurückweist, „dass wir in Afghanistan unsere Sicherheit und unsere christlich-abendländischen Werte verteidigen würden.“




Dieser Text erschien am 2. Juni 2011 in NRZ und WAZ

Samstag, 4. Juni 2011

50 Jahre Unternehmen Fünf: Wie ein kleiner Verein in Afrika und Latreinamerika große Hilfe leistet



Wer Nachrichten liest, sieht und hört, könnte angesichts des weltweiten Elends manchmal verzweifeln. Was kann man dagegen tun? Für die NRZ sprach darüber mit dem 69-jährigen Ingenieur Manfred Oelsner, der vor 50 Jahren mit Schulfreunden den Verein Unternehmen Fünf (U5) ins Leben rief, der heute Entwicklungshilfe in Afrika und Lateinamerika leistet.






Wie entstand Ihr Verein und wie kam er zu seinem Namen?



Der Verein wurde am 10. Juni 1961 von vier Schülern gegründet, die damals ihren Schulabschluss feierten. Neben Günther Gellrich, Günter Fuß und Lothar Baron gehörte auch ich zu diesem Kreis. Wir waren sehr idealistisch eingestellt und wollten an der Lösung der Weltprobleme mitwirken. Unser Verein brauchte einen Namen und Geld. Da wir als angehende Lehrlinge und Studenten wenig verdienten, haben wir damit angefangen, monatlich fünf Mark in einen gemeinsamen Projekttopf einzuzahlen. Deshalb nannten wir unseren Verein Unternehmen Fünf (U5).






Wie kamen Sie zu Ihren ersten Hilfsprojekten?



Eines unserer Mitglieder konnte damals den CDU-Stadtverordneten und CVJM-Vorstand Paul Siebert nach Ghana begleiten. Dort lernte er einen begabten Jungen aus einer armen und kinderreichen Familie kennen, dem das Schulgeld fehlte. Diesen Jungen, der uns später auch in Mülheim besuchte, haben wir den Schulbesuch ermöglicht.






Welche Projekte folgten und was sind Ihre aktuellen Projekte?



Durch Günther Gellrich haben wir dann auch Kontakte in Tansania geknüpft, wo wir unter anderem die deutsche Urwaldärztin Margarete Bund schuh unterstützt haben, die sich als eine der Ersten dort um die Behandlung Aids-Kranker gekümmert hat. Später haben wir hier zum Beispiel auch alte Nähmaschinen gesammelt und repariert, mit denen wir Mädchen in Tansania eine Berufsausbildung ermöglichen konnten. Wenig später finanzierten wir dann in Ghana die Anlage von Trinkwasserbrunnen und Dorftoiletten. Derzeit unterstützen wir eine von katholischen Ordensfrauen geleitete Berufsschule für Mädchen in Adeemmrra/Ghana und das Nikolaushaus am Viktoriasee in Kemondo/Tansania, das von der aus dem Ruhrgebiet kommenden Sozialarbeiterin Stefanie Köster aufgebaut wird, um dort behinderte und zum Teil Aids-kranke Waisenkinder zu betreuen. Spendengelder fließen auch in den Betrieb von Kindertagesstätten in Diamante Entre Rios/Argentinien und Encarnacion/Paraguay sowie in Patenschaft für bedürftige Kinder in Indien, die von der Kindernothilfe betreut werden.






Wie kontrollieren Sie die Mittelverwendung für Ihre Projekte?



Um der Überprüfbarkeit willen zahlen wir nicht in große anonyme Töpfe ein. Wir machen kleine Dinge, suchen uns vor Ort unsere Partner, die uns ihre Projekte schildern und die wir dann auch später vor Ort kontrollieren. Natürlich fordern wir von unseren Projektpartnern detaillierte Abrechnungen ein. Wir hoffen natürlich, dass das später einmal von unseren jüngeren Mitgliedern übernommen werden kann, wenn sie selbst erfahren, wie das da unten ist. Sollte sich aber unser Verein, der derzeit 60 Mitglieder hat, einmal auflösen, würden wir unser Vereinsvermögen der Kindernothilfe zukommen lassen, die vom Vater eines U5-Mitglied es mitgegründet worden ist.






Was haben Sie durch Ihr Engagement gelernt?



Das ich im Leben eigentlich mit sehr wenig auskomme und viele Dinge gar nicht brauche.






Weitere Informationen im Internet unter: www.kirche-muelheim.de/u5






Dieser Beitrag erschien am 30. Mai 2011 in der NRZ

Donnerstag, 2. Juni 2011

Global denken, lokal handeln: Dieses Agenda-Motto ist für die Speldorfer Kirchengemeinde St. Michael schon seit langem gelebte Praxis



Eines kann man der Speldorfer Kirchengemeinde St. Michael bestimmt nicht vorwerfen: Dass sie nur um ihren eigenen Kirchturm an der Schumannstraße kreisen würde.Seit Jahren unterstützen zum Beispiel die zur Gemeinde gehörenden Eheleute Sigrid und Rudolf Wiebringhaus zusammen mit einem privaten Helferkreis eine katholische Internatsschule für Aids-Waisen in Tansania. Doch wenn die Speldorfer Gemeinde über ihre Kirchturmspitze schaut, guckt sie nicht nur nach Afrika, sondern auch in die osteuropäische Ukraine.






Eine von den Eheleuten Christa und Gerhard Fölting initiierte Gruppe, deren harter Kern aus 15 bis 20 Gemeindemitgliedern besteht, pflegt eine Partnerschaft mit der Mariengemeinde in der westukrainischen Bukowina. Die Freundschaft zwischen St. Michael in Speldorf und St. Marien in Stara Krasnoshora wurde durch den katholischen Weltjugendtag 2005 in Köln begründet, als Familien aus St. Michael Gäste aus der Ukraine aufnahmen.Mit dem Weltjugendtag 2005 fing alles an. Seit dem besuchen Gemeindegruppen aus Speldorf regelmäßig die Ukraine und heißen Gäste aus der Ukraine in Speldorf willkommen, frei nach der Devise: „Kleine Besuche erhalten die Freundschaft“






Natürlich geht es den Michaelanern, die in die Bukowina reisen oder hier Gäste aus. Stara Krasnoshora beherbergen und betreuen, auch um eine persönliche Horizonterweiterung. „Diese Partnerschaft ist eine gute Brücke nach Osteuropa. Doch das Engagement der Gastfamilien stärkt auch den Zusammenhalt in den Gemeinden“, sagt Gerd FöltingDoch die deutsch-ukrainischen Begegnungen, die nächste übrigens wird im Herbst in Speldorf stattfinden, haben auch einen praktischen Mehrwert. Denn bei den Besuchen dies- und jenseits der EU-Grenzen geht es nicht nur um Freundschaft, Sightseeing oder gemeinsames Beten, Meditieren und Singen, sondern auch um die konkrete Lösung von Alltagsproblemen.






So unterstützt St. Michael eine Gruppe, die sich unter dem Namen Smiley Kids in Stara Krasnoshora um Kinder alkoholkranker Eltern bemüht. So konnte die Speldorfer Gemeinde den Kontakt zu einer Fachfrau vom Kreuzbund herstellen, die bereits ein Seminar in der Ukraine abgehalten hat. Außerdem übten sich deutsche Gastgeber und ukrainische Gäste beim letzten Zusammentreffen in Speldorf in gemeinsamen Übungen am lebenden Objekt und unter professioneller Anleitung einer Krankenschwester im kleinen Einmaleins der häuslichen Krankenpflege, besuchten gemeinsam ein Altenheim und ließen sich beim Besuch einer Dachbaufirma über die Möglichkeiten des energiesparenden biologischen Bauens aufklären.„Das ist etwas ganz anderes als das Ruhrgebiet. Es gibt eine stark ausgeprägte Volkstümlichkeit mit Musikgruppen und Trachten.






"Viele Menschen leben dort in Holzhäusern, haben einen Brunnen vor der Tür und fahren noch mit Pferd und Wagen,“ schildert Gerd Fölting die selbst erlebten Unterschiede im Alltag, die aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es gemeinsame soziale und menschliche Probleme gibt.So wird man sich beim nächsten deutsch-ukrainischen Treffen in Speldorf mit der Lebenssituation von Frauen und von Menschen mit Behinderung auseinandersetzen.Das letztere Thema hat einen aktuellen Hintergrund. Denn im vergangenen Sommer ließen sich die Speldorfer und ihre ukrainischen Gastgeber durch den Besuch in einem Heim für alte und behinderte Männer in Tscheresch zum Handeln motivieren, um auf die dort herrschenden hygienischen und fachlichen Mängel aufmerksam zu machen.






Über den CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder und die deutsche Botschaft in Kiew konnte politischer Handlungsdurck auf die Verantwortlichen vor Ort organisiert werden, so dass eine Lösung der Probleme wahrscheinlicher wird.






Dieser Text erschien am 28. April 2011 in NRZ und WAZ

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...