Sonntag, 8. November 2009

Alte Schule: Wiedersehen in Styrum machte Freude


Das hat man selten. Wenn sich ehemalige Mitschüler 60 Jahre nach ihrer Entlassung in den Ernst des Lebens treffen, ist ihr alter Lehrer meistens nicht mehr mit dabei. Bei den 25 ehemaligen Volksschülern von der Augustastraße, die sich jetzt in der Styrumer Bahnhofsgaststätte trafen, war genau das aber der Fall. Und wer dem 83-jährigen Alt-Lehrer Heinz Steeger und seinen ehemaligen Schülern bei ihrem Wiedersehen zuhörte, merkte sofort: Da stimmt die Chemie auch 60 Jahre nach der gemeinsamen Schulzeit. Für Steeger war es damals die erste Klasse, die er nach seiner Ausbildung an der Pädagogischen Akademie Kettwig übernahm.

"Die Schüler wurden damals strenger erzogen und sie waren bescheidener", erinnert sich Steeger und weiß, dass es seine heute aktiven Kollegen wesentlich schwerer haben. "Geblieben", so der pensionierte Pädagoge, "ist aber die Herausforderung, den Unterricht so interessant zu gestalten, dass einem die Schüler zuhören." Vor 60 Jahren gehörten noch Schulspeisung und Care-Pakete zum Alltag an der Evangelischen Augustastraßen-Volksschule. Besonders gern erinnern sich die ehemaligen Mitschüler Walter Sohn, Luise Bido und Willi Seeger zum Beispiel an den Schulchor oder Steegers Naturexkursionen, einen Badeausflug ins Ruhrstadion, die vom dortigen Hausmeister nicht gern gesehenen Fußballspiele auf dem Schulhof der damals katholischen Volksschule an der Oberhausener Straße oder an die Abschlussfahrt zum Drachenfels.

Samstag, 7. November 2009

Kunst und Kafee in Styrum: Malbar und Friedns zu Gast in der Feldmancafeteria


Noch heute und morgen gibt es eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lassen sollte, nämlich in der Styrumer Feldmanncafeteria an der Augustastraße die Kunstwerke von Malbar und Friends zu entdecken. Malbar und Friends: Das sind Gabriele Lahno, Klaus Hesselmann und ihre Malkursteilnehmer Sabine Hilbich, Monika Schmid-Rittmann, Monika Kulvietis, Michaela Knümann, Jutta Sander und Beate Schmid.
Ob mit einem Kaffee-Ensemble, einer fotorealistisch gemalten Momentaufnahme aus dem nächtlichen Nahverkehr, einem Seeblick-Strandpanorama oder einem Gruppenbild mit rauchenden Damen, die den Tag totschlagen: Passend zum Ausstellungsraum inspieren die Bilder und Collagen, made by Malbar und Friends zum wohltuenden Müßiggang. Ihr Betrachter darf die Seele baumeln lassen. Gearbeitet wurde mit satter Acryl- oder Ölfarbe, die mit trockenem Pinsel auf die Leinwand oder auch auf Holz aufgebracht wurde. Die Collagen überraschen mit erstaunlichen Materialkombinationen von Spachtelmasse über Lappen und Katzenstreu bis zu Sand, Münzen, Holzstäbchen und Zeitungspapier.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.lahno.de

Mülheims Katholiken haben an diesem Wochenende die Wahl


An diesem Wochenende haben Mülheims Katholiken die Wahl. Gemeinderäte und Kirchenvorstände sind neu zu besetzen. Gewählt wird jeweils vor und nach den Gottesdiensten. Von rund 60 000 Katholiken sind 43 641 wahlberechtigt. 16 Mitglieder für den Kirchenvorstand Die Kirchenvorstände werden auf der Pfarreiebene, also für St. Mariae Geburt, St. Mariae Himmelfahrt und St. Barbara gewählt. Sie bestehen aus jeweils 16 Mitgliedern, wobei die Pfarrer als „geborener" Vorsitzender des Kirchenvorstandes amtieren. Die Kirchenvorstände werden für die Dauer von sechs Jahren gewählt, wobei jeweils nach drei Jahren die Hälfte der Mandate ausläuft und neugewählt werden muss, um Kontinuität und Wandel sicherzustellen. Der Kirchenvorstand ist für alle Personal,- Finanz- und Liegenschaftsfragen der Pfarrgemeinde zuständig.
Die Mandatszahl in den Gemeinderäten schwankt, je nach Anzahl der Gemeindemitglieder zwischen acht und zwölf. Die Gemeinderäte werden, wie das Wort sagt, auf Gemeindeebene, also für St. Mariae Geburt (Stadtmitte), St. Joseph (Heißen), St. Barbara (Dümpten), St. Mariae Rosenkranz (Styrum), Christ König (Winkhausen), St. Engelbert (Eppinghofen), St. Mariae Himmelfahrt (Saarn), Herz Jesu (Broich) und St. Michael (Speldorf) gewählt.

Ihre Mitglieder sind vor allem für pastorale Fragen, wie etwa die Gottesdienstgestaltung, die Einrichtung von Kreisen und Gruppen, den Kommunion- und Firmunterricht oder die Organisation von Gemeindefesten verantwortlich. Pfarrer und andere pastorale Mitarbeiter der Gemeinden gehören den Gemeinderäten als geborene Mitglieder an. Außerdem können die Gemeinderäte fachkundige Gemeindemitglieder in ihr Gremium berufen. Drei Pfarrgemeinderäte in Mülheim Aus den Reihen der Gemeinderäte rekrutieren sich dann später per Delegation auch die Mitglieder der drei Mülheimer Pfarrgemeinderäte . Den Pfarrgemeinderäten gehören die jeweiligen Gemeinderatsvorsitzenden und je nach Gemeindegröße ein bis drei weitere Gemeinderäte an. Hinzu kommen die Pfarrer und Pastöre als geborene Mitglieder, zwei Vertreter der jeweiligen Pastoralkonferenz und bis zu drei fachkundige Gemeindemitglieder, die von den Pfarrgemeinderäten in ihr Gremium hinzuberufen werden können.

Bei den Gemeinderatswahlen darf jeder wählen, der mindestens 16 Jahre alt ist. Kandidaten für dieses Gremium müssen mindestens 18 Jahre alt sein. Die Kirchenvorstände dürfen von allen Gemeindemitgliedern gewählt werden, die mindestens 18 Jahre alt sind. Um für den Kirchenvorstand zu kandidieren, muss man mindestens 21 Jahre alt sein. Wahlbeteiligung ist eher niedrig Obwohl die Wahlbeteiligungen in den letzten Jahren mit 10 bis 15 Prozent extrem niedrig waren, bereuen Kirchenvorstand Martin Behmenburg und Gemeinderat Olaf Meyer ihre Mitarbeit in den Gremien ihrer Gemeinde St. Mariae Geburt keineswegs: „Mir war es gerade im Zuge des Fusionsprozesses wichtig, selbst Einfluss auf Finanz- und Personalfragen zu nehmen. Und das hat auch verhältnismäßig gut geklappt", beschreibt Behmenburg seine Motivation. Und Meyer betont: „Nur zu sagen, dies und das gefällt mir in der Kirche nicht, wäre mir zu einfach. Ich will auch etwas verbessern können."

Donnerstag, 5. November 2009

Zwischen Beruf und Berufung: Ein Porträt der Künstlerin Barbara Schöttle zu den Tagen der offenen Ateliers



Für die Malerin Barbara Schöttle ist die Kunst nicht nur schön. Sie ist lebensnotwendig. Für die 49-Jährige ist ihre Kunst Beruf und Berufung. Sie ist eine von 24 Mülheimer Künstlern, die ihre Ateliers am 7. und 8. November für kunstinteressierte Besucher öffnen werden.
Das harte Brot der Kunst hält die Malerin Barbara Schöttle und ihre Künstlerkollegen nicht davon ab, ihre Berufung zu leben, um sich auszudrücken und Anstöße zu geben. Für Schöttle ist die Kunst nicht nur schön. Sie ist lebensnotwendig. Für die 49-Jährige ist ihre Kunst Beruf und Berufung. Sie ist eine von 24 Künstlern, die ihre Ateliers am 7. und 8. November für kunstinteressierte Besucher öffnen werden.


Es ist für Schöttle und ihre Kollegen aus der aktuell 67 Mitglieder zählenden Arbeitsgemeinschaft eine besonders gute Gelegenheit, das zu bekommen, was des Künstlers Brot ist: der Kontakt zu Menschen, die sich für ihre Kunst interessieren und unter Umständen sogar bereit sind, diese zu kaufen.

Letzteres ist, das gibt Schöttle zu, der schwerste Akt. "Viele Menschen kommen in mein Atelier und sind von meinen Bildern begeistert und würden sie sicher sofort mitnehmen, wenn sie sie geschenkt bekämen. Aber mit dem Kaufen von Kunst tun sich die meisten dann doch schwer." Gerne erinnert sie sich an das Vorstandmitglied eine großen Metallindustrieunternehmens, das ihr eines ihrer Bilder für 3000 Euro abkaufte. Doch so etwas kommt nicht jeden Tag vor, sondern ist für Schöttle und ihre Kollegen eher wie ein Sechser im Lotto. Und ehe eines ihrer starken Ölgemälde, die in ihrer nicht gegenständlichen Art irgendwie doch fast fotografisch, wie Seelenlandschaften anmuten, an die kunstsinnige Frau oder den Mann gebracht werden kann, muss die Künstlerin nicht nur Zeit, Kraft und Kreativität, sondern auch viel Geld für Farben und Leinwände ausgeben. "Wenn man am Ende mit seiner Kunst plus-minus-null herauskommt, hat man Glück gehabt", sagt sie. Das hört sich nach kommerzieller Kargheit an. Kann man also von der Kunst leben? Schöttle sagt es so: "Die Künstler, die ich kenne, haben alle eine Berufung und einen Brotberuf."

Die künstlerische Berufung ist für Schöttle der allen kommerziellen Kunstmoden trotzende Wille, "sich als Künstler ausdrücken zu wollen und vor allem aus seinem Gefühlsleben heraus etwas darzustellen."

Ihr Brotberuf ist das Lehramt für Kunst, Sport und Franzöisch an einer Wülfrather Realschule. Kunstlehrerin und Künstlerin, das liegt ja irgendwie auch nahe beieinander. Aber sie kennt auch viele Kollegen, die sich den Unterhalt für ihr Künstlerleben sehr viel profaner verdienen müssen, zum Beispiel als Nachtwächter in einem Krankenhaus oder als Mitarbeiter in einem Copy-Shop. Manchmal sind es aber auch der Staat, der in Form von Arbeitslosengeld II, oder ein gutverdienender Ehepartner, die die materielle Basis oder zumindest das Überleben der Künstlerexistenz sicher. Kunst scheint also tatsächlich ein hartes Brot zu sein.
"Die Hoffnung stirbt immer zuletzt", umschreibt Schöttle den trotzigen Zweckoptimismus, den Künstler brauchen, die auf dem Kunstmarkt unterhalb des Bekanntheitsgrades und Marktwertes von Immendorf, Lüpertz und Co. operieren müssen. Da helfen nur Mund-zu-Mund Propaganda, am besten Empfehlungen durch bekanntere Künstler, Ausstellungen, Stipendien, Tage der offenen Ateliers oder auch die Teilnahme an Kunstwettbewerben. Doch bei solchen, in Fachzeitschriften ausgeschriebenen Wettbewerben, einen ersten Preis zu gewinnen, gleicht noch eher einem Sechser beim Lotto als der Kontakt zu einem zahlungskräftigen Kunstfreund. "An solchen Wettbewerben nehmen vielleicht knapp 1000 Künstler teil. 40 bis 50 kommen in die engere Wahl. Und einer gewinnt dann den ersten Preis", beschreibt Schötlle die Erfolgschancen. Das ist wirklich ernüchternd.
Obwohl sie bisher noch keinen renommierten Kunstpreis gewinnen konnte, hatte die Frankreich-Liebhaberin, die sich bei ihren aktuellen Bildern von den Felsen der Bregtagne inspirieren ließ, just in diesem Juli ihr ganz eigenes Erfolgserlebnis: Einen Monat konnte sie in Nantes als Stipendiatin leben und arbeiten und anschließend dort bei einer Ausstellung sogar einige Bilder verkaufen. Manchmal können eben auch Künstlerinnen ein Sommermärchen erleben.

Kein Wunder, dass Schöttles Eltern inzwischen "richtig stolz" auf das künstlerische Schaffen ihrer Tochter sind, obwohl sie es anfangs mit großer Skepsis sahen, als Barbara Schöttle ihren ersten Beruf als Technische Zeichnerin bei Siemens aufgab, um anschließend erst das Abitur nachzuholen und danach an der Uni Essen Kunst zu studieren.
Weitere Informationen im Internet unter: http://www.barbara-schoettle.de/

Wer macht mit bei den Tagen der offenen Ateliers?

Am kommenden Wochenende 7. November (14 bis 20 Uhr) und 8. November (12 bis 18 Uhr) öffnen folgende Künstler ihre Ateliers:
Detlef Kelbassa, Corinna Kuhn, Heike Plaßyk, Auerstraße 20 ( 80 44 98); Uwe Dieter Bleil, Holzstraße 21 ( 42 92 34); Alfred Dade, Kellermannstraße 26 (alfred.dae@t-online.de); Marta M. Deli, Peter Helmke, Folkenbornstraße 52 ( 437 56 56); Peter Flach, Oppspring 64 ( 42 98 25); Marianna Goldbach, Fängerweg 9a ( 86 29 37); Gabriele Klages, Finkenkamp 18 ( 0171/53 42 387); Kuno Lange, Tinkrathstraße 60 ( 37 53 24); Ernst Rasche, Teinerstraße 18a ( 39 01 60); Eberhard Ross, Dirk Hupe, Kirchstraße 126 ( 594 32 54); Dirk Salz, Aktienstraße 69 ( 0160/47 13 920); Vera Herzogenrath, Hiroko Inoue, Rainer Komers, Ralf Rassloff, Schloß Styrum, Moritzstraße 102; Barbara Schöttle, Von-Bock-Straße 14 ( 388 08 83); Ursula Vehar, Wertgasse 18 ( 38 16 19); Imdre Videk, Zeppelinstraße 81 ( 444 25 58); Wolfgang Vogelsang, Fängerweg 7a ( 75 41 28); Georg Weber, Hantenweg 27 ( 48 16 24).
Ein umfassendes Infoblatt zu den Tagen des offenen Ateliers liegt im Medienhaus und im Kunstmuseum Alte Post am Synagogen- und Viktoriaplatz aus.

Dienstag, 3. November 2009

Die Frau hinter den Herbstblättern: Ein Gespräch mit Claudia vom Felde


Herbstblätter – das ist in Mülheim nicht nur ein Naturphänomen, sondern auch ein Literaturereignis, das noch bis zum 20. November Lesepublikum und Autoren zusammenbringt. Ist die Literaturreihe der Stadtbücherei eine Erfolgsgeschichte und wie funktioniert sie? Ich sprach mit ihrer Macherin Claudia vom Felde.

Warum muss die Stadtbücherei eine Literaturreihe auf die Beine stellen?
Es gibt doch auch Buchhandlungen, die Autoren zur Lesung einladen. Wir haben als Stadtbücherei jeden Tag mit Literaturvermittlung zu tun. Da sind wir der erste Anlaufpunkt in der Stadt. Und deshalb sind wir auch für eine literarische Veranstaltungsreihe sicher die geeignetste Adresse.

Was ist der Mehrwert der Herbstblätter? Was kann diese Literaturreihe bewirken?

Wenn Autoren persönlich ihre eigenen Bücher vorstellen, bekommt Literatur eine ganz andere Wirkung. Den Autor eines Buches leibhaftig vor sich zu sehen, ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Es eröffnet einen ganz anderen Blickwinkel auf die Literatur, macht unseren Eindruck von ihr bunter und lebendiger. Man sieht eben die Person, die hinter dem Buch steht.

Bescheren die Herbstblätter der Stadtbücherei mehr Leser und Kunden?
Das kann man so sicher nicht sagen. Aber wir stellen fest, dass es eine verstärkte Nachfrage nach den Werken der Autoren gibt, die wir bei den Herbstblättern vorstellen. Außerdem ist der Herbst die Jahreszeit, in der mehr schöne Literatur gelesen wird als sonst. Das Bestreben der Herbstblätter ist es immer, einen Ausschnitt aus der aktuellen Buchproduktion vorzustellen, die mit der Frankfurter Buchmesse auf den Markt kommt. Insofern sind die Herbstblätter auch eine gute Gelegenheit, sich darüber zu informieren, was es neues gibt auf dem Markt, vielleicht auch mit Blick auf ein Geschenk für Weihnachten.

Wie entscheiden Sie, was bei den Herbstblättern vorgestellt werden soll?
Wir haben kein durchgängiges Thema, sondern achten immer auf eine gute Mischung aus schwerer und leichter Kost, aus Lyrik, schöner Literatur und Sachliteratur. Und dann stelle ich meine Wunschliste auf.

Wie kommen Sie an Ihre Autoren?
Schon im Frühjahr frage ich bei den Verlagen und Literaturagenturen nach: Wer geht im Herbst auf Lesereise? Welchen Autoren können Sie uns empfehlen? Aber es gibt auch immer wieder Autoren, die selbst bei uns anfragen und die Vorstellung ihres neuen Buches anbieten. Hans Georgi war jetzt schon zum zweiten Mal bei den Herbstblättern. Tanja Kinkel hatten wir schon drei Mal zu Gast. Und auch Nina Hoger und das Ensemble Noisten sind in diesem Jahr zum dritten Mal dabei. Vor einigen Jahren konnten wir auch mal Frank Schätzing gewinnen, der mit einer Multivisionsshow sein Buch "Der Schwarm" vorstellte. Doch den könnten wir uns heute nicht mehr leisten.

Apropos leisten. Was kosten die Herbstblätter?
Das kann ich so genau gar nicht sagen. Fest steht, dass wir mit unseren Eintrittspreisen und 500 bis 600 verkauften Tickets nicht kostendeckend arbeiten können. Ohne Sponsoren und Förderer, wie die Sparkasse und die Leonhard-Stinnes-Stiftung, wären die Herbstblätter nicht denkbar. Was die Autorenhonorare betrifft, so bewegen wir uns zwischen 300 und 1500 Euro pro Autor. Verpflichten wir eine größere Gruppe mit mehreren Akteuren, die zum Beispiel Musik und Literatur präsentieren, können wir auch schon mal 3000 Euro einplanen. Das ist dann aber auch das Maximum und nur vertretbar, wenn man davon ausgehen kann, dass so eine Veranstaltung auch ein größeres Publikum finden wird. Die Kosten hängen natürlich auch davon ab, ob ein Autor von weit her anreisen muss und eine Hotelübernachtung braucht, oder ob wir einen Kooperationspartner finden, mit dem wir uns die Kosten teilen können.

Lohnt sich der Aufwand, der für die Herbstblätter betrieben wird?

Auf jeden Fall. Wir merken an den vielen Rückfragen – Was gibt es denn dieses Jahr? Und wann ist es wieder so weit? –, dass die Herbstblätter immer bekannter und beliebter werden. Allerdings haben wir noch ein Problem damit, jüngere Leser für die Herbstblätter zu gewinnen. Selbst eine auf junges Publikum abzielende Veranstaltung zur Fantasy-Literatur war mit gerade mal 30 Besuchern nicht unbedingt ein Publikumsrenner. Aber ich warte da einfach mal ab. Denn wir stellen fest, dass die Stadtbücherei jetzt von mehr jungen Leuten besucht wird, die sich hier im neuen Medienhaus gerne aufhalten. Vielleicht können wir da mal ins Gespräch kommen und Meinungen und Interessen abfragen, um zu erkennen, welche Themen wir abgreifen müssten, um mehr junge Leute für die Herbstblätter zu begeistern.

Muss Literatur live in der Stadtbücherei auf die Herbstblätter beschränkt bleiben?
Nein. Ich könnte mir vorstellen, dass wir künftig im Monatsrhythmus einzelne Literatur- und Musikveranstaltungen im Medienhaus anbieten könnten. Für diesen Zweck hat uns der Freundeskreis der Stadtbücherei bereits ein Klavier gestiftet.

Zur Person:
Claudia vom Felde (49) ist gelernte Buchhändlerin und Diplom-Bibliothekarin und arbeitet seit 1986 in der Stadtbücherei. Sie arbeitete zunächst in den Bereichen Lektorat und Auskunftsdienst. In letzterem Bereich ist sie auch weiterhin tätig. Allerdings hat sie im August 2009 die neugeschaffenere Stelle für Öffentlichkeitsarbeit übernommen. In dieser Funktion ist sie nicht nur für die Planung von Veranstaltungen, sondern auch für Kooperationsprojekte und die Pressearbeit der Stadtbücherei zuständig.

Weitere Informationen zum Programm der Literaturreihe finden Sie im Internet unter: http://www.herbstblaetter-muelheim.de

Alle guten Dinge sind drei. Bezirksvertretung 3 wählt Gerhard Allzeit wieder zum Bezirksbürgermeister für Mülheim links der Ruhr


Kurz und schmerzlos wurde am Freitagnachmittag der amtierende Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Linksruhr, Gerhard Allzeit, (Foto) für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Eine Listenverbindung von CDU, SPD und FDP machte nicht nur die Wahl des Christdemokraten, sondern auch die seiner beiden Stellvertreter Heinz-Dieter Zeitnitz (SPD) und Wolf Rüdiger Deichsel-Otterbeck (FDP) möglich.


Der gemeinsame Wahlvorschlag von Sozial,- Christ- und Freidemokraten erhielt in der gehemein Verhältniswahl 17 von 19 Stimmen. Der nach 1994, 1999 und 2004 wiedergewählte Bezirksbürgermeister Allzeit (75) eröffnete die konstituierende Sitzung der für Saarn, Broich, Speldorf, Mintard und Selbeck zuständigen Bezirksvertretung 3 auch als Altersvorsitzender. Da er sich in dieser Funktion nicht in sein Amt als Bezirksbürgermeister selbst einführen konnte, delegierte er diese Aufgabe kurzerhand an den Bezirksvertreter Rudolf Klüppel von der CDU. Allzeit, der der BV 3 bereits seit 1984 angehört, appellierte nach seiner Wiederwahl an die Mitglieder des Stadtteilparlamentes: „Als Bezirksvertreter sollten wir selbstständig und mit Entschiedenheit und Gelassenheit handeln, ohne uns dabei zu sehr von den jeweiligen Parteigremien abhängig zu machen. Als Bezirksvertreter haben wir den engsten Kontakt zu den Bürgern. Wir können ihnen dabei nicht jeden Wunsch erfüllen. Wir sollten aber immer für gute Vorschläge und Ratschläge der Bürger offen sein."

Sonntag, 1. November 2009

Was ist heute noch heilig: Eine zeitlos aktuelle Allerheiligen-Umfrage unter bekannten Bürgern unserer Stadt


Heilig!? "Um Gottes Willen", mag mancher bei diesem Begriff denken und sich fragen: "Was ist (uns) heute überhaupt noch heilig?" Deshalb fragte ich am Vorabend von Allerheiligen bekannte Mülheimer danach, was ihnen heilig ist und wo ihnen Menschen begegnen, die mit ihrem Handeln zumindest einen Hauch von Heiligkeit ausstrahlen.

Dem Pfarrer von St. Barbara Manfred von Schwartzenberg sind "keine Sachen, sondern Menschen heilig". Ihnen zu zeigen, "wer sie sind", nämlich "von Gott geliebt und ausgestattet mit Wert und Würde"ist für ihn die wichtigste Aufgabe der Kirche. "Menschen, die es verstehen, in komplizierten Situationen, etwa bei einem Todesfall, einfühlsam mit anderen Menschen umzugehen oder auch Streit zu schlichten", empfindet er, wenn nicht als heilig, so doch als "begnadet".

Heilig ist dem evangelischen Superintendet Helmut Hitzbleck , "alles, was Gott geschaffen hat". Und so sieht er überall dort heiliges Handeln, "wo Menschen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen." Das sieht er heute als besonders nötig an, "weil die Menschenwürde immer öffter einer gewissen Beliebigkeit" unterliege. Mit Blick auf die jüngere deutsche Geschichte sieht Hitzbleck die Widerstandskämpfer gegen Hitler als heilige Menschen, die über sich hinausgewachsen seien.

"Heilig? Wer möchte sich schon so nennen lassen?", fragt sich der Chef des Mülheimer Jazzclubs, Manfred Mons . Und dann denkt er doch an die sogenannten Trümmerfrauen, die nach dem Krieg in zerstörten Wohnungen ihre Kinder durchbrachten und oft kranke Männer pflegten oder jene Ordensfrauen, die selbstlos und für Gotteslohn alte und kranke Menschen gepflegt haben. Heilig sind ihm Feiertage, die man aus seiner Sicht nutzen sollte, um sich auf Wesentliches zu besinnen.

Unantastbare Privatsphäre Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld sind Familie und Privatleben heilig, ebenso wie "die menschliche Würde", die auch im politischen Streitfall nicht außer Acht gelassen werden dürfe. Persönlichkeiten, wie Mahatma Gandhi oder Albert Schweitzer sieht sie als moderne Heilige.

Neben Familie und Freunden ist dem CDU-Kreisvorsitzenden Andreas Schmidt die Wahrhaftigkeit und die damit verbundene Fähigkeit "sich selbst im Spiegel betrachten zu können" heilig. Der ältere Gesprächspartner, der ihm als mittellosen Studenten die Restaurantzeche mit der Begründung bezahlte: "Wenn Sie mal gutes Geld verdienen, machen Sie es auch so wie ich", kam ihm seinerzeit fast heilig vor.

Neben der Menschenwürde, die nicht nur in der Politik, sondern auch im alltäglichen Umgang miteinander beachtet werden sollte, ist dem Pädagogen Niklas Rahn der Sonntag heilig. Obwohl kein reglmäßiger Kirchgänger begreift Rahn den Sonntag als "Zeit der Besinnung und Ruhe", die heute oft zu kurz komme.

"Das Wort heilig ist für mich durch einen Glauben besetzt, den ich nicht teile. Im Sinne von unantastbar ist mir meine Familie wichtiger als icke myself", sagt Künstler Peter T. Schulz . "Ohne Profilneurose Gutes zu tun", wie beispielhaft Dagmar van Emmerich mit ihrer Initiative Tschernobylkinder ist für Schulz nicht nur eine Sache von Glauben und Gefühl, sondern auch "ein Gebot der Klugheit"
Das Foto zeigt einen Grabstein auf dem Altstadtfriedhof an der Dimbeck.

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174...