Sonntag, 8. März 2026

Warum sich der Sozialstaat auszahlt

Wer Helga Albrecht-Faßbender begegnet, trifft eine starke, ausgeglichene und lebensbejahende Frau.

Wenn sie es nicht selbst erzählen würde, käme man nicht darauf, dass sie eine familiäre und eine eigene Alkohol- und Drogengeschichte hinter sich hat.

Heute kann die 67-Jährige EDV-Dozentin von sich sagen: "Ich bin  seit 25 Jahren trocken und rauchfrei." Ihre Lebenserfahrung gibt sie heute als ehrenamtliche Vorsitzende des Mülheimer Kreuzbundes an Menschen weiter, die eine vergleichbare Suchtgschichte mit ihr teilen.

Aufgewachsen ist Helga Albrecht-Faßbender mit drei Geschwistern in einem Elternhaus, das von der Alkoholsucht ihres vom Zweiten Weltkrieg traumatisierten Vaters geprägt war. "Die Generation meiner Eltern hätte nach dem Krieg komplett auf die Couch gehört. Aber damals hat sich niemand um die seelische Gesundheit der Menschen gekümmert, die im Krieg traumatisiert worden waren", erinnert sich Albrecht-Faßbender an ihre Kindheit und Jugend.

Mit 16 hielt sie es zu Hause nicht mehr aus und kam mit Hilfe des Jugendamtes in einem Mädchenwohnheim unter. Von da an schien es, auch mit Hilfe engagierter Erzieherinnen und Erzieher, für Sie bergauf zu gehen. Sie besuchte die Berufsschule und machte das Fachabitur nach. Aber dann kam sie mit falschen Männern und mit falschen Menschen zusammen und lebte ein Leben zwischen Cannabis und Alkohol. "Ich wundere mich noch heute, dass mich die Erfahrung meiner Kindheit nicht so weit sensibilisiert hat, um nicht in die Sucht abzugleiten!" Das sagt Albrecht-Faßbender im Rückblick auf ihre nassen und durchrauchten Jahre.

Doch dann, vor etwa 27 Jahren, traf sie einen Schicksalsgenossen, mit dem Sie den Mut und die Kraft zum Neuanfang hatte. Rat und Hilfe fanden sie bei der Caritas, die zusammen mit der Diakonie in Mülheim seit Jahrzehnten eine professionelle Suchtberatung betreibt.

"Ich habe hier Menschen getroffen, die mich so genommen haben wie ich bin und mir keine Vorwürfe gemacht haben. Gemeinsam haben wir überlegt, wie unser Leben ohne Alkohol und Cannabis aussehen könnte. Eine Alternative, die wir gefunden haben war das Fahrradfahren."

Trocken und rauchfrei fand Albrecht-Faßbender auch die Kraft zum beruflichen Durchstarten. Sie machte ihr Abitur nach und absolvierte anschließend eine Ausbildung zur technischen Redakteurin.

Ihre wichtigsten Lebenserfahrung lautet: "Ich hatte das Glück im Unglück, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, in der der Sozialstaat ausgebaut und nicht, wie heute, zusammengeschrumpft wurde. Ohne diesen Sozialstaat hätte ich nicht die professionelle Hilfe bekommen, die es mir erlaubt hat, aus meiner Lebenskrise gestärkt hervorzugehen und auch als berufstätige Frau wieder in die Sozialsysteme unserer Gesellschaft einzahlen zu können. Schicksalsgenossen rät sie, "sich den eigenen Hilfebedarf einzugestehen und sich die professionelle Hilfe zu holen, die es Gott sei Dank immer noch in unserem Land gibt. Ohne die professionelle Beratung durch die Caritas hätte mein Leben einen ganz anderen Verlauf genommen", ist sich Albrecht- Faßbender sicher.

Weitere Informationen über die Suchtberatung in Mülheim finden Sie hier und hier.

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