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Rückblick: Vor 50 Jahren war auf Mülheims ältester Zeche Wiesche Schicht am Schacht

Auch vor 50 Jahren spricht man in Mülheim von einer Krise, und das mitten im Wirtschaftswunder. Die Rede ist von einer Kohlenkrise. Seit Anfang 1958 sind Förderung und Absatz der Mülheimer Kohle um zehn Prozent zurückgegangen. Am 1. Dezember 1959 zieht die Mathias-Stinnes-AG Konsequenzen und legt ihre Heißener Zeche Wieesche still. Die Entscheidung kommt nicht überraschend.

Tags darauf titelt die NRZ: „Zeche Wiesche schließt – Älteste Mülheimer Zeche wird der Kohlenkrise geopfert.” Schon ab 1952 dient die Zeche Wiesche, die seit 1836 Kohle zutage gefördert hat, nur noch als Außenschachtanlage der Nachbarzeche Rosenblumendelle. 370 von 640 Kumpel der Zeche Wiesche verbleiben in ihrem alten Grubenfeld, um dort die Restkohle zutage zu fördern, fahren künftig aber nur noch auf Rosenblumendelle ein. Die Bergleute, die in Heißen nicht mehr gebraucht werden, werden bereits seit Anfang November 1959 auf Stinnes-Zechen nach Essen und Rheinhausen verlegt.

Die NRZ berichtet über den Plan, sowohl die beiden Fördertürme der Wiesche, als auch ihr Betriebsgebäude abzureißen. Nur das Maschinen- und Kesselhaus soll stehen bleiben und künftig als Elektrowerkstatt des Stinnes-Konzerns genutzt werden. „Die alteingessenen Heißener werden es mit einiger Wehmut zur Kenntnis nehmen. Denn schließlich haben die stählernen Fördertürme mehr als ein Jahrhundert lang das Bild ihres Stadtteiles geprägt”. schreibt die NRZ am Tag nach der Zechenschließung. Sie lässt Förderung und Absatz der Mülheimer Kohle um weitere sieben Prozent sinken.

Dennoch dementiert ein Stinnes-Unternehmenssprecher die damals schon kursierenden Gerüchte, auch die Zeche Rosenblumendelle werde schon bald stillgelegt. Er verweist auf den Neubau einer Kohlentrocknungsanlage für Rosenblumendelle und wagt die Prognose, dass man noch 20 bis 25 Jahre in Mülheim wirtschaftlich Kohle fördern könne.

Wir wissen heute, dass es damals noch sieben Jahre dauern wird, bis es im Juli 1966 auch auf Rosenblumendelle „Schicht am Schacht” heißen sollte. Das Erbe der Zeche Wiesche, an die seit fünf Jahren am Wiescher Weg ein Gedenkstein des Arbeitskreises Bergbauhistorischer Stätten im Ruhrrevier erinnert, sollte die Stadt in Form von qualmenden und brennenden Abraumhalden an der Hardenbergstraße bis weit in die 70er Jahre beschäftigen. Was dort an Schutt und Schlacke vom Bergbau übrigblieb, wurde später als Material beim Straßenbau eingesetzt. Dort, wo noch in den 50er Jahren auf Zeche Wiesche Kohle zutage gefördert wurde, findet man heute an der Schieferbank die Firma Metallurgica.

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